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. Mttwoch lS. Dezember 1919« | s-i-ung l_46. 3Q r9

Y7 *}ffl 1 Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Karl Schütte, |U. XC'F. | für die Anzeigen: I. Parzeller, Fulda. Rotationsdruck.

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fein können. Bei einigem guten Willen auf beiden Seiten glaubt man, daß eine solche Verhandlung sich in wenigen Tagen abmachen lassen werde, sodaß eine Verzögerung des Protokolls nicht stattfindet. Die Re­gierung müßte also, anknüpfend an den Vorschlag der Alliierten, daß ihnen ein vollständiges Verzeichnis vor­gelegt wird, dieses Verzeichnis vorlegen und Gelegenheit nehmen, durch Fachleute die nötigen Erörterungen zu diesem Material geben zu lassen. Es handelt sich für Deutschland nicht nur, wie in der Rote gesagt wird, um die Aufrechterhaltung der Flußschiff­fahrt und anderer wirtschaftlicher Lebensmteressen der gleichen Art, auch Deutschlands Seeschiffahrt muß vor dem völligen Erliegen geschützt werden. Dazu kommt weiter, daß Deutschland durch den Friedens­vertrag auch noch verpflichtet ist, sährlich 200 000 To. für die Entente an Schiffen zu bau e n. Die deutsche Regierung rechnet mit einer schnellen Verständigung in dieser Frage. .

Aufrichtig begrüßt wird von der deutschen Retchs- regierung und sicher vom ganzen deutschen Volk die be­stimmte Zusage in der Ententenote, daß die deutschen G e f a n g e n e n mst der Jnkrafttretung des Friedens­vertrages freigelassen werden sollen. Eine Ver­knüpfung der Kriegsgefangenenfrage mit der Forderung nach der Anwesenheit der amerikanischen Delegierten ist, wie in Berlin versichert wird, von der deutschen Regie­rung nicht versucht worden. Es ist lediglich in einer Instruktion an Herrn v. Lersner hervorgehoben wor­den, daß ein großer Teil der Vertragsbestimmungen die Beteiligung Amerikas vorsehe und daß bei einer Nicht­beteiligung Amerikas besondere Vereinbarungen zwi­schen Deutschland und den ratifizierenden Mächten er­forderlich sein würden. Dabei hat Herr v. Lersner auch die Auslieferungsfrage zur Erörterung gestellt, nicht aber die Frage der Rückkehr der Kriegsgefangenen.

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Die deutschen Akten über den Ansbrnch des Krieges.

Die deutsche Regierung veröffentlicht jetzt die ge­samten deutschen Akten des Auswärtigen Amtes über den Kriegsausbruch. Halbamtlich wird dazu gesagt: Die Veröffentlichung unterscheidet sich von den "bisherigen Farbbüchern aller Art durch ihren Umfang und vor allem durch den Geist, auS dem sie entstanden ist. Sie ist nicht eine zur Recht­fertigung der eigenen Regierung um jeden Preis erstrebte Auswahl, wie die meisten Farbbücher, sondern eine umsaffendeHerausgabe aller Akten­stücke, welche für den letzten Abschnitt der Vor­geschichte des Krieges von Bedeutung sind mit dem einzmen Zweck, der Wahrheit zu dienen. Die Veröffentlichung ist der stärkste Ausdruck deS guten und reinen Willen, des verantwortlichen neuen Deutschlands das seinen Anteil an der Verantwortlichkeit im Kriege nicht verschleiern will, aber auch immer wieder seine Stimme erheben muß gegen die Begründung deS Ver­sailler Friedens: Deutschland sei der Allein- schuldige. Auch trotz alles Bemühens ist durch deutsche Publikationen allein die volle Erkennt­nis nicht erreichbar. Diese kann erst gewonnen werden, wenn auch die Archive der anderen Länder sich geöffnet haben werden. Erst dann wird die volle Erkenntnis möglich sein.

Deutsche Nationalversammlung

Stürmische Szene».

$ Präüdent Frbrenbach ruft den Abq. Hugenberg wegen dieser .groben Ungehörigkeit' zur Ordnung. Der Reichsfinanzminister habe ihm keinesweis den Wunsch nach einer feindlichen Besetzung unterstellt.

Mittwoch: Fortsetzung.

Der Prozetz Marloh.

Der vor dem Kriegsgericht der 20. Reichswehr­brigade verhandelte Prozeß Marloh ist gestern zu Ende gegangen. Der Prozeß hat folgende Vorgeschichte:

In den Berliner Märzunruhen hatte in Berlin die Brigade des Obersten R e i n h a r d t die innere Stadt zu sichern. Es wurde bekannt, daß die Volks- Marinedivision, die zu den Spartakisten hielt, in der Französischen Straße einen Löhnungsappell ab­halten wollte. Reinhardt gab der Abteilung des Ober­leutnants v. K e s s e l den Auftrag, einzugreifen, v. Kes­sel schickte den Oberleutnant Marloh mit einer klei­nen Anzahl von Leuten nach der Französischen Straße. Hier fanden sich im Laufe des Tages über 300 be­waffnete Matrosen ein, die Marloh verhaften ließ. We erinnerlich, bestand damals der Befehl, daß jeder, der mit der Waffe in der Hand betroffen wurde, er- schoflen werden sollte. Man erinnert sich auch noch, welche Unsumme von Erbitterung, Haß und Furcht sich gegen die Mitglieder der Bolks-Marinedwision aufge­speichert hatte, in der wohl das gesamte Bürgertum und auch weite Kreise der sozialistischen Arbesterschast die Trägerin des Bürgerkrieges und Sammelstelle aller verbrecherischen Elemente erblickte. Daß diese Gefühle besonders lebendig waren in der gegen die Matrosen eingesetzten Truppe, ist, namentlich nach den mit Ver­lusten der Truppen verknüpften Kämpfen ohne weite­res verständsich. Marloh befand sich nun mit nur we­nigen Leuten gegenüber der Ueberzahl von Gefangenen in einer bedrängten Lage. Wiederholte Gesuche um Verstärkung blieben ohne Erfolg; schließlich fertigte auf allgemeine Weisungen des Obersten Reinhard Haupt­mann v. Kessel, der direkte Vorgesetzte Marlohs, einen Befehl an diesen aus, den der Leutnant Weh­meyer überbrachte. Dieser Befehl lautet dem Sinn nach dahin, daß sich Oberleutnant Marloh selbst helfen solle, daß er mit den Leuten zu milde umgehe, und daß die beste Hilfe die Kugel sei. Es scheint auch da­von die Rede gewesen zu sein, daß eventuell 150 Ma­trosen erschaffen werden sollen. Oberleutnant Marloh gibt jedenfalls an, diese Mitteilung als Befehl zur Er­schießung von 150 der gefangenen Matrosen aufgefaßt zu haben. Er fühüe sein Gewiffen bedrückt, gleichzeitig glaubte er aber, als Soldat einem Befehl nicht zuwider- handAn zu dürfen. Er ließ zunächst 150 Matrosen aussondern. Er wühlte solche, in denen er nach dem Aussehen oder weil sie Schmuckgegenstände bei sich trugen, Verbrecher und Plünderer zu sehen glaubte. Aus der Mitte dieser Auslese ließ er dann auf dem Hof des Gebäudes tatsächlich 29 Mann erschie­ßen. Später floh Marloh auf Beranlaffung seiner Vorgesetzten, die ihm gefälschte Papiere und Geldmittel zur Verfügung stellten. Dor kurzem wurde er aus der Reise von Berlin nach Holland erkannt und fest­genommen.

In dem Prozeß dreht es sich nun hauptsächlich darum, ob die Anweffungen, die Marloh gegeben waren, die Erschießung der Matrosen rechtfertigten. Man hatte den Eindruck, daß die wahrhaft für das

Zwei Noten der Entente.

Kleine Zugejtändnijje.

Die lang erwartete Antwortnote desObersten i «ßteä" auf die deutschen Noten über die Unter- «xjchnung des Raiifikatioiisprotokolls ist am Montag flbenö dem Fretherrn v. Lersner in Paris überreicht ^oiden. Es ist eine Doppelnoie, die Hauptnote antwortet auf die deutschen Voriiellungen wegen der verlangten Unterzeichnung des Zusatzprotokolls, die | Segleiinote greift die Seapa-Flow-Angelegenheit be­sonders heraus.

Die erste Note beschuldigt die Deutschen» durch ihr Berhalten das Inkrafttreten des Friedens»ertrages verzögert zu haben und bürdet Deutschland die Der antworlung für die Verzögerung auf. Die Anregung betreffend ein angebliches Recht Deutschlands (als Kompensation dalür, daß die amerikanischen Delegierten bifl zur Ratifizierung deS Vertrages durch die Ver­einigten Staaten in den Kommissionen fehlen), eine Aen­de rung der Vertragsbestimmungen über die Aus- lieierung der Schuldigen und die Rücktehr der Kriegs- «fangenen zu verlangen, sei unbegründet. Bezüglich der Rückkehr der Kriegsgefangenen seien die Be­stimmungen deS Friedensvertrages völlig klar. Frank­sch habe schon mehrmals erklärt, daß es die Gefangenen mit der Inkraftsetzung des Friedensoertrages fteilaffen werde. Auf die Seapa-Flow-Angelegenheit würde in einer besonderen Note geantwortet werden. Die Alliierten teilten di» deutschen Befürchtungen wegen der »irtschastlichen Folgen für die deutschen Häfen nicht. Hie halten das Protokoll in seiner bisherigen Fassung hefrtdjt Nachdem dte alliierten Regierungen das in dem Protokoll verlangte Verzeichnis der Bagger, Schwimmdocks ufro. erhalten haben, würden sie ihre UnSwahl treffen, wobei der allgemeinen wirlfchaft- stchen Lage der deutschen Häfen Rechnung getragen Werden soll. Wenn dann die deutsche Regierung glaubt, -atz »tue dieser Forderungen geeignet fei, Deutschland tu der Befriedigung der berechttgten Bedürfnisse zur Aufrechterhaltung der Flutzschifsahrt und gnderer wirtschaftlicher Interessen der gleichen Art (also nicht der Seeschiffahrt. Die Red.) schwer zu beeinträchtigen, <o könne sie bei den alliierten Regierungen ihre Rück- Forderungen stellen. Diese werden dann bereit fein, die deutschen Forderungen im Geiste der Billigkeit zu prüfen.

Der Schluß der Note betont dann, daß nur die Unterzeichnung deS Protokolls und die Ntrder- lkgung der Ratifikationsurkunden den Eintritt des FriedenSzu st ander herbeifuhren. Von da ab feien nur noch die allgemeinen Bestimmungen des Vertrages und 6« Bestimmungen des Protokolls matz lebend Die Note schlietzt dann mit der unverhullten Drohung:

,BiS zur Inkraftsetzung deS Friedensvertra -.es er­innern wir zum letztenmal daran, daß die Kündi­gung deS Waffenstillstandes genügt, um den alliierten Armeen jede Berechtigung zu den militärischen Maßnahmen zu verleihen, die als nötig betrachtet werden. In diesem Sinne erwarten wir die unver­zügliche Unterzeichnung des Protokolls und die Niederlegung der Ratifikationsurkunden "

Die Scapa Flow-Note lehnt den Vorschlag, die Forderung wegen der Versenkung der deutschen Flotte einem Schiedsspruch zu unterbreiten, ab. Die deutschen Borstellungen könnten nur als Versuch aufgefaßt werden, absichtlich die Inkraftsetzung des Vertrages und die end- güllige Wiederherstellung »es Friedens hinauszuzögern. In ihrer Not« vom 3. Sept. Hobe die deutsche Regierung selbst anerkannt, daß ber befehligende Admiral bei der Zerstö­rung der deutschen Flotte auf Grund eines allgemeinen Befehls gehandelt habe; und der Ches des deutschen Ad- miralstabs habe insgeheim dem Admiral von Reuter am 9. Mai 1919 nach Scapa Flow geschrieben:Wie auch immer pch bas Schicksal dieser Schiffe unter dem Druck der Ereigniffe gestalten möge, so wird es nicht ohne uns entschieden werden, es wird von uns selbst ausgeführt «erden und eine Auslieferung <m den Feind bleibt aus» geschlossen." Die auf Befehl ber deutschen Regierung er­folgt« Zerstörung besten, was Denffchland ausliefern sollte, stell« «Ine Verletzung des Waffenstillstandes bar. Die Wahl der Reede von Scapa Flow entspreche in Ermangelung 'Sines geeigneten neutralen Hafen sowohl dem Buchstaben wie dem Geist« nach Artikel 273 des Waffenstillstandes. -Zum Schluß wird di« deutsche Regierung mtfgefordert, ohne weiteren Verzug da» Protokoll zu unter-

Dir Antwort der Reichstregierung auf 'die Rote der Entente geht, wie uns telegraphisch

Berlin gemeldet wird, morgen, spätestens über- '»«gen nach Paris ab. Nach Lage der Tinge wird !ne nicht ablehnend lauten. In politftchen t*rtifen urteilt man über die Pariser Noten tote

Die deutsche Reichsregierung hatte in der Beapa Flow-Angelegenheit den Vorschlag eines Schiedsgerichts gemacht. Dieser Vorschlag wird von der Entente abgelehnt, infolgedessen auch von deut­scher Seite nicht erneuert.

Dagegen wird die deutsche Regierung sich über die inilitärische Maßnahmen androhende Schlußklausel des Zusatzprotokolls noch Gewißheit zu verschaffen suchen. Wenn man dem Text der Rote trauen darf, scheint die die Entente ein Ent­gegenkommen zu beabsichtigen. Sie wird wohl da» Protokoll nicht ändern, aber sie erklärt ausdrücklich, daß mit der Niederlegung der Rattfikattonsurkunde die Durchführung der Bestimmungen des Protokolls durch die allgemeinen Bestimmungen des Friedensvertrages sowie durch die ausdrücklich vom Völkerrecht vorgesehe­nen Verfahren garantiert werden. Wenn dos der Fall lst, dann bietet nach der Niederlegung der Ratifikations­urkunde die Lage keinerechtlicheMöglichkeü wehr, militärisch einzugreifen, es fei berat auf Grund bes Wiebergutmachungsparagraphen, bet aber mit von vorsätzlicher Nichterfüllung bet Wieder- klutrnachung spricht. Es wirb dabei ber Entente angftagt '»erben, ob diese Aufastung richtig ist, daß nach Hinter- *&mg der Ratifikationsurkunde nur noch ber Friedens- Vertrag und das Völkerrecht Gölttgkeit haben.

Die deutsche Regierung verharrt bei ihrer Auffas­sung, daß die Ablieferung von 400 000 T o. schwimmenden Hafenrnaterials eine wirtschaftlich u n er- 'tägliche Forderung darstellt, da mir hn Gan- Sen nut 527 000 To. Baggerschiffe und Schwimmdocks staben. Wir haben bis jetzt auch den Rechtsstandpunkt aufrecht erholten, baß wir keineswegs verpflichtet feien, Tür die versenkten Schiffe Entschäbigung zu bieten. Un- ter Aufrechterhaltung dieses Standpunktes und dem ab­soluten Willen, zur Einigung zu kommen tmb_ tratet Berücksichtigung bet tatsächlichen Machtverhältniffe wrnmt man in politischen Kreisen an, baß die deutsche Regierung bereit sein wird, über eine Entschädigung zu verhandeln, die das deutsche Wirtschaftsleben am Leben siHt. Eine solche Verhandlung wird aber nur fruchtbringend vor der Unterzeichnung bes Protokolls

Die deutsche Nationalversammlung beabsichtigte am I Dienstag eine Kundgebung gegen dieZutück ha l t ung I der Kriegsgefangenen. Doch teilte Präsident I Fehrenbach zu Beginn der Sitzung mit, daß wegen der I soeben eingegangenen Antwortnote der Entente die Ten- I nähme deS Außenministers unmöglich fei und die I Kundgebung deswegen vertagt werden müßte, wogegen sich lern Widersprach erhebt.

Nach einer viertelstündigen Unterbrechung beginnt die nächste Sitzung mit einer Reihe kleiner Anfragen U a wird eine Anfrage Simon-Schwaben ( oz. dahin geantwortet, dah ßiebe8gabenfenbunge .. au§ i>em Ausland zollfrei bleiben sollen. Auf Antrag werden schon gezahlte Beträge zurückerstattet. ES folgt die zweite Beratung des ReichSnotspscr».

Abg. Farwick (Ztr.) erstattet den Ausschutzbericht Zu 8 1 des Gesetzes erhält das Wort

Abg. Rieher (D. Vp.): Wir beantragen den Cnt- Wurf an den Ausschuß zurückzuverweisen, damit er ihn nach folgenden Gesichtspuntten umarbeitet: 'statt d.s Reichsnotopfers ist eine laufende Vermögens st euer I zu erheben auf Grund einer in kurzen Zwischenräumen za wiederholenden Einschätzung, ferner ist eine Zwangs- anleifje nach der Höhe der Vermögen umzulegen. Wir müssen den Besitz weit Höver besteuern als früher, damit wir endlich den übermäßigen Notenumlauf ein­schränken können. Jetzt werden täglich für 50 Millio­nen Reichsbanknoten gedruckt. DaS kann der stärkst finanzielle Magen auf die Dauer nicht auskalten. Un­sere Zeit gewährt in großem Umfame den Untüchtigen freie Bahn beseitigt zwar Exzellenzen, läfet_aber häu­fig Impotenzen an ihre Stelle treten, (sehr gut! rechts.) Die Vorla ien des Reicbss n mzministers find ein gesährliches sözialistifcheS Experiment mit bewußt konfiskatorischen Bestimmungen. Die kleinen Rentner weifen in einer Eingabe darauf hin, daß ihnen bei Durchführung der Vorlage nur de, Selbstmord übii,;« bleibt. (Hört! hört! rechts.) Eine Zurückverweisung an den Ausschuß ist unbedingt erforderlich.

Abg. Dr. Hugenberg (D. ntl.): Der Umfang der Gegnerschaft gegen das Gesetz scheint ständig zu wach- ien. Man sollte die dritte Beratung überhaupt aus­setzen, bis festgestellt ist, daß eine Beschlagnahme durch die Entente nicht erfolgen kann. Dem Antrag auf Ver­tagung werden wir zustimmen. Unsere wirtschaftliche Lage ist jetzt trostlos. Die Banken empfinden ;e3, daß die Leute ihre Kapitalien allmählich abheben. Die Masse glaubt Ihnen (nach links) nicht mehr. Mit der Auf­erlegung des Reichsnotopfers vermindert sich die Ver- mögensmnffe des Steuerzahlers um den Betrag des Notopfers. Es entsteht eine «chnld und damit sinkt elbstverständlich der Kredit des Schuldners. Bei bei ZwancSanleihe erhält der Steuerzahler einen Gegen- wert in Gestalt von Reichsanleihe. Gewiß, auch die

Blutbad Verantwortlichen nicht so sehr in der Person I des Angeklagten zu suchen sind, der, in der übernom­menen Anschauung seines Berufs, an einem Beseht von i höherer Stelle nicht zu rütteln wagte, als vielmehr Dort, 1 roo man Befehle erließ ober überbrachte, die eine so I verhängnisvolle Auslegung nicht nur gestatteten, fon- i dem geradezu herausforderten. Das Gericht kam schließlich zu folgendem Urteil: Der Angeklagte wurde I von der Anklage des Totschlags freigespro- (6en, wegen unerlaubter Entfernung vom Heere zu drei Monaten Festung verurteilt, von denen swet Mo­nate durch die Untersuchungshaft für verbüßt erklärt 1 wurden. ......

Der Prozeß wird wohl noch sein Nachspiel haben, in dem sich ein Verfahren gegen die damaligen Vor­gesetzten Marlohs, des Obersten Reinhardt und des Hauptmanns v. Kessel anschließen wird. Sie hatten durch die von ihnen veranlaßte Flucht Marlohs versucht, die Sache zu vertuschen und womöglich ohne gerichtliche Klarstellung aus der Welt zu schaffen. Sie bedienten sich dabei allerlei unlauterer Machenschaften, bei denen das Geld keine Rolle spielte.

* Der frühere Deutsche Kaiser hat vor einigen Tagen zum erstenmal Schloß Ameronzen verlassen, um auf die Jagd zu fahren. .

* Hülse für Wien. Ter Unterstaatssekretar tut italienischen Versorgungsministerium ließ unentgelt­lich zu Händen des Wiener Kinderspitals ein Waggon kondensierte MM, Teigwaren, Mehl und Fett ab- gehen. Die Senoung soll zur Verbesserung der Nahrung der Wiener Kinder bestimmt sein. Dte Amerikaner beabsichtigen eine umfangreiche Hilfs­aktion für die notleidende Bevölkerung Wiens. Es handelt sich um 100CÖ Ballen Baumwolle, welche vollkommen für die Wäschefabriken bereitgestellt wer­den sollen. Im gan-en werden mindestens 2 Mil- lionen Garnituren, bestehend aus Hemd und Hole, hergestellt werden. Damit wird nicht nur der furcht­baren Wäschenot begegnet, sondern auch Beschafti- qung für viele tausende von Arbei'ern geschafft.

* Ententepropaganda in deutschen Kinos, vielen Städten des besetzten R Hainlandes sind die Besitzer von Lichtspielhäusern gezwungen worden, in den Kinos militärische Bilder der Entente regel- mäßig vorzuführen. Die Apollolicht p'.ele tn Krefeld sind auf Beranlaffung der belgischen Besatzungsbe- .de geschloffen worden, weil sie ein das franzö­sisch« Militär betreffendes Bild zu schnell borge» führt und di« Vorführung nicht mit der richtigen Musik begleitet haben.

groangSanletbe ist s.bw-'r zu trauen, aber sie tötet nicht. Wie kann ein FlnanMinister erst die Leut« durch Steuer­zahlung unfähig machen und dann daran denken, seine schwebende Schuld zu beseitigen? Bei dem Notopfer steht die Expropriierung des Mstt«lst<mdes in sicherer Aussicht. Das bisherig« Verhallen der angelsächsischen Raffe spricht nicht dafür, daß sie uns Zeit lassen werden, uns zu er­holen, aus wohlverstandenen, eigenen Interessen. Der Feind wird zugreifen, wo Sie (zu Crzberger) es ihm so leicht machen! (Sehr richtig! rechts, Lärm links.) Dos 31 otopfer ist ein unerhörter Leichtsinn! Wenn Sie (zu Erzberger) dos deutsche Volk in die Skla­verei führen wollen, dann lassen Sie doch lieber gleich das Ruhrgebiet besetzen! Die­sen Motten folgt großer, anhaltender Lärm bei den M-hrheitspatteien. Stürmische Zurufe: Pfui, Ver­rät e r! werden laut. Als sich der Lärm nach einigen Minuten etwas gelegt hat und der Redner weitersprechen will, oerhindem ihn die sofott wieder ausbrechenden Zu­rufe:Verräter! 3taus! am Sprechen. Der Vorgang wie­derholt sich fünf» bis sechsmal. Nach etwa zehn Minuten gelingt es Vizepräsident Haußmann, sich Gehör zu ver- schaffen. Das Haus, so erklärt er, habe nicht das Recht, den Redner am Sprechen zu verhindern. Er bitte zu be­achten, was di« Abgeordneten dem Haus« und dem Wei­tergang der Verhandlungen schuldig feien, und ersuche, den Redner zu Ende sprechen zu lassen. Erneute stürmische Zurufe bei den Mehrheilsvo rieten: Rem! Staust "ha.

Preußische Lan-esversarnuUrmg.

Das Haus behandelt in seiner Sitzung am Dienstag zunächst kleine Anfragen und einige kleine Etats und Entwürfe. Dann wird die zweite Beratung des Kultus­etats fortgesetzt bei Abschnitt Universitäten und Chartte- krankenhauS in Berlin. Es kam hierbei ,u Auseinander- fettungr- "her die Stellung der Universitäten zur neuen

ttssekretär Dr. Becker führte aus: Infolge estsälle ist den Universitäten der Vorwurf den, sie seien Brutstätten der Reaktion Es nisvoll. wenn wirtlich eine tiefe Kluft >- und Kopfarbeitern vorhanden wäre.

Man darf nicht vergeffen, daß die i sich in schwerer Zeit einmütig hinter die lig gestellt hat. Die Universitäten bürten weder unUi eine parteipolitische Do Urin kommen noch . durch patriarchalische Bevormundung des Staates ein- 1 geengt werden. Biel stärker als die materielle, ist bie

fflrnfe- Redefreiheit! Lachen links. Da auch jeder weitere eterfurfi des Aba Hugenberg, ferne Rede sortzusetzen, durch S*n 2ärm unb "e ber Mehrheilsparteien unmog» llch^rnachtwirb, wstddmch Vizepräsident Haußmann die

Sitzung auf eine Viertelstunde unterbrochen.

Bei der Wiedereröffnung der Sitzung sprach Vize-, bräfibeut Haußmann sein Bedauern über die Aeuße- runn de» Ada. Hugerlberg aus, der den Zwischenfall bervoraerufen hatte Er bat den Redner, wiche Aen- dungen, die die Gefühle des HauseS verletzen konnten zu unterlassen, bittet aber andererseits daS Haus, die

Reicksnotopftr ist kein Steuergesetz, sondern eine So- niaMieruna Sozialisieren aber brmgt fern Geld Ton» dern kostet Geld. Das Ende vomLied wird ein allmählicher Ausver auf der sozialisierten Betriebe an das etwa noch

Mch?A7utz°erung'en zum AuÄruVku bringen. SUÄ« Ä'X K & W.

Ke : w.'.Ep \ lins nuf bent Gedanken AU fptelen# S, »tr'sertf« am»

S'' imte? Iel" A'ZSSVZ&tt Jg

I räiluneSruft Itchts. worin cUe woiwrrn AnSsnhrungew Ä»-%? Ul'« Ä*>*4'»

schreiten des Präsidenten httv°rrufcm) ^s or

nie eirl"solch?fc«Äftel", Sin ich die©ermaima ? (Heiterkeit.)

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hi, üfitoehenbe Schuld zu vermindern. ^>ch habe ^er. &Ken mit neutralen Stacten geführt und W S mft Selgien eine Verständigung über 6 1 Milliarden Papiergeld erzreli, wodurch e,m- erheb che tsombichima der schwebenden Schuld yeroeigksuur wird ^ch freue mich besonders für diesen Erfolg bet eine Verständigung mit Belgien anbahnt, (Beifall) ge­rade Deutschland und Delgien wieder rufammensistwr.

s.pt1 redllckcn Willen Deutschlands zeigt, Unrechr Set gut um*. (Lebh. ZuftinANnng.) Tas

Mittel für die Verminderung der Dulden 5J'StCtoir nuferen Haushalt m Ordnung bringen und neue Steuern beschließen Tenn dasiftdaSU^ nlücf dost wir den ordenrlichen Etat mit Zuschüssen belasten ^müssen. Hätten wir techtzeittg wahren des Krieges damit begownen, so brauchten wir mnt oer Einfübruna neuer Steuern jetzt nicht io eilig zu sein. Die Anträge der Teutschnationalen und der T?utfchev Volkspartei wollen den größten Teil des R--chsncw. nviers durch eine Z w a n gs a n le 1 h e ersetzen, vet h?Eti also' daß 30 Milliarden Mark m wenigen Mo- naX mS dem Volkskörper herausgezogen werden, könrste ich nicht verantworten Tas Reichsnvt- ! ot)feT oestattet wenigstens die Verteilung auf 30 ^>ssbre.

Und der Gegenwert der Ztpangsanlnhe?, D'e KrwgS- auleihe steht auf 77 bis SOf wie hoch wurde der Kurs in Zivangsanleihe sem, wenn außer 1 Prozent Verzin. fung in den ersten zehn Jahren sie nach 30 Iahten zum Höchstsatz von 2% Prozent stiege. (Abg. W a l d. stein: Würde kaum notiert!") 3^.8taube auch, einer ZwangSauteihe könnte man höchstens tn bet K nähertreten daß in Gestalt einer ErganznngI. stvangsatileihe der Besitz von Kttegsanlechen im Volk I fcftcrclßClt tiruTbc. Äber

deutschen Wirftchast Milliardenbeträge ansf «n. (-Mag ohne Rücksicht auf die Leistungsfähigkeit der. Steuerzahler, der man nicht besser ^recht t^rden kann

I ais dirrch die. Regierungsvorlage. (Beifall bet den, Be^K§Snberg (persönlich). Es ist eine beileum- derische Beleidiiuna, wenn Erzberger meiner Aeußerung

I pxn Sinn unteiiegt, a!8 hatte ich eine Besetzung de. I Ruhrpedietes vom Feinde gewünscht. Herrn Erzberger I habe ich wenigstens schon vor langen Jahren für einen I Landesverräter gehalten. (Großer Lärm beim