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Huldaer Zeitung
0e* Druck aer Vntbatr Actienbruckerrl in ^utbw
egenheit der
Ehe ein-
lub Melanie ein zu einer Wagenfahrt ms Grüne, der Herbst ganz zu Ende ginge, wollte er ihr noch mal zeigen, wie schön die Welt draußen hinter Steinhäusern sei.
Ich war außer mir und sagte cs der Frau.
ein ewiger Husten plagte mich, meine Brust war flach — ja gefund und stattlich war ich nicht.
Darm von mütterlicher Eitelkeit geplagt, holte die einfältige Frau gar ein paar Briefe herbei, die sie in Me- kniens Kleidern gefunden haben wollte. Sicherlich halle sie kein Recht an die Briefe imd ich erst gar nicht. Aber sie prahlte mit dem Geschreibsel, das sic hatte empören sollen.
Ein großer Fabrikherr, ich kannte ihn wohl als don Konkurrenten unserer Werke, ein verrufener Lebemann,
oder zu beschaffen ist, in denen diese Gegenstände verwahrt worden sind. Man will damit auch jene Fälle
Richard Prott aus Vilbel, wohnhaft in Frankfurt a. M- Das in säter Rachmsttagsstunde verkündete Urteil lautete wegen schweren Einbruchs und vorsätzlicher Tötung cuff 15 Jahre Zuchthaus. — Ein anderer Angeklagter namens Böttgcr, der von Kaffe! hierher gebracht werden sollte, um sich wegen Urkundenfälschung zu verantworten, entfloh auf dem Transport. Die Verhandlung mußte daher ausfallen. — Die kürzlich für Lebensmft» telankäufe für die Stadt genehmigte Anleihe von 4 Millionen Mark mußte wegen der inzwischen eingetretenen Balutaveränderungen um 650 000 Mark erhöht werden. Die Stadtverordneten gaben heute hierzu ihre Zustimmung.
* Ziegenhain. Den Fünsuhrladeuschlutz haben die hiesige» Ladeninhaber zwecks Licht- mir Kohlenersparnis eingeführt.
Ietzl plötzllch hatte ihm die Konkurrenz das Geschäft gefährdet. Und diese Konkurrenz hieß Gustav Heinisch. —
An jenem Tage hatte er im ersten Grimme an dm Rand der Zeitung, die die Heinisch-Offerte meldete und die er mir zur Kenntnisnahme hinlegte, geschrieben: De» Kerl vergift ich!
Das Blatt ist tarnt beschlagnahmt worden als bei uns hie Haussuchung erfolgte. Es wurde ihm verhängnisvoll. — Ja, wenn sie ihn gekannt hätten, da oben auf dem Gericht, de» gutmütigen, frohherzigen Menschen, der krm Tier leiden schen konnte! Aber, ich bin vorausgrM- Wir berieten lange miteinander. Dann beauftragte er mich, eine Berechnung aufzustellen nach den neuesten Eifenpreifen, bestimmte Bücher bereit zu legen und mit ihm am Abend nach Schluß des Geschäfts zu Gustav Heinisch zu fahren. Er hatte telephonisch mit ihm diese Zusammenkunft verabredet. Sie sollte tm Büro mm Heinisch stattfinden, da der junge Fabrikherr, an Influenza erkrankt, das Zimmer hüten mußte.
Ich verneigte mich und ging.
Es war ja selbstoerpändlich, daß ich gehorchte. Aber richtig arbeiten tonnte ich den ganzen Tag nicht, so beschäftigte mich der Gedanke, daß ich heute abend dem Vernicht« meines letzten, ja meines einzigen Lebens» glücke» gegenüber sitzen und mit ihm geschäftlich, ruhig und klug rechnen würde.
„Den Kerl vergift ich!" An diese in törichter Auf- wallimg hingeschriebene Drohung des jungen Matten dachte ich immer wieder. Sie ließ mich nicht los, sie schürte meinen Haß gegen Melanies begünstigten Ster- ehrer immer von neuem!
Vergifte ich! —
Ich hatte er so leicht. Seit mir meine Mittel erlaubten, auch eine Liebhaberei zu pflegen, eine bescheidene wenigstens, war ich Amateur-Photograph geworden. Dia schöne Umgebung von Wien, der Semmering gar, boten ja so prächtige Vorwürfe. Don dieser Beschäftigung her besaß ich Zyankall. Es durchlief mich heiß. Unw.der- stehlich zog es mich nach dem kleinen Schächtelchen. Wie um mich selbst zu beruhigen, steckt«' ich es zu mir. Don der Spielerei mit dem Gedanken bis zur Tat fft ja eilt ft ewig weiter Weg! — Ich hatte nicht damtt gerechnet, wie schnell die wahnsinnig! Wut eines Augenblicke« den weitesten Weg zurücklegen kann.
1 ' • '.(Fortsetzung fcIgt-X
daß nach § 181 die Beamten, öffertt- der Reichsbank, der
hat ja mitunter solche Einbildungen. Arme Menschen, die sonst nichts haben, kommen sich mit ihnen reich vor. Ich glaubte, Melanie gehört« mir. Das war dumm. Ich war zweiundvierzig, als sie zehn Jahre zähste und fünfzig, als für mich die Enttäuschung kam. So ganz still in meinem eigenen tiefsten Herzen hatte ich mich mit der Achtzehnjährigen verlobt. Sie wußte nichts davon, niemand wußte etwas! Der alte Alfred Malten war heimgegangen, mrd fein Sohn hatte mich zum Prokuristen gemacht, auch mein Entkommen beträchllich erhöht. Endlich, da sich schon Grau in die Haare schlich, hätte ich daran denken können, auch ein eigenes häusliches Glück zu haben.
Und nun hotte ich mir eins gezogen, wie der Gärtner feine Blume, nun konnte ich hingehen und di« Blume ab« pflückeu. Ich dachte, daß ich's könnte. Ich war ja fo dumm und blind durchs Leben gewandert!
Aber jetzt war alles hell geworden, daß es mir die Augen blendete. Alfred Matten jun. war der völlige Gegensatz seines Vaters. War der geizig gewesen, fo war der Sohn freigebig, war der mißtrauisch gewesen, so war der Sohn vertrauensftlig bis zum Leichtsinn, war der Vater ein zäher, unerschrockener Mann, so hatte der Sohn Anwandlungen tiefer Mutlosigkeit. Seine Musik war ihm alles. In ihr lebte er, in ihr verging ihm die Welt. Er war ein großer Meister auf dem Klavier. Ich habe ihn oft spielen hären, wenn ich unten in meinem Büro ftß, jetzt selbständig wie ein kleiner Kön.g. Er war der Sohn feiner lustigen Mutter, vom Vater hatte er nichts geerbt.
Unter so verwandelten Umständen konnte ich daran denken, mit Frau Cordelia Lonezek wegen Melanie, ihrer Tochter, zu sprechen.
Ich war sehr erstaunt, wie fie's aufnahm.
Freilich, schön war ich nicht, harte Arbeit macht nicht schöner. Eine große Partie war ich auch noch nicht, aber wie ich dachte, für Melanie Lonezek eine sehr annehmbare. All? — Für die Achtzehnjährige ja. Aber ich war niemals jung gewesen, kam mir eigentlich fttzt erst jung vor. Und dann lebte ich nun einmal in der Darstellung, daß ich mir dir Blume gezogen» gepflegt hatte, mir!
Frau Lonezek zeigte sich fthr verlegen und meinte, daß ihr ein solcher Gedanke nie gekommen wäre, weil ich ja recht gut Melaniens Vater sein könnte, und dann habe Melanie Verehrer, gesunde stattliche Männer. —
Das traf mich. Ich war nie gefund gewesen, von 3u= gen- Aff nicht. Die Lunge« waren Ächt in Ordnung,
Der Schatten.
Roman von Arthur Winckler-Tannenberg.
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Ich hungerte em paar Jahre und wmde aus der Lehrzeit «ttlaffen. Da fchien mir das Glück zu blühen. In her Fabrik von Mfted Malten war ein kleiner Posten frei. Ich bewarb mich und erhielt ihn. Wie ich an einem Naienftnntag, ein fürstliches Vermöge« von sechzig Gulden in der Tasche, durch dm Prater spazierte, war ich W glücklich.
Alfred Malten war ein geiziger, harter Herr. So Sütig feine immer lustige Frau war, ft mürrffch war er. Arbeit galt itat als der einzige Zweck des Lebens. Aber ich kam vor: .ts im Laufe der Jahre und machte meinen Weg in der Buchhalterei. Eine Mutter hatte ich nie getarnt, mein Vater legte die Feder auch für immer hin und ft stand ich allein. Ich konnte ab« auch für mich ullein folgen.
Allerdings nur für mich allein, denn ich mar schon siuige Vierzig, da bezog ich immer noch ein Gehalt, das »ir nicht gestattet haben würde, zu heiraten. Ich hatte nicht viel gelernt in der IugmdMderswo fragte man nach der Vorbild img, hier bei Alfred Malten war ich in ntnne Stellung hineingewachftn und behielt sie, weil — K>» weil ich ft billig worl —
Damals zog ich zu Cordelia Lonezek, einer Spenglers- wrtwe. Es ging ihr ganz gut. Sie hatte ihr eigenes Haus Kem Palast war es, nur ein Dorftadthaus wie taufend andere. Ab« wenn die Hypothekenzinfeu bezahlt waren, blieb was übrig für die Frau und ihre zehnjährige Tochter.
8a, di« Hypotheken! Di« machten ihr viel Wirtschaft. Die hatte tas Rechnen nie leiden mögen, und nun sollte ffe, mußte sie rechnm! Da machte ich mich nützlich und husür durfte ich manchmal zum Abend mitessen. Wir ^trugen uns gut. Und tas zehnjährige Madel machte ich mir zur Freundin, weil ich so hübsch auf der Harmonika fpieöe.
Sie blieb natürlich nicht zehn Jahre. Sie wuchs heran «ü> wurde ein bildschönes Weib. Ich habe sie aufblühen fctat wie der Gärtner, der jtben Morgen an di« Beere All und beobachtet, wie Knospe um Knospe vor ihm steht- Dir war imm«, als ob diese Blum« mit gehört«. Nie- Pvch tzatte sie wir gegeben, ab« mir mär'« jo- Man
Da lachte sie und fand es fthr überflüssig, daß ich mich in ihre Familienangelegenheiten mischte. Herr Gustav Heinisch sei denn doch eine andere Ijtaifie als Wilhelm Salzmann, vor allem ein Mann und keine Schreibmaschine.
So also sollte meine Blume enden!
Im Schmutz!
Ich kündete auf der Stelle und zog aus.
Ab« meine Blum« vergaß ich nicht, konnte ich nicht vergessen. In meinem Träumen beschäftigte sie mich, und englich faßte ich mir ein Herz, schrieb an Melanie und bestellte sie zu einem Sointtognachnnttag in ein Prater» kaffeehaus.
Sie kam. Am Finger einen Drillantring.
Ich sah den zuerst von ollem an ihr. Ich war mutig genug, zu fragen, wie sie zu {tiefem kostbaren Schmucke komme.
Der seine Gustav Heinisch, bet junge reiche Fabrik- Herr war der Spender.
Ich habe ihr nichts gesagt von allem, was ich ihr hatte sagen wollen. Sie war entrüstet, daß ich sie überhaupt bestellt hätte. Sie wäre der Meinung gewesen, der Harmonikaonkel habe ihr einen lustigen Tag machen wollen. Na, den werde sie sich nun wo anders suchen.
An diesem Nachmittage habe ich mir geschworen, den Verwüst« meines Gartens zur Rechenschaft zu ziehen. Sei's imm« wann es fei!
Am folgenden Tage fand ich Alfred Malten, meinen jungen Herrn, in großer Aufregung. Er hotte einen gewaltigen Staatsauftrag, die Montierung von Prooiant- wagen, fo gut wie sicher gehabt und für 6re Ausführung kostspielige Neubauten hergestellt, j v
vermischter.
* Eine Kulturschmach. Der Kino-Film ist auf dem Wege, unsere ganze Literatur zu verschandeln. Selbst Shakespeare kann sich nicht mehr vor ihm retten. Dem ,B. T.' geht die Nachricht zu, daß „Hamlet" verfilmt werden soll. Die Rolle des „Hamlet" wird — Usta Niel i en spiele»!
* Weil bas Licht auSgiug. Rheinische Blätter melden auS Lennep: Ei» biet wohnender Eisenbahn«
Bank Wertsachen tut verschlossenen Depot, ein Schlteß- äch, ein Guthaben oder ein laufendes Konto hat. Am Sparkassen gelten als Banken im Sinne der Bor- schrist. Diese Vorschriften gelten enffprechend für Hin- terlegungsstellen, Postscheckämter und Schuldbuchmr- waltungen.
Kur dem llactdargevier.
* Gießen. Nach Abschaffung des Trinkgeldes wird hier auf Speisen und Getränke in Gastwirffchafien ein Zuschlag von 10, in Kaffees ein Zuschlag von 15 Prozent erhoben.
• Iri-dterg. 22 000 Merk wurden aus dem hiesigen P o st a in t g e st o h l c n. Die Spur, des Siehe» führt nach Frankfurt a. M.
* Frankfurt. Hier ist eine Bewegung im Gange, die mit aller Energie und dem Zusammenwirken weitester Kreise einen scharfen Boykottfranzösischcr Erzeugnisse und solcher Geschäfte, die französische Waren führen, solange durchführen will, bis die französische Regierung den letzterr deutschen Kriegsgefangenen herausgegebeu hat.
X Höchst a. IN. Auf dem hiesigen Bahnhof wurden kürzlich drei Waggons Schmalz und zwei Wag- gons Speck, die Frankfurter Firmen aus dem besetzten Gebiet ausführen wollten, beschlagnahmt. Die Firmen erhoben dagegen Anspruch, das Gericht wies diesen ab. Infolgedessen verfällt der Erlös aus der Ware, rund eine Million Mark, dem Staate.
JVo 2LV.
Areitag, 5* Dezember 1919.
Die Reichsabgabenordnrtng.
Die von der Nationalversammlung verabschiedete | »Hchsabgabenordmmg ist eines der bedeutendsten Ge- i-tcesLerke, das von grundlegend« Sebeutung und I «^reichender Wirkung ist.
Sie ist mehr als ein bloßes Steuergesetz. Sie fft auch mehr, als ein Gesetz über den Reichssinanzhof, Axr das Steuerverfahren und über die Steu«bemes- 1 tzmqsräte. Sie wird, wenn man sie des belastenden I Attischen Beiwerks entkleidet, ein leicht faßliches Werk über die Steu«gefetzgebung schlechthin sein. Dis jetzt ha, sich die Reicksgesetzgebung bezüglich ber Steuer- aefefee stark zersplittert. Es gehört gründliches Fach- Wen dazu, um sowohl die einzelnen Steuern, als auch die sich widerlaufenden Steuern auseinander zu 1 Es mag fein, daß die juristische Derzwicktheft Lt bisherigen Steuergesetzgebung manchen Steuer« «sichtigen zum Zahlen veranlaßt hat. Sttb« die wirk- gerissenen kannten sich durch die Maschen d« vielen «teueraesetze hindurch winden. Dies« Zustand soll aeändert werden. Die ganze Steu«polüik wird durch L Reichsabgabenordnung wesentlich vereinfacht. Je klarer, eindeutiger und v«ständlich« die Steuergefctz- aebung ist» um so wirksam« ist die Steu«erfaffung und um so leichter «hält der Staat Steu« entrichtet, fo schärfer kann gegen Steuerhinterziehung straf- rechtlich vorgegangen werden. Diese Dortelle birgt kne Reichsobgabenordnung in sich. Sie bringt die Rereinheitlichung des Steirerwesens in dem Sinne, daß künftig olle Steuerabgaben nicht mehr an verschiedene Stellen, wie an Reich, Staat oder Ge« | meinte, sondern nur einheitlich an das Reich zu I -Men sind. Es gibt nächstens mir noch Reichssteuern, Acht mehr besondere Einkommensteuern in den einzel« lten Staaten oder Ländern und auch nicht mehr be- sondne gemeindliche Steu«abgaben. Mr noch ganz bMmmte Steu«gebiete bleiben den Gemeinden Vorbehalten. Die Finanzbedürfmffe d« Länder und ter Gemeinden werden künftig aus den (Eingängen der i Reichseinkommensteuer anteilig gedeckt.
Die Reichsabgabenordnung fteHt sich als ein sehr umfangreiches Gesetz vor. Es umfaßt 459 Para- grapten. Im Rahmen dieser Aussührmigen wollen wir oasjenige Kapitel behandeln, das jeden einzelnen wohl am meisten intereffiert. Es betrifft die künftigen Steuer pflichten. Sie sind festgelLgt tm 3. 21b- toniti der Reichsabgabenordmmg, den Paragraphen 162 bis 216.
Die allgemeinen Vorschriften schen folgendes vor: Steuerpflichtige, Me Geschäftsbücher führen, muffen Me Eintragungen in die Geschäftsbuch« „fortlaufend, vollständig und richtig" bewirken. Die Büch« sollen, fomeit das geschäftsüblich ist, gebunden und Plntt für Blatt oter Seite für Seite mit fortlaufenden Zahlen verschen fein. Es sollen keine leeren Zwi- schenriimne gelaffen werden und keine Radierungen vorgenommen werten. Alle Büchereintragungen und Eeschäftspapi«e, die für die Besteuerung von Bedeu- tttttg sind, sollen zehn Jahre lang aufbewahrt bleiben. Privatpersonen, die an sich nicht »«pflichtet stich. Buch zu führen» sollen aber ebenfalls ihre Einnahmen fortlaufend auszeichnen» wenn sie mehr als 10 000 SDlttrf Änkommeu haben. Streng untersagt ist e8, auf eine falsche oder erdichtete Summe für sich oter eine andere Person ein Konw errichten ober Du- chnnaen vornehmen zu lassen. — Die besonderen Pflichten ber Steuerpflichtigen entsprechen im wesent- sichen den Dorschrifte» des bisherigen Einkommen- ^euergesetzes.
Erne besonters kritische Bestimmung enthält ter § 175. Nach diesem Paragraphen dürfen die Deamten ber Fimmzämt« und ihre Beauftragten Grundstücke »n d Räume der Steuerpflichtigen betreten, um im Steuerinteresse an Ort und Stelle nötige Abschätzungen innerhalb der üblichen Geschästs- und Arbellsstellen varzunehmen. Die ursprüngliche Regierungsvorlage ließ die Auffassung zu, daß die Neuerbehörde ganz nach Gutdünken in die Räume der Steuerpflichtigen eindringen konnte, um nach steuerpflichtigen Gegenständen zu forschen. Die neue Faffung soll klar« zum Ausdruck bringen, daß nur dann eine solche direkte Nachforschung zulässig ist, wenn eine Unterrichtung Über die Sachlage an Ort und Stelle notwendig wird. In der Kommission hat ber Vertreter ter Regierung ausdrücklich «klärt, daß diese Vorschrif- ten in ter Praxis nur dazu dienen sollen, Schwüngen . zu ermöglichen, Me anders als an Ort und Stelle nicht ’ vorgenommen werten können. Der § 175 sieht weiter vor, daß Wertsachen auf Verlangen vorzulegen sind nud daß Einsicht in die Behältnisse zu gewähren
der Verschwiegen^, bte ihm zu verletzen. (§ 180.)
Bemerkenswert ist wett«, V e r s ch w i sicher Behörden, einschließlich Staatsbanken und ter Schuldbuch-Berwaltimgen zu Gunsten ihr« Auskunftspflicht gegenüter den Finanzämtern aufgehoben ist. Das Post-, Telegraphen- und Fernsprechgeheimnis aber bleibt bestehen.
Sräjr wichtig ist auch die grundsätzliche Aufhebung de» Bankgeheimnisses, wie sie in den Bestimmungen des § 189 zum Ausdruck kommt. Danach müssen öffentliche und private Banken ein Kundenverzeichnis dem Finanzamte einreichen, und alle Zugänge in der Zeit vom 30. Juni bis 31. Dezember eines Jahres anzeigen. Das Stirn« »enverzeichnis muß nach dem Stande vom 30. Juni 1919 aufgestellt und mu den Zugängen bis zum 31. Dezember 1919 spätestens am 31. März 1920 ränge« reicht werden. Als Bank-„Kunde" gilt, wer bei ein«
treffen, wo zwar der Besitzer der Wertsachen bekannt, ihr Misenthalt aber unbekannt ist.
Die erwähnten Bestimmungen muffen natmgemäß ernste Bedenken erregen. Eingriffe in die Prioatrechte md immer peinlich. Man darf aber nicht vergeffen, daß, wenn auch nicht gefetzlich feftgelegt, doch auch schon bisher im wesemlichen die Forderung ter Nachweis- pssicht in der Praxis durchgeführt wurde. Das Ein- bringen in die Geschäftsvorgänge des Geschäftsmannes wie des Privaten war auch bisher schon mögsich. Es wurde teilweise nach ganz verschiedenen Gesichtspunkten und ohne eine leitende Richtlinie durchgeführt. Die ge« etzgeberischen Vorschriften der Reichsabgabenordnung vollen nun diese einheitlich und damit eine gewisse Rechtssicherheit einführen.
Heb« Me bis jetzt genannten Bestimmungen über i lie Steuerpflichten hinaus gehen nun aber auch weitere Anforderungen dieses Gesetzes. Danach haben auch olche Personen, die nicht als Steuerpflich- tigc beteiligt sind, dem Finanzamte Auskunft zu erteilen, wenn für die Ermittlung ter Steuer ober für die Steueraufsicht Tatsachen festgestellt m«den müffen. Diele Auskvnftspflickt brütet Personen ist vollständig neu und es lassen sich gegen sie erhebliche Bedenken vorbringen. Er wird insbesond«e von den Banken als eine Durchlöcherung des Bankgeheimnisses enge» ehe». Regierung und Parlament stehen aber auf dem Standpunkt, daß diese Bedenken hinter dem Staats- intereffe zurücktreten müssen. Im übrigen ist vorgc- ehen, „daß eine solche allgemeine Auskunftspflicht brütet Personen nur in einem Steuercrmittlungsverfahten" angewendet werten soll. Vorgesehen ist auch dteAus- ageverweigerung für Verlobte, Ehegatten, Verwandte und Verschwägerte des Steuerpflichtigen, fern« für Aerzte, Verteidig« und Rechtsanwälte, in besonderen Steuersachen. (§ 179.) Auch ein Geistlich« darf nicht iber solche Tatsachen befragt werden, üb« die er nach ein« Versicherung nicht aussagen kann, ohne die Pflicht ' ‘ als Seelsorger obliegt,
= Kassel. Die Zentrumsfraktion t» der Kasseler Stadtverordnetenversammlung, die nur uret Mitglieder zählt, hat bei der Beratung über die Wahl des Oberbürgermeisters mit den anderen bürgerlichen Parieien für eine AuS- chreibuna ber Wahl gestimmt. Nachdem nun aber die sozialistische Mehrheit diese Ausschreibung vereitelt hat, um die Bahn für ihren Kandidaten, Sckeidernann, frei zu machen, sieht sich die Zentrums- staktion infolge einer früheren Abmachung gezwungen, Scheidemann die Stimmen zu geben. Die Zentrumsfraktion erklärt dazu:
Bor einigen Wochen mutzten die ZentrumS-Stadi» verordneten aus der freien bürgerlichen Vereinigung infolge des Verhaltens der Deutschnationalen anSscheiden. Da eine Gruppe von drei Stadtverordneten zur Erhaltung Ihrer Sitze tn den Kommissionen allein zu schwach ist und kaum Einfluß gewinnt, mutzte Fühlung mit einer größeren Fraktion gesucht werden. Die Verhandlungen wurden mit der demokratischen und der sozialdemokrattschen Partei aufgenommen. Während von der demokratischen Fraktion bezw. Partei die Anregung üb-rhaupt nicht erwidert wurde» kam die sozialdemokratische Partei unserer Fühlungnahme bereitwillig entgegen. Neben der Haltung der KommfffionZsitze wurde ber ZentrumZParter ein Sitz im Magistrat zugebtlliot. Als Gegenletstung wurde gefordert: die Wahl der sozialdemokrattschen Liste für bett Kommunallandtag und eine Erklärung in ber Frage ter Oberbürgermeisterwahl. Letztere sieht . in eintm oK0c Dienst, der in» be-
u. a. vor, batz ber der Kandidatur erneS Partetmannes I * , . « l, ..
bte Zevtrumsstimm.cn nur bann dafür eintreten, wen» I ietzte Geblet fuhr. In einem Abte l bffanden er bereits in gleicher oder mindestens gleichwertiger I fick enaltfdje Offiziere. ÄuS irgend einem Grunde Stellung tätig war. Dieser Fall ist gegeben. Wir muffen I ging plotzltch in dresem Abteil da» Gaslicht aus. und werben also für die Kandidatur Scheidernann I Die britischen Offiziere ließen deshalb den Zugführer eintreten, verweisen aber besonders darauf, datz der I zunächst drei Tage einsperre»; bann wurde er Kandtbatauchohneun» eine Mehrheit von btet I üor e,n englisches Kriegsgericht gestellt und zu 14 Stimmen besitzt. Eine Sammlung der sogenannten I $aqett Gefängnis verurteilt.
zu haben glaubten, überboten sie sich an RückstchtS- | Ruinen von Bauwerken entdeckt worden. Si« lostakeit aegen das Zentrum. Jetzt, nachdem das I 1^en t» einer Itefe zwilchen 10 15 Meter, haben Wasser ihnen am Halse steht, wäre das Zentrum etwa 3 Seemeilen Umfang und tonncu bei enttger als Helfer in der Not hochwillkommen. Ueb« be- Aufmerksamkeit ganz deutlich ge,ehe» toerben. Fs ist sonderen politischen Weitblick scheinen die Bürger- tefort Sorge getragen worden, die Statte wisse», lichen Führer im Kasseler Rathaus nicht nu verfügen. I lchamtch zu unter u-ben.
** Eisenach. D« Bezirk-direttor verösfenllicht rä- I * Auch dne Mrkuug des «lloholvabois. Das ame- nen Aufruf, wonach die Städte Eisenach und Ruhla rikanliche ilifoämberboi droht öte junge amerltanlschi vor der Hungersnot sichen. Die Landwirte Paffaglerichlftahrt zugrunde zu richten. Die mmste» werten ersucht zu liefern und so zu zeigen, daß State Ozeanrelsenden sind d« Ansicht, daß man die Retz, und Land zukammenftchen. I und Beichtenden einet Seereise nur mit Grog und
8 ‘ J------------ I Whisky genießen und bestehen kann. Die Paflagier-
Atts GeUa «Nd Umaebmta. ! gahl der amerikanischen Schiffe ist gegenüber den „ „ n B ., ’. . . I englischen, auf denen es Alkohol gibt, tn erschrecken-
Geisa. Zum Ende des Jahres scheidet nach dem I h«—, Rückaana Di Sckiffahrtsaefellfckaften fordern G«neinde-Wahlrecht dte ’
Halste ter ©emeinbaatsmügheter aus. Cs müffen I ■
desyalb tn Geisa 5 Gemeinderatsmitglieder neu ge- I --------------------:-------------—— '
wählt wnden. Die W a h l ist a u f d e n 14. D ez b r. I anberaumt Die Zentrumspartei hat in einer I
großen Wahlerverfammlimg ihre Kandidaten aufge- I stellt Es sind die Herren: Schuhwarenhändlcr Franz I Karl R i tz, Schneidermeister Magnus Heinemann, I SBorarbeü« Machias Bemhard Rohm, Stabtfefretär I Winter und Maur« Johannes Ebert. Es sind I wettere 3 Wahlvorfchliige eingegangen: einer mit dem I Namen Mcmrermstr. Rohm, ein 2. mit dem Namen Rek« I tor Klug ufw. u. em 3. mit dem Namen Gerichtsaktuar I Reinhardt ufw. Die Zentrums Wähler ter Stadt Geisa I werden auch am 14. Dezember wieder restlos ihre Pfllchl I tun und die Zentrumsliste Franz Karl Ritz wählen. Es i ist zu hoffen, daß sich die katholifchen Frauen und Män- I ner Geisas voll der Pflicht bewckßt sind, m einer Zett, I wo gerade im Eroßherzogtum Weimar die Zeichen I eines rückfichtslofen Kulturkampfes rä- I ner sozialistisch cricntierten Regierung drohend am Hirn- I mel stehen, mit alter Kraft zum Schutze heilig« Güter I mit ter modernen Waffe des Wahlzettels ovf«b«eit I einzutreten. ________
Aus Oberhesfen uud den Hess. AemLevu. I
A Marburg. In der Nacht zum Karftettag wurde | bekanntlich von Frankfurter Einbrechern hi« ün | Freund'schen Uhrenladen emgebrochen und bei dies« I Gelegrnheit ber Wachmann Mehrfeld von ter Wach- I und Schließgesellschaft, ter die Diebe überraschte, durch I mehrere Schüsse getötet. Nachdem die Strafkammer I schon vor einig« Zett drei der Beteiligten mü Gesang« I nie,'trafen bedacht hatte, beschäftigte sich heute das I In Faid» zu haben bei: Schwurgericht mit der Sütflage wegen vorsätzlicher I Julias Karpf. Bahnhofstr. 24. Jollas Becke»
Tötung gegen den letzten der Linbrech«, den Arbeiter I Ohmstr 2. A Jaenelto, Petersbergerstr. 7.