Mißverhältnis zwischen Konsum und Produktion bis auf ein Geringes verschwände. Aber die Westungarn sind gar nicht geneigt, sich in unsere Berrnaltrmg zn begeben, und sie wollen nicht herüber. Es gab allerdings eine Zeit, in der die Deutsch-Oesterreicher in Westungarn als Retter begrüßt worden wären, nämlich damals, als die Mteregicrung in Ungarn ihr Schreckensregiment ausübte. Aber unsere Staatslenker wollten nicht, sie gaben im Gegenteil den geflüchteten ungarischen Kommunisten gastfreies Asyl und stieße» dadurch Westungarn vor den Kopf, das glauben mußte, Deusich-Oesterreich sympathisiere mit den Bolschewisten.
Zu der Kohlennot und der Hungersnot kommt endlich noch als Drittes unser Währungselend hinzu, das wohl am besten dadurch gekennzeichnet wird, wenn ich darauf Hinweise, daß man beispielsweise in Innsbruck für einen halben Franken ein opulates Mittagessen bekommt. Wien ist heute die größte Fremdenstadt der Welt, weil die Ausländer nirgendwo so billig leben, wie hier.
Was kann nun zu unserer Rettung geschehen?^ weiß es sehr wohl, daß welle Kreise in Deutschland der Ansicht sind, eine wirksame Hilfe könne uns nur durch den Anschluß Deutsch-Oester- rei ch s an Dentsch land, den wir mit allen Mitteln betreiben müßten, zuteil werden. Es ist wahr, unser Staat, wie er heute ist, ist ein unnatürliches und daher unmögliches Gebilde, und zwar deshalb, weil auf ein verhältnismäßig kleines Land eine Stadt wie Wien entfällt, deren Größe in einem schreienden Mißverhältnis zu der Gröhe des Landes steht. Aber Wien ist nicht aus Oesterreich entstanden, sondern aus der Monarchie, rmd seine Größe war in der Geschichte und in der zentralen Lage begründet. Es gibt nach meiner Meinung nun für uns zwei Hauptnröglichkeiten, uns von dieser Unnatur zu befreien. Die eine ist sicherlich der Anschluß an Deutschland. Aber man sollte sich doch sehr hüten, aus Provisorien heraus (und unser heutiger Zustand ist ein Provisorium) ein Definitivum zn schaffen und Verfügungen zu treffen, die für setzt und alle Zeiten bindend sind. Wenn ich auch die großen Vorteile, die Deutsch-Oesterreich aus einen* Anschluß an Deutschland erwüchsen, durchaus nicht verkenne, so fällt doch sehr schwer ins Gewicht, daß wir bei einem solchen Anschluß unsere seit Jahrhunderten gewährte Selbständigkeit aufgeben müßten, was sicherlich über kurz oder lang große Nuzufrie- denheit Hervorrufen würde. Gan; abgesehen davon, daß die Entente einen Anschluß verbietet. Die zweite Möglichkeit zu unserer Rettung besteht in einer engen wirtschaftlichen Verbindung mit Böhmen, Ungarn und Südslavien. «Siegen diese Verbindung wird nun geltend gemacht, daß sie jedem nationalen Gefiihl hohnspreche. ?I6et einmal müssen wir leben, und dann ist es doch auch Made dieses nationale Gefühl gewesen, das uns in den Krieg und in die Niederlage hineingetrieben hat. Seit Jahrhunderten sind wir mit jenen Ländern zu einet gemeinsamen wirtschaftlichen Existenz verbunden gewesen, desbalb wäre es nur vernünftig, auch jetzt wieder wirtschaftlich zufammenziüvirken. Eine dritte Möglichkeit, ans unserem Elend herauszurom- men, bestände schließlich für uns noch darin, daß die Reparationskommission uns endlich wirkliche Hilfe und nicht nur leere Worte zuteil werden ließe.
Was aber auch geschehen mag, von außen her muß uns eine außerordentliche Hilfe geboten tverden. Aus eigener Kraft können wir die augenblickliche große Gefahr nicht mehr überlvinden.
<7- I Acraniwoniich für den redaktionellen Teil: Karl Schütte, | 7,A ITßüßttlbSV 1919»
HL | für die Anzeigen: I. P a r z - l l e r, Fulda. — Rotationsdruck. | |
Um das DeiriebsrSiegefeh.
Die Ausgleichsverhandlungen über rnteoefek sind noch nicht zum Abschluß gekommen., lieber den Bilanzparagroph ist iwerhaUpt keine Einigung erreicht, auch werden von soM^nov kratischcr Seite noch gegen die Heraufsetzung der ^)ahl der in den Betrieben beschäftigten Arbeiter auf 500 u nb ber Angestellten auf 100 Einwande erhoben. Drs treffenden Absätze des Entwurfes wurden daher noclx bis auf weiteres zurückgestellt. Der Rest ^ Gesetzes, ist gestern vom Ausschuß mit einigen Jenberungot angenommen worden.___
* Die Ablieferung der deutschen Prtroleumschiffe an England hat begönnen. ,
* Bulgarien hat unterzeichnet. Der bulgarische. Vertteter hat in Paris den Friedensvertrag zwischen. Bulgarien unb der Entente unterzeichnet.
* Der Bitterfelder Streik. Auf den beiden Stret-? kenden Werken des Bitterfelder Bezirks hat die Ar< beitsaufnahme wieder begonnen. Auf dm Amlm-s werken arbeiten zurzeit 15 Prozen» der Belegschaft^ ettoa 600 Mann, auf Elektron 1 stellen sich Arberts-' willige ein._______ _
Deutsche Natioualversarnmlurlg.
In der Sitzung vom Donnerstag wurde zunauMt die Besprechung der Ernährungsinterpellation, 8U Stopfer (Bayer. 23p.): Die Schuld für unsere, schlechten Ernährung,Verhältnisse trifft die alte Ketzi.- runa, die während des Krieges ihr ganzes Jupeumert der Runitionsherstellung zuwandte, ohne vor allem die. Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte zu Die neue Negierung macht es nicht vrel.bester. Wenn, cä auch' Bauern gibt, die durch den Schleichhandel hohe? Summen verdient haben, so darf man gleichwohl per/ landwirtschaftlichen Bevölkerung im allgemeinen Nicht/ den schweren Vorwurf machen, daß sie sich am Bous-i wohl versündige. Die landwirtschaftlichen Ertragnisse^ mußten mit der Einführung der achtstündigen ArdeitS.^ zeit zurückgehen. Völlig sinnlos sind die Sympathie», streiks. Die Arbeiter sollten lieber Kohlen forderns dann gibt es auch etwas zu effen. Der Streit zwischen. Stadt und Land hat keinen Zweck.
Abg. Jaildrry (Dnat.) führt auS, daß d-.e Zwangs«. bewirtfchaftung und die Verordnungen der Regierung,, bei denen vielfach parteipolitische Erwägungen matz^ gebend waren, die Versorgung der Bevölkerung auf das schwerste gefährden.
Es folgt die dritte Lesung der ReichSabgab«»-; ordnnng. , ,, .. .
Abg. Düringer (Dnat.s: Dre Zentralisation, die hajt Gesetz bringt, ist undurchführbar. Herr Erzberger yav aber in allem, was er für das Reich getan hat, kemej glückliche Hand gehabt. Die Finanzgebahrung der Ren gierung ist verfassungswidrig, prinzipienlos und unmoralisch. Fetzt ist man auf die Sparprämienanleihe, gekommen, die auf den Ssiieltried spekuliert. Wir, lehnen den Gesetzentwurf ab.
Finanzminister Erzberger r Die Verabschiedung dess Gesetzes ist ein nationales Werk, das hinter der Der-l faflung nicht zurücksteht. Es ist sein großer Vorzug, daß es zum Einheitsstaat führt. Das ist von Anfang/ an mein Programm und damit stehe und falle ich. Das. deutsche Volk geht an der Zersplitterung zu Grunde.j Zusammenfassung bringt Rettung. Haben Sie (nach, rechts) den Wünschen der einzelnen Staaten Rechnung, getragen, z. B. in den Rbeinlanden? Nur im alten Preußen hat es eine Zentralisation gegeben, die mit bru-( taler Gewalt über die berechtigten Eigenarten der «inzel-i neu Landcstelle hinausging. (Stürmischer Widerspruch rechts.) Hat man nicht nach den Nheinlanden und nach' Schlesien Beamte geschickt, die Fremde waren und geölte»' den sind. (Erneute Entrüstung rechts.) Schon 1907 habe.
, Deutsch-Oesterreichs Not und Rettung.
' Pon einem hervorragenden Politiker gehen der öentr.-Parl.-Korr.- nachstehende Ausführungen zu, die Monders in der Behandlung der iAnfchlutzfrage von .-Xnieresie sind. Wenn wir auch den Ausführungen nicht ssi allen ihren Teilen zustimmen können, so haben wir doch in anbetracht der politischen Bedeutung de§ Verfassers sie unfein Lesern nicht vorenthalten zu dürfen geglaubt. ; Unsere Rot hat einen solchen Höhepunkt erreicht, daß sie bis an die äußerste Grenze jeden erträglichen Maßes g-koumren ist. Woher diese Not kommt? Ganz einfach aus dem verlorenen Krieg und aus dem Friedensoer- trog von St. Germain. Das sind die Quellen, aus denen die Ursachen unseres Elends, die K o h l c n n o t und die Lebensmittelnot, fließen. Dazu kommt dann noch dcr ungewöhnlich ftühe Winter, der die Kartoffelernte und in höher gelegenen Orten, auch die übrige Ernte sehr ungünstig beeinflußt hat. Für den Kohlenbezug sind wir teils auf Deutschland angewiesen, dann aber auch auf die böhmisch-mährischen und galizischen Kohlenfelder, die uns nach dem Friedensoertrag mit Kohlen versorgen sollen. Aber diese Versorgung ist so mangelhaft, daß eine überaus heftig in das gesamte Wirtschaftsleben einschneidende Einschränkung des Verkehrs, sowohl des Personen-, als auch des Frachtenverkehrs, notwendig wurde. Zu dieser Berkehrsein- fchrSnkimg hat jedoch nicht unroefentlief) auch der Mcm- yd an Waggons beigetragen. Das heißt, einen eigentlichen Mangel daran ljaben wir nicht, sondern mehr timen Mangel an Verfjigungsmögllchkeiten. Infolge her Zerschlagung der bisherigen Monarchie mußten nämlich auch die Eisenbcchmvaggons unter die einzelnen neuen Staaten verteilt werden. Und sobald nun fein Waggon über die Grenzen Deutsch-Österreichs jbfnausgefft, lassen ihn die lieben Nachbarn einfach nicht jusieba zurück. Alle diese Umstände haben natürlich AUsammengewirtt, Misere Kohlennot noch mehr zu stei- Aern. Sie ist so groß, daß für den Hausbrand überhaupt keine Kohle mehr zur Verfügung stehl,. Nm öer Schleichhandel verfügt noch über Kohle, aber seine Preise sind so imglaubüd) hoch, daß selbst große Fabriken sich diese Schleichhandelskohle nicht leisten können. Natürlich üben diese Zustände einen geradezu unheilvollen Einfluß auf die Gesamtheit und die Arbeits- jrrubigkeit der Bevölkerung aus.
Was nun die ErnährungsscksivierigkeitM anbetrifft, so rühren sie zum großen Tel mis der Kohlen- und Vcrkchrsnot her. Denn Deutsch-Oesterreich in seiner heutigen Gestalt ist ein Land, das sich nicht selbst ernähren kann. Aber auch andere Länder, wie z. B. die Schweiz unb Italien, können sich nicht selbst eriiähren und leben doch. Was wir nicht selbst produzieren können, das könnten wir im Wege des Austausches bekommen, wenn nur bei uns gearbeitet wurde. Aber dies ist leider nicht der Fall, wenigstens nicht in bem unbedingt notwendigen Maße. Auch hier wirken verfchicdcne Ursachen zusammen. Zunächst der nach ber äußersten Anspannung wahrend des Krieges ringe- sietene körperliche Zusammenbruch der Menschen, bann aber auch bie von bet Regierung vorgenommenen Experimente betreffend Betriebsräte und Sozialisierung. Weiler kommen dann noch die hohen Löhne hinzu, die jede Arbeit ungemein verteuern und konOrrrenzrmfähig machen und uns oböndrein iiqmer mehr ia Schuldenwirtschaft hineinführen.
Eine wesentliche ßmberung bi unserer Ernährungs- not würde aber schon dann emireten, wenn West- Ungarn tatsächlich zu Deutsch-Oesterreich gehörte. Es würde dann em solcher Zuwachs an landwirtschaftlichen Produkten zu verzeichnen sein, daß sehr schnell das
Verlaa der Fuldaer Act-endruckerel In Fulda. - Preis monall. I Zahrq i lü Mk - Feinfpr. Nr. 9. Tel-gr.-Adrcffe: Fuldaer Z-bung. I
Tas gebrochene französische Versprechen.
Von maßgebender Stelle wird zu dem Schreiben Llcrnenceaus vom 22. Rov. über die Abreise Enm- sons nach Berlin (vergl. die Letzten Nachr. rn der gestrigen Ausgabe der „F. Ztg.") bemerkt:
•.». Das Schreiben Clcmenreaus hat sich mit der deutschen Antwort auf die Kriegsgefangenennote gtfreugt. Es zeigt, daß der französischen Regierung im ichrosten Gegensatz zu den Behauptungen in der Kmegsgefangc- neu-Note dcr Entente nun doch eingefallen ist, dag fte am 28. August Versvrechungen über die Herm- s en düng der Kriegsgefangenen vor der Raüflka.ion gemacht hat. Wenn sie nun die Z ur ückzie h ung dieses Versprechens, was sie niemals stillschweigend vornehmen, sondern wenigstens der deutschen Regierung mit», teilen muhte, mit" der! Nichteinhaltung der deutschen Verpflichtungen erklären will, so fragt es sich, um wctche nicht eingehaltenen Bedingungen es sich hier handeln kann. Dabei mutz alles ausfcbeiden, was vor dem 18. September liegt, denn an diesem Tage wurde den deutschen Vertretern in Paris noch mitgeteilt, die KrregS- qefanpenenfrttpe sei erledigt, nnd die Transporte nach Deutschlarid würden von setzt ab ununterbrochen laufen. .
Damit fällt vor allem die angebliche schuld tn der Scapa Flow-Sache fort, ebenso wie die baltische Frage ausscheiden muh, da der Bericht der unter der Führung des Generals Niessel stehenden Kommission noch nicht vorliegt. ES bleiben also die spärlichen, bet dem beispiellosen Umfang der laut Waffenstillstand zu erfüllenden Leistungen kaum ins Gewicht fallenden Rückstände, die wahrlich nicht als Borwand für den Widerruf einer von Frankreich gegen erhebliche deutsche Leistungen vertraglich übernommenen Verpflichtung dienen können.
Nun wird in der neuen Note die Freilafiung der Gefangenen innerhalb von acht Tagen in Aussicht gestellt, wenn Deutschland ohne neue Einwendun- düngen unterzeichnet. Die Kriegsgefangenen sollen also nochmals verkauft werden, und zwar für dre Auslieferung der Bagger, Docks unb Krahne, ohne dre cS ein deutsches Wirtschaftsleben überhaupt nicht geben tu: in.
Aber noch mehr, um die Kriegsgefangenen zuruckzu- bekommen, soll die Bestimmung anerlannt werden, durch die die Entente daS Recht hat, auch fernerhin alle militärischen und andere Mahnahmen zu ergreifen, die sie für angezeigt erachtet.
Wer bietet die Garantie dafür,, daß auch nach Frtd- denSschluh gerade so tote heut-, unter diesen Zwangs, nmhnahmen nicht auch die Einstellung bet Kriegsge. fangenentransporte zu verstehen sein wird? Sara hätte die deutsche Regierung den letzten wertvollen Teil dcS deutschen VolksvermögcnS verschleudert und durch ihre Zustimmung den Kriegszustand in den Frieden hineinverlängert nnd dennoch das LoS der Kriegsgefangenen nicht gemildert.
Die deutsche Regierung wird nach all den Erfahrungen in der KriegSgefangenenfrage, und nach zweimal echt gehaltenen bindenden Versprechungen, das dritte sich nicht auf einen solch unsicheren Rechtsboden gberben , umsoweniger, alS gerade heute die Nachricht die deutschen Kricgrgefangenen erst h-rm-sgegben wer. den foffcni trenn 900 000 deutsche .Arbgtte.r unter genau den gleichen Bedingungen im Wiedcraufbemgebiet! cingetroffen seien.
Der Rückmarsch der Dallellkruppen.
vollzieht sich im allgemeinen in guter Ordnung. Die Angriffe schwacher litauischer Kräfte bei Schaulen unb die Zerstörungen von Telegraphen- und Fcrnsprechlri- tungen dauern an. Im Bahnbetrieb sind keine nennenswerten Störungen eingetreten. Bis zum 26. Nov. haben 2000 Flüchtlinge und 1550 Militärpersonen bie Grenze passiert. Sämtliche zurückkehrenden Kolonnen werden von zahlreichen Flüchtlingen begleitet.
Der Schatten.
Roman von Arthur Winckler-Tannenberg.
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- WS rinem Schrill war Ruskin cm Schreibtisch. Auf kern Papier, das vor ihm lag, glänzte die in Worten geschriebene Sirmme «hunderttausend Mars" noch feucht. Der ^ejt des Schriftstückes ober lautete:
r Sknerkeanang.
r Zur selben Stunde, da mir Herr Tom Mmray zu k.tfem Beweise verhilft, daß der Mord an Gustav Heinrich, LFabrlktzerr in Wien, am 27. November 1892 nicht durch i den Kaufmann tmb Fabrikherm Alfred Malten begangen
wurde, zahle ich ihm die Summe von hunderttausend ; Mark. Ich zahle aus freien Stücken, weil mir jener ^Beweis die genannte Summ« wert ist, in keiner Weise ; von Herrn Murray dazu gedrängt, vielmehr in Dank-
borkest für feine Hilfe.
Ruskin las und ko» wieder. Mc Buchstaben tanzten feinen Augen. Er ergriff den Federhalter unb. legte ihn "nschbrffig wieder hin.
Murray stand ruhig beiseite unb market«. Mil keiner Veste nahm er ieä an dem, was hier geschah.
»Das ist ja Wahnsinn, das ist ein Gaukelspiel voll List irnd Schwindel — das können Sie eicht beweisen —, Beweist? Worin sollen die Beweist bestehen?" fragte der «an stürmenden Empfindungen geschüttelte Mann.
; „Im schriftlichen Bekenntnis des wirklichen Mörders." f ^Und er lebt?"
1 »Das tut nichts zur Sache —"
„Aha!! Also eine Fälschung soll ich kgusen. Ihrer lIrwijserckosigreit ist alles möglich. Schwindler, mit denen Sic die große Beute teilen, beschwören aller, liefern wohl Gar auch gefälschte Unterschriften, erlogene Testamente!"
„Ohne Zweifel gibt es solche Senfe, und ich will nicht leugnen, daß man mitunter in die Zwangslage kommt, ''ch ihrer zu bedienen. Ich bedarf defstn nicht. Aber Sie hoben einmal ein starkes Mißtrauen gegen mich, also üchern Sie sich —'
.Wie?" v
„Sehen Sie vor bas Wori „Beweis" in diesem Schnst- WiJ das Beiwort „gerichtsgüitigcn" und Sie sind gedeckt."
„Das wäre--"
„Zu überlegen, nicht wahr? Nein, es ist mehr als das. Es ist annchmbar. Wen» Sie den Beweis nicht für rollgültig halten, taerbe.i Sie sich rosigem, die Forderung aa-uerkennen, und ich kann die Enthaltung Ihres schriftlichen Versprechens nur erzwingen, wenn mein Beweis vor Gericht gilt."
„Dar alles trifft zn. Ab« sie wissen auch, daß rin Hans von dem Range des meinigen nicht Unterschriften gibt, bi? erst gerichtlicher Probe imterworsq werden müssen, Das liefert mich in Ihn Hand "
„Nein, ich habe mit dem Haust E. A. Nr-slin nichts zu tun — sondern nur m.t Ihnen als Einzelperson. Rur Liest hat ein Instrelfe an dem Beweise, den ich anbiete."
Noch einmal zuckte die Hand scheu zurück, als sie' die Feder ansttzte, dann aber schrieb sie doch. Erst die Ein- schaliung „gerichtsgültigen", dann den Namenszug.
In fieberhafter Spannung sagte der Kcwfher mm:
»Endlich afio reden Sie. Was wiffLN Sie, wie be- gtaMbigt wissen Sie es?"
Murray nahm bas Schriftstück, löschte bie noch feuchten ©feilen sorglich auf dem Schriftstück ab unb fegte barm das Papier in seine Brieftasche zurück.
„Mein verehrter Herr Ruskin, das werben Sie sich ja wohl selbst fragen, solche Beweise trägt man nicht rm Notizbuch mit sich herum, solche Beweise nrüssem oorberritet sein. Auch die meinigen —*
„Was soll das heißen! Also doch Lug und Trug, ehre verfluchte Komödie alles?"
„Gemach, gemach, ich habe ein sehr großes Jnferrsst daran, daß es keine Komödie ist. Aber ich mußt« doch planmäßig bauen. Erst Ihre Zusage, schwarz aus weiß, formte mich reizen, den Beweis zn schaffen, den ich zu schaffen vermag. Sehen Sie, Sie jte unl>erechenbar. Wenn Sie mich wieder Hinauswersen, wie es ja zuerst auch den Anschein hat!«, was sollt« ich dann mit dem Beweise? Was hätte ich von aufgewendeten Kosten tmb M^en? Jetzt, da ich den Preis kenne, werde ich arbeiten, denn ich arbeite für mich."
Und wie lange soll ich noch in der folternden Unruhe leben, ehe ich sehe, ob ich genarrt worden bin oder nicht?"
„Ich bebaute, Ihnen Tag und Stunde noch nicht nennen zu körnten. Das hängt natürlich von der Raschheit meiner Erfolge ab, die mrr im Endergebnis sicher sind —
„Nur im Endergebnis, ober in dem gewiß?."
„Ganz gewiß!"
„Und Sie geben Rachricht —"
^So schnell ich kann. Ich trage den Anreiz zu jeder möglichen Beschleunigung in Ler Tasche. — Es war mir ein Vergnügen, daß unsere zweite Begegnung einen so viel versöhnlicheren Ausgang genommen hat. Ich habe die Ehre!"
Murray verneigte sich, eine Sekunde noch, und die Tür siel hinter ihm ins Schloß.
Ruskin aber warf sich in feinen Sessel. .
„Schuft, ewig verdammter Schuft!" grollte er cor sich hin, „daß ich ihn mit Füßen hätte von mir stoßen können! — Aber roenn’s eine Tatsache gäbe, die aller wandeln formte, wenn dieser Spürhund etwas gefunden hätte, o mein Gott, ich will auch aus feinen unsauberen Händen erlösende Wahrheit nehmen. Er kann sie nicht besudeln, sie bleibt Wahrheit unb Erlösung!"
Draußen winkte Murray eine Droschke heran und gab dem Kutscher bie Adresse seiner Wohnung.
Im Seebarm erwartete Brrmo seinen Bafer.
Der tarn mit sehr befriedigter Mene, legte Mantel unb Hut gemächlich ab und fragte dann freundlich:
„Nun, mri* Junge, war bringst Du?"
„Ich denke, Vater, von Dir etwas zu erfahren, Deins Mission war doch unendlich wichtiger als die meine, nicht wahr?"
„Hin ja —. Also: Wir haben uns auf himdorsimisentz Mark geeinigt."
Bruno riß die Augen auf.
„Donnerwetter —l" sagte er bewundernd.
„Aber, nun Du?"
„Ich denke, wir haben ihn so weit — wenigstens in ein paar Tagen ober eigentlich in ein paar Nächten. Er spürt doch, daß es wirklich zu Ende geht unb hat vor dem Jenseits eine furchtbare Aygft —. Ach, Vater, es war eine scheußlich mühselige Arbeit!"
„Ja, mein Sohn, hast Du Dir dngebilbet, mein — künftig auch Dein — Beruf fei mühelos? Oho, wir leben des Lebens Genüsse voll aus, alle, alle. Aber um das zu können, nrüffeu wir immer arbeiten, immer auf de.m^ Platze fein —. Möchtest Du lieber in bas Elend Dfeinri Arbeitslosigkeit zurück?"
„Um Gotteswillsn nein! Und ich weigere mich ja auch nicht, zu arbeiten. Aber ich möchte Dich rächt glauben laflen, daß cs leicht sei, was ich arbeite.“
„Du darfst mir vertrauen, daß ich jede Art Tätigkeit- zu fchätzen weiß. Ich vernachläffige auch niemals das Kleine über dem Großen. Sieh, da ist die Sache mit, dem Süllenböcker. Er wird lumpige drei- oder viertausertdf Mark los werden, ehe er merkt, daß ich ihm gar nichts- nützen tamu. Gegen die große Ruskinsache ist bas eine Nichtigkeit. Aber man soll nicht stolz fein. Ich widme; auch dem Süllenböcker mein wohlgeneigtes Jniereffe unb” erfahre dabei alles, was ich will über Ruskin und Evans. — Aber bleiben mir bei der Hauptsache: Also, wie weitz bist Du?"
„Nachdem Müller sich überzeugt hatte, daß der Schreib- tifch und stdes'andere in Betracht kommende Möbel lecrj ist, hat sie mir den Zugang zu Onkel Salzmann ganz frei- gegeben. Geld verdient er nicht, hat er nicht, also was kann ich ihm abnehmen? — So wurde ich sein bester und häufigster Gestllschasfer. Er verträgt das Alleinsein nicht, da hat er immer Erscheinungen, Es muß ja scheußl'.chs jein —"
„Er tut mir leid —,
„Mitunter, ja. Aber ich versäume nichts auL.Empfind« stmkcit." ■
„Das ist die Hauptsache —"
„Na, und da find wir denn so in oertraute Gespräche, gekommen, lieber Gott, Jenseits unb Vergeltung doch oben. Daß in Onkels Abrechnung etwas nicht stimmt» habe ich immer gemußt, daß er aber st» vollständig für der, Himmel verloren ist, das habe ich doch jetzt erst geschen. Wenn jemand so wochenlang seine Dergangmheit an sich vorüberziehen läßt im Wachen und im Träumen und habet' halb im Fieber noch alles cmsschwatzt, dann weih man bald mehr, als einem solchen Menschen lieb ist. Unb jetzb weiß ich: Er hat Ruskin nicht alle Papiere gegeben, noch nicht alle. Die letzten und wichtigsten fehlen. Warum fehlen sfe? — Sie muffen ihn sechst mehr belasten, al« Ruskin wissen darf —
„Das ist sicher!"
„Es mar in voriger Nacht. Ich kam um zwei Uhr heim und hörte ihn Mhnen. Da bin ich zu ihm gegangen unb bin bei ihm am Bett geblieben, bis die Sonne aufging. Er lag im Schweiß gebadet unb war st erbens- schwach, lieber Reue und Vergebungsmöglichkeilen fing et. an. Ich habe ihn getröstet, daß nach der Gläubigen Mei-, nung jedes restlose Bekenntnis restlos Vergebung fände. —, Plötzlich 'fragte er, ob dazu auch im letzten Augenblick? noch^Zeit fein möchte —." (Fortsetzung folgt.)
SHS
Deutsche Spar* Prämien 1919