Glauben finden und der Ausnahme in ein amtliches <-chnsi- fti-rk gewürdigt werden. Sie hofft, dass die alliierten Regierungen ihr: Aufmerksamkeit dadurch nicht von der Kriegsgefanaenenfr-rge ablenken lasten, die mit jedem Tage ernstlicher und dringlicher wird und in der Deutschland aus das Mitgefühl aller Zivilisierten Völker rechnen zu können glaub!.
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Lie Aniwortnote Ser Seutschen Regierung.
• ^Sie Reichsregierung hat auf die letzte Kriegs» aefangeneunote der Entente mit einer Note geantwortet, die am Mittwoch in Paris überreicht Horden ist und in der folgendes dargelegt wird:
Die französische Negierung behauptet, sie habe nie: ' gtalS etwas anderes versprochen, als die Bestimmungen 6t5 FrredensvcrtrageS zu erfüllen. Eie hat anscheinend ihre amtliche, durch die Zlgencs HavaS am 29. August 1919 veröffentlichte Bekanntmachung vergessen. In dieser Bekanntmachung beißt es: .Um so rasch trtc mög- licb die durch den Krieg verursachten Leiden ?,u mildern, beschlossen die alliierten und assoziierten Mächte, den Zeitpunkt des Inkrafttretens des ZiiedensvertrageS, fo- • ©eit er den Rücktransport der deutschen Gefangenen betrifft. vorzudatieren. Die Vorbereitungen zu dem Rücktransport werden sofort beginnen und zwar durch eine alliierte Kommission, der ein deutscher Vertreter beigegeben werben soll, sobald der Vertrag in Kraft fdreien ist. Die alliierten und assoziierten Mächte weisen aber ausdrücklich darauf hin, dass diese wohlwollende Haltung, durch die die deutschen Soldaten so grosse Vorteile haben, nur dann von Dauer fein wird, wenn die deutsche Regierung und das deutsche Volk alle ihnen obliegenden Verpflichtungen erfüllen."
Die französtsche Regeerung behauptet selbst nicht, dass fte diese Zusage zurückgenommrn habe, weil die brutto* Regierung oder das deutsche Volk die ihnen obliegenden Verpflic^ungsn nicht erfüllt hätte. Eine solche Zut- >rLcknahme hätte dann ja auch der deutschen Regierung Bulge teilt werden müssen, vielmehr leugn et die fran. zösische Regierung einfach irgend ein Ver- sprechen abgegeben zu haben. Diese widerspnrchZ- bolle Haltung ist um so unverständlicher, als die Ver. Sffentkchung vom 29. August nicht etwa ein freies Zugeständnis war, das aus Gründen der Menschlichkeit. , erteilt wurde, sondern die G e g e n l ei 1t u n g für Zugeständnisse, zu denen die französtsche Regirrumg die deutsche Regierung dadurch veranlasst hatte, dass sie ihr ein Entgegenkoinmen in der Kriegsgefangenenfrage versprach. §8 handelt sich bei diesem Entgegenkommen um die Kohlenlieferungen und zweitens um den Fall des Sergeanten Manheim.
Die Note geht bann auf bte von uns schon mitgeteilten Verhandlungen zwischen der deutschen'und der krau- zöstschen Regierung über diese beiden Fälle ein' und fährt fort:
Die französische Regierung wird demnach nicht be» streiten können, dass Deutschland vor Monaten das bindende Versprechen von ihr erlangt hat, die Heimschaffung der Gefangenen nicht bis zu dem im Friedensvertrage bestimmten Zeitpunkt auSzudehuen, sondern damit sofort zu beginnen.
Die Note vom 15. November legt ausführlich dar. aus welchen Gründen die französische Regierung auch nicht gewillt ist, freiwillig vor Inkrafttreten des JriedenSvertrageS mit der Heimschaffnng zu beginnen. Diese Ausführungen stellen ein Verzeichnis aller Beschwerden dar, welche die französische Regierung gegen Deutschland erheben zu können glaubt. Die Kriegsgefangenen sind eS, an die sich die franzöfi'cye Re- Gierung wegen dieser Beschwerden hält. Im Widerspruch mit den Gesetzen des Edelmutes und der Menschlichkeit, welche die französische Steuerung stets als ihre Richtschnur bezeichnet hat, müssen also Schuldlose für die angeblichen Verfehlungen der deutschen Regierung bühen und alS Geiseln dafür hasten, dass die französischen Wünsche erfüllt werden.
Diese Politik muss umso schärfer verurteilt werden. ÄS die Behauptung, dass die Kriegsgefangenen in materieller und moralischer Hinstcht durchaus gut be- handelt werden, leider nicht den Tatsachen entspricht. Sie stehen nach wie vor unter der Heirschaft deS KriegsrechtS, das mit erbarmungsloser Strenge gehandhabt wird. Kleidung und Unterbringung
guaebt. Unter diesen beiden Bedingungen erklären sich die Demokraten bereit, der Entsendung von em oder zwei Mitgliedern deS Betriebsrates m den Aufsicht^ rat zuzustlmmen. die dort die Wunsche und Ansichten der Arbeitnehmer zu vertreten haben. Ihr Ausgaben, kreis soll also eng begrenzt fein, '-^Demokraten vrn- lau "en ausserdem dass der ReichSwtrtschajt»rat -lu->- näbmen zulassen kann, soweit eS sich um Gefährdung staatlicher oder gcsaw.iwirijchafillcher ^ntere>! en handelt. De Einsichtnahme in die Bilanz wollen die Demo- traten zuoesiehen in dem Fall, wo eine geietzlt.he Verpflichtung zur Aufstellung der Bilanz voruegt aber auch hier nur in Betrieben mit über 100 Angestellten und mehr als 500 Arbeitern.
Tas Zentrum har sich mit den Vorschlägen ter Demokraten in weitgehendem Maste eittberitanucn erklärt Auch die 'Sozialdemokraten sehen ein: brauchbare Grundlage für eine Verständigung darin, und mau hofft, daß nun die Schwiertgk-tten bald beseitigt werden können.
reichen vielfach für die kalte JahreSzeitniwt aus. Zum Teil sind die Kriegsgefangenen noch vom Verkehr mit der Heimat adgeschnitten. Angesichts der klaren Sachlage, die durch das Versprechen der französischen Negierung geschaffen ist. könnte ein weiteres Eingehen auf diesen Teil der Note überflüssig erscheinen. Um keine falschen Eindrücke entstehen zu lassen, hält ti die deutsche Regierung jedoch für angebracht, folgendes dazu zu bemerken :
1. Die deutsche Negierung hat nicht, tote e5 nach der Note scheinen konnte, abgelehnt, die Konseaücnzen daraus zu ziehen, dass sic ihre Unterschrift unter die Be- dingungeit des FriodensdertraaeS über die Herausgabe der-wegen eines Verstosses gegen die Kriegsgesctze angeklagten Personen gesetzt hat. Vielmehr hat sie unter Anerkennung ihrer vertraglichen Verpflrch- tungen auf die Schwierigkeiten, d?e sich der Ausführung dieser Bestimmungen entgegennellen, hingewiesen und und ohne einen förmlichen Antrag zu stellen, die alliierten Siegierungeu gebeten, ihrerseits zu erwägen, wie sich der von ihnen verfolgte Zweck , ans anderem "Wege «we>». cheii ließe. /
2. In der Note wird gefragt, wie sich wohl die Bewohner 6er zerstörten Gebiete damit abfinden würden .wenn die dort mit den Slufräumungsarbeiteit be- schauigken Kriegsge-angenen Frankreich verlassen dürften. Die deussche Regierung kann nicht glauben, daß diese Frage in dem Sinne zu beantworten ist, wie es die Noll: zu verstehen gibt. Sie sst vielmehr überzeugt, dass die französtsche Bevölkerung ein Herz für das Elend der Kriegsgefangenen hat und es trotz der eigenen Not vorstehen würde, wenn sie die Freiheit zurück- erhlelten, itolt in hartem Frondienst für Handlungen büßen zu müsse», für die sie.kein« Verantwortung trifft.
3. Don maßgebender französischer Seit« ist seit dem 11. Juli wiederholt feierlich versichert worden, daß die Krtegsgesangenenftage nicht mit der Frage des Wiederaufbaues der zerstörten Gebiete verquickt werden falle. Daran, daß noch kein enkyültlges Abkommen über die Bereitstellung deutscher Zivilarbeiter zu- standegekommen ist, trägt die deutsche Regierung keine Schuld. Sie hat sich gleich nach der Unterzeichnung des Friedensverttages bereit erklärt, deutsche Ar- beitskräsie für den Wiederaufbau zn stellen und hat in den kich anschließendeu Verhandlungen eingehende Vor« schlüge über die Art ihrer Verwendung gemacht. Die deutsche Regierung bedauert, dass es trotz ihres wiederholten Ersuchens der französischen Regierung nicht möglich gewesen ist, eine endgültige Erklärung über die deutschen Vorschläge abzugeben.
4. Der Borwurf, die deutsche Regierung habe vvr- läusige Maßnahmen zur Erleichterung der Friedensbe- stimmungen in Schleswig und Oberfchlesien abgelehnt, fei unverständlich. Sie Regierung habe den alliierten Kommissionen weitgehende Unterstützung gewährt.
ö.-Die deutsche Regierung welkt die Beschuldigung zurück, daß fis planmäßig die Erfüllung der Bestimmungen des DaffenftillstandsabkainmMS verzögert habe. Deutschland hat fein Aeuherftes getan, um den rmerhövi schweren Ankorderungen ans diesem Abkommen gerecht zu werden.
8. Auf die Angelegenheit der Versenk,ing bet Kriegsschiffe in Scapa Uow wird an anderer Stelle ausführlich eingegangen werden. Auch die Frage der Räumung der baltischen Provinzen braucht hier nicht behandelt zu werden, weil sie zurzeit von der interalliierten Kommission einer Prüfung unterzogen wird.
7. Bei dem Vorwmf, den die Note wegen der Zweideutigkeit bis jetzt aufrechlerhaUener Artikel der deutschen Reichsoerfassung erhebt, handelt es sich um eine längst erledigte Angelegenheit, in der die deutsche Regierung alles getan Ijct, was die alliierten und assozziierien' Regierungen von ihr verlangt ,hatten.
8. In der Note wird endlich behauptet, die deutsche Regiertmg betreibe in der ganzen Welt mit ungeheuren Mitteln eine unablässige Propaganda gegen die Alliierten. Die deutsche Regierung kann nur ihr Befremden darüber ausdrücken, dass solche Erfindungen
Revolutions-Schieber".
Mit den üllerfchsversten Anklagen gegen „bekannte Führer" der Mehrheils'ozialisten tritt eine Berliner Korre pondenz vor die Oeffentlichkeit. Danach 'ollen im lebte« Kriegsjahre und in den kritischen Nevo« luiionstagen bis März 1919 durch gewisse Persönlichkeiten riesige Gew.nne durch Schiebergetchafte aller Art eingesteckt wo-den sein. Namen werden nicht genannt, nur der ehemalige Berliner Polizeipräsident Eichhorn wird namenilich aufgesuhrt, der gewisse Weihnachtsgeschenke für sich und seine Frau erhalten hat. In einer mehr als lendenlahmen Erklärung hat Eichhorn doch zugeben müssen, daß einer der in die Affäre gezogenen haupkbeteilrglen Bruder Sklarz sich erbäten "habe, „kurz vor Weihnachten 1918 «elcaentlich einer Reise nach Dänemark einen Einkauf zu besorgen." Tas habe er getan und Eichhorn habe das ür'gedankt. Es teert-eit weiter Falle erwähnt, wonach tzewinne bis zu 20 Millionen M< „herausgewirtschaftel" sein sollen. Einer der Ange- stellien der Gebrüder Sklarz, mit Namen Sonnen, seid sei unter Mitnahme von 1 Million 200000 Mk. verschwunden. Von sozialdemokratischer Seite wird auf das entschiedenste bestritten, ba1? „betfettige und ehemalige sozialdemokratische Mitglieder der Regierung in Frage kämen." Es wird erklärt,, daß der Klage- weg beschritten sei, um auch bte übrigen „herum- schwirrenden Gerüch e", die nichts weiter,,a!5_öreiftc Lügen und Verleumdungen" seien, gerichtlich zu widerlegen. Auch tetr halten es im Interesse der öffentlichen Reinlichkeit für bringend geboten, daß diese „Affären" gründlich „aufgeklärt" werben.
» Der Erfolg der Berkehrssperre. Nach dem letzten amtlichen Bericht be§ Reichskohlenkommisjars sind die Salbenbestände an ber Ruhr tn der ersten Hälfte des November von,832000 auf rund 750 000 zurückgegangen, in Overschlesien von 703000 auf 586 000 Tonn-n.
* Not in Oesterreich. In ber „Woche" schreibt der Grazer Professor und frühere dsuischö terrei« chische Staatssekretär der Finanzen, Josef Schumpeter in einem „Not in Oesterreich" beutelten Aufsatz u. a. folgertest Oesterreich wird eine Beute fremden, insbesondere italienischen Kapitals werden, das mit veihältnismößig sehr geringen Opfern eine bleibend- Machtstellung begründen und behalten wird. Investitionen in Oesterreich sind ja mit Rücksicht auf unseren Valulastand auch dann ein sehr gutes Geschäft, wenn man mit einer längeren
Aus bet Note Clemenceaus spricht ein so ungehemmter und unerbiitlicher Geist der Rache, des Haffes und ber Grausamkeit, dass d>e derrtsche Regierung nicht hoffen kann, mit ihrer Antwort eine Umstimmung in Paris herlwizufnhrcn. Aber es ist doch gut, daß die Unwahrhastigksit der Clemenceaufchen Note vor aller Welt klargestellt tritt) und das besorgt di- Antwort gründlich. Es ist kaum anzunehmen. daß Clemenceau selbst an all die Märchen glaubt, die er vorgebracht hat, dis Mehrheit der Franzosen jedenfalls glaubt sie ihm, sie fällt auf alles herein, was ihm über die Scheusslichkeiten Deutschlands erzählt wird und in diesem Wahn ersticken die menschlichen Gefühle und die politischen SMugheitebegriffe. Mas dir anderen Völker zu der Bekundung der französischen Grausamkeit denken und fegen, muß sich erst noch zeigen. Man könnte höchstens sich an die Hoffnung klammern, daß allzu scharf schartig macht und schließlich doch das menschliche Gefühl sich empören muß.
Ter Papst für die Kinder Mitteleuropas.
Ter Papst bat alle Bischöfe und Erzbischöfe ber ganzen Welt aufgeforbert, angesichts bet Unterernährung und der schlechten Bekleidung der Kinder M'.ttelenropas zu Weihnachten die Barmherzigkeit der Christenheit wachzurufen. In allen Diözejpu sollen am 28. Dezember Geldsammlungen für Arz» neimitlek,LebetismittelnndKleider veranstaltetwerben. Der Papst hat dafür bereits 100000 Lire gezeichnet.
Fortschreitende Räumung Kurlands.
Die Lage im Baltengebiet klärt sich. Die Deursche Legion unter Major v Brandts ist 15 Kilometer nördlich von Schänken entgeh offen, wo sie ihren Abtransport erwartet. Tie Eiserne Division gebt auS der Linie Alt-Autz—Shaoorh weiter zurück. Von dem Freikorps Plehwe haben 100 Mann deutschen Boden erreicht, die übrigen 500 Mann sind nur noch drei Kilometer von ber Greinte entfernt. Größere Störungen bcS Bahnbetriebes finden nicht mehr statt. Eine litauische Bande, dis die Bahnstrecke noch Murajewo belästigte, wurde durch Truppe« aus Schaulen vertrieben. Einzelne solcher Bandeu fügen sich den Wei ungen der litauischen Regierung noch nicht. Infolgedessen ist der Kleinkrieg mit seinen für bte Ab-iehendcn hier und da schmerzlichen Wirkungen noch nicht ganz erloschen, aber zu einer ernstlichen Beunruhigung ist kein Anlaß mehr.
Die Verhandlung«»
über das Betrksbsrätegesetz sind zwischen den drei Regierungsparteien gestern fortgesetzt worden. Tie Demokraten hatten neue Ver'mittelun.rsvorfchläge ausgearbettet und diele durch ihren Parteiführer dem rntersraktionellen Ausschuß toorlegett lassen.
Die demokratischen Vorschläge gehen von der VorauS- sehunr auS, dass die Frage der Einstellung und der Entlassung von Arbeitnehmern neu geregelt wird, sowie dass bis Weihnachten daS Gesetz über die obligatorischen Schiedsgerichte der Volksvertretung
Der Schatten.
Roman von Arthur W i n ck l e r»Tannenberg.
37] ----------
Da gab ihm Babette die Hand und sagte:
„3a, ich will. So gefallen Sie mir, ich bin ihre Verbündete."
Dankbar hob er die Hand an feine Sippen.
Und bann, als er heimritt, fragte er sich, was denn eigentlich geschehen war. War die Seit nicht ebenso novembergrau wie bisher? War ihm Inge nicht ebenso fern, ebenso verloren, wir bisher?"
.Nein! Das eine Wort ans Babettes Munde. „Und Inge liebt auch Sie noch," muhallte ihn wie ein Jussrkkkmg. Diese Gewißheit ließ auf einmal alle Blumen der Hoff- mmg neu ersprießen, jetzt war doch nicht mehr alles für immer verloren. Babette, dieses gottbegnadete fröhliche Menschenkind, da« das Herz auf dem rechten Flecke und «tt stets treffendem Humor urteilte, würde als fein Späher sein Mer Freund und verbündeter am Inge fein. Würde berat Seele leiten, daß sie keife, rmmerilich zu ihm zmück- kehttc und zu feinem treuen, nimmermüden Warten.
6o mochte er der Mheilerin Zeit, von der feine Mutter gesprochen hatte, vertrauen bürfenl —
In frischerer, flotterer Gangart ritt er noch Weltzin- «en heim, und al« « den Kiefernhang hinter sich hotte, üess er das Pferd verschnaufen. Ehe er in den Wold Einritt,, hielt er einen Augenblick an. Er wandte sich im Sattel Da gewahrten feine scharfen Augen, wie weit htüben ein Gefährt in behaglichem Trabe durch die Obst- dawnallee glitt, zwei Rappen vor dem leichten Iagdwa- S«t. Das Herz schwoll ihm, und er sagte laut für sich:
»Glückliche Fahrt, kleine tapfre Freundin!"
. 20.
Inge und Babette woran nach dem förmigen Süden abgefahren. Still wor's im Hause Ruskin geworden. Russin hatte Tom Murray kurz mitgeteilt, daß für ihn alles erledigt fei und er sich feinen zweiten Bestich verbitte, so waren denn auch Wochen verstrichen, in denen er von dem ®Men Gesellen nichts mehr gesehen hatte.
Um so überrofchier war der Kaufherr, als ihm eines Vormittags doch wieder die Visitenkarte des Tongkinefen überreicht wurde. Er drehte sie unwillig in den Händen. Der Angeftellte mußte sich erst durch verlegenes Räuspern ^merklich machen, ehe er eine Entscheidung erreichte.
Zuerst wollte Ruskin kurz antworten lassen, was er schon geschrieben hatte: da er für den Tom Murray nicht zu sprechen sei, jetzt nicht und überhaupt nicht mehr. Aber dann befütm er sich. Sollte er sich der Gefahr aus- setzen, daß der Abgewiesene dem Ueberbringer der Abwei- fung tückische Andeutungen machte, nachdem er eingesessen hatte, daß für ihn alles verloren war? Wozu! Deshalb empfing er bett widerwärtigen Besuch doch.
Mit vevfchräukten Annen stonS er an feinen Schreibtisch gelehnt, als Murray eintrat. Wieder verneigte sich der Fremde förmlich an der Tür. Ruskin beachtete es nicht.
„Was wollen Sie noch-hier? fragte er kurz. „Hat Ihnen die Art Ihrer Entfernung neulich nicht genügt? Hat Ihnen auch mein Schreiben nicht genügt?"
Tom Mmroy stand hoch aufgerichtet.
„Ich [jatie mein Wiederlommen in Aussicht gestellt, und ich pflege Wort zu halten. Cs konnte doch fein, da Sic sich eines Besseren besonnen hätten und setzt zu Verhand- limgen bereit wären"
Ruskin blickte finster drein.
„Gut, so hören Sie denn, wessen ich mich besonnen Hobo, um Ihrer schamlosen Erpressung ein- für allemal den Boden zu entziehen. Ich Hobe dos Glück meines un- fchuwigen Kindes geopfert. Jenes Adelsfchlog, von dem Sie damals sprachen, hat f einerlei Jitter esse mehr für Ihre Geheimnisse, denn es find hort keine Geheimnisse mehr —*
„Dos weiß ich —° sagte Murray kurz.
„Was wissen Sie?" fragte der Handelsherr mm doch Überrascht.
„Dass Sie in Weltzmgen ein Bekeimtuis abgelegt Hessen."
„Von mem‘?“
„Mein Gott, man hat doch seine Quelle» —"
„Sie scheinen die Bestechimgen. hn großen zu betret» den —"
„Ich betreibe alles im grossen."
„Aber wenn Sie das wissen,. weshalb kommen Sie überhaupt wieder hierher? Denn find doch Ihre Waffen stumpf geworden, bann haben Sie doch hier nichts mehr zu erwarten. Höchstens, dass ich Sie wegen Ihres Nöti- gnngsverfuches dem Gericht übergebe."
„Wie das? Ich Hobe Sie zu nichts genötigt. Ich habe Ihnen Vorschläge zur Vermeidung großer Uuonnehmlich- keircn gemacht. Sie haben meine Vorlchläge abgelehnt und jene Unannehmlichkeiten vorgezogen. Wo war da
eine Nöligung? 0 nein, ich kenne die Gerichte, ich kenne die Gesetze in Deutschland--"
„Das glaube ich!" sagte Ruskin fpöiiifch.
Murray sseachiete das nicht.
„Sie gestatten, daß ich mich fetze," entgegnete er und nahm, ohne eine Antwort abzuwarten, Platz. Ich bin der Meinung, Sie haben übereilt gehandelt, Herr Ruskin —"
„Ich verbitte mir jede Kritik meiner Handlungen. Ich richte mich noch Geboten der Ehre, die Ihnen fremd fein mögen. Und eben deshalb sind Sie nicht die geeignete Persönlichkeit für ein Gutachten."
„Und ich bleibe habet. Sie haben übereilt gehandelt."
„Herr —" brauste Ruskin auf. „Machen Sie, dass Sie forikvmmen. Ich wollte Ihnen persönlich Tagen, daß Ihr nichtswürdiger Plan durchkreuzt ist, sonst hatte ich Sie überhaupt nicht vorgrlafien. — Gehen Sie, gehen Sie fort, ich bin zu Ende —!"
Murray blieb mtbeoeglidj.
„In allen wichtigen Dingen muß man Ruhe bewahren, sonst macht man heillose Fehler. Sie bewahren die Russe nicht, das ist Ihr Rächte!! —"
„Ich habe mit Ihnen keine wichtigen Dinge."
„Woher wissen Sie das? Ich könnte doch solche bringen. — Es könnten doch neue, andere Dinge sein."
„Ich will keine mit Ihnen haben. Sie haben Unglück in dieses Haus gebracht durch gemeine, bübische Gewinnsucht. Dieses Unglütf habe ich getragen und will mit Ihnen nichts mehr zu schaffen haben. Roch einmal: Verlassen Sie mich jetzt."
Da erhob sich der Fremde. Mst schneidender Schärfe sagte er, als er schon an der Tür stand:
„Der kluge Großssandelshorr Ruskin ist ein Roer. Ich' könnte ihm viel fasen, viel! Darunter wohl gar, daß fein ganzes Schattengefpenst eine Lüge war!"
Damit ergriff «r die Klinke.
Ruskin aber stand in erstarrendem Schrecken.
„Was — ^wos — fagen Sie do?" brachte ei starn- mel.H hervor'— „Manu des Unglücks — Teufel —!“
„Es scheint, ich soll mm doch bleiben —"
Da lachte' der Handelsherr grell auf:
„Ja, ich bin ein Narr! Ein Narr bin ich, Ihnen mich nur einen Augenblick zu glauben! "
„Gut, bleiben Sie bei diesem Wahnsinn —"
Ruskin hatte sich gefetzt imd starrte '.mentschlossen vor sich hin.
„Dos eigene Geständnis!" flüsterte er. Dan» fuhr er lau! fort: „Welch neue Niedertracht planen Sie? Heraus
ans allem Dunkel' Sogen Sie, was Sie bemeifen zu können glauben und was diese angeblichen Beweise kosten. Dann allein kann ich fachen, ob ich mit Ihnen weiter verhandele —"
„Das läßt sich schon hören. Cs ist wenigstens eiu schwacher Anfang. —" '
„Also was wollen S:e von mir?"
„Ich von Ihnen? Ich bringe Ihnen etwas.
„Gut, gut, und was?"
„Wenn ich Ihnen — ich setze nur den Fall — wenn ich Ihnen etwas bewiese, daß bas Verbrechen, das als Schatten auf Ihrem Haufe lastet, nie geschehen wäre —"
„Sie fetzen einen Fall! — Ich würde hunderttaufMd Mark dafür opfern —! Ha, ha — Sie setzen einen Fall! Haben Sie mehr solcher Fülle?"
„Der Preis läßt fich hören. Ich bin und bleibe bei dem einen Fall. Ich nehme auch den Preis an:"
„Jo, um Gottes Willen, Herr — was reden Sie da, was können Sie wirklich beweisen? Ich werde irre, mir wirbelt der Kopf —" .
„ssabe ich nun recht, wenn ich vorhin sagte, Sie hätten übereilt gehandelt? —"
Ruskin sah den Sprechenden fafhmgslos an.
„Allmächtiger Gott," murmelte er, „es kann doch nicht fein — das Geständnis--!"
Letzi erhob er fich:
„Ein verruchtes Spiel ist es, das Sie erbarmungslos mit dem Glück anderer treiben. Mit dem Glück von Men- fchen, dir Ihnen nie etwas zu leibe taten! Dafür mag Gott Sie richten. Ich ober sage Ihnen, sst in Ihrem Besitz — wie immer gewonnen, durch Gewalt, durch Er- xresiung, durch Lug und Trug — eine Wissenschaft, die das bewiefe, ich würde die ungeheure Summe für den Beweis der Echtheit zahlen. Ich mürbe es tun —•"
Tom Mmray griff in die Brusttofche. Dann schritt er ohne weiteres zu des Kaufherrn Schreibtisch, nahm dort von dem bronzenen Schreibzeuge einen Federhalter und tauchte ihn in die Tinte. Jetzt faß er auf Ruskins P Lisch- fessel und füllte in einem fertig vorgcfchriessen-n Blatte eine Lücke aus.
Betroffen verfolgte der Kaufherr des Fremden Gebühren.
Der über sagte jetzt geschäftsmäßig:
„Bitte, lesen Sie dies imb fetzen Sie Ihren Nümey barunter, dann werde ich mich äußern."
fFortsetzuna folat.)
Deutsche Spar -Prämienanleihe W 19
Hauptgewinne
jährlich
Crfte SewinnTiehung im Ulärz
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