nr. 270.1 | Montag 24. November 1919. | 1 46‘
" $k Trauerfeier für den Abg. Grober.
I Zu einem letzrinAbschied von ihrem toteuFüyrer halte - tre Zentrum Lfraktio« der deutschen National» Versammlung sich am Sonntag in der Wendeihalle r ^ Reickbtags eingefunden, in der bereits am Samstag b-flheiß» die sterblichen Ueberreste ihres Führers in» jtirten eines Palmenhaines aufgebahrt worden waren.
' M« Trauerfeier nahm unter der stärksten Lnreil- -„zhuie der katholischen Bevölkerung Berlins einen titt erg.eisenden Berkaus. Die Berliner katholischen M-reine und Zentrumkorganisationeu ivaren durch «t^hnenabordnungen vertreten, deren Zahl an die Lindert betrug. Die Reichsregierung war unter Führung des Reichskanzlers Bauer vollzählig er- Sjienen, auch der Reichspräsident Ebert, sowie Vertreter der preußischen Regierung und sämt- Mscher Fraktionen der deutschen Nationalver- jzrnmlung waren anwesend, ebenso das Präsidium ter deutschen Nationalversammlung. Am Sarge Derstorbcnen waren Kränze niedergelegt von tat Zentrumsfraktionen der deutschen National- tasammlung und der Preußischen LandeSversamm- Ixng, der Freuen der Zentrumssrakion der deutschen tzHationalversammluna, der Borsiandschaft der bayerft scheu Bolkspartei, des Generalsekretariats der deutschen Zerttrumspartei, außerdem viele Kränze der berliner Organisationen.
Eingeleitet wurde die Traurrfeier durch einen u'ouermoral sowie durch Gesänge des Kirchenchors der HedwigS-Kirche. Dann legte der Präsident der deutschen Nationalversammlung Fehrenbach mit kmzen tiefempfundenen Worten am Sarge des Abg. Gröber einen Kranz der deutschen verfassunggebenden Halionalve.sammlung nieder. Nach ihm erhob sich der stellvertretende Vorsitzende der Zentrumsfraktion der deutschen Nattonalversammlung der Abg. Trim» hör«, der mit ergreifenden Worten des parlamen» rarische Wirkens de» verstorbenen Führers und Freundes gedachte. Dann segnete der fürstbischöfltche Telegat Propst an St. Hedwig Kleinadam die Leiche ein. Und dann trug man den Toten aus dem Hause, ix dem er ein Menschenalter hindurch alle seine Kräfte dem Wohle des Vaterlandes gewidmet hat, hinaus zur letzten Fahrt in die Heimat. Durch die Siegesallee und durch die anschließenden Straßenzüge bewegte sich der Trauerzug unter stärkster Anteilnahme der katholische» Bevölkerung Berlins.
Am Samstag vormittag hatte ein feierliches Requiem in der Kapelle der Grauen Sckwestern statrgefunden, an dem mit dem Vo> stand der Fraktion und den Zentrumsmimstern alle in .Berlin anwesenden Fraktionsmitglieder teiluahmen. .
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Amerika versagt.
3m Anfang dieses Jahres ließ uns der amerika- »ischc Präsident im Suche; zum Schluß des Jahres versagt der amerikanische Senat. Er bringt feine Mehrheit für den Friedensvertrag zustande und weigert sich, ihn zu ratifizieren, aber nicht etwa aus (Brünben der Deutschfreundlichkeit.
Ju der neuen Welt wird die Politik in einer sonderbaren Weise betrieben, für die wir in der alten Pell kaum Verständnis und gar keinen Geschmack ge- Mmrert können. , '
I Amerika hat während des Krieges eine ungeheure Tatkraft bewiesen. Nach dem Kriege'zieht es sich zurück und überläßt kaltlächrliid den europäischen Mächten, allein die Suppe auzulöffeln, die Wilson und ! seine Landsleute so grimmig heiß gekocht haben, t Der Krieg wäre aller Wahrscheinlichkeit irach schon im ersten Jahre, sicherlich im zweiten, zu Ende gekommen, wenn nicht Amerika durch seine riesigen Liefe- : tungert jm Kriegsmaterial die Entente von Anfang an unterstützt hätte. Das war ein Geschäft, bei dem ungezählte Milliarde», verdient wurden. Aber an den Goldstücken klebt das Blut von Millionen europäischen [, Stiegern und der Todesschweiß vor» ebensoviel htnsic- chutden Frauen, Greisen und Kindern.
Als die wohlbezahltm Lieferrmgen nicht ausreichten, um der Entente zum Siege' zu verhelfen, mischte sich Amerika auch mit bewaffneter Hand ein. Wilson, der setzt seinen Senat nicht für den Friedensvertrag gewinnen tonn, wußte im Handumdrehen beit Kongreß imb das Volk selbst für das Kriegsabentcüer zu ge- •uinert. Als es sich um die Verschärfung des europäischen Konflittes handelte, gab rs keine Strupcl wegen Iler Wilsonschen Friedenspredigten oder wegen der gepriesenen Monroe-Doktrin. Amerika brachte von 1917 Ns 191g über eine Million Soldaten auf den stanzö- i Isch-belgischen Kampfplatz; es entschied unsere Nieder- • fege zu Lande; schon vorher Hane es durch die Unter- ■ Mtzung Englands unser verzweifeltes Rettungsmittel, de» U-Bootkrieg, wirkungslos gemacht.
Nachdem Amerika den Ätteg entschieden Halle, wäre *s nach allen Begriffen von Ehre, Recht und Anstand seine Pflicht gewesen, für einen erlösenden Friedest SU sorgen. In erster Linie hätte es Herrn Wilson «bgelegen, zur Rettung der schwer geprüften Mitmenschen die G r u n ü s ä tz e, die er so oft feierlich »erkün- »et batte und die von Deutschland bei feinem Waffen- stillstandsgefuch angerusen worden waren, in die Tot 8U übersetzen. Er tat es nicht, sondern half in Paris Einen Ge w a ltfr i cd e n schaffen, der einen wahren auf feine oierzch.i Punkte und seine pathetischen Botschaften darstellt. Wenn nun in dem amerikani° scheu Parlament menschliches Mitgefühl gegenjoie lurchtbare Mißhandlung an Deutschland und die For- ferung nach einem ehrlichen, dauerhaften Weltfrieden ikrnorgetreten wäre, so hätte man das verstehen köu- "en igber Nein. Die Stimmen, die sich im amerika- usichen Senat dagegen wandten, daß der Versailler Mirite ein ganz anderes Gesicht als ein Friede nach den ^kennten vierzehn Punkten des Präsidenten trage, sind verschwindend gering und vor allem einflußlos. Die Opposition im Senat richtete sich gerade gegen dos ®ytige gute, was in dem Friedensvertrage steckt. Die Ansätze zu einem Bölkerbund, zu einer Organ'»-' Mion behufs Kriegsverhinderung wurden beanstandet ausgebeutet in jenem hochmütige Geiste, der dem ^nikiikanismus eigen ift.
L Nachdem sie das Unheil über Europa gebracht haben, erklärt die Mehrheit dieser Senatoren, die Dinge w der allen Welt gingen sie eigentlich gar nichts an und es fiele ihnen gar nicht ein, ihre Bewegungsfreiheit vgendwie einzuschränken zum Heile von fremben Leu» M oder zugunsten westvolstifchcr Ideale. ,
Der Gedanke der Monroe-Doktrin ist auch heute noch in Amerika lebendig. Der Grundsatz, baß amerikanische Jnteresten nicht mit europäischen und namentlich festländischen Jntereflen verknüpft werden dürfen, wird gerade jetzt wieder besonders betont. Auf diesen Grundsatz berufen sich die amerikanischen Senatoren. Sie machen geltend, daß der Versailler Vertrag Amerika in einen Mächtebimd verstricke, der ihnen die Bewegungsfreiheit nehme urö zu einer Einmischung in europäische Dinge geradezu yerausforderr.
Die ablehnende .Haltung des Senats ist eine Ohrfeige, die zunächst die Wange des Präsidenten W i l- f o n trifft, leider aber auch von uns peinlich empfunden wird. Die Verzögerung des Friedensschlusses dnrch dir endlosem Reden und Tricks im Senat war schon eist Skandal. Wenn nun Amerika infolge des ergeb« nisteten Ausganges der langen Verhandlungen von der Pariser Konferenz unb den bot reifenden Ausschüssen und Einrichtungen zur Durchführung des Friedens- verttages sich vollständig zurückzieht, wemgftens bis auf weiteres, so haben wir den Nachteil davon, daß alles in die Hättde der französischen und englischen Machthaber gerät, während wir von den amerikanischen Mitarbeitern und auch von den ameri- kanischen Beiatzungstruppen immerhin ein verhältnis- mäßig besseres Benehmen erwarten dursten, als von den Franzosen in ihrem fanatischen Haß und von dk» Engländern in ihrem unersättlichen Geschäftsneid.
Wer noch eine germsse Hoffnung auf den Dölker- bund gehegt hat, der verliert den letzten Ankergrund, wenn Amerika, die Heimstätte dieser Idee, sich zurück- zieht. Dann wird der sog. „Völkerbund" auf Europa oder gar nur auf Mittel- und Westeuropa beschränkt bleiben und bei dem Uebergewichi der gegenwärtigen Sieger im vollsten Sinne die Fortsetzung der Entente und nichts anderes werden können. Also eine Verewigung der Kriegsgewokt, aber feine Grundlage für Gerechtigkeit und Nächstenliebe im Völker- verkehr. _
' Die neues Pariser Verhandlungen.
* Am Dienstag soll die erste Zusammenkunft mit der deutschen Delegation stattfinden, die mit bet Unterzeichnung des Protokolls betreffend die Nichterfüllung des WaffenstillstlmdsabkommenS beauftragt ist. Es werden ihr Direktor Simon und Freiherr v. Lersner angehören. ES lvird auch übet die Räumung von Gebieten durch die Deutschen, die Besetzung derselben durch die Alliierten, den Trans» Dort alliterier Truppen, die Uebernahme der Macht in den den Alliierten zu übergebenden oder einet Volksabstimmung unterstellleu Gebieten verhandelt werden. -- 1 . •• ; I „ • '
(Set Vorsitzende der deutschen Dskegatiov Sim^zI ist am Samstag abend nach Berlin zurück» gereist, da er ohne Rücksprache mit.seiner.Regierung das Protokoll nicht unterzeichnen zu können «Hätte.)
Beschleunigte Gefangene «Heimkehr!
Die deutsche Friedensdelegation ift erneut unter Hintveis auf die BolkSdemvnftrationen bei dem Generalsekretär der Friedenskonferenz, Botschafter Dutasta, »ege« ssforttgen Beginns der Gefangenen- Heimschaffung vorstellig geworden.
Die Lage der Kriegsgefangene«.
Heber bett Stand der Kriegsgefangenenfrage läßt sich zur Zeit foldendes sagen:
Die Kriegsgefangenen, die sich in er meri kan ischer und englischer Gefangenschaft befunden haben, sind tn die Heimat zurückgekehrt bis auf die Besatzung der Seapa JImo-FIvrte, die die englische Regierung bekanntlich zurückbehatt, zu welcheiuZwecke, ift einsttoeilennoch nicht ersichtlich. Auch die M-mbentv-rfer, die tn englische Gefangenschaft gefallen sind, find noch nicht zurückgekehrt. Die ägyptischen Gefangenenlager sind geräumt, doch hat eines der drei Schiffe, die mtt den dort befindlichen Kriegsgefangenen in See gegangen find, den heimatlichen Hafen noch nicht erreicht. Die in M a l t a gefangen gehaltenen D-ntschen sollten abtransportiert werden, doch iTi dak dafür vestimmre Schiff nicht eingetroffen; rnerkwurLigeriveisit hat.dann Lio englische Verioaltimg alle Gefangenen fretgelasien, bte in der Lage waren, .die Rückreise zu bezahlen! In Indien befinden sich noch einige hundert Kriegs« und Zibilgefangene, über ihre Heimbeförderung schwe« den noch Verhandlungen.
Die in der Gegend dos Schwarzer: Meere» noch befindlichen Kriegsgefangenen heimzuSringen, ist mit einiger Schwierigkeit verbunden, weil fie im ganzen Küstengebiet verstreut ftpb, doch wird cL icoM m nächster Zeit gelingen, sie zu sammeln. Tchliituner find die KriegLaesangeneu darau, die sich weiter im Inland, in Türken an befinden. Die Rätercgicrungen, die dort herrschen, verfahren ziemlich rücksichtslos mit Len Kriegsgefangenen und kümmern sich auch wenig um Befehle, die ihnen von Moskau aus zuaeben. Die Leute find ziemlich abgeschlossen van der Welt und es, '.ft schwer, ihnen auch nur eine Nachricht zulommen gn lassen, geschweige denn anderes.
Die Zahl der i m ehemaligen russischen Reiche befindliche deutschr-l KriegSgefan^nen betrögt gegen 20 000 Mann. Verbälimsmähig gut geht cS den GestM- mmyi, die sich östlich des Vatkalieetz unter Izt Aufsicht amerikanischer odctz sapefiischer Betvachuirgs- stellen befinden. Die Gefangenen w e fr l ich deS,Dm» kalsses standen lange Zeit unter der.Hoheit, KollscharÄ ' unb sind auch in dessen Rückzug mit verwickelt wo r- den. TS läßt sich annehnien/ daß es ihnen nicht gut g'.chis, dock' tommf cS darauf art, ob sie m<6t, ganz oder Hrößteuieils in die Hände der Eowjeiregrerung gefallen find. In diesem Falle dürfte ihr LeS ertrag, lich sein. Die deutsche Regierung hatte sich echmeu, mit zwei großen Dmnvferu 20 000 russisch o Kricgsge» fange ne, die in Sibirien beheimatet sind, nach Wla- diwosrot zu bringen und mit diesen Dampferit bann die deutschen Kriegsgefangenen hetmzutzolen. Aber seltsamerweise hat die englische Regierung den Schff. fen die Fahrterlaubnsö verweigert.
In Japan befinden sich noch 218, CfTtjietc, »*02 Unterossizierr und Mannschaften, tie fast alle bet Marine angeboren. Ihre Rückkehr ist, über kurz oder lang zu erwarten. Mit btr rumänischen Regierung ist man so ziemlich in? reine gekommen. ES find jetzt zwei Lazarertzuqe unterwegs, um die erste Halste der zur Rückkehr fretgegebenen KrisgSgefLnge rien heimzubringm, Im ganzen befinden sich dort ue< 1650 Kriegsgerangene und 203 Zivilgefaugene.
Die ?>cchl der in Frankr ^ich befindlichen Kriegsgefangenen beträgt ettva 5000 Offizier« und 420 000 Mai tu. ym großen und ganzen scheint die Belmmd, lunZ und Dewflögung der Gefangenen ff; dex Ltztnr
Jett etwas beffcr' geworden zu sein. ?!m schlimmsten ist cS um die Bekleidung der Setrre bestellt. Es ist utL- Äar, ob die französi'che Verwaltung pichtS IiifCtn Jom: oder nichts liefern will. Jedenfalls hat die deutsche Verwaltung daZ ihrige getan, um durch Aufkimse int Duölande und Jplande die ehemaligen deut'wen Kämpfer mit warmer Kleidung, Däsche und anderem zu versorgen, bluch nach Sibirien stnd große Sendungen abgeaangen, um deren Verteilung -sich / daS schtvcdische rote Kreuz bemühen lvird. ।
Snnbgtbttng holländischer Frmrnt.
Eütc große Zahl hokländtscher Frauen Hai sich mit eitrzm Aufruf an 150 große nationale und internationale Franenorgamfationen gewandt, worin sie die- Freilaffung aller Kriegsgefangenen und Zwiiinteruter- Im fordent.
Gedenkfeier für die Gesallenett.
Am «estrige, Sonntag, der in her evangelischen Kirchs a!l'3 S ot.cn fonnfitg beut GedöchtmS der Toter: gewidmet ist, fanden in Berlin zahlreich» <&> deukkeiemt statt. Jzn der baut AeichSbuttd der Kriegs, beschädigten veranstalteten Bersantmlung sprach Reichs- Präsident Ebert. Er betonte, daß alles, ioas in lei- uen tutb der Regierung Kräften stehe, getan werden solle, um die Not aller derer zu liridern. die infolge des Krieges ihres Ernährers beraubt riyr in ihrer Arbeitskraft behindert feien. Mit innigen Dsrten gtjxätre er auch der Ungluchsichen. die noch heute in der fitefailgeilfchaft schtnachten. Kn einer von der deutsch- atarioitalen Partei etnbe rufen en Tedächtniskeier Sielt General Luden dorss eine Ansprache, die in dem Wuit'che auEang, daß. der Geist der. Gefallenen im Lcvtschen Volke wieder lebendig werden möge.
Die Totetffeier der Unavtiängigen bestand in Pretest wtsanunliliigeit gegen inonarchisvische Reaktion, Mi» litariZmuS und LelagerungZztffMid. In einer dieser Versammlltmgen erregte ein junger Mann, der eine RiSe stenograpbierte. Mißtrauen. Er wurde aus das Pvdtem geführt. Als er sich iveigerte, seine Persona- li«»! myngefeen. wurden drohende Stimme« laut: Diarr solle den Spitzel totschlagen! Der Versammlungsleiter erklärte, mau werde den Mann photographieren und dann laufen lassen. Gin junger Mensch verlangte aufs neue, einem solchen Spitzel ntüffe der Schade! einge^ sistlageu werden. ’ Bald tm-anr fand mau den, Steno- gtzaphen blutüberströmt auf der Straße liegen. Als dann ein Kriminalbeamter in der Dersamntlung erschien und nach dem Öeirer fragte, entstand große Auf- regunz. Die. Darsaarutlung wurde schleimig geschlossen.
Die Truppe« tat Balteukaud.
Die noch int Baltenlande stehenden in: Rückzug beflriftenett deutschen Lrt^>en sind von lettischen und litauischen Streitkräfmt umzingelt. An verschiedenen Steven tvird Milfl gekämpft. '
So sicht der lettische Dank an die deutschen Kämpfer aus, dir das Land unter Einsetzung ihres eigenen Lebens aus der bolschewistischen Sintflut errettet und vor großer Gefahr Moahrt haben k (
Äus vem besetzten Keöiet.
Freillesproche«. Bekanntlich wurde seinerzeit der Kaufmann Mobs ft: Kaiserslautern von einem französischen Korporal erschossen. Möbb hatte über gwri füg. .Damen", hie sich in SBegletiuna franööfischer Soldaten befandxn, eine absprechende Bemerkung gemacht, weshalb eine derselben ihm in! Gesicht schlug. §113 Mobs sich zur Eehr setzte, fielen die französischen Soldaten über ihn her und ntißhandeiten ihn schwer. Der Korporal, mit dem MöbS nicht Las Geringste zu iitn hatte, schoß dem Wehrlosen und am Boden Liegenden eine Kugel in den Stopf. Der Mörder wurde von dem französischen Kriegsgericht freigesprochen.
i, Die entsetzliche Not i« Deutsch-Oesterreich.
In Wien, einer Stadt mit mehr als 2 Millionen Einwohnern, sitzen große Massen be8 arbeitenden Boikes, ober auch der ge amte Mittelstand, in licht- loser Stube, hungernd und frierend. Nietnand weiß, ob unter diesen Umständen der Winter des Entsetzens von den M llionen Ernwohnern überlebt werden kann. In den Städten und Jnduttrieorten Steter« marks kann schott seit Tagen kein Brot anSgegrben werden. Auch Tirol und Salzburg sind ohne genügende Brotfrucht.
Die österreichische Nationalversautmlutig nahm einen Zweimilliarven»Kredit zur Bestrei- htttg der durch die Staqtseinnahmen nicht gedeckten Staatsausgaben an. Ter Staatssekretär erwartet, die "immer tvieder in Aussicht gestellte ausländische Anleihe zu bekommen. Staatslanzler Dr. Renner schilderte die entsetzliche Lage, in der sich die Bevölkerung und Staatswesm bdsinden. Niemand weiß, so sagte er, wann und wie dieser Winter d e s Entsetze» s in dieser Stadt überlebt werden kann. Wir sehen die innrer mehr wachsende Zahl der Leichenbegängnisse, der Kiudrrgräber, wir sehen die entsetzlicheu Fälle vom Sterben eines ganzen Ge- meitiivesens mit an. In dieser Lage will die Regierung Sie um sich scharen, um mit Ihnen gemeinsam das Gewissen unserer Nachbarvölker, das Gewissen der hohen Mächte, Jbas Gewissen der ganzen Welt wachzurufen. Im weiteren Verlauf seiner Rede schilderte er ■ dann, wie es Deutsch-Oefterroich drtrch den Friedensvertrag unmöglich gemacht wurde, selbständig zu leben und wie alle nachParis gerich- teten Hllferufe ungehört blieben.
Bekanntlich hak der Staatsrat vor einiger Zeit den Beschluß gefaßt, angesichts der schon damals drohenden Ledensmittelkatastrophe Kunstwerke zu ver- äußertt. Diese Aktion mußte angefichis" des Ei n- fpruchs dcr * (Sntente fallen gelassen werden. Der Unterausschuß ter Wiedergitintachungskommissten, der in Wien tagt, Hal einen Protest der Ententevertreter gegen diesen Verkauf, der den Bestimmungen des Frie- dcnsvertrageq widerspreche, unterzeichnet.
ZOien, 23: Nov. Das Staatsantt für Dolksernöh- rnng teilt mit, daß die deutsche Regierung sich bereit erklärt hat, die erbetene Aushilfe von 5 000 Tonnen Mehl gegen Ueberlassung einer entsprechenden Getreidemenge aus den auf dem Rhein schwimmenden Transporten zu gewähren. Diese Aushilfe würde jedoch erst in einigen Tagen erfolgen können. 150 Waggons Kartoffeln, Mehl. Mais. Weizen und Futterminel seien aus Südflavieu frei gegeben worden ari-ir ' Oesterreich umerwegL
j. ■ und die Kohlennot.
Die Firma Krupp gibt bekannt: „Nachdem die i Firmen schon feit einiget Zeit oezwnna-n test, tra
Noibestand an Kohlen aus den Lagerplätzen in Angriff zu nehmen, sind die Kohlenvorra.e nunmehr auf ein so niedriges Maß qe; unken, daß e «ei» tere Verminderung die Gefahr deS vollrgen C-thc gens des g<samten Betriebes m unmittelbare -i»U ruckt. Die Verwaltung ist daher genottgt, Betrieb-- ewschränkungeu vorzunehmen, die sich öunacbst au. emzelne Stahlbettiebe erstrecken sollen. , entlassmigen sollen nach Möglichkeit vermleden wer» den. Es wird versucht werden, die Arbetter tn anderen Betrieben unlerzubringen. Soweit dres mcöt . geschehen kann, erhalten die Arbetrer brs auf wer» teres die bei Aussetztagen vorgesehenen ^-ro^enk deS Zeitlohnes. .
» Kleinigkeiten zu deutschen Valuta. Ter W der amerikanischen Milstärmission in Berlin, ern Generalmajor, erhält das nach amerikanischen Verhältnissen seinem Range entsprechende Gehalt von 30 <xi) Dollar, die in Berlin setzt 1S50 000 Mark wert sind. Die großen Berliner Sotels^rheben von Ausländern für die' Zimmer si>as Dreifache des Preises, den Deutsche zu zahlen haben; ein nachahmenswertes Beispiels — Ein Münchener Kunsthändler, der ein Vermögen von einer Million Ätark besaß, beanspruchte kurz vor Kriegsausbruch bei einer Schweizer Bank einen Kredit von 500 000 Frauken, damals gleich 400 000 Mark. Während des Krieges war es verboten, größere Betröge ans Ausland zu zahlen. Jetzt ist er dadurch mit Schuld, belastet, die ,ein ganzes Vermögen um weit über eine Million übersteigt. — Ein Russe kaufte kurz vor dem Kriege tn Berlm ein Auto für 10 000 Mark (damals noch nicht 5000 Rubel«. Das Auto blieb während des Krieges in Berlin in Verwahrung. Jetzt konnte e5 der -stwückgekehrte Russe einem Mitglied der amerikanischen Aetifton für 2000 Dollar verkaufen. Dies Geld tauschte er an der Börse in russisches Geld um und kehrte nut einem Kapital von 280 000 Rubel in die Hetmak ^%ie Zollgrenze. Es besteht vielfach die Aust fassung, daß zwischen dem besetzten und dem unbe» fetzten Gebier eine Zollgrenze geschaffen werden soll. Hieran wird in keiner Weife gedacht. Dte Zollgrenze ist die Reichsgrenze. Der zwischen dem besetzten und unbesetzten (Sebiet geichrffene Auffana- fiiutel hat lediglich den Zweck, die Verschiebung von -Lebensmitteln und von einigen anderen Waren, bte noch derZwaugZwirtshaft unterliegen, zu verhindern.
Deutsche Nationalvevsammlurlg.
Die Nationalversammlung ist am Samstag in bte -.Seite Lesung der Relchsabgabeaordnuvg und damit gietm- zeitig iü die Verhandlungen übet die gesamte Tieuora- nsrag des $te#tnae|ens im Reich eingetreten.
Die Reichsabgabenordnung bildet die gesetzliche lütte iür dte gesamte Steuerverwaltlmg des Reichs, sie Ä tief in dte Steuertest der Einzelstaaten em und ihr wefentlichefi Vorteil ist, daß sie die Vereinheitlichung des gesamten Steuerrechts int Reiche bringt. Es «t ganz unvermeidlich, daß frei der ungeheuer großen Steuerlast, die das Reich ouszubriugen haben wird, etn tiefer EtngrtiT in'das Wu tschastsleben unvermeidlich ist mtb daß die scharren Bestimmungen der Reichsabgabenordnung nicht zu em- techren sind, um das Ziel der Steuerrefonn, eine gerechte Steuererfnsiung und Verteilung, zu erreichen.
Abg. vurläqc (Ztr.) wies hieraus mit Recht h-ii und . erbrachte den Nachweis, daß es ohne diese scharsen Bi- strmmungen nicht geht. Die Kritik, welche teltens bet Dppo’itiou att der Vorlage geübt wurde, war rnel;ach recht ttewlich. Weder der Abg. Düringer (Dnatl.) noch der Abo. kempkes (D. Vpt.). hatten ein Wort der Anerkennung für den nicht hoch Leung einzuschätzenden Fortschritt, der Vereinheitlichung des gesamten ^-teuerrechts. Ihr wetent- lichstes Bedenken ging dahin, daß sie dm Vteriahungs- ntahigkeit der Reichsabgabenordnung in Aweifel zogen. Um dieses Bedenken drehte sich der wesentlichste Teil der ganzen Aussprache. _ . u
Reichsflnanzminlsker Lrzderger trat diesen Bedenken entoegen und wies überzeugend nach, baß sie in keiner Weise begründet sind. Auch der badische Fsncmzmtmster und Zentrumsabg. Dr. Wirth griff in die Aussprache em. Luch er sShrie den Nachweis, daß die Bedenken der Opposition nicht zutreffend sind. Er wandte sich vor allem auch liegen die Bedenken, die seitens der Opposition gegen dte zentralistische Tendenz dcr Borlage gerichtet wurden und hielt der Rechten vor, daß sie lediglich aus Partei- politischen Interessen ihre Haltung einnehme. Wenn tnaij, die Borlage unvoreingenommen prüfe, dann werde man zügelten müssen, daß sie durchaus die Möglichkeit zu einer weitoehendrn Dezentralisation bietet. Wenn die Recyte ehrlich sein wolle, bann müsse sie zupeben, daß in den letzten' Wochen und Monaten ganz ffervorwgendes geleistet worden sei, um die deutschen Mmmzen wieder uv Ordnung zu bringen.
Der weitere Verlauf der Aussprache braqte weftnt- lich neue Gesichtspunkte nicht mehr zu Tage und bte allgemeine Aussprache, die sich an den ersten Abschnut der Lörlaae, die allgemeine einleitenden Dorschristen. enthalt, knüpfte, sand chren Abschluß mit der Annahme des rrstei, Abschnittes.
Äontag: Fortsetzung.
Deutsches Reich.
e Zentrumsdarteira« im Januar. Der Neichkpar- icitog der ZentruMSimrtei. der infolge der BerkehrZ. sperre verschsLchr werden mußte, tvird, tote die CPe. erfährt ist I <rnnar tzattfindcn und zwar vnmid- te'lüar 'vm- Wiederbeginn .der Bollverfumnrlungert den Naticnawersammluns. di- «tiva Mirre Januar erfolgen mußte. . _ „
c Den Vorsitz in der ßentiuritätitifton crn e-wuc deS verstorbenen Abg. Grottet führt vorläufig bis zuu endgültigen i'teuwahl des Vorsitzenden der itelteemep tenbe Vorsitzende Geheimrat Trimboru, ter Bereite während der Erkrankung de2 Abg. Gröber oi2 Geschäfte der Fraknon geführt hat. Die^ Neulvah! des Vorsitzenden dürste im Laufe dieser Woche crfokgem.
. ’ * Die neuen Steuergesetze. Nach 'Berliner Meldungen haben die neuen Sleuergesetzcnrwürfe, über die wir berichteten, die Zustimmung des Rerchörates noch nicht gefunden. Es besteht die Möglichkeit daß die Vorlagen noch in einzelnen Punkten Abände- runden erfahren. Bei der Einlonrmensteuer kommt in Zukunft für Kaufleute dte dreijährige Durch- chnilteberechnunq nicht mehr zur Amvenoung. An« stelle der Lmbekteuerung ist durchweg die Nachbesteuerung eingeführt. Auch einmalige Emnahmeu werden stn Zukunft im Gesetz dauernd als Einkommen besteuert. Bot Kaufleuten, die HandclLbücher führen, Wird der Durchschnittsgewinn nach Bilanzgrundsätzeu berechnet. Reu eingesührt ist u. a. das Lohnabzugs- jyftem, verbunden mit dem KlcLejyftem von Steirer