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aerZeitung

I Beklag der Fuldaer Actiendrucker« In Fulda. Preis monoil- I 4(3. 3QhrQ

1,10 Mk. Fernfpr. Nr. S. Telegr.-Adreffe: FuDaerZeUung^I^^^-^^^A

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ffr I Deroutwortlich für den redaktionellen Teil: Karl Schütte, I Cyßifrtrt 71. HöttStttbCt 1919.

fir. Xüö» | für die Anzeigen: I. Parz ell e r, Fulda. Rotationsdruck. I 3»

heit feststellen, nicht den subjektiven Gefühlen Spiel­raum geben. Der theoretische Kreidestrich wird freilich nicht immer genau respektiert bleiben; aber die Zeugen und die Mitglieder des Ausschusses und die Sachver­ständigen sollten sich doch allzumal etwas mehr Mühe geben, die Schärfe in ihren Reden und Gesten fort­fallen zu lassen. Selbst auf die Gefahr hin, weniger interessant oder imposant zu erscheinen.

Der Ausschuß hat sich auf unbestimmte Zeit ver­tagt. Hoffentlich dient die Paus« zur Beruhigung der Gemüter und zur Milderung der Sitten.

*

Ter gesamte Untersuchungsausschuß hat eine Sitzung abgehalten, in der beschlossen wurde, in den öffentlichen Sitzungen eine Pause von etwa zehn Tagen eintreten zu lassen. Darauf soll die Untersuchung der Wilson-Aknon fortgesetzt werden. Es wurde ferner festgestellt, daß die Aussagen der Heerführer weiter nicht mehr Erforderlich werden. Sie werden erst dann wieder vorgeladen werden, wenn andere Angelegenheiten ihre weiteren Aus'agen erforderlich machen.

Hindenburg ist von Berlin wieder abgereist.

Amerika ratifiziert nicht.

xrtb Waihington, 20. Nov. HavaS. Die vor­behaltlose Ratifizierung des Friedensvertrages wurde mit 53 gegen 28 Stimmen verworfen. Lodge brachte einen Beschlußentwurf ein, in welchem dem Kongreß borgeschlagen wird, den Kriegszustand mit Deutschland als beendet zu erklären. Dieser Entwurf wurde an die Senatskommission für die auswärtigen Angelegenheiten verwiesen. Der Senat hat sich auf unbestimmte Zeit vertagt.

Ueber das Verhör von Hindenburg und Lndendorfi

' schreibt uns ein Teilnehmer der Verhandlung vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuß: Das Verhör der beiden Hauptzeugen hat sich ruhiger abgespielt, als von manchen befürchtet oder von anderen gehofft ,®ar. Di« Kundgebungen vor dem ReichstagsgMude überstiegen nicht das Maß, an das wir, in Vertin m dieser demonstrationslustigen Zeit schon gewohnt

Ja, soll denn ein Verbrechen untilgbar fortwirken bis Ins dritte und vierte Glied?"

.Es wirkt so."

Du sagst, Papa, für Dich war sofort alles entschieden, und doch auch, Inge habe das letzte Wort gehabt wie verstehe ich dos? Ist man auf sie mit denselben Gründen der Weltklugheit eingestürmt, die ich hi« ver« nahm?"

Schwerlich, Konrad. Inges Beter, natürlich meine ich Herrn Ruskin, vertrat mir gegenüber weit mehr Deine Auffassung und dürfte aus Inge nur <n dies« Weise ein» gewirkt haben. Ich ab« brachte ein großes, ernste, Opfer mein« Ueberzeugung, indem ich vorschlug, Inge selbst ent­scheiden zu lassen. Sie hat entschieden. Ich ehre, ich be» wundere ihre Entscheidung."

.Und ich erkenne sie nicht an," Hang es nchig and fest aus Konrads Munde. .Keine Partei richtet in eigener Angelegenheit, jede Partei ist befangen."

.Auch dann, wenn fle zu eigenen Ungunsten urteilt?"

Dann erst recht. Um nicht als Partei zu erscheinen, wird der Edelmut ung«echt gegen sich selbst."

Und was willst Du tun?"

Ich wende mich gegen Inges Derstandesentscheid ort Inges Herz. Auch unsere Herzen habe»; ein Recht in diesem Handel, noch mein« Meinung fogor das erste und stärkste Recht. Und nach dem hat niemand gefragt."

.Konrad!" Wie ein Vorwurf klang das.

Verzeihung Papa. Ich weiß. Du hast mich sehr lieb und fühlst mein Leid wie Dein eigenes. Du hast Inge Heb und tiefes Mitleid auch für sie. aber Dem «st« und stärkst« Gedanke ist doch der Glanz des Namens, den wir tragen. Als Senior des Houses stehst Du anders zu den Dingen."

Da fiel ihm der Kammerherr ins Wort:

Und der Senior des Hauses sollst nach mir Du sein!" i

,5a.e

Wirst Du dann denken wie ich?"

Nein so wenig als ich Dich verpflichtet glaube, sklavisch nachzutun und zu urteilen, was Dein Vater tat und urteilte. Jeder handle nach seiner Stimme des Gewiflens,

sind, und drinnen im Saale gab es wohl einigen Wortwechsel zwischen dem strengen Vorsitzenden und den erregten Zeugen, nebenbei auch eine Rüge für einen übereifrigen Sachverständigen, aber doch keine Krisis, keinen Zusammenstoß nach der Art von Helfserich und Cohn.

Andererseits brachten die mit großer Spannung «warteten Aussagen der beiden Heerführer auch keine überraschenden Enthüllungen. Daß die Oberste Heeresleitung den Willen zum Siege halle und sich von mllitärischen Erwägungen. leiten ließ, war bekannt und ist eigentlich se'.bstverständlich. Der heiße Wunsch, daß der unbeschrankte N-Dvetkrieg eingreife, wird um so verständlicher durch die Schilde­rung von der schwierigen Lage an den Land'ronien, die trotz der glänzenden Erfolge in Ruman en, wie man jetzt erfuhr, doch «nster war, als die öffentliche Meinung zur Zeit unseres Friedensangebotes a- nahm. Gegenüber den militärischen Gesichtspunkten die po­litischen zu wahren und die diplomatischen In- tereffen zur Geltung zu bringen, war Sache de- Reichs­kanzlers und feines auswärtigen Amtes. Cs kam nur besonders darauf an, klar zu stellen, ob die Hee- .resleitung und die politische Leitung zweckmäßig Hand in Hand gearbeitet haben. Sind die leitenden Ge­neräle und Admiräle über die außenpolitischen Ver­hältnisse stets genügens informiert worden und haben sie die Informationen gebührend beachtet?

Darauf ergab die bisherige Vernehmung leider keine befriedigende Antwort. Die Wilfonsche Friedensaktion um die Wende von 1916 und 1917 bildete den Dreh­punkt, der Lage. Und gerade in der Beurteilung der­selben gingen Heeresleitung und Diplomatie well aus­einander. Wilfon war von Berlin aus ermuntert worden zu einer Friedensaktion; die Heeresleitung aber glaubte, et handle auf Anregung Englands, um in bestem Intereste die deutschen Kampfentschliisse zu verzögern.

Als unser eigenes FrietensangÄwt abgelehni war, hielt die politische Leitung immer noch Fühlung mit Wilson und wünschte von seiner Seite zwar keine Vermittlung, aber doch eine Anregung zu Friedens­verhandlungen. Hindenburg und Ludendorss aber be­trachteten damals schon diese Möglichkeit als vollkom­men ausgeschlossen und den Eintritt Amerikas in den Krieg als unbedingt bevorstehend. ®erotffc Aktenstücke, die für Wilsons Politik günstiger lauteten, scheinen im Großen Generalstab gar nicht beachtet worden zu sein, da sie angebsich nicht direkt vom Reichskanzler h«- rüfjrten.

Es trat da ein Mangel an Fühlung zwi­schen den beiden obersten Gewallen zutage. Herr v. Beihmann Hollweg griff $u sein« Verteidigung ein; er stellte fest, daß er nach der marineamtlichen Erttärung über die technische Nnmöglichken des-Swp-' pens des U-Bootkrkeges im Kronrat von der Sache nicht mehr gesprochen habe, das kann doch den Eindruck nicht ««wischen,- daß in diesen entscheidenden Tagen der Meinungsaustausch zwischen ihm und d« Heeres­leitung nicht auf der Höhe ter Zeit gestanden hat. Da wäre nicht nur ein bester« Aktenoerkehr, sondern sogar eine persönliche Besprechung am Platze ge­wesen. Immerhin berührt es sonderbar, wie sich aus der Verhandlung ergab, daß die Oberste Heeresleitung angesichts der U-Bootfrage fein größeres Bedenken hatte, als die Furcht vor dem Abschwenkcn Hollands und Dänemarks aus der Neutralität. Sobald sie über die nötigen Truppen verfügte, um sich gegen diese kleineren Staaten zu decken, gab sie ohne weiteres ihre Zustimmung zum uneingeschränkten U-Bootkriege, ohne sich wegen Wilson und der amerikanischen Groß­macht noch aufzuhalten.

Der Zwiespalt in d« Anschauung und der Taksik der beiden obersten Gewalten sand eine drastische Be­leuchtung in dem persönlichen Zusammenstoß zwischen Ludendorff und Graf B«nstorsf, ter nur zu sehr an die Affäre Helfserich und Cohn erinnerte.

. Tatsachen, nicht Werturteil? ruft der Vorsitzende fortwährend. Der Ausschuß soll die objektive Wahr­

Der Alle nickte:

So gut, so rein, ja bas ist sie, mb das bleibt fk.

Fremde Schuld verbietet ihr. Dich zu hakten."

Papa foltere mich nicht, sage mir, was ist geschehen und weshalb «fahre ich es zuletzt?"

Gemach, mein Sohn, ich habe erst in diesem Augen­blick das Derfügungsrecht über ein Geheimnis erhallen, das nicht das meine war. Zu Dir, zu Mama darf ich nun sprechen. Ich denke, wir Mann« machen es zunächst un­ter «na ab und überlegen dann, orte wir es mit Mama halten."

Ja ja! Sb« nun rede rede!"

Und der Kamm«herr berichtete alles, was er von Ruskin wußte. In heißer, imm« wachsender Erregung hörte Konrad zu, dann und wann mit einem Laute des Schreckens, ob« des Wehs dazwischen sollend. Jetzt schloß d« Sät«:,

Für mich war sofort alles entschieden: Inges Person ist untadelhast, aber ihres Vaters Schuld liegt auf ihr als ein Flecken ihr« Ehre."

Da stand Konrad auf und unterbrach den Sprech«:

Nein, Papa Du weißt, daß ich ht schuldiger Ehr- furcht Deinen Willen stets habe gelten lassen, ohne Wlder- rebe hier kann ich es ab« nicht. Die Ehre ist das höchste persönliche Gut jedes Menschen, das kann ich nur selbst besitzen oder verlieren."

Das wohl. Draußen in der Weik ab« herrscht eine andere Ansicht. Wenn ich heute sllberne Lössel stehle und dafür bestraft werde, meinst Du, daß es Dein Ansehen in der Well unberührt ließe?"

Konrad biß sich zornig auf die Lippen.

Nein," sagte «.Aber dies Urteil der Welt ist un­gerecht. Gegen das Uyrecht muß man kämpfen, nicht ihm verzagt die angemaßte Macht kaffen."

Auch das ist wahr und richtig. Ab«, mein Sohn, wie kommt es denn in der rauhne, häßlichen Wirklichkeit? Neid und Mißgunst lauern am Wege. Auch der. reinste entgeht ihnen nicht. Finden sie aber gar kein Fleckchen auf der Ehre, ein Fleckchen, das fremde Sünde auf den

I Schild brachte, dann fressen sie sich fest als zerstörender Rost und nichts bringt sie fort Wie würde eine Inge leiden, wenn sie solchem Haffe ausgeliefert wäre. Je hoher sie steigt, desto rühriger sind NrQ und Miß­gunst, desto finsterer ist der Schatten, der tief unten , aus dem Abgrund droht Und nicht sie allein wndüstert j fcyta Streuen;' ihre. Eure Sinter auch!"

Die Lage der Reichswehr.

Ueber die wirtschaftliche Lage des Heeres und der Marine fand unter dem Borsitz des Reichspräsidenten eine wichtige Besprechung der hierfür verantwortlichen Persönlichkeiten statt, berat Ergebnisse sich in folgen« "dem zusammenfassen lasten:

Für den Mannschaftsstand ist der Heeresdienst nicht als Lebensberuf aufzufasten, da er sich nur auf 12 Jahre verpflichtet und sich dann einem anderen Berus zuwendet. Die Entlohnung besteht aus Geld- und Naturalbezügen. Die Geldbezüge sollen ein­schließlich des Geldwertes der Naturalbezüge den Durchschnittlichen Löhnen gelernt« Arbeit« entsprechen und nach der Dienstzeit abgestuft werden. Die Natural­bezüge sollen bestehen in zweckmäßiger Dienstbekleidung und guter Ausgehbekleidung; in auskömmlicher gesun­der Ernährung und Unterbringung. Ferner in ärzt­licher Behandlung, in Sicherstellung gegen Berufsun- faße; ferner in einem abgestuften Fortbildungsunter­richt mit Lehr« und Bildungsmitteln; endlich in einer sachverständig geleiteten Sportpflege mit Ausrüstungs- gegenständen, Geraten und Platzen.

Die Unterstützung beim Uebergang 'm den b ü r- gerlichen Beruf wird bestehen: 1. in einer zweckentsprechenden Vorbildung während der Dienst­zeit, 2. in einer Dienstprämie, 3. in einer Anwartschaft auf Anstellung im Gemeinde«, Landes- oder Reichs­dienst, ob« als Ersatz dafür in einer Berufsbeihilfe in Geld ober Natur zum Erlangen ein« Erwerbsstellung im Stadt- und Landdienst.

Für die Offiziere ist d« Heeresdienst Lebens­beruf, sie verpflichten sich auf 25 Jahre. Sie haben also Anspruch auf Versorgung durch eine Pension, Kapitalabfindung, Anwartschaft auf eine Stelle im Reichs-, Landes- ob« Gemeindedienst ober eine Be- russbeihlfe in Geld ober Natur zur Erlangung ein« Cnv«bsstellung in Stadt ober Land. Es wird beab­sichtigt, dem Offizier gleichfalls einen Teil sein« Be­züge in Natur, in Gestalt van Bekleidung, Ausrüstung, Unterbringung, Bewaffnung usw. zuzumeflen.

Für die Besserung ber augenblicklichen wirtschaft« sichen Lage würbe beschlosten: Die Truppenoerpfle­gung wird durch eine Abendkost im Rahmen der

verfügbaren Derpflegungsmittel verbessert und dazu das tägliche Beköstigungsgeld entsprechend erhöht.

Zur Beschaffung von 80 000 A3u9cn fur die Reichswehr werden die notwendigen Mittel flüssig ge­macht. Die G e l d b e z ü g e werden für verheiratete Soldaten bezw. Matrosen oder Heiz« dadurch verbes- fort, daß sie eine Defchaffungsbeihilfe von 200 ll und ferner für jedes Kind weitere 200 <At «halten werden. Außerdem soll den Löhnungsempfängern, die verhet- ratet sind und getrennten Haushalt führen nisten, ein Löhnungszuschuß gewährt werden. Auf die bis­her verfügte Anrechnung ber Reichswehrzulage bet Auszahlung der Beschaffungsbeihilfe hat die Finanz-^ verwalmng verzichtet. .

Die Reichsregierung ist der Ansicht, baß eme Reichswehrmacht von mindestens 100 OOO Mann und eine Reichsmarine von 15 000 Mann in bester Zusam­mensetzung und Ausstattung zur Erhaltung bes Bestan­des und des Ansehens des Reiches und feiner inn«en Ordnung und Sicherhett allen anderen Nettschöpfungen, wie z. B. Sicherheitspolizei u. a. voranstchen1 und' dauernd erhalten blech« muß.

Der Schatten. >

I Roman von Arthur Winckler «Tannenberg. 33} __________

Die Wahlergebnisse

in Frankeich, Belgien nnd Italien.

Auch jetzt liegen noch nicht alle Ergebnisse ber französischen Kammerwablen vor, aber es steht doch bereits feft, daß ter mtionalistifche Block, der im Kriege geschlossen hinter Clemenceau stand, als unbe- stritten« Sieger aus dem Wahlkampf heroorgegangen! ist, während die Sozialisten, und zwar sowohl die Anhänger ter gemäßigten Richtung Renaudel als auch ter sog. Kienthaler Gruppe, an deren Spitze Longuet stand, eine vernichtende Nieder­lage erlitten haben.' Dagegen sind die eifrigsten Derfechi« ter maßlosen Kriegspokitik Clemenceaus, wie Tardieu, Darris, Mandel (Clemeneeau Kabinetts­sekretär), Klotz, Abrami u. *&. mit großen Mehrheiten gewählt worden. Auch in Elsaß-Lothringen haben die Wahlen zu einem Sieg besnationalen Blocks" auf ter ganzen Linie geführt. Die Sozialisten sinb hi« bei der Verteilung ter 24 Kammermandate völlig le« ausgegangen. Die überwiegende Mehrzahl wird hier den Katholiken zufallen.

Die Wahlen sind auch für uns Deutsche überaus lehrreich. Sie zeigen, wie falsch die politische Einstel­lung jen« unverbesserlichen Schwärmer war, die das Heil in ter nach ihr« Ueberzeugung auf dem Marsche befindlichen Weltrevolution sehen. Ater auch diejeni­gen, die ihre Hoffnungen für eine bessere Zukunft Deutschlands auf das brüderliche Wirken der französi­schen Sozialdemokratie setzten, haben sich getäuscht. Diese hatte zur Plattform ihr« Wahlagitatton haupt- sächsich die völlige Entwaffnung Deutschlands gemacht. Doch auch dieses Einschwenken in das nationalistische Fahrwasser hatte ihr nichts genützt. Der Nationalis­mus hat bei den Wahlen bas Felb behauptet. Mit dieser Tatsache muß in den Ländern ter Besiegten ge­rechnet werden, anstatt nutzlosen, mit der Wirklichkeit in Widerspruch stehenden Phantasien nachzujagen. Was die Wahlen in Essatz-Lothringen angeht, so braucht man ihr Ergebnis all«dings nicht einem jubelnden Bekenntnis des inneren Anschlusses ait Frankreich gleichzusetzen. Schon deswegen nicht, weil die Äantnbaten des nationalistischen Blocks dort auf Gmnd eines Programms gewählt worden sind, das. von dem ter ftanzösischen Parteien abweicht und vor allem die beamteten Forderungen d« Elsaß-Lothrin­ger betont, ganz abgesehen von den Anzeichen der Un­zufriedenheit im Lanoe.

Die Wahlen in Belgien haben den So­zialisten und Flämischgestnnten einen bedeutenden Sieg gebracht. Die Flamen verteilen sich unter die gewähl­ten Katholiken und zum Teil mrch unter die Sozia­listen, fo daß ihre Stärke bisher nicht genau zu «- Mitteln ist. Der Senat wird zählen: 43 Katholiken, 30 Literale und 20 Sozialisten. Die Katholiken tret« lteren 12, die Literalen gewinnen 2 und die Sozia­listen 10 Sitze. Die neue Deputiertenkamm« wird folgentermaßen zusammengesetzt fein: 73 Ka­tholiken (Verlust 26), 70 Sozialisten (Gewinn ^0), 34 Literale (Verlust 11) und 9 Parteilose. Die Katho­liken bleiten also in beiden Parlamenten die stärkste Partei. Bezeichnend für den Gesamtcharakter des Wahlrejultats ist, daß das sog. Comite de politique nationale, das die äußere chauvinistische und nationa­listische Richtung vertrat itnb neben dem Deutschenhaß namentlich die Annexion holländischer Gebietsteile be­trieb, bei den Wahlen vollkommen unterlegen ist. Es «langte keine nennenswerten Wahlzssfern.

In Italien übersteigen die Wahlerfolge der Sozialisten und der Katholiken alle Erwartungen. Die ftatboiiten sind namentlich in Venetien und in ber Cftlombartei erfolgreich. Wegen des überaus komplizierten Wahlsystems und die genauen Ergeb­nisse noch nicht bekannt. Die Wahlbeteiligung der Bürgerlichen war wahrscheinlich auch aus demselben Grunde sehr gering. Mau rechn« mit der Wahl von fast 100 Katholiken' und 150 Sozialisten. Pie-

18.

W t

L 2» freudiger Hast, wie alle die Tage vorher, hatte Momad den Brief Inges geöffnet. Er kannte, er Lebte

*e schöne, gleichmäßige, feine und doch feste Schrift.

p Wie vom Donner gerührt stand er. >

: Nnr wenige Zeilen, ab« vernichtenden Snfjalts: Konrad, mein Konrad!

Gehe zu Deinem Vater. Er wird Dir Schreckliches ' sagen, ich könnte es nicht. Du bist frei. Vergiß mich. Es muß fein. Versuche nicht. Unabänderliches

' zu andern. Inge." '

Und in feinem Zimmer faß zur gleichen Stunde Fer- rnnonö von Evens vor einem Schreiben Ruskins, das dieselbe Post gebracht hatte.

Er hatte aufgeatmet bei Inges Entscheidung.

Ij Seiner festen Ueberzeugung nach war es recht fo. Er kannte des Lebens Ernst und besten bittere Stunden. Wie« "iel bitterer und schwerer konnten sie werden, wenn die dunkle Vergangenheit ewig bedrohlich aufftanb. Nein, 15 mußte fein. Freilich, Inge, das ehrliche starke Mäd­chen liebte und bewunderte er nur um so mehr und die Trennung von ihr empfand et wie einen eigenen Verlust an hohem Gute. Und schmerzliche Auseinandersetzungen , würden jetzt kommen mit sein« Frau und Konrad. $tber fort mit aller Schwäche! Inges mutige Geradheit ®ies den.Weg, den sie alle gehen mußten, ob auch die

> Herzen bluteten und brachen.

Ganz verstört trat Konrad in des Vaters Zimmer.

. hielt den Brief in der Hand, feine Stimme schwankte ^sicher, als er hastig begann: ,

Guten Morgen, Papa. Ich bekomme diese Zeilen ®on Inge. Sie gibt mich frei! Sa, bin ich denn wahnsinnig, oder was ist geschehen? Dich soll ich fragen!"

Der Kammerherr reichte dem Sohne die Hand.

srMein lieb« Konrad, ich habe Dir allerdings eine sihwere, tieftraurige Eröffnung zu machen. Inge gibt Dich ftri, st« muß Dich frei geben, weil es Deine und ihre Ehre fordert." t

Heiliger Gott, was soll das! Das tang - doch nicht sich! Luge, so gul, fo reinl"

Die Schweiz für unsere Gefangene«.

Der Gens« Abgeordnete Micheli brachte im Schweizer Nationalrat folgenden Antrag ein: Ter Bundesrat wirb ersucht, im menschlichen Interesses die Schritte zu unterstützen, die das intet«1 nationale Rote Kreuz bei den befreundeten Regie­rungen unternommen hat, um möglichst bald die Heimschaffung der fern von ihrer Heimat »urückgehaltenen Kriegsgefangenen zu erlangen. Der deutsch-schweizerische Abg. Eugster unterstützte den Antrag, der von etwa 100 schweizerischen und welschen Abgeordneten unterzeichnet ist, und erklärte, daß das Los der Kriegsgefangenen heute entsetzlich ist. Bundespräsident Ador nahm im Namen des Bundesrates den Antrag an und führte aus, daß die Mitteilungen der Vorredner leider nur zu be­rechtigt seien. Er wird sich sofort mit anderen Staaten, namentlich mit Schweden, deshalb in Ver­bindung setzen.

DeS weiteren hat d« schweizerische Nationalrat den Beitritt der Schweiz zum Völkerbund beschlossen. Der Vertreter des Bundesrats gab die Erklärung ab, der Vettritt könne nur unter der Vor­aussetzung erfolgen, daß die Neutralität der Schweiz auch im Falle militärischer Maßnahmen hollkommen aufrecht erhalten bleibe.

nach feinem Gebot der Ehre." ,

Und also was willst Du hm? Hältst Du es für . sich, bie Tochter eines Gift--, eines so bann'

Mannes als Stamm-Mutt« ber künftigen Cve»e h

«uzufützreu?"

LiEorrfei.-:,)

Zum Tode Gräbers.

i Ueber die letztenAugenblickc des Abg. Grö- kr erfahren wir noch: Um 12 Uhr am Mittwoch zsthien der Abg. ©röter im Reichstag, um über Der» ichiedene Fragen Rücksprache zu nehmen«. Im Laufe jjes Gesprächs äußerte er, auf die unlängst erlittenen Schlaganfälle hinweisend: Zweimal hat der Tod bei mir angeklopft, Ich bin gerüstet. Ich habe das Meine «tan. An den Jungen ist es, weiter zu arbeiten. Ich form nicht mehr. Dann erkundigte er sich nach dem ginnte der Arbeiten des Ausschusses für die Reichs- Matenordnung. Als ihm gesagt wurde, daß eine P«zögerung in der /Drucklegung der Berichte ein­treten mußte, bemerkte er ironisch: Wir haben ja so niet Zett! Nach diesen Worten erhob er sich. Im gleichen Augenblick erfaßte ihn plötzlicher Schwindel, er sank zu Boden, und verschied einige Augenblicke daraus. Durch den Abg. Dr. Pfeiffer, der telephonisch benachrichtigt wurde, wurde die Leiche Grübers in das Krankenzimmer des Reichstags gebracht und dort ge- fcettet: die Hände gefaltet um das Sterbekreuz. Zu Häupten standen schmucklos zwei Erikastöcke. So ruht er in dem Haus, in dem « feit mehr als drei Jahr- j^foife feine beste Kraft feiner Partei und seinem Ba­tet land gewidmet hat. Am Morgen des Tages hatte (grob« im Hause der Grauen Schwestern, wo er feit langen Jahren wohnte, die Kommunion empfangen, wie « es täglich zu tun gewohnt war. In'heiterer Stimmung war er dann fortgegargrn in den Reichs­tag.

Kaum hatte sich die Nachricht vom Ableben des Abg. Gröber verbreitet, als auch bereits die ersten Beileidskundgebungtzn «folgten, u. a. vom Reichspräsidenten Ebert und von ter Reichsregierung. 3m Laufe des Nachmittags erschienen die Abg. Dr. Spahn und Erzberg« an der Bahre des Verblichenen. Am Mittwoch abend wurde die Leiche in den Sarg .gebettet und in das Haus der Grauen Schwestern Merführt. Am Eingänge des Krankenhauses wurde ter Sarg von dem Hausgeistlichen empfangen und durch das ©polier ter Schwestern die Treppe hinauf sgefeitet und dort unter Trauergesängen in einen Saal, ter als Totenkapelle hergerichtet war, niedergesetzt. Der Hausgeistliche sprach die Gebete für die Seele Ites Verstorbenen und dann widmete ter Abg. Dr.

f e if f e r dem Abgeschiedenen einen tief empfundenen Nachruf.

Die Zentrumsfraktion der National- betfammlung 'hielt zum Gedenken des Abg. Gröber, ihres ersten Vorsitzenden, am Donnerstag un­mittelbar nach ter Vollsitzung des Hauses eine kurze Trauersitzung ab. Der ftelloertretende Vor­sitzente, Abg. Trimborn, gedachte des Verstorbenen in Därmen, tiefempfundenen Worten. Der feiert. Trau­er p o 11 e s die n st ter Zentrumsfraktion für den Verstorbenen findet am Samstag morgen im Kranken­haus ter Grauen Schwestern statt. Bei der am Sonntag im Reichstagsgebäude ftattfintenten Trau­erfeier werden ter stellvertretende Vorsitzende Trim- tern und der Präsident Fehrenbach kurze Ansprachen halten. _2tn ter feierlichen Üeterführung vom Reichs» tagsgebäude zum Anhalter Bahnhof werten sich die Berlin« Zentrumsorganisationen und katholischen V«- eine durch Abordnung und Spalierbildung beteiligen. Dre Leiche wird nach Weingarten in Württemb«g über- stchrt werten, wo Grob« nach seinem schriftlich hinter­lassenen Wunsche neben den Gräbern feiner Eltern Mr letzten Ruhe gebettet werden wird.