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Hindenburg und Ludendorff vor dem Untersuchungs-Ausschutz.

ES war einÄkt von weltgeschichtlicher Grütze, als am Dienstag der grüßte Feldherr, dey das deutsche Volk nach Moltke, der vielleicht größte Feldherr, den die Welt nach Napoleon besessen hat, vor einem, UntersuchungS» ansschutz für fein Volk zu zeugen sich veranlaßt sah.

Die beiden Männer, die in den Herzen von Millionen des deutschen Volkes jahrelang mit heißen Hoffnungen und Wünschen genannt wurden, die über eine unbe­grenzte Autorität verfügten, aber auch eine unbegrenzte Machtfülle auf sich vereinigten, auf deren Wink Tau­sende und Abertausende dem Feinde entgegenstürmten, stehen vor einem auS Parlamentariern zusammengesetz­ten Forum, das die Revolution geboren hat und das die Schuldfrage des militärischen Zusammenbruchs Deutschlands prüfen soll. Wenn auch heute das Land unter dem schweren Zusammenbruch leidet, so hat es doch nicht vergessen, daß es diesen beiden Männern während etter langer Kriegsjahre die Rettung vor feind, lichem Einfall, vor Zerstörung deutscher friedlicher Städte, vor Zertrümmerung deS Landes verdankt.

Eine gewaltige'Erregung hat Berlin an diesem Tage ersaßt. Tausende füllten den weiten Platz vor dem Reichstage. Nach den zum Teil recht ernsten Zusammen, stößen der letzten Tage war eS begreiflich, daß militä- rischerseits die stärksten Vorbereitungen getroffen wurden Der ganze Reichstag war von einem dichten Kranz von bis-an die Zähne, bewaffnete» Soldaten umzogen. An den Ecken des ReichstzagSgebäudeS, wie vor den Portalen standen Maschinengewehre in Bereitschaft, ebenso an den rurchstgelegenen Straßenkreuzungen. Alle Zufahrtsstra- tzew in kilometerweitem Umkreise waren abgesperrt. Im Reichstage selbst war eine starke Polizei, und Militär- macht überall verteilt.

Um 10 Uhr verkündeten brausende Hochrufe von der Siegesallee her das Nahen der Kraftwagen» mit Generalfeldmarschall v. Hindenburg und feinem Stabs­chef General Ludendorff. Als der Wagen des großen Heerführers vor dem Reichstagsportal hielt, entblößten die Zuschauer die Häupter und stürmische Hochrufe «r» schollen. Leicht gebeugten Hauptes, mit schweren Schritten schritt Hindenburg, den Hut zum Gegengruß erhoben, die Stufen empor. Rechts und Links suchten sich jetzt durch Rufe zu überbieten. Die „Nationalen" riefen „Hoch Hindenburg! Hoch Ludendorff!" „Nieder mit der Judenregierung!• »Nieder mit dem Juden- ausschutzl" Die Linksparteien schrien daraufhin „Ludendorff nieder!" und ließen Dr. Cohn hochleben. Die national Gesinnten, die erheblich in der Uebermacht waren, stimmten das Lied „Deutschland, Deutschland über Alle?" an. Ein Herr zog eine schwarz-weiß-rote Fahne hervor und band sie an seinen Stock. Nachdem das Lied verklungen war, tönten wieder heftige Rufe „Nieder mit der Judenregierung", „Juden rauSI". Darauf erschien Oberstleutnant Molkenthin, der Vor- sitzende des NationalverbaudeS Deutscher Offiziere und hielt eine Ansprache, die allerdings in dem Lärm teil« weise unterging. Sicherheitsbeamte hinderten ihn schließlich am Weiterfprechen. ’

Im VerhandlungSraum herrschte schon lange zuvor eine tiefgehende Bewegung. Auf dem Zeugentisch, an dem Generalfeldmarschall v. Hindenburg Platz nehmen soll, liegt ein Hortensienstrauß mit schwarz-weiß-roter Schleife. Der Saal ist überfüllt. Zahlreiche Paria- mentarier find anwesend. Die Ausschutzmitglieder sind in feierlichem Gehrock erschienen. Am AuSschuhttsch nimmt auch der Vorsitzende der GefamtauSschuffeS, der demokratische Abg. Petersen Platz. Ein mächtiges Brausen erfüllte den weiten Saal. In dem Raum,, der für das Publikum reserviert ist,' herrschte eine beäug- stigende Fülle, mit Operngucker bewaffnete Damen be­trachten diese ernste, furchtbar ernste Tragödie, denn eine solche ist es, wie ent Theaterspiel. .

Plötzlich, eS ist ein Viertel nach 10 Uhr, geht eine lebhafte Bewegung durch den Saal. Hindenburg und Ludendorff betreten in Gemeinschaft ihrer zivilen und militärischen Adjutanten den Saal. Beide sind in schwarzem Gehrock erschienen. Mit ernsten un» durchdringlichen Mienen hasten ihre Blicke auf die An. wesenden, die sich sämtlich von den Sitzen erhoben haben, nur in den Ecken bleiben einige unabhängige Abgeordnete sitzen. Hindenburg schreitet zum Zeugen, tisch und macht zum Ausschuß und zu den Anwesenden eine kurze Verbeugung. Ludendorff bleibt förmlicher. Stehend hören die Anwesende daS nun folgende feier­lich ernste Gespräch zwischen dem Vorsitzenden Gothein und Hindenburg an. Gothein bedauert, daß Hin. denburg dieser Gang nicht erspart werden konnte, da

L dendorff seine Aussagen nur in Gegenwart Hinden­burgs machen wollte.

Run spricht Hindenburg! Eine warme dunkle Stimme, soldatisch kurz und energisch. Es sei ihm «in Bedürfnis gewesen, an der Seite seines treuen Kampf­genossen hier zu erscheinen. Und daran knüpft Hin­denburg geradezu eine Anerkennung des Ausschusses durch die weitere Keußerung, daß er dankbar ser, daß ihm Gelegenheit geboten würde, hier sich auSznsprechen.

Nun wird Hindenburg zur Eidesleistung aufgesor- dert. Er erklärt sich bereit, den Eid zu leisten, aber er läßt zuvor durch Ludenoorff eine Rechtsverwoh. lun^ vorlesen, ähnlich derjenigen, dir vor einigen Tagen Helffeiich abgegeben bat, und die auf die juristische Ab­normität dieses Ausschusses hinweist. Dagegen wird die Bereitschast erklärt, zur Ermittlung der Wahrheit mit ollen Kräften beizutragen, und somit wird die Eidesleistung zugesagt.

Gothein glaubt daraufhin besonders feststellen zu müssen, daß es sich hier nur um eine private Meinung handeln könne, die an der Verfassung nichts ändere. Darauf leisten Hindenburg und Ludendorff mit fester Stimme den Eid.

Der Vorsitzende formuliert nun die erste Frage: Warum der U.Bootkrieg für un aufschiebbar gehalten wurde. Hindenburg fetzt eine Brille vor die Augen, daS Gleiche tut Ludendorff. Hindenburg schickt sich nun an, ein längeres Schriftstück zu verlesen. Er bezeichnet als fein Ziel beim Eintritt in die Oberste Heeresleitung — damals war der Krieg fchon zwei Jahre in Fluß — das deutsche Reich und deutsche Volk vor Schaden zu bewahren. Mit lautet 'Stimme, die sich stellenweise zu dröhnendem Klange erhebt, ruft Hin­denburg in scharfer, geschliffener Form au3, daß nur der unerschütterlich e Wille zum Siege den Enderfolg sichern konnte, und daß dazu wiederum der Glaube an unser Recht gehört. Neben dem Heere mußte auch die Heimat in diesem Siegeswillen einig sein. Unsere Friedenspolitik aber habe versagt. Bethmann bekommt einen roten Kopf' .Rauh, gerade­zu peinlich rauh schrill: die Klingel Gotheins. »Hier fei ein „Werturteil" und das sei nicht zulässig.

Hindenburg fährt fort, wie loenn er nichts gehört hätte. Kaiser und Generalstab hätten den Krieg nicht gewollt. Nachdem er ober da war, mußte er so rasch als möglich beendet werden. Dazu war ein geschlos» senes Zusammenwirken von Heer und Heimat erfor­derlich. Doch lvas geschah nun? Und gerade als Hin. denburg dabei ist, davon zu sprechen, chah, während int feindlichen' Ausland« alle Parteien sich znsammenraff- tsn, bei uns Sonder-Parteiinteressen sich geltend ge. macht hätten, da klingelt Gothein wieder, er könne auch mit Hindenburg keine Ausnahme machen in der Zulassung von Werturteilen und hier fei wieder eins gewesen! Mit zusammengekniffenen Lippen sitzt Lu­dendorff da, die Brill« auf die Stirn geschoben. Hin- denburg führt nun seinen von Gothein unterbrochenen Satz in Seelenruhe weiter: so sei es zur Lockerung des Siegeswillens gekommen. Ein Beifallsgemurmel über Hindenburgs Auftreten geht durch den Raum. Nun aber erhebt sich Goth ein und macht wieder einmal darauf aufmerksam, daß er mit größter Strenge gegen alle Kundgebmrgen vorgehen werde und eventuell den Saal auSrätrmen lasse! Kühl entgegnet Hinken, bürg, die Geschichte würde jct ihr Urteil abgeben.

Eine gewitierische Stimmung kommt fühlbar auf. Nenn schon wiedier spricht Hindenburg nach Asilisst Gotheins ein Werturteil aus. In Flotte und Hccr sei eine planmäßige Zersetzung getragen worden, un­ter welcher die braven Truppen schwer zu leiden ge­habt hätten. Gothein klingelt schon wieder. War- muth und andere Ausschussmitglieder, sowie.auch Ab­geordnete erheben Einspruch gegen diese Unterbrechung gen durch Gothein, sodass dieser sich geztoungeu sieht, Hindenburg zu bitten, fortzufahren. Und Hinden­burg ruft nun mit dröhnender Stimme den And- svruch eines englischen Generals in Erinnerung, dass die deutsche Armee von hinten erdolch! worden i st. Das alles habe er sagen müssen, um die militärischen Dtatznahmen verständlich zu machen. Und nun fügt er ein überaus sympathisches Bekennt­nis an. daß Ludendorff und er stets in gleicher Auf­fassung und voller UebereinstinTmung gearbeitet u-nd daß st« m:ch jetzt vor diesem Forum Hand in Hand die Aufafssungeu der Obersten Heeresleitung seit August 1916 vertreten würden.

Gothein stellt nun erneut die Frage, mtS welchem Grunde der U.-Bootkrieg unaufschiabbar war. Hindenburg erklärt nur allgemein, daß der 11.» Vvotkrieg zur Pflicht ivurde, nachdem andere Mittel nicht mehr zur Verfügung stcmden. Das brave Heer an der Front und die durch die Blockade hungernde Hei. mat hätten die Anwendung dieses Mittels notwendig gemacht,

Hindenburg ift zu Ende. Und nun spricht sich Ludendorff über die U-BootkriegSsrage im einzelnen auS. Er hat eine wesentlich hellere Stimme wie Hin- denbirrg. Auch seine Rede ist kurz, knapp und von ge­schliffener Schärfe. Er spricht von dem heftigen Zorne, den die Anwendung amerikanischer Granaten bei den Soldaten .entfachte, kein Soldat habe an die Neutralität Amerikas geglaubt. Er läßt es dahingestellt, ob der späte Beginn de» U-Bootkriege» eine schwere militärische Unterlassung war. Am Tische des Reichskanzler« Beth­mann Hollweg wird eS unruhig. Nun spricht Luden­dorff, daß damals der Siegeswille im Lande allgemein toar; daß nur einige sich auSschloffen und er zitiert eine Aeußerung des .Vorwärts'. Wieder ist Gothein mit einem Einsprüche da. Ludendorff begrenzt nun- mehr seine Kritik auf die sozialistischen Führer und Agitatoren. x

AIS Gothein abermals Einspruch erheben will, meldet sich der Sachverständige Schäfer zum Wort, der es für unzulässig erklärt, daß einseitig vom Vor- sitzenden bestimmt wird, wa» Werturteil sei oder nicht. Heber die Befugnisse der Sachverständigen ent'pinnt sich nun eine gereizte Zwiesprache zwischen Gothein und Schäfer und so wiederholt sich da« nun bis zum lieber» druß erlebte Schauspiel, daß sich der Ausschuß zur Be- ratung zurückzieht. Und zwar diesmal, um die Befug­nisse der Sachverständigen in diesem Ausschüsse zu um- grenzen. ES dauert wieder einmal eine Stunde, bis verkündet wird, daß sich Sachverständige eines Urteils und einer Kritik zu enthalten haben. Schäfer hat feine Rüge weg.

Ludendorff fährt nun in seinen Aussagen fort. ES gibt Stellen, bei denen er seine Stimme zu schnei­dendem Kommandotone erhebt. Die unerbittliche Energie, die diesem Feldherrn inncwohnt, kommt dann in stärkstem Temperamente zum Ausdruck. Den Kanzler tadelt et ganz unverhüllt wegen seiner Friedensver- mittelwbgSversuche. Auch sonst bekommt die Reichs» leitung scharfe Hiebe. Das Hilfsdienstgesetz sei zu einer Mißgeburt geworden. Der Reichskanzler habe di«

ihn zu seinen Vorstandsmitgliedern. In seinem Hei- matlande Wiirttümberg hat er, umgeben von einem Stabe von Geschäftsführern, den Volksoerein zu hoher Blüte gebracht: er ist der Urheber der beiden groß­artigen Katholikentage in Ulm, die das gesamte ka­tholische Volk Württembergs besuchte. Er selbst war ein Mann des innigen wahren Glaubens und des Gebetes, es hat vor Jahren großer Anstrengungen seiner Freund« bedurft, um ihn zu bewegen, daß er »licht der West Lebewohl sagte und sich in ein Kloster zurückzog, um nur seinem Gott und der Kirche zu dienen.

Die Lauterkeit seines Charakters und die auf- opfernde Selbstlosigkeit seines Schaffens, die nichts für sich und alles nur für die von ihm vertrelene Sache verlangt, hat Gröber auch bei seinen Gegnern große Achtung und Autorität verschafft tote wenigen. Sie haben ihm gern als Führer des demokratischen Flügels im Zentrum herausgestellt. Und in der Tat. Die Bezeichnung „Demokrat" trifft vielleicht Grä­bers politische Art am besten, nur muß das Wort in seinem guten Sinne genommen werden. Eine demokratische Ader floß in Gröber und trieb ihn zur Auflehnung gegen alles, was die verfassungs­mäßig gewährleisteten Reohle und Freiheiten des Volkes, der Schwachen im Volke ganz besonders, schmälern oder unterdrücken wollte. Und er sah dabei weder auf Partei- noch auf konfessionelle Schranken. So trat er für die Freiheit des evan- gelischen oder jüdischen Bekenntnisses ebenso tat­kräftig ein, wie für die Freiheit der kaiholischen Kirche.

Der Tod des hochverdienten gefeierten Führers erfüllt unsere Herzen mit tiefer Trauer, der Verlust ist schwer und wir werden die große Lücke, die sein Hin­scheiden hinterläßt, noch lang schmerzlich empfinden. Gott wird ihm die Krone des Lebens bereit halten.

Gröber f« ,

wtb Berlin, 19. Nov. Der Vorsitzende der Zen- f ^unsfruktion in der Nationalversammlung, Abg. gröber, wurde mittags während eines Gesprächs : mit Geheimrat Jungheim, Direktor beim Reichstag, i von einem Schlaganfall ereilt und ist gestor- -den.

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ß Es gibt nur ganz wenige Parlamentarier, die bei ■ Freund und Gegner eine gleich große Volkstümlich- : fett errungen haben wie der Abg. Gröber. Die große, • breitschulterige Gestalt mit dem charakteristischen kSchwabcnkopf, mit -den hellen, durchdringenden und dabei so klugen Augen und vor allem mit dem wallen- - den Kapuzinerbart, war schier in der ganzen Welt, B® man sich um deutsche Parlamentsverhältnisse küm­mert, bekannt geworden. In der Karikatur und im Ditzblatt hatten die Gegner Gräbers Gestalt kaum minder häufig gezeichnet als Windtyorst oder Lieber, und nicht selten verkörperte sich in ihm den Typ des Zentrums und das Zentrum seibdr. Für uns in der Zentrumspartei aber war Gröber feit langen Jahren der Führer, auf dessen Wort die Massen draußen im f Londe und die d Gewählten des Volkes im Landtag oder iittz Reichstag mit gleich begeisterter Hingabe hör­ten. Wenn man einst in der Parteigeschichte des Zen- trums neben Windthorst die Namen unserer Bosten . Dt, dann wird man mit unter den ersten den Namen Fröber lesen.

' Adolf Gröber wurde geboren im Jahre 1854 in Riedlingen (Württemberg) als Sohn einfacher Bür- jiersleute, studierte Iura in Tübingen, Leipzig und Straßburg, war Staatsanwalt zu Rottweil und | Ravensburg, bis ihn das Septennatsjahr 1887 in den Reichstag brachte. Ausgestattet mit glänzen­den Geistesgaben, als Mann von hinreißender Bered­samkeit, stürzte er sich in die damaligen wilden Wahl­kämpfe. Das brachte ihn in Konflikt mit seiner vor­gesetzten Behörde. Eine Kandidatur gegen die Rc- Mrung und gegen Bismarck zu übernehmen war eine politische Todsünde. Nicht nut/ daß ihm das würt- tembcrgische Ministerium jeden Urlaub, um sich den Wählern rorzustellen, verweigerte, er wurde sogar im - iZwangswege als Landrichter nach Heilbronn versetzt. Indes folgte Gröber der Stimme seines Gewissens, er nahm die Strafversetzung mit Ruhe und Gelassenheit entgegen, eroberte sich aber im Sturm die Herzen der Wähler seines Wahlkreises Ehingen- Laupheim im Schwabenland.

\ Im Jahre 1889 trat er auch in die würüembergische Abgeordnetenkammer ein. Eine Zentruinsfraktion be­stand damals im würllembergischen Landtag noch «ich!. Gröber verzichtete aber darauf, sich in die Ge­folgschaft der einen oder andern Mischmaschpartei zu ^ben, er blieb allein. Zielbewußt und mit der feilen Absicht, sobald als möglich auch im Schwaben­land eine Partei zu schaffen, aus deren Boden er sich nut feiner ganzen Ueberzeugung stellen durfte. Das konnte nur eine Zentrumspartei fein. Im Reichstag toar Gröber gleich vom ersten Tage an der Zentrums- Mtwn beigetreten und bald zu Achtung und Ansehen gelangt. Bei der nächsten Landtagswahl gründete Grober auch in Württemberg eine Zentrumspartei, M deren Programm sofort 18 Abgeordnete gewählt

Aufklärung in der Hand gehabt, und er hätte dem ReichSag den Gruft der Lage schildern müssen. Ludendorff schlägt oftmals die Fauste auf den Tych, wenn er bestimmte Worte unterstreichen will. Als er von der Hetze und der Wühlerei der Unabhängigen ipre- chen w>ll, erinnert ihn Gothein wieder an die Unzu lässiakeit von Werturteilen. Ludendorff meint, c hätte doch einen Eid geschworen, nichts zu verschweigen So käme er also mit seinem Gewissen in Konflikt. Die Differenzen zwischen Heeresleitung und Reichslenunp blitzen' oftmals auf. Ludendorff meint, der Kanzler hätte sich nicht genügend durchgefetzt, um die Gegen- Propaganda von „unabhängiger" iseitc abzuwehren.

In Beantwortung der zweiten Frage, ob die D. H- tiie Gegengründe gegen den U«$oo11r t eg bekannt waren und warum fie Jic mcht .sur st«Y- haltig hielt, erflärt Hindenburg, daß allem die Reichs leitung maßgebend gewesen fei.1 Die militari! chcn Grunde in dieser Frage feien aber stichhaltiger gewesen. W bürg und Ludendorff bestätigen, daß zur sie der Enffchluß _ ■um U-Bootkriege die schwerste Entscheidung bedeutete. Bevor Ludendofff Antwoft gibt, verliest Pros. Schuck- ina einen Bericht des Ministers v. Hamel, der damals in Amerika war, an den Gesandten v. Treutier. Gin Satz genügt: „Die Engländer schätzen die Gefahr des im- eingeschränkten U-Boot-Krieges für geringer em, als die Vorteile, di« ihnen die Hilfe Amerikas bringen mürbe. Trotz dieses mit vielen fachlichen Angaben gestutzten Be­richtes hielt die HeereÄeiiung den U-Bootkriegsurnot- wendig. Ludendorff hat die Brille auf d-n Tisch gelegt und streicht mit raschen Handbewegungen an fernem Schnurrbart herum. Nervosität? Oder Aerger? Hw^n- burg ist weder nervös noch ärgerlich. Er sitzt ruhig, ohne sich zu bewegen, auf seinem Stuhl, d-i« Arme aus den Lehnen und hört aufmerksam zu. ____.

Die weiteren Fragen beziehen sich auf die Annahme, Wilsons Friedensappell sei aus Englands Veranlassung erfolgt, und auf die Untcrfuajung, ob di« Abschnitte der WUson-Akiion, besonders die Tele­gramme Bernstorsss, der Heeresleitung bekannt geworden sind, und ob wirklich die Heeresleitung geglaubt hat, daß durch den U^oattrieg England zum Frieden ge- zwunaen werden könne. Hindenburg erklärt, daß alle.» Sinas bei der 0. H. der Gesamteindruck bestand, daß Eng­land hinter dem Wilsonschen Appell stehe, es habe em Interesse daran gehabt, uns hmzuhalten. ßuöenborf, spricht bei der Fortsetzung seiner Darlegungen von Wuhl- und Hetzarbeit der Sozialdemokratie, Gothein unterbricht ihn wiederum und behauptet, der Ausdruck enihalie cii$ Werturteil! Die Zuhörerschaft zischt.

Brofessi". Schückinq verliest d-nrn fünf Di:rtrlsmn. den lana Denkschriften, welche die Meinungsoerschiedeii- heilen zwischen O. H. und Reichsleitung in der Angelegen­heit des U-Bootkrirges schildern. Ludendorff bezeich­net es in äußerster Erregung als eine infam« ~ u g e, daß die' O. H. sich in die Politik eingo mif ch t hatte. Cs fei durchaus loyal verfahren morden. Bei all diesen Aniwoften Ludendorffs merkt mau, daß er sich m dieses Forum keineswegs hineinzuleben vermag. Es w für ihn augenscheinlich etwas völlig Ungewohntes, hier Rede und Antwort stehen zu müssen «em Stimme, die in der Erregung einen metallischen Klang annimmt, Der schneidend an die Ohren fährt, hat einen Ton, der von vornherein jealichen Widerspruch mcdcrhali. Ludendorft betont wiederholt, die Loyalität der O. H. gegenüber der Reichsleiiung unter einem gewaltigen Stimmamtvand.

Zu sehr scharfen Zusammenstößen kommt es dann zwischen Ludendorff und Gras Pern» skorff. Ludendorff bestreitet auf das entichiedemre. Die von Bernstorfs unter Eid abgegebene Aeußerung gemacht zu haben, daß die O. H. mit Amerika reinen Frieds, wollte. Er geht auf das schärfste gegen Bernstorfs vor. Hier ständen sich zwei Weltanschauungen gegenüber. Bew- swrfss Wirken sei ihm allerdings im höchsten Grade un­sympathisch gewesen. Er macht Bernstorss doiur verant­wortlich, daß er der' englischen Propaganda m Amerika nichts gegenüberstellte. Er schreit sörmftch auf als er sich bagegen verwahrt, jemals gesagt zu haben, daß er keinen Frieden wollte. Jedes Wort, daß er un Höchstmaße eines temperamentvollen Ausbruches ausruft, bekröstigt er durch einen Faustschlag aus den Tisch. Bor dem ganzen deutschen Volke verlangt er, daß Hindenburg und alle seine Mitarbeiter darüber vernommen werden, wie er sich zur Friedensfrage gestellt, hätte. Auch Hi N^- den bürg weist „mit voller Entrüstung ovsS schärfste eine solche Unterstellung zurück. Man habe bei der O. H. immer für einen Frieden plädiert, allerdings für einen ehrenvollen Frieden.

Die Situation ist scharf ztigespitzi, als nun Graf Bernstorfs das Dort erhält und nt größter toeeleu« nLu'- erklärt, daß er darauf verzichte, Ludendorft w demselben Tone zu antworten. Er habe nongenä auch nicht gesagt, raß Ludendorff gegen einen grrteben iibrrhmwt, sondern nur gegen einen von Wtl,on vor« mitielfon geivescn wäre. Ludendorf f erwi^rt m unverminderter Erregung, daß Bier der, Reichskanzler allem -maßgebend gewesen sei, die Aeußerüng Pern- . swrsss hätte ibn an seiner Ehre getroffen. G o t y c i n widerspricht dieser Meinung, worauf Luden dort | erklärt, er hätte über Ehre seine eigene Auffassung, Gothein erwidert gereizt, daß er aber auch die Ehret der anderen zu schützen hätte. Ludendorffs teer’ tece Ausführungen suchen darzntun, daß die O H. lewst militärische Mi-men auf die Politik des Reichskanzlers einstellte. Das fei der Fall gewesen bei Kampfhand­lungen gegenüber Rußland-, um einem Fr-leden mit Rußland näher zu kommen. Im übrigen betonte ec mehrfach, daß die O. H. etwas anderes zu tun gehabt hätte; dS sich mit Einzeldingen zu befchäftigen, und Bemstorff fei ja für bie O. H.. nur Privatmann ge- toefen. Bernstorff stellt wiederholt fest. Ms eS zweieinhalb Monate- gedauert habe, bis man ihn vm großen Hauptguartter vorgelassen habe. Auf Luden­dorff, der eine förmliche Kampfesstellung entnimmt, zielt dann eine weitere, diesmal nicht ohne Schärfe borgetraaene Bemerkung Dernstorffs, daß ihm nach den jetzigen Aeußerrmgen Ludendorffs nun auch klar werde, tote es kam. daß damals von bestimmten Zcitunoen und einer bestimmten Partei er (Bernstorff) für dis Ent­wicklung in Amerika verantwortlich gemacht Jei. Lu. dendorff zerrt urttvillig an feinem Schnurrbarte und heißt die Lippen zusammen. Konsul Möller vonr Auswärtigen Amk stellt dann noch fest, daß alle Pncb- tigeren Depeschen Bernstorffs an das Hauptguartier geleitet wurden. Der Ausschuß wollte ja , gerade fest- siellttn, ob die O. H. von diesen Informationen Berti- swrsfs ettvas gewußt hübe und trotzdem den Il-Boot- krieg verlangt hatte. Ludendorff erklärt kurz; Für ims hatten diese Sachen gar keinen Wert!

Mittlerweile ist eS zwei Uhr nachmittags geworden und der Vorsitzende schlägt eine Nachmittlchssitzung vor. Hindenburg bittet tvegen seiner Erschöpfung davon Ab­stand zu nehmen. Einer Wetterberatung am Buß- und . Bettag widersetzt sich Ludendorff, so muß sich der Aus-

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Im Reichstag hat Gröber mit seinem schar- fen Iuristenverftand, mit seinem frischen Enwsinden I f® ö'ß Wirklichkeit und für Volkswümche, mit seinem reichen, juristischen Wissen beim Werden und Aus- kfihren des Bürgerlichen Gesetzbuches hervorragenden , Anteil genommen. In den Zolltarifkämpfen hat seine Energie und sein tatkräftiger Wille" manchen Erfolg i errungen. Wenn es im Reichstag um die Rechte des Volkes, um die Freiheit der katholischen Kirche und t Hrer Orden, um Toleranz und Parität für die Ka­tholiken ging, dann feierte Grübers Beredsamkeit ihre -Wen Triumphe, und auch der Gegner mußte dann ■ sichten, wie da jedes Wort des Redners aus einem i Herzen von tiefer, echter Religiosität und Glaubens- ro,e kam. Die Fraktion des Reichstages hat Gröber ichon vor Jahren in den Vorstand gewählt, die graf, non der Nationalversammlung stellte ihn cm ihre «Pifte. Alle die Arbeiten Gräbers in der Budget- rommiffton, in den juristischen Kommissionen, in den lozial-politschen Kommissionen — kurz, in ollen Kom­missionen, denn es gibt kaum eine von Wichtigkeit, in ff oer Gröber nicht -in den 15 letzten Jahren hervor- : Menden Anteil an den Arbeiten genommen hätte, alle Ewen Gröbers im Plenum, bei den großen Etat- ■ ®eMten und bei allen wichtigen Vorlagen aufzuzählen i uni,.3U würdigen, würde ein Buch ausfüllen. An allen ; großen Arbeiten des Reichstages in den vergangenen Jahrzehnten hat er einen hervorragenden Anteil. Mit , verewigten Abg. Dr. Lieber zusammen hat er den Voleranzcmtrag des Zentrums, dem als Anhang eine Zusammenstellung aller kirchenpolitschen Gesetze in i Een deutschen Bundesstaaten betgegeben war, aus- gearbeitet, mit dem Abg. Dr. Spahn zusammen hat !?.. ein Hauptverdienst an dem Zustandeftimmen des * : bürgerlichen Gesetzbuchs. Dazu kommt, daß der Abg: l ?suber auch tn der württembergischen Kammer an den wichtigeren Aufgaben der Gesetzgebung einen hervor- rogenben Anteil hatte, so daß sein Name mit der Ge- s schichte des Staates Württemberg in den letzten 30 r ^hren auf das engste verknüpft ist. Erwähnung I Adient noch, daß Gröber 4m Kabinett des Prinzen : -uiax Staatssekretär ohne Portefeuille war.

, Nicht gering ist auch seine Tätigkeit zu Gunsten des rotholischen Volkes außerhalb des Parlaments, «mt mehr als 25 Jahren trat er als gefeierter Redner «us den Katholikentagen auf. 1896 in Dort­mund und 1902 in Essen war er Präsident. Welche F Begeisterung wußte er da in den Herzen von tausend ; «ud abertausend katholischen Männern 'zu entfachen, wie großartig wirkten seine Schlußreden auf jenen Katholikentagen. Gröber war auch Mitglied des Zen­walkomitees der Generalversammlungen. Auch der -u o l k s v e r e i n für das katholische Deutschland zählte

(If 267. I Verantwortlich sur den redaktionellen Teil: Kock Schütte, I Altfr0 A 1 Skrlog der Fuldaer Acstendruckerei in Fulda. — Preis monost. I

I»k. x 4 | für die Anzeigen: I. Parzeller, Fulda. — Rotationsdruck. | XU» 1 lODCltlöCr l“l| jjq Mt. — Fernspr- Nr. S. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung. !