Einzelbild herunterladen
 

/

'3b.'

goitfofr und dumme Gedanken.

Inge legte Bries hin.

JE 266.

Dienstag, 18. November 1919,

Auszug aus dem Standesamts-Register

des Standesamtes Fulda.

Sterbefälle in der Zeit vom 7. bis 14. November 1919.

6. 11. 19. Fuhrmann Adam Scholl, 62 I. g M. 15 Xp. 6. Ehefrau Luise Krause geb. Hundt, 35 I. 1 M.

1 Ahmnasial -Zeichenlehrer Nikolaus Lin,, 53

M. 9 Tg. 8. Privatmann Heinrich Stube, 45 I.

9 Tg. 9. Pater Plus Nold, 38 I. 1 M I Ta 10. Maurer Alfons Aloys MöSlein, 46 I. 7 Tg. 11. ?Ä^°^orschwffer August Georg Kari Rehbock, 63 I.

1° Tg. 11. Otto Antonius Osner, 2 I. 2 M. 11

X«. !2. Rentenempfängerin Witwe Wilhelmine Luise Fiedler geb Repp, 83 I. 5 M. 10 Tg. '

Sottesdienstordnung.

Katholischer Gottesdienst.

Dienstag, 18. Roo. Frauenberg. Nach«. V»5 feierliche Vesper mit sakram. Segen.

Mittwoch, 19. Nov. Fest d. hl, Elisabeth. Dom. *A6, 6, Vi7 u. 7 M 8 Pfarramt m. Pr., VilO Kathedral- amt m. Pr., -/,12 M. m. Pr., V-2 u. 4 A. Stadt-

ohne endgültig seine Existenz zu zerstören. Der deutsche Wald wird ruhig einmal, zweimal, dreimal die fehlenden Heizmittel beschaffen, weil er sie beschaffen mutz. Zu bedauern ist nur, datz namentlich in der Nähe der Städte ungeheuere Mengen von Nutzholz zu Brennholz ausgeschnitten werden müssen, um die Brenn­stoffnot zu lindern, ändern läßt es sich freilich nicht, das Hemd ist einem näher als der Rock, und man kann von keinem Menschen verlangen, daß er friert damit mehr Nutzholz aus den Markt gebracht wird. '

vogel doch nicht. Aber da ist ein chinesischer oder malinesischer Kuli schuld. Mit dem schreibt sich Ro- dench-Iochen. Der soll in London Verbindungen haben.

Weißt Du, Inge, mit riecht die Sache nach Schwindel. Aber die Männer sind ja so dumm!! Einer natürlich ausgenommen nein, wirklich, den nehme ich aus, mir scheint er sogar unheimlich gescheit und von dem wollte ich Dir schreiben, statt von Roderich-Jochen, dem Kuli und dem Kanarienvogel.

Also, Konrad war auch hier. Angeblich wollt: er Tautropfen sehen, das verkannte Talent, dem er bis­her noch nicht das geziemende Interesse zugewendet hätte. In Wirklichkeit kam er Deinetwegen. Ob und wann Du wieder in Süllenböck erschienest? Zweimal habe ich Dich schon gefragt ttnb keine Antwort bekom­men. Ob ich etwas wüßte, hier mißtest Du Dich schon omnelde«.

Womit ich Dich schlau schonend und mnnerkstch aus- geforscht zu haben denke. Also, Liebste, Beste, Ein­zige, wann kommst Du? Hoffentlich recht bald und aus recht lange.Er" sieht gut aus. Gesund, steh und glücklich. Furchtbar glücklich, so offenherzig glück­lich' Da steck! so etwas Treues, Ehrliches drin, datz man mit warm w'rd. Da, Dir muffen die Ohren mächtig geklungen haben, so viel sprachen ror von Dir. Dos ging auch ganz großartig, denn Rode'ü-Iochen versank beim blick seines berühmten Pfe des in das von mir erwähnte Delirium, und dann oerptzt er ste:s alles andere um sich her.

Mfo nun endlich heraus mit der Sprache! R-d? ein ernstes Wort mit Deinem Papa, dem ich mich im übrigen ehrerbte^gst empfehlen laste und leite nm urngihend mii, wann ich die Schecken zu Deiner ftier- lichen Einholung anfpasinen darf.

Bis dahin bin ich in unvergänglicher Liebe Deine Blutsschwester Babrtic.

P. S. Du, Inge, als ich meinen Titel unter den Bnef setzte, fühlte ich die Verpflichtung, mir impt* Blutsschwesterschafts-Eberesche anzusehen. Die Beeren sind noch wundervoll, rot, fest und rund! W»'ßt Du, manchmal mochte icy. Laß ein großes Unglück käme, um Dir beweisen zu können, wie treu ich sein kann. Der Wunsch ist gottlos und dumm, noch dazu, wo Du so namenlos glücklich bist. Aber mitunter habe ich so

War er aus einem anderen Jahrhundert, aus einer anderen Welt? Das alles war ja nicht mehr wahr, war vorbei, verklungen und vergessen! Und doch lebte sie noch, konnte sie noch leben.

Papa, wenn Du wogst, bitte Nes" sagt- Inge. Es geht ja auch Dich alles an, was mich betrifft, oder eigentlich, es ist auch für Dich zu Ende, was für mich zu Ende ist. Uebrigens wirkt aber Babettes Art doch rot? Del auf wilde Wogen--*

Ruskin nahm das Blatt.

Frau Kictschmar erhob sich:

Ich darf mich wohl jetzt zurückziehen vielleicht ctne kleine Stärkung, Fräulein Inge?*

Gehen Sie ruhig, Fr<m"Kretfchmar, ich brauche nichts.

Mein Eiswaffer hier genügt."'

Ruskin saß am Fenster und las.

Inge ließ ihre.Gedanken wandern. Von Babettes tmmterrm Geplauder zu den furchtbaren Enthüllungen der letzten Stunde.

.Fonrad!" flüsterte sie unhörbar leise, mir für sich selbst. Und ihre 6 ücksoernichtung mit allen Schrecken stand in riefeng-oßer Wirklichkeit vor ihr. Babettes gott- verkuche'Le Herausforderung war vom Schicksal aufgenom­men worden, und Mc treueste Treue der Freundin stand nun armselig, machtlos daror. Wie wollte, wie sollte sie sich diesem Unheil gegenüber bewähren!?

Sei Vater legte den Brief hin. Mit einem leisen Seufzer tat er?. Auch er mochte wie Inge denken. Da klang der Tochter Stimme:

Und nun, Papa, komm her, setze Dich, bitte, zu mir und laß uns miteinander sprechen wie ein paar arme, , hilflose Menschen, die nur sich selbst haben, aber wenig­stens sich hoben und deshalb nie ganz einsam sein kön­nen*

Ruskin hatte sich gesetzt und Inges eine Hand in seine beiden genommen.

Bist Du schon ruhig und stark genug, mein Kind?"

Ja, ich bin's. Der Sturm hat ausgetabt. Mir ist das Herz still geworden wie ein FriHhof. Da sehe ich die vor mir, die ich in Wahrheit niemals gesehen habe und nur aus Deinen Bildern und Deinen Worten kenne. Meine arme, liebe Mutter, die aus unendlichem Glücke jäh in unendlichen Jammer stürzte und den Sturz nicht überleben konnte. Gott hat es gut mit ihr gemeint! Und dann mein armer, armer Vater! Kann ein Kind

Der Fabrikant des Leibniz-Keks ist in Han­nover gestorben. Er besaß die größte Keks-Fabrik Deuts^lands. Als Dahlsen seine Fabrik vor 30 Jah­ren gründete, wurden ans England jährlich für zehn Millionen Mark Keks nach Deutschland eingeführt. Nach kaum fünf Jahren halle Bahffen die englische Konkurrenz vollständig aus Deutschland vertrieben. Seine neue Fabrik ist ein Mustcrbau und einzig in seiner Art.

* Würdelos^ Ein Fall nationaler Würdelosigkeit ist aus dem Städtchen Schönsee im Landkreise Briesen Zu berichten. Die dortigen Stadtverordneten haben nämlich für die Feier anläßlich des Einzuges der Polen 4000 Mark bewilligt. Dieser Beschluß ist umso unverständlicher, als die Stadtverordnetenver­sammlung nur deutsche Mitglieder enthält und "im Magistrat sich nur ein einziger Pole befindet.

* Ein Triumph deutscher Wissenschaft. Die Aka- demie der Wiffenschaften in Stockholm beschloß, den Nobelpreis für Physik für 1918 dem Profesior an der Berliner Universität Mar Plank und den Nobel­preis für Physik für 1919 dem Profesior an der Uni­versität Greifswald, Starck, zu verleihen. Ferner be­schloß die Akademie den Chemie-Preis für 1918 dem Profesior Fritz Haler in Berlin zu erteilen.

* Neue große Goldfelder in Sibirien. In großen Scharen strömen gegenwärtig Goldsucher aus dem amerikanischen Eoldlande Alaska nach dem äußersten mOTh,r.r:^;rien, roo geroaltige Goldfelder entdeckt wor­den fern sollen. Die Goldfelder von Alaska waren früher in russischem Besitz und wurden dann an die Ski einigten Staaten abgetreten.

Große Holznot in Deutschland.

I . Deutschland besaß vor dem Kriege rimd 14 Millio­nen .Hektar SB-alb Türchen Friedansschlutz sind dem

I 'Reichel,8 Millionen Hektar Meld verloren aeaan- nen -- 13 Prozent. Die preußischen Staaisfoo- ften allein hatten vor FriedenZschluß einen Umfang von > Mnd 3 Millionen Hektar, durch die Abtretungen g.-ben Westrmmt rund 500 000 Hektar verloren, urch wenn die x ßlbstimmungen im Osten, in Schlesien, Schleswig und ; im Weiten schlecht ausfall«i, werden wir noch Wer tine Viertelmillion Hektar Staatswald rnebr verlieren, mithin nur 2,2 Millionen Hektar preußische Staats- forsten behalten, b. h. Preußen verliert dann 26 Proz.

f seines Staatswaldes.

. .Nun,muß man bedepken, datz Deutschland schon' t früher nicht genug Holz erzeugen konnte, sondern einen. r Ungeheuer großen Teil seines NutzholzbedarTes. unb I zwar über 15 Millionen Festmeter jährlich, aus dem t Auslände beziehen mußte. Für dieses imvortierte Holz \ hat Deutscylaud im Frieden rumd 400 Millionen Mark

<m das Ausland gezahlt.

II Wie sieht es nun mit dem Holzbedarf jetzt aus? I -Der Brenn Holzbedarf ist ganz ungeheuer.

y g® gestiegen, es fehlt zurzeit feder Maßstab, wieviel M JCermm benötigt wird, man ist nur auf ganz grobe Fy Schatzungen angewiesen. Tie Volkswirte i:t der Forst-

S>trtyd6aft. Ijaöen allerdings für das laufende Jahr nur b 0,35 Kubikmeter % Raummeter Brennholz auf den I Kopf der Bevölkerung gerechnet. Es will scheine», i ms ob dies viel zu wenig sei selbst wenn alle übrigen I Brennstoffe: Kohle, Koks, Torf mit berücksichtigt wor­den, denn für eine sechsköpsige Familie wären dies K- nur 3 Ramnmeter Brennholz im Jahre.

SCöet wenn mau auch nur diese Mindestmenge rech- t net, io werden doch bei der 60 Millionen Bevölkerung, die Deutschland noch hat, mindestens 21 Millionen Kubikmeter, d. h. 30 Millionen Raummeter Scheid ; und Knüppelholz benötigt. Nach diesem Maßstabe. wür. - Sfoöt Fulda mit ihren zurzeit etwa

25 000 Einwohnern nur 8750 Festmerer = 12 500 Raummeter Brennscheit und Knüppelholz entfallen. t Daß dies viel zu wenig fein würde, ist klar. Bezieht doch die Stadt Fulda allein etwa 21000 Raummeter Scheit- und Knüppelholz aus zehn Obersörstereien der Umgegend, ungerechnet der kaum feftzustellenden Tau- , sende von Raummetern, die aus der näheren und wei­teren Umgebung direkt bezogen werden Z Wenn man die zweieinhalbfache Menge an Holzbedarf für Fulda rech, net wie die forstlichen Volkswirte, dann wird man sich dem wirklichen Bedarf nähern, vielleicht aber noch hin­ter ihm zurückbleibeu.

Und nun multipliziere man einmal den so errechne­ten Bedarf an Brennstoff mit der noch vorhandenen Einwohnerzahl Deutschlands, man kommt dann zu der ungeheuerlichen Zahl von 75 Millionen Raummeter = 62,5 Millionen Festmeter Derbbrennholzbedarf und da- bei ist für eine Familie von vier Köpfen nur die ge- ringe Menge von 5 Raummeter Holz berechnet. Daß die gering gerechnet ist, wird jeder Kenner bestätigen, sie reicht kaum für die Küche, daZ Einzimmeridhll kann nicht jeden Tag gepflegt werden. Wieviele werden da- her in diesem Winter frieren müssen, weit diese gewal- ' ti;en Mengen an Holz gar nicht zu beschaffen sind, mindestens nickt rechtzeitig in die Städte geschafft wer­den können! Die Landbewohner sind dadurch besser ge. stellt, daß diese auch die gewaltigen Mengen an anfal­lendem Reisigholz aufnebmen können.

Außer dieser Breunholzmenge werden aber auch un» geheure Mengen an R u tz h o I z in Deutschland benötigt. Wir können diese wegen der schwankenden Unterlagen zurzeit nicht annähernd genau feiifteHen. Die Berech­nungen bet Sachverständigen schwanken zwischen 25 und 33 Millionen Festmeter. Wenn man nur das Mittel ' nimmt, kommt man auf 29 Millionen Festmeter Bedarf.

Diesem Riesenbedarf von Brennholz über 50 Millionen Festmeter und Nutzholz gleich 28 Millionen Festmeter, in Summa 79 Millionen Festmeter gegen­über halte man einmal die Tatsache, was der deutsche Wald nachhaltig an Holz liefern kann. Sachkenner haben ermittelt, daß im jetzt noch vorhandenen deutschen Walde von 12,2 Millionen Wald nachhaltig 42 Millionen - Festmeter Derbholz und zwar 25 Millionen Festmeter Nutzholz und 13 Millionen Festmeter Brennholz cinge- schlagen werden können. Woher soll nun die fehlende Menge kommen? Man nimmt an, daß im laufenden Jahre trotz der ungeheueren Balutadiffereuz zu unseren . ungunsten 7 Millionen Festmeter Nutzholz aus Finn­land eingeführt werden können, andere Volks- und Forst- wirie bezweifeln das angesichts der ungeklärten Stier, hältniffe und dazu gehört auch der Artikelfchreiber. Unsere früheren Hauptholzlieferanten Rußland, Oester. reich-Ung'arn und Schweden werden uns in absehbarer. Zeit nichts liefern können.

Woher aber die fehlenden Mengen nehmen? ES bleibt uns nichts anderes übrig, wie unfet Waldkapital \ anzugreifen und das ist ein sehr gefährliches Beginnen.

Wer von seinem Kapital zehrt, kann dies in Zei- ten höchster Not einmal vorübergehend tun, um sein Leben zu fristen, wie dieS jetzt von so vielen Tausenden ge chehen mutz/aber längere Zeit kann er eS nicht tun.

Trotzkis Triumph.

Zu Beginn des Herbstes standen die Aktien der Bolschewistenherrschaft in Rußland sehr trübe. Aus allen Himmelsrichtungen rückten die Feinde der Sow- jets heran, unterstützt von England und Japan. Aus dem Osten rückte Koltichak siegreich vor, aus Süden Denikin, von Westen die Polen, im Nordwesten Awa- loff-Bermondt und Judenitsch, der Petersburg unmit­telbar bedrohte, im Norden lag die englische Flotte vor Kronstadt und Finlnnd stand Gewehr bei Fuß, jeder­zeit zum Vorgehen bereit.

Doch der Gegner waren viele, und jeder hatte sei­nen eigenen Kopf. Zwischen den russischen Gegen- revolutionären Koltschak, Denikin, Jude­nitsch, Awalosf herrschten ständig Eifersüchte, leien und Gegensätze. Gegensätze herrschten auch zwi­schen den russischen Randstaaten Polen, F i n l a n d, Ukraine und den Baltenländern.

Trotzki verstand alle diese Gegensätze vorzüglich auszunützen. Er bot das letzte auf, was Rußland leisten konnte, und schlug einen seiner Gegner nach dem anderen aufs Haupt. Koltschaks Zusam­menbruch ist vollständig. Trotz der zahllosen To­desstrafen besteht in seinem Heere die Disziplin nur dem Namen nach. Die Desertionen nehmen einen immer größeren Umfang an. Die Soldaten denken nur daran, sich bei der ersten besten Gelegenheit ge­fangen nehmen zu laffen. Sie erklären offen, daß der Fall von Tomsk Koltschaks Ende bebrütet. Heber die Fortschritte der Roten Truppen wäre auch das Offizierskorps bestürzt.

Auch Denikin ist geschlagen. General Denikin hatte den großen Fehler gemacht, die Ukraine, bte er von den Bolschewisten befreit hatte, für sich zu unterwerfen. Dies führte zu einem Aufstand der Ukrainer unter P e t l j u r a, der erfolgreich war. De- nikin hat es also jetzt mit den Bolschewisten und der Ukraine zu tun. Er hat Kiew räumen muffen. Seine Freiwilligen befinden sich in der Umgebung von Kiew in unhaltbarer Lage. Sie haben alle wichtigen Eisen­bahnstationen verloren. Die Bolschewisten stehen im Halbkreis, welcher bis fast südwestlich von Kiew reicht, wahrend die ukrainischen Aufständischen von Osten gegen Kiew marschieren, die Eisenbahnverbindung von Kiew unterbrechen und die Basis Denikins be­droht haben. Die einzige Rückzugslinie Denikins ist der Dnjestr, an deffen Ufer sich auch schon Aufstän­disch« befinden. Am Donnerstag früh ist Petljura in Kiew eingezogen. Seine Truppen haben Denikin völlig geschlagen und 8000 Gefangene gemacht.

Petersburg ist nicht mehr bedroht. Ge­neral Judenitsch hat sich von Petersburg zurückziehen muffen, weil er sich plötzlich zahlenmäßig weit über­legenen bolschewistischen Truppen gegenüber sah. Er steht in schärfstem Gegensatz zu Awaloff-Bermondt, und dieser wieder in offenem Kampf mit den Letten. Also haben die Bolfchewisten hier leichtes Spiel. Sie können ihre Gegner sich selbst überlassen.

Doch di? Führer Sywjet-Rußlands wiffen sehr gut, daß sie ihre Erfolge in erster Linie der Zersplit- terung und Uneinigkeit ihrer Feinde zu verdanken haben. Sie versuchen also mit den Randstaaten wie auch mit England, Frieden zu schließen. Sie er­klärten sich sogar bereit, die finanziellen Verpflichtun­gen des alten Kaiserreichs zu übernehmen. Eine in Dorpat tagende baltische Konferenz, an der Esthen, Letten, Littauer, Finnen, Polen, Ukrainer und Rus­sen teilnahmen, scheint nun bereit zu sein, Frieden mit Rußland zu schließen. Wenn dieser Friede zur Wirklichkeit wird, ist General Judenitsch gezwungen, die baltischen Provinzen zu räumen, so daß die Bol­schewisten darauf ihre ganzen Truppen gegen Denikin und Kollfchak verwenden können. Polen, Finland und Ukraine werden sich wahrscheinlich den baltischen Provinzen anschließen, wenn es ihnen gelingt, den Frieden mit Sowjetrußland herzustcllen.

f Kreistag.

D Fulda, 18. Nov.

Zar Errichtung der Kreisivarkaffe beschloß gestern der Kreistag nachträglich die Gestellung eines Gegen- buchdalters.

Schon während des Krieges ist man dem Gedanken näheraetreten, die l'reirbaumschule in Eichenzell wegen unzulänglicher Leistungen eingeben zu lassen. Die gestrige Sitzung erörterte de? längeren diese Frage mit dem Ergebnis, datz der KreisauSschutz beauftragt werden soll, Schritte nickt nur für das Fortbestehen, sondern auch für den weiteren Ausbau der Kreisbaum­schule zu tun. Es wird beabsichtigt, für die Leitung der Schule im Wege des öffentlichen Ausschreibens einen erfahrenen Obstdautechniker zu gewinnen.

Schlietzlich genehmigte der Kreistag eine Ordnung, die zu de« Anteil der Grundrrrverdrstener, der laut Grundsteuererwerbsgesetz vorn 12. September 1919 den Ländern, Gemeinden und Gemeindeverbänden zufließt, einen Zuschlag von 1 vom Hundert, und insofern die Gemeinden von ihrem Zuschlagsrecht Gebrauch machen, von einem Drittel vonrHundert festsetzt. Von der auf 40000 Mark sich belaufenden Einnahme au8 der Grunderwerdssteuer entfällt ein Drittel auf den Kreis.

Außerhalb der Tagesordnung bemerkte Herr Frank, daß schon jetzt große Arbeitslosigkeit herrsche und er ersuchte das Landratsamt bei den Gemeindevor- ständen auf Beschleunigung der Vorbereitung der Not­standsarbeiten zu wirken, so datz diese nötigenfalls so­fort in Angriff genommen werden konnten. Herr Arnd teilte mit, daß gegenwärtig etwa 20000 Kubik­meter Holz zu schlagen seien, für die, wie er crrahren, die Oberförstereien keine Arbeiter bekommen könnten.

Der Schatten.

Roman von Arthur Winckler-Tanncnb.rq 32] ----------

Da kam der Vater dazwischen:

Siebes Kind, noch nicht, jetzt noch nicht. 5ii ein paar Stunden, meint der Arzt, wirst Du den Anfall überwun­den haben dann, Inge, nicht wahr bann?"

Inge hörte nicht auf die wohlmeinende Einwendung. Bon wem?" fragte sie dringend.

Frau Kreffchmar betrachtete die Adreff«:

Aus Süllenböck von Fräulein Babette. Die Schrift kenne ich ja ganz genau."

Dann mag's angehen, wenn Du es durchaus willst" lenkte der Kaufherr ein.Babette bringt auf andere Gedanken" /

So erhielt Inge den Bries.

Mit müden Händen öffnete sie ihn. Was konnte ihr tn dieser Stunde die lustige Babette jagen? Vielleicht würde sie ihr weh tun mit ihrem Frohmut und es märt bester gewesen, den Brief noch liegen zu laffen.

Aber mm war er geöffnet und sah sie mit den großen, stellen Buchstaben, deren wenige schon einige Zeilen füll­ten, fast ausmunternd an. Da hob Inge das Blatt und las:

Meine Liebste, meine Beste, meine Einzige!

Das muß ich Dir doch gleich melden:Er" war hier. Nein, Inge, was unser Rennstall auf einmal be­rühmt worden ist! Alle Leute kommen und starren un­seren Tautropfen an, unseren Kanarienvogel, wie ich ihn nenne, den goldenen Adler des Turfs, wie Ro­derich-Jochen fafelt! Na, Roderich-Jochen ist verrückt, das jag' ich, Dir im Vertrauen. Delirium oder so etwas! Er sieht nur ganz gelbe Stuten laufen. Die einzig Vernünftige bei der Geschichte ist die Stute selbst. Die läßt die Leute gaffen und srißt ihren Hafer. Gestern ist sie photographiert worden. Da ist so'n Künstler er­schienen und nu' kommt Tautropfen in eint hypologische Zeitschrift. Ich fragte den Socfenmattn, ob er mit dem Vieh auch eine Unterredung gehabt habe da war er beleidigt unb sagte: mit Gänsen und Pferden be­schäftige er sich nicht. Grob, was?"

Also Roderich-Jochen ist verrückt.

Verlangst Du Beweise?

Er will Tautropfen nach England schicken. Was das kostet! Und den Dcrbypreis kriegt der ftanarien-

Truck Ser Fuldaer Äctiendrnckcrei i-t Fnlba.

Pfarrkirche. 5V. Rom., 5u. 6'/« M., 8 M. u. Pr (1. Eckulgd.), 9/» Pfarramt u. Pr., 11 M u. Pr. (2 Schulgd.), 2A sakram. A. Pfarrkirche »um hl. Geiste /«7 Som., 7 Frühm., 8 Pr., Amt m. Korn,5 3, Severikirche. >/,7M.Frauenberg. Fest d. hl. Elisabeth Patronin d. thüringischen Ordensprodinz u.d. 3. Ordens Ablaßtag f. alle Gläubigen. 5,/<6, '/,7 u. 7 M., i. d 5»_n. V«7 M. Generalkom. ,f. d. Mitglieder d. 3. Ordens, während d. 8 M. A. z. hl. Elisabeth u. Pr., 9 Festpr. u. Levitenamt m. AuSs, nachm. V,3 Festversammlunx f. d. Tertiären m. Pr. u. A. z. hl. Elisabeth. Nach d Hochamt u. d. NachmitiagS-A. Verehrung d. hl. Reliquie. Generalabsolution für die Tertiären.

Edavqelischer ®ott«6bi«eS.

Mittwoch, 19. November. (Butz- und Betrag.) Vormittags 9Vt Sup. Ruhl, nachm. 2 Pfarrer Weber. Bieberstein. Vormittags 9 Pfarrer Reich.

Stand der Liga-Spiele des hessischen Urei ser.

Liga-Verein

3hl.». Spiel

geto. Sv.

Verl Sv.

unent- schied.

Tore tot

Tore geg.

Pkt.

Sport Kassel

7

5

1

1

26

15

11

Kurhessen Kassel

6

S

1

19

4

10

Bontfsia Fulda

7

5

2

16

9

10

Spielverein Kassel

5

3

2

14

7

6

T.-u.Sp.-D. Kassel 48

6

3

3

-

16

13

6

Rasensportv. Kassel

5

2

3

11

10

4

Hermannte Kassel

6

1

4

1

0

11

3

Göttingen Vgg.

2

1

1

4

5

2

Göttingen 05

3

1

2

3

13

2

Germania Fulda , T.-u.Sp.-V.86Kaffel

4

1

3

5

19

2 .

6

5

4

18

Amtliche Anzeige«.

Bekanntmachung.

Auf Grund der §§ 1 und 4 der Verordnung über die wirtschaftliche Demobilmachung vom 7. Nov. 1918 ordne ich, mit Rücksicht aus den großen Mangel an Betriebsstoffen, der die Belieferung der für die Volks- ernahrung arbeitenden nnd sonstigen lebenswichtigen Gewerbebetriebe mit dem nötigen Betriebsstoff geföhr- det, für den Regierungsbezirk Kaffel und fiir den un- besetzten Teil des Regierungsbezirks Wiesbaden außer Stadtkreis Frankfurt a. M. folgendes an:

§ 1. Vom Tage der Verkündigung dieser Be­kanntmachung im Amtsblatt ist bis auf Weiteres

1. an Sonn- und Feiertagen,

2. zur Nachtzeit

der Verkehr mit Kraftfahrzeugen (Personen- und Last­kraftwagen, sowie Motorrädern) verboten. Dies. Ver­bot gilt nicht für Fahrten in dringenden Notfällen (wie zur Herbeischaffung ärztlicher Hilfe, für Kranken­transporte, bei Bränden und anderen Unglückssällen) und für solche im Auftrage einer Behörde.

8 2. Als Nachtzeit gelten in der Zeit vom 1. Ok­tober bis 31. März einschließlich, die Stunden von 8 Uhr abends bis 6 Uhr morgens, vom 1. April bis 30. September einschließlich, die Stunden von 9 Uhr abends bis 5 Uhr morgens.

§ 3. Bei den in 1 genannten Ausnahmefällen hat der Fahrer des Kraftfahrzeuges durch eine Be­scheinigung oder in anderer Weise den Notfall oder den Auftrag der Behörde nachzuweifen.

An diesen Fahrten dürfen nur die zur Behebung des Stetfalls unbedingt erforderlichen oder von den Behörden beauftragten Personen teilnehmen.

§ 4 Zuwiderhandelnde werden mit Gefängnis bis zu 2 Jahren und mit Geldftraft bis zu 100 000 Mark bestraft, bei mildernden Umstanden kann ge­trennt auf eine der beiden Strafen erkannt werden. Abgesehen hiervon wird das Kraftfahrzeug ohne Rücksicht ob es dem Täter oder Teilnehmer gehört oder nicht dem Staate für verfallen erklärt und der im Besitze des Zuwiderhandelnden vorhandene, in des­sen Schuppen oder sonstigen Räumen noch lagernde Betriedestoff sofort beschlagnahmt und zu den gesetz- lichen Höchstpreisen an Verbraucher abgegeben. z

Kassel, den 10. Nov. 1919. A

Der Negterumspräsidenl als Demobilmachungs- kommiffar. 3. D. gez. Lewald.

Vorstehende Bekantmachung dringe ich hiermit zur öffeniiichen Kenntnis.

Fulda, den 14. Rov. 1919

Der Londrat. Frhr. s. Doernbcrg.

glauben, datz fein Vater ein Verbrecher fei? Wenn es das kann, muß es noch elender fein als ich bin. Ich kann es nicht."

Er hat es gestanden", sagte Ruskin wchmütig.

Dann kann er in Wahnsinn, in Verzweiflung irre geredet haben, im Fieber" (

Ach Inge!"-

Dir war er ein Fremder, nur der Mann mehrer Schwester, um deretroillen Du ihn lieb gehabt haben magst. Mehr konnte er Dir nicht fein. Mir, deren Augen er ewig fremd blieb, ist er der Vater. Laß mich Unmögliches glauben, damit ich nicht an mir selbst verzweifle" ,

Ich ehre dies Empfinden, ttSge. Goli erhalte es Dir!"

Es ift ja mir meine Zuversicht. Kein anderer in der Well kann sie haben, von keinem kam ich sie fordern."

Und fo wirst Du enffcheiden?"

«So ist entschieden, Vater. Warst Du auch nur einen Augenblick im Zweifel?"

Nein."

Nein."

Es zerreißt mir das Herz, weif ick ' j so lieb habe, fo heilig lieb, rote nichts auf der SBcIt. Ich weiß, er wird unendlich leiden, vielleicht so wie ich in dieser Stunde, denn auch er liebt wahr und innig. Aber es muß sein. Dieser furchtbare Scholien einer das Geben verdüsternden Schuld darf nicht aus seinen Weg fallen. Und will er es wagen mit ihm, ich werde es nicht dulden."

Ich Hobe es nicht anders von Dir erwartet mein Kind. In diesem Schalten habe ich zwanzig Jahre gestanden. Ich weiß, wie er jede Blüte des Gebens tötet1 Willst Du noch in aller Ruhe, deren Du fähig werden könntest, die nächsten vierundzwanzig Stunden er, wägen und durchstnnen, ober soll, was geschehen muh, gleich geschehen?"

Gleich!"

Das tapfere Mädchen brach in Tränen aus. Eine Welle weinte Inge still vor sich hin. Der Sätet ließ den Schmerz ausbluten.

Dann sagte Inge:

Schreibe Konrads Baier, er solle der Guten, die mir Mutter fein wollte und seinem Sohne alles sagen, was Du ihm gesagt hast, alles. Das sei der letzte und wohl ör" "öhte Liebesbeweis, den ich für ihn Hütte."

'(Fortsetzung^ folgt.)