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| Dienstag 18. November 1919. | XÄÄ

preußische Sparsamkeits-

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Zeidjne mit 500 Mark bar

* Die Belgier verlasse« Washington. Die bei» gische sozialistische Zeitung ,Le Peuple' teilt mit: Die belgische Delegation bei der internationalen Kanserenz für Arbeiterrecht in Wnshinton tritt am 15. November die Heimreise nach Belgien an. Wenn also die deutsche Delegation von Deutschland abreist, ist die belgische Delegation bereits auf der Heim­reise. Man muß auf Differenzen raten. Der ,Vor­wärts" bemerkt zu der Meldung:Wer weiß, ob nicht auch die Konferenz nichts anderes wird, al- eine Demonstration für eine schöne Idee."

imglütkliche Arbeit des Untersuchungs- Ausschusses.

Die Note wegen der oberschlesischen Waheln ist der deutschen Delegation in Paris vom Obersten Rat nunmehr übersandt worden. Sie erklärt die Wahl für nichtig. Zwar könne nach dem Buchstaben des Versailler Vertrages der preußische Staat bis zum Inkrafttreten des Friedensvertrages die Verwaltung der oberfchlesifchen Abstimmungsgebiete ausüben. Aber die Wahlen, welche die erste Befragung des Volkes seit der Unterzeichnung des Friedensvertrages darstellen, würden durch die bestehenden nationalen Parteien dahin ausgelegt, daß sie über die Stärke dieser Parteien Anhaltspunkte liefern, die man als maßgeblich für den voraussichtlichen Ausfall der Volks­abstimmung verwerten wird. Die Wahlen würden zum Vorwande einer Debatte werden, nm die Ab­stimmung über das künftige Schicksal dieses Landes zu beeinflußen. Bei der Uebernahme des Gebietes durch die internationale Kommission werde diese die entsprechenden Maßnahmen ergreifen, daß die Wah­len als nicht geschehen zu betrachten seien.

DieD. Allg. Zig." schreibt dazu:

Erkennt der Oberste Rat bis zum Inkrafttreten des Friedensvertrages den gesetzlichen Zustand an, so muß er dies folgerichtig auch für die Zeit nach dem Inkrafttreten tun. In der Anlage zu Artikel 88 des Friedensvertrages heißt es: Die mit der Verwaltung des Landes zu be­trauende internationale Kommission ist an die Beach­tung der bestehenden Gesetze gebunden, ohne selbständiges Gesetzgebungsrecht zu besitzen. Hieraus folgt, daß die internationale Kommission zur Beanstandung der Wahlen nur schreiten kann, insoweit in den preußischen Gesetzen ein Rechtsgrmrd für die Beanstandung gegeben ist.

Der Widerstand der Entente gegen die Wahlen ist in der Tat nicht zu verstehen. Bisher wurden die Gemeindevertretungen in Oberschlesien wie in ganz Preußen nach dem bekannten Dreiklaffenwahlrecht ge- wähft, und das bedeute eine Herabdrückung der Rechte wie des ganzen Proletariats, so auch der Polen, die ja durchschnittlich zur Arbeüerbevölkerung gehören. Die Ausschreibung der Neuwahlen nach dem neuen Wahlrecht stellte eine Erweiterung des Ein­flusses der Polen in den oberfchlesifchen Gemeindever­tretungen dar. Man hätte meinen sollen, daß sich damit die Entente einverstanden erklären könnte. Wenn sie es gleichwohl nicht getan hat, so bleibt dasür wie­der keine andere Erklärung als die, die man leider für so viele Schritte des Pariser Obersten Rates gegen Deutschland in der letzten Zeit hat finden müssen: Es ist den Herrschaften nur darum zu tun, dem be­siegten Deutschland ihren Willen aufzuzwin­gen, es fühlen zu kaffen, daß es ohne die Geneh­migung derSieger" selbst in seinen eigensten Gren­zen kaum noch sich rühren darf.

der drei Parteien wahrt jeder für sich ihre Entschließungs­und Bewegungsftelheit. Auch in der Opposition hat dir Zentrumspartei stets sachlich mitgearbcitet. Die Recht- an diesem Zentrum bei

satz zu ihren Verbündeten bringen. Der Senat hat damit die Erörterung der Friedensfragen abgeschlossen und eine Entscheidung getroffen, die Wilson in eine unangenehme Lage bringt, denn er hatte sich Clemen- ceau und Lloyd George gegenüber verbürgt, daß Amerika keine Vorbehalte machen würde. Aber ein Wilson ist ja kein Neuling mehr, wenn es heißt, ge. geben« Versprechungen nicht zu halten.

. Preis monall. I A/a *lnfirn

.Adresse: Fuldaer Zeitung. I

Preußische Landesversammlung.

Sitzung vom 14. November.

Zu Beginn der Sitzung am Dienstag verlas Präsident Leincrt ein Telegramm des deutschen Bolksbundes aus dem Hultfchiner Lande (Bezirk Oppeln), das sich darüber beklagt, daß dem Lande das Selbstbestimmungsrecht ent- . zogen worden sei und nachdrückliche Borstellungen der preußischen Regierung dagegen verlangt. Wir waren Deutsche, heißt es in dem Telegramm, sind Deutsche un- wollen Deutsche bleiben.

Die zweite Lesung des Haushalts des Skaatsministe- tlums wird fortgesetzt.

Abg. Klost-Effen (Ztr.): Die Kritik soll sich auf dem Boden der Sachlichkeit halten; die Sachlichkeit haben wir bei den Deutschnationalen bisher vermißt. Die Parteien der Regierung haben eine Arbeitsgemeinschaft beschlossen, die aber darum keine Gesinnungs- gemeinschast im Gefolge haben soll. Der Zusammenschluß

Neue Demonstra timten.

Eine Kompanie des Freikorps Lützow ist Montag vormittag in Berlin vor die Villa in der Hitzigstraße marschiert, in der H i n d e n b ü r g als Gast Helffcrichs wohnt, und hat bort unbehindert von der Srcherbeits- wehr, die die Umgebung absperrte, Paradeaufstellung genommen. Der sie führende Offizier machte Hinden- bürg die Meldung von dieser militärischen Ehrung, worauf Hindenburg entblößten Hauptes die Front ad- schritt und die Kompanie einen Parademarsch vor ihm ausführte. Es gewinnt den Anschein, als toenit es sich toieter um eine Kundgebung handelte, die ohne Wis­sen und Willen der zuständigen Stellen erfolgt.

Vor dem Reichstag wurde ebenfalls eine Gruppe von Offizieren und Soldaten bemerkt, die unter Führung eines Obersten erschiemen war. - Es handelte sich um eine Abordnung einzelner Potsdamer Regimenter. Die Gruppe hatte anstandslos zum Reichs­tag gelangen können, da die Polizeimannschaften sie

für Reichswehr hielt, die nur zur Verstärkung heran­gezogen war. Alan hörte Schmährufe gegen Dr. Cohn.

Am Mittag kam es wieder zu Demonstrationen. Diesmal waren Deutschnationale anwesend und Kom­munisten, die gegen HirEenbuvg häßliche Bemerkungen ausstießejn. Als ein Mann sich über Dr. Cohn abfällig äußerte, kam es zu euer erregten Anseinandersetzung, die schließlich die Sicherheitswehr herbeirief. Bei der Abfahrt des früheren Staatssekretärs Dr. He l f f e- rich wurden auf diesen Hochrufe ausgebracht. Die 1 Unabhängigen antworteten mit Pfeifen und Hochrufen auf die Weltrevolution. Als Ledebour das Portal verließ, tvurde er von seinen Anhängern stürmisch be­grüßt. Ein Zivilist und ein Offizier ter Reichswehr riefen:Nieder mit Ledebour!" Daraus drang die Menge auf den Offizier ein, dem zlvei Soldaten der Reichswehr zu Hilfe sprangen. Als der Reichswehr- osfizier auf eine Elektrische sich begab, holte ihn dick Stenge von dort herunter, weil ein Zivilist, der an­geblich ein Redakteur derFreiheit" fein sollte, immer wieder rief:Ein bezahlter SpionI Schlagt ihn tot!" Daraufhin tvurde der Offizier von der Menge ange­griffen. Wieder eilten zwei Soldaten dem Offizier zu Hilfe, wobei einem der Soldaten der Revolver aus- der Tasche gerissen wurde, den er nach kurzem Hand­gemenge wieder art sich nahm. Beamte der Sicher« beitswehr griffen ein und nahmen die drei Reichs- wehrangehöri^er^e^^

Deutscher Reich.

** Berlin, 17. Nov. Au dem von der,Köln. Ztg.' veröffentlichten Entwurf eines Reichswahlgesetzes wird von zuständiger Stelle darauf hingewiefen, daß es sich hierbei nur um einen der vier Entwürfe bandelt, die zurzeit dem Reichskabinett vorlieaen. Das Kabinett ist sich noch keineswegs schlüssia, welchem der vier Entwürfe es den Vorzug geben soll.

* Anschluß Koburgs an Bayern. Vertreter der Koburger Regierung und des Landtags sind nach München gekommen, um Verhandlungen mit beit Ministern herbeizuführen. Es hat den Anschein, als ob die Verhandlungen mit dem Anschluß Koburgs an Bayern enden werden und die Stimmung der Bevölkerung am 30. November sich in der Abstim­mung für Bayern erklären wird.

trauen wegen der Enzelheiten der Wilsonschen Frie- densaktion zu ziehen, sonst hätte man diese selbst ge- fahD-deli.

Es cntspinnt sich nun eine. end. und fruchtlose De. batte Über die Informationen der früheren Regierung gegenüber deut alten Reichstag. Miniftrr David bleibt dabei, daß dem Reichstag die wichtigsten Ein­zelheiten aus den Bernstorffschen Depeschen nicht mit- geteilt wurden, sonst wäre die Stellungnahme des Reichstages eine andere gewesen. In allen wesent­lichen Punkten ist es zunächst Bethmann, der die Kosten der Debatte bestreitet. Das scheint nicht ohne Absicht geschehen zu sein! Bethmann spricht ruhig, stets von dem Bemühen beseelt, auszugleichen und zu glätten, was an Differenzen sich ergeben könnte. Als HeIfsserich an die Reihe kommi, bestätigt er im wesentlichen kie Bethmannschen Auffassungen, im übri­gen hält et sich von jeglicher Schärfe fern. Sinz- Heimer hält Helfferich vor, daß er über den U-Boot- krieg gefagt habe:er ist die letzte Karte, sticht sie nicht, dann ist Deutschland auf Jahrhunderte ruiniert. HÄfferich erklärte immer wieder, daß nach feiner Mei­nung Amerika auch ohnx U-Bootkrieg gegen uns ins Feld gezogen wäre. Er befindet sich hier in scharfem Gegensatz zu B e r n ft o r f f, der erneut erklärt, daß, wenn wir die Friedensvermittlung Wilsons angenom­men hätten, Amerika nicht in öen Krieg gegangen wäre. Pethma n n entgegnet iti längerer Rede, daß dies nicht möglich war. Er bekennt sich dabei zu denjenigen, die nicht zu den Sachwaltern Wilsons ge­hören. Das bedeutet eine offene Parteinahme für Helfferich. Im übrigen enispinnt sich eine endlose De­batte über dieSeele" Wilsons. Man streitet hin und her, wie Wilson sich wohl verhalten hätte, wenn dieses oder jenes gewesen wäre. Der Sachverstän- big« B o it'n gab eine treffende Charakteristik dieser Art von Verhandlungen und sagte, daß auf diese Weise ja, doch nichts Brauchjbeeres herauskäMe. Die Auis- spracha blieb in der Tat unfruchtbar.

In ter Nachmittagssitzung bekundete der frühere deut- ftfjc Gesandte in der Schweiz v. Romberg, daß in der Schweiz die Auffafsung bestand, daß das deutsch« Frie- dermsangebot im Auslande den Eindruck der Schwäche machte. Da stellte auf einmal Dr. Cohn eine längere Frage an Helfferich. Ofsentsichtlich, um einen neuen Bruch zu vermeiden, griff der Vorsitzende sofort die Frage Cohns auf und stellte sie nochmals an Helfferich, der dann mit den Worten begann:Ich werde die Frage des Herrn Vorsitzenden beantworten." Das war zu deut­lich. Der Ausschuß hatte diese Worte und die ihnen fol­gende Heiterkeit im Zuhörerraume, die der Vorsitzende sofort rügte, verstanden. Dr. Cohn stellte fest, daß Helffe- rich sich nach wie vor weiger e, ihm zu antworten. Dar­über entwickelt« sich eine ausgedehnte, ziemlich peinliche Aussprache, bei der sich olle Beteiligten eines sehr ge­mäßigten Tones befleißigten. Man kam zu keinem Ziele, und der Ausschuß zog sich zur Beratung zurück. Nach einer Stunde erschien er wieder im Saale. G o t h e i n führt« aus:Der Untersuchungsausschuß hat den Antrag, den Einspruch Helfferichs gegen feine Verurteilung zu ver- lesen, mit 4 gegen 2 Stimmen abgelehnt." Dann fragte der Vorsitzende den Staatssekretär Helfferich, ob er noch andere Gründe als die bereits bekannten für feine Zeu­genverweigerung gegenüber dem Abg. Cohn habe.

Helfferich:Zeugenvrrweigenmg liegt nicht vor. Ich kann nur wiederholen, daß ich nicht in der Loge bin, dem Abg. Cohn Rede und Antwort zu stehen. Die Gründe habe ich bereits mitgeteilt."

Goth ein:Der Ausschuß ist der Meinung, daß irgendwelche Gründe zur Verweigerung eines Zeugniffes gegenüber einem Mitgliede des Ausschusses nicht vorliegen, und daß dies Verholten, das der Staatssekretär Helfferich an den Tag legt, einer allgemeinen Zeugnisverweigerung gleichkommt." Zum Zeugen:Sie werden abermals auf Grund der Strasprozeßordmmg zu der höchstzulässigen Strafe von 300 «it verurteilt, und zwar mit 4 gegen 2 Stimmen. Das Einspruchsrecht steht Ihnen in der gleichen Weise zu. Sie können sich beim Gesarntaus- schusse beschweren."

Helfferich:Eine zweimalige Verurteilung zur Geldstrafe in solcher Angelegenheit gibt es nach meiner Ansicht nicht."

Gothein:Wir können uns jetzt darüber nicht unterhalten "

Helfferich:Ich erhebe wieder Einspruch."

Dienstag werden Hindenburg und Ludendorff ver­nommen.

Heraus mit unser»» Gefangenen.

In zehn großen Verfammlungen vereinigte sich die Bevölkerung Eroßberlins, um nochmals nachdrücklichen Protest zu erheben gegen die Zurückhaltung unserer Ge- fangenen in Frankreich. Don den Versammlungen wur­den zwei Entschließungen angenommen. In der ersten, die durch Funkspruch an alle Kulturvölker der Erde verbreitet werden soll, wird gesagt, daß der Oberste Rat seine Derpftichtunzen nicht erfüllt habe. Zwölf Monate nach Abschluß des Waffenstillstandes warteten die deut­schen Gefangenen in Frankreich vergebens auf die Be­kanntgabe des Datums ihres Abtransportes. Ein neuer Winter bringe den Gefangenen und deren Angehörigen den seelischen und körperlichen Zusammenbruch und Tod. Trotzdem verlange di« französische Presse die Zurückhal­tung der Gefangenen als Pfand, und der Oberste Rat drohe mit Zwangsmaßnahmen. Das deutsche Volk for­dere die gesamte Me n s ch h e i t auf, sich zu verein i- gen in b e m Rufe nach sofortiger Heimlen- dung aller Gefangenen dieses Krieges. Eine zweite Entschließung verlangt ein energisches Vorgehen der Nationalversammlung für die Heimbeförderung der deutschen Gefangenen sowie Anweisung der Regierung an die nach Paris zu entsendenden Vertreter, daß für die Zurückhaltung der Gefangenen einschließlich der Inter­nierten von Scapa Flow alle Zwangsmaßnahmen aus­geschlossen sind, daß der Abtransport umgehend beginne und mit größtmöglichster Beschleunigung beendet werde.

Auch der Reichsausschuß deutscher Frauen, dem 204 Frauenvereine angeschlossen sind, und der Bund beut- scher Frauen zur Befreiung der Gefangenen hatten eine Kundgebung veranstaltet, die von Frauen aller Stände und Parteien besucht war. Die Rednerinnen brandmark­ten nachdrücklich die Zurückbehaltung der deutschen Ge­fangenen durch Frankreich.

Die deutschen Kriegsgefangenen

in Nordfrankreich.

Die »Deutsche Allgemeine Zeitung^ veröffentlicht einen Bericht der deutschen Sachverständigen- kommission für die zerstörten Gebiete Norbfrank- reichs. Nachdem die Zerstörungen in den einzelnen Abschnitten der französischen Front geschildert sind, heißt eS in dem Bericht weiter: Bei den Fahrten wurden zahlreiche deutsche Kriegsgefangene, scheinbar ohne allzu strenge Aufsicht, bei der Arbeit gesehen. Sie machten alle einen gesunden, gut genährten Eindruck und waren sehr rein bekleidet. Abgesehen von farbigen französischen Soldaten, die vor allem mit Bahnbauten beichäftigt waren, sind keine anderen fremden Arbeiter sestgestellt worden.

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In einer von den freien Gewerkschaften in Köln veranstalteten Versammlung wurde nach der Feststelluna, daß augenblicklich 250000 deutsche Kriegsgefangene beim Wieberausbau beschäftigt sind, eine Entschließung angenommen, nach ber sich die deutsche Arbeiterschaft bereit erklärt, die Kriegsgefangenen durch freie Arbeiter abzulösen und tatkräftig am Wiederaufbau der zerstörten Ge­biete zu arbeiten.

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Der Vertrag von Versailles im amerikanischen Senat Der amerikanische Senat hat am Freitag und Sams­tag eine Reihe von Vorbehalten zu den Verträgen von Versailles und St. Germain angenommen, durch die die Vereinigten Staaten sich in einen gewissen Gegen-

| Die Dinge im Untersuchungsausschuß |obcn die Entwicklung genommen, die wir vorausge- Kfafl1 haben, als ber Gedanke einer parlamentarischen Whltersuchung der Kriegsschuld von Scheibemann in die | Oefsentlichkeit gebracht wurde. Die Verhandlungen Beeten gewiß kein erhebendes Bild, nicht ein- [ mal immer ein würdiges Bild. Die Einigung des Vol- t kcs, die so bitter notwendig wäre, wird durch sie keines- JFntegs gefördert, im Gegenteil, die Leidenschaften wer- L Sen von neuem aufgepeitscht, das Volk wird nun erst Mrecht auseinanbergerissen.

Es braucht doch wirklich bei uns keine Erörterung r über Angelegenheiten mehr geführt zu werden, die nicht Wvehr zu ändern sind. Nutzen erwächst uns daraus r sticht Daß wir keineKriegsverbrecher" haben, ist Mieohl nachgerade jedem, der hören will, klar geworden. MLbgefehen von wenigen verbohrten Fanatikern weiß i jeder Deutsche, daß keiner der Männer, die im LAriege unsere militärischen und politischen Führer wa- l ten, bewußt und mit Absicht dem deutschen Volk Scha- Hen zugefügt hatten. All diese Männer waren von dem f ehrlichen Willen beseelt, dem Vaterlande zu nützen und Mer Volk aus seiner furchtbaren Notlage herauszu- I .reiften. Daß es ihnen nicht geglückt ist, hat abgesehen von der erdrückenden Gewalt der tatsächlichen Ver- Rhältniffe sicher nicht an ihrem Willen, sondern an. ihrer Wnzulünglichkeit gelegen und seiner Unzulänglichkeit -.wegen mag wohl die Geschichte, aber nicht ein Gericht einen Mann verurteilen, zumal dann nicht, wenn kein ^besserer da war, der an die Stelle des versagenden Staatsmannes oder des erfolglosen Heerführers ge- "setzt werden konnte. Auch Herr von Bethmann hat das Doppelspiel mit den zwei Eisen, die er im Feuer , zu haben meinte, doch nicht als ein abgefeimter Böse- wicht gespielt, sondern in der besten Absicht eines Hilf- ilosen, dem die Dinge übern Kopf wuchsen. Meinungs­verschiedenheiten und Fehlschläge sind bei der Entente auch vorgekommen, ohne daß deshalb ein besonderes .Verfahren eröffnet worden ist. Was ist nicht alles über das mißglückte Dardanellen-Unternehmen und über Marschall Joffres Kriegsführung in Paris ge­schrieben. Aber damit war es auch genug.

/ Soweit überhaupt im deutschen Volke Verständnis und Sympathie für die Tätigkeit des Unterfuchungs- ausfchuffes vorhanden sind, sind sie dem Verlangen nach Erkenntnis der Ursachen unseres Zusammen- . bruchs entsprungen. Diese Erkenntnis und das Su- chen nach Wahrheit haben indes nur g e s ch i ch t l i chen Wert: niemand wirb glauben, baß durch die Feststel­lung von Schuld und Versagen unsere jetzige Lage ge­bessert werden könnte. Sicherlich hätten wir in beiu Men von Kohlennot, Kartoffelnot und Verkehrssperre Wichtigeres zu tun, als von amtsmegen parteipolitische Propaganda zu treiben. Würdiger 'wäre es für das deutsche Volk, wenn es angesichts feiner harten, traurt- Mn Gegenwart weniger in den Verfehlungen der Ver­gangenheit herumstöbern und dafür mehr und mutiger an feiner Zukunft schaffen würde. Was hinter uns liegt, können mir nicht mehr ändern und wer es gut meint mit unserem Volke, der sorgt jetzt dafür, daß es zur Puhe kommt und einer gesicherten Zu- i kunft entgegengeführt wird. !

Die Vorkommniffe der letzten Tage haben sattsam erwiesen/ daß es sehr schwer ist, in einem politischen .Untersuchungsausschuß parteiliche und parteiische Mei­nungen ganz auszuschalten. Es kann so icht weiter« Wn! Wir können sonst noch allerhandFreude" «leben, wenn erst mal bet ganze aroße Apparat bes bochnatpemlichen Verfahrens mit Volldampf in Be­trieb gesetzt wird. Vorläufig arbeitet ja erst einer ^«"Eerausschüffe. Es ist-zu verlangen, daß die« yr Ausschuß zurückkehrt zu seiner gesetzlichen Auf« gäbe: Tatsachen klar zu stellen. Die vorgelade­nen Zeugen muffen angehalten werden, wirkliche Zeugenaussagen zu machen und nicht Abbo'aten- reden zu halten. Und die Außschußmitglieder selbst muffen ihr Fragerecht dahin beschränken, daß sie von «en Zeugen nur zweckdienliche Auskünfte verlan- gen, nicht aber Parteipolitisch verwertbare Schuldbe- ^nntniffe zu erpressen suchen.

Aus dem Gewirr der Meinungen und Schluß- ^Blsterungen sowie aus dem Rätselraten wegen der äülionschen Denkweise müssen die Verhandlungen mh wieder emporheben. Wenn das dem Vorsitzen« «n und den beionneren Mitgliedern nicht gelingen sollte, dann würde der Reichstag eingreifen müssen,' r? s«n Werk vor einer Verschandelung zu bewah­ren und eine weitere Bloßstellung Deutschlands zu »fluten.

Hoffnungslose Debatten.

»Aach den Vorgängen vom Samskaq im parlamen- «nschen Untersuchungs-Ausschuß sah nton S Montagsverhandlungen mit einer begreiflichen «mung entgegen. Schon am Samstag barte der rersuchumgs-Ausschuß beschlossen, weiter zu tagen itrenge nach den mehrfach betonten Richtlinien zu «naf/ten. Helfferich »ist wiederum geladen worden M 'st auch erschienen. Der Andrang zum Zuhörer- ist überaus stark. Im Verhandlungsraum sieht Bw eine groß« Anzahl von Abgeordneten, auch Eich. 2*11, ber , svcrrtakistische Berliner Polizeipräsident be- Wckigten Angedenkens, ist. zur Stelle. z W.Jn den, Verhandlungen wird diesmal voer beiden ®ei:en große Mäßigung gelüst, doch ist der 06= Mutende verhaltene Grimm unverkennbar. (9 o t=

in stellt zunäckist wer weiß zum wievielten Male! iT" Mieder einmal dieAufgaben" dieses Ausschusses Nur Unrcrsuchungskommissionen, kein Gericht!

Ae t h m a n u ist dann der erste, der in der Debatte W^Wort erhält. Er wendet sich dagegen, daß jetzt Wn in der Presse Schlußfolgerungen an die Ver. «Mungen geknüpft werden und insbesondere nimmt ® Stellung gegen den vomVorwärts" aufgenommr-

Vorwurf, daß.das Volk hinters Lickst geführt war- Iti. Der Reichstag hätte garnicht im Zweifel sein Mnen, daß der U-Bookrieg auch Amerika mit in den hineinziehe. Es sei bei der ganzen damaligenöage querhin unmöglich gewesen, die Parteien ins Ver­

'« ^66 1 Verantwortlich für den rebottionetten Teil: Karl Schütte, i. w« Hr die Anzeigen: I. P a r z e l l e r, Fulda. Rotationsdruck.

siitze des Ministers Heine für die Anstellung der Beamten. Solange die Umsturzbewegung andauert, halten wir den Belagerungszustand für notwendig. (Lebh. Beifall: Lärm bei den Unabhängigen.)

Abg. Dominicas (Dem.) verurteilt di« beutfefj nationale Art, die Hindenburgverehrung parteipolitisch anszunutzen und setzt sich für die aus Effaß-Lothringen vertriebenen Beamten ein.

Abg. Ludwig (Unobh.): Die Demfchnationalen haben nach unserer Ansicht dasselbe Recht zu demonstrieren wie andere, denn wir erkennen dm Besiigerungszustand über­haupt nicht als berechtigt an. Der Mimsterpreäsident will mit feinetEinheitsfront" einen reaktionären Block gegen links, (Lebh. Widerspruch bei den Soz.) Die Redr des Ministerprästdenten ist ein Bild der Hilflosigkeit der sozialistifchm Regierungsmitglieder. Wollen sie denn war­ten, bis sie hinausgeworfen werden? Wollen sie nicht freiwillig gehen?

Flmmzmlmsker Südekmu: Glaubt man wirklich auf der äußersten Linken, daß eine Umgestaltung der poli­tischen Verhältnisse in Deutschland nach dem Muster Sow- jctrußlands mügllch wett, ohne daß die Entente sofort Eingriffe? Die Errichtung der Diktatur des Proletariats wurde das Elend des deutfchen Volkes nur namenlos steigern. Kann auf der anderen Seite jemand im Ernst § tauben, daß das deutsche Volk und die Koalition unserer ieinde es zulassen würben, daß der Krimskrams der 22 deutschen Dynastien wieder eingeführt würde, im Ernst glauben, daß die Entente, die den Kaiser vor Gericht stel­len und verurteilen will, die Wiederherstellung der Herr­schaft dieses Mamies dulden würde? Die Hoffnung auf die Weltrevolution ist eine Chimäre und die Hoffnung auf die WiEdereinfuhrung bsr Monarchie eine Illusion. Wer nur eine Spur von Gerechtigkeit hat und nicht befangen ist, muß sich jagen, daß die Leistungen des deutschen Vol­kes feit dem 9. November bewundernswert feien. Am wichtigsten ist die Zusammenarbeit, keine Verwischung der ParteigegensätzE, abEt Unterordnung der eigenen politischen Aspirationen unter die Bedürfnisse ber Gesamtheit. Auch die RedemühleN im Parlament /sollten etwas weniger in Betrieb gehalten werden. Noch jetzt, kurz vor Weihnach. ten ist ber Staatshaushalt noch nicht durchberaten. Seine Illusionspolitik, keine Handgranaten von links und keine Verschwörungen von rechts! (Beifall.)

Abg. Leidig ID. Vpt.) sicht in den Kundgebungen zu Ehren Hindmbuktzs nichts als spontane Begeisterung der Jugend. An eine Gegenrevolution denke niemand. Sein« Partei werbe sich öem Wiederaufbau nicht entziehen. Es werde ihr aber sehr erschwert, ja fast unmöglich gemacht, wenn die Verfassung, die der Minister ankündigte, lebig« lich unter den Mchrheitsparteien vereinbart werden soll.

Abg. Dr. Hoehsch (deutschnatl.): Es muß etwas ge­schehen, um Ostpreußen, das jetzt räumlich vom übrigen Staate getrennt wird, uns nicht zu entfremden. An eine Gegenrevolution denkt niemand. (Widerspruch links.) Die Geschichte erweist es aber, daß für unser Volk nur die monarchistische Staatsform paßt. Die finanzielle Miß-^ wirtschaft, die die Revolution erzeugt hat, machm wir nicht mit Der Antisemitismus ist jetzt eine große natio­nale Bewegung geworden.

Dienstag: Fortsetzung.

könnte sich ein gutes Beispiel

Vergangenheit nehmen. Das . _ .

system hatte auch seine Schatten. Wir billigen die Grunde

und 500 Mark Kriegsanleihe

1000 Mark Deutsche Spar< Prämienanleihe.