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Nr. 265. I I Montag 17. November 1019. I XttW»
Preis mcnslt I 45 lahm : Fuldaer Zeitung I " J > M
Böswillige Erfindungen.
Wlb Scdin. 15. Nov. (Amtlich.) In der „La de Paris", dem Einheilsblatte, das m Paris -Sen deck Siegerftreifes erscheint, bchauchet dje „Äk-
schichie mit dem russischen (Selbe bereits im Februar m der Naiionoloersammtung richtig gestellt habe. Er habe erst am 6. November 1918 in gewissem Betrage Geld van Soffte erhalten, das fei aber für russische Kricgsgefavae ' in Deutschland und zu politischen Zwecken seiner (der ..unabhängigen") Partei bestimmt gewesen. Unter leb!>aster Bewegung im Saale ließ er sich zu den Worten hinreißen, daß Dr. 1) e l f s e r i ch in diesem Untersuchungsverfahren allerdings der Angeklagte sei -. G oth e in fährt sofort dazwischen imd rügte diese Aeußerung Cohns, die zu dcn Pflichten Les Untersuchungsausschusses im Widerspruch siche. Dr. Cohn fährt indesfen fort mit seinen Anschuldigungen gegen Helf- strich. Helsferich will antworten. Gothein sagt ihm, daß er jetzt nicht das Wort habe. Hel'fferich: Dann werde ich aushöreri, Zeuge zu sein und den Saal »erlassen. Er steht auf, packt seine Papiere zrrsammen und wendet sich zum Ausgang.
Der Vorsitzende: „Der Ausschuß wird über die Schritte, die sich nun gegen Sie ergeben, Beschluß fassen. Ich hebe die Sitzung auf."
Nach der öffentlichen Sitzung trat der Unterausschuß zu einer vertraulichen Besprechung zrisammen. Es wurde beschlossen, mit den Verhandlungen am M o n- tag s o r t z u f a h r e n und neben dcn bisherigen Zeugen den Keneralseldmarsck>all von Hindenburg und General Ludenborff zu laden. Die 'Verhandlungen werden mit der Vernehmung von Generälfeldmarschall von Hindenburg beginnen, um ihm die Unbequemlichkeiten des Aufenthaltes in Berlin möglichst abzukürzen.
Erneute Hindenburg-Kundgebungen.
$n Vertin kam es am Freitag wieder am sog. Großen Stern und vor dem Reichstag zu Kundaebungen von vielen, Tausenden Berliner Studenten und Schülern, die Hindenburg galten. Als Hindenbur 3 Auto erschien, wurde cS von brausenden Hochrufen auf Hindenburg umtönt. ES erschollen auch Rufe „Nieder mit der Revolution", „Nieder mit der Iudenregierung". Hinden. bürg beugte sich aus dem Wagen und bat wiederholt, die Straße freizugeben. Vor dem Reichstag hielt einer der Demonstranten eine Ansprache, in der er erklärte, daß sie nicht „den größten Feldherrn Deutschlands wie einen dummen Jungen vor dem Ausschuß verhören lassen wollten". Uebrioens war Hindenburg an dem Tage nicht geladen und es ist ein Irrtum, wenn manche Blätter melden, daß man Hindenburg an dem Betreten des Reichstagsgebäudes verhindert habe. Er hat dieses gar nicht besuchen wollen.
Hindenburg erläßt eine Kundgebung, in der er der Berliner Bevölkerung für die Aeußerungen persönlicher Ehrung dankt und mit Rücksicht auf den bestehen, den Belagerungszustand bittet, von weiteren Kund, gebungen, die den Verkehr und dir öffentliche Ord- nung erschweren könnten, abzusehen. — Das Ober- kommando hat aus demselben Grunde weitere Kundgebungen ausdrücklich verboten. — DaS Kultus, Ministerium läßtmitteilen, daß bei aller Würdigung der Gefühle der Liebe und Verehrung für Hindenburg eS nicht dulden werde, daß diese berechtigten Gefühle von politischen Drahtziehern zu parteipolitischen, gegen die neue Rechtsordnung gerichteten Kundgebungen miß» braucht würden. Gegen die Schulleiter bet' an den
Kundgebungen vorzugsweise beteiligten Lehranstalten eine Untersuchung eingeleitet worden.
Lärmende fiunbgebungen gegen Erzberger.
Sn einer von der Deutschen Liga für den Völkerbund für Freitag abend in Berlin noch der Philharmonie einberufenen Versammlung sollte Reichsminister r z b e r - 6et über das Thema „Nationalstaat und 2...kcrbund" sprechen. Der Zudrang zu der Veranstaltung war enorm. Die andrängenden Massen sprengten die Saalkontrolle und stauten sich noch zu Tausenden vor den Eingängen. Bei der Eröffnung der Versammlung ließ eine sofort ein» setzende Opposition den ersten Redner, Prof. Dr. Goetz (Leipzig) kaum ein paar Sätze sprechen. Sie pfiff und schrie und verlangte ungestüm nach Erzberger, der sein Eintreffen erst für später angesagt hatte. ' Die Opposition ließ sich durch keinen Hinweis auf die Reihenfolge der Vortrage zum Schweigen bringen und drohte schließlich, nach Erzbergers Wohnung zu ziehen und ihn selbst zu holen. Jeder Versuch des Vorsitzenden Prof. Dr. Schücking und anderer Herren, Ordnung zu schaffen, wurde in der wüstesten Weise niedergeschrien. Rur dem deutschnadionalen Wg. Laverrenz gelang es, sich einigermaßen Gehör zu verschaffen. Ms sich Prof. Goetz weigerte, bei dem allgemeinen Lärm weiter zu sprechen, schloß Prof. Schücking die Derfammlung, die der Abg. Laverrenz aus eigener Machtvollkommenheit als Vorsitzender f o r t f e tz t e, indem er einem aus der Kriegsgefangen- fchaft heimgekehrten Rittmeister das Wort erteilte zur Berichterstattung über feine Schicksale, wobei Laverrenz in , Aussicht stellte, bann, nachdem die Versammlung sich be- ‘ ruhigt hätte, „mit Er z b e r g e r selbst abzurechne n". Unter Schmäh rufen und Johlen griff er dann Erzberger auf das heftigste an. Als er die Befürchtung ousfprach, Erzberger werde den deutschen Namen auch in Zukunst schädigen, rief ein junger Bursche: „Armer Erzbergeri Er lebt nicht mehr lange!"
* Die Aushebung deS Kriegszustandes in Bayer,, unfet geiv'ssen Einschränkungen ist mit Wirkung ab 1. Dezember ausgesprochen worden.
* Eie wollen bei Deutschland bleiben. Die Gemeinden Schönwalde, Lindebudeu und Kleinwöllnitz richteten an das Auswärtige Amt das dringende Ersuchen, dahin wirken zu wollen, daß dis Gemeinde» bei Deutschland verbleiben; neben 600 Deutsche» seien in den drei Gemeinden nur 120 Polen.
* Stillgelegt.. Durch die technischen Schwierigkeiten, die sich infolge deS Angestelltenausstandes ergeben, hat sich die Firma Heinrich Lanz in Mannheim gezwungen gesehen, ihren gesamten Fabrikbetrieb einzustellen.
* 1km der Kohlennot zu steuern, haben bie würtiembergischen Eisenbahnarbeiter beschlossen, wöchentlich zehn lieberfiunbe« zu leisten. Wieder einmal sind die klugen Schwaben dem übrigen Deutschland unt zehn Pferdelängen voraus.
Ein französisches Militärlager am Nhei«. Tel seinem Aufenthalt in Straßburg machte Clemenceau die Andeutung, daß die Stadt zu einer Hauptfestung für Frankreich ausgebaut werden solle. Das ist wohl dahin zu verstehen, daß dort ein durch eine neue Linie von Forts zu schützendes große? Militärlager errichtet werden soll, dar dann die ganze Rheinlinie beherrschen wird. Dort würde eine stärkere französische Armee aufgestellt werden können, als Deutschland überhaupt Soldaten zählt. Bon der Abrüstung, die einen hervorragenden Punkt von Wilsons Dölkerbund-Programm bilden sollte, ist schon jetzt kerne Rede mehr.
* Ein mißglückter Fluchtversuch. Einige Offiziere der deutschen Marine, die an der Versenkung der deutschen Flotte in Scapa Flow beteiligt waren, haben einen Fluchtversuch aus dem Lager bei Leeds unternommen, in dem sie interniert waren. Sie haben einen unterirdischen Gang hergestellt, der aber infolge falscher Berechnung außerhalb der Um« zäurmng gerade dort mündet?, tvo die Schildwache stand. Diese vereitelte den Fluchtversuch.
. * Das „wohltätige" England. Aus London wird gedrahtet: Chamberlain teilte im Unterhause mit, daß die britische Regierung sich bereit erklärt habe, für jedes Pfund Sterling, welches von Wohl- täiigkeitLinstituten o>er Privaten für die Hungernden in Europa gestiftet würde, ebenfalls je ein Pfund beizusteuern bis zum Höckstbetrage von 400000 Pfund Sterling. Weiter erklärte Chamberlain, daß auch die amerikanische Regierung einen größere» Betrag unö auch Frankreich und Iialien Heinere Beträge zur Verfügung gestellt hätten. — (Warum kommt England, wenn cs ihm wirklich ernst mit seiner Hilfe ° ist, nicht auf bin Gedanken, zunächst einmal die Blockade aufzuheben? Es j>v eben die alte Scheinheiligkeit.)
* Tas belgische Königspaar ist von seiner Ame- rikarrise nach Brüssel zmuckgelehrt.
Genug der Demonstrationen.
Straßendemonstrationen für Hindenburg mit „Heil dir im Siegerkranz", Sprengung einer Versammlung der Liga für Völkerbund durch deutschnarionale Hetzer nebst Demonstrationen gegen Erzberger und die „Judenregierung" Unruheszenen in der Landesversammlung hervorgerufen durch den konservativen Abg. v. Graef, großer Krach im Untersuchungsausschuß, der zum Rücktritt dcs konservativen Vorsitzenden führt: das war wirklich genug für den Samstag.
Daraufhin wiederholt in einem Leitartikel des Vorwärts Scheidemann leidenschaftlich seinen Kriegsruf: „Genossen, der Feind steht rechts" und er beklagt sich wieder einmal über Noske, der nicht energisch genug einschreite. Jetzt gehe der Kampf an in dem cS sich um Leben und Tod der Demokratie handele: Sie Wortführer des Proletariat» müßten einsehen, daß der Wille zur Macht und zur Einigkeit ihre höchste Verpflichtung gegenüber den Massen sei. Scheidemann will durchaus seinen Ruhm darin suchen, daß er die Wiedervereinigung der sozialistischen Parteien durchsetzt. Wetzn er das erreichen sollte, würde er »ich: die Demokratie gerettet, sondern vielmehr die „Diktatur des Proleta- • riats" ungebahnt haben; denn die Mehrheits’oza- listen müßten sich dann dem Machtwillen der Radikalen fügen, die von ihrem Streben nach Klassen- berrschaft durch eine „Räteregierung" nicht ablassen können und nicht oblassen wollen.
All die erwähnten Zwischenfälle sind sehr bedauerlich, weil sie das gefährden, was Deutsch- land jetzt am ollernotwendiZsten braucht: Ruhe, Arbeit, Ordnung im Innern und Vertrauen im Ausland. Aber daß die Vorgänge eine ernste Gefahr für die gegenwärtige Staatsordnung bilden, ist bei ruhiger Beobachtung nicht zu erkennen.
Ein Kanaljubttiium.
8 Dor 50 Jahren, am 16. November 1859, wurde Bficr Suezkanal unter großen Feierlichkeiten eröff- ■net Der Kanal selbst besteht noch, aber das interna- Mionale Friedenswcrk ist zu einem Machtmittel der eng» Ulischm Weltherrschaft geworden.
Damals stand Frankreich im höchsten Glanze Ida, auf politischem wie auf kulturellem Gebiete. Die »Anregung zur Wiederherstellung des alten Wasser- krvcge; zwischen dem Mittelländischen und dem Jndi- M scheu Meer war zwar von Oesterreich ausgcgangen, «aber der Ruhm der Ausführung gebührt der Pariser x Gesellschaft, die sich unter Ferdinand von Lesseps bil- Wdete. Dieser große Techniker hat freilich später seinen Machnihm arg gefährdet, als ein neues Unternehmen Derselben Art, de» Panamakanal, auf seine altert jferhultern nahm und schmählich verkrachen ließ. Der »Suczkanal war inzwischen durch Ankauf der Aktien so- .... wir durch politische und militärische Hilfsmittel von den Engländern den französischen Gründern und dem in» ternationalen Gedanken entwunden worden. Wenn die Franzosen nicht gerade jetzt so eng an John Bull verkettet wirre», so müßten sie beim Jubiläum wehmütig empfinden, daß sie von ihrer überragenden f Weltstellung herabgedrückt sind. Der neuerliche Sieg hn Weltkrieg ändert daran nichts. Denn Frankreich hat de» Lorbeer nicht aus eigener Kraft errungen, sondern verdankt olles, was es hat und noch bekommt, der Hilfe Englands. Daraus erklärt sich auch die große i Angst vor einem wiedcrgenefendeu Deutschland; denn mau fühlt, daß die .^Grande.Nation" für sich allein auch dem verstümnrelten Nachbar nicht gewachsen ist und daß der englische Schutz nicht für alle Zeiten ge- sichert ist.
h Frankreich hat, um sich Englands Hilfe zu sichern, nicht nur auf den Suezkanal, sondern auf Acgyten verzichtet, obschon es mehr Anrechte auf das Phoraonenland hatte, als England. In der Abmachung vor 15 Jahren, die Frankreich - sein Erstgeburtsrecht im t Orient mit dem Linsenoericht von Marokko abkaufte kann man die letzten Wurzeln des Weltkrieges er» .blicken. -
So wurde der Suezkanal, der ursprünglich als Friedeuswerk gedacht war, zu einem Einschlag in das Kriegsgewerbe. Während dcs Krieges war dieser Wasserweg eine wesentliche Stütze für die Heran- hiehung von persönlichen und materiellen Streitmit- rein aus Indien und Australien. Der Vorstoß der Türken unb ihrer deutschen Helfer gegen den Suez- i kau al verlies leider im Sande.
I An ter Eröffnungsfeier im Jahre 1859 nahm puch der Kaiser von Oesterreich und der deutsche Kronprinz tert. Welch eine Wandlung seit 50 Jah- ren In daS halbe Jahrhundert fällt der glän- . zmde Aufstieg der Mittelmächte unb’ die Verhängnis« “^Je Kraftprobe, die zum Zusammenbruch führte.
Wie lange wird es noch dauern,’ bis wieder einmal ein großes Friedenswerk gefeiert werden kann unter Beteiligung von Vertretern aller Kulturstaaten, auch aus Deutschland und Oesterreich?
Den „Friedensbund" hat uns Wilson versprochen. Aber bis jetzt sehen roh- nur die Fortsetzung der Entente. Im Jahre 1859 war man einem Frie- .ocnsbunde näher als jetzt.
k Nach dem Gelingen veS Suezunternehmens wuchs der Gedanke empor, auch die Landenge von Panama zu durchstechen und so im Westen eine neue Handelsstraße vom Atlantischen in den stillen Ozean zu dringen. Wir sagen ohne Eifersucht: Schade, daß die Franzosen nicht auch dieses Unternehmen al§ Friedenswerk zustande gebracht haben. Der Panama- . Eal ist ja schließlich fertig geworden, aber nur al3 Autarisch -politisches Unternehmen der Vereinigten Staaten, nicht als freies Hilfsmittel des Verkehrs und des Kulturfortschrittes, überdies mit mehr Gewalt, als mit vollendeter Technik durchgesührt.
' SO Jahren ärgerten sich viele Deutsche über die Machtstellung Napoleons III. und seiner Franzo- ien. Wie haben wir uns gefreut, als diese nervöse Vorherrschaft gebrochen wurde? Jetzt freilich sind wir aus dem Pariser Regen in die englische Traufe oder gar in die Sintflut gekommen.
Eine schwerwiegende Entscheidung.
Keine Kohle für Industrie und Haus l ^ Von zuständiger Stelle wird mitgeteilt: In der Ahlenv-rsorgung wurde eine schwerwiegende Ent- Meldung getroffen. Trotz aller Bemühungen, die Vorräte der Eisenbahnen an Dienstkohle zu er« ^ogen, haben die letzten Wochen todtere Vermin- ®Ölungen der Bestände gebracht. Einzelne Eisen- «ahndircktionen haben kaum noch für drei Tage sforräte. Im Durchschnitt sinkt der Vorrat in jeder ^Loche um einen Tagesverbrauch. Abgesehen davon, W sich auf diese Weise nicht noch ein ganz unwirtschaftlicher Betrieb führen läßt, muß dieser Zustand un- sehlbar zum Zusammenbruch führen., -oricht oder der Eisenbahnverkehr zusammen, so hört auch die allgemeine Kohlen- unb Lebensmittelversorgung auf. Vor dieser fundamentalen Ge- kah': muß im Augenblick alles andere zurücktreten. Um chr zu begegnen, haben sich die verantwortlichen Stel- der Regierung zu einem Gewaltmittel ent Ichwssen. Die Eisenbahn en werden in den Wachsten Tagen an allererster Stelle ^liefert werden, bis sic wieder einige Vorräte o-tben. Cs wird versucht werden, die lebenswichtigen betriebe hierunter möglichst wenig leiden zu lassen. rle übrigen Verbraucher und die Industrie, insbesondre die Großeisenindustrie und der Hausrand, werden stark in Mitleidenschaft gezogen, schwere Schäden werden im Gefolge dieser Maßnahmen nicht ausbleiben. Sic sämtlich zu vermeiden, ist "»er bei der jetzigen Lage nicht möglich. 3m Augenblick müssen wir aste Kräfte zufammenha-ten, k & schwerste Gefahr, dcn Zusammenbruch des Ei- niwahnbetriebcs abzuwenden, ohne Rücksicht auf den Ladern der dadurch an andern Stellen entstehen SSF» 2st diese Hauptgefahr behoben, so können wir ?°nen, auch der anderen Gefahr Herr zu werden unö inzwischen anderwärts entstandenen Schaden wic- gut gu machen.
iton Francoife", sie besitze einen offiziellen Bericht dcs Direktors des deutschen 'Propagandadienstes, aus dem heriergehe, daß deutscherseits Agitatoren nach Frankreich entsandt werden sollen, um dort bolschewistische Propaganda zu treiben. Diese Agitatoren seien mit bedeutenden Geldmitteln ausgestattet und hätten in Berlin Unterricht im Bolschewis- muä, erhallen. In demselben Blatt schreibt Maurice Bares, Deutschland unterstütze in der ganzen Welt den Bolschewismus mit Geldmitteln, weil es im Bolschewismus das letzte Mittel sehe, durch das es sich der Ausführung des Friedensocrirages entziehen könne. Weiter wird in der „La Presse de Paris" die Behauptung auigesiellt, daß der Pariser Setz er streik auf deutsche Machenschaften zurückzuführen und daß auch die unter den Angcstcstten der französischen Post herrschende Unruhe durch deutsche Treibereien verursacht sei.
An diesen Behauptungen ist kein wahres W o r t. Es handelt sich hier um böswillige E r- f i n d u n g e n unb völlig grundlose Vcrleu m° düngen.
Tie Baltentruppen.
* Berlin, 15. Nov. Ter Begleiter cher Entente«» kommission für das Baltikum, Admiral Hopmann, hat Mitteilung erhalten, daß der Führer bet' russischen Westarmee, Awalosi Bermondt, sich mit seiner ganzen Armee gestern nacht dem Befehl deS Generals von Eberhard unterstellt hat. Dieser wird alles versuchen, die geordnete Rückführung der ehem. reichsdeutschenTruppen zu ermöglichen.
Sollte sich diese Meldung in ihrem ganzen Umfang bewahrheiten, so wäre dieser Umschwung im Baltenlande von großer politischer Bedeutung.
Konflikt im Untersuchungsausschuß.
Zeugnisvcrwelgerung Heffenchs.
Am Samstag begann dis Sitzung des Uniersuchmigs- ausfchusses, die die am meisten aufgeregte der ganzen bisherigen Tagung war, mH der Feststellung dcs Vorsitzenden, daß die Ausführungen des Reichsmimfters Dr. Do- v t d vom Tage vorher über den Vermittelungs- verfuch einer neutralen Macht amtlich in keiner Weife gedeckt werden können. Ein Urteil über dcn Wcrt dieses Versuches fei überhaupt noch nicht möglich, da zur- zeit lediglich ungeprüfte Unterlagen Vorlagen.
Darauf fuhr der Ausschuß mit der Befragung des che- maligen stellvertretenden Kanzlers Helffcrich fort. Dr. Helffcrich legte nochmals di« Gründe auseinander, weswegen er die politische Verantwortung für den U-Bootkrieg übernahm, das., find erstens feine Zweifel an dem Friedenswillen Wilsons, dami trie unbedingte Ablehnung dcs Friedensangebots durch die Entente und drittens die mili- „ törrfchc Notwendigkeit. Zur Beurteilung der öffentlichen Meinung in Amerika ging man dann naher auf den Fall des Generalkonsuls Bunz in Newyork ein, der trotz seiner 75 Lahre von den Amerikanern wegen Bruches der Neutra- liiüt verhaftet wurde und im Gefängnis starb. Zu dieser Angelegenheit stellt Dr. Cohn eine Frage an Helfstrich, die er, als der Vorsitzende sie als nicht zur Sache gehörig zurückwles, damit begründete, daß die Frage wichtig fei zur Feststellung der Methodik der Hslsferichschcn Aus- sagen: Ans der Antwort dürfte mit hervorgchen, was mir von den Ausführungen Dr. Helsferichs zu halten haben.
Darauf Helsferich: Ich habe bisher noch niemals Fragen Dr. Cohns direkt beantwortet und bitte, mich davon auch weiterhin zu befreien. (Entrüstung bei den Aus- fchußmitgliedern.)
Der Vorsitzende stellt fest, daß dies eine Zeugnis- Verweigerung gegenüber einem Mitglieds des Ausschusses sei und bittet um nähere Aeußerung. Helsferich erklärt : Der Ausschuß ist ein merkwürdiges Gemisch zwischen einem Zeugen unb einem Angeklagten. Und auf einen Vermittlungsversuch des Vorsitzenden antwo >i er: Wir wollen uns doch feinen blauen Dunst vormachen. Ich fühle mich hier vom ersten Augenbl-ick au als Angeklagter. Wäre dies mm ein Gerichtshof, so würde ich Dr. Cohn als Richter ablehnen. Die Herren werden wissen, worauf ich abziele, und ich bitte, sich mit dieser Andeutung zufrieden zu geben, um Schärfen zn vermeiden. Wenn Sie mich aber Zwingen, so werde ich auch darüber Auskunft geben.
Darauf zieht sich der Ausschuß zu 1Z4stündiger, geheimer Beratung zurück und saßt folgenden Be- schloss mit 4 gegen 2 Stimmen unter Stimmenthaltung des Wg. Cohn:
„Der Ausschuß ist kein Gerichtshof. Seine Verhandlungen sind auch kein Vorverfahren für den Staatsgerichtshof. Er hat kein Urteil zu fällen. Die Ablehnung eines Beisitzers ans persönlichen Gründen ist nicht Mässig, ebensowenig die Nichtbeantwortung der Fragen, die ein einzelnes Mitglied stellt. Eine Ablehnung der Beantwortung von Fragen steht einem Zeugen nur aus den Gründen dec Strafprozeßordmmg zu."
Hier unterbrach der Lorsttzende feine Verkündung ttnb fragte Helfsench, ob er nun die Fragen Dr. Cohns beant» Worten wolle. Helffcrich erwiderte: „Dieser Beschluß hat meinen Standpunkt nicht geändert. Ich werbe die Fragen des Herrn Cohn nicht beantworten.* * Schwüle Stille. Der Vorsitzende fährt dann in der Vorlesung des Beschlusses fort:
"Für diesen Fall hat der Ausschuß wieder mit vier gegen zwei Stimmen bei einer Stimmenthaltung beschlossen, daß Dr. Helfferich, weil er sein Zeugnis verweigert hat, auf Grund der Strafprozessordnung zu einer Geldstrafe von 300 M verurteilt wird." Dazu be» merke ich persönlich,' daß beide Beschlüsse meiner Auffassung nicht entsprechen. Ich lege daher den Dor- | fitz im Ausschuss nieder. (Lebkpfter Beifall bei einem Teil der Bresse und der Zuhörer.) Ich übergebe I ihn dem stellv. Vors. Abg. Gothein.
Dors. Wg. Gothein droht zunächst mit den fchärf- sien, ihm zustehcnden Massnahmen gegen Pressevertreter unb Zuhörer, wenn sie sich weiter derartige Kundgebungen zuschulden kommen lassen sollten. Weiter feilte er mit, d^ss auf besonderen Wunsch Dr. Cohns Staatssekretär Dr. Helffcrich seine persönlichen Gründe gegen diesen Beisitzer des Ausschusses vortragen solle.
Helsferich wollte erst die Gründe wissen, die den Ausschuss zu dcr Verhängung einer Geldstrafe befugten. Gothein erwiderte scharf: „Darüber hat der Ausschuß keinen Deschluß gefaßt. Ich gebe Ihnen anheim, sich beim Gefamtattsschussc zu beschweren." Als Helsferich darauf begann:, „Ich stelle fest . . .", fiel ihm Gothein in» Wort und rief: „Sie können hier nichts feststellen."
Nunmehr begann Helsferich mit ber Darlegung feiner pcrfönsichen Gründ- gegen ben Ada. Cohn: „Nach meiner Auffassung ist Dr. "Cohn am Zusammenbruche Deutschlands ausserordentlich beteiligt. Nach einem Telegramm des Herrn Joffre hat sich Herr Dr. Cohn, als unfere Truppe» im schwersten Ringen an der Front standen, Geld aus Rußland zur BerfügMg stellen lassen, nm unser Aaterhzind zu revolu Monieren." Das ist der Grund, warum ich mich weiaere, Fragen des Herr» Dr. Cohn zu beantworten. Die können Zwangsmittel anwenden, werden mich aber nicht veranlassen können, Herm Dr. Cahn Antwort zu geben."
Abg. Dr. Cohn bezeichnete die Ausführungen Helffe- rfcks M wnitüfio und berief sich darauf, daß tr dir Sc» ,
Die Umstürzler von links haben schon ganz anders demonstriert. Nämlich nicht allein mit Hochmsen und Gesönoen, sondern mit Maschinengewehren und Hand» granctro. Die Ovation für den oMemem verehrten Feldmarschall könnten erst dann beängsttgend mcTven, wenn der Geleierte selbst Neigung kundgabe, sich tm die Spitze einer Aktion zu stellen. Das ist aber n: ch r der Fall: vielmehr hat Hindenburg an seine Verehrer einen höflichen, aber deutlichen Mahnruf zm Mäßigung ergehen lassen. ’
Wenn die Regierung Unterstützung wünscht tn dec Abwehr der Demonstrationen, so darf sie d:e Helfeg nicht bei den Unabhängigen und Kommunisten suchen, denn das hieße die Böcke zum Gartenschutz berufen. Der einzig richtige Weg ist die Pflege und Stariung der gegenwärtigen Koalition, auf der die Dersaj» jung und die Ordnung begründet sind.
Bleibt die Regierung fest, so werden, dte monar« chistischen Demonstrationen bald verpuffen, da es ja schließlich jedem besonnenen Anhänger der Monarchie zum Bewußtsein kon'.men muß, daß unter de:r obwaltenden Perhöltnissen eine Gegenrevolution nichts anderes bedeuten würde, als die Vorbereitung zu einer bolschewistischen Ueberrevolution. )
Die Hand Rostes kann nicht alles machen. Es gilt die Quellen der Unzufriedenheit zu stopfen und die Wurzeln der Erregung abzugraben. Bor allem darf der Verlauf der Dinge im U n t e r s u ch n g » a u s < schuß nicht so weitergehen. Herr HelssertK hat mit unwillkürlicher Unterstützung von Dr. David uub Dr. Cohn dort dis wohlprüpariertc Bombe cm Samstag zum Platzen gebracht. Es schien einen Augenblick, als ob der ganze Ausschuß in die Lust fliegen: wolle. Aber es ist beim Wechsel im Vorsitz geblieben. Der neue Vorsitzende Gothein wird eine andere Ordnung und Disziplin gegenüber dcn Zeugen sowohl wie gegenüber den Beisitzern durchführen müssen, wemr weitere Skandale vermieden werden sollen. Sonst muß der Reichstag die Vertagung der Verhandlungen beschließen und eine neue Geschäftsordnung ausarbeiien.
Bei alledem darf man freilich den gefährlichsten Feind, die Radikalen von links, keinen Augenblick aus den Augen verlieren. .
Aus dem besetzten Gebiet.
Mtchung von Bürgermeistern. Die „Freie Pfalz", das Organ der pfälzischen Sonderbündler, schreibt im Anschluß an die Mitteilung von der Absetzung und Ausweisung des Oberbürgermeisters Glüsing irr Wiesbaden, daß nächstens in gleicher Weise auch tn der Rheinpsalz gegen „nachlässige Bürgermeister vorgegangen werde. Demnach wollen also die Fran^ zostn mit der brutalen, ohne ernstlichen Grund er« folgte Absetzung u. Ausweisung der Bürgermeister von Landau, Mainz unö Wiesbaden, nicht begnüge«, und man darf noch weitere Leistungen in dieser Richtung g» scheinend bald' ermarteN. — Wobei erwähnen ist, daß Gläung aus Wiesbaden verwiesen wurde, weil er gegen die Umwandlung bürgerlicher Wohnunaen in Freudenhäuser durch die Franzosen Einsp uch erhob.
Für drei Monate verboten wurde die Einfuhr der „Frankfurter Zeitung" und einiger anderer Blätter in daS besetzte Gebiet.
* Englische Justiz Das britische Kriegsgericht in Duren verurteilte einen Herrn Schöller, eine der angesehensten Persönlichkeiten DürenS, zu sechs Movaten Gefängnis, weil er die in seinem Hause von einem alliierten Offiziere bewohnten.Zimmer nicht genügend geheizt hatte. -