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Fuldaer Zeitung

Druck her Fuldaer Aciiendrrtckerei i» Fulda.

J

Zur Glockenfrage.

reicht immer noch nicht aus, tret erst unseren eigenen.. Bedarf zu decken. Steigerung der Kohlenförderung bleibt daher immer noch die dringendste Forderung Lcr Stunde!

Man hat über die Lösung unserer Kohlennot schon lange und breite Erwägungen angestellt und allerhand Mittel angegeben, von denen man sich eine Milderung rersprach. von Sozialisierung und Selbfttwst'mmuncw- recht der Arbeiterschaft wurde gesprochen, aber doch nur Verwirnmg angestiftet und vielfach die Not noch ver­größert. Uns kann nur ein Mittel helfen: Zu­rück zu Ruhe und Ordnung uni damit zu Fleiß und Arbeussreudigkeit! Wir sind groß geworden, weil wir das arbeitsfreudigste und ■ ordnungsliebendste Volk der Erde waren, und wenn wir uns von unserem tiefen Falle wieder erheben wollen, wenn die Not einmal wieder bei uns ein Ende nehmen soll, dann muß bei uns wieder geaHeitet werden, wie vor dem Kriegs.^Ms die Revolution aüsbrach, hat man von radikaler Seite die Politik in unfere Betriebe getragen und die Arbei­terschaft mißbraucht, vielfach sogar zur Sabotage vrr- leitet. Die Politik muß wieder heraus aus Werk­statt und Fabrik, der Arbeiter muh wieder zur Ruhe kommen, 'dann wird auch dir Arbeitsfreudigkeit wieder zunehmen.

Der deutsche Arbeiter hat sich früher wohl gesuhlt, wenn er seiner Pflicht nachging. Der Eedanbr, daß in der Arbeit nur sein Heil liegt, gewinnt jetzt wieder Wehr Loden. Ihn wach zu halten, muh als unsere vornehmste Ausgabe betrachtet werden.

Französische Pläne.

5n einem kürzlich erschienenen Aussatze der Zeit­schrift „L'outillage mbuftriet" schildert Victor Cawckcm die blühende deutsckL Industrie im besetzten Gebiet und fügt hinzu:

.Beim Besuchen dieses ganzen Herrschüftsgeb'etes der «MMvandien Wissenschaften bin ich auf den Gedanken aekommen, daß man eins Einrichtung für zeitweisen Aufenthalt der Zögliiws unserer großen Schulen schassen sänne. Das Ist ausführbar, denn wir haben die Mög- lichkeit, Eintritt in den größten Teil der Werks zu erlangen in Beoleitung eines unserer Wrt- schastsämter (remeiv.i sind jedenfalls de Offiziere der französischen Wirtschaftsömter), die zu den Besatzung?-

M 264.

Sarastag, 15. November 1919,

Xie bolschewistischen Greueltaten in Luck Thytomir.

Der Bischof ^gttatinS Dubowski vwr, Luck-Shhto- mtr hielt gelgentl-ch bet Konsekration bcS neuen pol­nischen Nuntius Wsg. Ratti zu Warschau vor der dort versammelten Bischöfen Polens eine Ansprache, die ol? ein Kulturdokument ersten Ranges in der Geschichte des Bolschewismus gewertet iverdeu &nn. .

linier enderm schildert er und bekräftigt seine Aus­sagen mit zum feierlichen Schwur erchobenen Rechten, daß er komme aus einem Lande, das noch in Rauch gehüllt ist von den dort durch ruchlose _ Bolschewisten. Hand angelegten Feuersbrünsten uni1 dessen Baden mir MarthreMut grfränfi fei Er selbst sei wie durch ein Wunder den bolschewistischen Verfolgern entgangen. In der Wschofsstadt Shvytomir feien die katholische« Priester in die Gefängnisse geworfen wor­den, allerhand Martern und qualvoll en Tod hätte man für sie ausgesucht, die vornehmsten Bürger seichl unmenschlich gefoltert und hinge« martert worden, selbst wehrlose Frauen und.Mad« chen wie mtschuldige Kinder batte man nicht geschont. Die Kirchen leien ausgeraubt und vernichtet, und die ganze Kultur des Landes A-rstürr worden.

Die Verfolgung wütete besonders in Kiew, W innige. Zwiesel itfto. " Auch Shiwtomir, erlebte eine Zeit des Schreckens Eine Kommission, die nach dem Abzug der BÄschewistest von, dort die iit der bolschewtstischen Kanzlei beschlagnahmten Papiere einsah und der auch von ibm eigens ernarmte Priester angehörten, faul» viele Todesurteile vor. die Der ßcire. ausgesprochen und vollzogen würd':,. nur weil sie einige Pfund Le­hensmittel besaßen und nicht angegeben hatten. Der den im Beisein von Aerzten vorgenommenen Ausgra- bungen ergab sich, daß die Opfer auf die gramamste Art um? Leben kamen. Es wurden Ähneln d'.e Fmger- abgehackt und dann wurden sie lebendig begraben. Am Boulouver unfc im Negierungsgarten wurde eine ganze Menge dieser Leichen ausgrgraben. ftn Shhiomir zähste man deren tausend, in der Umgebung der Stadt -wer- tausend. Kaum sei der Bischof in Warschau angelom» men und habe dort einen TrauergotreSdienst für feie Opfer gehalten, so ereilte ihn die Nachricht, daß Shy. totnir wieder in die Künde der Bolschewstieü gefallen und diese auf der Suche nach dem Bischof seien. Die Priester hielten sich im Wälde versteckt. Dw Kirche und Wohnimz des Bischofs, wurden anSgeraubL, der Kirchcnfchmuck geraubt, geschändet und vern:cktet.

L«r Bischof bat Len pävstlichen Nuntius, seine Wort« und Zeugnisse dem hl. Baier zu unterbreiten, damit dieser vor der ganzen Welt die Greueltaten der B<ol- schewisten laut verkünde, und,die ganze Del! auisorderr zur Befreiung von der Geißel des Bolschewismus.

Aus parlamentarischen Kreisen wird uns geschrieben: Nach längeren, zum Teil mündlich, zum Test schriftlich geführten Verhandlungen in der Angelegenheit her Rück- ee beschlagnahmter Glocken bezw. beschlagnahmten ckemnetalls steht nun die Sache folgendermaßen: Abg«lieferte Glocken, soweit sie von ihren Dorbesitzern gekennzeichnet waren, sind an drese zurückzu- geben. Abgelieferte Glocken, soweit sie non ihren Dor- oesitzern nicht gekennzeichnet wurden, etwa 300 an Zahl, «erden zurfickgegeben, wenn und sobald Ihre Vorbesitzer «mttelt find. Wo in vereinzelten Fällen Glockenmetall (zerschlagene Glocken) noch nicht abgeholt ist und sich so- noch im Besitz der Kirchengemeinden befindet, wird über die Belassung dieses Metalls von Fall zu Fall ver- hondekt. Enteignetes Glockenmetall, welches bereits in

tet dir diese Anl-fhe die schönste Gelegenheit. Du bekommst fr-il'ch die Zinsen nicht alle halbe Ajabre ins Bau? eebrackit, aber dadu-ch bist du auch geschuht vor dem Verpulvern der Zinsen. Sie werden aufgehoben! bis zum Tage der Fälligkeit, und dann bekommst du oder Lein Erbe mcher Len Zinsen noch einen „Bonus", einen hübs-nen Zuschuß auSnezahlt. AVer wenn du inzwischen dein Geld gebrauchen solltest? Nun, dann kannst hi deine Prämienstücke versilbern, und zwar ohne erhebliche Verluste. Denn die neue Anleihe zrick-- no sich vor der alten Kriegsanleihe gerade dadurch au?. Laß durch kunstvolle DcÄngurigrn für einen stetigen Kursstand an der Borja gesorgt ist.

Zur Hälfte zahlt btt in Kriegsanleihe ein, die für voll angerechnet wird, während sie fetzt an der Börse nicht einmal vier Fünftel gilt. Was tu habet Profi- ite.nl. schließt schon künftigen Kursverlust aus.

Mso diese Familiensparkasse ist gut eingertcnteL und wenn du für deine Sivve sorgst, so machst Lu dich schließlich um das Vaterland verdient. Denin e5 ist faS erste Probestück der deutschen Finanzen seit der Niederlage und der Revolution. Fe glänzen­der es gelingt, desto mehr Aussicht auf Hebung unfersS Kredits," unseres Geldwertes, unserer Zufuhr von Roh» stoffen und von Nahrungsmitteln.

Wer die Arbeit, die Ordnung und die Ennährung fördern will, der fülle ein Formular cm3. Er braucht nur ein Zehntel d-s gezeichnete« Betrages sofort mit« zubringen; der Rest hat Zett bis Weihnachten.

— Großer Drhlslorrd in Norwegen. Die Norwe­ger haben in den Krieasjahren glänzende Geschäfte ge­macht; ihr Wohlstand übertrifft jetzt denjenigen aller anderen Länder. Einigermaßen wird dies bewiesen durch das Anwachsen der Spareinlagen in 65 eiabt« unb 467 Landfparkosien. 1900 betrugen die Einlagen rund 300 Millionen Kronen, 1910 500 Mill., 1915 720 Mill., 1916 950 Mill, und 1917 Hi Milliarde hrronen; für 1918 rechnet man m't 1 '4 Milliarde Da­bei ist jedoch nicht zu vergesse daß dis wirklich großen edewtnnh mcht ans die Sparkassen genagen werden. Die Ersparnisse betragen al'o gewaltig mehr. Sta» tinisch betrachtet, hat schon jeder zweite Noiweger ein Sparguthaben, und zwar in Höhe von durch­schnittlich jetzt 858 Kronen gegen 594 Kronen in 1915. Die Zinsen allem aus den Spariummen be­trugen 1910 erst 18 Millionen Kronen, 1914 fast 26, 1915 fast 29, 1916 35 und 1917 über 50 Mill. Kronen. cs.

Fch habe immer noch so Vie! Vertrauen, daß ich meine bescheidenen Spargroschen in bet neuen Prämien­anleihe anlege.

Richt etwa wegen bet pompösen Lotterie, die alle Jahre zehn neue Millionäre schaffen will. Dafür habe ich auf ler Schule so diel Wahrscheinlichkeitsrechnung gelernt. Bei 5 Millionen Mitfvielern wird der Haupt­gewinn schwerlich vor dem jüngsten Tag auf meine Nummer fallen. Aber dieses Prämienspiel ist Neben­sache; es hat mtr insofern Wert, als es für znanche Leute einen Anreiz bildet und auf dem Börsenkurs der Pavtete vorteilhaft einwirkt, weil int Laufe der 80 Jahre sich tie sog. Gewinnaussichten fortwährend oct« bess.ra. Das wesentliche kommt zum Ausdruck in dem Tire „Spar-Anleihe". Wenn du bq'nchn Erben so eine kleine Famflicnstiftung Hinterlassen willst, so bie»

die 2—6jährigen das Laufen, das sie zur rechten Zeit erlernt hatten, wieder. Manchmal vermögen solche Kinder sogar nicht mehr zu stehen. Es werden Knochenerweichungen der langen Röhrenknochen be­schrieben, die mit der Hand gebogen werden können.

Die Krankheit der Halbwüchsigen ist in manchen Eegeirden der Bevölkerung wohl bekannt unb wird „Hungermaloria" oder „Marmeladenbeine" genannt. Fälle, wo junge Leute plötzlich auf der Straße ohne jede Ursache mit einem Bruch in der unteren Gegend des Oberschenkels zusammengebrochen sind, werden öf­ters berichtet. Bei vielen Krankheiten bildet sich Platt­fuß oder 3E- oder O-Bcinstelluug aus. Manchmal hü­bet sich auch im Kniegelenk ein blutwäsiriger Erguß. Schwere und schwerste Verbildungen am Brustkorb und an der Wirbelsäuule sind häufig.

Die dritte Gruppe umfaßt alle diejenigen Erkran­kungen, die unter dem Bilde der bekannten Knochen­erweichung verlaufen und' Personen jenseits des 35. Lebensjahres befallen. Ein Frauenarzt in Waldenburg, Regierungsbezirk Breslau, also in einem Industriebe­zirk, hat häufig Frauen in letzter Zeit beobachtet, die über heftige Schmerzen in der Wirbelsäule und na- menllich in den Deinen klagten. 3m Regierungsbezirk Liegnitz wurden mehrfach bei Frauen im Aller von 50 bis 60 Jahren Verbiegungen der Wirbelsäule in erheb­lichem Grade als Folge eines Knochenerweichungs. Prozesses der Wirbelkörper beobachtet, obwohl diese Frauen körperlich überhaupt nickt schwer arbeiteten, jedenfalls keine Arbeiten in gebückter Körperhaltung zu verrichten brauchten. Im Regierungsbezirk Oppeln er» litt eine 49jährige Frau einen Bruch des Oberschenkels oberhalb des Knies beim Umdrchen im Bett. Sechs Fälle bei etwa 60jährigen Frauen hatte der Oberarzt des ftödttfchen Krankenhauses in Bielefeld beobachtet.

Die Berichte der Regierungspräsidenten, aus denen hier bloß ein ganz kurzer Auszug wiedergegeben ist, beziehen sich nur auf eine neue Erscheinungsform des Hungerfchadens. Es ist überfllissig, daneben noch ein­mal alle die schon bekannten anderen Krankheiten auf­zuzählen, die, als Folgen der Hungerblockccke. Siech­tum und Tod in Hunderttausenden von Fällen über unser Volk gebracht haben.

Die Lage unterer Clscninvustrfo.

Krieg und Revolution haben unsere ganze Volks­wirtschaft an den Rand des Abgrundes gebracht. Un­geheuer ist der Schaden, der uns durch die vielen Streiks und Arbeitseinstellungen zugefuhrt worden ist, uni unfere heutige bedrängte Notlage ist eine notwen­dige Folge jener traurigen Erscheinungen.

Wie sich die Loge bei uns noch gestallen wird, kann im Augenblick niemand sagen, sicher aber ist, daß wir den schwersten Zeiten erst jetzt entgegengehen, die kom­menden Wintermonate werden über unser Land ent­scheiden. Sitte ungeheure Katastrophe steht uns bevor; wenn sie uns nicht in völligen Ruin stürzen soll, dann Hilst nur ein Mittel: Rückkehr zu geordneter Arbeit!

Daß unsere Eisenindustrie nach immer nicht in dem Maße beschäftigt werden kann, wie das notwendig ist, liegt zumeist daran, daß der tiefe Stand unserer Va­luta uns nicht erlaubt, größere Mengen R o h st v f f e einzufuhren. Der Friedens vertrag beraubte uns un­seres wichttgsten Erzbeckens. Während früher unsere Eisenindustrie fast ausschließlich mit lothringischen Eisenerzen gespeist werden konnte, sind mir jetzt darauf angewiesen, unseren Rohstoffbedarf aus dem Aus­land e. namentlich aus Frankreich und (5Harten zu decken. Die wenigen Erzlager, die wir noch im Lande haben, genügen nur, um den notwendigsten Betrieb aufrecht zu erhalten, und die Produktion nicht ganz ein« gehen zu lassen.

Die Frage der R o h st o f f b e s ch a f f u n g für unsere Industrie spielt also gegenwärtig eine Hauptrolle bei uns. Von ihrer glücklichen Lösung hängt das Ge­deihen unserer Volkswirtschaft ab. Einfuhren sind uns aber nur dann möglich, wenn wir gleichzeitig Waren und Produkte ausfuhren können. ■ Die überall einge­schränkte Bciriebsiätigkeit unserer Industrie erlaubt aber nicht, mit größeren Probuktionsmengen jetzt schon auf dem Weltmarkt zu erscheinen, und es bleibt zur Ausfuhr nur unsere Kohle. Die Nachfrage nach Kohlen ist gerade jetzt in der ganzen Welt außerordent- lich groß, Deutschland könnte einen ziemlichen Teil nach dem Auslände allsühren, und dadurch Geld beschaffen und die Einfuhr von Rohstoffen oller Art ermöglichen, wenn es gelingen würde, die Kohlenförderung zu heben.

Erfreulicherweise nimmt ja die Arbeitsfrrubigkeit im Lande immer mehr zu, die Kohlenförderung ist in ben letzten Monaten beträchtlich gestiegen. Aber sie

G»Mkkkvolution rmd Steuerreform.

Gar mancher hat sich schon gefragt, wie es d-nn Überhaupt möglich sei« zoll, daß wir in der ZuLunt ' etrtt der 5 Milliarden Steuern vor beut Kriege 24 hftllitrtben imä, tnertn der Friedcnsverrvaz voll in Wirksamkeit sein wird, viellecht 28 oder noch etwas pehr Milliarden an Steuern aufbringen können Wenn teer, bedenkt, laß die Volkswirte vor dem Kriege bas :geformt: deutsche Volkseinkommen auf ctioa -13 bis 45 Milliarden eingeschätzt haben, so erscheinr die Aufbrin. gang einer solch großen Summe an Steuern geradezu jme eine Unmöglichkeit.

' Dabei vergißt iitan freilich, baß das Boitseinkom. ptett vor bem Kriege und das Dolloeinkoutmen von heute und in der nächsten Zukunft ein ganz anderes «ein wird. Die Steuerlast, die wir in der Zukunft - w tragen haben, darf überhaupt nicht in Vergleich etzvgen werden mit bem Volkseinkommen der Bergan, llzenh-it. Nach außen hin wird das Volkseinkommen Ritmrci in einer Geldsumme ausgedrückt werden. Die- [jer Nennwert des VolkSeiirkounnens ist aber sofort ein Leerer, wenn sich die Preise verschieben. Selbst wenn Ai- zur Verfügung stehenden Gütermengen kleiner ne» ßwnrden find, kann der Nennwert des Volkseinkommens ein febr viel höherer fein. Das bccken wir ja im .Kriege »ur Genüge erlebt und erleben es gegenwärtig alle Tage, Obwohl bte GiNerm-i^gen so außerordentlich feiet kleiner geworden sind, ist das nominell- Vollsein- -jpmmen gestiegen. Das Ware nun nicht möglich, tarnt nicht eine künstliche Kaufkraft geschaffen worden wäre dur-k> die außerordentlich umfattWeiche Sheinkapital» Mldung während" dos Krieges in Form von Kriegs­anleihen und von Papiercxld.

Was wir gegenwärtig durck'lcben. ist ein volllom. wuer Umsturz in den Preisverhältnis, f - n und damit auch eine gänzliche Umschichtung im Einkommen unb im Vermögen der Br- Wölkermtg. Nach der sozialen Seite gehen hier un- gehen-reiche Veränderungen vor sich. ?£H die verschie­denen svtial-rt Klaffen ringen miteinander um die Aeuernftellungj auf die kommend- PreisariLndloge- Gegenwärtig liegen die Dinge so, daß die' Kaustrakt der Mark jm Inlands etwa auf ein Drittel ge­sunken ist, wenn man die Gesamtheit der Bedürf- niffe in Betracht zieht. Nach d-m Nu8lc»td m ist diese Enllvertung der Kauflraft noch- arcß-r. Das ift ja die Not bet gegenwärtigen Zeit. Durch energisch- Arbeit und Bcrmehruttg des Gütervorrarss wcrdeK mir imstande sein, die Preise wieder auf eine bräuchere Grundlage herabzudrücken.

Wer darüber ist sich ioohl jeder klar, daß das Prersnrveair bet Vorkriegszeit auf Jahrzehnte ja auf Menschenalter hinaus nicht mehr erreicht werderr kann. Wir toetbeht aiich in der Zukunft stets mit be. deutend höheren Preisen zu rechnen Haben- Wenn sich nach der UebergangZzeit eine Preisaeüal- tunz hcrausgebiLet hat, vielleicht aus der Grundlage der d 0 p p e l t e n Höhe wie vor dem Krieg-, so würden die meisten Menschen mit dieser Entwicklung zuflrcdcit sein; es toäre? dies schon eine sehr starke Entlastung in nnserm Lebensaufwand. Ob sich aller­dings die Preisgestaltung auf diesen Stcmd einstellen wird ober nicht, kann man heute noch nickt sagen. Wer angenommen einmal, es würde für die nächste Zukunft im Durchschnitt alles doppelt so teuer rne vor dem Kriege, es würden sich also Warenpreise, »We und Gehälter in dieser Weffe einstellen, dann wurde sich fiir die Besteuerung, eine ganz neue Grund­lage ergeben. Wenn wir unter diesen Voraussetzun- Mn ebensovtel Waren erzeugen würden hinsichtlich der MaM und der Oualität wie vor dem Kriege, so müßte Mser gesamtes Nationaleinkommen batnn nicht bloß 43-—15, sondern 86—90 Milliarden betragen. Bon einem nominell so erhöhten Einkommen aber können sie ©totem, die wir brauchen, dock wohl aufgebraM werden, ohne daß bie Volkswirtschaft unter ihnen zn- sammenbricht. Man darf nicht vergessen, Latz sich ein inneres Sntonttegen durch bie Auswirkung der Wirt- schaftsgesche vollzieht zwischen bem Gesamtbedarf der Bo.rswirtfchaft Und dem Einkommen. Das Scktaierige dabet ist nur stets die mit sozialen Härten durchsetzte UcheiMngszett. Ausaoibe der Politik muß c3 darum m gettöc diese UeberMrngszeit mi^ltchst zu er, IttcBfrat,

Unpolitische Zeitlänse.

N. Berlin, 12. November 1919.

Ruhig d erlaufen! So lautete bie Meldung dom Wiegenfest ber Revolution. Genauer gesagt, von den zwei roten GeburtZtagen. Die Knallroten taol£- ten nämlich schon ans 7. November die russische Re­volution feiern, die feit zwei Jphre.a io großartiges 'n BoWguWerei unb Blutvergießen geleistet hat. Der deutsch e Umsturz am 9. Scotent&er 1918 kommt un­seren verrußten Radikalen zu matt mtb farblos vor. Tiner von ihren Worthelden sagt, bie deutsch-. Re­volution sei schon in der Wiege „verpfuscht" worden. Dir anderen aber freuen uns, daß die Suppe nicht fithtg so heiß gegessen werden mußte, lute sie gekocht toerr. Wir hecken so tote so genug und übergenug von den Trümmern und von den Nachivehen des 9., November. Wir spüren keine Festfreude, aber Vet- dauungsschm<rzen.

Ruhig verlaufen? Nun ja ohne Generalstreik und ohne Blutvergießen Doch in den Versamnrlungen verpuffte viel Aerger unb Grimm. Die beiden Brü­der, welche bie Revolution! als Kompagniegeschäft be- ttidren hatten, zankten und beschimpften sich angesichts dieser ersten Jahresbilanz. Der eine schob dem anderen im gröbsten Tone bte Schuld an dem yehlb-trag zu. Nebenbei ein Zeichen, daß auch die Eltern selbst mit diesem Kind nickt zufrteden sind, dmn Ueberfluß benutzte ein preußischer Minister, der Sozialdemokrat Heine, die Festrede zu einem ginn» vngcn Ausfall gegen die Reichsoegieruttg, insbesondere ?.=»en den Finanzministor Erzberger, der bekanntlich immer im Kreuzfeuer von links unb rechts steht. Mein Eindruck an alledem ist: Kinder, wenn ihr nicht? bei. leies dorzubringcn wußtet in eurer Festpredigt, dann harret ihr den ganzen Geburtstag der Revolution lie­ber verschlafen sollen I *'

An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.

jetzt sind sie verzweifelt sauer. Wird noch was besseres Nachkommen? Wer das glaubt, soll lieber mit den F-ftrn warten, bi§ preiswerte Tatsachen da und. Mso vorwärts blicken auf das erhoffte Ziel, rückiväris das alte ®Ienb durchmustern'

Das güt sowohl von dem Untersuchungsausschuß tote von der RevokutionSfeier. Nur Acpg«r und Zank, &,ne Erbauung und fein Dank.

.Der Mensch hat Zwei Augen. Wenn ein irdischer ~ramiler den Bauplan des Mchffchen unter die Finger bekommen Härte, dann würde er tvährsckeinlick gesagt

„Zwei Augen: schön, fca setzen wir eins auf stirn unb eins ap den Hinterkopf, dmpit d«

Kratt! b:s in die Knochen.

Deutsche Aerzte hatten während bcs Krieges eigen« artige Knochenkrankheiten infolge der schlech­ten Ernährung beobachtet, die nicht nur bei Keinen Kindern, sondern auch bei erwachsenen Personen sich häuften Perm preußischer! Mimsterium sind nun­mehr die angeordneten Berichte ans ben einzelnen Ge­genden über diese seltsame Hungerkrmkheft eingelaufen. Das Wesentlichste dieser Berichte besagt:

Seit Herbst 1917 treten unter der Bevölkerung Preußens krankhafte Veränderungen des Knochengerüstes auf, die der englischen Krank­heit ber Säuglinge und Kleinkinder (Rachitis), sowie der Osteomalicie (Knoc'^nerweichung) der Erwachsenen ähneln. Diese Erkrankung nimmt einen Umfang und eine Form an, wie sie bisher in Preußen nie beobachtet worden sind. Knochenvsrbiegungcn, wie sie sonst nur ausnahmsweise bei den schwersten Formen ber Rachitis ober der Knochenerweichirng beobachtet wurden, sind jetzt eine häufige Erscheimmg. Knochenbrüche ohne nochweisbare ober kaum erkenntliche Ursache sind feine Seltenheit. Auch werden Altersklassen heimgesucht, bei denen man diese Erkrankungszustände zu sehen nicht gewohnt war.

Das Haupikoniinge.'tt bet Kranken stellt die Aüers- flasse bis einschließlich des fünften Lebensjahres. Völlig verschont bleiben Kinder etwa vom 6. bis 311m 14. Le­bensjahre bezw. bis zu der Zeit, wo die Kinder ins Erwerbsleben eintreten. Dagegen findet sich eine sehr starke BetcUigung der Jugendlichen vom 14. bis 19. Lebensjahre. Völlig frei bleiben bann die Lebensjahre vom 20. bis 35. Hier fetzen bann die Erkrankungen allmählich roicber ein und konzentrieren sich bei Frauen etwa zwischen dem 40. unb 60. Lebensjahre.

Die „englische Krankheit" bei kleinen Kindern macht sich oft dadurch bemerkbar, daß die Kinder Schmerzen beim Bewegen ober Anfafsen ihrer Gliedmaßen ober bes Rumpfes zu erkennen geben, bie manchmal so stark sinb, baß die Kinder beim bloßen Berühren des Kör­pers mit der Hand laut fchreim. Kinder, dis im 3., 4., ober sogar 5. Lebensjahre noch nicht laufen können, kommen öfters zur Beobachtung. Häufig verlernen

Mensck zugleich rückwärts unb bortolrtS blicken kann." Der Schöpfer Bat c3 anders gewollt. Wär können auch rückwärts blick-m; aber bann muffen wir erst den Kopf verdrehen, oder mit dem ganzen Kölner kehrl- machen. Das soll die Ausnahme bilden. J>n erster Linie 'allen wir ins Auige fassen, was vor uns liegt. Unb dernir wir rpcht genau s-h-n, wie es um unsere Arbeit, unsere Ziele und den Weg dahin be­stellt i>'f, hcsi>rn lt>ir zwei Augen auf der Vorderfront, die sich gegenseitig ergänzen und in der Abmessung der Etofernungen sowie der Tiefencrusdehnun^ ter Gegenstände zweckmäßig zuiammentairken. Unsere Ohren hören freilich auch bte. Geräusche von hinten, aber die Ohrmuscheln öffnen sich trch nach _twrn. Dus Rieckorgan steht nun1 vollends tote ein vorspringendes Bollwerk auf ber Vorderfront; de- Mund iit ebenfalls zum Sprechen unb Essen vorwärts gori-hiet, und bie Arme sink« hinten sehr schleckt aber vorn ausgezeichnet zu gebrauchen. Der Mensch ist zum Fort schritt eingerichtet, nicht zum Kvcvsgang.

Von Zeit zu Zeit muß man freilich einen Rückblick machen. Erstens ber Abrechnung halber vor Gott und dem Gewissen. Zweitens um der Erfahrung Weisheit zu schöpfen unb alte Dummbeiteit nicht noch einmal zu m-uhen. Aber wenn so bie Vergangenheit geregelt unb abgenutzt ist, bann soll man in diesen Abfällen des DaseLts nickt mehr herum wühlen. Besonders ver­dächtig sind di« „Feiern", bie man zur Verherrlichung feiner eigenen „Errrmgenstbaften" veranstaltet. Da­hinter steckt meistens die liebe Eitelkeit unb die führt nur zu leicht zur Prahlerei und Selbstbetrug. In die Feäerstimmunz reden die Leute sich ein. svs hätten schon ungeheueres geleistet unb erreichte dadurch werden sie anspruchsvoller aber keineswegs fleißiger. Heber gut« Gedcmkecwang muß tote ein Sprungbrett rucken, nicht tote ein Schlaffofa. —■

WaS tihtn bte Revolutionsfeier angehk, so hckben bte Döacher offenbar ben Spruch mißachtet: An Got. tes Segen ist alles gelegen. Jetzt bekommen^ sie einen Löffel Medizin, der sie daran erirtneri, daß _es noch . obere Gewalten gibt, als die Gehirne unb Hände der Menschen. In der Natur gibt eS auch zeitweilig Um. fittrzbewegungen. gegen die albe menschlichen Künste und Kräfte nicht auffommen können. Gerade zur Re- volurionSfeier hat sich der vorzeitige Winter mit Sckmee Und Frost bei uns einquartiert. Mit dem Opfer der elftägigen Rcisesperre wollten wir unö die Versorgung mft Kohlen und Kartoffeln sichern. Wird eS geben? Dis Kartoffelfuhren müssen vor dem Froll stocken; die Kohlenwagen werden wohl durch b;e Schneetaehen sich noch Bahn brechen können, aber je kalter es wird, desto mehr Kohlen werden in allen

den Besitz der Kriegsmetall-Akttengesellschast (K.M.A.) übergegangen ist, wird von dieser nicht mehr zurück gegeben. "Als Grund wird angegeben, daß die Bestände bis auf geringe Restmengen bat Endverbrauchern (der Industrie) auf Kvntingentscheine zugeführt find. Sollte nach Erfüllmig der lausenden Verbindlichkeiten (Deckung der noch nicht vorgelezten Kontingentsche'.ne) noch eine geringfügige Restmenge übrig bleiben, so wird beabsichtigt, diese Mengen der Eisenbahn und der Post zur Verfügung zu stellen," deren Versorgung, wie wohl allgemein aner­kannt werden muh, die brmgeubfte unb letzt« Aufgabe ber Ze nu aldewirischoftung bleiben muß.

Das ist dir Stellung, welche die Reichsrcgierimg bezw. bas hier zuständige W'rtschaflsminifterium unb der diesem unterstellte R-ichskomnusiar für Metallwirijchast etnnimmt unb wie sie ntcbeigelept ift in der Antwort auf bie in dieser Sache eingereichte, kurze Dnsrage bes Abg. Grö­ber und Genossen, und wie sie auch ausgesprochen wurde auf die Klagen bes Abg. Schirmer in dieser Sache im Haushaltungsausschuß der Nationalversamw.- lung. Diese Stellungnahme weist eine Lücke auf. Es ist noch der Antwort der Regierung noch nicht alles Glocken­metall, das auf die Kontingentscheine bereits verteilt wurde, auch wirklich von der Industrie abgerukn. Weiter geht aus der Antwort hervor, daß die Industrie wohl Kontingenjscheine erworben, diese aber vielfach an den Handel abgegeben hat, so daß Händler in der Lage waren, und wehi noch sind, wertvolles Mockenmaterial zu erwer­ben und weiter zu verkaufen, natürlich um den 4—öfacheu Preis, den man seinerzeit ben Kirchengemcinden gezahlt hat. Roch befremdlicher erscheint die Anschamtng, daß die geringfügigen Mengen, die nach Erfüllung ber noch lau­fenden Verbindlichkeiten noch übrig bleiben, den Eifen- bcchneu und der Post zur Verfügung gestellt werden müs­sen Daß Eisenbahn und Post Kupfer dringend bedürfen, wissen wie. Ab-r ist es rech! und gerecht, baß Metall, das von unserem Volke schmerzbervegt zur D-rtkidigung des Baterlanbes, ausschließlich nur zu dem heiligen Zweck- der Verteidigung des Vaterland es — zu einem anderen Zwecke hätte unser Volk feine Glocken niemals geopfert — zur Verfügung gestellt worden ist, nun zu industriellcn Zwecken verwendet wird? Das wird Wiser Volk, wenigstens unser gläubiges Volk, nicht verstehe» und nicht billigen! Sluch die allerdringenb- sten Bedürfnisse ber Industrie, auch von Post und Eisen- bahnen, können es nicht rechtfertigen, daß alle Anträge von tnircheugemeinben und Glockengießereien auf Zuwei­sung not: Lwckenbronze zur Anfertigung neuer Kirchen­glocken von dem Reichskommissor für Metallwirtschaft aus» nahmslos abschlägig beschieden werden. Wenn man der Industrie so ' viel Koiümgrntscheine ausgestellt hat, daß diese noch nicht eingelöst ober zum Teil an den Handel mettergegeben wurden, dann könnte man bet gutem Wil­len auch der Glockemndustrie Metall zmveisen; es wäre Pflicht, es jetzt noch zu tun.

Wvhnr- und Arbeits'äumen gebraucht. Dar früh-e'tige Winter bildet eine weitere Erschwerung unserer schwierigen Lage. Ein neues Zeichen, daß die Reihe ber Prüfungen noch nicht abgeschlossen ist. Also kein An­laß zwar Feiern unb Singen, sondern vielmehr zum Ringen unb Arbeiten. Der Vater da droben wird uns nicht über unsere Kräfte versuchen; aber er will doch, daß wir alle unsere Kräfte zusa mut e n» nehmen und nichtig -msnutzen. Taratt hat ein sehr großer Teil dcS Volkes es seit dem Zusavrmenbruch feh­len lassen. Das soll nicht allein für die politischen Gegner gelten; nein, wir wollen allzumal unser Gewiffeni prüfen, ob wir nicht auch in Habgier, Leicht­sinn und Genußsucht b-rfaLeu sind.

Was ist die schlimmste Bescherung dieses Jahres? Schrecklich war der KricgSverlust. der Sturz der TLroue. die Graufamkait der Feinde: aber der 'ckrecklichste der Schnecken, die bitterste aller Erfahrungen war doch der sittliche Niedergang tm Bolle, der Zu. sammenbrnch alter Tugenden, die früher zum deutschen W.sen gerechnet wurden. Es klingt wir eine atzende Seloschpripotrung, wenn man jetzt den Vers wieder­holt: Am deutschen Wesen soll die Welt genesen! Ach, das deutsche Wesen muß erst fei b st, aL. -seit.

Verzweifeln? Nein, totr haben bÖJTrTe Revollr- tionSjaSr mit all seinen ^schweren Nöten und furcht- abren Gefahren lebendig überstanden. Wir leben nodj und können noch streben. Mso vorwärts geblickt und die Hände gerührt! fW Pflichttreue und Gotcher- krauen kommen wir auch noch durch ein weiteres Probejahr hindurch, und schlietzkiL wird doch wieder die warme Sonne scheinen wndFrühling auf den schlim. men Winter folgen.

Aufwärts die Herzen, Vorlvärts die Blick-, die Hände unb die Füße!