Fuldaer Zeitung
Druck der Fuldaer Actieudruckerei itt Fold«
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Aufruf!
M 261.
| Mittwoch, 12. November ISIS,
Gstkrdienftordimng.
Donnerstag, 13. Nob. Frauenberg. Gedächtnisfeier f. d. verstorb. Eltern all. Mitglieder d. Franzis- kanerordens. Um 7 feierliches Requiem.
den und wer zu anderen Zwecken Herkommen will, dem soll die Regierung rücksichtslos den Zutritt netto ehren.
Volkshochschule.
Die Auffasinngen über das Wesen und Wirken der Volkshochschule, die im folgenden von Fräulein Grete Grip- > pentro g-Fulda vertreten werden, dürf
ten in weiten Kreisen, die an der Volks. Hochschulbewegung Anteil nehmen, Zustimmung finden. D Red.
Man kann leicht dazu kommen, das Wort „Volkshochschule" für ein verhängnisvolles Schlagwort zu l)alten, wenn man sich „Lehrpläne" unserer 300 Volkshochschulen im Reiche anschaut. Muß man es nicht als verhängnisvoll und mit dem Charakter einer Volks Hochschule als unvereinbar bezeichnen, wenn an einer V. S). S. (in unserer Provinz!) „Vorlesungen" über Nietzsche gehalten werden, ober wenn eine andere V. H. S. Lehrgänge für Neugriechisch, Russisch unb Türkisch abhält?! — fürs Volk, also für Leute, die in ihrer Mehrheit nicht viel mehr an Wisien haben, als ihnen die Volksschule bot! — So ist's also gekommen, was viele Volksfreunde voraussahen: Die Volkshochschulen sind ein „zw eiter Ausguß" unserer U n i v e r s i t ä - ten, erzeugen Halbbildung — müssen cs, da man gewaltsam große Lücken in den Bildungsgang der Hörer setzt. — Vielleicht wär's Zeit, sich die Sache der Volksbildung nochmal zu überlegen. Zweckmäßiger und nutzbringender wär's m. E., wenn die Städte erst mal allgemeine (nicht nut Fach-) Fortbildungsschulen errichteten, _ die den Bolksschulentlassenen Gelegenheit böten, erst mal ihr Allgemeinwissen in geordnetem Lehrgang weiter zu bereichern. Jedenfalls wäre das eint gute Vorstufe für die Volks hoch schule.
lieber die „älteste" Volkshochschule der Jetztzeit — die V. H. S. in Görlitz — liegt der erste Jahresbericht von Oberbürgermeister Konrad Maaß vor, der mancherlei Anregung gibt. Eröffnet wurde die Görlitzer B. H. S. am 1. Oki. 1918, ist also kein „Kind der Revolution". Lehrende waren Hochschullehrer, Oberlehrer der höheren, der technischen und der Fach- schulen, Juristen und Verwaltungsbeamte. Wie wenig günstig diese Auswahl war, erkennt Oberbürgermeister Maaß selbst: „Im ganzen genommen hat der Betrieb noch einen etwas zu starken akademischen Charakter gehabt, was wohl darauf zu- ruckzusühren ist, daß die Lehrenden fast ausschließlich Akademiker waren, und es sich um einen ersten Versuch handelte. Auch das hat natürlich den Besuch beeinflußt; so fällt der äußerst geringe Besuch durch Lehrer und Handlungsgehilfen auf. Im nächsten Sabre sollen mehr Personen aus dem Lehrer - stande und aus praktischen Berufen herangezogen wer- den. Wir werden dann dem eigenllichen Ziele näher kommen: auf die breite Masse des Volkes lehrend und erziehend einzuwirken." — Unterrichtsgegenstände an der Görsitzer D. H. S. waren: 1. Geschichte und Politik, Länder- und Völkerkunde. 2. Philosophie, Religion, Pädagogik. 3. Literatur, Kunst. (Am besten besucht.) 4. Oeffentliches und bürgerliches Recht. 5. Medizin, Wohlfahrtspflege.
£iter<irif*es.
Herzblättchens Zeitvertreib. Begründet von Thekla bok Gumpert. Mit farbigen und schwarzen Bildern. 64. Band. Press vornehm gebunten 9 Mk. Karl Flemming und C. T. Wiskott A.-G., Berlin W. 60.
Was die Kiichesseele bewegt, was sie veredelt und anspornt, ist in dem beliebten Kinderbuch reichlich ent- halten. Neue Märchen, reizvolle Verse, anmutige Ge. dickte, interessante Spiele und Rätsel wechseln miteinander ab, und die all^kannten Beschäftigungstafeln werden manche Stunde an Wint'ertagen angenehm und anregend ausfüllen. Reichlicher, dem KindesgenTüt an. gepaßter Bilderschmuck verleiht dem Buch besonderen Reiz. Es wird eitel Freude in die Herzen unserer Kinder tragen und auf ihren empfänglichen Geist nach, haltigen Einfluß ausuben.
6. Naturkunde, Mathematik, Technik. 7. Sprachlehre gange- Neugriechisch, altgriechisch, russisch, bulgarisch, türkisch'.! (Am schlechtesten besucht.)
Ungefähr 2 Prozent bet Bevolkenmgszahl waren eingetragene Hörer, im ganzen 1500. Interessant ist, daß bei den mehr als 4000 Vortragsreihen ober Einzelvorträgen — besonders bei den Vorträgen über Literatur, Kunst und Philosophie — die Frauenwelt überwog. Von den 4155 Belegen entfallen 2d77 auf die Frauen, von diesen 2577 wiederum 1730 auf Frauen ohne Beruf, insbesondere Hausfrauen. — Hierbei ist zu berücksichtigen, daß einerseits viele junge Manner im Felde waren, daß sie in den Abendstunden nicht mehr für geistige Arbeit zu haben waren. Immerhin fällt mir unter den Berufsschichten der Hörer auf, daß die Arbeiter ganz fehlen. Maaß sagt dazu: „Es muß abgewartet werden, ob sich dies in diesem Winter bessert. • Zu hoffen ist es, — einmal, weil die Arbeiter bei dem Achtstundentag mehr freie Zeit haben werden als je, dann aber auch, weil die größere Verantwortung in politischen Dingen bei vic- len Tausenden ein größeres Bildungsbedürfnis aus- gelöst hat" —
Der Besuch der B. H. S. in Görlitz war nicht unentgeltlich: für eure Vortragsreihe von 20 bis 24 Stunden wurden 10 Mk., für solche von 10 bis 12 Stunden 5 Mk. erhoben, Arbeiter und Schüler- (inrtn), zu denen auch Fortbildungsfchüler gchörten, zahlten die Hälfte.
Im allgemeinen ist man in G. mit den gemachten Erfahrungen zufneden. 80 Prozent der Beleget haben durchschnittlich die Vorträge besucht. Maaß schließt seinen Bericht mtt den Worten, baß die Erfahrungen durchaus ermutigend für die Zukunft feien.
-Aus den Erfahrungen anderer D. H. S. geht hervor, daß die fruchtbarste Lehr form das Zwiegespräch ist Als immerhin guten Ersatz hat man auch die Aussprache erkannt, doch darf hierzu der Hörerkreis kein zu großer fein (etwa 15 bis 20). Jedenfalls ist Grundbedingung der 53. H. S., daß nur Lehrende genommen werden, die im Volke stehen und in der Lage sind, volkstümlich zu sprechen.
Aus Geisa und Umgebunst.
'(;)' Tennvach. Die Oelm ühle von <S«tX Pfestorf. jetziger Inhaber Hugo Pfeswrf in Dermbach, konnte Anfang dieses Monats auf ihr 1 0 0 j ä h r i- ges Bestehen zurückblicken. Anläßlich des Jubiläums spendete Pf. der Gemeinde einen erheblichen Betrag als Grundstock zur Errichtung eines V o l k s b a d e s. _________
vermischter.
* Eine Miftaeschichte. Ueberwachunzbeamte des KriegswucheramteS haben aus dem Bahnhof Calw (Wtibg.)dem Kaffeehausbesitzer Beutel aus Pforzheim schon wiederholt größere Mengen Mehl, Rauchfleisch und Eier abgenommen. Am 31. Dfiobee suchte sich Beutel nun an den Beamten des Kriegkwucheramles dadurch zu rächen, daß er nach Eutingen fuhr und dort seinen Reu'ekoffer mit „Mist" füllen ließ, in der Annahme, die Beamten auf diese Weise heteinzuiegen. Diese hatten jedoch von dem Vorhaben deS Bentel
schon Kenntnis erhalten und Netzen ihn, als et bei Bahnhof Calw durchfuhr, unbehelligt Weiterreise«. DieS erregte jedoch daS Mißfallen deS Beutel, der die Beamten auffoberie, ihn doch auf Hamstetware zu durchsuchen. Daraufhin nahmen die Beamten Bentel mit sich auf ihr Geschäftszimmer und unterzogen bas Gepäck des Bentel bet gewünschten Unter- suchung mit dem Ergebnis, daß inzwischen der letzte Zug nach Pforzheim abgefahren war, so daß Bentel m der Nacht „seinen Mist" selbst nach Psorzheim traaen durfte. .
• Ein gutes Geschäft. Eine Elsässerin, vle ihre Zeit verstanden hat. fuhr kürzlich von Straßburg nach Solingen und kauf« dort 100 Dutzend Messer, dos Stück zu 6 Mark. Än der elsässischen Grenze kam sie, ohne Zoll zu zahlen, durch, weil der franzopsche 3»-' beamte von einer Untersuchung ihres Koffers absah; im Elsaß verkaufte sie dann die Messer an einen französische« Händler, das Ktück zu 20 Fr. '-neses französische Geld brockte sie dann wieder nach Deutschland. wo sie für 100 Fr. 280 Mk. erhielt. So h-S die kluge Frau an dem einen Geschäft genau 60 000 Mark verdient. Denn für die 7200 Mk., d« sie für die Messer in Solingen bezahlen mutzte, erhielt sie 24 000 Fr. und tauschte diesen Betrag gegen 67 200 Mark in Deutschland um. — Der ganze Jammer un- serer wirtschaftlichen Lage grinst uns aus dieser kurzen Geschick« entgegen. , i
* Die Unsicherheit der Post — in England. In bet letzten Zeit brachten unsere Parlamentsverhanb- hingen die heftigsten Klagen über die Unsicherheit in unserem früher fo sicheren Postverkehr. Ein — allerdings sehr schwacher — Trost kann es uns daher fein, wenn wir erfahren, daß es nicht nur uns Deutschen so geht, sondern unser lieber Erzfeind auch nicht viel bester daran ist. Die „Times" stellen fest, baß die Sicherheit der engsischen Seepost erheblich nachgelassen hat. In letzter Zeit finb außer anderen Räubereien allein Diamanten im Werte von 105 000 Pfund Sterling gestohlen worden. „Die sich mehrende Zahl der bedeutenden Diebstähle aus Postsäcken der Seepost zeigt, daß die Postbehörden in letzter Zett nicht mehr in der Lage finb, die Post wirksam gegen solche Dich» stähle zu schützen."'
Deutschlands Ausverkauf.
| . Deutschland wimmelt es zur Zett von Aus- VL Auf den Hauptlinien der Eisenbahn, in de» Wstt,,,r Großstädte sieht man saft mehr Fremde
denn Deutschland plötzlich ein Märchenland ge- fL in dem sich's so gut sein läßt, daß die Aus- gS 'ihre heimischen Fleischtöpfe und Buüerglocken Weiche lassen, um sich bei uns die Brieftasche mtt ^zmittelkarten zu füllen? In der Tat, für sie verarmte, nieder gebrochene Deutsche Reich heute ^gelobte Land, in dem sie beinahe umsonst leben, q0 sie alle Waren halb geschenkt bekommen. Die ^ionierungsvorschriften verursachen ihnen nicht viel Z erbrechen, denn sie können sich den Besuch von BE'kn leisten, in denen man es mit der Marken- Ofc nicht io genau nimmt, und wo es so ziemlich Ergibt, was auch ein verwöhnter Gaumen begchrt.
diese wohlgenährten Ausländer sehen noch be- Uttai®, als sie in Wirtlichkeit sind. Denn sie haben ^Taschen voll deutscher Banknoten, die bekanntlich im Ausland ungefähr so wohlfeil sind wie Brom- Ecn. Das Auslandsgeld aber hat einen hohen Wert. S Holländer kann bei uns in der teuersten Stadt mit E* fünf Gulden wie ein Fürst leben, und da die iSßnber gute Kaufleute sind, so nutzen sie diese Kon- ;&ur nach Kräften aus: Sie können gar kein bef- L^Geschäst machen, als nach Deutschland zu reifen; tlsie werden um so reicher, je länger sie hier bleiben.
i sie verzehren nicht nur unsere Lebensmittel, son- L-t sie kaufen auch, was schön und (für uns) teuer , Für sie ist ja alles lächerlich billig; denn sie schien die Waren mtt unserem Papiergeld, von dem Mdonk der fleißigen Arbeit der Reichsdruckerei jetzt LfrAtfinfaalb Milliarden Mark im Umlauf Hatzen. L^muß schließlich dazu führen, daß es eines Tages K$arff<f)lanb nur noch (Selb, aber keine Ware mehr
Lcmtnoten mögen wir dann genug und über- Mg haben, aber wir können überhaupt nichts mehr Mr kaufen, weil cs nichts mehr zu kaufen gibt.
Die fremden Besucher, die sichs hier wohl fein wen, trage» durch ihre Maffeneinkäufe nach Kräften bei, das bißchen Ware, die es bei uns noch gibt, gtf hie Grenze zu führen. Diese Gepflogenhett hat (inen Umfang angenommen, daß man geradezu von «nein Ausverkauf Deutschlands sprechen kann. Da Miß man denn doch fragen, wie es kommt, tejj alle diese Ausländer Pässe und Einreiseerlaubnis "gMen. Will heute ein Deutscher beispielsweise in die Schweiz reisen, so hat er größere Schwierigkeiten zu äeraintc"i als früher bei einer Expedition ins Innere M Neu-Euinea Es ist ein Gebot der Sellsterhal- Mg, daß diesem Mißverhältnis schleunigst ein Ende bereitet wird, und daß die Fremdenpolizei die Zügel Ml« anzieht. Es ist zwar bedauerlich, daß wir aus- Msichen Gästen, denen es hier gut gefällt, den Ein- Ä vermehren müssen, aber vor der Rücksicht gegen die ßiemdea kommt aber die Rücksicht auf das eigene M das völliger Verelendung mtgegengeht, wenn Äk Lebensmittel unb Gcbrauchsgegenstättde immer happer unb immer teurer werben. Deutschland ist W’- kein Jahrmarkt, wo jeder Besucher nach Belieben tüüfen und sich amüsieren kann. In Deutschland muß heute gearbeitet und nur gearbeitet wer-
Landwirte, wechselt Euer Saatgut!
| Die Tatsachen haben bewiesen, daß die diesjährige Kartoffelernte weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben < ist. Der durchschnittliche Ernteertrag beträgt in diesem Jahre im Kreise Fulda nur 35 Zentner je Morgen. Eine Hauptursache dieser Mißernte ist auf den Mangel an einwandfreiem, gesundem Saatgut zurückzuführen. Ein großer Teil der Landwirte verwendet «jahraus jahrein stets dasselbe Saatgut ohne Rücksicht auf die Gesundheit desselben. Der Wechsel des Saatgutes ist aber ein unbedingtes Erfordernis, weil dadurch die Ertragsfähigkeit der Kartoffeln sowie auch die Gesundheit und Widerstands- sähigkeit auf das günstigste beeinflußt wird. Die Erfahrung hak gelehrt, daß ein öfterer Saatgukwechsel Höchsterträge liefert. Es ist auch empfehlenswert, die Kartoffeln vom schweren Lehmboden auf leichteren Boden zu sehen und umgekehrt, weil die Erfahrung lehrt, daß die Kartoffeln dann nicht so leicht entarten und in ihrem Ertrage Nachlassen.
M Als Saatgut wähle man mittelgroße Knollen und zwar ganze Knollen, da das Zerschneiden je nach der Witterung oft m Nachteil ist.
I Der Borwurf, den die kleineren Landwirte stets gegen die größeren erheben, daß sie ihre Kartoffeln, um höheren Gewinn H erzielen, als Saakkarkoffeln verkaufen, ist grundlos. Das Saatgut, welches hier im Kreise gezogen wird, ist teils Original- ^chzucht, teils anerkanntes, besichttgtes Saatgut. Der- Zentner dieses Saatgutes kostet bis 35 Mk. Ferner erfordert die Achtung des Saatgutes eine ganz andere Düngung und Bearbeitung der Felder, wie die Bewirtschaftung gewöhnlicher Kartoffeln. Die Preise, welche die größeren Besitzer für das Saatgut fordern, sind im Uebrigen von der Landwirtschaftskammer festgesetzt.
Es bleibt natürlich auch den kleineren Landwirten unbenommen, anerkanntes Saatgut zu züchten und solches zu verkaufen, ^nn sie die dafür vorgeschriebenen Bedingungen erfüllen und einen enffprechenden Antrag bei der Landwirffchaftskammer auf Besichtigung stellen wollen.
Die einsichtsvollen Landwirte haben es auch längst dankbar anerkannt, daß sie ihren Bedarf au gutem, einwandfreiem ^uakguk jetzt im Kreise decken können. An sie wenden wir uns mit der Bitte, ihren Einfluß dahin geltend zu machen, daß F haltlosen Vorwürfe gegen den Kommunalverband, der es sich unter großen Mühen hat angelegen sein lassen, einwandfreies ^akgut in den Kreis zu bekommen, schwinden und die Vorteile, die die Beschaffung guten und gesunden Saatgutes für die ^uerlichen Wirtschaften mit sich bringt, immer weiter bekannt werden.
t Es ist bewiesen, daß die Saakkartoffeln in diesem Jahre (Erträge von 90*150 Zentner je Morgen gebracht haben.
L Wir werden im nächsten Jahre eine ganz andere Ernte im Kreise haben, wenn die Landwirte vorstehende Winke befolgen. Mere Erträge aus der Kartoffelwirtschaft bringen doch auch für den Besitzer einen höheren Gewinn, ganz abgesehen von dem ^rvußtsein, seinerseits zum Besten der Allgemeinheit beigekragen zu haben.
Fulda, den 18. Oktober 1919.
Der Krersbauernrat: J. Vogel, Vorsitzender.