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1 Verlag der Fuldaer Actiendruckerri in Fulda. ~ Preis monaL J 46* jQlirp I 1,10 TOf. Fernipr. Nr. S. Telegr.-Adreste: Fuldaer Zeitung I ->

>. | Zreitaa 7« November 1919

ä E*f | Verantwortlich für den redaklionellen Teil: Karl Schütte, Hf. JlJ*- I für die Anzeigen: I. Porzeuer, Fulda. Rotationsdruck. I? i II! ,111 ! ui ...................... I I

Kommunisten befohlene Generalstreik sollte.

Die Radikalen

am Donnerstag beginnen.

In

hotten diesmal den Bogen überspannt.

des Hauses stärker besetzt als auf der anderen Seite, so kann die wirkliche Mehrheit des Hauses durch die augenblicklich überwiegenden Minderheitsparteien vergewaltigt, also der wahre Wille des Parlaments geknickt werden. Solche falschen Beschlüsse wieder rückgängig zu macken, gelingt nicht immer rechtzeitig und kostet auf jeden Fall viel Mühe, Acrgcr und Zeit. Da ist es ein Anshülfsmittel, dem drohenden Hand­streich einer Minderheit dadurch auszuwcichen, daß man die Beschlußunfähigkeit des Hauses feststellt oder im Notfall durch Entfernung die Beschlußunfähigkeit herbeisührt.

Für die Vereinigung der nichtsozialistischen Par­teien ist es ein gutes Vorzeichen, daß sie auch in die­sem taktischen Schachzuy mit Erfolg gemeinsam vorgingen. Hoffentlich bewahrt sich die Gemeinsam­keit auch bei der weiteren Erledigung dieser Frage. Der neu auszuarbeitende Gesetzentwurf wird noch ,u weikg reffenden Verhandlungen im Ausschuß und im Plenum führen, bei denen die Kirchen- und Religions- feinde noch versuchen werden, Zwiespalt zu säen und für ihre.-. .Zweck noch möglichst viel her-, iszuschlagcn.

daß sie von gewissenlosen Hetzern gegen ihre Interessen mißbraucht werden. Die Mehrheit der Berliner Ar» brii erschüft lehnte den General st rekk ab. In einer von Tausenden besuchten Versammlung er» klärten die mehrheitssozialistischen Metallarbeiter, daß sich die noch bestehenden Differenzen durch Verhand­lungen mit den Unternehmern beseitigen lassen. Die städtische Straßenbahn, bei der Streikabsichten bestan­den, hat den völlig normalen Verkehr wieder durch­geführt. Mst den Werkstättenarbeitern der Straßen­bahn findet eine Besprechung wegen Wiederaufnahme der Arbeit statt. In der Metallindustrie haben sich außer bei den Siemenswerken auch bei anderen großen Firmen, so Siemens und Schuckert, Borsig und Schwartzkopff zahlreiche Arbeitswillige gemeldet, wäh­rend neue Streiks nicht zu verzeichnen sind.

Es ist im Intereste unseres Volkes zu begrüßen, wenn die Arbeiterschaft von sich ans zur Einsicht ge­langt tmb die unabhängigen und kommunistischen Hetzer von sich abschüttelt. Hoffen wir, daß in der Berliner Arbeiterschaft auch weiterhin die gesunde Vernunft und der Gemeinsinn die Oberhand behalten, und daß in den übrigen Reichsteilen die frevelhafte Agitation keinen Anklang findet.

Sonst wird das zweite Revolutionssahr noch schlimmer als das erste, und die Weltgeschichte kann verzeichnen, daß Deutschland am Streikficber sterbe» mußte.

Arbeiterschaft hat sich erfreulicherweise mehr mehr die Erkenntnis Bahn gebrochen,!

Der mißglückte Generalstreik.

Vor dem Jahrestage der Revolution sollte noch etwas passieren". Diese Ankündigung war vielfach - schon vergessen worden. In letzter Stunde aber Der« suchten die Hetzer doch noch eine Arbeüsstdnlng m Gang zu setzen.

Der Streik in der Berliner Metallindustrie war nach langwierigen und mühseligen Verhandlungen zu einem anscheinend glücklichen Abschluß gelangt. Der Schiedsspruch über die Lohnftage war von den Ver­tretern beider Parteien angenommen worden. Die sachliche Streitfrage war geregelt. Es blieb nur noch eine persönliche Frage übrig, nämlich ob diejenigen Arbeiter, die inzwischen entlassen worden sind, ihre Stellung als Vertreter in den Arbeiterräten und den Betriebsausschüsien ohne weiteres behalten können. Schon vor Bekanntgabe des Derhandlungsergebnifles hatten die Funktionäre der Streikenden eine Vor- sammlung, die ein Ultimatum unter Androhung des Generalstreiks an die Metall-Industriellen richtete, alle entlaßenen Betriebsvertrauensleute wieder einzustellen und keine neuen Betriebsratswahlen (sie fürchteten

sich den Gegenstand eines besonderen Notenwechsels. Wennzur Strafe" für die Versenkung unserer Schiffe in Scapa Flow die Auslieferung unserer fünf besten, uns noch verbliebenen Kreuzer gefordert wird, außerdem die Auslieferung von 400 000 Ton­nen an Schwimmdocks, Kränen und Schleppern innerhalb 90 Tagen, sowie von drei Unterseebovts- maschinen innerhalb 10 Tagen, so hat das, wie schon gesagt wurde, lediglich den Zweck, uns wirtschaftlich tot zu machen. Nach der Erfüllung dieser Forderung hätte Deutschland überhaupt kaum noch eine Möglich­keit, seine Handelsschiffahrt und seinen Hafenbetrieb einigermaßen wieder aufzubaueri. Jedes wirt­schaftliche Wiederaufleben Deutschlands soll verhindert werden.

Die neue Note führt uns zu Gemüte, wie wenig man in Paris an eine Politik der Versöhnung denkt. Man schämt sich dort nicht, ein zertretenes Volk immer mehr zu demütigen. Unsere Feinde wollen auch nach dem Frieden noch den Krieg.

Dcr unbeschränkte N-Boot-Krteq vor dem Anierfuchungsausschuß.

Kein gerade bervorrggend trncbtines Thema besckäf- fHe am Mittwoch den NntersuchunoSauSschuß / Die deütscke Vropaaanda in Amerika. Geringe p-kuniäre Mittel, schlechte Verbindung mit Deutschland, e§ war eben unniö'Iick, gepen die durch und durch deutschfeindliche amerikanische Presse oe-enanzuarbeiten. Altbekannte Tatsachen, tiotzdem werden sie noch deS lan-cn und breiten verhandelt. A S hierbei auch Aeuße- rungen neutraler Div'omaten zur Sprache kommen» totrb auf Antra' des Vertreters deS AuZmäitinen Smi, Konsuls Müller, die Q eftent l i ch keii auScreschl os. s e n, obwobl Aba. Dr. Sinzheimer mit Mund un j Hän­den da-egen protestiert.

Nach 'Wiederhersielluna der Oeffentlichkeit kommt man noch auf die cnalische Propaaandaräti feit in Ame­rika zu sprechen, und dann wendet sich die Versamm­lung nochmals zum unbeschränkten U-Voot-Krieq.

Der Vorsitzende Warmnth setzt in längerer Rede nach mehreren A'i-n BethmannS Stellung geaen den unbeschränkten U-Bootkrier auseinander, der Kanzler soll sich da u äußern, warum er schließlich doch die Verantwortung hierfür übernommen hat. Beth- mann Hollwea betont, daß er dies doch schon er­schöpfend am Freitag auseinanderaesetzt habe, und lieft die Kernpunkte seiner nussaien vom Freitag nochmals vor. Er schildert die Entscheidungswende vom 9 Ian., wo d e Oberste Heeresleitung den U-Bootkrieg forderte, nm den Krieg weiter führen zu können und wo er selbst kein Mittel hatte, um den Krieg anders, d. h. friedlich beendigen zu können, weil nach der Ablehnung der Friedensschritte durch die Entente seiner Ansicht nach ferne Aussicht bestand. Der U-Boot'rieg blieb also wie Bethmann feststellte das letzte Mittel, zu dem selbst Männer wie Sckeidemann mit der große» Masse deS deutschen Volkes sich bekannten Herr von Betkmann sagt weiter, daß auch er der Ueberzeuaunn ist. derU-Bootkrieg sei in seinen Wirkungen sehr weitgehend gewesen; daß er nicht zu dem Ziele führte, daS wir von ihm wünschten, hat seiner Ansicht nach an Amerika» rieft -er Hilfeleistung gelegen. Er bezeichnet ivn selbst als einen Versuch, ohne welchen wir den Krieg allerdings schon tm Jahre 1917 verloren hätten. Die Akten darüber, so fährt er fort, wie weit der U» Bootkrieg gewir't. hat, sind noch nicht geschlossen. Im Mai und Juni 1917 war die Besorgnis in En-land über dte Wirkungen des U-BootkriegeS außerordentlich stark. Ich bin überzeugt. Sie werden im Laufe der Zeit weitere Aufschlüsse vom Verbände bekommen. Diese Besor'niS war so stark, daß ich glaube, eS waren da­mals B'rhandlnneSmö'lichkeltrn auf dem Weoe. Lloyd George hielt seinerzeit in Paris eine Rede, in der er als wichtigste Forderung .Schiffe! Schiffe!" aufftellte, während, vorher die silbernen Kugeln da» Rettungs­mittel des VerbandeS waren. Verhängnisvoll war der Beschluß des U-Dootkrieges nur deshalb, weil er, wenn seine Möglichkeiten nickt zum Ziele führten, Amerika mit seinen reichen Machtmitteln pe en uns mobil machen mußte. Ich bin ober noch heute der Ansicht, daß ich richtig gebandelt habe.

Herr Sinzheimer bringt durch seine AiitationSfra» gen schließlich Bethmanns Geduldsfaden zum Reißen, er verwahrt sick mit empörten Worten gegen diese Kreuz» und Qirerkragerei. Er bezeichnet- das An- zapfungsversahrcn Sinzheimers als ein Manöver und

lUimcu, JIC lUUltl UHU

Mm gehabt hätten, hier dasunabhängige" Leitseil «Mwersen und ebenso wie die Demokraten diejenige Mttische Politik zu treiben, die zur Erhaltung des umeren Friedens und der gedeihlichen Entwicklung Var geboten war.

Nebenbei zeigte sich bei diesem Zwischenfall, daß Mcr Umstanden eine gewisseObstruktion" tm Par° ®Wn Meckmäßig fein kann. Nämlich um einen Mschen Beschluß durch eine Znfallsmehrheit zu ver- Moem. sind zufällig die Bänke auf der einen Seite

tief ibn? in schroffem, abweisenden Tone zu: »Ick bitte, ^r nicht fortwährend Fragen zu stellen, mir ik-nen man Widerspräche aus mir herauslocken Will. Wieder gebt, wie am Vortage, eine Derfaltt-betveguns durch den Raum. Der Vorsitzende ruar dies, woraus sich Bethmann in vornehmer Form w. zen seiner be- geiflichen Erregung entschuldigt. ,

Den Schluß der Verhandlieng bildet eine längere Unterhaltung über den Wert bezw. Unwert.Volkswirts schaftlichex Gutachten und über die Möglichkeiten des Il'BootkriegeS.

Niederlage der K irchenstürmer.

tiure vernünftige Mehrheit har endlich einmal preußilcken Landesversammlung der kirchen- blichen Linken Halt geboten. Mer Wahrschein- nad) wird es gelingen, mit einem häßlichen Shftütf aus der Zeit desKultusministers" Adolf Effmann aulzmäumen.

-Viyz handelt sich um die Verordnung über den «tritt aus der Kirche, die in de > Flitter cken der Revolution erlassen wurde, um die par- SJhtiicbe Agitation auf Massenaüstrttt von Staats- BJL fördern. Natürlich im Namen derGe- ELeSfreibcit". Tatsächlich bestand d e Freiheit zum «utrit schon seit mehr als 40 Jahren. Es mar eine kleine Uebergangsfrist vorgesehen, damtt 5"s. für den Einzelnen und seine Familie beden- l^zvolle Ent cheidung nicht Ha!S über Kopf in S« Stunde der Verdrossenheit oder Verhetzung soffen werde. Das Kernstück der neuen Berord- E war die Beseitigung dieser Bedenkzeit. Die mta'oren brauchten ihr Opfer nut zur Erklärung

de« Amtsgericht zu bestimmen: dann war das «and mit der Kirche sofort durchschnitten. Ter staatliche Gerichtsschreiber wurde dann alS Schei- ^mgSrichter auserwählt, damit ja nicht von lirch- Mrr Seite eine Mahnung an den AuStrtttskandi» baten ergehen könne.

llm geizigen Naturen noch einen besonderen An« ach zum Austritt zu geben, war ferner bestimmt, r,ß der Austretende vom nächsten Vierteljahr ab Hine Kirchensteuer mehr zu zahlen habe. Wenn die Agitatoren irgendwo einen Massenaüstrttt mitten ta Berwaltungsjahr zustande bringen würden, so wüßte die bestehende Kirchengenreinoe in Bankerott geraten.

Dieser Ufa? der revolutionären Machthaber sollte nun von der Landesversammlung genehmigt werden. Der Ausschuß des Parlaments hatte auch sich ver­leiten laffeu, dte Zustimmung zu empfehlen. Dann aber gab es einen Umschwung.

Das Zentrum wollte selbstverständlich die Geneh­migung versagen. Aber auch die demokratische Partei halle die Gefährlichkeit der Verordnung erkannt. Sie dachte einen Antrag aus Abänderung ein. Darnach stll der Ausschuß einen neuen Gesetzentwurf ausar- ieiten, der die Anzeige des Austtitts bei den berufenen Salretern der Religionsgesellschaft vorschreibt und die Etruerpflicht bis zum Schlüsse des laufenden Jahres fortbestehen läßt.

Puf dem Boden dieses Vorschlages war ein er­trägliches Kompromiß möglich. Daher unterstützte das Zentrum den demokratischen Antrag auf Rückver­weisung an den Ausschuß.

Erfreulicherweise traten auch die Rechtspar­teien dem Antrag bei. In anderen Punkten, die den Schutz der Religion betrafen, halten leider die Konservativen und Nationalliberalen ausparteipoliti­scher Taktik" manchmal versagt. Jetzt haben sie sich doch tlar gemacht, daß die Hoffmannsche Agitation aus Massonaustritt für das religiöse und sittliche Volks­leben verhängnisvoll werden könnte und insbesondere auch die evangelische Kirche aufs schwerste bedroht.

So ist es denn zu einer Koalition der nicht- sozialistischen Parteien gekommen. Anläßlich dieser Kulturfrage wurde vor aller Welt sichtbar ge- mae t, daß die Sozialdemokraten, auch wenn sich die 'kindlichen Brüder Im Kulturkampf vereinigen, nicht die Mehrheit in der gesetzgebenden Körperschaft haben.

Dis nette TemütiguriK Deutschlands.

Lloyd George hatte vor kurzem den Ausfpruch ge­tan, daß man sich mit Deutschland versöhnen wolle und nicht die Absicht habe, auf ihm herumzutrampeln. Ein besseres Bild davon, wie man sich bei unseren Feinden diese Versöhnung denkt, als die neue Note über die nichterfüllten WasfensiiSstandsbedingungen kann es schwerlich geben.

Die Note ist eine Fortsetzung der Schraube o h n e E n d e, die mtt der Ueberreichung der Waffen- stillstandsbedingimgen angesetzt wurde. Der Druck und die Erpressungen wollen nicht enden, bis wir als willfährige Sklaven am Loden liegen und Frankreich Deutschland zum Tummelplatz des französischen Mili- tarisrnus gemacht hat. Mit kühlem Rafsinernent sind die Bedingungen so ausgewählt worden, daß Deutsch- laick nicht in der Lage ist, sie zu erfüllen. Damit wird gleichzeitig der Boden für eine spätere Erpres­sung vorbereitet und so fort bis ins Unendliche.

Die Aufzählung der angeblich unerfüllten Bedin­gungen soll bei jedem, der das Ganze des Vertrages nicht übersehen kann, den Eindruck Hervorrufen, als ob Deutschland in böswilliger Absicht feinen Verpflich­tungen nicht nachgekommen fei. In Wirklichkeit glaubt die Entente an diesen bösen Willen selbst nicht. Denn die Bedingungen des Waffenstillstandes waren mit Vorsatz so abgefaßt, daß sie Unmögliches von uns verlangten. Zudem war darin niemals die Be­stimmung enthalten, daß sie bei Friedensfchluß restlos schon erfüllt sein müßten. Die wichtigsten Punkte haben wst gestern schon herausgegriffen. An der Rücklieferung der industriellen Maschinen arbeitet eine eigens zu dem Zweck in Wiesbaden eingerichtete Kommission in ständigem Einvernehmen mit den Kommissionen der Entente. Jede einzelne Maschine ist dort angemeldet, und es wird eingehend geprüft, ob sie, wenn sie gesunden ist, aus der deutschen Fabrik herausgerissen oder ob der Anspruch durch Entschädi­gung ausgeglichen werden soll. Es dauert natürsich Jahre, bis das alles geordnet ist. Was wir an Lo­komotiven und Wagen noch nicht abgeliefert ha­ben, ist ein nur geringer Fehlbetrag, der aber ledig­lich auf das Schuldkonto der Entente kommt. Wir haben das Doppelte von dem, was wir liefern müffen, vorgeführt. Lediglich die überscharfe, ja man kann schon sagen schikanöse Aitswahl der feindlichen Kom- miffion, die an der Güte des deutschen Materials her­ummäkelte, hat die restlose Erfüllung bisher verhin­dert. Die landwirtschaftlichen Maschinen aber sind erst tm Laufe dieses Jahres angefordert. Sie müssen zum größten Teile neu hergestellt werden, und das kann nicht, von heute auf morgen geschehen. Bei den Handelsschiffen, die Deutschland noch nicht ab­geliefert haben soll, kann es sich nur nm die fünf an Holland verkauften Schiffe handeln, sie bilden bekannt-

für ihre eigene Stellung), stattfinden zu. lassen. Diese Forderung ist ungesetzlich, da nach dem geltenden Recht die förmliche Entlasfung die Mandate aufhebt.^ Doch abgesehen von dem formal-rechtlichen Gesichts­punkte ist es doch ein furchtbarer Unfug, wenn man zu Ehren der paar Vertrauensmänner, die vielleicht bei der Neuwahl unterliegen könnten, Berlin in tie Nöte eines Generalstreiks stürzt. Bei solchem faden­scheinigen Vorwand für eine verhängnisvolle Kriegs-, erklärung kann man nicht an den guten Willen glau­ben. Ebenso ist es ganz klar, daß der Kampf nicht im gewerkschaftlichen Interesse, sondern aus politi­schen Triebfedern hervorging. Am Mittwoch abend lief das Ultimatum ab, der von den UnaShängigen und also aber der und

Der Schatten.

Roman von Arthur Winckler -Tamirnd.na.

«s _______

$ös klang beinahe traurig.

»Da gibt es doch ein sehr einfaches Mitt'", >eg c der ®$e*9>ngener Freund.

»Welches?'

»Sie Babette wird zuerst verheiratet.' sah sehr erstaunt drein: '

eu,??3 nenft Du einfach? Konrad, Dein Glück trübt <b, llmen Blick. Wer sollte es wohl wagen, eine ^bclte zu heiraten?'

Was Du sagst! Sieh mal nach rechts, da sitzt jemaub einem Schimmel, der hat mehrere Wochen ganz ernst- an dieses Wagnis gedacht"

»Du?*

.5a, ich!- ' .

and" Nach^' ein fauler Witz. Ihr seid wie Tag ~ "-vielleicht gerade deshalb lockte es mich. Dies lustige h^e Leben in mein viel zu ernstes Leben batfi: - Aber ich mußte ihr langroeifig sein, und des.

. Erfuhr sie nie von meinen Träumen. Und dann ttben ?annä) ja mit Dir ganz unbefangen drüber kam Inge In meinen Gesichtskreis. Ja, sieh "oberich-Iochen, da war es freilich. als wäre das teip'g gebietend vor mich getreten. Da gab's Hefe v chE" und kein Wählen mehr: Glück ober Unglück, ßh?.b,e Entscheidung der Stunde. Und ich habe das «>uck gesunden!"

Sefr35 Fan$ fabelnd, fc innig, so tief! Das war ein nwbtfter Liebe. Beide Freunde standen unter m Eindruck und blieben eine Weile still. Endlich » Roderich.Jgchxn wieder:

nun soll es ein stilles verschwiegenes Glück sein denn liebe, von der niemand weih? Was sagen lt Deinen Oder soll ich darüber nicht reden?"

Du'nd$Be5 to5 H«z voll ist, des geht der. Niü über. Und ich habe ja eigentlich niemanden, m darüber spre-ben kann, da lut es mir wohl."

'-J^en? 5a Weltzingen niemanden?"

freutiaS* sonderbar. 5tft bin h aller Form unter tt» J "V 3uitim:nung des Hauses bei Ruskins ongetre-, fEe eigentlich schon die Anzeigen aiifgcben.

Mama hatte sich eine reizende, kleine Feier zurechtgedacht. Aber schon auf der Rückfahrt wurde mir Immer unbehag­licher, je näher ich an Weltzingen kam. Und dann zu Haufe! Mama fiel mir um den Hols, als ich ihr auf den fragenden Bück in Jeans Gegenwart nur lachend zuge­nickt hatte, und Papa sagte: Gib mir auch 'N Kuß, mein Junge, es ist doch allo alles in Ordnung?"

Dann erstaunten fie. Welch eine Marotte murrte Papa und Mama begütigte chn: Inges Vater wird schon seine Gründe haben und hat sie Konrad sicher gesagt. Aber so die volle Freude kam nicht gleich wieder aus."

Roderich Jochen sah, als Konrad fetzt schwieg, erwar­tungsvoll herüber. Aber er hielt sich zurück, als Konrad keine weitere Erklärung gab und sagte nur in freund­lichem Tröstertone:

Na, und bann ward Ihr doch alle sehr glücklich. Wann kommt Inge wieder? Denn natürllch kommt ste, Babette rechnet fest darauf. Macht schon große Pläne für Weih- nachten und Silvester. Ich soll was ganz Besonderes anstellen. Und wenn Babette will, daß ich soll, dann habe ich es noch immer getan."

Konrad nickte:

Und solch artiger Hausvater will sich gegen seine natürliche Bestimmung sträuben ! Jetzt sage auch ich: Ro­derich-Jochen Heiratei"

Aber nicht die Lauenstein

Na, dannne andere, die Deine Fügsamkeit viel­leicht bester zu schätzen weiß. Uebrtgens, rate mal, wohin ich reite?"

Nun?"

Eben nach Rüstow zu den Lauensteins. Adele non Lauensteins ärztllche Kunst ist es, die ich suche. Wider Mamas Wißen und Willen."

Donnerwetter!"

Die kleine Lauensteinerin und der Kreisarzt Dr. Dutt« ner sind auch im Bunde. Da hat die Mama mit ihren Pillen an der Ärämcrsfraw herumgedok.ort, und setzt ist das Opferlamm kränker geworden, 'n wirklichen Arzt hott die Gesellschaft ja eigentlich erst, wenn es gilt, den'Toten­schein auszustellen, und da hat mir mein alter Herr ge­sagt: Frage mal Adele, ob die Pillen an einer Derschlim- merung schuld sein können. Dann nehmen wir fie ein­fach weg."

Also doktort fie dock heimlich, bte Kleine?"

Wie Du siehst, nur im Notfälle. Dr. Büttner meinte, er wolle und könne sich nicht ungentfen einmischen und übrigens sei das Zeug alles unschädffch. Fräulein von Lauenstein aber könne ohne Bedenken der Bawnin von Coens Konkurrenz machen. Na, da bin ich denn mit meinem Pillenglase unterwegs, und wenn Du Lust hast, komm mit!"

Stott aller Antwort hielt Roderich-Jochen feinen Daul an:

Daß sie mir auch was verordnet! Ree, mein Ge­liebter dort guckt schon der Rüstower Turm über die Buchemvipfel. Biel Dergnügen. Eigenlffch hättest Du weder Babette noch Inge anbeten dürfen. Deine Astrono­mie und Literatur mußte sich dort mit der Heilkunst ver­einen. Freilich, Ich wäre der künftigen Weltzlnger Ge­lehrsamkeit dann fern geblieben, ich, der schlechte Kraut» und Rübenbauer. Leb' wohl, Konrad."

Auf Diedersehen! Grüße das gnädige Schwesterleinl' Danke. Gleichfalls Du daheim!"

Damit machte Roderich-Jochen Kehrt und ritt zurück.

15.

Ernst Adalbert Ruskin betrachtete di« Difitenkarie, die ihm fein Kontordiener soeben übergeben hatte:

Tom Murray

Amo-ha-i (Tongking).

»Was wirscht der Herr?'

Das hat er nicht gesagt. Sr ersuchte nur um eine Unterredung', antwortete der Angestellte.

Ich laste bitten."

Gleich daraus erschien der Gemeldete, höchst elegant ge­kleidet. Er verneigte sich höMch im Eingang.

Ruskin erhob sich und trat auf ihn zu:

Parlez-vous francaig, monfier? Do yon fpeak eng» fffh?"

Deutsch, wenn ich bitten darf."

Ah! Und womit kann ich dienen?"

Dabei wies er auf einen Sestel. Murray nahm Platz und Ruskin setzte sich gleichfalls.

Ist cs ekras Geschäftliches?"

Nein Fc- 'enangclegenheit."

Der 'vrr schreckte auf.

Fc- Gelegenheit und aus" cr sah auf die Karte, tue u noch in der Hand HePAmc tzo.-i in Tong­king?"

Der Fremde schüttelte leicht den Kopf.

Nicht ganz so weit. Die Familienangelegenheit hat einstens in Wien gespielt."

Ruskin wurde kreidebleich. Entsetzt starrte er den Gast an und stammelte:

In Wien was was soll das fein? Was wistev Sie?"

Murray blieb ganz gleichgültig.

Herr Ruskin, ich habe nicht die Absichi, in Einzelheiten einzudringen. Es mag Ihnen genügen, daß ich weiß."

Aber, mein Herr, Sie sprechen von mir völlig Unbe­greiflichem --*

Völlig unbegreiflich doch wohl nicht. Dazu sind Sir zu blaß geworden, dazu zittett Ihre Stimme zu sehr.^ Und das alles, ehe ich überhaupt erwähnen konnte, ob die Fa­milienangelegenheit angenehmer oder unangenehmer Art fei.'

Ruskin biß sich auf die Lippen.

Wie konnte er sich so wenig in der Gemalt haben. Cntschiosten raffte er sich zusammen. Seine Stimme zit­terte nicht mehr, als er sagte:

Wenn ich süP völlig unbegreiflich, so ist es das. Meine Zeit ist gemesten. Beenden wir eine Unterredung, die ich überhaupt nicht hätte beginnen sollen."

Mit diesen Worten war er ausgestanden.

Murray blieb seelenruhig sitzen.

Bleiben wir doch bei den Tatsachen, Herr Rusküi. Sie haben die Unterredung weder gesucht, noch begonnen, das alles tat ich. Und ich werde sie beenden, wenn ich es :üt put halte. Zunächst will ich Ihnen die Sache etwas begreiflicher machen, indem ich den Namen Salzmonn nenne."

Trotz aller Willenskraft konnte es Ruskin wieder nicht verhindern, daß er zusammenzuckte. Der Satan ba vor ihm wußte asto wirklich etwas und wurde ihm immer unheim­licher. Scharf ruhte der Blick der funkelnden 2ütgen auf ihm:

Sie gehen auch Mrauf sofort ein, Herr Ruskin, und ich begreift Ihr Derftehen. Geben Sie sich nicht falsche, Gedanken hin:' Nicht Sie werden bestimmen, wieviel ick Ihnen jage, das bestimme nur ich. Aber, daß dieser Saiz mann krank, sehr krank ist, wiflen Sie."

Ich, Ich

Sie wollen das bejahen, denn Sie waren ja vor fünf Tagen zum zweiten Male bei ihm in feiner Wohnung. Ich danke Ihnen." (Fortsetzung, folott)