o
I
IM
fassen."
er-
die Einkommens- iCDöIferang zu er-
„Dankc."
Sie ritlen ein Stück nebeneinander. Konrad hatte sichtlich etwas auf dem Herzen. Endlich begann er:
„Warst Du in den Tagen mal bei — bei —•?"
„Ruskins?"
„3a.
„Nee. mein Junge, wirklich keine Zeit gehabt, weder bei Tag noch bei Nacht. Die Sache nahm mich fmchibar in Anspruch."
„Kann ich mir denken. Ich fragte nur so nebenbei. Es konnte doch sein " —
„Müßte eigentlich sein, Konrad, nachdem Fräulein Inge drei Wochen mein Gast war. Habe mich auch bei Herrn Papa erlschulbigt — schriftlich. Udingens Ron- ; rod, die Sache ist doch richtig, was? Babette kriegt ja fast täglich die seligsten Briefe. Sie erzählt mir natürlich das wenigste daraus, aber daß Ihr einig seid, ist doch klar."
Konrad reckte sich im Sattel, stolz und froh.
„Ja, mein Junge, von Dir nehme ich bereits einen Glückwunsch an. Wir smd einig."
Roderich-Jochen ergriff die Hand des Freundes, drückte st« kräftig und sagte:
„Don ganzem Herzen — aber wahrhaftig von ganzem Herzenl Es gibt zwei andere Menschen auf der Welt, die so zusan.«.,pasten, wie Ihr b»ibe."
Ich Lanke Dir."
„Aber sag mal, warum nimmst Du den Glückwunsch nur von mir? Wird's noch nicht öffentlich?"
.Nein, ein besonderer Wunsch von Inges Vater." „Ah!"
Der Süllenböcker machte ein ganz ratloses Gesicht
„Persönlicher Wunsch des Papas, den wir gern berücksichtigen."
„Natürlich, natürlich. Denke ja nicht daran, mich irgendwie hinein zu mischen. Eure Sache, das! Aber man stellt sich in seiner Junggejellendummheit vor, wenn es denn einmal soweit ist, dann heraus mit der Freudenbotschaft. Die Glücksfahne hoch am Burgturme, die Seligkeit ist zu Hause."
Konrad lächelte.
.Roderich-Jochen, Roderich-Jochen, wenn das nur gut endet! Du gerätst ja in poetische Zustände! Sag mal, hast Du vielleicht auch Funken gefangen?"
Eatilina machte einen sähen Sprung. Sern Reiter , war für ihn fühlbar eMrocken.
„Um Gotteswillen, male nicht--"
„Das Glück an die Wand, willst Du sagen."
„Sehr richtig. Du hast. mich in rührender Freundschaft davor bewahrt, eine kapitale Dummheit zu sagen. Aber, es hat wirklich noch Zeit."
.Na, na."
«Gott, ja, Du hast recht, ’ne kleine Lichtung ist schon aus dem Scheitel, und ich würde dem Plane vielleicht weniger Abneigung entgegenbringen, wenn er nicht Ba- bettens Liebling wäre."
»So, so!"
„Bei jeder passenden und unpnstenden Gelegenheit sagie sie: Roderich-Jochen, heirate. Neustens hat sie iie klein« Lauenstein da drüben für mich ausgesucht. Ra, weißt Du, das Mädel wollte Medizin ftuniiren. Nur der angedrohie Vatersluch hat sie von diesem Berbrechen an der Menschlichkeit abgehalten. Das Abiturium hat sie richtig gemocht — ich nicht. Meinem Ehrgeiz Hot dos Einjährige genügt, war schon basisch schwer! Wo bliebe da das häusliche Gleichgewicht? Mit solchen Sachen kommt mir Babette. Natürlich habe ich da das Gefühl — das ich übrigens immer habe, wenn sie mir ihr In- tereffe zuwendet —, fie will mich zum Besten haben. Wenn Babette nicht wäre, säße ich vielleicht schon im Kreist einer Familie."
. .(Fortsetzung folgt),
Die Berliner Streikbewegung.
Der Generalstreik der Berliner Metallarbeiter hat bis jetzt keine weitere Ausdehnung erfahren. Ein Versuch, auch die Werkstättenarbciter der Eisenbahnen in den Streik zu zigsten, ist geschei-- tert. Die Straßenbahnangestellten dagegen> sollen beabsichtigen von heute ab in den Unter» stütznnqsstreik zu treten. Die städtischen Arbeiter haben beschlossen, der Generalstreikparole zu. folaen, wenn die Gewerkschaft sie ordnungsmäßig’ onsgibt, daoegen werden sich die Hilfskräfte bc§; Berliner Magistrats dem Ausstand nicht anschließeL . . . wohl weil sie noch an den Erfahrungen vonr letzten Male genug haben. Wie der Siemens-Konzern mit teilt, wächst die Zahl der. Arbeitswilligeu in den Werken des Konzerns von Stunde zu Stunde.
Aus Befehl Noskes ist der Erlaß zum Schutze lebenswichtiger Betriebe für Groß-Berlin wieder in Kraft geletzt worden. Danach werden
drüben, wo der Weltzingener Weg am Buchenwalde entlang lief, ein Reiter auf. In elegantem Trab ging der blaugrau getupfte Schimmel.
Roderich-Jochen äugte scharf hin.
Das war doch — natürlich, das war doch Konrad!
, Und jetzt sah er auch her, und auf die Sekunde zugleich schwenkten sie ein, der Süllenböcker nach recht-, der Weltzingener nach links.
Auf der Mitte des Weges trafen sic sich und schüiielten einander die Hände.
„'n Morgen, Roderich-Jochen —!"
„'n Morgen, Konrad!"
„Also doch hell zurück! Ich dachte, sie hätten Dich da behalten, den Sieger vom Ganzen, Dich und Tautropfen. Gratuliere übrigens, das war ja eine große Sache." —
Roderich-Jochen zierte sich mit Gleichmut. Innerlich schwoll er vor Stolz.
„Hm, na ja, es war wirklich was —"
„Wer hätte das von dem Tiere gedacht, nee, gratuliere wirklich und herzlich!"
Die Londoner Hurrgerkonferenz.
In London wurde eine von privater Seite einLeru» fene Konferenz zur Bekämpfung des Hungers bsgon» nne. Einige Deutsche und österreichische Delegierte
. 14.
y-D? tollen Tage waren vorbei. Roderich-Jochen saß schZ-,1 *c,net Klitsche, wie er in trüben Stunden 6en Btrlnft $crrenF‘& i“ nennen belichte, und trauerst seinem
Dr. Gutmann und Bros. Oppenheimer» Eduard Bern- stein und Professor Bonn werden noch erwartet. Die Konferenz beriet zunächst über die Wrrtschafts- uud Finanzlage Europas. Ter Holländer ~r. ~s t n tt e- 6 a da der seit Kriegsausbruch tut Wiener Spital leitet, gab ein 'furattöaMs Bild von den Verheerungen, die Hunger und Krankheit in Wien angenchtet haben. Professor Brentano (Deutschlands erklärte, es sei Zwecklos, sorgfältige internationale Vorkehrungen für die Erhöhung,der Lebenshaltung tn ber-gen- zen Welt zu treffen,solange die Lebensyaltung der großen Masten Mitteleuropas fast auf dem asiatischen Niveau stehe. Sir George Paish, der die Verhalr- niste in Deutschland untersuchte sagte, Europa stehe vor einer unermeßlichen Katastrophe, und, wenn der europäische Kredit nicht wiederhergestellr werde, werde eine gewaltige bolschewistische Erhebung die Folge fein. Professor Starling, der an der RcgiernngZkommissiKi nach Deutschland teilgenpmmen Hah,. erklärre, Deutschland stehe am Rande de s Verhungerns: Millionen würden dqrt Meten Winter sterben.____________
Aus dem besetzten Gebt et.
Mesbade», 3. Nov. Die von der Stadtverwaltung auf dem Gelände des ehemaligen Exerzierplatzes mit einem Kostenaufwande von 200 000 <M angelegten Schrebergärten müssen auf Befehl der französischen Behörde sofort beseitigt werden, da sie angeblich den Platz benützen will. Mehrere hundert kleine Familien verlieren dadurch die Gelegenheit billiger Gemüseversorgung.
Ludwigshafen, 5. Nov. Der französische Ober- kommandierende der Rheinarmee General Degoutte, hat das Ersuchen zahlreicher Städte und Gemeinden der französischen Besatzungszone, ein Verbot oder eine Einschränkung der Zureise französischer Familien in das besetzte Gebiet mit Rücksicht auf die außerordentliche Wohnungsnot zu erlassen, abschlägig beschieden.
Die französischen Behörden verlangten im (Segen- teil von dem Bürgermeisteramt Ludwigshafen binnen 48 Stunden die Erklärung, daß die Stadtverwaltung bereit sei, für zwei Bataillone Kasernen zu bauen, andernfalls würden die 2000 Mann Besatzungstruppen in Burgerquartieren nnterge- bracht werden. Die Stadtverwaltung mußte sich schweren Herzens entschließen, dem rücksichtslosen Verlangen Folge zu leisten. Ihr Vorschlag, die Kasernen so zu bauen, daß sie später als Schulen benutzt werden könnten, wurde von den Franzosen verworfen. Die. Kosten der Besatzung, die bisher schon sechs Millionen Mark erreichen, drohen, für die Gemeinde zur Katastrophe zu werden.
Haag, 4. Roo. „Laatsie Nieuwes" melden aus Druffel, daß es atrf dem Aachener Westbahnhof zu bedauerlichen 3 irf a mm enstößen gekommen ist. Ein Zug mit belgischen Urlaubern wurde beschossen, auch eine französische Wache und französische Truppen wurden angegriffen. Zwei der Beteiligten sind getötet. Aus dem Bahnhof herrschte starke Panik.
wie der Keil der Teurung den unergründlichen Spalt des Steuerbeoarss immer weiter auf treibt. Er sagt da u. a. in einer sehr lesenswerten Aus- einandersetzunv:
„Schon heute möchten wir nun darauf Hinweisen, daß die Reichskasse ein böses Fiasko mit ihren zahlreichen Steuern erleben wird. Die Erträgnisse werden nicht entfernt h i n r e i ch e n, um den finanziellen Bedarf, der ohne die Anforderungen der Entente ja fast unerschwinglich ist, auch nur einigermaßen zu decken. Einmal ist der Bedarf seit der Zett seiner Feststellung ganz wesentlich gewachsen. Die Steigerung aller Preise in Verbindung mit der Entwertung der Valuta treibt auch den Finanzbedarf von Reich, Staat und Gemeinden in ganz kurzer Zeit in einer Weise In die Höhe, daß nach einigen Monaten schon der Bedarf sich leicht um den fünften oder vierten Teil gesteigert haben kann. Die weitere Entwicklung der Preise mit ihrer Tendenz, sich dem Niveau der Weltmarktpreise anzunähern, muß den finanziellen Bedarf immer höher schrauben, während der Ertrag der Steuern nicht nur nicht den Ertragsschätzungen entsprechen kann, sondern weiter hinter ihnen zuriitlbleiben muß. Die wirtschaftliche Lage gestaltet sich immer mehr in der Weise, daß die sparsam sie und einfach st e Lebenshaltung dem Volke aufgezwungen werden wird. Alle Versuche, der- Verelendung der Massen aus dem Wege zu gehen, müssen damit enden, daß das Elend um so nachhaltiger und unvermittelter sich einstellen muß. Uebrigens wird der kommende Winter den Ser- elend n ngsprozeß trotz aller Gegenniaßnahmen ganz wesentlich beschleunigen. Bei der Ertra'gsschätzung hat man aber mit dieser erzwungenen Einschränkung der Lebenshaltuitg der breiten Masten noch nicht gerechnet: man hat Erträgniste eingesetzt, die sich im kommenden Jahre nicht mehr rechtfertigen lassen. Vor allem werden die Erträge aus der Besteuerung des Mastenkonsums, foroelt er nicht der Befriedigung der elementarsten Bedürfniffe dient, den gehegten Erwartungen nicht entsprechen. Auch die Ergebnisse der Besteuerung des Luxus werden zu wünschen übrig lasten. Ein Teil dieser Mmdererträge wird zwar dadurch ausgeglichen werden, daß die Erträge infolge der Preissteigerungen günstig beeinflußt werden, aber wohl lange nicht in dem Grade, wie der Verbrauch zurückgehsn wird. Es bleiben dann noch die Steuern aftf Vermögen, Einkommen, Erbschaften, Kriegsgewinne usw. Aber auch hier wird sich nachteilig bemerkbar machen, daß die Steuerhinterziehungen größer sein werden, als die Steuerentrichtungen. Die Gegnerschaft gegen den Staat ist in den weitesten Schichten der Bevölkerung so groß, daß dec Staat gar nicht auf irgendwelche Willigkeit zum Steuerzahlen rechnen kann. Vor allem wird sich all jenes Einkommen und Vermögen dem Staate entziehen, dys während des Krieges auf irgcnd->me Weise entstanden ist, die mit bei Gesetzen in Widerspruch stand. Der Steuerapparat des Staates ist aber noch
Calwer weist darin hin auf das empfindliche Anwachsen der Ausgaben, das ja erst kürzlich wieder in amtlichen Ziffern zugestanden wurde und mahnt dann eindringlich zu größerer Sparsamkeit.
„Vor allem andern wird es notig sein, daß dieser Bedarf selbst in einer ganz anderen Weise hercbge» drückt werden muß, als dies heute bei aller Verherrlichung der Sparsamkeit geschehen ist. Auch heute wird bei Verwendung öffentlicher Mittel noch immer aus dem Bollen gewirtschaftet, als ob ein der Verelendung geweihtes Volk nicht tief genug herab- gedrückt werden könnte."
Die neuen Erpressungen.
Der Oberste Rat in Paris hat dem Führer der r »«nsihen Friedensdelegation in Paris, Freiherin von Lersncr und dem deutschen Beitreter bei der ^ffenstillstandskommission Baron von Wachendorf «ne Note überreichen lassen, deren Oegenftmb, die Don Deutschland noch nicht erfüllten Waffenstill- »andsbedrngungen sind. Da» Endergebnis der Note Hß Deutschland sich zu einer genauen Durch« i «Ijrung der Waffen still st yndsbedingungen I Unflaten soll, auch nachdem der Friede in Kraft getreten ist.
Die No:e führt anL, daß, da drei der Hauptmächte Hz Vertrag ratifiziert haben, der in den Schiutzbeitim. en des Fiuedensocrtra, es vor eschene Zeitpunkt Zx ^Ausstellung des ersten Protokolls gekommen sei. ■Sie deutsche Regierung wird gebeten, daran teilnehmen 8« wollen. Da jedoch von diesem Tage an der Vertrag in Kraft tiete und die Fristen lausen, so habe der l Cberfte Rat beschlossen, das Protokoll erst dann ans- ' HUNellcn, wenn Sie Ausführung der Deutschlano durch ; Aas Waffenftlllstandsabkommen übertragenen Vcrpflich- . jungen genau tn einem zweiten Protokoi l festgelegt sei Deutschland habe aber eine Anzahl der ihm auferlegten ■ Verpflichtungen nicht erfüllt. EL seien nochMa- > Minen und Wagen zu liefern. Die auf baltischem Ge° öiere befindl'.chen deutschen Truppen seien noch nicht zurückgezogen. DaS vollständige Verzeichnis der von - den Deutschen beschlagnahmten Gelder uno Werte fei noch nicht übergeben. Man habe die deutschen Schiffe in !scap2 Flow zerstört. Auch tn anderen Punkten, dre bctaHicrt sind, habe Deuischlans seine Verpflichtungen »ichr oder nicht voll erfüllt. Der obetiie Rat hat in. ■ jolgedesien eine Reihe von Strafbestimmungen aufgestellt, darunter dieAuslieferung von fünf leichten Kreuzern und von 400OOO Tonnen an schwimmenden Docks, Krä nen, Schleppern und Baggern. Auch soll die Besatzung der in Scapcr Flow versenkten Kriegs, schiffe zuruckaebal ten werden. Für den, Fall der Skvtrung sind Z !v a n g S m a ß na hm en an ged roht. Ferner sind bis zum 10. November bevollmächtigte Lcnreter nach Paris zu entsenden, die mit den Vcr- rettrn bet alliierten und assoziierten Mächte die mit .'an Inkrafttreten des FriedensvertrageS erforderlich , «tdendcn UcbrtrgangsvcstimnrunMn für die Abstirn- iwnpsgebietc us!o. zu regeln haben.
Aus dem Inhalt des Protokolls über die Nichterfüllung des Waffenstillstandsvertrcrgs wird noch mit« geteilt:
. 3n dem Protokoll wird fcstoestellk: Von den 5000 Lokomotiven, die auszuliefern waren, 42 noch Sich! geliefert sind. Don den geforderten 150 000 Waggons fehlen noch 10 460. Gemisst Unterseeboote, die ausgelieferi werden sollten, seien von ihrer Besatzung vernichtet worden. Es seien noch nicht alle Kunstwerke und künstlerischen Dokumente zurückgegeben, die in Nordstünkreich und Belgien entwendet wurden. Die sargeschriebene Zahl landwirtschaftlicher Ma> schinen sei noch nicht voll ausaeliesert. Das Material -er belgischen und französischen Industrieanlagen, bas sortgesührt wurde, sei noch nicht ganz zurückgeli ert. knie gewisse Anzahl von Handelsschiffen 'sei entgegen dem Berirage noch zurückbehalten. Unter Der- kgung der Vertrogsvoischrift, welche die Ausfuhr von Kriegsmaterial aus Deutschland untersagte, seien Flug- 1 Zeuge nach Schweden, Holland und Dänemark verkauft worden. Als Wiedergutmachung für die Versenkung der deutschen Flotte in Scapo Flow soll Deutschland innerhalb 60 Tagen die fünf leichten Kreuzer /.Königs- *e*8", „Pillau", „Graudenz", „Regensburg" und „Strcrtz- ««" abliefern, ferner innerhalb 90 Tagen eine Anzahl Schwimmdocks, Kräne. Schlepper usw., entsprechend einem Tonnengehalt von 400 000 Tonnen. Wei- ler wird als Entschädigung für die vernichteten U-Boote die Herausgabe von Ü-Bookmaschinen und -Mo- koren gefordert. Wem» Deutschland diese Sebingungen erfülle, behielten sich die Alliierten vor, zu a t fc n Zwangsmaßregeln militärischer oder an- äerer Natur zu greifen, die sic für etforberlhfi er» achteten.
Wie ans Berlin verlautet, wird sich das Kabinett Mll der Note erst heute beschäftigen, sodaß die amt« siche Stellungnahme zu ihr noch nicht bekannt ist. Iber wr jeden, der dir Note überblickt, kennzeichnet sie sich klue brutale neue Vergewaltigung des ohnmächtigen ^cuiichlllnhs. Die fadenscheinige Aufzählung unserer
Der Schatten.
Vornan von Arthur Winckler« Tannenberg.
HW ----
Dazu trank. Roderich-Jochen mehr als alle anderen, ledtmalls mehr, als ihm gut war.
schließlich fand er sich allein mit Murray in der ^etüede. Das Spiel an diesem Tisch war beendet.
hatte, einem Geheimzeichen gehorsam, die anderen -teuneijmer an sich gelockt, um, wie er sagte, ihnen ein» 2® 3U Zeigen, welche Tricks neuerdings vor Gericht auf. ^ckt worden seien. Er tat es in der wohlmeinenden
&en eincn l»der den anderen, der die Tricks noch ch. kenne, vor Falschspielern zu warnen. Bet leiden» Hanuchen Spielern ist die Lernbegier nach^ solcher Wis» > Schaft immer sehr entwickelt, und Bruno hatte eine ®wmerfferne Zuhörerschaft, wie verhältnismäßig armselig mne Vorführungen auch fein mochten. Denn die wirklich ^euchboren und zünftigen Handgriffe zeigte er natür- nicht.
Slur Roderich-Jochen blied in Murrays Händen, der t7*c Scn noch stärkeren Spezialmagneten. Jetzt ließ er Ruskin und Evens erzählen. Jetzt floß ihm T^rstandslos olles zu, was er zu hören verlangte. Und r Erzähler würde morgen kein Wort mehr von dem nur, was er erzählt hatte.
-«eien Zeitpunkt hatte der Tongkinefc abgekartet, um ™ 5U unterrichten.
«s der späte Herbstmorgen hcraurdömnurte, wurde k lunge ^Gutsherr in eine Droschke verladen, und seinem fchrt ?"'"^elieferi. Rcydt, obgleich selbst nicht uiroer- •9 übernahm die Oberaussicht.
^as letzte, was c: von Roderich-Jochen vernahm, was nur undeutlich über die Schwelle seines De- otstins drang, waren die gelallten Worte:
r,,,.* j5 ’n verslucht anständiger Kerl, der Spitz- der - Morgenländer."
flon von Rcydt war nicht wesentlich abweichender Srnn401®’-- ^^ngelte sich ml! möglichster Haltung am Hotels die Treppe hinunter und “v heim.
Unterlassungssünden kann nur auf einen Unkundigen Eindruck machen. In Wirklichkeit batten wir z. B. statt der geforderten 5000 Lokomotiven und 150000 Wagen bekanntlich 10 000 Lokomotiven und 250 000 Wagen zur Abnahme vorgestellt, aus denen die geforderten 5000 Lokomotiven und 150 000 Wagen hatten ausgewählt werden können. Frankreich hat sogar für Elsaß-Lothringen rund 12 000 Wagen zuviel übernommen, deren Rückgabe langsam erfolgt Ebensowenig stichhaltig sind die Borwürfe bezüglich der Rückgabe der Maschinen, wofür eine Kommission in Wiesbaden ständig mit der Entente zusammenarbeitet, und der Kunstwerke, die naturgemäß sehr schwer aufzufinden sind. Was ferner die Räumung des baltischen Gebiets cmbekmgt, so ist ja das rück- sicht-lofe Einschreiten unserer Regierung gegen die baltischen Truppen bekannt. Ebenso steht es mit allen anderen Punkten. Daß gerade die besten uns verbliebenen Kreuzer abzuliefern sind, versteht sich von selbst und beleuchtet den Zweck dieser Bedingung. Deutschland soll jeder wirtschaftliche Wiederaufbau unmöglich gemacht werden.
Die Absicht der Entente mit ihrer neuesten Erpressung ist klar. Man sucht sich Borwände für künftige Uebergdffe gegen Deutschland zu verschaffen. Wenn Deutschland das Protokoll unterschreibt, willigt cs trotz rechtskräftig gewordenen Friedens in die Fortdauer des W a f f e n st i 11 st a n d e s ein. Nach Treu und Glauben war anzunehmen, daß in Zukunft entweder der Friedensvertrag oder der Waffenstiü- standsvertrag in Kraft fein wirb. Nein, die Entente wünscht beide in Geltung zu haben, den unerfüllbaren Friedensvertrag und den Waffenstillstands- Vertrag mit seinen grausamen Bedingungen. Er ermöglicht Frankreich, jederzeit einen Vormarsch ins Ruhrge- biet oder nach Frankfurt a. M. vorzunehmen. Wenn Frankreich z. B. die Beteiligung Deutschlands an der Blockade Rußlands fordern will, was es laut Frie- densverträg nicht fordern kann, so muß sich Deutschland fügen, weil Frankreich jederzeit den Vorwand der unerfüllten Waffenstillstandsbedingungen machen und Deutschland unter fortgesetzter Androhung der Besetzung deutscher Gebiete dazu zwingen famt
So wird das Bestreben des Vieloerbandrs immer deutlicher, auf Enmd des Friedensvertrages und des Waffenstillstandsvertrages Deutschland ganz in feine Gewalt zu bekommen. Es scheint sich hierbei nicht nur um einen kleinlichen gehäffigen Geist zu handeln, aus dem heraus auf die strikte Erfüllung der aus» bedungenen Verpflichtungen gedrängt wird, sondern es Tommi ein systematisch ausgeübter Druck in Frage, mit'dessen Hilfe man beabsichtigt, unser Volk der gänzlichen Knechtung und Versklavung zuzuführen. Man gewinnt den Eindruck, daß man in Paris sich mit nichts Wichtigerem beschäftigen zu müssen glaubt, als mit der Ersinnung neuer Schikanen und neuer Deutschland aufzuerlegender Verpflichtun» geu, damit man bann die Daumenschraube immer fester auziehen und uns die Kehle immer enger Zuschnitten kann.
Das Protokoll ist in der Tat eine Schlinge, die Deutschland um den Kopf geworfen werden soll. Deutschland ist in. einer Zwangslage, wenn cs versuchen wird. Widerstand gegen eine solche Vergewaltigung zu erheben, da Frankreich entschlossen zu fein scheint, die Kriegsgefangenen nicht auszuliefern, wenn das Protokoll nicht unterzeichnet wird.
<1 KA I Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Karl Schütte, I f- G I Verlag der Fuldaer Acliendruckerri in Fulda. — Preis monatl. I 46. 3(lhrCI.
PF. *30* I für die Anzeigen: I. Pcrrzeller, Fulda. — Rotationsdruck. । O» TtOüßtK vCV t J. | j zo Mk._Fcrnspr. Nr. 9. Tettgr.-Adresse: Fuldaer
Die neuen Steuern reichen nicht.
Seit Reichsstnanzm'ni.ster Erzberger den Bedarf für seine großen Sreuervorlagen ermittelt hat, ist noch nicht ein halbes Jahr ins Land gegangen, da ertönt bereits der warnende Hinweis aus das schnelle Ansteigen des Steuerbedarfs als Folge wachsender Teurung. Einer der führenden Wirt» fchastsbeurteiler, der ehemalige iozialist-.sche Reichs- ragsabg. Richard Calwer, lenkt in seiner wirt« schastlichen Wochenschrftt „Die Konjunktur" die Aufmerksamkeit auf diese Schraube ohne Ende und zeigt,
Wütend war er. Durfte er doch nicht einmal laut und vernehmlich seinem Schmerze Ausdruck geben. Babette hatte chn mit der neugierigen Frage empfangen:
„Roderich-Jochen, mein gebietender Bruder, Du bfft wohl miigelaufeu? — Elend genug siehst Du aus. War's sehr anstrengend? Heiraten mußt Du, letzter der Süllcn- döcker auf Sullenböck. Host Du Dich diesmal umgcfchcn unter den Töchtern des Landes?"
„Laß mich in Ruh!" war die sehr ungnädige Antwort gewesen. Da:M hatte Roderich-Jochen sich den Eatilina fotieln lgffcn ,ber im ersten Grimm, d. h. auf zwei Tage, zum gewöhnlichen Reitpferde erniedrigt worden war, Und hatte versucht, ob — wie er s-rgte — das Dich überhaupt Beine besaß.
Hei, war das über die Sirandebene gegangen!
Seine hatte Cailllna unbedingt, und der Reiter hatte sich so nebenher gründlich ausgeslucht, über Tom Murray, über Eatilina und über das Hundeleben auf dieser armseligen Welt. Auf diese Weise wieder ins seelische Gleichgewicht geraten, ließ er den Dunkelbraunen gemächlich trollen und rechnete. Teufel auch das hatte eine Stange Gold gekostet! Daß sich die brave Slute ganz umsonst bemüht hatte, wäre ja noch zu ertragen, obschon dieser ausgefallene Posten vorher nicht in Rechnung stand, und übrigens würde Tautropfen auf dem grünen Rasen wieder einbringen, was er, Roderich-Jochen, auf dem grünen Tuch verspielt hatte. Aber, wie sehr er sonst noch seine Kasse in Anspruch genommen hatte! Nun wollte er dies Jahr die stille Zeit des Landwirts einmal wirklich zu einer Fahrt nach dem Süden benutzen, wenn möglich in Monte Carlo 'n bißchen naschen. Dazu mußte Anlage- kapüal mitgenommen werden und da klopft ihm dieser indische Hochstapler unb Aller-weltsgauncr so die Tasche aus!
Hochstapler uni Gauner! Auf einmal, weil er gewonnen hatte!? Roderich-Jochen schämte sich einen Augenblick. Es war doch alles ganz rechtmäßig zugegangen! Irgend t:r.er mutzte gewinnen uni irgend woher mutzte einer auch fein — warum nicht aus Indien? Unb bann, die Sache mit dem Derby würbe in Gang kommen, unb fo ging man eben üdcr's Jahr nach Nizza. Der Brumm- fchädel llchiete sich in dem frischen Seewinde, der aus Norden herüberstrich, kurz, das Hundedafein dieser arm- seligen Welte konnte doch noch mal ganz erträglich werden.
Eatilina betont eine leichte Aufmunterung unb hüpfte in flottem Zuge über den feuchtesten Sand. Da tauchlr