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HS

Die Kohlennot.

Die Oberste Heeresleb

«ethmannS

beendet.

rysrte» vast eS technisch unmöglich wäre, die ausge- MMien U-Bootc zurLSzubeordern. Es blieb mir nichts 2P?- als Wilson unsere Friedenkbedinyungen mitzu- Fr**' un^ daZ Ausfleben deS U-Dootkrieges znznsagen, Z® e8 dem Präsidenten gelänge, eine entsprechende / «nnidloge für FriedenZverhandlungen zu erzielen. Da.

Immer «och nicht Frieder

Sie neueste Erpressung.

Sit wenigen Tagen wird es ein Jahr her fein, daß bet Waffenstillstand abgeschlossen wurde, und noch immer harrt die Welt des erlösenden Augenblicks, da durch den Austausch der Ratifikationsurkunden der wirkliche Friedenszustand hergestellt ist.

Namentlich für Deutschland ist dieser Augenblick von höchster Bedeutung, da damit erst der Zustand der Unsicherheit, der ständigen Bedrohung aller seiner Le­bensbedingungen beendet sein wird. Zuletzt hieß es, daß dieser Akt desProtokolls" spätestens am 11. November stattfinden werde. Jetzt scheinen unsere Gegner den Zeitpunkt aufs neue hinausschie- ben zu wollen. So hat nach einer Meldung des Manchester Guardian" Donar Law erklärt, er er- warte die vollständige Ratifikation des Friedensver- träges und das endgültige Zustandekommen des Frie­

dens nicht vor Februar oder März 19 20.

Allem Anschein nach gehen die Widerstande gegen das baldige Zustandekommen des wirklichen Friedens wiederum von Frankreich aus. Trotz der ge­radezu schrankenlosen Selbstentäußeruna, mit der Deutschland nach Möglichkeit die unmöglichen Waf­fen st ill st andsbedingungen erfüllt hat, wird jetzt erklärt, daß diese Bedingungen nicht ein­gehalten worden seien, und daß vorher der Frie­den nicht eintreten könne. Deutschland habe nicht alles rollende Material herausgegeben, nicht genug Schiffe

: nr 253. | I Ulontaq 3. November t9<9. | I 46- 3Q1)rg

In Karlsruhe wurde wegen des Kohlcn- mcmqelS der Straßenbahnbetrieb ftillgelcgt. In den meisten Fabriken kann nicht mehr gearbeitet werden. Nach 10 Uhr abends wird auch kein Strom zur Beleuchtung mehr obdeoebcn.

Leberstunden zur Linderung der Lohleunol. Das Beispiel der süddeutschen Binnenschiffer hat auch m Westdeutschland Nachahmung gefunden. In einer Ver­sammlung in Duisburg beschlossen die Dinncnschifser, ebenfalls zur Linderung der Kohlennot täglich zwei Stunden und Sonntagsarbeit im November zu leisten.

Kurland.

Mexico. Der amerikanische Konsularvertreter IenkinS, desientwegen die Bereinigten Staaten ein Ultimatum an Mexiko erließen, ist wieder frei- gelassen worden.

ergeben, stehen sich die Forderungen beider Parteien hinsichtlich der Bedingungen für die Wiederaufnahme der Arbeit mit ziemlicher Scharfe gegenüber. Der springende Punkt ist der, daß die Arbeitgeber nach der Wiederaufnahme der Arbeit eine Neuwahl der Arbei terausschüsse verlangen, während die Arbeiter auf Be­lassung der alten Ausschüsse bestehen. Der ®rnnb dürfte sein, daß sie durch eine Neuwahl eine Schwä­chung der radikalen Richtung befürchten zu müssen glauben, wozu noch kommt, daß die bisherigen Aus- chüsie fick eine Machtstellung erobert hatten, weiche iber die Befugnisse, die durch das in Vorbereitung be- indliche Gesetz den Betriebsräten eingeraumt werde« oll, wesentlich hinaus geht.

Bergarbeiterstreik in Amerika.

Der schon länger angekündigte Bergarbeiterstreik in den Vereinigten Staaten hat am Samstag be­gonnen. Ter 'Streik ist nicht allgemein. Bisher sollen nur 375000 Bergleute die Arbeit niedergelegt Haden. Tas Kabinett hatte ein Manifest erlassen, worin eS den Streik als ungerecht, ungysetzmaßig und den Interessen des Landes zuwiderlaufend be­zeichnet. Gegen 84 Arbeiterführer wurde auf Grund dieler Bestimmung Anklage erhoben. Tic Arbeiter verlangen 60 Prozent Lohnerhöhung und die 30« stündige Arbeitswoche.

Deutscher Reich.

Die preußische Landesversammlung wird trotz der Personenzugssperre, die für den 5. bis 15. November angesagten Sitzungen am 4. November wieder aufneh- men und ununterbrochen fortletzen.

Eine schamlose Dehaupkmrg. Die Reichsregie., rung bezeichnet das im Saargebiet verbreitete Gerücht, die deutsche Regiemng wolle gegen Ucberlasiung ent­sprechenden Kolonialbesitzes schon jetzt das Saargebiet an Frankreich abtreten, als schamlose Behauptung, an der kein Wort wahr ist.

(*) Die Uebernahme der dennchen Beamten in polnische Dienste. Wie eine Nachrichtenstelle erfährt, steht im weiteren Verlauf der deutsch-polnischen Verhandlungen zu erhoffen, daß mem auf beiden sehen in der Frage der Uebrrnahm ber veur scheu Beamten in den polnischen Staatsoi-nsr bald zu' einem befriedigenden Ergebnis kommen wird. Die Einigung dürfte auf der Grundlage erzielt werden, daß den Beamten eine Uebergangsfrist bis zum 1. April 1923 zu gewähren ist, bis zu welchem Zeit­punkt sie sich für den endgültigen Verbleib in der deutschen oder polnischen Staatsangehörigkeit zu ent­scheiden haben werden. Gleichzeitig dürfte die gegen­seitige Anerkennung der Gültigkeit der Schulzeugnisse, z. B. des Reifezeugnisses, in beiden Staaten in Aus-" sicht sieben.

(*) Die Lleknrenkner und die Vermögensabgabe. Der Verein der Kleinrentner zu Dresden hatte sich wegen der einmaligen Vermögensabgabe mit einem Gesuch an den Reichsfinanzminister Erzbcrger ge­wandt.- Darauf hat der Minister geantwortet, wenn er auch keine bestimmte Zusicherung machen könne, da die endgültige Feststellung der Reichsgesetze durch die Nationalversammlung erfolge, fo möchte er doch' daraus Hinweisen, daß er bemüht sei, in dem Entwurf eines Gesetzes über die einmalige Vermögensabgabe Bestimmungen aufzunehmen, die einen ausreichenden Schutz der kleinen Rentner, zumal derjenigen, welche einem Erwerb nicht mehr nachgehen können, gegen steuerliche Ueberlastung bezwecken. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn dieser Stand doch noch berücksich­tigt werden könnte, denn bis jetzt Ist dieserhalb in dem Gesetzentwurf über bas Reichsnotopfer noch nichts vorgesehen, und der betreffende Ausschuß der Natio­nalversammlung hat den Entwurf schon in zweiter Lesung erledigt.

Darmstadt. 31. Okt. Auf der hier abgrhaltenen Tagung des Landesausschuffes der Hessischen Zen­trum sp a r t e i wurde für den bisherigen ersten Bor- sitzenden Sustizrat Schmitt (Mainz), der aus Ge­sundheitsrücksichten zurücktritt, Landtagsabgeordneter Lehrer Schorn (Mainz) und zu feinem Stellvertreter Larchtagsabgeordneter Rechnungsrat Herbert (Darmstadt) gewählt.

Herrn Ernte friedensbereit zu machen, tvenn am 1. Februar der U-Boorkrirg, begönne. Dieser Zeitpunkt hnr als äußerster Termin bezeichnet, wenn der U-Boot- krieg in diesem Jahre überhaupt Erfolg haben sollte- Dir oberste Heeresleitung verlangte den U-Bootskrieg inii voller Entschiedenheit. Hinter der Forderung stand ein gewaltiger Teil des Volkes. Der Glaube saß so lief und fest, daß man mich, von dem man wutzie, daß ich ibn nicht teilte, unterirdisch mit den übelsten Ver- kwmdimgen bekämpfte. Der überwiegende Teil der Bresse hat mit HocMruck in demselben Sinne gewirkt. Wederbolte Ansätze, die Presse zu zügeln, waren ohne besonderen Erfolg geblieben. Der Reichstag folgte der Oberston Heeresleitung. Die Oberste Heereslei­tung und der Admiralstab hatten beschlossen, den U.»

Aus llirche und Schule.

® Köln, 2. Nov. Im Befinden des Erzbischofs von Köln, des Ka>dinalS Hartmann, der seit einiger Zeit an Gesichtsneuralgie erkrankt ist, ist in den letzten Tagen eine weitere Verschlimmerung durch Hinzulreten von Herz chwäche eingetreten. Der Kranke bat am Allerheiligenlage die Sterbesakra­mente empfangen.

dns dem na» Dargebiet.

Die Kartoffel Knappheit.

O Gelnhaulen. Dem Kommunalv'rband Geln­hausen war aufiegeben worden, zusammen 106000 Zentner Kar offekn nach den Städten Hanau und Frankfurt zu liefern. Durch den Mangel an Saatkartoffeln ist jedoch feie Erntefläche im Jahre 1919 gegen das Borjahr um 2150 Preuß. Morgen zurückgeoangen. Der Ab chluß der Ernte chatzung ergab, ' nach Deckmiq de» Eigenbedarfs für die Kreiso strung eine Fehlmenge von 70000 Zentnern Kartoffeln zu verzeichnen war.

NcchmittagSsitzung wurde dir Bernehmung ^eldmann-HollwegZ fortgesetzt. Auf Anfrage erklärte er dem Botschafter Gerard bei seiner Rückkehr - «25 im September 1918 bestimmte Bedin.

!rnJKn nicht mitgegeben habe. Auf den Hinweis, daß Jvte Friedensvermittlrmg Wilson? angeregt, auf der ^weeen Seiten aber Wils«, nicht mitgeteilt habe, daß ^.stlbst eine FciedenSaktion unternehmen wollten, v!lc® Bethmann, er habe beide Aktionen gegeneman- t.J' abgewogen und geglaubt, zwei Eisen im Feuer Zu sollen. Er könne nur' wiederholen, daß die ' i^ulTl5a^fc*0n Wiltons durch unser Friedensangebot i ,, "eemträcktigt worden sei. Auf den Einwurf, daß r.'. pessimistisch über den KricgIausgang dachte, er mit Nachdruck, daß er niemals pessimistisch

I sti. _ Er habe vom ersten Tage an die Lage uufflrfaßt: Ernst und Pessimismus feien ihm h ganz verschiedene Dinge. Hätte er im Reichs-

Pessimismus vertreten, dann wären wir sofort r-rtm^?i?ebrochen. Da sei es seine Pflicht gegenüber und der Armee gewesen, den Mut aufrecht- K-'-kX*«.* die Frags, öl' nichts geschehen.sei, dir .Pecpe auf die Fr'.cdcnsaktion Wilsons ein-u. n^' '°itte Bethmann, daß es seine Aufgabe war, toPwem der U-Bootkrieg einmal beschlossen war, die dieser Waffe nicht irgendwie in Zweifel zu | ^:2:nr- Tic weitere Vernehmung ergab nichts Neues.

-t Abgeordnete, besonders Dr Sinsheimer ausgeliefert und einige verkauft. Ferner sei die Per- di? sie a» ^ohn .Unabh.) suchen durch Fragen, . |cnfung öer Flotte in Scapa-Flow und die Belassung i=' - 091 Bethmann richten, von diesem die Bestätigung i^7 <#,,.*

-en »darteipolitischen Auffassung zu all diesen Puvk-[ der Truppen IM Baltikum cm Bruch Laftenftch- erhalten. Sie müssen e? sich mehrere Male ge- * standsvertrages.

Die Fr'redensttntersuchung.

Bernch mnng Bcthmonn-HoUwegS.

^er zweite Unterausschuß deS parlamentarischen R^ArwchilNgSauSschusse», der die Kriedensmö.ssichkciien .-Tfudsen soll, nahm am Freita, seine Arbeit mit der ,?.l'nec:nun.i deS früheren Reichskanzlers v.Bethmann- | w.eder auf.

: Fragen, auf die Bethmann antivorten soll,

.7h warum ist Deutschland am 12. Dezember 1916 -1.; ,-nbtg porgegan.-en, obwohl dis Ende Dezember öte pl^tene Alt'.on Wilsons in Aussicht stand? warum | wiifon trotz dringender Aufforderung weder offiziell - vertraulich die deutschen Bedingungen mitgeteilt ntNit? warum hat die Regierung die von ihr be- ,vrte Vermittlung WilsonS nicht weiter betrieben, son- eJjL den verschärften Uvootkrieg eröffnet, von dem sie muM patz er zum Krieg mit Amerika führen muffe?

F "^estthmann ging au» die Fragen in einer längeren W ein: Unser Wunsch ging Sahin, daß Präsident t ^|.-on die Alliierten an den Verhandlungstisch bringen El Bethmann nennt dreS eine Friedenkaktion zum diterschted von einer FrirdenSvermitttung, die feiner, tat nicht gewünscht wurde. Zu den Gründen, die unS F veranlaß! Haden, za einem eigenen Friedensangebot u >-mnen. ohne dir erwartete FriedenSakrion Wilsons Z^varten, sagt Bethmann. es sei ter Berliner 9te« k'aier-ng damals zweifelhaft gewesen, ob Wilson zu c-ner Friedensaktion kommen würde, weil Wilson durch die Handelsbeziehungen zu England gebundon war. Un- Mr Friedensangebot mußte zu einer Zeit erfolgen, wo EUr militärisch stark waren. Hätten wir gewartet, d^m hätten wir den Zeitpunkt, der mit der Nieder- «rfung RumÄuienS gegeben war, verpaßt. Der Kanz­ler setzt dann die Gründe auseinander, aus denen das Äacde't gerade am 12. Dezember erfolgt ist. ES wa­rm dies die innere Stimmung in Oesterreich und ' Deutschland, dazu kam die Kabinettskrise in England, cuch da? innerlich wankende Zarentum Rußland schien -mem Frieden geneigt. Daß das Angebot von unseren Minden einmütig abgelehnt wurde, konnte man damals richt rörauSsehsn. Wir können aus den Zeitungen lesen, wie unbequem den Feinden unser Angebot war, vielleicht hätten sie auf einen starken Druck von unten r soweit nachgeben müssen, daß wir eine Grundlage zu Verhandlungen gefunden Härten. Tie Form des An- gebors war cm Kompromiß dec militärischen und poli­rischen Stellen. Ich bin auf dem einmal beschrittenen Leg weitergegangen. Bei der FriedenZresolutron im .ssuli 1917 fand sich zum ersten Male im Reichstag eine Mfrheit für diese meine Politik zusammen. Ich hatte »zegen diese Resolution nichts einzuwenden, nur hielt ich den Zeitpunkt wegen unserer rnilitäxischen Lage nicht geeignet. 'Deshalb habe ich noch wenige Tage vor mei­nem Sturz dem Ausschuß zugerufon: Fassen Sie keine schlappe Resolution. Zur 3weiten Frage äußerte sich ber srühere Reichskanzler dahin, daß, die positiv aus« gesprochene Bitte um vertrauliche Mitteilung der Frje. dcrrsbedinguntzen erst in die allerletzte Periode vor dem Bruch mit Amerika gefallen sei.

Ci::cn breiten Raum in seinen Betrachtungen nahm die Frage der ZustinTmung zum U-B o o t k r i e g ein. » Gründe, die zur Erklärung btT~irnlrrft S nh ren U-Bootkrrege S führten, tvaren zum ersten die schroffe Ablehnung des FriedensaLigebors. Hinzu karr: die Marine machte sich stark, England LiS zur

ürng und der Ädmiralstab hatten beschlossen, den U.» Avo-krieg zu machen. Ter Kaiser stand auf ihrer Seite. Ausschlaggebend war, daß Hindenburg und Ludendorff dafür waren. Das Vertrauen, daS diese Feldherren beim gesamten Volke hatten, war bezwingend. Die vnlttärischrn Stellen erklärten, daß der Aufschub einem I «erzicht auf eine glückliche Beendigung des Krieges Neuhkomme. Wh konnte mit meiner gegenteiligen -Neinung also gar nicht durchdringen, insbesondere da ^>nFriedenSu7tternehmen gescheitert war. Vielleicht 'st dem militärischen Ueberge wicht nicht !!chtz«tig und energisch gentrg Widerstand geleisiet D0^n> vielleicht hätte ein Mann von der Qualität - und Autorität eines BiSmarck die Fähigkeit besessen, auch in solcher Lage die Einheitlichkeit der Führung zu erietet. Bethmann begründet dann in längeren AuS» Nlhrussgen, warum er es für feine Pflicht gehalten habe, Hetz seiner gegenteiligen Ansicht die Veranttoorrlichkeit sur dte Erklärung deS U-Bootkrieges zu übernehmen, «-ne Demission habe er insbesondere deshalb nicht e-n«reicht, weil er beabfichtigte. feine Friedenspolitik f^nerzuführen. Als endlich am 28. Januar Bernstorffs ^ehhe mit der Mitteilung etntraf, daß Wilson be- ben Friedenr vermitteln, und nm unsere «Wingunaen bäte, war eS zu spät. Die Admiralität

fallen lassen, von Bethmann in verblümter Weife zu» rechtgeivicsen zu werden. Die Vernehnning ergibt, daß Bethmann seinerzeit nicht geglaubt hatte, daß das Friedensangebot von ben Feinden und Neutralen als Zeichen unserer Schwäche angesehen werden würde.

Nächste Sitzung: Dienstag, 4. Nov.

Kein Bismarck.

In den bisherigen Bekundungen Bethmann-Hoss- wegs ist das Auffallendste die Klage, daß-wir in den krinschcn Zeiten keinen Bismarck gehabt haben.

Ein Mann von der Qualiiät und Autorität ei­nes Bismarck, meinte er, tät*e vielleicht die Fähig­keit be essen, auch in solche Lage die Einheitlichkeit der Führung zu erzielen.

Er gesteht offen zu, daß die Einheitlichkeit gefehlt hat, und zwar wegen des entschiedenen Uebergewich- tes der militärischen Verwaltung, der sich die politische Leitung zu-en hatte. Er fügt hinzu: Vielleicht ist dem militärischen Uebergewicht nicht rechtzeitig und energisch genug Widerstand geleistet worden." Damit nimmt er einen Teil der Schuld auf sich selbst; denn er war von Kriegsanfang an der verantwortliche Leiter der Politlk. Aber er will sich nur als Mitschuldigen mit mildernden Umstän­den gelten lassen.' Den grüßten Teil der Last sucht er abzuschieben auf den Reichstag und auf die DolkS- stimmung.

Gewiß haben wir allzumal einen gewissen Anteil an den Irrungen und Mißgriffen, die zum Unglück geführt haben. Zur Entlastung des Volkes und her Volksvertremnq muß man aber gehen las­sen, daß weder der Reichstag noch die öffentliche Meinung gründlich informiert waren über die mili­tärische Lage in den kritischen Zeitpunkten. Das Wichtigste wurde geheim gehalten und mußte ja auch großenteils geheim gehalten werden, um nicht den Feinden Vsrteil zu bielen. Der Reichskanzler aber war imstande, sich jeden Augenblick genaue Kenn kniffe su Vers Haffen, auch von den militari1 dien Stärkeoerhöltniffen, von der Zahl der U-Boote, von der LeistiMgsfahlgkeit der Derbündeten usw. Er und sein Mitarbeiter im Auswärtigen Amt und in der Inneren Regierung waren befähigt und berufen, die Pläne der Obersten Heeresleitung zu prüfen und den Einklang mit der politischen Geschäftsführung herzustellen. Das Volk mußte in militärischen Dingen zunächst auf die Entscheidung der Fachmänner, der Führer des Land- und Seekriegs, fein Vertrauen fetzen.

Der Reichstag mag In den ersten Jahren wohl zu vertrauensselig gewesen sein; doch ist die Klage des Herrn v. Belhmmm-Hollweg über die unzureichende Unterstützung der politischen Leitung durch die Dolks- vertretung in dem vorliegenden Umfange nicht gerecht­fertigt. Wenn er mehr Unterstützung brauchte, fo hätte er sie wohl erreichen können, wenn er In dem entschei­den Augenblick die Volksvertreter genügend informiert und etwas mehr bismarckisch äufgetreten wäre. Der Reichstag gab ja schließlich ohne Zutun des Reichs­kanzlers einen Beweis selbständigen Urteils und eige» ner Tatkraft, als er im Juli 1917 die bekannte Reso­lution faßte. Dazu konnte es fteilich erst kommen, als im Reichstagsausschuß das Versagen des U-Bootkrie­ges und sonstige bedenkliche Vorgänge bekannt wur­den, die bisher von den amtlichen Stellen geheim ge­halten und vor der öffentlichm Meinung sogar verleug­net waren.

Als es so weit gekommen war, hatte sich Herr von Dethmann-Hollweg in seiner Amtsführung bereits er­schöpft. Er mußte gehen. Sein unglückseliger Nach­folger Michaelis verdarb nun vollends die Möglichkeit, daß die politisihe Leitung im Verein mit dem Reichstag die mUitärisch eDiktatur auf das richtige Maß znrück- führe. Graf Hertling machte in dieser Hinsicht einen nayn Anlauf, indem er sich vor Antritt feines Amtes versichern ließ, daß die Oberste Heeresleitung auf die Eingriffe in die Polittk verzichten wolle. Das Versprechen ist nicht gehalten worden. Darüber ist sehr Interessantes zu lesen in den Erinnerungen, die sein Sohn soeben veröffentlicht. So nahm das militärische Hasardspiel seinen Fortgang bis zum traurigen Ende.

Herr von Bethmann-Hollweg hat die Hoffnungen auf den durchschlagenden Erfolg des U-Bootkrieges nicht geteilt, aber er hat sich trotzdem dieser Maß­nahme der Heeres- und Flottenleitung gefugt. Ein Bismarck hätte bei solcher Ansicht das äußerste daran gefetzt, um das Abenteuer zu verhindern. Herr von Bethmann hatte eine Verantwortlichkeit auf sich genom­men, die er feinem Gewissen nicht zumuten burfte, und er hat nicht das äußerste versucht, um dir endgültige Durchkreuzung seiner Friedenspolitik zu verhindern.

Die militärischen Führer hatten zuviel Wagemut, die politischen Führer zu wenig.

Gegen den Vorwurf wegen des rollenden Ma­terials müßte Deutschland ein Blick auf seine verzwei­felte Verkehrslage schützen. Die Schiffe an Holland wurden verkauft, als vom Waffenstillstand noch keine Rede war. Und die Truppen im Baltikum wären längst zurückgezogen, wenn die Entente anfangs nicht ausdrücklich ihr Verbleiben gewünscht hätte. Die Ver­senkung der Schiffe in Scapa Flow konnte durch die deutsche Regierung nicht verhindert werden. Jetzt soll nach französischen Meldungen von Deutschland ver­langt werden, daß es ein Protokoll unterzeichne, worin es die Schuld an aDyt diesen angeblichen Ver­tragsverletzungen zugestehe und sich damit erneut maß­losesten Forderungen der Entente ausliefert.

Aber wer weiß, ob dies alles etwas nützen wirb. Elemenceau will vor allem das militaristische Regime Fach noch so lange aufrechterhalten, bis in den ein­zelnen loszutrennenden Gebieten die. Volksabstimmun­gen durchgeführt sind. Man kann sich aus den Zn- stönden, die im besetzten Westen herrschen, ausrechnen, wie mit der Freiheit der Abstimmung im Osten ver- sahren werden würbe.

Wie tvir verschwenven.

Wie der englische Hanbelsminister Geddes im lln- terhaufe mitteilte, betrug die Ausfuhr englischer Zigaretten nach Deutschland, soweit es kontrolliert wurde, im Juki 5505 Pfund, im August 54 500 Pfund und im September 254 500 Pfund.

Rechnet man auf ein englisches Pfund 400 Zi­garetten, bas Stück zu 25 Pfennig, fo käme man allein für den letzten Monat auf eine Einfuhr im Werte von 25 450 000 Mark. Das ist aber nur ein Bruchteil der tatsächlichen Einfuhr. Ausdrücklich wurde vom englischen Hanbelsminister bemertt, daß in die­sen Ziffern nicht der Versand für die englische De- satzungsarmee einberechnet sei. Bekanntlich treiben aber die Tommies einen schwunghaften Handel mit Zigaretten. Wir viel Millionen dafür noch außerdem bezahlt worden sind, läßt sich gar nicht schätzen. Und zusammen ist das nur ein Test der in diesem Augen­blick oeradezu gewissenlosen und unverantwortlichen Verschwenbung deutschen Dolksvermögens, wenn man die Einfuhrmengen anderer Luxusartikel hinzuzieht. Wohl hungerte das deutsche Volk nach diesen Genuß- Mitteln,' an die es sich gewöhnt hatte und die ihm jahrelang versagt bleiben mußten. Wenn wir aber jetzt dem allgemeinen Begehren uns nicht standhaft widersetzen, und den Hunger nach all diesen Dingen niederkämpffen, wenn nicht jeder einzelne im Volke die unabsetzbaren Gefahren erkennt, die einem völlig verarmten Volke erwachsen, bas im Augenblicke bet* größten Not nicht mehr die Kraft findet, feine Wünsche zu beherrschen, so verdienen wir eben das Schicksal, das uns droht. Die letzten Pfennige werben ''er schleudert und sahrehmidertelang Armut und Der- efenbimg sind die unausbleiblichen Folgen. Jeder ein­zelne ist verantwortlich dafür und soll sich dessen be­wußt jein, daß es sich hier nicht nur um fein eigenes Wohl, sondern ebenso schr um dos der kämmenden Geschlechter handelt. ' '

Ans dem besetzte» Gebket«

Mesbaden, 31. Okt. Der Oberbefehlshaber der aOixrten Armee hat den Oberbürgermeister von Wies- baden Dr. G la f f i n g feines Amtes enthoben und ihn ausgewiesen. Es wird Glässing von stanzösischer Seite als Schuld zur Last gelegt, daß er durch schlechte Ver­waltung und Unvorsichtigkeit viel zu der schlimmen Lage 'in der Kohlenversorgung Wiesbadens beigetragen habe. Außerdem soll er noch die französischen Behörden von Zuständen, die die Tätigkeft der hiesigen Dienstzweige und die öffentliche Ordnung hätten gefährden. können, erst spät in Kenntnis gesetzt haben. Die amtliche Be­gründung der Maßnahme ist natürttch eine hohle Aus­rede. Die gesamte Wiesbadener Bevölkerung ist mit der Serwaltungstätiptelt ihres Stadtoberhauptes durch­aus zufrieden gewesen. Besonders anerkannt wurde von der Bevölkerung feine aufrechte Haltung gegen­über der Befatzungsbehörde. Diese Pflichterfüllung ge­genüber feinem Vatcrlande und seinem deutschen Volke ist es, die zu der französischen Gewalttat gegen ben Oberbürgermeister jetzt geführt hat.

Wiesbaden, 31. Okt. Die Rücksichtslosigkeit der Franzofen ist grenzenlos. Sie fordern u. a. von der Stadt, daß sie für die zahlreichen französischen Fami­lien Milch und Butter in großen Mengen zur Verfü­gung stellt und zwar zu Preisen, die die Franzosen selbst bestimmen. Trotz der Einschränkung des Stra- ßenbahnverkehrs in olge der Kohlennot muß jeden Tag ein Extrawagen 8 französische Kinder, die das Gyma- sium in Mainz beuchen, dorthin fahren und wieder abholen. Die Wagen werden von Soldaten bewacht, die darauf zu achten haben, daß kein deutsches Publikum den Wagenmißbraucht".

Düsseldorf. 31. Okt. In dem von den Belgiern be- fetzten Düsseldorfer StadtteU Oberkaffel trafen belgische Wachtposten auf einer einsamen Straße die Gebrüder Wehr und forderten von ihnen die Ausweis­papiere Als diese in die Taschen greifen wollten, um ihre Pässe herauszunehmen, werden sie von den Belgiern erfchossen._________

Reform in den EisenvahnwerkMten.

Jnfalae der zahlreichen Klaien über den Material, und Werkzeuaman tel sowie über da» veraltete Be­triebssystem in ben We kst tten. das nach Änsicht der Elsenbahner die Produktion bisher außerordentlich ge­hemmt hat, bat siä> das E>senbahnmin,sterium ent­schlossen, den Betrieb in den Lokomotiven- und Wagen» reparaiur-Werkilätten auf eine modernere Grundlage zu stellen, bei weichen den arbeitetn das gewünschte Mitbestimmungsrecht in weit -ehendrr Weise zu- gesickert wird. Sckon im nächven Monat werden in­nerhalb jeaeS Eisenbahnbetriebes soienannte Lei- stun gSausschüsse «tnoefüijrt, die vor allen Dingen die Produktion heben und für moderne AuSitestaltung deS Bet,lebe« sorgen sollen. VIu» jeder BrtriebSgruppe sind je zwei'Angehörige der dort beschäfti ten arbeitet zu toäblen, die zusammen mit den bereit? bestehenden Arbeiter» oder Betriebsräten die Produktion zu über­wachen und für Reformen im Betrieb Vorschläge zu machen haben.

Der ülelaflarbeherftreit in Berlin.

Die zum Zwecke der endgültigen Beilegung des Mc- tallarbeiterstreiks geführten Verhandlungen sind wieder einmal an einem kritischen Punkt artgelangt. Während sich in der Tariffrage besondere Schwierigkeiten nicht