ggie wir den Frieden verloren.
- hx» weiteren Veröffentlichungen des Grafen "L befinden sich Mitteilungen über jene Epoche
1917, in welcher wir dem Frieden am öaren. Es ist von einer eigenen Tragik, an Adiefer Erinnerungen eines Mannes, der an Erttber Stelle stand, zu erkennen, wie wir den S2 verloren haben.
oisbefonbere spielt bei diesen Betrachtungen die fhma t£5 Unglücksreichskanzlers Dr. Michaelis
Ralle. Czernin und Michaelis hatten damals 'Bedürfnis, sich eingehend über die Lage auszu- ’ <cl1 Michaelis sandte die Grundlage dieser Sus« S 'den> Grafen Czernin, eine Denkschrift, - welcher man ersehen kann, in welchem verhäng, «ollen Dann sich dieser Kanzler befand, lieber die
Deutschland zu stellenden Bedingungen äußerte % Michaelis dahin:
rivaiitbtonb fei bereit, die besetzten französischen Ge- K; in räumen, mülle sich aber vorbehalten, das Gebiet E6 äonrnan und Briey sich wirtschaftlich nutzbar zu
' Die Abtretung elsaß-lohtringischsr Landesteile ""^.LNkrÄch wird als ausgelchlosien bezeichnet. Bel- ** vt5rc mit Deutschland militärisch und wirtschoirlich RL.,h-u werden. Michaelis betont, daß nach den Der- ^liinaen im Großen Hauptquartier in Kreuznach die Euiriiifie Kontrolle Belgiens bis zum Abschluß eines KL un[> Trutzbündnisses mit Deutschland und der Er- Erbotie’- die langfristige Pachtung von Lüttich und der irischen Küste die Maximolfordemnarn der Obersten Ssleituns und der Marine seien. Die Oberste Hee- ömnn sei mit ihm, Michaelis, einig, daß diese Be- irj.t-cn nur zu erreichen seien, wenn England der ^de aulgezwungen werden kann. Durch den U-Boot- glaube man, das erreichen zu können.
Graf Czernin teilt mit, daß er den Standpunkt w Kanzlers Michaelis, namentlich in der belgischen jstage, dem Kanzler gegenüber als ein schweres nriodenshindernis bezeichnet habe. Er habe je,. Kanzler auch darauf aufmerksam gemacht, daß »iescr Siandptmkt in „direktem Widerspruch mit dem »Men des Reichstages" stehe. In der Tot war diese tztckümmqhmc des Kanzlers Michaelis eine Miß. «chmng der Willenserklärung des Reichstages, wie sie W der Friedensresolutton zum Ausdruck gekommen ist. «je damalige Stellungnahme der deutschen Regierung Web den Feinden natürlich nicht verborgen. Man «eh uns der Unehrlichkeit und Hinterhältigkeit und Wdurch gingen wir des Friedens verlustig. Czernin stellt ausdrücklich fest, daß in der Tat im Frühjahr 1S17 sich Fäden mit Paris und London anknüpften «r.d daß Möglichkeiten, zu einem erträglichen Frieder; zu kommen, bestanden. Michaelis aber habe sich von den Alldeutschen beherrschen lassen. Für den verblüf- imöen Grad von Ahnungslosigkeit, womit die All- dculschen die Lage verkannten, führt Czernin folgenden Fall an:
Ein Vertreter dieser Poesie habe ihn in Wien auf. «esucht, um ihm die Bedingungen mitzuteilen, unter wel- chm seine Gruppe Frieden zu schließen bereit fei. Die Bedingungen waren: Annexion Belgiens, eines Teiles von Rordlrankreich, Kurlands und Litauens, Auslie- Wmig der englischen Flotte an Deutschland und wer weiß, ßüeni'rle Milliarden Mark an Kriegsentschädigungen usw. - ss ernin sagt dazu: „Ich empfing den Herrn in Ge- gennxrrt des Gesandten v. Wiesner, und wir hatten beide M Eindruck, daß im vorliegenden Falle nur der Arzt «!sen könne." _
Czernin faßt sein Urteil über die Aera Michaelis dahin zusammen: Zwischen den Ideen des Reichs- kanzlris Michaelis und den unseren war eine Kluft, Ke war unüberbrückbar. Michaelis machte dann bald iem, wie Czernin sagt, „staatsmännischen" Grafen Hertling Platz. Es war schon zu spät. Der ll-Vootkrieg hatten feilten Schrecken verloren. Die Fricdensrvilligkeit der Entente nahm ab, ihre Kriegs- küftung wuchs immer mehr, und unsere Verbündeten zerfielen. So verloren wir den Krieg.
M 252.
Samstag, 31. Lktober 1919.
Der angenblickliche Heeresbestand.
: Der Nationalversammlung ist der Etat der Ver- Haltung des Reichsheeres zugegangen. Danach sind snt 1. Oktober 1919 vorhanden:
Offiziere. . . . . 6885 Köpfe
Sanitätsoffiziere . , 749 „
Veterinäroffiziere. . 342 „
| Feuerwerksoffizierc . 24 „ 8000 Köpfe
Unteroffiziere . . 29056 Köpfe
■ Mannschaften. . 162944 „ 192000 „
Insgesamt 200 000 Köpfe
Tic Gesamtzahl der Beamten beträgt 2386.
M ■ .......-
Der Schatten.
Roman von Arthur Winckler-Tannenberg.
L3i ____________
»2ch hörte, daß Sie krank seien, lieber Salzmann, «epp ous dem Hospital zurück. Um Ihretwillen hätte A "bch warten sollen, aber die Sache duldet keinen Aus- ME- Lch mußte Sie sprechen."
-^lch höre, Herr Äustin."
»Mit eisernem Riegel will ich die Vergangenheit ab- Wießen. Ich kann's. In wenigen Monaten erlange ich . Recht, Ingeborg in aller Form als mein Kind an» Mtijmen. Dann hat der Name Malten aufgehört zu ^stehen. joq ousgelöscht, ganz ausgelöscht sein."
„Utü> warum das so plötzlich? Konnten Sie diese ?üar Monate nicht abwarten —?".
„Rein. Um Inges Hand wirbt ein Mann aus guter uatnific. Ich hg^g lange und schwer mit mir gerungen, '-■‘ges Glück soll ganz frei sein von dem Schatten, der Dis meinem Hause lag. Ich will austilgen, was geschah. U!ti) dazu muß ich mit Ihnen zu einem Abschluß kom-
Sie waren mit Alfred, meinem Schwager, sehr vertraut __?"
"2ch war fünfzehn Jahre Angestellter, ehe er das ^Mft von. feinem Vater erbte--da findet sich
^^ertrauensverhältms. Sch habe ihn als Knaben ge°
Dn Hustenanfall ließ den Greis abbrechen.
sagte Ruskin, „werden Sie Schriftstücke aus v”Cr defitzcn. Briefe von Malten, Aufzeichnungen brr ihn ober sein Haus —"
„Gin Weniges, vielleicht — nichts Wichtiges —"
Äede Seile ist mir wichtig. Salzmann, bei dem, was °'^'chließlich für Alfred Malten getan haben--"
.ier Zitterte wie im Fieber. Er wollte sprechen kennte nicht.
i^ustin faßte eine der zuckenden Hände.
„-ei dem, was Sie schließlich für meinen armen ganger getan haben, dem höchsten Freundschaftsdienst, nn Mensch dem andern leisten kann, ist jeder Zettel ” Dokument, jede nicht ausgerotiete Erinnerung eine ^orechllche Sette."
^Zmonns knochige Fingkr hielten die feste Hand t«nns umklammert.
^eituuk
Gotterdienstocdnung.
Katholischer Gottesdienst.
SamStag, 1. Nov. lFeft Allerheiligen.) Dom- i/,6, 6, 717 u. 7 M., 8 Pfarramt m. Segen u. Pr., i/,10 Bilchöfl Hochamt, danach Päpftl. Segen m. vollk. Ablaß, ‘/,12 'M. m. Pr., Vi2 2. z. allen Heiligen, 3 Biscböfl. Vesper, danach Beichtgelegenheit. — Stadt- Pfarrkirche. 5Vi Korn., 5*« u. 6SU M., 8 M. u. Pr. (1. Schulnd.f, 9'/, Hochamt m. Diakonium u. Ehorgesang, ! Festpr., 11 M. u. Pr. C2. u-chulgd.H 27» sakramentale A. z. allen Heiligen, 7'/, Rosenkranz-A. Von 4 an Gelegen- beit zum beichten — Pfarrkirche zum hl. Grifte. l/«7 General-Kom. b. Sodalität, 7 Frühmeffe fällt ait3, I 8 Pr, Amt m. Kom. 5 A. — stirauenberg. 6, *'46, ",7 u. 7 M.. 8 Rosenkranzm. m. Pr., 9 Levitenamt m. Pr' nachm. 2 Pr., A. u Umg. f. d. AntoniuS-Bruderschaft, hiernach Versammlung des Vorstandes der Bruderschaft zur erahnt g wichtiger Angelegenheiten.
Sonntag, 2. Nov. (Kirchweihfest.) Dom. V«6, 6, 7,7 u. 7'« M., 7-7 gestiftete M. f. d. gefall. Mitglieder d. Männerapoliolates, i. ders. Kom. d. Münnerapostolates u. Anspr., 8 Pfarramt m. Pr.. lM0 Hi schüft Hochamt, >412 M. m. Pr., >/,2 Schluß d Rosenkranz-A., 3 Bischöft. Vesper, danach Beichtgelegenheit, 7,8 Pr. u. A. f. d. Verstorbenen. — Stabtpfarrkir»e. 5'/, Kom., 57« M., 6’/« hl M. u. Kom. d. MännerapüstolateS, 8 M. u. Pr. st. Sckulgd.), 97» Hochamt u. Pr., 11 M. u. Pr. ?2. Schu'gd.i, 9'/, Chr. f. d. Jiinal. t. d. Seberik., 1'/, (shr f. d. Jungfr., 27» feiert Schluß d. Rosenkranz-A. m. Tc Deum. 4 Gelegenheit zum beichten, 8 Allerseelen- Pr. u A. Von mittags 12 an bis Allerseelen-Abend (3 Nov.) kann der Toties-quoties-ülblaft für die Verstorbenen gewonnen werden.— Pfarrkirche zum heiligen Geiste 3/«7 Kom., 7 Frsthm., 8 'Pr., Amt m. Som., 5 Allerseelen-Pt., A., Te Deum. — Severikirche. Sonntags und werktags 0,7 M. — MichaelSkirchr. Nachmitt. 8 Allerseelen-Pr. u. A. — Herz-Jesu-Heim. 6 ffriihm., 8Amt m. Pr., 2A. (Mittwoch abends 8 A.) — Frauenberg 8. 7.6, */,7 u. 7 M., 8 BruderschaftSm m. Pr., 9 Pr. u. Levitenamt m. sakram. Segen, nach«. 2
I A m. sakram. Segen.
Montan,?.Nov. (Allerseelen.) Dom. lPorkiunkula- Abiaß f. d. Armenseelenti Von 5— 8 M.u. Beichtgelegenheit, 8 Pfarramt, 7-10 Käthedralamt f. d. Verstorbenen, 5 A. — Stadtpfarrkirche. 6, 67- u. 7 SR., 8 feierliches Reauiem. 9 letzte Ai., d. Kom. wird sede halbe Stunde cdmendet. — Pfarrkirche zum 61. Geist 7.7 Kom., 7 Levitenamt, danach Kom., 8 M. — MichaelSkirche. 7 Seelenamt, vorher Austeilung d. Kom., nachm. 7,5 AUerseelen-A.; ebenso an den übrigen Tagen der Woche nackm. 7-5 Allerseelen-A. — Frauenberg Vollk. Ablaß, so oft man die 'Kirche besucht und etwas nach der Meinung des hl. Vaters betet, und zwar in der Zeit von mittags 12 des 2. Nov. bis Mitternacht des 3. Nov. Um 8 feiert. Requiem, darauf Prozession zur Klostergruft.
fterz-Zesu-yeim. Am 1. und 2. Nov. morgens 8 Kommunionausteilung. 8 Hochamt m. AuSs. u. Pred. 2 A. Am 8. Nov. morgens 6 M., 8 Seelenamt.
Dienstag, 4. Nov. Lioba-SirchenhauS. Ewige Anbetung.^Morgens 6 bis aben.S 0. 6 M., 8 Amt, abends 5 Schluß.
( Evangelischer Gottesdienst.
Sonntag, 2. November. Vormittags 97, Sup. Ruhl (Kollekte), 11 KindergotteSdtenst, nachm. 2 Pfarrer Weber.
Mitteilungen
der ftSdtijchen Aahrungsmittelstelle.
31. Oktober 1919.
In der nächsten Woche entfallen auf jede Fettkarte 60 Gramm Margarine zu 5.— Mk. ÖaS Pfd. Tie Krankenkarten werden mit Auslandsbutter zu 10,80 Mk. bedient. Abgabe an die Verbraucher: SamStaq. Ausgabe an Die Geschäfte: Freitag von 9 bis 12 und 2 bis 4 Uhr bei der Nahrungsmilte!- stelle.
Zttckeranmeldttng für November.
Die Novemberzuckerkarten sind den Geschäften so» fort zur Voranmeldung zu übergeben. Abgabekchlnß: Diens-ag, den 4. November. Äbgabejchtnß für Vie Geschäfte der der KarteudoutrottsteÜ»: Mittwoch, den 5. November. Gegeben werden 750 Gramm aus die Karte.
Vom 1. November ab wird die Ausgabe von besonderem Krankenmehl eingestellt. Als Krankenmehl gilt das 80prozentiae Weizenmehl zu 45 Psg. das Pfund, das jetzt auch zur Brotherstellung verwandt wird. Das Mehl darf von beit Geschäfte« und Bäckern nur gegsu Meh «mtauschkaett lnmgetaufchte Brotkartei abgegeben werde«.
Druck bet Fuldaer Scttendrnckerei in Fnld •
Auf eine Mehlumtauschkarte werden 1600 Gr. Me^ gel'-'^ert. Dar Mehl wird tot Wege der Voran' nie mg auSoegeben. Die Doranmeldung hat durch Abgabe'der Mehlumtauschkarte bei den Geschäften bis einschließlich DienStag jeder Woche zu erfolgen; am Mittwoch vormittag sind die Mehlumtauschkarten von den Geschäften bei der Kartenkontrollstelle einzukiefern, am Donnerstag erhalten die Geschäfte dar Mehl, am Freitag oder SamStag kann dasselbe von den Verbauchern in den Geschäften abgeholt werden.
Settifit KarlosfelauSgabe an Bezieher au!
Wochenkarten: _ ~
Die rückständigen Wockenkärtchen für Frühkartoffel» werden nur noch bis eiuschlleßlich Dienstag, den 4. November, angenommen und beliefert
Vorn 1. November ab gelten nur noch die grünen KafsabonS; auf die roten sind vom 1. November ab 10 Pfennig nachzuzablen.
Die Kartosseldasse ist von jetzt ab, wie früher, nur MowagS, Mittwochs und Freitags von 8 bis 12 und 2 6:8 4 Uhr geöffnet.
Amtliche Anzeige».
Beka«ntmachu«g
zu der Verordnung «der die Äerweudung des Mehr, erlöfes aus den Hauten von Schlachtvieh und Schlacht- pferden vom 23. Sept. 1919 (Reichsgesehbl S. 1714.
Auf Grund des 8 2 der Verordnung über die Ver- ivendung des Mehrerlöses aus den fjäuten von Schlacht Vieh und Schlachlpserdeu vom 23. September ISIS (Reichsgesehbl. 5. 1714) werden für die Zeit vom 15. Ofiober bis 14. November 1919 einicklleßNÄ. folgende Sähe a(s Mehrerlös für den Zentner Lebendgewicht sefkgrsetzt für:
Rinder, ausgenommen Kälber 54 -tt
Kälber ® <-*
Schafe 60 -«•
Vierde einschließlich Fohlen, Sfel, RlauMere , und Maulesel 36 Jl
Hiernach betragen der Häutezuschlag, der an den Biehhalier zu befahlen ist und der Anteil, der an das Reich obznführev ist auf den Zentner Lebendgewicht hi:
Rindern, ausgenommen Kälber, je 18
Kalbern je 25 <M.
Schafen je 20 <M,
Pferden, einschlleßlich Zohlen, Esel, Maul
tieren, Mauleseln . st 12 <41
Berlin, den 9. Oktober 1919.
Die Reichsfleischstelle (Derwallungsobteilung).
Der Vorsitzende: gez. von Ostertag.
Wird veröffentttcht.
-Fulda, den 27. Oktober ISIS.
Der Landrat Frhr. v. Doernberg.
Ergänzung zue Verordnung über de« Verkehr mii Rutz-, Zucht und Schlachwleh.
8 3 unserer Verordnung über den Verkehr mit Zucht-, Nutz- und Schlachtvich erhält folgenden Zu- fatz: „Soll Zucht- und Nutzvieh, das auf Grund einer Freigabe-, Ausfuhr- oder Verladeerlaubllis ausgeführt wurde, nach einem andern Empfangsort als dem, der in der Freigabe-, Ausfuhr- oder Berladeerlaubnis angegeben ist, geschafft werden, so ist hierzu von den Beteiligten vorher die Transporterlaubnis der Orts- polizeibestörde des Empfangsortes ein- zuholcn, auf den die Freigabe-, Ausfuhr- oder Der- ladeerlaubnis lautet, da zu jedem Biehtransport einer der vorstehend bezeichneten Ausweise mitzuführen ist."
Vorstehende Verordnung tritt mit dem Tage der Berössenilichung in Kraft.
Kassel, den 20. Oktober ISIS.
Dir DePckssstischstelle für den Reg.-Lez. Kassel.
8m Namen des Vorstandes:
Der Vorsitzende: gez. v. Pappenhekm. > Wird veröffentlicht
Dis Ortspolizcidehörden werden ersucht, bei der Freigabe von Zucht- und Nutzvieh dem Antragsteller nicht eine auf mehrere Tiere lautende Freigabe- erlaubnis ousftellen zu laffen, sondern stets eine solchf für jedes einzelne Tier auszuhandigen.
F u l d a, den 27. Oktober 1919.
Der Landral. Frhr. v. Doernberg.
aus -em Nachbargebiet.
- Ans dem Kreise Gersfeld. Der Kreislehrerverein Gersfeld hiell am letzten Montag in Fulda seine Herbstoersammlung unter Teilnahme von annähernd 60 Lehrpersonen des Kreises ob. Der Vorsitzende des K. L. V-, Herr Hauptlehrer Staubitz, Dalherda, begrüßte die Erschienenen, besonders Herrn, Schulrat May und gab dann einen kurzen Bericht über die Tätigkeit der Kreis- unb Bezirkslehrerräie. Nach Aufstellung der Statuten des Vereins folgte ein Vortrag des Herrn Lehrers H a ck: Petersberg, über den Gefchichtsuntericht auf der Mittelstufe. Seine Aus- fühmngen zeigten, wie der frühere Stoff durch lebendige Heimatgechichte erseht werden kann. Angeregt durch Herrn Schulrat May beschloß die Versammlung, diesem H e i m a t u n t e r r i ch t eine sichere Grundlage in Gestalt eines Büchleins zu geben, das Kindern und Großen erzählen soll, wst vor vielen Jahren unsere Rhönberge aussahen, wie sie anders wurden im Wechsel der Zeiten und wie es den Menschen erging, die in den Tälern sich sorgten und mühten. Es wurde ein Ausschuß bestimmt, der unter Seitung des Herrn Leh- rers Abel, Sieimvand, den Geschichisstoff für unsere engere Heimat bearbeitet. Wer mm zur Vervollständigung dös Büchleins durch alte Schriftstücke (alte Kaufverträge u. ä.) beiiragen kann, wird gebeten, diese den: Ortslehrer oder dem Leiter dieses Ausschusses zu übermitteln. Auch Sagen und Lieder aus aller Zeit finden in dem Werk ein Plätzchen und werden so der Nachwelt erhalten.
— Selters. Ein Wünschelrutengänger, der Gutsbesitzre v. Gräfe, hat die hiesige Gemarkung nach Quellen ab gesucht und habet eine größere A n- zahl von Salzquellen feftgestellt. Auf Grund oieser Versuche sollen in dem ganzen Gebiet umfang- reich? Bohrungen vorzenommen werden.
h Weilburg. Im nahen Opersbach wurdckn hem Landwirt Stromer aus der Schlaf stütz e 50 000 Mark Bargeld, darunter allein 32 einzelne Tau- sendmarkicheine. gestohlen. Ws Dieb ermittelte und verhaftete die Frankfurter Kriminalpolizei dem 22fähr. Polsterer Hermann Kromm au? Odersbach. Im Besitz de§ Diebes fand man noch 37 940 Rk. darunter noch 28 einzelne Tausendmarkscheine. Bei dem .Kromm durfte eigentlich nichts mehr gesundem (Derben, berät wenn ein Mann 50 000 Mark im Strumpf versteckt hält, verdient er, daß er bestohlen wirb.
Vermischtes.
* Eine Schiebung. Ein mit über 120 Sack Kaffee beladener Waggon gelangte durch eine Schiebung nach Elberfeld. Dort wurde er eiüladen und die Ware zu 5 J{ das Pfund an Händler und Kaufleilte, die sich demnächst wegen Hehlerei zu verantworien haben, verkauft. Den Erlös haben die Schieber nach Abzug der Schmiergelder unter sich verteilt. Helfershelfer, darunter Eifenbahnbeamtc aus Elberfeld und Vohwinkel, sind ebenfalls zur Anzeige gebracht worden.
* Eine Dollarfabrik in Wien. Unter dem Vorwand, für die ukrainische Mission zu arbeiten, wurde» mit einer gefälschten Beglaubigung der Wiener Polizeidirektion von einer Schwindlerbande, die meist auS Ausländern bestand, in der Wiener KlisLee-Anstalt Hanke u. Co. Klischees für den Druck von Zehn-Dollar-Noten hergestellt und in der Buck;- druckerei Gerin bereits 5000 solcher Noten gedruckt. Sämtliche Beteiligten, darunter vier Chemigraphen, eilt früherer Filmhändler und ein früherer Bankier, wurden verhaftet.
* Ein Schiff durch Bohnen gesprengt. Vor einiger Zeit stieß der japanische Dampfer „Toku Maru" im Kopenhagener Hafen gegen einen Pfeiler und sank. Eine Bergungsgesellschaft hat jetzt das Schiff gehoben, und dabei zeigte sich, daß das Eindringen von Waffer in die Ladung schwere Folgen gehabt hat. Der Dampfer hatte in Säcken verpackte Sojabohnen geladen, die durch das Wasser so aufaequollen sind, daß sie da? Vorschiff auseinanderjprengten. Die Bohne» haben sowohl das Zwischendeck wie das Oberdeck zerrisien, und dicke Eisenplatten sind vollkommen verbogen worden.
Märkte.
— Kirchhai«. Zum Schweincmarkt am vergangenen Dienstag waren etwa 230 Tiere aufgefahren. Käufer waren in großer Anzahl erschienen und der Handel war sehr belebt. Für Saugferke! wurden 150—160 Mark pro Paar gezahlt, einzelne Läuferschweine erzielten Preise von 400 Mark.
—ntMlEB——■III UM I MII, III
„Was ich getan habe, — habe ich getan!" mmmelte er vor sich hin. „Angst habe ich, furchtbare Angst norm Sterben'--" '
Der Kaufherr ließ ihn ruhig werden.
„Also, Sie haben Papier«, vielleicht nichtssagenbe wertlose Fcstdn. Ich prüfe sie nicht, ich will sie nur haben und verbrennen. Wo sind sic, was kosten sie?"
Salzmann sammelie mühselig seine Gedanken:
„5dj war so oft und fo viel von Haufe fern. Hier, in einem Pensionat, gehen mancherlei Leute aus und em. Da schien mir nicht alles sicher. Schon Jahr und Tag liegen alle meine Schriften beim Justizrat Schleedorf in Verwahrung."
Ruskin nickte.
' „Das ist gut. Geben Sie chm Nachricht, daß er durch einen eigenen, zuverlässigen Boten alles an Sie sendet. Sichten Sie sorgfältig. Nichts darf übrig bleiben, das zu dem Haufe Malten irgendwie 'Seycbung hat — nichts. Sichten Sie, und nennen Sie den Preis, ich werde ihn zahlen —"
In des Kranken Gesicht fpiegelle sich ein schwerer, seelischer Kampf. Jetzt sagte er ruckweise:
„Geld, immer Geld! Was brauch' ich's Noch? Ich muß sterben, bald sterben! Wenn ich wüßte, was dann wird, o Gatt, wenn ich das wüßte! — Geld? Nein — kein Geld — Sie sollen alles haben, Herr Ruskin ,--
alles!"
„Wann?"
„Morgen schon —'
„Gut, so werde ich morgen uueberlommni."
„Um dieselbe Stunde?"
„Um dieselbe Swnde —"
Ruskin reichte dem Alten die Hand. Ta fühlte er, wie eijigkalt die dürre» Finger waren.
13.
Raderich-Iochen war in seligster Stimmung. Cati- lina, sein dunkelbrauner Wallach, hatte ihn ja arg enttäuscht. Nicht mal einen Platz hatte er sich gesichert. Aber Tautropfen, die gelbe Stute, machte alles wieder gut
Das war bcs Pferd der Zukunft geworden! Auf den ersten Rennplätzen wurde es mit großen Erwartungen willlornmen geheißen, seit es gestern in spielender Eleganz das Feld genommen und die gefürchtetsten Mitbewerber des In- und Auslandes geschlase» batte.
Neider und Gratulanten drängten sich um den jungen Gutsherrn von Süllenböck, desien neuen Ruhm der Draht in alle Welt kündete. Den ersten, den höchsten Preis des Rennens überhaupt, hatte Tautropfen ihrem Besitzer in den Stall gebracht. Roderich-Jochen war ungeheuer stolz.
Eben schritt er einer bekannten Wemschenke zu, Sinn in Ann mit einem Freunde, dem ßeutnant v. Rcydt. Ganz beweglich war der sonst etwas phlegmatische Sullen- böcker.
„Und weißt Du, Egon, was so großartig ist bei hfl Sache — so gar kein Zufall, nichts von Dvsck, isi« gelbe Kröte war völlig tadellos. Auf die kann man sich verlassen --solid und sicher!" /
Der Leutnant neigte in energischem Ruck das schöy frisierte, blonde Haupt:
„Einfach großartig —. Don Anfang an Führung, als müßte es so und könnte gar nicht anders fein! Anderes Pferd kam gar nicht erst dagegen auf. Die Falbe tzsieb vorn, well sie dahin gehört, basta —I Einfach großartig!"
„Was macht man heute vor Vergnügen?"
„Wollen's sehr ernstlich überlegen. Freut Dich — der Mammon, was, Roderich-Jochen?"
„Eott, Egon, er ärgert mich natürlich nicht. Habe klotziges Geld in den Stall hlneingesteckt. Aber ganz die Hauptsache ist mir die Brieftasche voll doch nicht. So mst einem Male was zu heißen in der Wett, 'n Kerl zu fein, der was mehr hat, als die anderen--’ne
pelzende Sache kann ich Dir sagen!"
„Bmckhcff kaust Dir die Gelbe ab — jeden »uzen-
,4)05 glaub' ich! Nicht um 'ne Million —"
„Die wild er ja nicht bieten —"
K*Ü>, man sagt so ’ne Ziffer und zählt sie nicht nach. Ich gebe Tautropfen nicht her. Um ferne« Preis! Die soll mir ncch viel holen. Geld nnd Ehre!--Atz«
nun, was fangen wir mst dem fidelen Tag an?"
„Spielchen?"
Roderich-Iochens Augen leuchteten.
.Ammer habet. Aber es muß sich lohnen."
„Mein Junge, da ist feit ein paar Wochen in erner stillen Ecke stemhes Gewächs ausgeblüht, so was aus Englisch- ober Französisch-China, 'n fabelhafter Kerl!"
„Ehrlich? Möglich für anständige Menschen?"
„Natürlich, sonst würd' ich nicht Eingehen —"
„Verzeihung, selbstverständlich —"
vUniform zieh ich ja aus —
„Begreiflich."
„Aber sonst tipp-topp. Roderich-Jochen, bte Nächte sind sehr untechaltenh und bk angenehme Aufregung lohnt sich. *Cs gibt was zu wagen für den, der will."
„Also ganz mein heutiger Fall. Wo ist di« stille Ecke?"
„Wir sinh gleich da, hort rechts und die enge Gaffe —*
„Was —? Dort ist ja der alte Seebär!"
„Ganz recht, in den wollen wir dann auf bat Abend.
Kennst ihn wohl schon?"
„Bor zwei, drei Jahren hat mich Glüsen met dorthin verschleppt — braunes Hstckerzimmer — Du, viel war hort nicht los!"
»Aoderich-Jochen, wo bist Du so anspruchsvoll geworden? Dort war für den Kundigen immer was los. ReuLngs mögen nur bis Ins braune Hinterzimmer ge» taten. Das ist sozusagen da, Spielzimmer für jedermann."
„Ra, also —*
„Aber!"
„Es gibt mehr und Befferes?"
„Schr viel mehr, unb sehr niet Befferes. Dort kommen diejenigen zusammen, mit denen zu spielen em Genuß ist —'
Und natürlich ein verflucht teurer?"
„Unter Umständen auch bas. Aber Du bist doch heute in her Laune, viel z-r wagen?"
»Lonnerweiter ja, Egon, bas bm ich. Also dort in den tiefsten Tempelgewölben thront Deck Sauberer des Morgenlandes, der Shckese."
,Tongkinese, Inder ober fo was."
„Unb heißt?"
„2om Murray, Planlagvidirektor, so von Reis ober Opium da oben m östlichen Satansgefilbe. Unheimlich reich« Serf, (4 man mir gesagt —"
„3 was, er verliert also auch?"
.Aber kräftig — 'n junger Dachs hak ihm neulich zweiunbzwanzigtaufend Mark abgenommen. Mit betn hulbvollen Lächeln eines Fürsten schob er den Scheck hck! Tollet Kerl!"
„Sa bin ich ja gespannt."
Plötzlich blieb her Leutnant stehen und sagtch stoh wie von ein« Eingebung durchlodert:
„Roderich-Jochen, für Dich besonders ist bet Man» wertvoll. — Ja, her ist Dem Hell!"
„Wieso denn?"
^Fortsetzung folgt)!