Druck der Fuldaer Netteudruckerei ht Fulda.
DK Generalversammlung der Metallarbeiter be
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Gleich-
Muster-
gab er wichtig?
Körper mit einer weichen, warmen Decke geschützt, giftig lag er da, die versonnenen Blicke aus das geschnörkel der gemalten Decke geheftet.
„Sn Geschäften — in wichtigen Geschäften/
bis die Mauer des Gefängnisses steht —"
Der Alte nickte:
„Und nun gilt es, die Gelegenheit zu suchen zu finden. Die Gelegenheit ist alles, und sie ist
und viel Oft
nichts mehr/
„Soll ich den Herrn «nlaßm?"
,^a doch, er mag kommen. Nur mit Geschäften soll er mich m Ruhe lassen, ich mache keine Geschäfte mehr auf dieser Welt —!!"
„O, Onkel, Du bist schon viel besser. Du wirst wieder ganz gesund--*
„Gut, gut — laß ihn herein/
Dann hotte Ruskin vor dem Erstaunten gestanden. Ruskin, der große Handelsherr, der diese Schwelle zum erstenmal überschritt.
Salzmann erschrak. Seine hohlen Augen weiteten fich angstvoll:
„Herr Ruskin — Sie — was ist geschehen?"
Meta Msrischitz war gegangen. Die beiden Männer blieben allein. Ruskin schob sich einen Stuhl an das Lager des Kranken.
Fortsetzung folgt),'
„Ja. Nichts ist schrecklicher als die unbestimmte, die dunkle Andeutung. Die Ungewißheit vergrößert ins Grenzlose. Ich sage dem, den ich gefügig haben will, nicht, was ich habe, fondern nur, daß ich habe. Wenn er in diesem Entsetzen sich selbst überlaßen bleibt, verrät er mir mehr, als ein ganzes Aktenstück beweisen konnte. Schritt für Schritt zwinge ich ihm seine Sicherheit ab, bis er sich ganz ergibt."
„Und wenn Onkel Salzmann bekennt, daß er nichts, als dieses armselige Papier vermißt, wenn er ihm das sogt
„Stümper! So kühl, so nüchtern sieht die Angst die Dinge nicht. Aber man soll immer dos Schlimmste in Rechnung stellen, schon um für jeden Fall gerüstet zu sein. Also, wenn's so wäre — die Leute reden im Schlafe, im Fieber — nicht wahr? Das schlechte Gewisien ist immer geschwätzig, kann es immer sein. Dein weißhaariger Sün- der hat Zeug zusammengeredet damals, das Du nicht zusammenreimen konntest. Das war ein glücklicher Zufall für ihn. Aber er kennt sein Glück nicht. Er konnte auch deutlicher gewesen sein, und für unsere Zwecke war er deutlicher. Wir drohen mit dem, was wir wiflen könnten. Und weil wir wißen könnten, wißen wir. Willst Du der Angst die Falle öffnen, die sie sich selbst gestellt hat und in der sie nun sitzt?"
Bruno verhehlte seine Bewunderung nicht:
„Es ist wahr, Dater, das fügt sich Stein in Stein,
nun für 10 000 Mark Selbstkosten dieselbe Ware, an der sk bereits — außer dem Handelsgewinn — einen Volutagewinn von 30 000 Mark erzielten! Dann beginnt der Verkauf von neuem und wir zahlen die Kosten! Das ist die Lehre von der Valuta! as
* Aufdeckung großer Zuckerschiebungen in Halle. In Halle wurde eine große Zuckerschiebung entdeckt, bet der 600 Zentner Zucker zum Preise von 8.50 Jt für das Pkand von Cöthen nach Süddeutschland verschoben werden sollten. Verhaftet wurden ein Kaufmann, ferner der Leiter eines großen Konsumvereins sowie em Oberkellner. Sie hatten einen Bahnassistenten mit 150000 Mark zu bestechen versucht. Im Zusammenhänge damit stehen Schiebungen, die auf Bahnhof Neudietendorf entdeckt wurden, wo 900 Zentner Zucker, 2 Waggons Gerste und 2 Waggons Weizen von Halle aus über Aschaffenburg ins Ausland verschoben werden sollten. , ,
* 2 Millionen Zentner Zuckerrüben in Posen verfault Infolge Kohlenmangels sind im Posenschen nicht weniger als zwei Millionen Zentner Zuckerrüben verfault, weil kein Eisenbahntransport möglich war, um die Zuckerrüben in die Fabriken zu schaffen. Außerdem droht der Kohlenmangel mit seiner Folge, der Verkehrseinstellung, die gesamte Feldfruchternte Polens zu vernichten. Da bis jetzt keine Kohlenzufuhr Jtatt- gefunden hat, bleiben nur noch fünf Wochen übrig, während welcher Zeit die Verarbeitung vollzogen fein muß, wenn dem Verderben der Früchte vorgebeugt werden soll. — Infolge des Mangels an künstlichen Düngemitteln ist die Zuckererzeugung des ehemals russischen Polens auf nur 30 Prozent der Friedenserzeu- gütig herabgesunken. Aus allen diesen Gründen ist dk polnische Landwirtschaft und die mit ihr Hand in Hand arbeitende Industrie mit der Warschauer Regierung sehr unzufrieden, da sie in der Regierung, oder besser deren Unfähigkeit bte Ursache zu den unhaltbaren Zuständen in der polnischen Feldindustrie erblickt,
ich mühte mich sehr irren, wenn es hier nicht reichlich lohnen sollte! —"
Bruno vcHolgte orwavümgsvoll den Gedankengang dieses klugen Spürers und eine belebende Zuversicht des Erfolges kam über ihn. Sa, das war der kühne Flug ins Leben, über alle Hinüerniße einer dummen, narren« hasten Moral hinweg. Bor nichts zurückschrecken hieß alles erreichen können. Das fachte chm das schwächliche Glimmen zu hellem Feuer an.
Und während sie, diese beiden Falschspieler des Lebens, ihre Plane spannen, saßen just die beiden Opfer beieinander. Zu Frau Metas großem Erstaunen hatte einige Stunden vorher ein Mietswagen vor dem Haufe gehalten, und ihm war ein eleganter Herr entstiegen, der bei ihr geklingelt und nach Herrn Salzmann gefragt hatte.
Herr Salzmann sei daheim, aber sehr leidend, sehr schwach, sie wiße nicht, ob er einen Besuch empfange gab sie ihm zur Antwort.
„Sagen Sie ht Sachen wichtiger Geschäfte/
Und sie hatte es gesagt.
Der Onkel lag auf dem Diwan, den ewig fröstelnden
gefälliger, als bk oberflächliche Schätzung annimmt, springt sie einem mitten in den Weg und spricht: Da bin ich, greif' zu, nimm mich! Manchmal läßt sie sich ein wenig suchen und spiest Verstecken mit uns. Aber finden läßt sie sich immer. Stein Weg ist so glatt, daß nicht eine Daumwurzel, mindestens ein Steinchen zum Stolpern eingeladen haste. — Ich werde Ausschau halten. Wir schon jetzt mancherlei Volk in diesem großen Jahr- markt der Renntage. An den Beziehungen, d!« zu dem Hause Ruskin führen, ist alles interessant. Wir nennen den Namen, wir laßen ihn wiederklingen im Munde des anderen und- hören. Hundertmal wird es nichts fein, was wir hören, und einmal d etwas. Das genügt. Da pirschen wir uns näher. Der rechte Jäger hat Aus- dauer tnch Geduld, wenn der Jagdprais danach ist. Und
Der Schatten.
Roman von Arthur W i n ck l e r - Tannenberg.
Was die Unabhängigen aus der fteigewerkschaftl. Bewegung machen werden, läßt sich noch nicht ab- schen, weil ein großer Teil der unabhängigen Führer nicht in der Gewerksckmft und der Arbeitsgemeinschaft zwischen Unternehmer" und Arbeiter, sondern ausschließlich im Rätesystem die berufene Arbeitervertretung erblickt. Der mehrheitssozialistische Genosse Zernicke-Stuttgart sagte mit vollem Recht: „Stellt sich der Verbandstag auf den Boden des Rätcjystems, so muß auch der Verband in einen revolutionären Industrieverband umgewandelt werden. Ein Abweichen des Metallarbeiterverbandes vom Wege zu den Ar- beitsgemeinschaften bedeute die Zertrümmerung des Verbandes. Die von den Unabhängigen durchzufüh- rende sozialistische Teilwirtschast fei ein „kompletter Unsinn". Dieser „komplette Y sinn" wurde sodann aber mit einer Zweidrittel-Mas orität beschlossen. Es wurde eine längere Entschließung angenommen, die zum Ausdruck bringt, daß es erste Aufgabe der Metallarbeiter sei, den Kampf um die Produktionsmittel und die Besestigung des Kapitalismus mit aller Schärfe durchzuführen. Dieser Kamps sei ein wirtschaftlicher und politischer zugleich und er müsse in erster Linie durch Verweigerung der Arbeitskraft geführt werden. Wozu zu bemerken ist: Verweiaerung der Arbeitskraft ist mehr als „Streik". Die Arbeiter können und sollen dabei zwar in die Betriebe hineingehen, aber mögllchst wenig arbeiten! Die private Wirtschaft soll vernichtet werden! So beschließt die größte sozialdemokratische Gewerkschaft Deutschlands zu einer Zeit, wo das ganze wirtschaftliche Leben in sich zusammenzubrechen droht!
In der Entschließung heißt es weiter wörtlich: „Die gewerkschaftlichen Organisationen müssen sich zu gewaltigen Industrieverbänden zufammenschließen, um dadurch zum Fundament eines sich organisch entwickelnden Rätesystems, zur wirtschaftlichen Betätigung zu werden. Die Generalversammlung des deutschen Metallarbeiterverbandes ist bereit, eine die- j sen Grundsätzen entsprechende neue Kamps- und Organisationsbasis für den Verband zu schaffen. Sie lehnt jede Arbeitsgemeinschaft mit den Unternehmern ab und erkennt nur das durch die wirtschaftlichen Kämpfe erforderliche Verhandeln an."
Diese Beschlüsse bedeuten eine dreifache Kampfansage. Der Kamps gilt erstens der Regierung und den bürgerlichen Parteien; die rasi- kalen Metallarbeiter wollen an die Stelle der Rafio- naloersammlung und des Landtags das Rätesystem setzen. In zweiter Linie wird der Kampf gegen die Mehrheitssozialdemokratie verschärft durchgeführt werden. Dabei wird der Kampf um die Frage der Sozialisierung unserer Wirtschaft in verschärfter Form ausgenommen und in verstärkter Weise in den Vordcr- orund gedrängt werden. In drstter Linie bedeutet der Beschluß eine scharfe Kampfansage gegenüber dem Unternehmertum in seiner Gesamtheit, aber auch eine Kampfansage zugleich den Gewerkschastsorg-misationen
I r-n-'r Richtungen, soweit sie hinter dem Gedanken der A b itsaemeinschast stehen. In der Praxis muß die- ser Beschluß zu einem Auseinander reißen der freien Gewerkschaften führen. Mit
I Terrorismus und Zwang ist die freie Gewerkschaftsbewegung stark geworden. Terrorismus und Zwang | sprengt sie wieder auseinander. Die Uneinigkeit der I politischen Sozialdemokratie wird und nach zum I Sprengpulver der freien Gewerkschaften werden.
Die Vertretung tatsächllcher Arbeiterinteressen geht mehr und mehr auf die nichtsozialdemokratische Ar- beiterschaft über. Die freien Gewerkschaften werden künftig zur Vorbereitung und Durchführung politischer Putsche im Sinne des politischen Rain- kalismus benützt werden. Ebenso haben sie die Aufgabe, den Wiederaufbau unserer Wirtschaft durch Ar- I beitsverweigerung hintanzuhalten, mit dem ausgesprochenen Zweck, politische Eroberungen zu machen. Eine derartige Gestaltung der Gewerkschaftsbewegung I ist feine Arbeitervertretung wie sie die Arbeiterschaft braucht, deshalb kann die Parole nur lauten: I „Heraus aus den freien und hinein in die christlichen I Gewerkschaften!"
Murray faltete, sorgfältig, langsam, dar Blast aus- Einander und las. Er las es wieder unb wieder, dann legte er es mit aller Behutsamkeit auf den Tisch zurück, *’nen kristallenen Aschenbecher zur Beschwerung daraus ßellend.
Letzt sprach er halblaut vor sich hin:
«Laßen wir die Toten ruhen —"
Er sah Bruno an.
»Ein schwerwiegender Satz. Jedes Dort ftehi. Es ; W Tote, und diese spuken. Unbequemes Gesindel. Mst t jagt man sie in die Gruft zurück. — Laßen wir Toten ruhen! — Also mit denen wird man fertig, weniger leicht mit den anderen. Zweiter Satz: „Aber Hllsi den Lebenden." — „Hm! Sa, ein robustes Gewis- vergißt die Toten, klappt den Gruftdeckel daraus und ; W» nun findet euch diesseits ober jenseits zurecht, aber «nch laßt la Ruhe. — Die Lebenden sind aufdringlich.
reden und schreiben, fle brauchen Hilfe. Letzter Satz: brauche Hilfe"/
Sbruno lauschte ungeduldig.
. .La. Vater, was soll das alles, diese Zerlegung Glied p>r Ened eines ganz nichtssagenden Geschreibsels!?"
.Nichtssagend!?"
.Das können wir damit anfangen?"
■ „ »®cr will das vorher abschätzen? Solche Wege führen ü unabsehbar weit. — Und sieh, schon tut sich das Ge- [ i“^pp auseinander, und ein Führer winkt verheißungs-
®'ine andere Hand schreibt unter den Rus der Toten | Lebenden: „Kommen Sie zu mir. Rsk// l jrb/H*”0 sthüttelte noch immer verständnislos den Kops. । b wollte das werden? —
I n,_. UZTQI) aber nahm das Blatt wieder auf und las im I Zusammenhang:
wir die Toten ruhen. Aber Hilfe den Leben- I ^ch brauche Hilfe.
Rommen Sie zu mir. Rsk/
D« Alte sprach:
I b./ . Wer „Rsk/ das Vermögen einer Großreederei I itn*' Zettel nicht zu verachten. Aber Du wolltest I Don den interessanten Akten aufstöbern. 'Also,
I ex, ,‘ t’5 nichts geworden? — Warum? Hatte der I stine Sache schlecht gemacht?"
leise zur Antwort. ,Mnd, was ist mir noch
Die große Abrechnung mit dem lieben Herrgott, sonst
I weist aufs neue, wie falsch und nach allen Seiten hin verfehll die enge Verbindung der freien Gewerk- j schassen mit der politischen Sozialdemokratie war und | ßt. Stolz wurde vom damaligen Vorsitzenden Bömel- i tag aus dem Stuttgarter Gewerkschaftskongreß verkündet: „Freie Gewerkschaften und Sozialdemokratie sind eins." Jetzt bekommen die alten Gewerkschaftsführer den Dank von der Sozialdemokratie zu ver- fpüren. Er besteht in „Fußtritten" und in glänzendem Hinauswurf! Die Unabhängigen haben in den Gewerkschaften die Macht an sich gerissen und sie nützen sie rücksichtslos aus. Zunächst gaben die Unabhängigen die Parole aus: „Heraus aus den freien Gewerkschaften! Bildung einer neuen gewerkschaftlichen Organisationsrichtung!" In den letzten Wochen und Monaten haben jedoch die Unabhängigen ihre Taktck geändert. Sie gehen jetzt darauf aus, die großen sozialdemokratischen Gewerkschaftsverbände für sich zu erobern und die Leitung derselben an sich zu reißen. Das ist ihnen sowohl aus der Generalversammlung des Tapeziererverbandes, wie nun auch auf der Generalversammlung des Metallarbeiterverbandes gelungen. Die mehrheitssozialistischen Verbandsleitung wurde abgesetzt und es wurden sechs von 9 Vorstands st eilen van den Unabhängigen besetzt. Der Vorsitzende des Verbandes, Reichsarbeismimster Schlicke, zog es vor, von der Generalversammlung „französischen Abschied" zu nehmen. Er hat an die Generalversammlung, auf der « nichts mehr zu sagen hatte, einen Abschiedsbrief geschrieben, in welchem er auf seine 28jährige Tätigkeit als Derbandsvorsitzender hinweist. Wenn et nicht freiwillig gegangen wäre, dann hätte chm die Gene- ralversammlung wohl den Abschiedsbrief ausgestellt. Es ist immerhin eine tiefbedauerliche Erscheinung, daß die allen, erfahrenen Gewerkschaftsführer aus der Bewegung entfernt werden, und daß radikale Draufgänger an deren Stelle treten. Das geschieht in einer q<it in der die freien Gewerkschaften nach außen hin riesenhafte Milgliederzahlen aufweisen. Nach innen sind sie aber morsch.
Aus dem sozialdemokratischen Lager.
Abaeordnetenkreisen wird uns geschrieben: • Tagung des sozialdemokratischen Metall - W «...terverbandes in Stuttgart liegt hinter I ,tB€ j)er genannte Verband ist die stärkste sozial- k ^h-nfiiebe Gewerkschaft Deutschlands und zählt zur Millionen Mitglieder. Um so bedauerlicher daß diese machtvolle Arbeiterorganisation voll- in das Lager der Unabhängigen hin- Öübrt worden ist.
| 'Tic Verhandlungen selbst hinterließen einen sehr - Erdigen Eindruck. Man glaubte, sich auf einem «7<-itag der Unabhängigen oder gar der Kommu- ,u befinden. Geredet wurde viel, geleistet sehr ESm'a 6 Eigentliche, die Arbeiterschaft berührende Frass "'wurden, wenn man von dem Streit der Genossen I E die staatliche und Verbandsfutterkrippe absieht, verhandelt. Dagegen waren die „armen" Me- foffMbeiterbelegierten im Bewilligen von Gehältern imh Diäten groß. In drei Jahren erhalten die Ge- ^rkflbaftssekretäre schon das Höchstgehalt. Dieses be- für gewöhnliche Dürobeamte und dergleichen «Äonenkreise 500—600 Mark monatlich, für Ge- ^rklckaftsbeamte der Gruppe II (Dezirksleiter und «tarnte mit eigener Verantwortung) 600—750 Mk. fflonaflt(f), Gruppe HI erhall 700-800 Mk. monat- Redakteure und Vorstandsmitglieder beziehen “■Z’ Iahresgehalt von 12 000 M. Die Tagesdiäten wurden ohne Spesen auf 40 M für den Tag festgesetzt.
Der Gesamteindruck der Verhandlungen ist armselig Die Wortführer der Unabhängigen haben aus der Revolutionszeit nichts gelernt und nichts veraef- tat Sie halten die ödesten Agitationsreden und kla- »n dabei die Mehrheitssozialisten des Arbeiterver- »te, des Senats am deutschen Volke und des Verrats mn Sozialismus an. Die letzteren suchen sich zu verteidigen, indem sie klarlegen, daß die Generalkommis- fion der freien Gewerkschaften vom Standpunkt der deutschen Arbeiterschaft aus während des Krieges nicht anders habe handeln können, als wie sie gehan- dell habe. So ging der Streit tagelang weiter. Man glaubte, sich auf einem sozialdemokratischen Parteitag f jh befinden und nicht auf einer Generalversammlung «st»« Arbeitergemeinschaft.
M 25L
-ormerstag, 30. Oktober 1919
Amtliche Anzeigen.
Ich mache.diejenigen Haushaltungsvorstände im Landbezirke des Kreises, welche nicht an elektrische Lichtanlagen angeschlossen sind, darauf aufmerksam, daß ihnen für den Monat Oktober d. Js. von hier aus Petroleum bezw. Kerzen zugestellt worden sind. Die Austeilung erfolgt in der Gemeinde durch die Ortsbehörbe bezw. durch den von ihr beauftragten Handlet. Jeder in Frage kommende Haushaltungsvorstand ist berechtigt, bei dem zuständigen Bürgermeister (Gutsvorsteher) Einsicht in das Verzeichnis der der Gemeinde (Gutsbezirk) überwiesenen Leucht- margen zu nehmen, um zu erfahren, wieviel Petroleum oder Kerzen ihm zustehen.
Eine gleiche Petroleum-Verteilung erfolgt, allmonatlich je nach der Menge des dem Kreise,überwiesenen Petroleums. Kerzen können vom nächsten Monat ab nicht mehr verteilt werden, weil diese im freien Handel sich befinden.
Fulda, 28. Oktober 1919.
Der Landrrtt. Frhr. v. DocrnberK
rillen Boiler.. Tibor Samuely hat sich, ebenso wie sein I Brnd-r inzwischen durch einen M der Feigheit, durch I SeMttötung, vor der irdischen Gerechtigkeit gerettet ,
Unter den Terroristen, die durch ihr verbreckeriMs I Unlvefen Ungarn zum Zittern brachten, hat Samuely sich alZ das größte Scheusal gezeigt Ticherny I hxrr ein Bandit von niederer Herkunft, Korvin em l blutdürstiger Sadist, Samuely aber tötete kalten Mu- I tes mit Metlote, glücklich, trenn er Menschen einer I Klage, deren Ausrottung er predigte, beseitigen konnte. I
Im Auxenblick der Kriegserklärung versuchte Sa- I mueln sich bei einer maavarischen Zeitung in unter- I geordneter Reportage. Er zählte 23 %-tfire. Zum Heeresdienst einberufen, ging er an he russische Front l ab Er wurde gefangen genommen und trat mit Bela I Kuya in den Dienst der Bolschewiki. Statt sich m- I be-3, wie Letzterer, der Propaganda zu, widmen, über- I ließ er fick, lieber feinen gemeinschädlichen Instinkten I imc unterstützte die Terroristen. Er hat sich selbst ge- I rühmt, in Sibirien habe er 1200 rn Konzentrations- I lagern internierte ungarische Offiziere lediglich des. 1 halb erfcbießen lassen, weil sie sich bemühten, ihre Sol- I baten der Demagogie der Solostes abwendig zu machen. I
Nach Budapest zurückgekehrt, verschmähte er das | Minister-Porteseuille, das Bela Kitbn ihm anbot, und I erbaii sich das Privileg, die ländlichen Gegenrevolu- I tionäre aufzuspüren. Er wurde nun schnell das I Schreckgespenst der Provinz. In allen -tot. I fern, durch die er kam. hat er duteendtveise, ohne Ur- I teilsspruch. Bauern, Beamte. Geistliche, Klemgrunb- ! besitzet töten laßen. Seine Art des Verfahrens war I überall dietelbe. Er traf ganz plötzlich ein, im Pan- I geraute und begleitet von etwa 40 Mann, die feine I persönliche Schutz wehr bildeten. Dem Tors-Soioiet be- I fabl er, alle antikommunistischen männlichen!, Einwoh- I Ttcr zu versammeln, und sobald fite auf „einem der I Plötze in einer Reihe standen, fchritt er, vermutlich, kalt I an timen entlang und bezeichnete mit einer Harn- I bewecmug biejentgen, bie er „erlebt g t" zu festen I toi):tffflte. Ihr habt zwei Stunden, um sie aufznhän- j gen", sprach er daraus zu seinen Gehilfen.
Da er vorgab, er ließe diese Hinrichtungen als war- I ncndes Beispiel vornehmen, forderte er, daß bie ge- I fatttie Bevölkerung habet anwesend sei, unb verseilte I nicht, zu bestimmen, baß die Angehörigen der I Opfer in die v o r b e r st e Reihe gestellt würden. Fehlte es an Baumeln, so wurden die Galgen aufge. pflanzt, welche bte Bolschewik! auf ihren Lastkraftwagen I mit sich führten; Maschinengewehre wurden mit bet Mündung gegen bie Menge aufgefahren, unb taub gc- aen das Flehen unb das Weinen der Frauen, Mütter, Väter, Kinder verrichteten die Henkersknechte ihre schändliche Arbeit. Samuely sah sich das Schauspiel sitznnd unb von zwei ober drei seiner Begleiter beschützt, aus einiger Entfernung mit .gleichgültigem Gesicht an. Manchmal verzehrte er dabei ruhig fein Esten, während feine Spießgesellen sich, mit unglaublichem Ras- j finement bemühten, die Qualen der Sterbenden er- sinderisch zu verlängern. Vollkommen einpefcküLtert, ihrer Schwäche bewußt, Wieben die gezwungenen Zen- gdn dieser Szenen ohne Willen unb wagten keinen Einspruch. Einmal seboch stürzte sich in Solnsk ein fünfzehnjähriger Knabe, vor besten Augen sein Vater gebangt worben war, tränenüberftrömten Antlitzes auf Sanmelhy und schrie ihm zu: „Sie fmb ein wildes Tier!" Zwei Minuten später „ baumelte ein Körper mehr, ein schmächtiger- junger Körper, in ber Luft.
»MW vermischter.
* wo bleib! die Auslands-Ware? Mit wie viel Hoffnungen begrüßten wir den Frieden! Wic sehr erwarteten wir, daß nun alle unsere vielen Bedürfnisse nicht nur an Lebensmitteln, sondern auch an allem sonstigen, was noch zu des Leibes Notdurft gehört, gedeckt werden würde! Wir erwarteten geradezu eine Heber- fchwemmung mit ausländischen Kleidungs- und Wäschestoffen und demzufolge auch eine Senkung der Preise, und nun ist das Gegenteil eingetreten! Zweifellos werden wieder enorme Warenmengen zurück- gehalten, um die hohen Preise aufrechtzuerhalten. Je- doch die Erscheinung hat nach einen anderen Grund. Wir haben nämlich Ware genug erhalten, aber — die Engländer und Franzosen machen sich den Tiefstand unserer Valuta zunutze und kaufen durch Mittelsmänner ihre eigene Ware wieder zurück! So verdienen ffe zwei- und mehrmai an ihren Lieferungen. Die Berliner großen Geschäftsleute wissen ein Lied davon zu singen, ober, sie können nichts dagegen machen. Die Emkäuser stellen sich aus ihrem Lager ein und lasten nicht einmal soviel übrig, daß die Firmen ihre alle Kundschaft auch nur einigermaßen nach Bedarf zu bedienen vermögen. Liefert z. B. eine englische Firma für 500 Pfund — 10 000 Mark Ware, so muß die deutsche Firma rund 40 000 Mark dafür bezahlen. Dann kommen die Agenten der englischen Firma, kaufen 40 000 Mark Bargeld, bezahlen aber nur 10 000 Mark — 500 Pfund dafür, und erstehen
Literarischer.
„Vom Wohnungselend auf dem Lande" handelt ein Aufsatz in Nr. 19 ber „Bodenreform" und zeigt tte dadurch entstehenden hauptsächlichsten Schöben, tnsbe- saubere die Abwanderung ber Bauern in bte Groß- stabte unb die Vermehrung des Eroßsiabielettbs. — In dem Aufsatz „Die Frau und bte Bobenre- f o r m" wird darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, baß gerabe die Frauen, die Hüterinnen der Familie, sich mit dem Heiitrstättengebanken vertraut machen müssen, wo cs heute mehr denn je darauf ankommt, ge- sunde Kinder in gesunden unb gesicherten Eigenheimen aufwachsen zu kaffen. Die „Bodenreform" ist die ver- breiteste Zeitschriit für volksiutrt^cha'tuche un > staatsbürgerliche Ailbtmtg im deutschen Sprachgebiet. Sie kostet vierteljährlich nur 1,50 Mk. bet jeher Buchhandlung i<:ib Post. Probenummern versendet kostenfrei der Verlag „Bodenreform" Berlin NW 23, Lesting- stratze 11.
Märkte.
Lauterbach. Zum Schweinemar kt wurden aufgetrieben: 70 Ferkel, 6 Läufer und ein Einleg- schwein. Die Ferkel wurden verkauft von 60 bis 100 Mark, die Läufer von 4—500 Mark und das Einleg- fchwein zu 750 Mark. Der Handel ging langsam.
'n» ।
Samitelys Schandtaten.
Der nach Budapest entsandte Sonderberichterstattee der Pariser Zeitung „Le Journal" Paul Erto schickt seinem Blatte die nachsteheinbe Schilderung der aber, witzigen Schandtaten, bie Tibor Samuely nach bart Beispiel feines Herrn und Meisters Lenin beging, als bie Bolschewisten bte Herrschaft in Ungarn an sich ge-
Bruno zuckte die Achseln.
„Der Schlüße! öffnete tadellos. Aber die Schübe waren leer." —
»Verdammt/ —
„Mutter scheint mir zuvorgekommim zu sein. Sie hatte ja die Origtiialschlüsiel/ —
„So, so! Daß sich doch die Weiber in alles mengen!"
„Sie bestrettet es ---freilich/ —
„Sie bestreitet es? Du hast sie gefragt, warum nichts mehr brüt ist?"
„Nicht ganz so, sondern nur, ob des Onkels Schuften vielleicht bei einem Notar nietergelegt werten müßten, ba es doch unsicher fei, ob er wiedrrkäme. —"
„Sehr richtig."
„Darauf fah sie mich sehr mißtrauisch an uttö sagte: Der Onkel scheine eine solche Unterbringung schon längst für nötig gehalten zu haben. Sn bett Fächern lägen mrr noch seine Geschäftsbücher."
„Nim — und übrigens der brave Onkek selbst?"
„Sft wieder da."
„Also doch--1"
„Sehr schwach, sehr klapperig. Aber er wollte lieber daheim sein, cis im Krankenhaus«, hat auch hier einen 2Irit Tür an Tür und kriecht nun vom Bett auss Sofa und rem Sofa ins Bett. Mutter pflegt ihn, foroett es was zu pflegen gibt."
Murray wies wieder auf den Zettel.
„Und den hier weiß er nicht in Deinen Händen?"
„Wissen? Sch hob's ihm natürlich nicht gesagt. Ob er'/denkt ob Mutter was ahnt und ihm steckte, — bu lieber Gott, es ist acht Jahre her, daß er ihn vermißt, und ich kann nur sagen, daß der Onkel feitbem immer sehr gefällig war, wenn ich etwas brauchte.
Das Gespräch stockte.
Nach einer Welle nahm Murray den Zettel an sich. Er ging zu feinem Schreibtisch, holte aus dessen Fach eine kleine Stahlkassette und schloß sie auf. »Er ist hier bester aufgehoben, als in Deiner Brieftasche", sagte er. „Setzt ist Hochflut für uns, unb wir stellen solche Delikatesten des Geschäfts auf eine ruhigere Zeit zurück. Es kommt alles an die Reihe. — Das aber wiße, Bruno: selbst wenn ich keine Zeile weiter aus des Alten Geheim- papieren erjage — was wir haben, genügt. Einmal findet sich di« Gelegenheit, wo solch Haus ein solches Blatt kaufen muß. Abwarten ist alles! — Warten wir."
Bruno zweifelte: e
„Diese uobeftimnne Andeuttmg sollte er fürchten?