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I 1A 1Q1G I Verlag der Fuldaer Aciienbruckerei In Fulda. Preis monall. I 46. 3dhtQ

. f VvTJSsEvS»Cin <J V. UntOvCr I -l v« | jjo fjjjf _Fernjpr. Nr. 9. Telegr.-Abreffe: Fuldaer Zeitung I

verantwortlich für den redaktionellen Teck: Karl Schütte

Ur. 251. |

für die Anzeigen: 3. Parzellen, Fulda. Rctationsdruck.

moblisieren, um diese Forderung durch,usegen. Das Pressebüro Radio meldet, daß die mexikanische Regie­rung dem amerikanischen Botschafter mitgeteilt hat, sie werde alles ausbieten, um Jenkins zu retten.

Das Verhältnis Nordamerikas zu Meriko ist schon seit Jahren recht gespannt. Die hauptsächlichste Ursache ist das Unbehagen der amerikanischen Petroleumkönige, die in dem an natürlichen Erdölquellen reichsten Londe der Welt riesige Kapitalien angelegt haben, die sie durch die Wirren der ewigen Revolutionen in Lande be­droht erachten. Andererseits herrscht in Mexiko ein starker Haß gegen die Anierikaner, denen fortwährend Einmischung in d,e inneren Verhältnisse des Landes oorgeworfen wird.

Inzwischen wird ein neuer Zwischenfall gemeldet: Zwei amerikanische Flieger, die seit dem 21. August vermißt werden, sollen, wie jetzt bekannt geworden ist, von mexikanischen Fischern ermordet worden sein, die die beiden, auf ihren Flugzeugen im Meere treibend, halt verhungert angetroffcn hatten.

Für 80 Milliarden Schieberware.

Durch die Tätigkeit der Beauftrog'en zur Neber- wachnng des Warenverkehrs an der Grenze M be­setzten GebieiS sind bis Montag abend für 30 Mill. Mark Waren beschlagnahmt worden, welche uner­laubter Weste in das unbesetzte Deutschland einge« führt worden waren. Nach einer amtlichen Zusam­menstellung bürfie der Gesamtwert der seit dem Waf­fenstillstand nach dem unbesetzren Gebiet verschobenen Waren auf 30 Milliarden geschätzt werden können.

Kaffee, Kakao, Schokolade nicht beschlagnahme­frei. Zu der juneft veröffentlichten Mitteilung deS heisischen LandesernährunoSamieS in Darmstadt er­fahren wir, daß Kaffee, Kakao und Schokolade nicht beschlagnahmefrei find. Dieie Waren unterliegen vielmehr mit Ausnahme von Rohkokav, der nach der Bekanntmachung vom 3. September d. F. ein­fuhrfrei ist, dem Einfuhrverbote. Eine Einfuhr dieser Waren, die ohne Einfuhrbewilligung erfolgt, ist unter Strafe gestellt. Die ohne die vorgeschrie- bene Einfuhrbewilligung eingeführten Waien, gleich, gültig, ob sie über bas besetzte Gebiet kommen oder nicht,' lönnen durch die Staatsanwaltschaft zwecks Einziehung belch agnahrnt werden.

Unerhörter Terror.

Ein Lübecker Tischler tourbe von drei Tischlergesellen auf einem Kirren al» .Stre i kbrech e r" durch die Straßen gefahren und von Matrosen mit dem Tode bedroht Er hatte eine kranke Frau zu Hause und aus Not Arbeit übernommen. Die Strafkammer der- urt Ute die Tischler, die ihn mißhandelt hatten, zu vier Monaten Gefän nis. In der letzten BürgerschaftSsitzuna piotestierte nun ein Sozialdemokrat aegen das Urteil und verstieg sich zu der Drohung,' seine Partei werde derartiae R i ch t e r e n t f e r n e n; er forderte die Lübecker Arbeiterschaft auf, argen loldie Urteile vorzuaehen. Dar Vür -erschast-mitaiied Land eriwtsdirektor Meyer er- klärte darauf: Das Gericht ist unve letzlich. DaS Recht auf Arbeit mutz »eschützt werden. Versuchen Sie eS nur und fallen Cie der Justiz in die Arme; sie könnte sich später an Ihnen selbst rächen.

Inlernaflonale Maßnahmen zur Hebung des Mark­kurses? Wie verlautet, wird in der ersten Novewber- woche in Amsterdam ein Zusammenschluß von Mit­gliedern der Hochfinanz von Holland, Schweden, Frankreich, England und anderen Staaten stattfinden zur Beratung von Maßnahmen, Deutschland in seiner Finanzschwicrigkeit entgegen zu kommen und den Mark- kurs Im Ausland zu bessern. Es ist dies sicherlich nicht ein Zeichen von Sympathie, sondern es dreht sich einzig und allein um dar Geschäft. Ein so wich­tiges .Kulturvolk, wie das deutsche, läßt sich eben nicht einfach aus dem Meltwirtschaftsleben ausschalten.

* Strafe für Kaste, s autern. In Kauerslautern fanden am 8. September Unruhen statt. Der Ober­befehlshaber der französischen 9Winarmee hat der Stadt eine Keldstra'e von 60000 M. auferlett, weil sie den Aufruhr nicht voraussah und 'nicht mit eigenen M't'-ln nn-eibrütfen fo-nte

Eine Pielälserklörtmg. Eine Anzahl früherer Stu­dierender der deutschen Hochschulen aus Afrika, die setzt, meist in Kapland und Transvaal, in angesehenen Stellungen als Lehrer, Aerzte, Professoren oder in praktischen Lebensberufen wirken, veröffentlichen eine Erklärung, in der sie ihrer Dankbarkeit Ausdruck geben für die Förderung, die ste auf deutschen Hoch­schulen van ihren damaligen Lehrem erfahren Hadem Sie fühlen sich den deutschen Universitäten für die wis­senschaftliche Erziehung, die sie auf Ihnen genossen, zu bleibendem Danke verpflichtet und bedauern aufs äußerste, daß die deutschen Hochschulen und die deutsche Wissenschaft der Welt jetzt vielfach in einem so gehässi­gen, der Wirkllchkeit in keiner Weise entsprechenden Lichte gezeigt werden.

Ter gesamte Personeuzuq- und Gülerzncverkehr wuide wegen Erschöpfung Ö 6 KohIenvorrateS im Bereiche der StaatSdahn Innsbruck eingestellt. Aus­genommen ist allein die Lebensmittelbesöiderunq.

* Amerika bezieht deutsche Farbstoffe. Wie die Dena" erfährt, beschloß die amerikanische Neuerung, die amerikanstcheu Fabriken zu ermächngen, bie von. ihnen benötigten Farbstoffe, die sie in den Ve-eintg- ten Staaten nicht erhalten können, btS zum 15. Mai 1920 aus Deut chland zu beziehen.

Dentjctes Keich.

Berlin, 29. Ott. Rechtsstehenden Blättern wird berichtet, daß für die kommenden Reichstagswahlen von der Deutschnationalen Dolkspartei in Pommern der frühere Dizekanzler Dr. Helfserich und der frühere Führer der Konservativen, Gras Westarp, ausgestellt werden sollen.

* Ein Beschluß der bayerischen Unabhängigen. Der In Nürnberg abgehaltene Landesparteitag der bayen- fchen Unabhängigen beschloß mit 66 gegen 62 Stim­men den Anschluß an die Moskauer Inter­nationale. Ein Antrag, zu dieser Internationale vorläufig noch nicht endgültig Stellung zu nehmen, ua diese Frage nicht genügend geklärt fei, wurde abge­lehnt. Der Parteitag nahm.ferner eine Entschließung an, in der die Genossen aufgefordert werden, den 7. November, den Tag des Umsturzes in Bayern, durch Arbeitsruhe zu feiern und Massenversammlungen einzuberufen, in denen die Aufhebung des Belagerungs­zustandes, Freilaslung der politisch-"

sammlungs- und Redefreiheit und die sofortige Aus­nahme von Berhandlungen mit Sowset-Nußland ge­fordert werden soll. Der Anschluß an die Leninsche Internationale wird auch den deutschen Parteitag der Unabhängigen beschäftigen, der für die nächsten Tage noch Leipzig einberufen ist. Große Mitglied­schaften, z. B. Leipzig selbst (neben Berlin die unab­hängige Hochburg), haben sich schon für Moskau ent­schieden. Ein Anschluß oller deutschen Unabhängigen an die dritte und radikalste Internationale liegt um so mehr im Bereich der Wahrscheinlichkeit, als Abg. Haase, der Germer dieser Richtung, krank dorniederliegt.

*» Stuttgart, 2?. Ott. Von der Umbildung bet wurtrembergischen Regierung hr.rt jebt amtlich Kenntnis gegeben. Ter Entschluß des Mrn>. srers de? Innern Tr. Lindemann, trotz aller Bitten seiner Partei die ifrm angeiragene Kölner Profegur anzutreten, hatte seine Partei und b'.e Regierung in Verlese».beit versetzt. Die Mehrheltssonaldemckratce besitzt in Württemberg augenblicklich so irenig führende Männer, daß sie zur Wicderbrsetzung des Ministeriums des Innern, aus dessen Beibehaltung sie den größr-m Wert legt, genötigt war, das Kultusministerium auf­zugeben ' und den Ksheriaen Kultusminister H e y- m a n n zum Minister des I:»:iern zu macken. Heh- mann war als Kultusminister nicht aur Platz. Das Land Württemberg mit jein-un übrr-

Deutsche Nationalversammlung.

Sitzung vom 29. Oktober.

Auf der Tagesordnung steht die Beratung deS Haus­haltes der Reichswehr.

Abg. Maretzk, lTnat. 83p.): Die Stärke des Reicksbeeres von 100 000 Mann ist zu gering. Die Reichswehr ist die einzige Stütze der Rc.nerung. Tie monarchisch gesinnten Offiziere weisen einen monar­chischen Putsch weit von sich. Sie erte neu an, daß der Ne'chsivehrminisuer den rechten Willen fiert, die Ordnung aufrecht zu erhalten. I,m übriocn bähen wir ibn für einen überzeugten Sozialisten, also für unseren schärfsten polnischen Gegner. Wir halten ihn für ge­fährlicher als die Unabhängigen. (Lärm und Geläch­ter links.)

Abg. Stückle« (<sog ): Unsere fetzige Reichswehr kostet annähernd so viel, wie bc5 ganze Heer früher in Friedensstärke. Natürlich müsien Soldner, die ihren Beruf für 12 Jahre'im £>eer finden sollen, angemessen bezahlt ive den Für die SBerteib.' ng des LcndcF 'kommt eia Söldnerheer Lrruu in grase. Zwischen den

Die Kämpfe um Petersburg.

AuS den wcdenprechenden Nachrichten, die aus °em Kampfgebiet von Petersburg kommen, geht tu?e"e Gütlich hervor, daß die Armee Jude- »'sich gegenüber der Armee der Bolschewisten in di« x-ertetbigung gezwungen wurde. Sicher ist, daß die 5 »rotzki geleiteten Truppen ihre Gegner an Zahl h-Mfen- In den letzten Tagen kamen be- viutende Verstärkungen au8 Moskau an; auch wttbe bie gesamte städtische Bevölkerung Pet«>Sburgs dau von Feldbefestigungen herangezogen. Nach W^^'ichen Berichten hätte sich sogar die Er- "WRunggiage in Petersburg eiwaS gebeflert, da «wrere Etsenbahnzüge mit Lebensrnitteln aus «^..""llEkommen seien.

. Englische Berichte, die indeffen in letzter Zeit hott gefärbt waren, behaupten, daß der in, aJ"* ^et A>mee Judenitsch nur zeitweilig in» f*2Lr Sprengung der Brücken durch die Bol-

m "vterbrocken fei. Nach diesen Berichten & Petersburg vollkommen einer Festung Alle mten seien unterminiert. Ganze Häuserreihen L. 9än3önen umgebant worden. Die Führer ^^lchewisten hätten den Beseht gegeben, bei dem h "et Stadl alle Fablikgebälide in die Luft zu viin"Pen Unö bie Gasanlage mit Hilfe von Schwe» « , 3U vernichten. Die roten Truppen, die

> gioßer Energie die Derteidiaung Peteisduras inS aus > hoben, wollten offenbar k inen Stein tie ~?n! «"deren lassen, wenn sie gezwungen feien, aufzugeben. Die Miiarbei« der Bevölke- Ääwn'E^ oeganisielt. Die Flauen nehmen an den S.-,Pr.en test uno werden von Chinesen inS »Teuer ort Die Sage in Peteisbuig spottet jeder Be- : Tausende von Menschen ftetben täglich

500n ai§r 8ür ein Pfund Zwieback werden bis Rubel in Gold bezahlt.

JlHtmatum Amerikas an Mexiko, eaert^*'* *n Mexiko der amerikanische Konsular- &5 10 E'N t i n s auf einer Reise ins Innere des San« angeblich von Banditen gefangen genommen wor- Cets.tr r1'* °^er "tch möglich, daß es Revolutionäre nnw-rmi)" . ßtnau läßt sich das in Mexiko nicht Ctam»^^^rlcheiden. Die Regierung der Vereinigten Borin h- »x run ein Ultimatum an Mexiko gerichi-t, iy Befreiung Jenkins verlangt wird. Im Se-

WUfi3e beantragt, die amerikanischen Truppen zu

Adeligen und Bürgerlichen hn Offizierskorps besteht ein zahlenmüßiges Mißverhälms. Ist die mililär:fette Intelligenz denn unter dem Bürgertum fo selten? Die abeiigen Oisiziere beginnen sich 1 siebte zu fichlen. Ein Heer von Republikanern ist die beste Schutzwehr gegen Spartakisten und die mit ihnen toesensverwandten All­deutschen. Tie Soldatsn der Reichswehr, die zurzeit nur einen Anzug haben, haben sich freiwillig damit be- fdrehen, damit die Krieggsefange'nen erst mit Anzügen versehen werden können. (Bravo l) Mit tiefem Be­dauern mutz konstae tiert werden, daß immer noch Hun. berftmifer.be von Kriegsgefangenen zurückge­halten werden. Ich stelle fest, daß das nicht unser« Schuld ist; denn unsere Regierung fiat alles mögliche getan, um die Rückkehr zu beschleunigen. Sie har sich auch bereit erklärt, die ungeheuerlichen Kosten des Rück­transportes aus Sibirien, die sich für jeden Gefangenen auf 11 000 Mark belaufen, zu tragen, wenn sie nur zurückgeschickt werden.

Dbg. Nacken (Ztr.) gibt der Genugtuung Ausdruck, daß allmählich Ruhe und Ordnung in Deutschland ein« gekehrt ist. Das danken wir den Männern, die sich der Regierung freiwillig gur Verfügung gestellt haben. Tie Verhältnisse bringen eS mit sich, daß der Etat noch kein übersichtliches Bild der Einzelforderungen gibt. Tie GJefiüfirnifie der Reichswehr müssen den Zeitver- hältnisien angevaßt werden und ihren Angehörigen.die Gelegenheit, sich weiter zu bilden, ausgiebig gegeben werden. Die Kaserne mutz den? parteipolitischen S:reit entzogen bleiben. Wer der Reichswehr anaehört, mutz allerdings auf teim.Boden der Verfassung ftefiem. Den Wunsch auf baldige Rückkehr unserer Kriegsgefangenen teilen wir aus ganzem Herzen.

Ein sehr bewegter Abschnitt In der Debatte begann mit der folgenden Rede, bei der e3 zu stürmischen Sze­nen kam.

Abg. v. Gräfe (D.-Rtl.): Unsere Feind« haben es immer gewußt, daß Deutsche nur durch Deutsche besiegt werden können. Heute haben sie dos auf dem Wege der Revolution erreicht. Ein kümmerlicher Rest des Heeres ist uns in der Reichswehr, verblieben; aber man muß dieses kleine Heer um des Vaterlandes willen leben lasten. Sie auf der Linken werden dafür kein Verständ­nis haben, weil Sie von dem Mißtrauen erfüllt sind, dieses kleine Heer könne sich noch einmal der alten Tra­ditionen erinnern. Dieses Mißtrauen hat sich bis zum Derfolgungswohnsinn gesteigert Das beroeifxi sozial­demokratische Blätter gegen den Mann, der in der Zei- tung ein warmes Wort für die Reichswehr gesunden hat, Ludendorfs. Die Tradition unserer Armee ist mit bei schwarz-ioeitz-roten Fahne verbunden. Die schwarz-weiß­rote Fahne wird im deutschen Volke, das noch gesunde Empsinbungen im Herzen hat, niemals unpopulär wor­ben. Die weiteren Ausführungen bes Rebners über bie neue Reichsfahne erwecken ebenso stürmische Szenen, wie seine Kritik über den jüdischen Einfluß und bie B-täti- gung der Juden unter dem neuen Regime. Der auf der vordersten Bank sitzende Mehrheitssozialist Davidson sckstägt mit den Fäusten auf den Pult und wird dadurch nun noch mehr ei" Ziel der Zwischenrufe der äußersten Rechten. Der Redner sährt fort: Die Löhne sind unge­nügend. Wenn die Leute schlechter stehen als Arbeiter, so "werfen. Sie bas Geld für bie Reichswehr zum Fenster hinaus. Die Forderung nach Lohnerhöhung habe ich auch für das aste Heer schon vertreten. Aber schließlich muß man berücksichtigen, daß der junge Mann bei der alten Armee eine Schute durchwachte, wofür er eigentlich noch Schulgeld hätte .zahlen sollen, ((großer Lärm links.) Ich weiß, daß unsere Wünsche auch für die Berücksichtigung der Krieasaesanaenen enorme Kosten verursachen werben. Ob bas Reich diese Kosten aufbringen kann, darüber mag sich die Regierung den Kopf zerbrechen. (Große Unruhe links. Ruse: Unerhört!) Das Gelb Ist vorhanden, es wird In geradezu haarsträubender Weise für die Derwal- tunpsbeamten der Rvichsbetriebe verschwendet. Vom Reichswehrminister verlange ich nicht mehr Energie, als er besitzt: aber er soll wenigstens nicht den Schein einer weitgehenden Energie und damit ein falsches Vertrauen erwecken. In der Handhabung der Zensur geht Herr Roste viel strenger vor, als es jemals während des Krie­ges geschehen ist. Es liegt ein Stiftern darin, die deutsch- nationale Preste zu knebeln. Der Reichswehrminister leidet entweder an Verfolgungswahn, ober er tut der Wahrheit Zwang an. Die ..Deutsche Zeitung" hat nichts weiter getan, als an bie Erklärung des Reichsvräsidenten Ebert vom 18. Mai zu erinnern: .Die deutsche Regie­rung wird diese Bedingungen nie und nimmer annehmen. Wtt lehnen sie ab, möge kommen, was kommen mag!" Soll man denn nicht daraus Hinweisen bürfen, daß cs unerträglich ist, wenn ein Staatsoberhaupt ein solckes Versprechen in einer Form abgibt, die geradezu den Eha- ratter des Schwures an sich trägt und di-sten Schwur dänn nicht hält? (Große Unruhe links.) Man will sich die unbenueme Opposition vom Halse halten. Die par­lamentarischen Beratungen sind nur noch Theatervorstel­lungen: denn in den Konventtkeln der Renierunaspar- teien wird alles vorher abgemacht. Der Absolutismus regiert. Uns jucht man als bie Schuldigen an allem Unglück hinzustellen. Die spätere Generation wird anders urteilen.

ReichAvehrminister RoSker In der Rede des Vor- reh.ier6 ist der Sage nickt Rechnung getragen worden, in der sich Deutfckland gegenwärtig befindet, nickt der politilchen und nickt der finanziellen Lage. Er fiat gewistermirßcn Selbst-mordpolitik getrieben. Mr sind Im allertiefsten Unglück, aber biefes sollte man doch mit Ernst unf Würde tragen. (Sehr richtig I) Deutsch­land stand im Kampfe gegen % aller Völker der Erde, und die Hilfsmittel von vier Kontinenron Jinb vier Jahre lang gegen Deutschland ins Feld geführt Mor­ien. Dementfvrcckend sind die ßefftungen und Vvfer des deuifcken Volkes geradezu fiabnebücken. Unser Volk ist e fi r e n b a f t a u 8 di e s e m Kampf hervorgegangen. Tie Reibungen mit den Litauern werden sich durch Verhandlungen belci. tigen lasten. Ter Rück'ransport ist schwierig. Viel- leicht wird uuS ein teilweise Transport .zur See be­willigt. Es ist nichtswürdig, der Reichsregierung vor- zuwerfer» sie verschü-ße fick den Ansprüchen der Reichswehr. Aber eS feblt an Rohstoffen und ntn Geld. Gesund wird die Truppe werden, wenn unter Volk wie­der oanz gesund ist. Ter Münckener Geiselmord war furchtbar. Der diele Tinge abwenden will, sorge da­für, daß wir die Crbmrtg aufrecht erhalten können. Tie Verringerung deS Heere? ist lana>amer gegangen, weil der Friede immer noch nicht ratifiziert ist. Eine beträchtliche Verminderung der Truppen geht u rt« statten. Tie Generäle sind soweit entlasten, daß wir nur noch die wirklich in Dienst stehenden haben. Ich frone niemanden nach seinem polrtischen Glaubensbe­kenntnis. Tie Farben fchwarz-weitz-rot sind nicht die ReiLssarben. und er darf nicht damit demonstriert werden. Eine Reiße von verdienten Unt't'oskizieren ist bereit? zu Offizieren befördert worden. Tie Reichs­wehr muß so gestaltet werden, daß sie dem Reich Haft gelpnfirr auf seinem We"e zu neuem Aufblühen. Tie Reichswehr sollte nickt ®rge:-gemtanb- des Partei-anks fein Aber sie.wird von r c dr i 6 fier imterwüblt. Tas Verbot des .Tenticken We.rl^nbwttes" erfolgte, weil es auf der einen Seite einen Ritualnwrd in den krastesten Farben schilderte und dewei ehre Iudenbetze schlimmster Art trieb, aus bet nächsten Seite dann in deutlich erlernbarem Zusamme"lmna b?n Gummiknüp­pel anpries. Ta? Matz non Geschmacklosigkeit, das bet der stri'ik der heutigen Staatsform und der ietzigen Lräüer der Regiermta obtoaUet, wird nur noch über­

troffen durch die Illoyalität, mit der die -Deutsche Zeitung" darüber hinweggeht, day in Weimar ausdruck, sich auck von den Parteien der Rechten anerkannt joor» den ist, daß den für eine Unterzeichnung des tt-ric^n-,- Vertrages eintrctenden Politikern bet gute Glaube und bie. ehrliche Ueberzeugung nicht abgesprochen wertem kann. Es charakterisiert Herrn Gräfe und seine -t ceße, daß er sick schützend vor das Blatt stellt, das entgegen jeder Loyalität und A»-z'tändigkeit einen ehrenhcrfien Mann wie den Reichspräsidenten fo nichtswürdig her- unterreißt (lebhafte Zustimmung bei den MehrheitS. Parteien), das die Soldaten dazu auffordert, einem Reichspräsidenten, der sich selbst als ehrlos uno würde­los bezeichnet, den Eid zu verweigern. (Hort, hoN, links.) Sie beklagen sich über Kiiebelung der Prepe. Kämen Sie ans Ruder, Sie würden sich nicht damit be» gnügen, uns eine Anzahl Zeitungen abzudrehon. In der ietzigen Situation kann man mit Resolutionen uns sentimentaler Gefühlsduselei feinte Politik machen Tas Reich i st mehr in Gefahr at3 jemals im Kriege. Deutschland hat 204 Milliarden Schul­den, ungeachtet der Forderungen des Friedensvertra- e-es. Dazu kommen bie Auslieferungssragm. Wer in einer solchen Lage deS Reiches den Dürgerkrieg enr- fe fein will, den behandeln wir als Schädling, stehe er rechts oder links. Am Stammtisch kann man über ab­solute Freiheit reden, aber bei einem Sch-ckial von 60 Millionen steht mehr auf dem Spiel Tas Reich darf weder durch Tollheiten von rechts noch durch Narrheiten von links gefährdet werden. Jeder Bürgerkrieg rst M hindem. (Zuruf reckis: November. Zuruf link-: Wa waren Sie Denn im November?) Ich werde leben Putschversuch von rechts genau so bekämpfen wie den von links I/e kleiner die Truppe, desto fLarser wird sie zupacken. Vorwärts und aufwärts! (Lebh. Der, fall bei der Mehrheit.) ,

Minister Dr. David: Die Niederlage als -jolge der Re- volution darzustellen, ist eine bodenlose Entstellung d-r Tatsachen, und nun schleudert Herr v. Gräfe feine An- flaoen gegen bie, die den Frieden unterzeichnen mußten. (Zuruf rechts: Warum hat Scheibemann nicht nnterzeicy- nef?) Sie kennen bie Semeggrünbe. Sie (nach rechts) sind wohl fo verblendet, zu hoffen, baß Deuttchland erst bolschewistisch werden muß, damit bann die Reaktion körn- men kann. Das wäre bie einzige Erklärung für ihre Politik.

Abg. Dr. Haas (Dem.): Wir sinb besiegt worden von Deutschen, von denen, die uns durch den N-Bootkrieg Amerika auf den Hals hetzten. Gegen eine Welt von Feinden hatten wir standzuhalten. Haus und Hof woll­ten die Soldaten verteidigen, aber weiter wollten sie auch nicht geben. Wir wollen, daß Löhnung, Kleidung und Verpflegung der Reichswehr gut find. Auch guter Unter* richt muh erteilt werben. .

Abg. körnen, einer der lautesten Schreier der Unab­hängigen, hielt eine breiftünbige Dauerrebe, die mit ihren maßlosen Beschimpfungen und ungeheuerlichen Verdreh- uugen teils wirkungslos verpuffte, teils Gelachter aus- ^^Minister Koste erwiderte dem Abg. Koenen, daß un­abhängige Beschwerden über Gewaltanwendungen nur komisch wirken könnten. Die gewaltige Entrüstung Koe- nens über die Hungerstreiks der hinter Kerkermau-r« schmüchienden Freiheitskämpfer, deren Heldentum Koenen nicht genug preisen konnte, fertigte Roske durch die ckn- sührung eines einzigen Beispiels ab. Emer dieser Hun­gerstreikenden hat die Seche glänzend überstanden, weil er sich nachts an Schokolade gütlich tat. Ernster zu neh­men waren leider bie erneuten Denunziationen bes unabhängigen 9tebner an bie Adresse der Entente wegen angeblicher Verletzungen bes Friedensvenraoes. Dabei gibt es noch gar keinen Friedensvertrag. ber ver­letzt werden könnte. Wirb er ratifiziert, so w>rd er auch, wie Roske betonte, loyal und korrekt ausgefuhrt. Rach Airsicht ber Unabhängigen geht es anscheinend dem deut- schen Reich noch nicht schlecht genug. ,Es muß der Entente noch mehr Mißtrauen gegen uns elngefloßt werden, da­mit wir noch mehr belastet werben. Und das ist em deutscher Zeitgenosse! Wahrhaftig, nicht nur Roske konnte es übel werden.

Rach erledigter Aussprache werden Entschließungen des Ausschusles^ die von der Regierung die Derucksich- tigung einer Reihe von Wünschen der Soldaten forderten, angenommen. , t . , ,, .

Das Hous erledigte dann noch den Haushalt ber Ma­rine, bes Reichstags, bes Rechnungshofes, ber Reichs- druckerei, ber Reichsschulben- und ber allgemeinen Fi° nanzverwaltung. Der Entwurf eines Gesetzes über bie Festsetzung des Reichshaushalts für bas Rechnmiessahr 1919 wurde in zweiter Lesung ohne Aussprache ange­nommen. _

Donnerstag: Dritte Lesung des Etat».

Ist ter religiöse Eiv abgeschafft?

Nein! , , . t ,,

muß hervorgehooen werden, da sich hier b auf Grund der neuen Sckwurformelich tckwöre" die Ansicht zu bilden droht, die religiö en Sendungen in der Eidesformel feien jetzt abgetan.

Es ist in der Reichsverfassung nichts weiter be- stimmt wo>den, als daß niemandgezwungen" weiden soll zur Benutzung einer religiösen Eides- F c,Nb daß die Eidesleistung rechtswirftam auch durcd die einfache Erklärungich schwöre" erfolgen kann. Es steht ober nirgends geschrieben, daß sich Lr Schwörende damit begnügen m ü s se. Die Wabl- fkeiheit, die dem Ungläubigen eingeräumt wird, soll vech dc» Ge etzen aiich den gläubigen Christen zu- flute kommen. Er darf binzufügen:bei Gott dem Sllmachtchen und Allwissenden" undso wahr mit

neue Verfassung stellt jeden religiösen Ein- fcklaa überhaupt die Erwähnung Gottes und seiner Ailje in die freie Wahl des Schwörenden. Das ist tebauerlid), da hierdurch der religiöse Charakiet deS Eck schwur s in den Hintergrund gedrängt, die mo» «liscke Bedeutung des EldschwurS herabzedrückt und das Gewiffen vieler Schwörenden abgestumpft toi 16. gtet dieses liebel war unabwendbar, da die jetzt vorherrschende Partei der sog. Freidenker die feier- siche Anrufung GotteS für einen Gew.ffenszwang auSgab und oüf dem Verzicht bestand.

Wer auf christlichem oder wenigstens gottgläubi- «m Standpunkt ftebt, muß dafür sorgen, daß daS «sigedrungene Zugeständnis an den Unglauben nicht ungebührlich ausgedehnt wird. TaS würde der Fall sein, wenn von unserer Seite auf den Gebrauch der religiösen Eidesformel verzichtet würde. Tie ver- lürtte Formelich schwöre" muß den bewußten Soltesleuanern voibehalien bleiben, aber jeder Bür­ger, der an Gott den Allmächtigen und Allwissen­den glaubt, muß die alte Forme! mit der Anrufung des Höchsten beibebalten.

Das werden die Gegner vielleicht alsDemon­stration" bezeichnen. Aber es ist mehr als eine bloße Demonstration, nämlich ein Glaubensbekennt­nis und eine Willensbekundung von praktischem, rralpoiitischcm Wert. Würde nämlich die nackte For- melich schwöre" zur Regel werden, dann wäre mit Sicherheit zu erwarten, daß nächstens aus dem Wege der Ceschgebung oder Berwaltung der ausdrückliche Ausschluß der religiösen Zusätze in die Wege geleitet würbe. Man würde sich darauf berufen, daß fern Bedürfnis" vorliege und deshalb der Einfachheit und Gleichmäßigkeit halber alle Zeugen, Sachverständige, Schöffen, Beamte sich mir dem ,ich schwöre" begnügen müßten.

So würde die fakullative Entchristlichung des Eid- sHwures zur obligatorischen Entchristlichung führen können, um das zu verhüten, müffen die Christen zeigen, daß sie den christlichen Eid aufrecht erhalten wollen. Und zwar bekunden durch die Tat, Indem sie von dem Recht Gebrauch machen, die alte religiöse Eidesformel anzuwenden.

Auch in dem Falle, daß der Richter ober der eid- «b-unehmende Borgeletzte in feinem Borspruch bie neue abgekürzte Formel anwenden sollte. Wenn er auch rorfagt:Sie beschwören, daß" oberich schwöre, daß", fo darf und soll doch der Eidespflichtige sagen:Ich schwöre bei Gott dem Allmächtigen und Allwiffenden, daß. . so wahr mir Gott helfe und sein heiliges Soangelium."

Es braucht sich in dieser Hinsicht niemand devor- Mnden ober einschüchtern zu lassen. Machen bie Un­gläubigen von ihrer Gewissensfreiheit Gebrauch, so Nüssen wir auch unsere Gewiffensfreiheit treu und offen «tätigen. Sonst wirb man bald über das schwächlich «scheinende Gewiffen der Gläubigen vollends zur Te- Wordnung übergehen.

2n' der Eidesiiage wie in der Schulfrage kommt « auf bie Selbsthilfe an.