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Fuldaer Zeitung

Druck der Fuldaer Actirudruckerei iu Fulda

214 der Friedensbedingungen noch nicht erfüllt 1 Man findet, so weit man auch suchen mag, nur einen Grund für die Zurückhaltung der Kriegsgefangenen. Er liegt, wie dieFrist. Ztg." darlegt, in der Sil­it g f e i t ihrer Ausbeuter. Es handelt sich um eine rein kapitalistische Angelegenheit nach den rohesten Begriffen von dem Verhältnis zwischen Arbeit und Kapital. Das französische Unternehmertum, sei es nun unmittelbar durch den Staat oder durch geschäf­tige Mittelsleute vertreten, wünscht die wohlfeile Ar- beitskraft der Kriegsgefangenen so lange als irgend denkbar auszunützen. Was sagen angesichts dieser völlig klaren Sachlage die französischen Sozialisten, die auf internationalen Kongressen wiederholt die Verpflichtung übernommen haben, sich für die Frei­gabe der Kriegsgefangenen einzusetzen, ohne daß sie bis setzt, soviel man weiß, irgend einen ernsthaften Schritt zm Einlösung ihres Wortes getan hätten?

tion und untere kommunistische Ideale demonstrierend, unter Dorantragimg roter Fahnen durch die Straßen der (StatfrLff

Welcher Art nun dieErziehungskunst" der Offe­ner sozialdemokratischenPädagogen" ist, geht u. a. auch aus dem Lesestoff hervor, den einer ihrer Rufer im Streit, ein Oberlehrer Dr. Siemsen, den ihm anvertrauten Gymnasiasten empfiehlt. Es find dies dieWeißen Blätter", in denen sich u. a. fol­gende Aufsätze finden: einer von Kasimir Edschmid: Kcrsdin", der von Anfang bis zu Ende ein von roller Brunst erfülltes blödsinniges Gestammel ist. Dann folgt eine Verhimmelung deS Kommunisten Mühsam, der von München her in unliebsamer Er­innerung ist. Der nächste Aufsatz Walter v. Hollän­ders :Grenze der Erfüllung" ist von derartig nie­derträchtiger, schwüler und perverser Geilheit, daß eine auch nur andeutungsweise Wiedergabe sich ver­bietet. Der Essener Vorstoß scheint der Auftakt die­ser gewissenlosen radikalenJugenderziehungsbe­wegung" zu sein, wir erwarten aber vom Kultus­ministerium, daß es diese Eiterbeulen beizeiten auf- sticht und den Giftstoff radikal entfernt, auch wenn eine von Moral und Recht unabhängige Arbeiter­schaft durch das Geschrei in Zirkus-Massenversamm­lungen die Stimme der Vernunft übertönen will.

Daneben ist die Selbsthülse nicht zu vernach­lässigen. Sammeln die radikalen Erziehungskünste die Jugend, um ihr ihre revolutionären christen- tumsfeindliche Ideen einzuimpfen, dann rst es heilige Pflicht aller, denen die Sorge für unsere Jugend anvertraut ist und die nicht wollen, daß_ |te dem Unglauben und dem Radikalismus verfällt, sich ihrer anzunehmen und sie vor dem drohenden Verderben zu retten. Diese Pflicht ist auch bereits erkannt Worden. Es ist eine großzügige Organi­sation geschaffen, die in allen Orten mit höheren Lehranstalten die Gründung katholischer Schülerver­einigungen anregt und deren Arbeit mit Rat und Tat fördert. Auch in Fulda haben wir blühende Vereinigungen dieser Art erhalten. Sie wollen den Schulen Mittel und Gelegenheit bieten, in selbstge­wählter Arbeit in der ihnen gebotenen freien Zeit sich religiös sittlich zu vertiefen, sich an den schönsten Leistungen der Wissenschaft, Kunst und Literatur weiterzubilden, in frohen Ferienwanderungen Heimat und Vaterland kennen und schätzen zu lernen, auf diesen schönsten Grundlagen miteinander Freund­schaft zu schließen, edlen Frohsinn und Genuß zu suchen. Die Eltern können ihre Söhne mit voller Zuversicht den neuen Vereinigungen anvertrauen.

Und dann fragte das junge Mädchen tausenderlei.

Der Alte antwortete, so gut er es konnte, wurde ober immer einsilbiger dabei.

Endlich legte Inge alles wieder in den Kasten zurück, Bilder und Briese aus der Ellern Brautzest, eine ge­häkelte, seidene Börse, einen Ring, auf dem fünf Saphire eine DcrgißmeiimichtblLte btldüten. Mit ehrfürchtigem Schauer, mit leisen, zarten Händen faßte sie alles an. Ob einst ihre Herzensreliquie von heute gleich lieb und leis von Nachgeborenen berührt werden würden?

Das grüne Band schlang sie um den Kasten und stellte ihn vor den Baier hin:Schließe ihn ein, Papa," sagte sie,und wenn ich eine Stunde der Arüacht suche, gibst Du ihn mir, ja?"

Ja, mein Kind."

Er trug den Kasten in den Schrank zurück und ver­schloß diesen. Wie müde, wie todmüde er aussah!

Und nun gute Nacht, Inge," wandte er sich an die Tochter,das war ein schwerer Tag für uns. Glückliches Kind, geh und träume von allem, was Du hoffst."

Er reichte ihr die Hand. Dann zog er sie sanft an sich:Gute Nacht!"

Er ging in sein Schlafzimmer und legte sich zur Ruhe. Aber ter Schlummer kam nicht. Mst Augen, die nicht aufhören konnten, zu sehen, starrte er an die Zimmer- decke. Mit Gedanken, die ruhelos wanderten, zermarterte er sich den Kopf. West zurück sann er und suchte, ob alles so kommen« mußte, wie es gekommen war, ob er es heute ändern könne und dürfe. Ob Schuld oder Un­glück ihn umlauere, und vor ollem die Frage, die immer wieder riesengroß vor ihm aufwuchs: Wo fft die Grenze der Wahrheitspflicht!?

Gab es eine, oder war diese Pflicht grenzenlos? Gab es eine, und war sie dort, wo man nicht mehr sich selbst dieser Pflicht opferte, sondern andere. Schuldlose, Ahnungs- lose, die an dieser Pflicht fein Teil hatten? War es nicht

Jtl 241.

E-Uiölckg, 25* Oktober 1919

Der Schatten.

Siomoti von Arthur Winckler-Tannenberg. 20 ___________

tun« auerüffen und entschlossen sein, auch gegen das wütende Schreien unheilvoll revolutionärer Politiker und ihres Anhangs Gesetze zu schaffen, ohne die ein wahrhaft demokratisches Staatswesen, in dem das Recht der Allgemeinhest über alles steht, auf die Dauer nicht existieren kann.

Es mutz etwas geschehen.

U den ersten Wochen der deutschen Reoolutioi» der wildesten Revolutionäre, der damalige Ekteauftragte Barth, seinen Leuten das Wort ^aenaeschleuLert, daß sie die Revolution zu einer herregung degradierten. Damals wurde ein sol- pVgrtort nod) als Vorwurf aufgefaßt, heute ist man diese Empfindlichkeit längst hinweg, heute sehen 8^breitesten Massen Sinn und Zweck des Umsturzes 'FLVrftein darin, daß sie möglichst viel Geld verdienen, ^?weil die Revolution diesen Umschwung der 23er» Shliffe noch nicht zustande gebracht hat, darum wol- 8smanche immer weiter revolutionieren. Erfreulicher­es- denkt die erdrückende Mehrheit des deutschen Vol- anders und wenn auch begeisterte Revolutionäre « dem letzten November längst eingesehen haben, *7 faum ein winziger Bruchteil der damals gehegten Ahnungen in Erfüllung gegangen ist, so will heute mA niemand, der es mit unserem Volke wirklich gut ?Stt das Experiment einer neuen Revolution machen, 'vne 'fireife, die immer noch mit dem Gedanken eines Umsturzes spielen, find großenteils nur betört verhetzt, sie würden sich in die gegebenen Verhält- die Dank dem traurigen Zusammenbruch des krischen Volkes u. feiner Knebelung durch die Feinde nicht rosig find, wie die andern alle einfinden, sie nur die Ueberzeugung gewännen, daß es sich h?tem neuen Reiche leben läßt und eine kraft­volle Regierung die Führung des Volkes in der stand hat. Aber kranken wir letzten Endes nicht am meisten" an dem Mangel kraftvoller Entschlossenheit bei «njerer Reichsleitung? Kann es nach den bisherigen Erfahrungen wundernehmen, daß die Achtung vor der »«ierungsgewoll in weiten Kreisen der Bevölkerung mst, besonders der oppositionell fühlenden Arbeiter­schaft nicht Wmzel schlagen will?

Die erste und größte Aufgabe der Regierung und -er Rationalversammlung ist es, die Lebensfähigkeit des neuen Reiches sicher zu stellen, Erschütterungen sern zu hallen, die seinem Bestände gefährlich werden könnten, den nationalen Willen- zur demokratischen Pflichterfüllung und zur Arbeit am Wiederaufbau un­teres zerrütteten Wirtschaftslebens zu wecken und zu schützen Was ist aber bislang geschehen? Die innere Unordnung, der Mangel an nationaler Diszi­plin, der krankhafte Wille zum Umsturz haben die Re- gierung zwar häufig vor die Notwendigkett gestellt, scharfe Maßnahmen zu ergreifen, und mit Hilfe des Belagerungszustandes ist manches Unheil verhütet »or­ten. Wenn wir aber leben wollen, wenn wir zu ge­filterten, gefestigten, normalen Verhältnissen zurück- kommen wollen, müssen endlich gesetzgeberische Maßnahmen getroffen werden, die eine Beunruhi­gung des öffenttldjen Lebens und eine Festigung der staatlichen und wirtschaft­lichen Verhältnisse herbeiführen.

Die Nationalversammlung sollte angesichts der schweren Winterzeit, in die wir jetzt hineingchen, sich bald entschließen, die ihr durch Artikel 48 der Reichs- verfassung gestellte Aufgabe der Sicherung der öffent­lichen Ordnung in Angriff zu nehmen. Der Belage- rungszustand soll nicht Dauerzustand werden, der Ge- schaeber soll die Voraussetzungen und Möglichkeiten schaffen, daß wir ohne Belagerungszustand leben können, damit in unser Wirtschaftsleben endlich die un­bedingt notwendige Festigkeit und Stetigkett wieder- kUtt. Warum wird nicht sofort ein Reichsgesetz geschaf­fen, das die mörderischen Streiks dupch die Einsetzung eines obligatorischen Schiedsgerichts un­möglich macht! Warum soll ein solches obligatorisches Schiedsgericht erst nach vielwöchentlichem Kampfe wie .jetzt im Berliner Metallarbeiterstreik, in Tätigkeit tre­ten und nicht fchon gleich ,roenn sich Unstimmigkeiten Mschen Arbeitnehmern und Arbellgebern bemerkbar machen. Durch Reichsgesetz sollte baldigst auch das Miß dornige Arbeitslosenproblem geregeü werden, benn durch das ängstliche Hinausschieben der Lösung dieser schweren Ausgabe wird sie nicht leichter und die innerpolstische Latze nicht einfacher.

, Es ist nicht nötig, gleich nach Zuchthausstrafen für vtreikhetzer zu rufen, wie es die allzeit scharfmacheri­schePost" tut, aber alle politischen Parteien sollten Mesichts der von Tag zu Tag sich erschwerenden -Wirtschaftslage mhig und leidenschaftslos an die sach- l'che Prüfung der Fragen treten, deren Lösung Artikel 48 "£r Reichsvcrfassung der Nationalversammlung zu- weist. Je schneller wir durch gesetzgeberische Maß- naWen dahin gelangen, den Belagerungszustand über- P*n8 ZU machen, desto besser ist es. Die Parteien müssen D zu diesem Zweck mit dem Willen zur Verantwor-

11.

Dreünat war Inge an des Kaufherrn Priootfontor ieswüchen, dreimal war sie umgekehrt. Er arbeitete noch m«. Es nahm kein Ende. Dann faßte sie sich ein und pochte.

Er rief herein", und sie trat in das schlichternste «lbniszimmer.

r JR,U5.£in faß am Schreibtische, aber zurückgelehnt im W, in Gedanken verloren.

-Du bist es, Inge?" sagte er leise,Du suchst mich?" »La, Papa. Kommst Du heute gar nicht hinaus? Du ^tzt, wie ich darauf warte, daß. Du mir erzählst von - von meinen Eltern."

. --Es ist wahr, Kind, das versprach ich Dir. Sieh, ? ,GB hier so ganz versunken in das Neue, das da unnen und mir so viel, mir alles nehmen will." »Papa!"

b sich auf die Lehne seines Sessels und legte

-itm um ihn:Welche Gedanken! Reicher sollst werden an Liebe, viel, viel reicher. Geben wollen !r nicht nehmen."

®*ttnt®ortetc nicht gleich.

h3cE) weiß, ich weiß," sagte er endlich. Dann stand ' °uf.Uber Du hast recht, ich lasse Dich zu Unrecht N- Komm, gehen mir."

Unb nun schritten sie Hand in Hand die Treppe empor, tR~)Q3 behagliche Wohnzimmer, und Inge rückte fessel am Kamin zurecht, wo er abends bei einem . Wiib^it so manches Mal zu sitzen pflegte. Sie '-schob sich einen anderen Stuhl herbei.

Pnpa, wie mir das Herz pocht! Was werte ich ?oren bekommen? Was war mein Safer?"

^nusrnann wie ich, ein reicher und auch ein g, r< liebenswürdiger Mann, ter das Herz meiner esier im Sturm gewann. Er lebte in Wien. Auf vir be ich mit meiner Frau und meiner Schwester ejn "c'stommergut machte, lernten wir ihn kennen auf toi fA^am^er !)C5 herrlichen St. Wolfgangsces. Er x ins Herz gespielt mit seiner hohen, herrlichen bet Musik.

Radikale JugenÄerziehuirg.

Von einer radikalen Jugenderziehungsbelvegung die schon einen bedenklichen Umfang genommen zu haben scheint, erfährt man durch tumultuarische Vor­kommnisse, die sich in Essen ereigneten.

Nach einem Berichte der liberalen »Essener Allg. Zeitung" tagte im Städtischen Saalbau zu Essen eine große Versammlung von Schülern und Schülerinnen der Klassen von Obertertia an aller höheren Lehranstalten sowie von Eltern, Lehrern und Freunden der Juyend. Ein Student, Heinz Berns, sprach über den Sinn derentschiedenen Ju­gendbewegung." Die Jugend von heute wurde sich be­wußt ihres Wertes, ihrer Aufgabe und ihrer Kraft. Es ist in ihr der Wille zur Selbstgestaltuna des Lebens vorhanden; daraus ergibt sich, die Abkehr von der Autorität, Beseitigung der Vorgesetzten, Einsetzung des Führertums und ein völlig neues Verhältnis der Men­schen untereinander. Zu stürmischen Unterbrechungen und großem Tumult kam es bei den weiteren Ausfüh­rungen, die in Herabsetzung der Schule und Dehöhnung des Lehrerstandes gipfelten. Redner empfahl einen Schüler-Vollzugsrat zur Beaufsichtigung aller Schul- erngelegenheiten, insbesondere des Unterrichts sowie ter Auswahl des Lehrstoffes und forderte einen rücksichts­losen, entschiedenen, aber vornehmen Kampf der ge­samten Fugend gegen die sich widersetzenden Elemente. In der sich anschließenden stürmischen Besprechung stellte Oberlehrer Dr. D i ck m a n n dem Referenten drei Fragen: Die steht er in politischer Beziehung? Istentschieden" gleichradikal?" Wie stellen sich ter Referent und seine Hintermänner zum BegriffVater­land" ? Der Referent betonte die Unabhängigkeit des Bundes im allgemeinen sowie die lose Verbindung mit dem Zentval-Jugendrat, fotterie schärfsten Kampf gegen die bestehenden Schulorganisatwnen und allge­meine Völkerversöhnung. Nach längerer, jugendlich lebhafter Aussprache wurde es schließlich dem gesunden Teil der Schüler und Schülemnnen zu dumm. Sie stimmten das Lied Deutschland, Deutschland über alles an und verhauten die enrschieden Jugendlichennach guter deutscher Jungenart gründlich". DieEss. Allg. Ztg." meint, daß dies die einzig richtige Antwort ge­wesen sei.

lieber die wettere Entwickelung der Dinge berichtet derWests. Merkur":

Die Direktoren der Essener Gymnasien im Verein mit dem gesamten Lehrerkollegium mit Ausnahme der we­nigen sozialistischen Lchrkräfte haben sich nun entschieden auf den Standpunkt gestellt, daß die radikale, sog. ent« schieden« Jugendbewegung die Autorität ter Lehrkräfte untergrabe, Haß zwischen Lehrern und Schülern säe und den Geist der Züg-llosigkeit und ter Unbolmaß-gkeit atme. Denselben Standpunkt haben die Elternschaften an sämt­lichen Gymnasien eingenommen, die in den erregten Ver­sammlungen, die sie in ter Aula der Anstalten abhielten, die Entfernung der sozialdemokratischen Oberlehrer, die hinter, dieser Bewegung stehen, gefordert haben. In­zwischen hat sich auch das Kultusministerium mit ter An­gelegenheit besaßt. Ein Vertreter des Kultusministers meilt zurzeit in Essen und nimmt eine eingehende Unter­suchung der Vorkommnisse vor. Er hat in den Konferen­zen, die er mit den Leitern der höheren Lehranstalten ab- hält, den Eindruck gewonnen, daß es sich bei der Jugend­bewegung an den Essener Gymnasien um eine Ange­legenheit von ernster Bedeutung hantelt. Die unab- hängig- sozialdemokratische und die kommunistische Essener Arbeiterschaft, die hinter den Urhebern und geistigen Leitern ter Jugendbewegung steht, fordert ener« gisch, daß zu dm Konferenzen mst dem Vertreter des Kultusministers auch die sozialistischen Lehrer und die Vertreter ter Arbeiterschaft hinzugezogen werten. Heute Msttag hatten die Mehrheitssozialisten, die unabhängigen Sozialdemokraten und die Komnmmftm eine Massen­versammlung in den Zirkus. Hagenbeck einberufen, um sich mit der Essener radikalen Jugendbewegung und teren geistigen Leitern solidarisch zu erklären. Die Demon- strationsversarnnstung, an der 40005000 Personen teil­nahmen, verlief außerordentlich erregt und artete zeit­weilig in Johlen und Pfeifen aus. Die Versammlung erklärte in einer Entschließung die Führer ter Jugendbe­wegung als Opfergewissenloser klerikaler und nationaler Hetze" und forderte, daß diejenigen Vertreter der Lehrer­schaft, die sich an dieserHetze" beteiligen, zur Rechen- schast gezogen werten. Als sich die Massen nach Schluß der Versammlung zu einer Straßendemonstration vor dem Zirkus ordneten, wurden sie von starken Polizeiaufgeboten daran gehindert. Bewaffnete Abteilungen ter Sicherheits­wehr eilten ebenfalls heran. Es kam zu lebhaften Zwi­schenfällen mit den Sicherheitsmannschasten, bis diese schließlich ein heftiges Feuer in die Luft eröffneten. Die auseinander getriebenen Massen sammelten sich später an anderer Stelle und zogen, für die Weltrevolu-

Sie paßten so trefflich zusammen, ter frische, lebens­frohe Mensch und Ingeborg, die so sehr Dir glich wie Du heute bist. Ernster als er und doch auch licht und lieb. Sie sanden sich und zogen nach Wien. Er hatte alle Aussichten, seinen Wohlstand tüchtig zu mehren, und war glücklich in der Hoffnung, daß Du geboren werden solltest. Er hat Dich nie gesehen."

Inge zuckte zusammen.

Er fft jung gestorben?"

Zehn Monate nach der Hochzeit."

O, Gott, woran?"

Plötzlich, an einer Fleischvergiftung hieß es. Als meine Frau und ich tarnen, war et schon begraben."

«Ein Unfall?"

Natürlich, was sonst? Wir haben nie viel forschen dürfen. Meine arme Schwester war halb wahnsinnig vor Schmerz. Ihr Zustand forderte jede Schonung. Wir umgaben sie mit aller geschwisterliche" Liebe, die wir er­denken konnten! Als Du geboren warst, starb sie. Sie hatte nicht mehr leben wollen und können."

Sngrtrrg trocknete ihre Tränen.

Welch kurze, welch traurige Geschichftel Sie fft aus?

Ruskin richtete sich auf. Heiser und gewaltsam klang es, da er sagte:

5a aus!"

Aber sage mir mehr von ihnen. Du wirst noch vieles wissen, und ich weiß nichts. Alles fft mir lieb, von allem möchte ich hören» Hast Du Bilder von ihnen?'

Mühsam erhob er sich.

Du solltest uns als Deine Eltern kennen, nur uns. So wurden alle Bilder verschlossen. Jetzt sollst Du sie sehen."

Er ging an einen geschnitzten, säulen geschmückten Schrank und schloß ein Schubfach auf. Einen mst grü­nem Scitenband umwundenen Kasten hob er heraus. C n Zypressenzweig fiel aus der Schleife, ein dürrer, trockener Ast. grau, und morsch.

Den Kopf erwartungsvoll in die Hände gestützt, die Augen wieder und wieder mit dem Taschentuche tupfend, spähte Inge, nährend der Kaufherr das Band löste.

Das ist Alf ed Malten, Dein Dater."

Er legte ein vergilbtes Bild vor sie hin. Inge ergriff es mit beiden Händen, und forschende Blicke versenkten | sich in das Pastellporträt.

» Die ungesühulen französischen Morde Im SaargebieL Aus Saarbrücken wird terDena" geschnoben: Den Totschlag an demfranzösischen' Sergeanten Mannhei- mer mußte die Stadt Berlin mH einer Million Mark m Gold sühnen, obwohl ter Getötete an dem fraglichen Zusammenstoß ;um mindesten nicht 'ganz schuldlos war. Wegen der verschiedenen auf das Konto des französischen Militarismus zu setzenden Morde im Saargebiet. unb im übrigen französischen besetzten Gebiet geschieht nichts, es bars nicht einmal etwas zur Aufklärung dieser Morde geschehen. Im Dezember v. I. sand man an ter «trotze zwischen Elversburg und Heinitz die Seminaristin Schnur aus Eilversterg als Opfer eines Lustmordanschlages m ihrem Blute auf. Zeugen bekundeten, daß sie beobachtet hatten, daß das unglückliche junge Mädchen von einem französischen Soldaten einaeholt und angesprochen wurde. Kurze Zest daruf wurde das Mädchen vergewaltigt ster- bend ausgefunden. Seinem Bruder konnte es noch an« geben, daß als Täter ein französischer Soldat tn Frage komme. Dann starb sie. Deutsche Krunma beamte muß­ten die Ermittelungen einstellen, die französische Militär­behörde hat zur Aufilärung des Mordes und Feststellung des Täters nichts getan. Im Frühiahr d. I. fand man tn seiner Wohnung in Saarbrücken den Architekten Lemnitz erschossen auf. Man mutmaßte Selbstmord aus Gram über seine pflichtvergessene Ehefrau die mit einem bn Lemnitz wohnenden französischen Offizier Beziehungen unterhielt. Man fand neben dem Toten bat Dienst, revolver des betreffenden Offiziers. Zwei Tage spater wurde die Frau des Erschossenen wegen dnngenden Ver­dachts ter Beihilfe an dem Mord ihres Ehemannes ver- hastet. Die Frau befindet sich heute uoch-nHast.wah- rend der Mörder sich noch immer voller Freiet erfreut. Die deutschen Krstninalorgane können zur Festsetzung des Mörders nichts tun. Während der letzten Streckbewegung wurden ht Saarbrücken zwei deutsche Postangestellte von französischen Soldaten erschossen, ohne daß in der be­treffenden Straße zur Zett der Tat irgend welche Un- richen bemerkbar waren, und ohne daß bie zwei Beamten irgend welchen Anlaß geboten haben. Die Mordtat an den drei deutschen Postbeamten gelegentlich des franzö­sischen Plüsches in Ludwigshafen hat bis heute keinerlei Sühne gefunden', auch die Erschießung des lungen Mad- chens in Frankenthal i. d. Pfalz durch französische Sol­daten hat bis heute keine Genugtuung erfahren An die ganze zivilisierte West muß die Frage gmchtet wer. den: Haben die Franzosen em Recht, ungesuhnt deutsche Menschenleben zu vernichten? Was geschieht, «ii eine Sühne herbeizusühren, und m Zukunft solch: Morde zu

ttnftetißteit der deutschen Valuta ivor bem Auslande hat eine ebenso unerfreuliche Schtves^r in ter Unsicherheit ter deutschen Arber tsl ei. stungen bekommen. Die erstere Erscheinung zieht MnS das Geld aus dem Portemonnaie, letztere verhindert, daß wieder Geld hereinkommt. Die. Dor­kriegsleistungen der deutschen Industrie stehen Bet dem Ausland« in so gutem Gedächtnis, daß von dort immer wieder Neubestellungen bei den deutschen perlen unter der Voraussetzung eingehen, daß pünktlich geltefer wird Und da sich die Besteller sichern müssen >o ma­chen sie Strafen für den Fall der Nichteinhaltung des SieferungSterminS zur Bedingung. Nun kommt aber der wunde Punkt. Wie sollen die deutschen Fabriken die Gefahr einer hohen Konventionalstrafe ichernehmon, da sie mit ter Möalichkeit von wilden politischen Streiks und des Ausbleibens von Kohlentransporten rechnen müssen? So schwer es ihnen wird, so bleibt ihnen doch nichts weiter übrig, als die Bestellungen abxu- lehnen, wie eS jetzt vielfach geschehen ist. Die Bestell lungen werten dann fremden Konkurrenten erteut. und alle Kunden sind der deutschen Industrie vertaten, den deutschen Arbeitern aber auch der Verdienst

Die amerikanischen Pläne auf die mitteleuro­päischen Gebiete werden deutlicher. Die amerikanischen Großspekulanten geben sich mit Kleinigkeiten nicht ab, und sie rechnen sicher darauf, daß ihnen bei dem Mangel an Kapital und Rohstoffen in Deutschland und im ehemaligen Oesterreich Ungarn manches sehr aussichtsvolle Geschäft in die Hände fallen wird. Selbsffucht, um eigener Seelenentlassung willen andere Seelen belasten, reine Seelen ohne Fehl?

Tausendmal verwarf er diese Schlüsse, und tausendmal kamen sie wieder. Immer enger legten sie ihn in Ketten, und als ter Morgen fahl dämmernd durch die Vorhänge glimmte, sank ter sterbensmüde Mann in einen kurzen Schlummer. Er hatte ausgestritten mit sich selbst. Er wollte Gr«n und Bürte des Unrechts tragen, allein tra­gen. Die Toten sollen tot sein und ihr Kind aus dem Schatten vergangenen Wehs ins Licht des eigenen Glückes treten.

War es eine Lüge, so mochte sie auf chn kommen! Sein Lebensweg ging abwärts, ter Inges stieg empor. Und in einem flllchttgen Traum kam seine Schwester ober war es Inge, ihr Kind? Sie glichen einander so sehr unb dankte ihm mit Tränen in den Augen.

Müde und matt erhob er sich. Die Nacht hatte ihm schlimm zugesetzt. Eilig erledigte er seine geschäftlichen Obliegenheiten und nahm dann einen Wagen.Nach ter Hafenstrahe."

Um halb zwölf Uhr war er zurück.

Als er fortfuhr, sah er Inge am Fenster stehen.

Sie spähte schon jetzt mit pochendem Herzen nach Kon­rad von Evens.

Und aus die Minute pünktlich knirschte der Wagen über den Kies der Borsahrt. Jean öffnete den Schlag, die Braunen standen wie Erzfiguren, und jetzt schritt der junge Freiherr die Steinstusen empor. Ein Blick voll holder Ahnungen ging suchend die Fensterreihe entlang, unb hell leuchtete es auf tn seinem Gesicht. Er hotte sie gesehen. Auf eine Sekunde. Scheu verbarg er den Fund vor unberufenen Augen, die jetzt auf chm ruhen mochten. Aber mann und verheißend war chm der Gruß. Sie würde sich nicht gezeigt haben, wenn Hemmnisse irgend welcher Art teohen. Sicher unb selig schritt er dem Glücke entgegen.

Der Kaufherr erwartete den Gast im Salon.

Ruskin war blaß, aber ruhig, von einer klaren, festen, entschlossenen Herzlichkeit. Er ging Konrad entgegen, als sich die Tür öffnete, und reichte ihm die Hand:

Guten Tag, Herr Baron seien Sie willkommen!"

Der verneigte sich tief und sah dannn mit ftoher Zu- verstcht zu dem Kaufherrn auf.

Dieser Gruß gibt mir Hoffnung, Herr Ruskin, er macht mich unendlich glücklich."

----- s( Fortsetzung folgt.)

Unsere Gefangenen in Frankreich.

In Frankreich ist jetzt endlich der Belagerungszu­stand und die Preffezensur aufgehoben worden. Durch die Beseitigung dieser Ausnahmebestimmungen der Kriegszeit wird klar ausgedruckt, daß Frankreich die Wiederkehr des Friedenszu st ander nunmehr auch amüich als vollendete Taffache betrach­tet. Umso auffälliger und anstößiger ist es, daß tn Frankreich eine andere Folgerung, die sich ohnew-1 e- res ergeben müßte, bis jetzt noch nicht gezogen war- den "ist. Umso auffälliger und anstößiger, als diese Folgerung ein Gebot der Menschlichkeit, ein Erforder­nis "der Sittlichkeit betrifft, dessen Erfüllung oon allen kriegführenden Mächten mtt einziger Ausnahme von Frankreich bereits durch die Tat als dringlich aner­kannt ist; wir sprechen von der Freigabe der Kriegsgefangenen.

Frankreich hat auch heute noch keinerlei Anstalten zur Entlassung der Kriegsgefangenen getroffen. Da­bei hat sich in der Behandlung dieser Unglücklichen nichts, jedenfalls nichts zum Bessern geändert. Was fft es, was die französische Regierung veranlaßt, zu einer Zeit, tn der ihre sämtlichen Verbündeten schon mitten in der Heimsendung der Gefangenen begriffen sind, zu einer Zeit, in der sie selber durch amtliche Verfügungen die Wederkehr des Friedenszuftandes festgestellt hat, die Freigabe der Kriegsgefangenen nicht nur nicht zu bewerkstelligen, sondern noch nicht einmalvorzub retten? Kein anständig gesinnter Menich in der ganzen Welt wird ihr beistimmen, wenn sic etwa behaupten wollte, heute, nachdem alle ihre Ver­bündeten schon mit der Entlassung der Gesangenen begonnen haben und sie selber für das eigene Land in ausdrücklichen Entschließungen die Wiederkehr des Friedenszustandes anerkannt hat, dessen feierliche Ver­kündigung nach der fchon erfolgten Rattfizierung des Vertrags durch drei Hauptmächte nur noch eine reine Formsache ist, heute sei die Bestimmung des Artikels

Lange sah sie und sah sich nicht satt.

Wie glücklich er aussieht! War er's?"

Ruskins Sttmme zitterte ein wenig, als er antwortete: Sehr, sehr glücklich einst!"

Und jetzt legte er bas zweite Bild hin.

Inge schrak laut auf:

Unb bas bin ich, als ob ich aus bem Spiegel schaute!" Sngeborg, meine arme Schwester."