. | Mittwoch 22. Oktober 1919
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Oeffentlichkeit geheimaehalten Die Vernehmung bcs Gra
Deutsche Vertreter auf der Washingtoner Arbeiterkonferenz.
Bekanntlich feilten die deutschen Vertreter auf der Washingtoner Arbeitersckutzkonferenz nur als Gäste, nicht' aber als offizielle Vertreter anwesend
Mitgliedern: Abg. Marmuth (Dntl.) als Vorsitzendem, Abg. Gothein (Dem.) als stellvertretendem Vorsitzenden, Abg. Joos (Ztr.) als Schriftführer und Abg. Sinsheimer (Soz.) als Referenten. Ferner gehören dem Ausschuß an die Abg. Dr. Cohn (Unabh.), Frau Pfülf (Soz.) und Dr. Schücking (Dem.). Am Vor- ftanüstifch haben weiter noch Platz genommen: Dr. Svahn (Ztr.) und Dr. Ouarck (Soz.). Als Sachver- ständige waren geladen: die Professoren Bonn, hoetzsch und Schäfer. Der Hauptzeuge des Tages war' Graf Bernstorfs» früher Botschafter in Washing- ton. Als Zeugen sind ferne- erschienen der frühere Kanzler v. Bethmann Hollweg und Dr. Helfserich.
Die Sitzung wurde ausgefüllt durch die Aussüh- rangen des Berichterstatters, des Mehrheitssozialisten Dr. S! n z h e i m e r und durch die mit Interesse ermattete Zeugenvernehmung des Grafen Bernff o r f f. Den Gegenstand der Untersuchung bildet die Frage, ob um die Jahreswende zwischen 1916 u d 1917 durch die Vermittlung Wilsons ein erträglicher Friedensschluß ju■ er^0"S«n ®or, und ob diese Gelegenheit durch deutsches Verschulden
„ „ o ... Grafen Bernstorff tourte noch nicht beendigt. - Der frühere deutsche Botschafter erblicke in unfern eigenen Friedensangebot eine Erschwerung des von Wilson unmittelbar darauf "Unternommenen Friedensschrittes; er glaubte, eine ähnliche Stimmung auch bei den führenden Politikern Amerikas festgestellt zu haben. Ms Ergebnis seiner bisherigen Aussagen kann folgendes festgehalten wer. den: daß er aus den an ihn gelangten Instruktionen entnommen hat, er solle den Präsidenten W r l s o n iu einer Friedensaktion zu unseren Gunsten veranlassen, daß Wilson nach seiner Auffassung bereit war, diesen Wünschen Rechnung zu tragen, daß Wilson ferner bereit war, auf eine interna, tionale Friedenskonferenz einzugehen, auch ohne bestimmte Friedensvorschläge unsererseits.
Derantwortlich für den redaktionellen Teil: Karl 8 ch ü 11«, für die Anzeigen: 3. Porze 11er, Fulda. — Rotationsdruck.
Der Schatten.
Roman von Arthur Winckler-Tannenberg.
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.Frag ihn.'
»3a, wenn ich ihn sehe, tu« ich» auch — freilich mor- Jett nicht.-' '
»Warum nicht morgen?"
»Weil mich der Radenbruder nicht mitnimmt. Er ist J? überhaupt schuld, daß sie Dich morgen schon nach Hiwse schleppen."
.Er?"
»3a, während Du versuchtest, ob man vom Süllen-- Wer Nebel den Schnupfen ktiegen kann, wenn man sich Irlich Mühe gibt, sing Dein Vater von Deiner Heimkehr
Eben war ich dabei, mächtig abzuhandeln, da sogt
Unglücksmensch, der Roderich-3ochem, er müsse am Sonntag sowieso ht die Stadt, da sei das groß« Herbst» ]^nnen. Er lasse den „(Milina" und .Trautropfen" lau-
^Ro, da roats natürlich entschieden — also Sonn-
»Unb Du? Warum kommst Du nicht mit?"
»Aus zwei bis drei Gründen: Erstlich, ich kann keine "fetdeschinderei sehen und das Rennen ist für mich nichts "rderes; zweitens, mir ist einmal Abschiednehmen zu zweimal halt ich's überhaupt nicht aus und drittens, "»derich-Jgchxn jst ejne Spielratte, wenn er zum Herbst- rennen geht. Da nimmt er bestimmt keine Polizeiaussicht ®*~ 3a, ja, Exzellenz hat ihm schon nach der Schach- , ernstlich ins Gewissen geredet. Er findet das Spiel 'inf°ch unanständig."
»Da hat er recht", sagte Inge bestimmt.
»Gott so, et hat gewiß recht. Aber Roüerich-Iochcn “^nt, wenn er mal von seiner Klitsche aufs Großstadt» Alaster kommt und dort gerade was Besonderes los ist, ®uBt« et dabei fein. Ist auch ne Ansicht. Na, kurz und M, so wollen sie mir Dich entführen und morgen kann *7 ntit den Deckeln um die Wette heulen, wenn Du *9 bist.-
»Werden wir Deinen Bruder mal bei uns sehen? treibt doch mehrere Tage da?" »
»3a. drei Tage — und Nächte. Aber Du, mit dem Waben, jo lieb Du es meinst, ist's nichts. Was er
Freitag erfolgen.
Gesonnenen in Frankreich.
3m Haushaltungsausschuß der Nationalversammlung erklärte der Minister des Aeußeren u. a., die Regieruv.g habe das größte 3n ereffe an der Unterhaltung guter. Beziehungen zum päpstlichen Stuhle und werde in diesem Sinne' handeln. Weiter teilte der Minister mit, nach einer jüngst aus der Schweiz zueegangenen Meldung sei damit zu rechnen, daß bi Weihnachten der größte Teil der Gefangenen aus Frank- reich 'zurückgesandt werde.
Schwierigkeiten beim Rücktransport
• der baltischen Truppen.
An amtlichen Stellen fehlen über die gegen mär- tige Lage im Baltenland alle weiteren Nachrichten. Man weiß aurh nicht, inwieweit der Abtransport der demfrben Truppen fonge chritten ist. da die diiekte Veidindnng m-t General von Eberhardt ge- stStt ist. Aus den bei den militärischen Stellen ein- gelaufenen Machrichten geht hervor, daß sich die litauischen Truppen immer mehr an die Bahnlinie »ach Langszargen heranziehen. Das kann unter .Umständen eine Bedrohung unserer Rückzugslinie 'und damit unseres Abtransportes bedeuten, doch versucht General von Eberhardt auf dem Wege der Verhandlungen nach Möglichkeit die Schwiertgketten zu des itigen. ____________
Aus dem besetzte« Gebiet.
Speyer, 20. Okt. Die deutschen Beschwerden über die Uebergrffe der französischen Kolonialtruppen haben einen sonderbaren Widerhall bei unseren westlichen Nachbarn gesunden: sie verbieten einfach, etnen Unterschied zwischen Weißen und Schwarzen zu machen TaS französische P'atzkommando in Speyer gibt nämlich bekannt, daß die Bezeichnung »N e g e r" oder „Schwarzer" von den schwarzen De-'-tzung^trup- pen als Beleidigung empfunden wird rind for* bett, die Bevölkerung mögt da? zur Vermeidung von Zwischenfällen beachten und diese Ausdrücke nicht gebrochen, insbesondere die Jugend en'fprechend anweisen. Ob dadurch die französischen Mohren gebessert werden?
Saarbrücken, 21. Okt. Dte Forderungen der Eisenbahner sind durch einen neuen Entscheid des Marschalls Fachs erledigt worden. Die Grußpflicht der Eisenbahner re -enüber den französischen Offizieren sowie daS Tragen der Armbinde fallen mit der Ratifizierung des FriedenSvertra es fort Die Abhaltu.ni von Ver- fammlumen ist erleichtert worden. Die Zurückziehung der farbigen Kolonialtruppen bleibt der Bcsatzungs- behörde anheimgestellt.
* Mannheim, 20. Cft. Es ist mit dem Aus- brechen eines neuen großen Generalstreiks im Saargebiet zu rechnen, der sich auch auf die Pfalz und die angrenzenden Gebiete erstrecken wird. Die Bewegung richtet sich lediglich gegen die fortgesetzten Uebergriffe der französischen Militärgewaltherrschaft. Bon großem Einfluß auf die wachsende Erbitterung der Beoölterunq ist in den letzten Tagen die Rückkehr von Kriegs- gefangenen gewesen, durch die bekannt geworden ist, in wie schamloser Weise sich Frankreich gegen unsere Gefangenen vergangen hat.
* General Mangin, bisher Oberbefehlshaber der? franzöfifchen Befatzungsarmee in Mainz, wurde zum Vorsitzenden der interalliierten Mrlitarlommt>ston für mc Rahmung des Balten lindes ernannt.
* Der fia-fer beauftragte seinen Nechtebetstand, gegen Ferdinand Bonn, den Verfasser des sog. K a " f er filme, Anklage zu erheben wegen Beleidigung und Mißbrauch seines Bildes sowie auf Unterlassung der Aufführung, die bisher nur für Serini verboten roa* lieber Fiume bat D'Annunzio den KriegS- zustand verhängt und bedroht tu einem Erlaß alle Spione und Jtalienfeinde mit dem Tode. — Er scheint also doch mit Schwiertgketten zu kämpfen haben. ' _____
Deutsche Nattoualversa-rrmlurrg.
Sitzung vom 21. Oktober.
Eine Anfrage der Abg. Frau Weber (Ztr) wegen Notstandsmaßnahmen zur Beschaffung von Kleidung und Wäsche für kinderreiche Familren wird recre- run'Sseitig dahin beantwortet, daß beträchtliche Mengen jetzt bereit Mellt worden sind. — Auf eine Anfrage Bergmann (Ztr., wegen unerlaubter Ausfuhr von Brotaetretde nach Holland und von schwarz geschlachtetem Fleisch nach Belgien wird geantwortet daß die Strafbestimmun en verschärft worden sind, daß, aber eine Aenderung erst zu erwarten sei, wenn Die alten Zollgrenzen wieder hergestellt seren. — 'Mur etne Anfrage Schiele idnall.) wegen Ermordung ber «rau Biarch in Mainz durch einen französischen Soldaten wird geantwortet, daß eine Antwort Frankreichs noch nicht vorliege. . , . „
Hierauf wird die Beratung des (Etats der Reichs» schatzmlnisteriums fortgesetzt.
Relchrminti-er Dr. Mayer gab eme ein gehende lieber, sicht ubep Dte Geschäfte seines Ministeriums und über das Programm, mit dem er an sein Amt heranzugehen gedenkt. Seinen Mitteilungen ist zu entnehmen daß btS jetzt etwa drei Milliarden durch den S e r i a u f von Heeresgut erzrert worden sind. 180 Millionen für entwendetes Heeresgut sind zuruckgeflogen. Weitere 400 Millionen werden erhofft. Die Umstellung der HeereS- und Marinebetriebe, auf die Frieoenöwirt- jchaft kann, da große Schwierigkeiten entgegenstehen, nur langsam erfolgen. Wenn überall fleißig Gearbeitet totrD, besteht die Hoffnung, daß genügen» Aufträge hereinkommen — aber auch nut dann, ^ev Minister wiederholt feine Angaben aus dem Ausschutz über die Höhe der Kosten, die daS Reich für den lln. terhalt der Besatzungstrupven ouftmngen muß. Vorläufig sind es auf daS Jahr 2'/. Milliarden. DaS ist unerschwinglich. jStürm. Zustimmung ) Dabei kennen wrr noch immer nicht die genaue Zahl Der Truppen. Der Begriff „Verpflemng" wrr» so weit ausgedehnt als es Überhaupt nur möglich Kl. ~a$u kommen noch Die Requisitionen. Die Franzosen haben bis jetzt für Über 900 Millionen requiriert. Die beiden in Berlin zu erwartenden Uederwachungskommipionen werden Dte Beniner Hotels üoerschwemmen. Erne Ver. Minderung ihres Umfanges wurde abgelebnt (Hort, hört I, Im beichten Gebiet erfordert der Neubau von Offizierswohnungen und Kasernen 300 Millionen Mar Das ist nicht zum Ertragen. Die Fortsetzung die;es Gebahrens wäre ein AuSsaugungSakt der Entente, Der schließlich vieler selbst schaden wird. Hnmttleibar nach Fnevensschluß müssen die BesatzungStruppen vermindert werden (itebhaiter Beifall.) „ . T,
Mg. Giebel (Soz.): Der Bericht über die M i t t- tärwerkstätte n zeigt ein trostloses B.ch. ^'e Mili ärverwaltung in den HeercS. und .MannewerkUat- ten hat unglaublich gewirlfchastet. Tie Arveiteri^r hat ein volles Verständnis dafür, daß die Prodnkt.ons- möglichleit gehoben werden nruß, daher erscheint ihr das A k k o r d f y ft e m anwendöa-r, nur darf eS Nicht zur Lohndrückerci benutzt werden.
Abg. Ersing (Ztr.): Tie Umstellung der betriebe, für welche 495 Millionen Mark angefetbert wurden, ist ein Werk, daS noch kein Volk übernommen hat. Unrentable Betriebe muffen auSgebaut werden. Die Nationalversammlung hat der Regierung ihr erfreuen bewiesen durch Bewilligung der Mirtel. ES liegt nun an "Arbeitern und Angestellten, durch treue, Pflichterfüllung dafür zu sorgen, daß die Betriebe heute arbeiten. Der Minister soll einmal ordentlich m die Wespennester Der Knie g S g e s e t l scha s - t e n hineinfahren. Der Redner wendet fich tn ichars. fier Weife gecen die Erdrosiclungspolitik der Entente.
Abg Gotbein (Dem.): Wenn die tfctnbe letzt so. unberechtigte Ansprüche an uns stellen, so werden dreie Beträge von unseren Verpflichtungen rn .lbzug gebrach, werden muffen. — Nur die Akkordarbeit kamt aus der Lotterwirtschaft herauSführen. Musterbetriebe können die Reichsbetriebe nur werden, wenn Arbeiter und An, gestellte restlos ihre Schuldigkeit tun.
Mittwoch: Weiterberatung.
sein dürst n. Unter di-'er Vorausietz mg ist von der Leitung der Deutidjen Sewerkjchasten eine Ablehnung eifolgt. In w schen haben nun wei">re Verband- lungra flattgesunden, und eS ist vom Obersten Rat die Zn'age gemacht worden, daß die Zulassung dir deutlichen Delegierten als vollberechtigte Mitglieder ewpsoh cn werden würde, sodaß schon in der ersten Sitzung die glei.lcherechti te Tcilna nte möglich sein könne. Unter diesen Umständen hat sich die dtziit'che Neichsregierung entschlossen, Tele- pterte nach Wa hingwn ut entsenden. Außer Ver- trete n der drei Gewerklchaf sveibände, der christlichen, der freien Gewerkschaften und der Hirsch- Tuuckeischen, werden zu der deutschen Tele ation auch Vertreter der Reick sregierung und d r Arbeitgeber gehören, äußerl m Sachverständige. Tie Führung der deutschen Delegation wird in den Händen des früheren Staatssekretärs Tr. Angull Muller liegen. Wahrfchetnltch wird Die Ausreise am
rot leuchtete, was er trug. Es war ein wundervoller Strauß Herbstrofen, die letzte Ernte des 3ahres aus Weltzingens Gärten.
Der Stahlschimmel trabte heran und stand am Wagen still. Konrad nahm den Hut ab und sagte:
„Ein letzter Gruß. Maina sendet ihn, und ich darf Ihn überreichen."
„D, wie schön!" erwiderte 3nge und nahm die Stu. men. Ihre und Konrads Augen trafen sich in vollem Verstehen. „Ich lasse 3hrer Frau Mama von ganzem Herzen danken für diese Liebe."
Sie gab ihm die Hand, flüchtig auf etnen einzigen Augenblick. Aber in diesem pochte Herz zum Herzen. Dann wandte er das Pferd, nickte Roderich-Jochen zu und setzte über den Wiesengraben zurück. So kurz, so rösch war alles gewesen, daß 3nge kaum jum Bewußtsein des Abschiedes kam. Aber auf der Reis checke In ihrem Schoße lagen die purpurnen Blüten und leucht-ien sie an mit heißem Glühen. Sie hob den Strauß auf und senkte das Gesicht hinein.
Der Empfang daheim war schlicht und herzllch. Ruskin kannte keine Ueberschwänglichkeit. Er liebte tief, aber still. Er küßte die Heimgekehrte auf die Stirn und hieß sie willkommen.
„Es ist gut, Kind, daß Du kommst." Mehr sagte er nicht, und 3nge nahm sich umfo fester vor, mit ihm zu reden. Möglichst heute noch und über alles. Dabei wollte sie Klarheit erlangen über vieles, das sie beengte und de- drückte.
Zum Herbstrennen waren die Söhne eines Gffchästs- freundes angemeldet. Sie wohnten im Haufe Ruskins, und Frau Krelfchmar nahm 3nge in Beschlag. Hier sollte sie raten, dort helfen. Es waren ein paar verwöhnte Herren, und man wollte Ehre einlegen.
So ging's am ersten Tage und fo cm zweiten. Am Montag kam Konrads erster Brief. Ietes War! Sehn- sucht und Liebe. Da mußte sie sich einschlittzen, um zu antworten. So wie ihr ums Herz war, schrieb sie, so weh und so selig zugleich.
Und wie sie noch schrieb, pochte es an ihre Tür. Sie schob den Dries ins Schreibtischsach und öffnete. Der Vater stand vor ihr. (Fortsetzung folgt.)
versäumt wurde.
Tas Referat des Abg. Dr. Sinzheimer berufst auf dem ?lftcnmaterial d.S Auswärtigen AnsteS. Durch die bisherigen Enthüllungen ist mand)e5 von dem, was der Referent anSführte, schon bekannt geworden aber eine ganze Reihe von verlesenen Instruktionen brachte Unbekanntes und Neues. Ter Bericht zeigte rnit.Deut- lickkeit, daß bei unseren Staatsmännern daö Bestreben bestand durch Wilsons Vermittlung zum Frwvtzn zu gelangen, daß aber durch UirNarheit, M.ßvecstanVmS und verpaßte Gelegenheit der Friede verloren wurde. Frühzeitig ist v. Bethmann Hollweg die Ucberzeugung gekommen, daß durch militärisch)« Entscheidungen allem der Krieg nicht werde beendigt werden können., Ttese Sluffaffuiifi teilt er mit dem österreichischen Letter, der auswärtigen Politik v. Biirmn, und aus drestr Austai- hing heraus ist unser Friedensangebot vom 12. Dezember 1916 erstanden. Auch Wilson hat nach den ringe- zogenen Berichten des Grafen Bcrnstorff bis zum Ab. brach der diplomatischen Beziehungen auf dem Stan», punkt gestanden, daß eS die amerikanischen Interessen erforderten, einen Frieden ohne Sieger und Besiegte zu erstreben. Aber in dem Verhalten WilsonS zeigt sich ein starkes Schwanken und ein aus den amerikanischen Wirtschaftkverhältniffen sich erklärendes Zögern. Stark sind die Bemühungen de? Obersten Hou,e. den Boden für einen Verständigungsfrieden zu ebnen. Bei seinem ersten Besuch in Europa fand er wenig Geneigt, beit, bei seinem zweiten glaubte er in London und Berlin FriedenZmöglichreiten zu sehen. In PariS war die Stimmung ablehnend, aber das hat ihn nicht daran gehindert, einen dauernd eifrigen MeimingSauS- tausch mit dem deutschen Botschafter Grafen Bernstorff zu pflegen und Wilson zu feiner Vermittlung zu dran- gen. Außerordentlich bedeutungsvoll war die Mittel. luwg daß uns von neutraler Seite unmittelbar vor im. ferem Friedensschritt nahegelegt worden war, unsere FriedenSbedingunoen klarer zu formulieren unb zu der im Mittelpunkt des Streites stehenden belgischen »rage offen Stellung zu nehmen. Die beutfdie Reichsregie, rang hat vor der im Reichstage erfolgten Bekanntgabe unseres Friedensangebots genau formulierte Friedens, bebingungen aufgestellt. Sie sinb gegenüber der Oeffentlichkeit geheimgehalten worden.
tut, tut er ganz und jetzt ist tr beim Herbstrennen nebst Zubehör. Du glaubst gar nicht, tote beschäftigt tr da ist und mit traft tr das nimmt."
Unter solchen Gesprächen kamen sie nach Weltz'.ngen.
Frau von Eoens nahm Inge in die Arme und küßte sie, wührend ihr Mann von'dieser zu Dabette ging.
„Inge, mein liebes Kind, Konrad hat uns alles gefegt (Bott segne Euch! Wir sind sehr glücklich! In den nächsten Tagen wird er mit unterer vollen Ucbereinftim- mung bei Ihrem Vater werben, wie sich» ziemt nach gutem, t&rlldjem Brauch. Mögt tr den Herzensbund gut heißen, tote wir es tun. Dis dahin, S!« haben recht, ist» unser — unb nur unser — Geheimnis. Hier aber ist schon jetzt 3hr Platz der einer Tochter." Damit zog sie den blonden Kopf, der sich über ihre Hand gebeugt hatte, empor und legte Ihn zärtlich an ihre Brust. Und bann flüsterte sie noch eins:
„Es ist gut unb richtig, daß Sie heimkehren. Wenn e, auch schmerzt, es muß fein. Als Konrads Verlobte erst kommen Sie wieder."
Unb bann vergingen ein paar wehmütiginnige Stan- ben. Durch alles Ttennungsweh leuchtete mit verklärendem Glanze die frohe Zuversicht: bald ff, o nrr nieder zusammen, und laun für immer, fürs Leben! Babette wat sich niemals übeiflüffiget vmgekommen als bei biefem Abschiedsbesuch.
3n der Frühe des folgenden Tages faß Roderich- Jochen auf dem Kuifcherdocke, und Babette stand mit ktägüchem Gesicht am Wageiifchlage:
„Sagt Deinem Papa, bah ich noch m:t ihm abrechnen werde. Ich mahnt mein Guthaben ein, Du mußt wiederkommen und bald wiederkommen!"
Das waren die Abschiadsivarte, die Inge von ihrer Freundin auf den Weg bekam, und bann schnalzte Roderich-Jochen, die Pferde zogen an, unb der Wagen rollte durch die Torgewölbe, über oen Grabendamm. Roch einmal wendete sich Inge um, und richtig, da schlichen d:r beiden braunen Teckel über den Hof, mit denen Dabei!« um bi« Wette heulen wollt«.
Na, auch da gab's ja einst ein fröhliches Beisammen- sein für immer, ’itbe, treue Nachbarschaft! Inge wurde luftig zu Sinn, wenn sie sich |o die Zukunft ausmalte. Unb als sie den Sandweg von der Düne zum Buchenfotft > abwärts fuhren, da kam von links her ein Reiter. Blut»
DieDerbandssatzungd.Zentrumsparte'.
Dem Mitte November zufammentretenden Reichs- «rteitag der deutschen Zentrumspartei wird oom Vor- ftanb und von der Fraktion der Nationalversammlung L Entwurf einer Verba ndsfatzung corgelegt, 7i 0(3 «ine dankenswerte Vorbereitung der vtrlge- Mfigen Arbeiten des Parteitags bezeichne! werden
jst immerhin eine Merkwürdigkeit im politischen «arteilebcn, daß die deutsche Zentrumspartci bislang Ztae Derbandsfatzung gehabt hat und es zeugt für 1L Werbe- und Lebenskraft des Zentrums, wenn es ba ahne einheitliche, straffe Parteiorganisation, wie E/gerate die Sozialdemokratie so stark gemacht hat, 50 Jahre in allen Stürmen und Nöten siegreich hat behaupten können. Immerhin ist es doch gut und hEÜßenswert, daß auch die Zentrumspartei nunmehr Ihren organisatorischen, einheitlichen, demokratischen Au-bau erfahren soll, denn von dieser einheitlichen Srüppierung und Erfaflung der unserer Zentrums- partei zur Verfügung stehenden Kräfte darf nicht mit Unrerfjt eine Erhöhung ter Stoß- und Schlagkraft der Partei und eine straffere Parteidisziplin sowie die Erzielung eines geschlossenen Parteiwillens erwartet werden.
Der Entwurf der Derbandsfatzung der deutschen Zentrumspartei, -wie er nach den Beschlüssen der Zentrumsfraktion der Nationalversammlung gestalter worben ist, bietet eine brauchbare Unterlage für die Beratungen des Neichsparteitags. Wir können hier nicht die Einzelheiten des Entwurfs durchgehen, glauben aber sagen zu dürfen, daß er den allgemein tn der Partei empfundenen Bedürfnissen wohl entfpncht und die Einzelwünsche einzelner Landesteile sich auf dem Boden dieses Entwurfs wohl befriedigen lasten. Wir freuen uns, daß die Fraktion sich grundsätzlich zum Parteioereinsprinzip bekannt hat, weil wir glauben, daß eine möglichst restlose Erfastung der über- zeugten und tätigen Parteimitglieder sich auf dem Boden des Vereinsprinzips am ehesten ermöglichen läßt. Auch die weitere Gliederung des Parteiaufbaues in Kreis-, Landes- bezw. Provinzialverbände, In Wahl- krelsverbände und im Reichsverbande erscheint recht zweckmäßig und entspricht im großen und ganzen ja auch der bislang schon bestehenden Parteiorganisation.
Am meisten interessieren gegenwärtig die Bestimmungen überden Reichsverband, über die Zusammensetzung und die Tätigkeit der Reichsoer.samm- lun g. Die Delegierten zum Reichsparteitag sollen von den Landesoerfammlungen, In Preußen von den Provinzialverfammlungen, gewählt werden und zwar soll auf 20 000 bei ten letzten Wahlen zur Nationalversammlung abgegebenen Stimmen ein Vertrau- ehsmann zum Reichsparteitag entsandt werden. Dem Reichsparteitag gehören außerdem an die Mitglieder des Re i ch s v o r st a n d e s u. des Reichs- a u s f chu f f e s, die vom Parteitag zu wählen sind, ferner die Zentrums abgeordneten der Nationalversammlung und die Vorsitzenden der Landes- und Provinzialversammlungen. Feftzustellen wäre, ob und inwieweit die Mitglieder der Zentrumsfraktion des Reichstages stimmberechtigt sind: ein Stimmrecht derselben bei ter Entgegennahme des Rechenschaftsberichts der Zentrumsfraktion selbst wäre doch nicht lmgäygig. Fest zu umschreiben wären auch die Zu- ständigketten des Reichsvorftandes, vor allem auch seine Verpflichtung, den Reichsausfchuß oder den Neiä)s- parteitog einzuberufen. Nicht erwähnt wird in dem Entwurf die Zentrumspreste; unseres Erachtens sollte sie auch ihre Vertretung in den Organisationen der Partei, besonders auch auf dem Reichsparteitag besitzen. _____
Die Eröffnung der parlamentarischen Untersuchung.
Der Unterausschuß des parlamentarischen Unter- fuchungsausschustes für die Schuldfrage am Kriege hat Wern morgen In einem Zimmer des Reichstagsge- baudes die Reihe feiner öffentlichen Verhandlungen Wonnen. Der Unterausschuß besteht aus folgenden
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Preußische Landesversammlung.
Sitzung vom 21. Oktober.
3n Beantwortung einer Anfrage teilt die Regierung mit, baß zerschlagenes Glockengut nicht mehr in größeren Mengen vorhanden sei. Es sei ein Aueichuß eingesetzt worden, der die gesamte Verteilung unter Die betreffenden Gemeinden vermuteln soll. . Die Ergänzung des gelichteten Glockenbrstandcs wird viele Jahre erfordern. Organisatorische Maßnahmen dafür seien. im Einvernehmen mit den Kirchenbehörden in Vorbereitung.
Hierauf wird die zweite Haushaltsberatung bet Der Laabwlrstchcflsoerwaliung fortgesetzt.
Abg. Graf üanitz (dcutsch-ntl.) empfiehlt einen Antrag, daß die Zwanoswir.schaft in dem östlich des polnischen Korridors liegenden Teile von Westpreußen und in der Provinz Ostpreußen ausgehoben werden soll. .
Abg. von Scheffel (dculsch-ntl.) beantragt Maßnah. men zur Bekämpfung des Mangels an Arbeitern und Handwerkern au! dem Lande sowie gegen ine Abschlach- luna ron Milchkühen .
1 Abg. Jacobi-Rafsaus (Ztr.) beklagt die noch dem Free- i densvertrag zu bewirkend« Abliejerunavon Milch-
Die Lage in ttngarn.
Ti« monarchistische Bewegung in Ungarn W
W> iKhÄS- M .slSflisi”« ««IhKipn
treten für die freie Koingswahl ein, Da ne cer sinh daß eine Wiederkehr der Habsburgrichm -~t’ vermieten werten müsse. Als Thronkanbiditt wirb vor allem noch immer der Erzherzog Jofcpli g.rannt tech eine sehr bedeutende Partei steht an ter Seite, emeS m, ln-cn au8 dem englischen Komgshame. C.y mu$ hervorgehoben werten, daß die monarchistische Bcw^ung vollkommen ohne Unterschied an Raße und Konfe.^oir arbeite:. So befinten sich die Ehristllch->s.z.alen und Die meistens aus 3,üben .fcftefienten D-mokra.en neben- einander im monarchistnchen Laaer. dte -^erione- frage nicht entschieden ist, wird hochnmahncheinlich ein Staatsrat die Führung ter Geschäfte übernehmen. ■