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I Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Preis monall. I 46.

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/i 11 1 Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Karl Schütte, 1 DtftTtSf 21« Oktober 1919 f[r. 24J« | ff,r die Anzeigen: I. Parzeller, Fulda. - Rotationsdruck, s vttnstl111 ------

Zur Volksabstimmung in Obcrfchlcsien.

Daily Mail" meldet aus Warschau: In einem Aufruf der polnischen Regierung an die aus Ober- schlesten geflüchteten Polen wird mitqeieüt, dag die Volksat-sttimmung in Oberschlesirn Anfang Jul» nächsten Jahres stattfindet.

Wenn sich diese Nacbrrcht bestätigt, so wurde sie nur auf die Absicht der Alliierten schlicyen, durch mag. sichst langandauernde starke Bearbeitung der Overschlester in der Zwischenzeit auf ein für die Polen günstigeres Abstimmungsergebnis hinzuarbeiten.

* Schutz der technischen Nolhilfe. Aus ftiunb des Belagerungszustandes hat der Oberbefehlshaber von Berlin jede wirtschastiicbe Bedrohung und Schädigung der technischen Notbilfe durch Verorü» nuttg unter Gefängnisstrafe gestellt

* Warenverkehr zwischen Frankfurt und Paris. , Der erste unmiitelbare Warenverkehr zwi chen Paris und Frankfurt a. M. ist erfolgt. Am Freitag und Samsiag trafen mehrere Lastautos mit Textil, waren und Stoffen aus Paris in Frankfurr ein und lieferten ihre Waren an bedeutende EngrvZ- ' firmen ab.

Eine Abordnung der Deulschen Südtirols bei Jtitfl.

Der italienische Ministerpräsident Nitti empfing eine Abordnung der Deutschen Südtirols, die sich zu- nächst grundsätzlich gegen die Annexion verwahrten, je. doch bereit erklärten, zusammen mit den italienischen Behörden an der ruhigen Entwicklung des Landes zu arbeiten. Nitti erklärte, die Regierung werde sämt­lichen Wünschen möglichst entgegenkommen und um­fassende Selbstverwaltungsrechte zugestehen.

Die indirekten Steuern in der ncu.t Finanzreform.

Mehrfach ist gegen den Reichsfinanzminister der Vorwurf erhoben worden, daß er zwar direkte Steuern zu schaffen suche, ober um das Öauptprob« in«, die indirekte Besieueruno, aus Furcht vor der Sozialdemokratie herumgehe.' In Wirklichkeit liegen die Einwürfe anders. Wiederholt hat der Reichs- frvanzminister beiort, daß wir auch eine Menge indirekter Steuern einführen müßten, daß gerade darum auch der Besitz bis zur Grenze seiner Leistungsfähigkeit belastet' werden müsse, damit der Grundsatz der steuerlichen Gerechtigkeit gewahrt werde; «ft so werde moralisch auch der Weg zur indirekten Besteuerung frei.

Diesen Standpunkt wird jeder gerechtdenkende Uwauzpolitiker billigen. Die Gerechtigkeit fordert gnade mit Rücksicht auf die außerordentliche Höhe unserer, steuerlichen Belastung, daß der Besitz bis ?ur wirtschaftlichen Höchstgrenze erfaßt werde; Mdrrekie Steuern lverdeu dann noch le der in weitem ^vifange bewilligt werden müssen. Der Reich^- stnanzminister hat auch bisher immer die Foroemng "«treten, daß direkte und indirekte Steuern neben- Einander bewilligt werden muffen. Bei der Jul Reform sind neben direkten Steuern auch mehrere indirekten ecschaffen worden. Weiterhin ist zusammen ®t deni Reichsnotopfer die Umsatzsteuer vorgelegt Horden, eine indirekte Steuer, dre soviel Mehrertrag Usse das Reichsnotopscr bringen soll. Auch in Zukunft furzten mit den direkten Steuern stets indirekte ver» umgt und verabschiedet werden. x

Sur Rüche und schule.

* Das gläubige Tirol auf Wallfahrt.

mehr als 10000 Pilger aus allen Orlen und Talern Nordtirols zogen am Sonntag den 12. d. Mts. zur Goadenstätte der Gottesmutter, zum Wallfahrtsklrch. lein-nach Abfam bei Hall. Tas betende Tirol ging den Kreuzzug um die Wiedergewinnung Deutschsüdttrols, die Wiederkehr rnenschenmog. licher Verhältnisse -in- gedethicheZil- iuttfL Der apostolstche Delegat Weihbl chof Tr. Waitz hatte den Ruf ergehen lassen an alle Glan- blgen des Landes, an den Gnadenorlen Tirols tm Gebete um Schutz und Segen sich zu versammeln. Er selbst hielt in Absam die Festpredigt.

das erlittene Unrecht nicht jene entgelten lassen, die nicht daran schuld sind. Zur bayerischen S ch u l P o l i t. k ^Mit^ttefstem^S»merze haben wir beobachtet wie ge» KÄM*» st E freireligiöse Unterricht genehmigt, dann wu«e fier lleliaionsunterrrcht vom Range eine» Haup Vflicht aches tu einem Wahlfach der Willkür herabg - kam der leidenschaftliche Ver uch' d^ Simultanschule den Vorsprung vor der Bekenntmsichn

lose staatliche Zwanasschule unter f-^'^uslansm kirchlichen'Mitarbeit tm Err ehungSwerk hrnauttauf m Sollte die Schulgesetzrebung noch wettere i^^tet^

in der Richtung auf die religionslose staatliche Zwan>- schule le-'en und der Kulturkampf weitergehen, dann tchrd die Stunde kommen, wo wir Bischöfe den katho- ttichen Eltern von Bayern sagen: Sem Gesetz des Staates kann int Gewissen verpflichten, wenn e, mit den Geboten ßlotteS im Wderspruch steht und die gott verbrieften Rechte der Kirche milchtet. Keine «er fassung, kein Gesetz, keine Verordnun g kann die Eltern im Gewissen verpflichten, rh »in der »um Besuche der Staatsichule an- zu halten, wenn diese Schule einen Go t t e s r au an diesen Kindern begeht u"d ntederreivt wa Väter und Mütter bis zum ichulpfltchtigen Älter in den Kindern aufgebaut haben. Allen Schulktefftzm, die m- Gewissen gr.ifen, würden wir den gleichen ^tdersta d entgegensetzen, den dte deutschenBischofe den Kulturkampf, gesetzen der fiebenziger Jahre entgegemetetzt haben Gleich den Katholiken tn Belgien tm Jahre 1870 wurden wir int Sinne deS KirchensÄulgesetzes daran gehen müllen katholische Privatschulen zu errichten wenn die staatliche Schule die katholische Kirche ihren Kindern entfremdete und da? Seiltgtum ^Kinder feele verwüstete. Eure Sache, katholische Litern, wi es dann sein. Euere staatsbürgerlichen Rechte gelt nd zu machen und eine doppelte Besteuerung der Katho­liken-eine Steuer für die staatliche und eine r« b« freie katholische Schule ab zu lehn en Elternrecht bricht Schulrecht, GewissenSrecht bricht Staatsrecht.

Deutsche Nationalversammlung.

Sitzung vom 19. Oktober.

Sie 2. Lesung des Haushalts des ReichsarieitSmini- steriumS wird fortgesetzt. Es wurde eine Reihe von Einzelfragen erörtert', so die Schaffung des Arbeiter- rechts/ her Ausbau der Schkichtungsausschüsse, Woh" ninngsfürsorge und Arbeitslosenutttestützung. Reichv- arbettsminister Schlicke versicherte, daß den Wünschen der Kriegsbeschädigten nach Möglichkeit Rechnung ge. tragen werden solle, aber das Untofen her Smrulanten und falschen Kriegsbeschädigten muffe nach Möglichkeit beschnitten werden.

ex- der weiteren Aussprache wurde dte Schaffung einer einheitlichen Reichsversicherung für Ar­beiter und Angestellte erörtert. Eine Einigung zwischen den Vertretern der Gewerkschaften und der Angestell­tenverbände wurde aber nicht erzielt.

Die deutschnationale Abg. Frau Behm trat mit gro- fter Lebhaftigkeit für beffere Zustände in der Heim- arbeit ein Viele Tausende von Hennarbeitcrinnen wollten arbeiten und nicht ArbeitSlosentinterstützung be­ziehen. aber sie wollten nicht in die Fabriken gehen. Arbeitswillige Hände sollte man nicht zurückweil en. Die Rednerin streß aber bei den beiden sozialdemokratischen Fraktionen auf Widerspruch. Im Gegensatz zu chr htel. ten diese beiden Parteien die Heirnarbett für em so große? Nebel, daß sie abgeschafft werden müßte und nicht reformiert werden könne.

Auch von dem BetriebSratege,etz war fite Rede Die Demokraten verwahrten sich gegenüber so. zialdemokratischen Angriffen gegen den Vvrwurr, das Gesetz verschleppen zu wollen, erklärten aber, daß ortete, sicht? der Wichtigkeit dieser Vorlage eine eingehende Beratung im Ausschuß notwendig ist. _

Nach Erledigung des Haushalts deS ArbeftSmimste- rimns wurde noch die Beratung deS Schatzmmisterioms begonnen.

Dienstag: Weiterberatung.

Kampf gegen Erzberger

Kampf gegen die Katholiken!

Ein Freund unserer Zeitung schreibt unS: Es wurde hier schon durchaus zutreffend mehrfach dar- aushin gewiesen, daß unter der Maske des Kampfes gegen die Person des Abg. Erz berg er sich ein Kamps gegen die Zentrumspartei abspielt. Dieser Kampf wird aber neuerdings nichts anderes, als ein Kampf gegen die Katholiken schlechthin.

Wenn man sich bisher noch die Mühe gab, diese Richtung zu verdecken, so glaubt man neuerdings, diese Rücksicht nicht mehr üben zu müssen. Es sind gewisse Kreise der Deutfch.nationalen, welche diese Frontstellung immer ausgeprägter einnehmen. ES fall an dieser Stelle nur daran erinnert werden, daß die deutsch-nationale Vollspartei daran geht, in sich eine Gruppenationaler Katholiken" zu gründen. Diese Unterscheidung in nationale und nichtnationale Katholiken müssen wir mit Entrüstung oblehnen. Nun hat auf einer Versammlung tn Heidelberg, in welcher wieder einmal Helffrtch sein smMe gegen Erzverger kitt, dec protestantische Pfarrer Fuhr die Karte vollends aufgedeckt. Er erklärte ausdrücklich, daß die Deutsch-nationalen mit Erzbergerdas katholische Volk treffen wollten. ZurBeoründung" fügte er, Zeitungsberichten zufolge, unter lebhafter Zustimmung der Versammlung hrnzu, daß man beidiesem Volke", also beim katho« lischeu Volke,alle Hoffnung aufgeben muffe, daß cs je national werde". .

So also stehen die Dinge! ES soll em neuer Kampf der Konfessionen auf dem politischen Kampf« platz auSgetragen werden. Es ist höchste Zeit, daß die vernünftigen Streife der deutsch-nationalen Volks« Partei gegen solche Machenschaften auS ihren eigenen Reihen, die das ganze Volksleben auf das schlimmste zu vergiften geeignet sind, mit allen und zwar sicht­baren Mitteln einschreiten. Die Verantwortung, die sich auS einer Duldung oder gar Begünstigung einer solchen Entwicklung ergeben würde, müssen wir auf diejenigen abladen, die eine Entzweiung des Volkes nur um parteiagilatorischer, übrigens sehr nebelhafter Vorteile willen, betreiben!

Czernin über Wilhelm II.

Dxaf Ottokar Czernin, Oesterreich-Ungarns auswärtiger Minister im letzten Abschnitt des Welt­krieges- gibt ebenfalls seineErinnerungen" preis. Es Lbet sich in den Beröffentlichungen, soweit sie bis ietzk vorliegen, ein Abschnitt über Kaiser «ilh c lm 11., der besonderem Interesse begegnen dürste. Czernin läßt sich zunächst im allgemeinen über das Verhältnis zwischen Volk und Monarchie

Er sagt: bei 99 Prozent der Bevölkernug ift der Patriotismus und ihre Begeisterung für die eine «öcr andere Staatsform immer nur eine Magenftage. «in guter König ist ihnen lieber als eine schöne Re- Edlst uni) umgekehrt. Alles käme darauf an, daß L Ttaatssorm die Massen zufriedenskelle, auch eine «-publik werde sich nur so lange halten, als ihr das aelinac. In dieser Auffassung hat Czernin, wie die Erfahrung lehrt, zweifellos nicht ganz unrecht.

lieber das innere Verhältnis zwischen Volk und Fürst sagt Czernin, unter Hinweis auf die gänzlich falW Erziehung des Kaisers, dervon Jugend auf «täuscht" und demeine Well gezeigt worden ist, die «ar nicht besteht", folgendes:

Alle Monarchen sollten gelehrt werden, daß das Boll r.» gar nicht liebt, daß sie ihm nn besten Falle ganz Li* *qüiiia sind, daß es ihnen nicht aus Liebe nachlauft «»d sie nicht aus Liebe anstarrt, sondern aus Neugierde, es ihnen nicht aus Begeisterung zujubelt, sondern E Unterhaltung . . ., daß nicht der geringste Verlaß ellf dieTreue der Untertanen" ist."

Im allgemeinen stimmt das sicherlich nicht, wenn auch in vielen Fällen das innere Verhältnis des Dal- kes zu seinem Fürsten jeder Wärme entbehren mag, aber Czernin hta recht, wenn er sagt, daß die Mo- uarchcn durch die falsche Vorstellung, die sie von der Treue ihrer Untertanen gewännen, zu Trugschlüssen verleitet werden könnten. Ein Schulbeispiel für diese Wahrheit sei, meint Czernin, Wilhelm II. Czernin sagt von ihm: .

.Ich glaube nicht, baß eS einen Regenten gibst per bon bcsierem Willen beseelt war, als Ämter Wilhelm, fil ierte nur feinem 53erufe fo tote er ihn vmff.rötc fein ganzes Denken und Trachten tretfte mr den deutschen Pol. Familicnzerstreinmg itnb Ver. Mimen, alles trat bei ihm hinter den einen Gedanken wr das deutsche Volk groß und glücklich a« : en und zu erhalten. Wenn Ser gute Msie cenüct. itm Großes zu leisten, so hafte Kaiser ggiU 1 Großes leisten müssen. Vom Ausang an wurde er mZver'tanden. Er hielt Reden, tat Aussprüche und mach'- Gesten, die nicht nur dte Zuhörer, sondern die Wed vivinnen sollten. Aber so oft er damit auch an» stieß,'nie kam er zum Bewußtsein des tatsächlichen Effektes seiner Handlung, weil er nicht so sehr von fei. ner Umgebung im engeren Sinne, sondern vom ganzen deutschen Volke shstemansch getäuscht und irrege sichre wurde. Wie viele Millionen, die heute nut Flüche hinter ihm her schleudern, konnten sich nicht ge. mig bücken, wenn nur ein kaiserlicher Blick auf sie fiel. Auch sie sind sich wohl nicht fier darüber, daß fi« selb it die Schuld tragen, hem Kaiser eine Welt vor. getäuscht ;u baden, wohin er sonst nie gekommen wäre. In den berühmten Novembertagen von 1908, als die großen Stürme im Reichstage gegen den Kaffer los» brachen^ und als der damalige Reichskanzler Bülow ibn so ziemlich preisgab, Ivar ich mit den? Kaiser zu­sammen. Obwohl er mit unS fremden Gästen, hie ihm Ser standen, über das Thema nicht sprach, so war

der iibertrnlHgenbe Eindruck, den diese Berliner Borgöi-k mir ihn machten, vollständig sichtbar. Ich iKttic das Gefühl, in Wilhelm II. einen Menschen.zu fehen. der mit vor Entsetzen geweiteten Singen erstmalig in feinem Leben die Welt fo sieht, tote sie wirklich ift Vielleicht zum ersten Male im Leben fühlte er ein leises Beben unter den Füßen seines Thrones. Er vergaß Ober die Lehre zu schnell.

Der große Fehler war, daß man den Kaiser .immerfort von der Wirklichkeit abhielt, daß man-, ihm die Wahrheit vorenthielt und daß alles, was man dem Kaiser sagte, von dem Wrmsche getragen war, ihm Unangenehmes fernzuhalten. Dadurch hat er von der bestgemeinten Kritik nichts gehört, andererseits sich zu Kritiken verleiten lassen, die ihn seinem Volke und der Welt immer mehr entfremden mußten. , Es wurde einsystematisches Großziehen der kaiserllchen Gottähnlichkeit" betrieben. Die solches begünstigten, erwiesen dem Kaiser den schlechtesten Dienst. Nicht Liebe zu ihm war der Beweggrund hierfür, son- dem das Streben, es mit der kaiserlichen Gunst nicht zu verderben und Nutznießer dieser Gunst zu bleiben. Kataslrophal mußten die Dinge werden, als es sich nn Kriege um schonungslose Wahrheiten, die dem Mo­narchen um keinen Preis vorenthalten werden durften, handelte. Das verderbliche Wort:Majestät braucht Sonne!" ist in feiner Verwirklichung dahin, daß dem Kaffer die wahre Lage nicht mitgeteilt wurde, eine der Ursachen unsres Zusammenbruchs geworden.

;; Harmerz. Am Sonntag fand hier wieder politische Versammlung statt, in der ozialdemokratischer Parteimann, der vor ewiger Zell einen Wohnsitz in Fulda aufgeschlagen hat, eme We^ )eit an den Mann bringen wollte. Er hall seine Zu­hörer für beschränkt genug, um ihnen die Ueberzeugunf beibringen zu können, daß sich Sozialdemokratie un? katholische Glaubensüberzeugung vereinbaren laßen Zwar ist es eine traurige Tatsache, daß man tm Fm baer Land, auch in der Stadt Fulda, vielfach fremde Worthelden als Tagesgötzen verehrt und ihrer Sitclteu bereitwillig Vorschub leistet, sie sogar mit der Vertre­tung wichtiger Drgcnjat.oncn betraut; aber auf cic Rattenfänger-Weise des Harmerzer Dolksredners wird doch kaum ein ernst zu nehmender Zuhörer herrnnfal- len. Er pries die Segnungen der katholischen Kirchs und wollte dann Nachweisen, daß die Sozialdemokratie der katholischen Religion nie etwas in den Weg gelegt habe. Und warum, Herr Rattenfänger, stellt heute die sozialdemokratischeVolksstimme" in ihrem Bericht über den Frankfurter Katholikentag der Forderung 6e< Katholiken noch der konfessionellen Schule die Forde­rung der sozialdemokratischen Eltern gegenüber, dio Kinder ohne Religionsunterricht zu er­ziehen ? Warum mahnt sie die Genossen,, ihre Rechte nach der Verfassung, nämlich auf die Freidenkerfchule, zu wahren? Weil sie den Katholizismus aus den Her­zen der Jugend herausreißen will. Weil zwischen katho­lisch und sozialdemokratilch ein unüberbrückbarer Ab­grund klafft. DieVolksstimme" gibt es zu, der Red­ner von Harmerz will es aus Agitationsgründen mcht gelten lassen. Er fand an zwei Mitgliedern des Ful­daer Arbeitervereins erfolgreiche Diskussionsgegner und wird eines Tages eingcstehen müssen, daß es doch nicht so leicht ist, die Fulder für dumm zu verkaufen.

(+) Rothemann. Der 19. Okiobec wirs für unsere Gemeinde ein unvergeßlicher Tag tiefer Er« griffenbeit bleiben. Galt er doch dem Gedächtnisse unserer lieben 21 gefallenen und 4 vermißten D-lden bei der Einweihung eines prachtvollen Denkmals, das ihnen durch die eifrigen Be» mühungen unseres Lehrers vor unserer schmucken Kirche errichtet worden ist. Ans einem Basaltblocke in den eine Tafel mit den Namen der Gefallenen eingelassen ist, steht in natürlicher Größe die hehre Gestalt Christi, das ewige Leben, einem vor ihm liegenden Gefallenen seinen Lohn verheißend. Das ergreifende Bild, hei vorgegangen aus der Künstler- Hand drr Gebrüder Fleck-Fulda, lobt in der AuS^ rung den Meister. In rührenden Worten forderte Pater Adalbert bei der Einweihung die zahlreich erschienenen Gläubigen auf, die teu.en Toten nicht zu vergessen. Errichtet größtentetls fiirrch die Ange­hörigen der Gefallenen wird das Den >.al ein ftetec Mahner sein: Vergiß, mein Volk, tue teuren Toten

nicht.

/" Schmalkalden. Da? Einrücken der Nelchs- roebr, das wegen schwerer Ruhestörungen und Ge- I walttäligkeuen der Unabhängigen erfolgte, hat hier einen Generalstreik hervorgerufen. Die Mehr» heitssozialisten, deren Führer, von den Unabhängigen verbauen wotden sind, streiken merkwürdigerweise mit. Bei Haussuchungen wurde ein Lager Von 85 j gestohlenen Gewehren nedtt reichlicher Munitio» l beschlagnahmt.

Deutsche; Reich.

** Berlin, 20. Okt. Der bisherige französische Generalkonsul von Genua, de Marcilly, wird zum Geschäftsträger in Berlin ernannt werden und dort amtieren, bis Frankreich sich wieder durch emmt Botschafter in Berlin vertreten lassen wird. Man nimmt an, daß da- etwa im Januar der Fall fern toir* Dm Ministerium für den Wiederaufbau Ober- bürgermeister Dr. Geßler von Stuttgart, dem die Leitung des neuen Wiederaufbaumimitermms angetragen war, hat jetzt angenommen.- Der neue Reichsminister ist 1875 in Ludwigsburg geboren, war längere Zeit im bayerischen Iustizmmlsterium und hierauf einige Zell in der Staatsanwaltschaft tätig, wurde dann zum ersten Bürgermeister von Regensburg und 1913 zum Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg berufen. Dr. Geßler gilt als hervorragender Berwal» tungsbeamter und ausgezeichneter Organisator.

» Das Befinden des Reichslagsabg. Haase, aus den kürzsich ein Revolverangriff unternommen wurde, hat sich sehr bedenklich verschlechtert. Der Patient hat über 39 Grad Fieber, die Blutvergiftung hat ein akutes Stadium erreicht. Die Aerzte zweifeln jetzt an seinem Aufkommen.

* Tie Untersuchung der Kriegsjchuldsrage. Der pailamentarische Unterausschuß zur Untersuchung der Kriegsschuldsrage hält heute feine erste öffent­liche Sitzung ab. Zu dieser Versammlung ist der frühere deutsche Botschafter in Washington, Graf Bern stör ff, geladen. Einladungen zum Erscheinen sind ne er an jolgenbe Per onen ergangen: v. Beth- man Hollwe^, v. Jagow, Zimmermann, Hel«,erich, v. Capelle und Ludendorff.

Eine Kundgebung der daher. Epfskopats.

Die bayerische Dischofskonferenz hat e! 'en Hirten- Brief erlassen, in dem sie den Gläubigen in der Not und Detrübnis unserer Tage Trost zuspricht und Richtungen gibt für die sich erhebenden schwierigen Fragen. Em besonderer Gruß ist auch den heimkehrenden Gefange­nen gewidmet, die so unsagbar Schweres durchgemacht hätten. Alles müsse zusammenhelsen, die wirtschaftliche Fürsorge und die kirchliche Seelsorge, auf daß diese Manner nicht in Groll und Mißmut untergehen, und

Wer über die Möglichkeiten der Besteuerung eine liebei sicht hat, muß sich sagen, daß wir solche in- direkten Steuern werden einführen müssen^ die auch mehr oder minder notwendige Gegenstände des Massenverbrauchs belasten. Das Bestreben muß dabei ^illerdings dahin gehen, die, unteren Volks­klaffen soweit als nur möglich zu schonen. Hier­bei spielt die Form der indirekien Besteuerung eine «roße Rolle. Darum hat das Reicktzfinanzmini- lerium beispielsweise bei der Tabakbesteuerung die Banderole gewählt mit ihren niederen Sätzen für die billigen Waren und hohen Sätzen für den Tabak- konsum der wohlhabenden Bevölkerung. Tas Be­streben des Reichefinanzmintsters geht dahm, dte indirekten Steuern, soweit dies technisch irgend möglich ist, nach dem Grundsatz anfzubauen, daß die bester gestellten Kreise für ihren hochwertigen Verband entsprechend höher belaster werden als die minderbemittelten Volksschichten. Die Grundsätze der progressiven Versteuerung sollen nach Möglich- leit auch tn das indirekte Steuersystem eingefügt werden. _

Auf diese Weise sucht RetchsfinanzMintster Erz­berger den Gedanken der sozialen Gerechtigkeit trotz der hohen Lasten, die wie tragen müssen, im Steuer­system zu verwirklichen.

Da» Reichsnolopfer und die (Entente.

Der Reichsbürgerrat Berlin Halle vom Reichs- finanzminister Erzberger die authentische Erklärung verlangt, daß die geplante Vermögensabgabe unter keinen Umständen die Auslieferung eines großen Tells unseres Vermögens an die Entente be­deuten kann. Jetzt ist ein Schreiben des Reichsfinanz- ministers cingegtmgen, in dem es u. a. heißt:

Mein vor der Nationalversammlung in Weimar av» «gebenen Erklärungen kann ich nur wiederholen, daß nach den Bestimmungen des Bertrags oon SBet- teilles ein Zugriffsrecht auf dm Ertrag des Relchsnrt. opfers der Entente nicht z u st e h t, wenn Deu.fchlanb fßincn ScipfUdjtinipen nüthfomnü. Suffe, un9

wird das Reichssincmzminiftermm durch Gutachten tunstt- scher und wirtschaftspolitischer Sachvefftandiger bestärkt. Auch alle Kundgebungen der Entente,, die neben dem orte» densvertrag einhergingen, testen deutlich erkennm, mb dte feindlichen Mächte bei Vertragserfüllung einen Gngriff in die deutschen Hoheitsrechts kssmeswegs beaosichtigen und sich hierzu auch nicht für berechtigt halten. Es kommt also alles darauf an, daß Deutschland den ihm «mfgezwun. genen stnanziellen Berpslichtungm nachkommt. Bis zum Jahr« 1920 find diese im Friedmsvertrag genau um- grenzt, und man wird annehmen düffen, daß wir bei einer stetigen Entwicklung unserer inneren Verhältnisse zur Er­füllung in der Lage sein werden. Hierzu ist vor allem eine Gesundung der fmanziellm Grundlagen des Deut­schen Reiches dringendste Vorbedingung.

Die baltische Frage.

Deutschlands Antwortnote.

Eme HavaSdePesche meldet, daß He derffsche Antwortnote in der baltischen Fracte am SamS- tag in Versailles eingettoffen ist. Ihr Inhalt werde auch diesmal alS nicht genügend angeseben. Der Rat der Allierten werde daher wertere Beschluste über den Inhalt der Note fasten.

ES handelt sich um die von unS am Freitag mit« geteilte Rote, in der die deutsche Regierung daS Ver­halten des General» von der Goltz klarstellt, bie un- wahren Beschuldigungen bet Alliierten zmcuckweist und abermals ihre Bereitwilligkeit zum Ausdruck bringt, den Weisungen des obersten Rates nachzukommen. ES ist schwer zu begreifen, warum auch diese Antwort un­befriedigend sein soll.

Der Rücktransport der deutschen Truppen.

Nachdem bereits au8 der Etappe verschiedene Formationen der in Litauen stehenden deutschen Truppen avttansportiert worden sind, beginnt letzt auch der Transport der früheren Fronttruppen. Artillerieabteilungen und Radfahterkompogn-en w.'r« den in der Gegend von Schau len verladen.

Die Ostseesperre.

AuS den Hafenstävten liegen neue Meldungen vor, die die verhängnisvolle Wirkung der Ostsee- sperrre von neuem verdeutlichen. AuS Swinemunde wird gemeldet, daß ausländische Schiffe nach tote vor ungehindert die Ostsee postieren, daß aber tm übrigen der Hafenverkehr ruht. Neuerdings wurden auch französische Zerstörer in den Gewässern vor Swinemünde gesichtet. In Lübeck liegt der -dafen- verkehr gleichfalls völlig still.