ä I Deranlwortlich für den redaktionellen Teil: Karl Schütte, f[[. jL**'* I für die Anzeigen: 3. Parzeller, Fulda. — Rotationsdruck.
• Rfit die Pflege der deutschen Kriegergräber sind vom Reichsrat für baS laufende Halbjahr 340 000 Mark zur Verfügung gestellt worden.
* Amerikanische Besetzung für Oberschlrsten. Der Dampfer „Präsident Grant" hat mit 6000 Mann amerikanischen Soldaten an Bord New-Fork verlassen. Die Truppen sind für die Besetzung Ober- schiesienS bestimmt und werden am 25. d. M. in Brest (Frankre ch) erwartet.
Die Diedererfaflung. Vom Reichsverroerkungs- amt sind bisher über 12 000 Einzelfälle von Heeres- gutverschiebungen verfolgt worden. Die dem Reiche geretteten Summen belaufen sich schon auf rund 150 Millionen Mark» — Wenn man das liest, erkennt man mit Schrecken, wie ungeheuer die Unehrlichkeit In Deutschland angewachsen ist: denn das, was die amtlichen Stellen aufdecken, ist doch nur ganz geringer Prozentsatz der durchgeführten Schiebungen.
* Der Senat in Konto» (Süochtnai hat das Recht der D eutsch en, in Süüchina zu wohnen und Handel zu treiben, wiederbergestelll.
Ern Hilsernf Wiens.
Wien, 18. Olt. In der heutigen Stadtverororreten' sitzuna wurde einstimmig folgender Drrnglrchkettsant>ag entnommen: Wien steht bor einer unheilvollen Kata- strophe, wie sie gleich protz wohl nre zuvor eme Trotz stadt betroffen hat und das unter Auflösung der Ln,en sozialen Ordnuna. Hundeittausende sind mit dem Tode bedroht. Diesen furchib.ren Zu- sammenbiuch vermüien wir auS erpener Kraft nicht abzuwenden. In diesem Winter sind rotr unbedrnpt noch auf fremde Hilfe angewiesen. Wenn rrgend jemand so ist Amerika in der Lage, unS Rettung zu brinaen ES ist kein Zweifel, datz daS amerrkanlsche Volk^wenn eS in Wahrheit weih, waS für un,^auf dem Spiele steht, unserem Untergang nicht untätig zusehen wird. Es wird der 'Antrag gestellt, die Gemeinde Wien möge sich unverzüglich mit einem Aufruf an die Be- völkerung und daS Parlament m Amerika mit der Bitte um Hilfe wenden.
Kur dem Na vargeviet,
Frankfurter fiafgolilenfag.
Frankfurt o. M. Der Frankfurter Katholikentag verlief in erhebender Weise nach dem vorgesehenen Programm. Nach einer kirchlichen Feier im Dom fand nachmittags die von Tausenden besuchte Versammlung im Hippodrom statt, dessen Ealerren mit den Fahnen der katholischen Vereine geschmückt waren. Aus der Tribüne hatten Platz genommen die Bischöfe von Limburg und Fulda, die katholische Geistlichkeit von Frankfurt und bekannte Zentrumsparlamen- tarier, alle von den Anwesenden und noch besonders vom Vorsitzenden der katholischen Gemeinde, Justizrat Helfrich, herzlich begrüßt. Der Redner schloß mit einem Hoch auf Papst Benedikt XV. Rektor Rheinländer,' Mitglied der Nationalversammlung aus Hagen i. W., vertrat den Standpunkt des Zentrums in
erträglich ist und daher die Erfüllung der nötigsten Der- pflichlungen des Deutschen Reiches in Frage stellt, bittet die Nationalvcrsammluuv die Reichsregierung, mit allem Nachdruck dahin zu wirken, daß 1. die Besetzungs- armee nach Inkraftreten des Friedens auf di« für die Zwecke der Besetzung alsdann noch unbedingt erforderliche Stärke herabgesetzt wird, sowie die Zahl der Truppen und ihre endgültige Unterbringung festgelegt und der deutschen Regierung mitgeteilt wird, 2. die Einrichtung der Reichsvermögensverwaltung der besetzten Gebiete unverzüglich erfolgt, 3. die Ausgaben für den Hohen Ausschuß der alliierten Mächte, für Unterhaltung u. s. w. aus das Maß zurückgeführt werden, welches zur loyalen Durchsühruna der Friedensbedingungen erforderlich ist, 4. daß die überaus starken Ueberwachungsaus- fchüsie für Heeres-, Marme- und Luftfahrangilegenheiten bedeutend vermindert werden.
Einladung in den Völkerbund.
Der Fünffcrral beschloß, an Argentinien, Chile Columbien, Dänemark, Spanien, Norwegen, Para- gua?. die Niederlande, San Salvator, Schweden, die Schweiz und Venezuela durch Noten; eine Einladung zum Eintritt in den Völkerbund ergeben zu lassen. __________________
Strelk Im belgischen Besatzungsgebiet.
Als Protest gegen die Ueb ergriffe der belgischen Besatzung am Niederrhein traten, wie aus Duisburg gemeldet wird, die Belegschaften derZechen Meoü'sen, Rheinpreußen und Diergardt in den Streik. Auch die Eisenbahner des linksrheinischen Ge- biets haben mit Einstellung ihrer Tätigkeit gedroht, wenn die belgischen Aufsichtsbehörden nicht beseitigt werden. Der Streik hat bereits auf die K r u p p s ch e n Werke bei Rheinhausen übergegrisfen. Die Beamten und Bürger haben sich mit den Streikenden solidarisch erklärt. Selbst die Wirtschaften und teilweise auch die Postanstalten sind geschlossen. Der gesamte Straßen- bahnverkehr ruht. Nur die Lebensmittelgeschäfte sind zur Versorgung der Bevölkerung offenge- bliebm. Der Hauptgrund hierzu ist die Empörung über die Uebergriffe der belgischen Besatzung, die auf Sener Straße die Leute geschlagen und ihnen ertsachen abgenommen haben soll. In zahlreichen Protestversammlungen wurde der brutalen Behandlung durch die belgischen Truppen Stellung genommen und erzählt, daß die Arbeiterschaft auf dem Bahnhos in Krefeld wieder mit Kolben stoß en traktiert worden sei, trotzdem der Kommandeur sich ehrenwörtlich verpflichtet hatte, den Uebergriffen der Vesatzungstruppen ein Ende zu machen. — Die Forderungen der Streikenden sind: Freier Verkehr mit dem übrigen Deutschland, Entfernung der Besatzungstruppen aus den Arbeitsstätten, strenge Verfolgung der geschehenen Uebergriffe,. Frei- lossnng der aus politischen Gründen Verhafteten, bessere Lebensmittelversorgung und Beseitigung des Schiebertums. Auch die Rheinschiffer haben sich mit den Streikenden solidarisch er- klärt und drohen für den Fall, daß gegen sie mit Gewalt vorgegangen wird, die Rheinschiffahrt still zu legen, die für die Kchlenlieferung der Entente von größter Dedeutung ist.
Die Streiklage in Berlin.
Der Schluß der Woche hat in Berlin eine bedeutende Abflauung im Streiksieber gebracht. Der Streik der Maschinisten und Heizer ist bei- gelegt; ebenso der Streik der Bürohilfskräfte. Die Feiernden werden nun soweit wieder eingestellt, als ihre Stellen noch nicht von neuen Hilfskräften besetzt sind. Der Streik der Metallarbeiter, von dem die Bewegung ausging, ist noch nicht zum Abschluß gelangt, aber doch auf dem Wege dahin gebracht. Das neue Schiedsgericht ist gebildet, von beiden Seiten ist die Bereitwilligkeit zur Verständigung ausgesprochen worden; die Aufnahme der Arbeit wurde für die ersten Tage der neuen Woche in Aussicht gestellt.
Damit nun die Woche nicht gar zu hoffnungsvoll abschließt, hatten die Streikhetzer inzwischen ein neues Elsen ins Feuer geschoben. Die Straßenbahn- . ange st eilten sollten wieder mal das Derkehrs- lebcn in Verwirrung bringen. In der Hauptwerkfiatt der Straßenbahn waren die Arbeiter feit einigen Tagen in die sog. „passive Resistenz" getreten, d. h. sie kamen und beanspruchten auch chren Lohn, taten aber nichts. Warum? Nicht aus wirtschaftlichen Gründen, sondern um die Entlassung eines Kollegen zu erzwingen, der sich durch Bekenntnis seiner Slrbeits» Willigkeit bei den Streckern mißliebig gemacht hatte. Als man nun die systematischen Faulenzer nicht mehr in die Werkstatt lasten wollte, beklagten sich diese wegen „Aussperrung", und der Arbeiterausschuß ließ sich mt Verein mit der Gewerkschaflskom-mission zu dem Beschluß hinreißen, „sofort zu streiken". Am Mittag waren schon zahlreiche Hetzer unterwegs, um die Fahrer zu bereden, daß sie umlenken und in die Depots fahren sollten. Erfreulicherweise scheiterte der Hebet« rumpelungsversuch an der Besonnenheit der großen Mehrheit. Schnell eingeleitete Verhandlungen führten dann zur Zurücknahme der voreiligen Streikparole.
Das sieht tröstlich aus. Aber die Erleichterung für den Augenblick darf nicht täuschen über die Zukunftsgefahren. Die gewerbsmäßigen Hetzer werden wohl noch tun, was sie können, um die Verhandlungen zwischen den Metallarbeitern und den Unternehmern möglichst zu stören. Obendrein haben sie neue Zank- äpfel in Vorrat. Der Erlaß von Noske, der Re lebenswichtigen Betriebe sichern will, und die von ihm organisierte N o t h i l f e werden als Frevel gegen die Streikfreiheit hingestellt. Die „Eewerkschaftskommis- ston" hat soeben den Beschluß gefaßt, „das Eingreifen dieser Organisation des Reichswehrministers für die Zukunft unmöglich zu machen". Sie setzt eine Unter- kommission ein zur Prüfung der erforderlichen Maßnahmen und verhängt vorläufig über alle Mitglieder der Technischen Nothilfe den Ausschluß aus ollen ge« schlossenen Organisationen. So wirt» eine Lunte bereit gehalten, um bei nächster Gelegenheit die Feuersbrunst von neuem zu entfachen.
1 Die Gewerkschaften, die sonst die bcdäch- ; titie und gesetzliche Taktik vertraten, werden, immer mehr zu Werkzeugen der Radikalen. Das zeigt nicht nur dieses Verhalierr der Berliner Gewerkschaftskommission, sondern auch der Verlauf des Be^dands- tages der deutschen Metallarbeiter. Desten Ver- i Handlungen in Stuttgart haben io weit nack links ge
Der Parteitag des Zentrums
LZ nach einer Drahtmelduna, die wir noch am L-instaq veröffentlichen tonnten, vom Freitag, Epfriö Sonntag, 16. November in Berlin ^Lie^Äuhänger der Zentrumspartei im Lande '««den die Kunde von der endgültigen Anberau- EL. de? Parteitages mit großer Freude vernommen haben. Er wird uns — anders als die für eine Woche vorher geplante Feier des ersten Jahrestages ” «Revolution — Gemütserhebung und Erbauung kinaen, denn er wird uns vor Augen führen, was " «Rettung aus dem Zusammenbruch geschehen ist zur Wieder aufrichtung des erschütterten Vater- tobei noch geschehen muß und soll. , .
«'er Parteitag hat unter den schwierigen Ver- Mnissen nicht so früh staitfinden können, tote es Lie Genossen wünschten. Das war nicht zu andern, aber auch zu ertragen, denn in der notgedrungenen gWischenzeit ist nichts störend eingetreten. Vielmehr jarj man sagen, daß inzwischen durch mehrere pro- Mielle Parteitage und durch den sonstigen Mei- Mnosaustaufch sowie durch die Entwicklung der Tinge mehr Klarheit und die Einigung gefördert ttotoen ist.
Sie Vorarbeit für den allgemeinen Parteitag hat sich trefflich entwickelt. Die nächsten vier 9Bo- Xjt bieten noch Raum zur Vollendung der vorbereitenden Maßnahmen.
Der Parteitag tritt in einem Augenblick zusammen, wo die Notwendigkeit einer starken und täli- «n Zentrumspartei so deutlich vor aller Augen steht, m:e kaum je zuvor. Wenn es vor ungefähr 50 g^ren bei der Gründung deS Zentrums in erster $inie der Abwehr des Btsmarckschen Kulturkämpfe» mlt, so jetzt nicht minder der Abwehr des gefährden Kulturkampfes von der retigionsfeind- li'chen Linken her. Damals war das Reich sieg- «ich, wohlhabend und in seiner festen Ordnung gesichert, so daß die gegnerischen Kräfte sich einbilden konnten, sie vermöchten ohne das Zentrum und gegen bleibe die Politik zu führen. Und doch geigte sich »on bald (1879), daß die Hilfe der geächteten Par- tei unentbehrlich war. Umere Partei wurde und Hieb das Zentrum, der maßgebende Mittelpunkt auch in den verhältnismäßig glücklichen Jahrzehnten. Und erst jetzt, in den Zeiten der Verwirrung und Rot, ist die Zentrum spartet unentbehrlich «Morden in des Wortes vollster Bedeutung, die Retterin des Vaterlandes in der schwersten Krisis, die jemals über Deutschland hereingebiochen ist. Es liegt handgreiflich vor aller Augen, daß die Nation zusammengebrochen wäre, wenn sich nicht das Zentrum kühn und opferwillig eutschlossen hätte, an der politischen Arbeit in verantwortlicher Stellung teil- zuneqmen.
Diese Staatsnotwendigleit, diese zwingende nationale Pflicht der sauren Mitarbeit mochte toohl firmen ersten Augenblick nicht allen einzelnen Parteigenossen einleuchten: aber die Erfahrungen im ersten Revolutionsjahr haben auch diejenigen über» zeugt, die zunächst nicht tief genug blickten oder noch befangen waren' in alten Erinnerungen ober_ in neuen Eonderwünschen. Jetzt sind die Augen geschärft, der Gesichtskreis erweitert, die Gefühle für unsere gemeinsamen Ideale und für die schreiende Not der Nation angefeuert worden.
Die Schule, die wir feit Jahresfrist durchmachen mußten, sichert eine glatte und fruchtbare Erledigung bet Aufgaben des Parteitages. Sowohl in rückblickender Kritik, als der programmatischen Ordnung der Parteiznkunst.
Unsere Abgeordneten haben gehandelt, wie sie im Interesse von Reich, Staat, Volk und Kirche handeln mußten; sie brauchen das Urteil der obersten Partei- mstanz nicht im geringsten zu scheuen. Was das Pro- Uamm angeht, so bleibt es in allem wesentlichen das olle, das umfassend und geschmeidig genug war, um auch den veränderten Verhältnissen sich trefflich anpas- lcn ?u können.
Der Parteitag wird das übrige tun, um alle Zwei- |tl und Schwierigkeiten auszuräumen und so dafür zu lorgen, daß die Zentrumspartei am Ausgang ihres mten halben Jahrhunderts so einig, so lebens- lfNch, jo kräftig und so ruhmvoll dasteht, wie nur je in der Glanzzeit ihres Wirkens.
Der Parteitag wird ein erbauliches Parteifest sein. Mel Großes ist gestürzt, aber der Zentrumsturm ^eht in Sturm und Wetter unerschüttert ’•» — als Hort und Heil in der Umsturzzeit.
Die Heimkehr der Gefangenen.
Die Reichszentralstelle für Kriegs- mrd Zivrl- Mngene teilt mit: Nach einer inoffiziellen Mel- xb?9 bet englischen Waffenstillstandskommission an r°n Chef der Unterkommission für Kriegsgefangene Waffenstillstandskommission in Düsseldorf nven die Transporte der deulschen Kriegsgefangenen in>h » englischen Lagern in Nordfrankreich m0 Flandern am 20. Oktober beendet sein.
2$- Oktober ab werden etwa 13 Tage lang g® tthe Transporte von 2000 Mann aus den in befindlichen Lagern über Dover-Calais ^Deutschland tociiergeleitet werden.
die Reichszemralstelle mit teilt, liegen die $anptfd)toien$feiten für den Heimtransport unserer r' ^llefangenen und Internierten auS den über« der - Ländern in dem großen Mangel an
diel- für notwendigen Schtffstonnage. Wenn
bj» vorhanden ist, dann ist nur mit großer Mühe % y.^tteriaubniS von den Alliierten zu erlangen. fiem»*et,e‘t§ f’nö alle nun möglichen Anstrengungen ueutf* ' unt eine baldige restlose Heimkehr aller Kriegsgefangenen und Internierten zu de», $ tcben, jedoch hängt alles letzten Endes von guten Willen der Entente ab.
Protest gegen die Blutsauger.
hyy u s h a l t s a u s s ch u ß der Nationalversainm- « um Samstag, der Vollversammlung fol- ltraijß I"WlIeßung zur' Annahme zu empfehlen: „Sie nimmt davon Kenntnis, daß die Mächte auf Kosten Deuffchlands im besetzten Gebiet eine Armee haben, deren Unterhalt SitiA *. • der Ueberwachungsausschüsse dem Deulschen c.twa LV- Milliarden jährliche A us- SeM*» ?Pursachen wird. Da die Weiterzahlung dieser 04 der bei wirtschaftlichen Lage Deutschlands un
Deutsche; Reich.
• Berlin, 18. Okt. Im Reichsministerrum des Innern ist bei der ersten Abteilung eine Unterabteilung Staatsrecht gebildet toorbert.
* Entbehrliche Truppenübungsplätze. Der Reichs- toehrmmister bat bisher sieben Truppenübungsplätze als entbehrlich bezeichnet. Sie sollen zur Ansiedlung von entlaffenen Reichstoehrttrarrnschaften und in erster Linie von Kriegsbeschädigten verwendet
* Königshaus und Start. Eine Vorlage über ble Auseinandersetzung des ehemaligen preußischen Königshauses mit dem preußischen Staate wird der Landey Versammlung in nächster Zeit zugehen. Der Vergleich bestimmt, daß der Staat alle Grundstücke und Werte übernimmt, die Eigentum der Krone sind, vom Prwat- cigmtum des Königshauses übernimmt der Staat ge- gen Bezahlung einen Teil der Schlösser, der andere Teil fällt an die zahlreichen Familienmitglieder des Königshauses. Die Große Apanage (Kronfideikommrß- rente) fällt fort. Die dem Königshause zustehenden Lasten (Zahlung von Apanagen, Renten, Pensionen) verbleiben chm, es wird dadurch durch eine noch zu bestimmende Summe entschädigt. Die Hofbedienten sind meist vom Staate bereits übernommen ober pensioniert worden. Das geldliche Privateigentum^ des, Königs wird nicht gngelastet. Die alten Hofbehorden werden allmählich abgebaut. .
* Weimar, 18. Okt. Im Landtag wurde m erster Lesung eine Regierungsvorlage beraten, die allen Staatsbeamten eine Beschaffung Sbei Hilfe von 600 Mk. für Ledige und 1000 Mk. für Verher- nitete und für jedes Kind 200 Mk. gewährt. Die Einkommensteuer wird um 100 Prozent, die Vermögenssteuer um 300 Prozent erhöht. Der Vorlage stimmten alle Parteien zu. — In der Regierungsvorlage über Bereitstellung von Mitteln zur Bekämpfung der Tuberkulös und der Geschlechtskrankheiten wurde die zur Tuberkulosebekämpfung geforderte Summe von 10000 Mk. verdoppelt.
führt, daß der Reichsarbeitsminister Schlicke, der bisher trotz feiner amtlichen Berufung die Stelle des Verbandsvorsitzenden aus besonderer Liebe festgehal- lcn hatte, jetzt die seit 28 Jahren bewahrte Vorstands- tä-'gkeit niederlegen mußte. Er tat cs mit einer Strafpredigt über die jüngste Entwicklung des Verbandes, bei der „das Wort die Macht über die Tat errungen hat. Die Mehrheit hat sich i-ambch durch Die radikalen Worthelden auf den Boden des „revolutionären Klassenkampfes und Rätefystems" verlocken lasten, ist also in das Fahrwasser der Unabhängigen und Kommunisten geraten. Die Mehrheitssoziallsten werden überall zurückgedrängt.^
Die Lage bleibt also trotz der augenblicklichen Er- leichterung in Berlin sehr ernst. Auf den weiteren Mißbrauch von Streiks zu politischen Umsturzzwecken muß man nach wie vor gefaßt sein. Dis zum 9. November werden wir noch einiges erleben, aber wenig ßUt'sie Hauptsache ist, daß Noske und seine Kollegen in der Regierung fest bleiben und die Sicherheitsmaß- regeln aufrecht erhalten. Das geschloffene Vorgehen hat doch schon Schlimmeres verhütet, und wenn jetzt diese Maßnahmen scharf angegriffen werden, so be- we st bas nur, daß sie noch weiter notwendig bleiben.
Ter Kampf nm Petersburg.
Die am Samstag verbreitete Meldung von dem Fall Kronstadts, der Seefestung und Handels- Hafenstadt Petersburgs, und von dem Einmarsch des Generals Judenitsch in Petersburg selbst, hat sich noch n i ch t b e st ä t i g t. Es wird zwar gemeldet, daß die britische Flotte mit der Deschießug von Kronstadt begonnen habe und daß die Stadt die weiße Flagge gehißt habe, aber dies braucht noch keineswegs zu bedeuten, daß es auch schon kapitulrert der anderen Seite wird zugegeben, daß Kraßnasa Gorka noch in den Händen der Sowjettruppen »st, während Gatschina, das noch etwa 50 Kilometer wei- ter südlich von Peiersbug liegt, von Judenitsch erobert to Der esthnische Generalstabsbericht weiß jedoch nichts darüber zu berichten. Immerhin scheint der ent- scheidende Angriff auf die Hauptstadt beoorzustehen und die Besetzung der vielgeprüften Stadt nicht mehr fern 8U Viele Nachrichten stimmen darin überein, daß die Rote Armee sich als ganz unzuverlässig erweise und vollkommen demoralisiert sei. Die Bolschewisten sollen beschlossen haben, Petersburg zu räumen. Die Arbei- ter haben den Befehl erhalten, die Stadt zu verlassen. Alle Priester in Petersburg wurden als Geiseln ver- haftet, , . » »
General von bet Goltz In Berlin.
Der frühere deutsche Oberbefehlshaber im baltischen Gebiet, General v. d. G o l tz, befindet sich seit Freitag wieder in Berlin. Kurz vor feiner Abreife hatte er ein Telegramm an den Kommandanten der „westrussischen" Armee, Awaloff-Bermondt gesandt, in dem er ihn zu dem Angriff auf Riga beglückwünschte und feine Genugtuung darüber äußerte, daß sei hundert Jahren zum ersten Male wieder deutsche und ms- sische Truppen vereint gekämpft hatten.
Nunmehr wird amtlich mitgeteilt: Das Kabinett bsschäftigte sich mit dem Telegramm, das der bisherige Truppenbefehlshaber im Baltikum, Graf v. d. Goltz, an den russischen Führer Bermondt gesandt hat. Die Reichsregierung mißbilligt dieses ihrer Politik gänzlich zuwiderlaufende Telegramm aufs f ch ä r ffte und sieht von einem Verfahren gegen den General und nur wegen des Umstandes ab, well dieser bereits sein Wschiedsgesuch eingereicht hat.
Derrtsche Nationalversammlung.
Sitzung vom 18. Oktober.
Fn ber fortgesetzten Beratung deS Haushalts deS ReichsarbeitSministeriumS tadelt
Abg. Müller (Soz.) die VcrzSgcrung des BetriE- rätegesetzeS und be'ckiäftigte sich eingehend mit der Reichsuersichermigsordnung und den Krvnkenkaffen.
Ab«. Tremmel (Ztr.): Bei tmferem trnrtichafklichen Wiederaufbau muß jede Ausbeutung der Arbeiter verhütet werden. Em schranlenloser w:rt- sLaftlicher Liberalismus, der das Spiel der Kräfte frei walten läßt, darf nicht Platz greifen Die Vorlage eines Aroeilerrechts sollte möglichst bewcuntgt
Ä’iSäÄSS:
lich is° von Frankfurt onrubieten, so muß man doch fragen, ^it es -r gierung nicht mögl'K, diese Waren B s-
SftwiSteffWS ÄÄ wir mit
Äu'bet MmcÄft UMeiber M inken aber der Schutz der^Hetmarberter gegen Asbeutru g W
SchlichtungZausschuh, Tarlfarrgelegenheiten und ^^ReWÄch'tsnÄnister Schlicke ging ein^hend ans die von den Vorrednern gemachten VorMaae eiw Cr -eiate aroßen Optimrsmus in bezug ans die nalversammlung zu unterbreitenden Vorlagen Daß die Erkenntnis der Notwendigkeit ange^trengteitct . beit bei dem Volke bisher nutzt durchgedrungensel, schob er auf die Entbehrungen und den feehtoen Druck den bJ-a f-imnäfiriae .Siahlbad" dem deutschen Volke bereitet hat Er stellt eine ganze Reihe von Vorlageni tn Aussicht, die besonders dem Arberterschuh gewidmet sei«
Nimmehr erteilt Präsident Fehrenbach dem Mg. Eichhorn (Unabh.), dem früheren Berliner Präsidenten, das Wort. Darauf ve r lass e n d t e wenigen im Saale anwesend en ordneten mit dem Minister und sernen Geheimräten den Saal. Im Sitzungssaal verbleien nur noch acht unabhängige Abgeordnete und -itvei RemerungSkommiffare. __u K.
6 Ma Eichhorn (Unabh.): Die Demonstrarton d.e da? Öa'uZ g»gen meine Person ausübt, ist eine kindische Maßreaels^sie trifft mich persönlich nicht, aber wh mnI doch mein Befremden darüber ausivrechen, ,datz auch dre Tribüne durch Gelächter und Zurufe an^dieser Denron' strcrtion sich beteiligt, und daß der Präsident e^> M- für nötig hält, dagegen ernzuschreiten.
Präsident Fehrenbach: Ich habe jolche Kunidgebun- gen von der Tribüne nicht gehört und verbitte mir btc Unterstellung, daß ich absichtlich nrchk darauf geachtet ^Der Redner spricht hierauf vor leerem -
Montag; Weiterberatung, Reichss chatzmin lster rum.
Erkrankung des Adg. Eröver.
Der Vorsitzende der Zentrumsfraktion der deutschen Nationalversammlung der Abg. Gryher, ist am Samstag mittag au» dem Wege zum Reichstage von einem Ö h nm achts an fall betroffen worden. Polizeioffiziere geleiteten ihn tn das Reichstags- gebaute, wo ihm alsbald Parteifreunde dre erfte Hilfe leisteten. Der Abg. Groeber erholte sich rasch unter den Händen eines sofort herbeigerufenen Arztes und konnte in einem SLuto in seine Wohnung gebracht werden. Son Befinden gibt zu Besor gmffen kernen Anlaß, doch hat der Arzt eine längere Ruhezeit an« geordnet. _______ .
i m o A A I Verlag der Fuldaer Acüendruckerei in Fulda. — ^wls monatt. I 46.
HTcnfOCI 20« Oktober 1919« | 1,10 Mk. — Fernspr. Nr. S. Telegr.-Adiksse: Fuldaer Zeilung \