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I Verlag der Fuldaer Actiendruckrrei to^uR». — I^mtinatl. 1 46. 3ot)r(}
I 1,10 Mk. — Fernlpr. Nr. 9. Telegr.-Mrefle: Fuldaer Z-'wng
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Soll der 9. November ein Fe ertag werden?
Von der sozialdemokratischen Seite wird das an» geregt. In wirklicher Feststimmung würden sich aber wohl nur die Unabhängigen befthoen; denn deren Taktik geht auf das Zersiö'en hinaus, und der 9. November 1918 hat sich durch nichts anderes ausgezeichnet, als du>ch Zerstörung.
Die alle monaichische Ordnung wurde durch die Redalut on zerstört, die Wehrkraft Deutschlands wurde durch den grausamen Waffenstilislandsvertrag bis in die Würzet vernichtet.
Tie Zerstörung mag mancher für notwendig halten; aber einen gerechten Anlaß znm Feiern und Jubeln gibt doch- nicht der Zusammensturz des alten Hauses. Mar wartet mit dem Rlchtsest, bis sich der Neubau erhebt.
Das Strelkrecht der Beamten.
Im Auftrage der Zentrumsfraktion der Naiionalversammlung wird der „Zentr. Parl. Son." geschrieben:
Bei der Bera'ung des Postetats hat Abg. Koch- Münster am 15. Oktober als »weiter Fiaktionsred» ner des Zentrums sich in der Nationalversammlung im Prinz p für das Beamtenstreikrecht, aber gegen dessen Anwendung in der en'schiedensten Weise ausgesprochen. Die Zentrumsfraktion hatte daraufhin noch an demselben Tag» nach eingehender Besprechung beschlossen, gegen die Gewährung des Streikrechts an die Beamten Stellung zu nehmen. Das geschah vorn hmlich im Interesse der Beamten selbst, weil der Anipruch auf das Streikrechl die unkündbare Stellung sowie die Pensionsansprüch", Witwen- und Waisenverso,gung der Beamten, also Werte, die jetzt als wohl erworbene Recht im Art. 129 der Reichsverfassung sestgelegt sind, lehr gefährdet, ein Beamtenstreik aber diese Rechte förmlich brechen müß e. Mil der im Artikel 159 der Ver-- faftung für jedermann und für alle Berufe gewährleisteten Vereinigungsfreiheit zur Wahrung und För- derung der Arbeit ist den Beamten nichts gegeben worden, was sie nicht schon vorher besessen haben. Beieinigungsrecht ist nicht gleichbedeutend mit Streikrecht. Diesen Stundpunkt hat die Partei stets vertreten. Die Beamten haben betontet e Pflichten, aber auch besonne'e Rechte. Diese Rechte sind durch die parlamentarischen Körperschaften zu schützen und dürfen nicht zu einem Beamtenstreik ausarten. Das Recht auf daS Mittel des Beamten st reiks kann daher den Beamten nicht zuerkannt werden.
Kreditgewährung durch Holland.
In Rotterdamer finanziellen Kreisen'verlautet mit Bestimmtheit, daß mit Zustimmung der holländischen Regierung dem deutschen Reiche von holländischen Banken ein Rohstoff- und Dalutakredit in Höhe vieler Millionen eingeräumt worden ist, der entsprechend den deutschen Gegenlieferungen weiter ausgedehnt werden kann.
An Berliner unterrichteter Stelle wird die Nachricht bestätigt. Es handelt sich um beträchtliche Wa- renmengen, die wir durch diese langfristigen Kredite erhalten. Wir haben den Gegenwerten in Fertig- sabrikaten zu leisten.
Ausländische Kartoffeln für Deutschland.
Die deutsche Kartoffelernte hat die Erwartungen nicht erfüllt, namentlich ist der Ausfall im Osten sehr stark gewesen. Infolgedessen bat sich die Reichs- regiernng genötigt gesehen, mit dem Ausland Liefe» runosverträge abzuschließen. Es ist ihr nun ge- lungen, Vereinbarungen mit Dänemark und Polen über größere'Lieferungen zu treffen.
auch derartige zentrale Kraftanlagen miS allgemeinen Gründen der Sparsamkeit sind, so dringend ist dann crber auch erforderlich, daß sie ausreichend gegen jede Gefährdung des Betriebes geschützt werden.)
Ein verbot Hostes.
Das Oberkommando Noske verbietet in einer Verordnung an die Bevölkerung von Groß-Berlin auf Grund des Belagerungszustandsgesetzes jedwede weitere Betätigung durch Wort und Schrift und andere Maßnahmen, die darauf gerichtet sind, l e - benswichtige Betriebe zur Stillegung zu bringen, insbesondere Zerstörungen oder Schädigungen von Betriebsanlagen und -Leitungen. Als lebenswichtige Betriebe im Sinne der Verordnung sind anzusehen alle Anlagen zur Erzeugung und Lieferung von Gas, Wasser und Elektrizität sowie die öffentlichen Verkehrsmittel.
und der Grenze stehenden liltauischen Truppen dem Wege gehen, hat General v. Eberhard mit Littauern Verhandlungen über den Durchzug Truppen angeknüpft.
Schwere Kämpfe um Riga.
• Die deutsche Friedensdelegation ist von Versailles nach Paris übergesiedelt.
* Tas französische Große Hauptquartier wird am 20. Oktober endgültig aufgelöst werden. Die Rheinarmee wird durch das Kriegsministerium verwaltet werden und militärisch Mar'chall Foch unterstehen. Ein Kriegsgebtet wird es nicht mehr geben.
* Das Memelgebiet. Auf weitere Unterhandlungen über das Memelaebiet will sich nach einer Pariser Meldung die Entente nicht einlassen.
* Zur Abstimmung im nördlichen Schleswig haben sich dänischen Blättern zufolge 20000 in Dänemark sich au haltende Nordschleswiger gemeldet. Die Abstimmenden aus Seeland und Fünen werden mit dem Schiff nach Nordschleswitz befördert. Drei große Kopenhagener Hotelbesitzer übernehmen die gesamte Verpflegung an Bord auf ihre Kosten; auch die Fahrt mit dem Schiff erfolgt kostenlos, ebenfalls wird Reiseentschädigung gewährt. Die deutsche Propaganda, die durch prwate Bereinigungen betrieben wird, bietet den über Deutschland zerstreuten Abstimmungsberechtigten dieselben Erleich« teiunaen für Seife und Abstimmung.
Erlösung der Ostasrika-Deutsch.n. Wie verlautet, befindet sich ein Steil der Ost-nrika-Deulschen, die seit Jhhren in englischer Gefangenschaft schmachten, auf dem Rücktransport, und zwar derjeni-e Teil, der sich bisher in den Lagern auf Malta und in dem Lager von' Sidi Biehr in Ägypten befand. Mit ihrem Ein. treffen dürfte gegen Ende des Monats gerechnet werden können.
* Ter Streik der New-Dorker Hafenarbeiter ist mißglückt. Die Arbeiter feinen zur Arbeit zurück.
Um den Besitz von Riga fanden zwischen den von englischen Kriegsschiffen unterstützten Letten und der w e st r u s s i s ch e n Armee Dermondtt heftige Kämpfe statt. Besonders heftig waren die Kämpfe m den Dünabrücken in Riga. Die Letten hatten Trfolg. ,
Ter Frledensvertrag von St. Germain. *
Neubildung der österreichischen Regierung.
Die deutsch-österreich'sche Nationalversammlung beschloß gestern debattelos die Ratifizierung des St. Germainer Staatsvertrages.
Nach der Ratifizierung des Friedensvertrages überreichte Staatskanzler Renner und das gesamte Kabinett die Demission. Die Neubildung der Wiener Regierung war schon lange für die Zeit nach der Annahme des Vertrages von St. GerMtin in Aussicht genommen. Das neue Kabinett, das bereits gebildet ist, sieht ebenfalls Renner an der Spitze. Im Großen und Ganzen ist die Zusammensetzung des Kabinetts, soweit die Partetslellung der Stmtsselretäre in Betracht kommt, wenig verändert; es ist nur ein Zug nach rechts insofern festzustellen, als an die Stelle des auf den linken Flügel der Sozialdemokraten stehenden Staatssekretärs Otto Bauer der auf dem rechten Flügel stehende Dr. Ellenbogen getreten ist und das Kabinett durch die Aufnahme des Giaatsfetretars Mayr für das neugebildete Amt der Verwalttingsrefvrm einen christlich-sozialen Zuwachs erfahren hat. ‘ _____________
Slowake« und Tschechen.
Das Mivnskomitee für eine unabhängige Slo- tväkei hat der Pariser Friedenskonferenz eine Denkschrift überreicht, in der die Loslösung der Sloch ak et von der Tscheche! und Selbst and gkeit_ gefordert wird. Eine Vereinigung beider Länder würde die Quelle andauernder Kriege sein. Es wird eine Volksabstimmung unter dem Schutze der Eniente- nuppen gewünscht.
Der Slowakensührer Pfarrer Hlhnka, der in Paris für die Selbständigkeit der Slowakei einge* treten war, ist nach seiner Rückkehr in die Slowakei toegen Hochverrats verhaftet woi den. Daraufhin ist es unter den Slowaken zu neuen Unruhen gekommen.
Preußische Landesversammlung.
Sitzung vom 17. Oktober.
Bei der Beratung d-S Etats für die GestÜtSverwal- hing entwickelte sich eine längere, .An-sprache über Pferderennen und W e t t l e i d e n s ch c> f t Die Sozialdemokraten verlangten das völlige Perboi der Pferderennen. Der Zentrumsabg. Kaulen meinte dagegen, daß wir die Pferderennen zur Prüfung der Leistungsfähigkeit unserer Pferdezucht nicht enib hren könnten. Am notwendigsten aber sei e'ne lystematnche Förderung der Ackerpferdezncht. Abg. Westermamn (Dem.) beantragte eine Beteiligung des Staates an den Totalisatorgewinnen. Die Unabhängigen griffen den Minister Brann scharf an, weil er setzt das frühere Rennverbot aufgehoben habe. Landwirtschaftsinmiiter Braun verteil täte die Aufhebung deS Verbots mit d em Hinweis, daß die leidenschaflicher Wetter bei Unter, drückung des Wettbeiricbes ihrer Leidenichaft in Bars und Spielhöllen fröhncn würden. Der demokratische Antrag wurde angenommen.
Dann beaann tie Beratung des Toman-netatS, der nach kurzer Aussprache erledigt wurde. Hierauf folgte die Beratung des Landw'rtfchaftsetats, wobei Abg. Faßbender (Ztr.) die Zurücksetzung der landwirtschaftl.chen Hochschulen gegen die anderen Hochschulen bemängelte und betonte, daß auch die niederen land" i'-stlicheu Schulen der Förderung bedürften.
Diens.ag: Fortsetzung.
Tas Inkrafttreten -.Friedens verzögert sich.
Die Affocialed Preß meldet aus Paris: Der «»-tausch der Ratifikationen wird auf eine und e- fiimmte Zeit verzögert da die drei Mächte, die den Vertrag ratifizierten, nicht in der Lage sind, die Miacn Vorbereitungen zu treffen, um die Bestimmungen "des Vertrages alsbald nach der tatsächlichen Roti- fitation durchzuführen.
Zeit genug hatte man dazu schon gehabt.
Vorstellungen wegen der Ostseesperre.
wtb Berlin, 16. Oktober. Die deutsche Fiiedens- deleaation in Versailles ist beauftragt worden, wegen der über die deutsche Schiffahrt in der Ostsee ver- bängten Sperre, insbesondere wegen ihrer Ausdehnung auf die Territorialgewäffer, unter Hinweis auf die Maßnahmen herbeigesührten Verhänanisvollen wirtschaftlichen Folgen dringende Vorstellungen bei der Entente zu erheben.
Eine Erklärung der italienischen Regierung.
Nach einer Meldung der ,Basler Nachrichten' hat die italienische Botschaft in Madrid dem spanischen Auswärtigen Amr mitgetetlt, daß sich Italien an der neu angedrohten Blockade gegen Deutschland nicht beteiligen werde.
Planmäßiger Rückmarsch.
Der Rückmarsch der Truppen aus dem baltischen Gebiet vollzieht sich planmäßig, wenn auch infolge bet ungünstigen Transpoi tverhältniffe seht langsam. Nm allen Reibungen mir den zwischen Schaulen
— a j 4 | Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Karl Schutte, I Samstag IS. Oktober 1919 fif. 2I für die Anzeigen: I. P°rzeuer, Fulda. - Rotationsdruck. I
gusland.
» Die persische Provinz Aserbeidschan ist wegen des englisch-vcrsischen Vertrages int Aufstand gegen die Regierung von Teheran. Der Generalgouver- neur von Taebris ist von den Aufrührern abge.etzt worden. ,
Sur dem Nachbargediet.
Anschluß des Kreises Gersfeld "
an die Ueberlandzentrale.
;; Gersfeld. In der Kreistaassitzung am 15. Oktober wurde über den bisher vom Kreise Gersfeld abgelehnten Anschluß an das Kraftwerk Fulda-Hünfeld-Schlüchtern verhandelt. Aus den Antrag einiger Gemeinden des Fulda- grün des auf Anschluß an die Ueberlandzentrale der Mainstauanlage und auf weitere Ausführung des Bürgermeisters Seifert-Hilders, der auch den Anschluß des Ulstergrundes an die große Urberlandzeutrale wünscht und dringend empfahl, beschloß der Kreistag einstimmig den Beitritt zum Zweckverband Ueberlandwerk Fulda-Hün- feld-Zchlüchtern. Es wurde eine Kommission aus den Kreistagsabgeordneten Happel-Wüttensachsen, Gutermuth-Hettenhausen, Gerstung-Taun itnb Alsheimer-Weyhers gewählt, die mit dem Kreisausschuß die erforderlichen Arbeiten sofort in Angriff nehmen soll. — In der weiteren Verhandlung wurde zur Koh len no t,. die vor allem in den Schmieden sich bemerkbar macht, Stellung genommen. Ferner herrschte Einmütigkeit darüber, daß eine Eindämmung der Lustbarkeiten nötig ist und es wurde der Vorschlag des Kreisausschustes gutgeheißen, eine Anregung an die Gemeinden ergehey zu lüften, eine Lustbarkeitssteuerordnung einzuführen. Es wurde besonders eine Staffelung der Steuer nach der Anzahl der Lustbarkeiten gefordert. — Die Grunderwerbskosten für den Bah »bau Fulda- Poppenhausen wurden auf den Kreis übernommen. — Ter Vor chlag über die Unterhaltung der Kreisstraßen für 1920 mit 65 000 Mark wurde genehmigt; ebenso der Nachtraesetat für 1919 mit 28 iOO Mark. — Als Mitglieder der Landwirt chafts» kammer wurden gewählt Bürgermeister Happel- Wustensachsen und Landwirt Richard Reiuhaid- Mauerschell. __________
O Thaiden. Wegen der im Interesse der Landesverteidigung verfügten Beschlagnahme der Kirchenglocken mußte auch die Filialgemeinde Thaiden von ihren 3 Glocken die größte und die kleinste im Gesamtgewichte von 375 Kg. abliesern, wofür eine Vergütung von 1600 JA. gezahlt wurde. Aus Anlaß des goldenen Priesterjubiläums unseres hochwürdigen Herrn Dechant Schnaits zu Batten wurde in der Gemeinde durch freiwillige Spenden der Betrag von 2800 JA zusammen- gebrockt und als Jubiläumsgeschenk zu neuen Glocken für Thaiden dem Herrn Jubilar überreicht. Durch wettere Spenden kam soviel zusammen, daß 2 neue Bronze-Glocken beschafft werden konnten. Der Auftrag wurde dem rühmlich bekannten Glockengießer Herrn Otto zu Hemelingen gegeben, der die eine noch vorhandene 350 Pfund schwere alte Glocke zum Preise von 350 JA. pro Zentner übernahm. Der Preis der neuen Glocken, die 7 Ztr. schwerer als die abgelieferten Glocken sind, beträgt fast das fünffache der obengenann-
Die Berliner Ausstände.
,3m Metallarbeiter streik haben beide Parteien zugestimmt, daß die bevorstehende Entscheidung des neuen Schlichtungsausschusses für sie bindende Kraft haben soll. Heute beginnen im Reichsarbeitsministerium die neuen Besprechungen. Die Fünfzehner- Kommission hot sich in letzter Stunde dem Vorschlag tes ReimsarbcttsMinisters unterworfen; sie hat sich der Haltptbedingungen: Anerkennung des Schiedsspruchs vom 21. August und Anerkennung des von dem kommenden Schiedsgericht zu fällenden Urteils, gefügt. Bekanntlich sind die ersten, vor einer Woche gepflogenen Verhandlungen gerade daran gescheitert, daß man den Schiedsspruch vorn 21. Aug. aufgehoben wissen wollte. Die Arbeitgeber ihrerseits haben ihr Entgegenkommen dadurch bewiesen, daß sie in die Verhandlungen zwischen ben einzelnen Gruppen und die Zuschläge für die Lohnklassen gewilligt haben.
Der Streik der Bürohilfskräfte ist be- Endet. Sie haben die Arbett wieder ausgenommen, sich ihre Plätze zu sichern. Die gestern nachmittag ^Icihmengetretene Große Deputation, die sich aus Mit- ßkeoern des Magistrats und der Stadtverordnetenver- mmmlung zusammensetzt, hatte in mehrstündiger Si- ®Un9 dm Beschluß gefaßt, sich in keinerlei Verhandlun- ®e.n mit der Streikleitung e'mzulassen.
Bie Llromzufuhr von Bitterfeld nach Berlin gefperrl.
f Bitterfeld ist die Skromzusuhr nach Berlin ab- n«k , Morden, während sie für andere Städte weiter ftnxrJv schotten wird. Auf den meisten Berliner naorischen Elektrizitätswerken, mit Ausnahme des y^ncftenburget Werkes, wird gearbeitet.
ttrfJrf r<.en& des Krieges, ist in Bitterfeld eine starke eriandzcnträle errichtet worden, durch die Berlin "ne ganze Reche von Städten mit elektrischem Versorgt werden. Diese Zentralisierung der Hut ihre Vorteile, aber auch ihre Nach- cen * rv.te letzteren muß jetzt Berlin schmerzlich spü- (g‘, *-*n_n ein einziger Hcboldruck im Bitterfelder durch terroristische Maßnahmen der uneniwegtcn j=l‘PQttei erzwungen, genügt, um die ReiclMaupt- tn unkel zu setzen. So empfehlenswert also
Deutsche Nationalversammlung.
Sitzung vom 17. Oktober.
Die Sitzung beginnt mit Anfragen. Stuf Anfrage Dr. Mumm erklärt die Regierung, daß die Zentrale für Hei- matdie, st für die Regi«.ungshandlungcn Verständnis zu finden suche und die Entschädigung der Landgemeinden für ihre Mehrausgaben durch die Zwangswirtschaft aus Mitteln der Kriegsgesellschaften, Mc der Abg. Astor (Z.) wünscht, wird regierungsseitig als nicht angängig bezeichnet.
Es folgt die Fortsetzung der Beratung des Haushalts de» Innern.
Es kam dabei zu hefttgen Zusammenstößen zwischen dem Reichswehrminister Noske und den Unabhängigen.
Veranlassung dazu gab eine von wüsten Uebertret* Bungen strotzende Rede der Frau Zieh von der äußersten Linken, die es fertig bekam,. die in der Sache wie in der Form entgegenkommende Programmrede des Ministers Koch in eine Kampfansage an die Arbeiterschaft zu verdrehen, und die maßlose Angriffe gegn Noske richtete. Wenn man ihren Worten Glauben schenkt, so wären die Unabhängigen und ihre Freunde lammfromme Engel, deren sanftes Gemüt nur durch den wüsten Noske in Erregung versetzt ist. So soll Herr Noske ganz grundlos eine Gutes wirkende und rein pädagogische Zeitschrift systematisch zum gewaltsamen Widerstand aufgefordert und in ihrer letzten Nummer vor dem Verbot auf dem Titelblatt die Äuflchrift gbracht hatte: „Der Staat als Mörder". Von gleicher Wahrheitsliebe waren die anderen Behauptungen erfüllt, die von der Rednerin mit gellender Stimme in den Saat geschrien wurden.
Reichswehrminister Noske wies die Ungeheuerlichkeiten der aufgeregten Frau mit überlegener Ruhe zurück. Er trug erdrückendes Beweismaterial dafür vor, daß die Unabhängigen und ihre noch weiter links stehenden Gruppen aus dem ursprünglich rein wirtschaftlichen Metallarbeiterstreik politisches Kapital zu schlagen suchten und daß sie dabei vor den gröbsten Täuschungen der Oeffcntlichkeit nicht zurückschrecken. Insbesondere ist mit faustdicken Lügen gearbeitet worden, um die lebenswichtigen Betriebe in den Streik hineinzuziehen. Den Bitterfelder Elktri- zitätsarbeitern hat man vorgeredet, daß in Berlin gestreikt würde, und die Berliner Elektrizitätsarbeiter hat man durch den Hinweis auf den Streik in Bitterfeld • zur Arbeitseinstellung veranlaßt! Und wo selbst diese Mätzchen nicht ausreichten, wurde ganz offen zum Mittel der brutalen Gewalt gegriffen. Sn Berliner Krankenhäusern kann heute nicht operiert werden, weil die Ge- nofien der Frau Zietz die Kraftwerke lahmlegen. (Lärm, Zurufe, Ordnungsruf an den Abg. Geyer.) Ich hoffe die Kraftwerke ht Gong zu bringen, auch das in Bitterfeld. Wer weiter den Versuch macht» lebens wichtige Betriebe zu stören, wird mit Gefängnis bis ,u einem Jahre bestraft roerben. (Bravo!) Außerdem werden die, die solches versuchen, mit groß» t r Beschleunigung hinter Schloß nn; Rie- ge! gesetzt werden. Ich werde Leben und Gesundheit so vieler Tausender zu schützen wiffen. (Starker Beifall. Lärm bei den Unabhängigen.)
Abg. Frau Zieh (Unabh.) meldete sich sofort wieder zum Wort, nm die Schuld am Metallarbeiterstreik den polizeilichen Maßnahmen zuzuschreiben. „Noskes Streik- brcherorgamfation" kritisiert sie mit kreischender Stimme; ein Zeichen, daß sie die Wirkung der amtlichen Nothilfe nicht unterschätzt. Nur eins kommt ihr feltfam vor: daß Noske nicht schießen läßt.
Noske» Antwort, die er der unabhängigen Wortführerin sofort erteilt, hat Hörner und Zähne. Die Regierung beschränke sich auf die Abwehr von Gewalttaten, und daran werde sie festhalten. Jeder Versuch der Unabhängigen, eines Tages einen Umsturz herbeizuführen, werde die Regierung mit entschlossener Gegnerschaft auf dem Plane sehen. Dem fortgesetzt dazwischenschreienden Abg. Henke rüst Noske mit schalkhaftem Lächeln zu: Herr Henke werde das Loch schon finden, wo er im Falle, daß die Sache für ihn brenzelig wird, feine Haut in Sicherheit bringen kann. Henke dient mit einer sackgroben Bemerkung, die ihm einen Ordnungsruf eintränt. Der Ministci stellt fest, daß unter den Folgen der istrefthetze lediglich die Arbeiter und arme Teuf el zu leiden haben. ■ Was Frau Zieh und ihre Anhänger gegen Andersdenkende verüben, fei tausendmal schlimmer als die reaktionärsten Streiche des alten Regimes. Noske versprach be.< Berlinern mit einer imponierenden Ent» schlosi-rcheit, daß er sie vor den schweren Schäden, die die verhetzten Streikenden ihnen zugedacht hätten, b-wah- ten werde.
Nebenher gingen Streitigkeiten zwischen Noske und dn Unabhängigen (Beyer, Vater und Sohn, welche Sach
sen in die Nationalversammlung entsandt hat. Der junge Geyer, der sich in unsympathischer Eiklhti.auf feine afo> deutliche Doktorwürde berief, als Birafifc;n‘ sie einmal zu erwähnen vergessen hatte, ist der S)M, oer an der Spitze des Leipziger Arbeiterrates etmge Monate lang Leipzig in Schrecken gehalten hat, bis°"dlch Gj neral Mercker für Dränung jorgte. Der alte Geyer ft der Hauptdekisigte an der bekannten 4 00000 Mark- Erpressung gegen bcn Leipziger Oberbürgermeister. Es war Minister Noske leicht, mit b,el£J*'6.?“ rebnern, die sehnsüchtig auf die „neue Revolution Hof- en, die die anderen machen, Abrechnung 5" sckten.
Die Auseinandersetzung mit den Unabqanorg n ging noch eine zeitlang weiter. Frau Zieh und Henk« und der nur bei feltenen Anlassen austretende Abg. Laukant von den Unabhängigen ließen sich noch vernehmen. Es flogen weiter die lieblichst n Ausdrücke umher, — „Lii e", „Gemeinheit", „Frechheit, unb ähnliche „heiten" - dazu nab es em die Schuld aus. wiegendes Quantum von Ordnungsrufen de» Präsiden, ten" Beifall, Lärm und' wieder Beifall bis Her« Henke, kreidebleich vor E-regung. die Aussprache be. icbliesien durfte. Von Be am ist vielleicht noch die Aeutzerung des Sozialdemokraten Krüger daß die Mehrzahl der Arbeiter die neu eingerichtete Nothilfe bei Streiks nicht als Streikbruch, sondern als etne durchaus berechtigte Maßnahme ansteht. .
Der Rest des Etats wurde ohne wesentliche Aus- ^^Jn?ornerückter Stunde kam noch der: Etat deS Arbeitsminister» an die Reihe. Abg. Frau Dr. Lüders, Me Nachfol ierin N iumanns in der Nntwn iweri.a nm- lung, trat für Beseit, lung von Mtßitanoen auf dem Gebiete der Frauenarbeit ein.
Samstag: Fortsetzung.
Wa? ist in dem verflossenen Jahre im Wiederaufbauen geleistet worden? Die Wabl zur Nationalversammlung war ein Schritt zur Erlösung aus dem Trümme. selbe, und die Fertigstellung der Reichsver» faftung mag man als Fnndameniierung begrüßen. Aber wer die e Errungenschaften feiern will» muß bis zu dem betreffendem Datum nach monatelang warten
Am 9. November ist nichts Positives zu entdecken. Oder fall die Bildung der provisorischen Re- gie'ung mit dem Gemisch von Unabhängigen und Mehrheitstozialisten festlich begangen werden? Ach, das war eine Mißoeburt, die lehr bald sich als lebens- nnfäiig erwies. Nur Adoff Hoffmann und seine Genossen weiden mit einem gewiften Stolz auf die ersten Wochen der neuen Aera zurückblicken, weil sie da als Exzellenzen wirtschaften konnien. Zugleich aber wird die Erinnerung ihren beißen Eifer, die Vlackl wieder zu erringen, noch glühender machen.
Die geplante Ueberrevolntion ist im verflossenen Jahre noch nicht zum Erfolg gelaunt; doch die Putsche und Streiks haben uns genug Schaden gebracht.
Die F?st limmnng ist spärlich verbreiiet und zum großen Teil aus parteipolitischer Taktik erlünitelt. Aber weit verbreitet nur zu echt ist die Unzufrie- denheit. Die Bilanz des ersten R'valutiansjahres führt zu bitteren Enitäuschungen und nach bit eien morgen. Auch in den Kreisen de: Arbeiter, die noch klar denken.
Wird die Unzufriedenheit sich in ahsehbarer Zeit wieder legen? Schwerlich, denn der Friedensvertrag, der jetzt in Rechtskraft tritt, wird uns neue Bedrückungen bringen, und die denkbar beste Regierung kann nicht verhindern, daß eine u n- geheure Steuerlast auf die ganze Bevölkerung fallen muß und die unbeschreiblichen Wirren fort» dauern.
In bt.-fer Not unb Angst politische Feste zu feiern, ist ein Un sinn und wird zur weiteren Erbitterung und zur Verschärfung der Gegensätze führen.
Tas Kind, tieften Jahrestag geräuschvoll be- ganaen werden soll, ist totkrank. Warten wir mit der Feierlichkeit, bi? das Kind gesund ist. Jetzt ist die Stimmung mehr auf Trauerkränze als auf Ge- burtstagSsträüße gerichtet.