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I Verlag der Fuldaer Actlendruckerel in Fulda. ^els monatl. I 46.

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ermöglichen.

einzusehen, daß Deutschland auch

Budapester Po- dem ehemaligen

Hr 3V7 I Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Karl Schütte, IDigtMCtiftflr 14 1919.

flr. 4 J fr♦ I für die Anzeigen: I. Parzeller, Fulda. Rotationsdruck. I VtKilJluq VRIUUVV

AmcrÜa auswandern, wie da? schon früher geschah. Aber das können sie nicht, deshalb bleiben sie in den baltischen Ländern, sie wollen dort Land, Wohnung und Arbeit haben. Ihre Wünsche sind keineswegs poli. tischer Arr und haben mit der Wiederherstellung der deutschen Monarchie nichts zu nm.

Einigung in der Fiume-Frage?

Eine Entspannung in der Fiumefrage macht sich bemerkbar. England und Amerika haben zur Be­ruhigung Italiens offiziös ihre freundschaftliche Ge­sinnung beteuern lassen. Voraussichtlich wird eine Einigung auf der Grundlage möglich, daß aus Fiume und Umgegend ein Pufferstaat errichtet und von Italien als Beauftragter des Völkerbundes Fiume verwaltet wnd. Es besteht nur eine Schwie­rigkeit, nämlich d'Annunzio zum Abzug zu bewegen. d'Ännunzio aber macht was er will und hat sich bisher auch noch nicht einen Deut nm Befehle und Anordnungen sowohl der italienischen Regierung als der Entente-Machthaber gekümmert. Obendrein ist ein allgemeiner Aufstand in Albanien aus­gebrochen, der seine Ursache in der Besetzung Fiumes durch die Italiener hat. Zur Einigung wird man deshalb wohl eine andere Grundlage finden müssen, bei der auch Südslawen und Albanier ein Wort mitreden.

Ein Brief des früheren Kronprinzen.

DieTägliche Rundschau" veröffentlicht einen Brief des früheren Kronprinzen Wilhelm vom 16. August 1919 an seinen früheren Ordonnanzoffizier, Rittmeister Rappberg. In dem Briefe heißt es:

Sie erinnern sich sicher noch unserer Gespräche nach der Schlacht an der Marne, die nur durch die Kopflosigkeit und da? Versagen der deutschen Obersten Heeresleitung zu einem so ernsten Mißerfolg wurde. Schon im Herbst 1914 sah rch ein, daß der Krieg, rein militärisch, nicht mehr zum erfolgreichen Ende geführt werden konnte. Meine Ansicht, daß darum ein bal­diger Friede anzubahnen sei, habe ich oft genug zum Ausdruck gebracht. Ich habe auch einen vergeb, lichen Kampf gegen die meines Erachtens unrichtige Behandlung unserer öffentlichen Meinung gekämpft, denn ich sah, daß wir schon lange in einem verzweifel­ten Kampfe stanoen. Je länger der Krieg dauerte, umsomehr muhte ich erkennen, daß die einfachste Voraus- sehung für eine glückliche Beendigung des Kampfes, nämlich eine zielbewutzte politische Leitung, welche gegenüber der Energie unserer Gegner ganze Entschlüsse gefaht hätte, überhaupt fehlte. Niemand kann sagen, ob und wann Europa zur Ruhe kommen wird. Das kann meines Erachtens nur dann geschehen, wenn eine Lösung gefunden würde, welche den Inte­ressen aller Nationen, soweit als irgend möglich gerecht wird, und welche die Sicherheit gegen epneute Kriege in sich trüge.

gegend geraubt.

Tie Wiener Kohlennot. Am Sonntag ruhte infolge der Kohlennot der gesamte Personenverkehr auf allen Bahnen. Auch im Straßenbahnverkehr in Wien waren außerordentlich große Beschränkungen zu verspüren.

200 000 Denlsch-Oeslerrelcher in Sibirien. Die Freie Vereinigung der Mütter und Frauen von öster­reichischen Kriegsgefangenen in Rußland richtet an die Frauen der ganzen Welt den eindringlichen Hilferuf, angesichts des sechsten Winters seit Kriegsbeginn, sich des Loses der 200 000 in Rußland, Sibirien und Tur­kestan noch immer gefangen gehaltenen Deutsch-Oester- reicher anzunehmen und der Verzweiflung ihrer An. gehörigen' eingedenk zu sein.

Ter zweite Geiielmordprozeß Vor dem Mün­chener VolkSgericht begann gestern der zweite Prozeß weaen der Ermordung der Geiseln unter der Rare-

Dos deutsche Lehrpersonal für Dampfpflüge, das auf den Wunsch Frankreichs bereits zusammengestellt war, ist nachträglich von der französischen Regierung wieder abgelehnt worden.

Geldverschiebung aus telegraphischem Wege. Der Telegrammverkehr wird jetzt ebenfalls zu Geldver­schiebungen ins Ausland benutzt. Im Verkehr mit Schweden hat man beobachtet, daß wiederholt Tele­gramme mit vorausbezahlter Antwort für eine un­verhältnismäßig große Zahl von Wörtern, z. B. 800, aufgegeben werden. Für ein derartiges Antworttele­gramm sind hier 320 Mark einzuzahlen. Der (Emp­fänger gibt die Antwort nicht auf, sondern fordert den

Lohnaufbesserung, Hebung des Markkurses im Saar­gebiet, Senkung der Lebensmittelpreise, Aufhebung des Paßzwanaes, Freilassung der verhafteten Vertrauens­leute und" strenge Maßnahmen gegen Wucherer und Schieber. Der General versprach die Erfüllung der Forderungen und gab nach Anhörung der Kommission Befehl, die gefangenen Vertrauensleute sofort in Frei­heit zu setzen. Unter Jubel ihrer Kameraden verließen diese das Arrestlokal. Die Eisenbahner des Saarge­biets haben daraufhin die Arbeit wieder a u f g e - nommen unter dem Vorbehalt, daß sie fest, darauf vertrauen, daß die von General Andlauer gegebenen Versprechungen eingelöst werden. Die Hüttenarbeiter verharren dagegen noch im Ausstand.

Zusammenstöße in Kaiserslauter«.

Die Pfalzzentrale meldet, bei den Kundgebungen in Kaiserslaurern am 8. und 9. Okt. infolge der Verhaftung von 5 Arbeitervertretern sind franzö­sische Offiziere und Soldaten verprügelt worden. Französische Truppen schossen dabei auf die Menge. Ein 19jähriger Arbeiter wurde durch einen Keckenschuß getötet. Sechs andere Personen, darunter gänzlich unbeteiligte Frauen, wurden mehr oder minder schwer verletzt.

Spartakisten im besetzten Gebiet.

Reuter meldet an? Aachen: Die Verfolgung und Verhaftung von Spartakisten in der belgischen S3- atzungszone dauern fort. Jzu Verlaufe von acht T«. gen sind etwa 20 Spartakisten verhaftet worden. Man fand bei ihnen Pamphlete, in denen die Proletarier zur Revolution gegen die Bourgeoisie und Besatzungs­behörden aufgefordert werden und die belgischen Sol­daten gegen ihre Vorgesetzten aufgercizt werden.

D!e Lage im Saargebiet.

In St. Ingbert, Saarlouis, Saarge- m ü n d und D e t t w e i l e r kam es zu lebhaften Un­ruhen und Plünderung. General Andlauer hat in­folge der Plünderungen das Standrecht verkündet.

Im Anschluß an die Unruhen in Saarbrücken, über die wir vor einigen Tagen meldeten, wurden bis- her 400 Personen festgenommen, bei denen geraubte Waren gefunden wurden. Außerdem sind auf Befehl des französischen Generals Andlauer sämtliche Krie­gervereine, Schützenvereine und Vereinigungen ehe- maliger Miliiärpersonen im gesamten Saargebiet auf­gelöst worden. Die Vereine sollen spater neugegründet werden, und zwar nach Art der Vereine der Kriegsbe­schädigten. ,

Inzwischen haben erneute Verhandlungen der Ar­beiterführer mit General Andlauer, dem obersten Verwalter des Saargebiets, stattgefundew Große Massen Streikender zogen vom Rathause vor seine Wohnung, wobei eine Abordnung der Arbeiter dem General ihre Forderungen vortrug: Genügende Be­lieferung von Kohle und Kartoffeln zu billigen Preisen,

gesetzt sind. / .

Amerikanisches LicSekwerk. Die erste große Liebesgabensenduna von kondensierter Milch ist aus den Vereinigten Staaten in Berlin emgetioffen. Viele Millionen Büchsen Milch werden im Laufe des Winters zu erwarten sein. Inzwischen sind beim Roten Kreuz die erfreulichen brieflichen Nachirchten aus Newhork, Philadelphia, Chicago, Baltimore, St. Louis, San Franzisko usw. eingelanfen, die im ganzen von der regen Tätigkeit der ameriiamschen Stammesverwandten und Freunde für unsere Heimat berichten. Arik den in Aussicht gestellten Stiftungen follen nur zwei als typisch erwähnt werden: Dte Unterbringung von tausend fuberlulojen deutschen Kindern für Drei bis vier Monate in der Schweiz durch Newhork, die Einkleidung von fünfzigtausend bedürftigen deutschen Kindern durch San Franzisko.

wolieinfp.hr aus England in Sicht? Aus England wird gemeldet, daß das Kriegsamt die Absicht habe, die Ausfuhr von Wolle nach Deutschland zu gestatten. Die Wolle stammt aus den englischen Kolonien und ist Eigentum der englischen Regierung. Es bestehe eine derartig große Anhäufung von Rohbaumwolle in Eng­land, daß cs an der Zeit sei, Deutschland mit diesen Rohstoffen zu versorgen, um auch hier der, Textil­industrie einen Wiederaufscywung zu Die Engländer beginnen anscheinend eine wirtschaftliche Verständigung mit für sie sehr zweckmäßig ist.

Szomuelys Schatzkammer. Die lizei entdeckte im Hotel Htmgaria, . ,

Sowfethaus, eine Kiste, worin eine halbe Millton (Selb, ferner silberne Eßbestecks im Werte von einer halben Million, zahlreiche Wäschestücke und Kleider mit vielen fürstlichen und gräflichen Monogrammen, so­wie viele antike Gegenstände und Kirchengeräte vor­gefunden wurden. Diese Schätze hatte Ladislaus Szamuely einem der Häupter der ungarischen Räte­regierung, der bekanntlich beim Sturz dieser Regie­rung durch Selbstmord endete, in Kaloesz und Ilm«

Der Berliner Melallarbeilerslreik.

Die Lage in der Berline- Metallindustrie ha' sich nicht geändert. Grundsätzlich haben sich beide Parteien zu Verhandlungen bereit erklärt, während aber der Me­tallarbeiterverband verlangt, daß die Verhandlungen nach Gruppen erfolgen, lehnt der Verband der Metall- industriellen diesen Gedanken ab, da viele Firmen Ar­beiter beschäftigen, deren Einreihung in eine bestimmte Gruppe sehr schwierig fein würde. Der angedrohte Sympathiestreik der Maschinisten und Heizer würde zur Folge haben, daß nicht nur große Teile der Ber­liner Metallindustrie zu Stillegungen gezwungen wür­den, er würde auch die gesamte Wasser-, Gas- und Elektrizitätsversorgung Berlins ernst­lich gefährden. Die Regierung ist deshalb fest ent­schlossen, falls es soweit kommen sollte, die Hilfe der vor einiger Zeit gegründetentechnischen Nothilfe" in Anspruch zu nehmen, um die unbedingt lebenswichtigen Betriebe im Gange erhalten zu können.

Die Regierung gegen die Berliner Nnabhängige«.

DieUnabhängigen Sozialdemokraten" Berkins hat­ten für Dienstag 80 Versammlungen einbe- rufen, in denen gegen das Dreitageverbot derFrei- beit* protestiert werden sollte. Für diese Versamm- lungn hätte nach den Vorschriften des Gesetzes späte, sdens bis Sonntag abend die Genehmigung nachgesucht sein müssen. Das ist nicht geschehen, deshalb hat das preußische Kabinett die Versammlungen nicht geneh- migt. Es war für dieses Verbot auch der Umstand maßgebend, daß die 80 Versammlungen als eine Her. auSforderung der Regierung aufgefatzt werden müß- ten, die die Negierung nicht hinnehmen bürte.

Betrag in schwedischer Währung, wobei der Wäh­rungsunterschied ausgenutzt wird. Um btefem Miß­brauch zu begegnen, hat das Reichspostimmsterium jetzt die Zahl der vorausbezahlten Wörter tm Setegramm« verkehr mit Schweden bis auf weiteres auf 30 be. schränkt. Weyn im Verkehr nut anderen Lander- ähnliche Wahrnehmungen gemacht werden, s:nd ou Postanstalten angewiesen, dies zu melden.

Neues Kohlenabkommen mit Holland. Mit Holland wurde ein neues Kohlenabkommen g<> ttoffen, wonach die aus dem Ruhr-Koblenrevrer nach Holland zu liefernde Kohlenmenge um 50000 gönnen auf 140000 bis 150 COO Tonnen erhöht wird. Die Transportmittel werden größtenteils von Holland gestellt.

Diedeulfche Unzuverlässigkeit". Eines der grotz- ten Industrie-Unternehmen Württembergs, die B oj ch- Werke in Stuttgart, teilt mit, daß es große Aus- landsaufträge nicht annehmen könne, meil, für dtp deutsche Unzuverlässigkeit", d. h. für. die nicht recht- zeitige Lieferung, ungeheure Konventionalstrafen am

Die neuesten Entente-Noten.

Die Stellungnahme der deutschen Regierung.

Die Reichsleitung hat bisher zu den beiden Noten 6er Alliierten noch nicht Stellung genommen, doch jvtrb in den Kreisen der Regierung die durch die beid n Noten geschaffene Lage als eine E n t sp a n n u n g d e r L a g e angesehen. Denn so schroff und verletzend 6ie Note des Marschalls Fach über die Räumung Kurlands in ihrer Sprache auch ist, so ist in ihr doch immerhin ein gewisses Entgegenkommen von feiten der Entente zu erkennen. Einmal werden in der Note, trotz der Vorwürfe, die sie enthält, die von der deutschen Regierung im Baltenlande getroffenen Maß­nahmen als zweckentsprechend anerkannt, zum andern erklärt sich die Entente bereit, durch die Entsendung einer Kommission sich über die Zustände zu unterrich­ten. Der Ausschluß Deutschlands aus der Kommis­sion ist freilich ein Mißtrauensvotum und eine Demü­tigung Deutschlands. Aber trotzdem kann es der Auf- . tlärung und Verständigung dienen, wenn die Entente Leute zur Untersuchung enffendet, vorausgesetzt, daß sie den ehrlichen Willen haben, sich mit eigenen Augen und Ohren, unter all,eiliger Information von der ver­worrenen Sachlage ein richtiges Bild zu verschaffen. Die zweite Note der (Entente, die Deutschland zur Mit­wirkung an der gegen Rußland geplanten Blockade Rußlands einläbt, entspricht in ihrer Fassung den Bräuchen internationaler Höflichkeit. Die Regierung wird nicht umhin können, ihre Stellungnahme zu den darin gemachten Vorschlägen bekannt zu geben. Daß Deutschland sich dazu verstehen sollte, sich an Maßnah­men zu beteiligen, die auf die Verhängung einer Hun- aerblockade über Rußland hinauslaufen würden, ist ihm nach den Erfahrungen, die es fünf Jahre lang mit der Hungerblockade machen mußte, undenkbar. Aber es bleibt einem Vorgehen doch die Frage zu prüfen, ob eine über Rußland verhängte Blockade tat- . sächlich die Wirkung einer Hungerblockade ha­ben würde. Zu prüfen wäre ferner, ob ein Vorgehen, wie es von der Entente geplant ist, in Einklang zu bringen ist mit den Bestimmungen des Völker­rechts und dem Geist und den Grundsätzen des neu geschaffenen Völkerbundes.

Alle diese Fragen tonnen nur in einer allgemeinen Aussprache geklärt werden, an der sämtliche inter­essierten Nationen, außer der Entente also auch wir und die Neutralen, teilzunehmen hätten. Es ist zum mindesten wahrscheinlich, daß die deutsche Regierung in ihrer Antwort an die Alliierten die Anregung zu einer solchen Aussprache geben wird. Daß Deutschland kein Interesse daran hat, den Bolschewismus irgendwie zu stützen und zu fördern, daß es sich tm Gegenteil an allen Maßnahmen, die eine wirksame Bekämpfung des Bolschewismus darstellen, beteiligen wird, muß nach der gesamten Haltung, die Deutschland und seine Be­völkerung stets eingenommen hat, als selbstverständ­lich gelten. Aber freilich, ob die von der (Entente ge­plante Blockade ein wirksames Kampfmittel gegen den Bolschewismus ist, das ist ohne weiteres nicht sicher, und auch darüber müßte in der Besprechung mit den beteiligten Mächten Aufklärung geschaffen werden.

Eine Unterredung mit v. d. Goltz.

Der Korrespondent des LondonerDaily Expreß" hatte in Mitau eine Unterredung mit dem Grafen v d. Goltz. Dieser erklärte, er sei van der deutschen Regierung abberufcn worden, die deutschen Truppen ober würden bleiben. Wäre es Ihnen biefieidTt, lieber, so sagte der Graf, daß in ein vaar Tagen nicht die deutschen, sondern die russischen Soldaten dort wären? Die deutschen Truppen in den baltischen Ländern sind nicht länger als Deutsche zu betrachten, und mit der deutschen Regierung haben sie nichts zu tun. Sie Iverden niemals nach Deutschland zurückkehren. Sie sind Russen und nicht Deutsche. In Deutschland ist für sie keine Arbeit, keine Nahrung vorhanden. Die Fabriken stehen still wegen Mangels an Rohmateria­lien. Für die Offiziere gibt e§ in den? kleinen Heere, zu dem uns die (Entente gezwungen hat, keine Stellen. Die Leute müßten herumvagechundicren oder nach

Der Schatten.

Roman von Arthur Winckler -Tannenberg.

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Welch in des Wortes bestem Sinne vornehme Men­schen wohnten dort!

Ferdinand von Evens, der alte Kammerherr, der Wirk- llcher Geheimer Rat war und den Titel Exzellenz trug, ©ar gor nicht gepanzert und belastet durch diese äußer- Üchen Würden, sondern er machte den Eindruck eines schlichten, flohen Menschen. Herzensgute und Ziwerläs- , fistelt sprachen aus seinen freuen hellen Augen. Der weiße buschig« Schnurrbart gab dem Gesicht etwas Kriegerisches, bos bann und wann sich mit weichen Regungen zu ftrei- tm schien.

Hertha von Evens, seine Frau, war zwar sehr würdig, sehr gemessen, wenn es sein mußte, aber offenbar nur bann, denn sie fühlte sich nie glücklicher, als wenn sie. der Residenz entronnen, in Metzingen selbst Königin sein konnte. Dann wurde sie ganz zur Landedelflau, die sich fi*r alles interessierte, für Kalb und Kuh. für Huhn und Hahn, für Feld und Garten. Dazu kurierte sie eine eifrige Verfechterin der Homöopathie, mit ihren Elosröhrchen Meilen in der Runde, stets in stillem und harmlosen Kriege mit dem Kreisarzt, der ihr versprochen hatte, den Sonzen Pillenkram ohne Schaden oder Nutzen in einer <JM<f)e Aßmannshauser zu genießen.

Arid bann war Konrad, der Sohn, ber dritte tm Bunde.

Ein frischer natürlicher Mensch damit wäre er äußer- beschrieben gewesen. Er hatte etwas von dem Froh­mut des Dafers und von dem noch Betätigung drängenden praktischen Sinn der Mutter.Dabet nannten ihn beide »aus der Art geschlagen", denn er besaß noch etwas, das Don der Ahnenreihe her sie übersprungen haben mußte rme zwingende Sehnsucht nach Vertiefung, nach ernster, welfwürdtger Leistung. Auf eine Gelehrtenlausbahn, nach es ihn zog, hatte er als künftiger Maforatsherr und ^»rzlger Sohn verzichten müssen. Aber in einem Flügel «s Schlosses hafte er sich eine Art wissenschaftlichen Tus- mlutns eingerichtet: eine wertvolle Bibliothek in der die Achter Dormogen, und eine kleine Sternwarte. Wie sich b°s innig verwob, die strenge Gesetzmäßigkeit des Ster- "'"Umlaufes und der freie Flug der gottbegnadeten Poesie! Lhm wenigstens ergänzte es sich.

Und bei alledem war Konrad von Evens nicht einen Augenblick Gelehrter mit irgendwelcher pedantischer Eigen­art. Ms Wissenschaftler lernte ihn nur kennen, wer selbst in gleiche Tiefen forschend stieg, und ihn mltzog, als Dich­ter nur, wer das goldene Geläut bi eigener Seele an« schlug und bei ihm das Echo weckte. Darin war er eine zögernde Natur, war er vor lauter Gründlichkeit scheu und verschlossen.

Wer ihm oberflächlich näher trat, dem blieb er nur ein kluger, natürlicher, frischer Mensch.

Dorthin war Inge gekommen.

Inge mit ihrer versonnenen Seele, aus ber es doch auch leuchtete wie aus krlstallheller Wassertiefe.

Sie mußten sich finden.

Und sie fanden sich in ber ersten Stunde.

Schon damals, als Konrad in Süllenböck sich auf dem Pferde grüßend zurückgewendet hatte in Geschmacks- Übereinstimmung mit Triglaw, wie Babette behauptete schon damals mars ihm gewesen, als habe er einen wundewollen Fund getan, den er nie wieder verlieren dürfe.

So in stiller Selbstverständlichkeit schlossen sich zwei Menschen aneinander, die Denken und Fühlen, Sinnen und Streben füreinander bestimmt zu hoben schien und die sich nur kennen zu lernen brauchten, um sich zu lieben.

Der Zufall oder nenne mans Schickung Haffe geholfen, wie er ja immer zu helfen pflegt.

Der Kammerherr kannte keinen Besuch Roderich- Iochens ohne eine Schachpartie. Sie regten sich zwar beide vor Ehrgeiz etwas auf, aber es mußte fein. Wenn der Kafseetifch vorüber war, stellte Jean auf der Maha- gonipfatte zwischen den Klubsesseln die Figuren auf und rückte den Zigarrenständer mit Auswahllisten daneben. Auf einige Stunden waren der Kammerherr und Roderich- Jochen bann untergebracht. Man war das gewöhnt, und versuchte nichts daran zu ändern.

Frau Hertha von Evens aber machte ein Nickerchen nur zwanzig Minuten und in dieser Frist langweilte sich Babette furchtbar mit Konrad. Er sei der einige Mensch auf Gokes Erdboden, sagte sie, ber ihr Deutsch nicht verstehe in Wahrheit ihrem Humor zu kühl blieb. Er hörte ihn zu sorgfältig und zu abwägend an.

Mit vollendeter Höflichkeit lachte er zu ihren Schnur­ren. Aber gerade das war die Wirkung, die sie nicht wollte. Eine abscheuliche Ueberkegenheit lauerte hinter diesem Beifall. Nein, das mochte sie nicht, und fie roax

froh, wenn die zwanzig Minuten zu Ende gingen und Mama Evens mit ihr durch alle Ställe zog, ihr das Neueste, Schönste zu zeigen.

Und diesmal welch Glück: Frau Hertha von Evens . erklärte, die letzte Nacht von ihrer sonstigen Schlaflosigkeit völlig befreit gewesen zu sein, und daher heute gar keiner Mittagsruhe zu bedürfen. Außerdem gäbe es zwölf Fer­kel, rosa wie Zentifolien, die müsse Babette gleich sehen.

Natürlich mußte Babette das. Dir erklärte, Zenti- sollen in jeder Gestatt zu lieben.

Frau Hertha und 5k bette gingen zuerst.

Dann verneigte sich der Kammerherr höchst ritterlich vor Inge und erbat die Destätigung, daß sie sich für Schach gar nicht interessiere, wahrend Roderich-Jochen schon di« Zigarren musterte.

Konrad und Inge lächelten einander an.

Und mir. gnädigstes Fräulein?" sagte er.(

Müssen uns selbst helfen", gab sie offen zurück.

Das wollen wir. Dorf ich Ihnen den Park zeigen? Er ist niemals schöner, als wenn der Herbst ihm das bunte Sterbekleid umhängt."

(Bern, Herr von Evens."

Und bann waren sie die Steintreppe hinabgestteoen und über die gelben Kieswege, auf denen schon das erste ! welke Laub raschelte, zu einem See gewandert. Ein ' morscher Kahn hatte dort gelegen. lief versteckt unter einer Weide, die wagerechten Stammes aus dem Ufer» ranbe strebte und ins Wasser zu sinken schien.

Moosiger Stein, leise rauschendes Schilfrohr am ande­ren User und Über allem das flimmernde Herbstabend- licht, bas zu einem beglückenden tiefen Schlummer zu loden schien.

Inge stand verzückt.

Lenau-Stimmung!" flüsterte sie, als scheue sie bas eigene läute Wort.

Und ba war das goldene Geläut in fremder Seele angeschlagen, das in Konrads Empfinden bas erlösende Echo weckte.

Inge war in den alten Kahn gestiegen und setzte sich auf eine der morschen Duerbänfe.

Er wird nie benutzt dieser Kahn?" fragte sie.

Fast nie ich komme mal hierher aber selten, j Wer sollte es sonst." Er ließ den Blick schweifen, jWie recht Sie haben, gnädiges Fräulein. Lenau» ' Stimmung. Man wartet, dort aus dem Wald herüber

ein Posthorn zu hören oder von jener Wiese eine (Beige *

Und sie fernen auf die Dichtkunst, auf Musik zu sprechen.

Er hatte sich Ihr gegenüber auf die andere Duerbant gesetzt und erzählte Seine Seele wanderte durch Genaue kranken Pessimismus, während über den Teich die Däm­merung sank. Auf einmal wurde es silbern hell. Hinter bet schwarzen Waldwand war ber Mond emporgestiegen, der bleiche Vollmond, und tat Schilf begann ber Frösche Chor sich zu regen.

Ein alter, würdiger Kantor probierte feinen Daß« aus einer anderen Ecke antwortete jungfräulicher Diskant, und nun setzte der Gesang ein,die Parkmette", wie Konrad ihn nannte.

Inge erhob sich.

Es ist hier wunderschön, Herr von Evens, irotzde» denke ich, wir kehren heim."

Er seufzte..

Wie Sie beshlen, meine GnAllgste."

Da sagte sie schlicht und ehrlich:

Erscheint es Ihnen nicht wie ein Mißklang, Herr von Evens, wenn Sie hier in solcher Stimmungmeint Gnädigste" sagen?"

Wie ein befreiender Laut tönte es, ba er sagte:

Ja, Fräulein Ruskins, das ist's."

Da gab sie ihm Me Hand:

Lassen Sie uns gehen."

2n diesem poetischen Augenblick hafte es einen laufen Klatsch gegeben, und mitten in das Froschkonzert war ein schwerer dunkler Körper gefallen, der jetzt vom ande­ren Ufer herüberruderte.

»Das ist Fräulein Babettes Bote", sagte Konrad lächelnd.Sie hot zu Triglaw gejagt: Geh', such Herr­schen, und der, bei seiner Waflerschwännerei, hat den kür­zesten Weg genommen. «Sehen Sie, da ist er."

Und richtig, aus dem quirlenden Wasser fauchte der zottige Kops des Bernhardiners auf.

Er stieg ans Ufer und schüttelte sich. Ein Sprühregen ging von ihm aus, und Konrad mußte Ihn sehr energisch zurecht weisen, sonst wäre er mit seinen triefenden Pfoten freudig an Inge emporgesprungen.

Jetzt tollte er den dämmerig gewordenen Parkweg entlang vi verkündete ber Absenderin durch lautes Bellen das jen feiner Mission.

^Fortsetzung folgt,£