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Mschossworte gegen den Wucher.

In dem neuesten Hirtenbrief für die Erzdiözese Freiburg wendet sich Erzbischof Dr. Nörber gegen den Drrgnügungstaumel der jetzigen Zeit. Dann gei­ßelt der Hirtenbrief mit flammenden Worten den im­mer mehr einreißenden Wuchergeist, der, wie ee in fcem Hirtenschreiben heißt, gleich einer ansteckenden Krankheit um sich gegriffen hat. Eindringlich werdm die Landwirte ermahnt, ihrer Ablieferungspflicht nachzukommen und den Wucherern und Schiebern, welche die ländlichen Produkte zu hohen Preisen aus­zukaufen versuchen, die Türe zu weisen. In »rrbin- düng mit den beschwörenden Ermahnungen weist das Schreiben auch auf die verderblichen Folgen einer un-

K. Wochenhilfe rruv Wocheufürsorge.

Wegen des hohen Prozentsatzes der Kindersterbftchkei! Deutschland und des geradezu erschreckenden Geburttn-

Er stand auf, Bruno folgte seinem Beispiel.

In den oberen Räumen des alten Hotels war Bruno noch niemals gewesen und sah setzt staunend eine ge­diegene, altertümliche Pracht auf dem gewölbten Korridor und der breiten, mit reichem Schnitzwerk verziert« Treppe.

Herr Morse! war vorangeschritten und öffnete srtzk ein« große Flügeltür. Flutender Lichtschein siel heran« und mitten in einem fo® fertige« Zimmer unter funkeln­dem Kronleuchter stand ein glänzend geschmückter Tisch mit nur zwei Gedecken.

Sie belieben gütigst auf diesen Knopf zu drücken", sagte Morsel, sich vor Murray tief verneigend,und die Speisen werden gebracht, in der raschen oder gemächlichen Folge, die Sie beschien."

Murray sagte kurz:Danke". Der Wirt ging. Bruno stand noch immer wie geblendet.

Murray lächelte.

Erholen Sie sich, junger Freund, und nehmen Sie Platz. Ich drücke sofort aus den Zaubrrknopf. War da ein Mäichen ein altes deutsches, von einem gewissen Grimm, nicht wahr? Tischlein deck' dich. Was damals Hexerei war, ist heute WirklichkeÄ! Hübsche Entwick­lung, wte?"

Bruno, noch immer etwas befangen, hatte Platz ge- nomine«.

Das; dieser alte, große Kasten solche Gemächer und so viel gediezene Schönheit enthielte, hätte ich Nicht für möglich gehalten und ich bin seit sechs Iahrm ständiger Gaft", fegte er.

Geht oft so. die Bewohner einer Großstadt lernen deren Reize erst kennen, wenn st« sie Gästen aus der Provinz zeigen."

Der Kellner erschien. Die Speisen waren erlesen gut. Bruno schlürft« den teure« Sekt mit Behagen. Wer es immer s» haben könnte! Er dachte es nur. Aber der Stte las es Ihm vom Gesicht ob und war sehr befriedigt. So »eit hatte er ihn haben wollen.

Sie wünschten sich gesegnete Mahlzeit. Der Gastgeber wies aus ein dunkles Ecksofa, über dem eine Glühbirne mild und freundlich leuchtete, während rechts und links auf kleinen Tischchen Schlutzdelikatessen standen: Zigarren, Zigaretten, Liköre.

Er nahm dort selbst Platz und Bruno tat desgleichen.

Wer es immer so haben könnte! dacht« der junge, ar­beitsscheue Lebemann ohne die zu diesem Strafe gehörigen

Dentfchlands wirtschaftliche Lage.

Anfang Oktober 1919.

Die allgemeine wirtschaftliche Lage Deutschlands steht nach wie vor unter dem ungünstigen Einfluß drs

M 235.

Samstag, 11. Oktober 1919

Als er ins Hotelzimmer kam, rief ihm Tom Murray entgegen:

Allrrgch! Ich erwarte Sie, junger Freund!"

Und dann begann eine ereignisvolle Nacht.

7.

Murray nechm seinen Eckplatz in der Nische wieder et*. Mit einer Selbstverständlichkeit, die auf Grundsatz und Absicht schließen ließ. Und in der Tat bot gerade solch ein Platz Schutz gegen jeden unliebsamen Beobachter.

Bruno begriff dos ohne besonderen Aufwand von Schlauheit.

Sie spielten allein.

Und jetzt ging dem Jüngeren der ganze Zauber der Murrayschen Person und der volle Reiz des Spieles mit ihm auf. Eine verblüffende Sicherheit des Gedächtnisses, eine ungeheure Schnelligkeit der Gedankenverbindung und eine unübertreffliche Art, den Gegner geschickt irre zu führen, machten aus ihm den großen Meister.

Sie wechselten bi« Spiele.

Natürlich- verlor Bruno und fiebernd zählt« er die Mi­nuten, bis er würde bekennen müssen:Ich bin blank, das Vergnügen ist für mich aus."

Aber seltsam, so unentbehrlich ihm das Geld war, ihm, der zunächst sich von jeder Zufuhr abgeschnitten sah, mehr noch als der Verlust des Geldes schmerzte ihn der Gedanke, aus dem Bannkreis dieser eigenartigen Persönlichkeit ge- stoßen zu werden, ihr nichts mehr zu fein.

Stunden wareck im Fluge verronnen. Do trat der freundliche Wirt mit dem allerfreundlichsten Festgestchi, das er auszustecken vermochte, an den Tisch und flüsterte dem Tonginesen etwas zu.

Es ist gut mein Herr," sagte der.Nur dos Spiel zu Ende."

Als er zu Ende war, schob Murray die Karten zu- fomwte* n*b den Gewinnst mit einer eitrigen Bewegung in die Tasche.

Mein junger Freund", wandte et sich zu Bruno, stehe selbstverständlich zur Verfügung für Genugtuung. Aber nicht hier, wenns Ihnen recht ist. Habe in meinem Zimmer kleines Mahl für uns beide auftragen lassen. Ganz unter uns! Ich darf hoffen, daß Sie annehmen?"

Bruno verneigte sich.

Herr Murray, Sie überraschen mich aufs äußerlte. Es wird mir eine Ehre fein."

Also angenommen, gehen mir!'

Der Schatten.

Roman von Arthur Winckler-Tannenberg.

12] ----------

Bruno blieb stehen und lauschte.

Rasselnd und dröhnend klang das Schnarchen durch ELche und Flur. Von der Mutter war nichts zu fürchten.

Welch glänzende Eingebung, bi« ihm just vor dem Parfümerieladen gekommen war!

Er ging nach Onkel Salzmanns verlaflener Stube. Die Tür war unverschlossen, nach der Straße standen die Fcn- fter offen. Hier war nach der Nacht gelüftet worden.

Bruno nahm das Wachs heraus und knetete es zwi- den Fingern weich. Dann benetzte er bas Schloß Schreibtisches mit einem Schwamm, und endlich macht« n einen sehr sorgfältigen Wachsabdruck. Eine metallene Streichholzbüchse entleerte er ihres Inhalts und legte den Sbbrutf hinein. Jeder Schlosser muhte ihm nun den ge- wünschten Schlüffe! unfertigen können.

. Afe er auf den Flur zurücktrat, erklang noch unver- mindert laut das Schnarchen der Mutter. Er lächelte und ging in fein Zimmer. Jetzt konnte er mit Behagen 00 paar SturÄen ausruhen. Er war sehr zufrieden mit sich.

*

Die Sonne wollte eben untergehen, als Bruno er- ^ch!e. O, ihm war doch erheblich frischer! Gut gerüstet würde er mit dem Tongkinesen auf dem grünen Tuche um die Meisterschaft streiten.

Gut gerüstet, körperlich!

Denn inbezug auf Geld?

Er trat ans Fenster, durch das noch leidlich Licht her- «ndrong und öffnete die Brieftasche.

Teufel, hott« das abgenommen! Erst die vorige Rscht, _nn der mütterliche Raubzug. Es war furchtbar aufge­räumt worben unter des Onkels letzter vielleicht aller« !egter Spende. Da mußte Rat geschafft, bald Rai geschafft werden.

Mit verstärkter EniMossenheit versieh Bruno das Haus. Don der Schlummer-Arie der Mutter Härte et M)ts mehr, als er unter Vermeidung überflüssigen Ge- rauschez durch den Flur ging. \

_ bestellte beim Schlaffer im Dorübergehen den ge« Wünschten Schlüssel und schritt dann eilfertig dem See­bären zu.

geügenden Versorgung der Städte mit Lebensrnitteln, hin. Wenn zur Kohlennot noch die Hungersnot kommt, treiben wir Aufruhr und Bürgerkrieg entgegen und das Ende wäre der Untergang im bolschewistischen Charo. Weiter heißt es:Meine erste Bitte ist da­her, von heute ab keine Wucherpreise mehr zu fordern und kein Wuchergeld mehr zu nehmen. Meine zweite Bitte ist: Kommt Eurer Ablieferungs­pflicht auf das gewisienhafteste nach und gebt dazu noch alle entbehrlichen Nahrungsmittel zu einem ge­rechten Preis an die Dedürfttgen ab. Edel gesinnte Landleute sollten sich in jeder Gemeinde gegenseitig verpflichten, alle Wucherer und Schieber sowie Hetzer und Agitatoren, die den Landwirt bereden, seiner Pflicht nicht nachzukommen, abzuweisen." In dem bischöflichen Rundschreiben werden dann ferner noch der Wucher im Handel und die Arbeitsscheu gebrand- markt.

Sozialdemokratie und Religion.

Die Sozialdemokratie hat es eilig mit der möglich- ften Beseitigung des Religionsunterrichtes aus der Sckmle. Die Verwirklichung ihres Ideals, der völli- oen Entfernung des Religionsunterrichtes, ist zwar durch die Weimarer Verfassung ein Riegel vorgescho­ben, aber die Möglichkeiten, die die Verfaffung offen läßt, kann sie nicht schnell genug in dir Wirklichkeit pwsetzen.

s Das hat wieder die Stadtverordneten-Sitzung in D c r l i n am vorigen Dienstag bewiesen, in welcher eine st ü r m i s ch e Debatte über einen Antrag der ; Sibert sozialdemokratischen Fraktionen stattfand, der empfahl,den Magistrat zu ersuchen, dafür Sorge zu tragen, daß die Schulkinder auf schriftlichen Antrag der Erziehungsberechtigten ohne weiteres vom Re­ligionsunterricht befreit werden, und daß durch die Lehrer keinerlei Beeinflussung der Eltern und Kinder versucht werde".

Der Anttag wurde schließlich, da die Sozialdrmo- freien im Berliner Staütparlament die Mehrheit haben, gegen die Stimmen der bürgerlichen Parteien angenommen.

Ein grelles Schlaglicht auf die M i ß a ch t u n g der Rechte der Eltern gegenüber ihren Kindern und auf die Stellung der Sozialdemokratie zur Re- ligion überhaupt lieferte die Aussprache. Der bekannte frühere preußischeKultusminister" Adolf Hoff­mann führte dabei aus, die Kinder müßten möglichst bald aus dem Religionsunterricht heraus. Dex so­zialistische Lehrer Hübner gar meinte, das Zen­trum und die anderen rechtsstehenden Parteien redeten immer von dem Recht der Eltern auf die Kinder. Höher als das Recht der Eltern stehe die Pflicht der Eltern. Lollendete Gewissensfreiheit sei erst dann erreicht, wenn die Eltern jede religiöse Beeinflussung ihrer Kinder unterlassen. Die Eltern sollen ihre K i n- 6er selbst bestimmen lassen, wie sie es mit der religiösen Unterweisung halten wollen.

In der weiteren Aussprache legte der Lehrer Dr. ßammeri ch den Standpunkt des Zentrums in der Frage der religiösen Kindererziehung in der Schule mit aller Schärfe dar, oft unterbrochen von höhni­schen Zwischenrufen der Sozialdemokraten. Diese Zwischenrufe ließen so recht das Ziel der Sv- zialdemokraten in dieser Frage klar erkennen. Bei der Feststellung des Redners, daß das christliche Volk Ej gegen den Versuch, der Schule und den Kindern s Heiligste zu rauben, mit Händen und Füßen weh­ren werde, ertönten seitens der Sozialdemokraten laute Huh-Huh-Rufe, lautes Gelächter und Zurufe, die Ka­tholiken wollten das Volk verdummen. Der Redner fuhr fort:Wir stehen auf dem Boden des Gesetzes und öes Rechtes. Noch haben wir die k o n f e s s i o - Nelle Schule (Zuruf bei den Mehrheitssozialisten: Leider!) und wir werden sie auch behalten. (Zuruf bei den Unabhängigen: Das wollen wir erst .mal sehen!) Wir werden vor wie nach den Re- igonsunterricht in den Mittelpunkt des ge- amten Unterrichts stellen. Die konfessionelle Schule oll auch konfessionellen Geist atmen. Im Namen des christlichen Volkes rufen wir den Sozialisten zu: Weg mit Euren Lakobinerhänden von der christlichen Schule! (Große Unruhe bei den Soziallsten. Zurufe: Gur gebrüllt, Lowe!) So lange das Zentrum da ist, werdcn Sie den Rellgionsunterricht aus der Schule nicht verdrängen. (Zurufe bei den Mehrheitssoziali- ten: Abwarten!) Versuchen Sie es nur einmal! Uns­ere Eltern werden dann einfach die Kinder nicht mehr n die Schule schicken, sie werden mit einem allgemei­ner! S ch u l st r e t f antworten. (Gelächter bei den Sozialdemokraten.)" Die weiteren Ausführungen des Redners, daß die jüdischen Führer der Unabhängigen der christliche Religionsunterricht keinen Pfifferling an« Lehe, lösten bei den Sozialisten lebhafte Unruhe und Protestrufe aus.

, Die ganze Debatte zeigt, daß die Sozialdemokraten keinen sehnlicheren Wunsch kennen, als da, wo sie die Macht und die Möglichkeit haben, den R e l g i o n s - unterricht mit Stumpf und Stiel aus- zurotten, da nur ein religionsloses Geschlecht die materiellen Ziele der Sozialdemokraten verwirklichen wird zum Unheil der Menschheit.

rütfganges während des Krieges, sowie der hohen Ziffer der während des Wochenbettes an Krankheit erlegenen Frauen war ein sofortiger erheblicher Schutz von Mutier und Kind notwendig. Es mutzte mindestens ein Ersatz für die Kriegswochenhilf« geschaffen werden.

Dies ist in dem newen Gesetz über Wochenhilf« und Wschenfürsorge (vergl. Rr. ISO) unter Zugrundelegung der Ariegswochenhiffkdeftimmungen und durch einen wei­teren Ausbau derselben geschehen.

eDr Kreis der Anspruch habenden Wöchnerinnen muß in drei Gruppen zergliedert roerben:

1. Die Wochenhilse für die versicherten Wöchnerinnen.

2. Familienhilfe, d. h. di« Wochenhilf« für di« versiche- rungssreie-n Familiengsieder (Ehefrauen, Töchter, Stief- und Pflegetöchter) der Versicherten, die mit diesen in häuslicher Gemeinschaft leben.

3. Dochenhilfe für dieminderbemittelten" nicht unter die beiden vorgenannten Gruppen fallenden Wöch­nerinnen.

Die Leistungen für all« drei Gruppen sind gleich, so­fern nicht den versicherten Wöchnerinnen ein höheres Krankengeld als Wochengeld zusteht; ist es jedoch niedriger, so ist es auf 1,50 Mk. täglich zu erhöhen.

Die Wöchnerinnen erhalten:

1. Zu den Kosten der Entbindung 50 Mk. (seither 25 Mk.).

2. Beihilfe für Hebammendienste und ärztliche Behand­lung bei Dchwangerschaftsbeschwerden 25 Mk. (seit­her 10 v».).

3. Wochengeld täglich 1,50 Mk. einschließlich der Sonn« und Feiertage für die Zeit von 10 Wochen (seither 8 Wochen).

4. Stilkgefe für die versicherten Wöchnerinnen bas halb« Krankengeld mindestens 75 Pf. täglich für 12 Wochen; für die nicktverficherten Wöchnerinnen 75 Pf. täglich, ebenfalls für 12 Wochen.

Eine sehr willkommen« Berbeffenntg ist bie Zahlung des Wochengeldes für 10 Wochen, wovon 6 Wochen in bie Zeit nach der Niederkunft fallen müßen. Es ist somit den Wöchnerinnen im Intereff« ihrer eigenen Gesundheit als auch der ihrer Kinder die so dringend notwendige Schonung von vier Wochen vor der Entbindung möglich.

Es ist fentei im § 12 des Gesetzes Vorsorge getroffen worben, daß den versichernugsfreien Familienmitgliedern der in der Landwirtschaft Beschäftigten, von der Versiche­rungspflicht Befreiten (§§ 418, 435 der R. B. O.) seitens der Arbeitgeber bie gleiche Wochenhitse wie beit Familien« initgliedern der Versuherten zu gewähren ist.

Anspruch auf diese Stiftungen Hecken auch alle diesenl- gen Wöchnerinnen bie alsminderbemittelt" gel­ten, ahne daß si« felbft versichert ober Angehörige von Versicherten sind.

Minderbemittelt sind solche verheirateten Wöch­nerinnen, wenn ihres Ehemannes und ihr Ge» samteinkommen 2500 M k. nicht übersteigt, di« unverheirateten Wöchnerinnen bet einem Einkommen bis zu 2000 Mk.

Bei beiden erhöht sich der Betrag für jedes vorhandene Kind unter 15 Jahren um 250 Mk.

Die Zahlung der Wocheuhiff« erfolgt durch die Allgem. Ortskrankenkasse, in deren Bezirk der gewöhnliche Aufenthaltsort der Wöchnerin liegt, bezw. durch bi« Landkrankenkasse, Betriebs- oder Innimgskran« kentaste, welcher der Versichert« angehört.

Ansprüche der unoerheiateien Wöchnerin an den Vater des Kindes auf Ersatz von Entbindung?- und sonstigen Kosten oder Unterhaltungsansprüchen gehen auf das Reich über.

Zum Zwecke der Ermitteftmg der Dermögensverhäftniffe haben bie Steuerbehörden den Kaffen auf Verlangen Aus­kunft über bii Verhältnisse der Wöchnerin oder ihres Ehe­mannes ix geben.

Die schwierigst« Fra« Ser Kostvapunkt wurde dahin geregelt, daß bie Kosten für bie Wochenffirsorge für Ne unter 3 aufgeführtenminderbemittelten" Wöchnerin-

Rohstoff« und Kchlenmangels sowie der Lohnsorderun­gen, Streiks und verminderten Arbeitsleistung. Die trotz bedeutender Aufträge und verhältnismäßig gün­stiger Absatzbedingungen im Auslände geringfügige in­ländische Produktion erschwert bei dem Tiefstände der Valuta die Einfuhr von Rohstoffen und Lebensmitteln.

In der Lstth«Irttch«fl ist die Ernte der Körner- fruchte, die als gute Mittelernte zu bezeichnen ist, infolge des trockenen und warmen Detters als be­endet zu betrachten. Der Ausdrusch wird durch den Kohlcnmangel beeinträchtigt. Die Ablieferung von Brotgetreide an die Mühlen hat zugenommen. Selbst bei der für Mitte Oktober vorgesehenen geringeren Ausmahlung des Getreides für Roggen mit 82 Proz., Weizen mit 80 und Gerste mit 75 Proz. foll das Getreide für die Inlandverforgung ausreichen. Die Frühkartoffelernte ist beendet, die der Spätkcu- toffeln hat eingesetzt. Infolge der großen Hitze und Trockenheit in den ersten Septemberwochen find die Aussichten auf eine gute Hackfruchlernte zurückgegangen. Die Ende September einsetzende feuchte Witterung mar für die Einsaat, die Ruben und die noch im Kraul stehenden Kartoffelfelder günstig.

Die Bearbeitung des Bodens wird beeinträchtigt durch die fehlenden Düngemittel und den Arbeiter- mangel. Das Angebot an Gemüse ist reichlich, das Angebot an Obst entspricht, namentlich in Norddeutsch­land, nicht den Bedürfnissen. Die Viehzucht kommt langsam wieder empor. Die Schweineaufzucht macht gute Fortschritte. Der Ernährungsillstand de» Rindviehes ist befriedigend. Die Milchversor­gung der Städte ist nach wie vor äußerst schlecht.

Die Industrie war infolge von Rohstoffmangel und Kohlenmangel, gesunkener Arbeitsleistung, gesteiger­ter Betriebskosten und dadurch bedingter Unrentabilität zu Betriebseinschränkungen, Stillegung und Entlassun­gen gezwungen; daneben haben durch Forderungen der Arbeiter veranlaßte Betriebseinstellungen stattgestmden.

Der Arbeiksmarkk weist trotzdem" eine allmähliche Besserung auf. Die Zahl der Erwerbslosen be­trägt nach dem Bericht von 150 größeren Städten Deutschlands nicht mehr ganz 400 000. (Die Gesamt- ziffer der Erwerbslosen in Deutschland muß nach der Behauptung der Regierung trotz des Arbeitermangels in der Landwirtschaft noch als beträchtlich größer an­genommen werden.) Die langsame Defferung des Ar­beitsmarktes dürfte infolge der Rückkehr der Kriegs­gefangenen und des Eintreffens von Flüchtlingen aus den obzutretentxn und besetzten Gebieten nicht von Dauer fein. Arbeitermangel herrscht nach wie vor im Bergbau und in den häuslichen Diensten. Die tießer- führung von Arbeitskräften aus Ueberfluß- in Dedarfs- bezirke scheiterte neben der Abneigung der Arbeiter an den unzureichenden Unterkunftsmöglichkeiten. Die Herstellung von Notstandswohnungen trägt zur Be­seitigung des Uebelstandes und zur Belebung des Ai- beitsmarktes im Baugewerbe bei. Besonders ungün­stig ist die Arbeitsmarktlage noch immer im Nah- rungsmitkel- und im Handelsgewerbe.

_ Die Kohlenlage hat sich durch die in der zweiten Hälfte des Verichtsmonats eingetretene außerordent­liche Verfchörftmg der Verkehrslage auf der Eisenbahn weiter verschlechtert, die im wesentlichen eine Folge der beginnenden Erntetransporte ist. Ferner tritt durch die Dinnenschaffahrtsverhältnifle infolge des niedrigen Wasserstandes Verschlechterung ein. Die Ausfälle in der Rheinfchisfahrt waren befonders verhängnisvoll für Süddeutschland, wohin infolge der schwierigen Ver­sorgungslage nach aller Möglichkeit Kohlen gebracht werden müssen. Obgleich neue Förderausfälle durch Streiks nicht eingetrcten sind, ist immer noch keine Besserung, sondern eine Verschlechterung der Aersorgungsiage zu verzeichnen, deren Folgen sich in dem verschärften Kohlenmangel, besonders der Sn« htitrie, bemerkbar machen werden.

Druck der Fuldaer Act iendrnckerei l« Fulda.

neu den Kaffen durch das Reich erstattet werben. Für bte unter 2 aufgcführten Wöchnerinnenoersicherangsfreie Familienangehörige der Versicherten" erhalten bie Kaffen bie Hälfte vom Reich ersetzt, während bie andere Halste von den Kaffen zu tragen ist.

Die durch triefe gesetzliche Regelung den Kaffen ent« stehenden Mehrausgaben sind ganz bedeutend, weshalb bas Gesetz (§ 16) den Kaffen einen ziemlich weiten Spielraum in der Erhöhung der Beiträge einräumt. Die Beiträge können von 4V» Proz. auf IV» Proz. vorn Hundert und in befonberen Fällen von 6 Proz. auf 10 Proz. erhöht werden.

Mögen diese erweiterten Leistungen an Wochen- und Famisienh'lfe für die Wöchnerinnen der werktätigen Be­völkerung fegensrtich wirken und dazu beitragen, daß eine Gesundung von Mutter und Kind erzielt wird.

Derbrettung der Parteiltteratur.

Von Dr. K locker, Generaffekr. der pr. Zentrumspartei.

. Das Landessekretariat der preußischen Zentrums­partei ist damit beschäftigt, eine verläßliche und erschöpf endeLiteraturzu schassen zur gründ­lichen und rechtzeitigen Aufklärung der Wählerschaft über die Zentrumspoliti k in Preußen. Diese Literatur soll sowohl den Rednern und Ver­trauensleuten als Material dienen, als auch für di« unmittelbare Aufklärung der Wählerschaft durch Mas- scnverbreitung sich eignen, soll zu diesem Zwecke sowohl die Politik der eigenen Partei rechtfertigen, als auch da» Unrichtige der Politik den gegnerischen Parteien bar tun. 8s liegt bereits eine Serie von 11 Aufklä­rungsschriften über die wichtigsten preußischen Zeitsra­tz« vor, Schriften, die von erfahrenen Politikern ver­saßt sind und deren weite Verbreitung deshalb einem besonderen Wunsche der Fraktion und der Parteilei­tung enffpricht. .

1. Sie Beteiligung des Zentrums an der Regte- rang;

2. Die Pläne der Aufteilung Preußens;

3. Staat und Kirche in Preußen;

4. Das Zentrum und die Schule;

8. Die Reform der Verwaltung in Preußen;

6. Das Zentrum und die Gebildeten^

7. Das Zentrum und die Lehrer;

8. Das Zentrum und die Landwirtsachft;

9. Das Zentrum und das Handwerk;

10. Das Zentrum und der Handel;

11. Das Zentrum und die Arbeiterschaft.

Da e» unterer Partei z. Zt. jedoch an einem g» »egelten S ch r i f te n v e r tr i e b fehlt, ohne den dis besten Schriften die erforderliche Verbreitung nicht finden, der aber wegen feiner Wichtigkeit in allernäch­ster Zeit vom'Landessekretariate in engster Fühlung mit den Provinzorganisationen eingerichtet werden wird, ist bis zur Durchführung dieser dringenden par- teiorganisatorischen Notwendigkeit ein Ausweg zu be­freiten und zwar der, daß sofort in allen Orten vom d-r örtlichen Parteileitung ein rühriges Parteimitglted verantwortlich beauftragt wird, für alle Versamm­lungen die Schriften in hinreichender Menge zu be­sorgen und zu vertreiben. Sobald die Adresse des Vertrauensmannes dem Landessekreta­riate (Berlin W. 9, KömWrätzer Straße 22) mitgetetn ist, worum die Parteileitung bittet, werden fortlaufend neue Schliffen sofort nach Erscheinen zur Prüfung für Bestellungen ßberfanbt werden.

Verwiesen sei an dieser Stelle auf das von 6er Fraktion und hervorragenden Parteiführern warm em­pfohlene Handbuch über bie Lgndeswah « len und der Zentrumsfraktion, 96 Seifen, stark, Preis M 1,60 (Postscheckkonto Berlin 64 820 Senertchekrelör Dr. Klöcker).

Uns dem Nachbargebiet.

v Msig. Bei der hiesigen Dürgermeisterwahl wurde der Hüttner und Eemeinderechner R. Kreß zum Bürgermeister gewählt. Der seitherige Bürgrr- mristor Joseph Wehner hatte eine Wiederwahl abge- lehnt, er hat über 10 Jahr« die Gemeinde Riesig itett und gewissenhaft verwaltet, wofür ihm die Ortsein­wohner zu großem Danke verpflichtet sind.

* eankcrbach. Einem vor einiger Zeit aus russfe scher Gefangenschaft zurückgekehrten Manne aus einem Dogelsbergdorfe folgte hierher eine Frau «us Rußland mit der Angabe, sie fei mit dem Be- treffenden getraut. Die Sache wird gerichtlich ge­klärt werden. Vorläufig ist die Frau auf der Gräflich' «örttzfchen Gutsverwaftung in Schlitz untergebracht.

Mittel, uick bo (langen feine Gedanken mit rauher Grell­heit (trat durch den Raum:

Wer es immer fo haben könnte! sagen Sie sich jetzt, Herr Mertschitz"

Murray sprachs enb blies bett wundervoll aromatischen Kemch seiner Zigarre von sich.

Bruno fuhr zusammen.

Können Ei« Gedanken lesen?"

Die nächstliegender!, diejenigen, über bie man stolpert, je, junger Fremck."

Er hieü «in mck sieß Bruno bi« süße Wahnvorstellung auskosten. Dann aber sagte er ruhig:Und Sie können es immer fo haben."

Brunos Gedanken tarnen ans weiter, trostloser Ver­lorenheit zurück. Was hatte er da gehört, welche unfoß« liche Derkimbigung? Wer augeicklicklich fiel auch Reif auf den Hoffnungskeim bei trunkenen Seele. Der Glückliche. Reichs spottete seiner Armut!

Wenn ich's erlebe, daß alle Grimmschen Märchen Wirklichkeit werben", erwiderte er bitter.

Der Alte aber lehnte sich In der gewohnten Weise zu­rück, die Bruno schon an ihm kannte, und begann:

: in Sie mich an. Sie muffen sich selbst sagen, daß ich nicht Den ersten besten so an mich ziehen mürbe. Habe mit Ihnen ttmes vor. Meinetwegen ich brauch" Sie, aber eit brauchen mich noch mehr. Nun also trtt brauchen ehtanbet zrger festig. Gutes Verhältnis, einzig richtiges für bie Praxis." Plötzlich unterbrach er sich mit tim* Frage:

Haben Sie der Fran Mutter von mir erzählt?"

Nein. Ich sprach sie noch gar nicht."

Wollen Sie es tun?"

Nein."

Dos fixb« «uch ich gut. Dar immer eine Dam« mit ilwi en|«m Gesichtskreis, bie Frau Mutter. Hat fei» Verständnis für das Leben, wie es ist und genommen sei» will. Solche Leute bleiben unten, immer unten, Sie wollen hinauf und sollen hinaus."

So genau kennen Sie meine Mutter? Sie schildern sie Zug um Zug. Deshalb mein ewiger Kampf mit ihr, deshalb stiftete ich meine besten Jahre. Was ich arbeiten darf, m*g ich nicht, was ich möchte, darf ich nicht!"

Er spült« seinen Aerger mit einem Kognak hinunter,, besten Duft einen Atmenblick wundervoll durch die Ecke wehte.