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| Donnerstag 9. Oktober 1919. | I 46- 3°brg.

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die Behinderung der zu Unrecht geschmähten Selbstver­waltung gestört werden. Es ist notwendig, daß wir alle

Es folgt die Beratung des Haushaltes des Reichsfinanzmini st eriurns.

Abq. Dr. Wirth (Ztr.) bittet um baDige Neuregelung des Besoldungswesens, warnt aber die EinZelstaatenvor einer planlosen Besoldungsreform wegen ihrer Rückwir­kung auf bas Reich. . m

Re'uhsfinangmimster Erzberger: Em einheitlicher Plan der Finanzverwaltung ist sehr wohl vochanden. Das Reich muß sorgen für die Einnahmen im Reich, Staat und meinden. Das Reich wird selbst Herr seiner Steuern und Einnahmen. Das ist ein wichtiger Schritt zum Einheits­staat. Die deutschen Länder mußten große Opfer ormgen. Die Reichsabgabenordnung muß schnellstens verabschiedet werden. Damit 'wäre dann das Fundament gelegt zum weiteren Aufbau. Das Reich kann abernicht warten bis alle Gesche ausgearbeitet und verabschiedet sind. Darum mußten die Steuern vorweg genommen werden, die das Vermögen in seiner Gesamtheit belasten. Dazu verpslich- iet uns die Finanznot des Reiches. Die neue Besoldungs­ordnung soll vorgelegt werden, so dah sie 'm Fruhiahr 1920 in Kraft treten kann, vorausgesetzt, *;> die Der- reichlichung der Eisenbahnen und der Post noch m diesem Winter erfolgt, wozu Hoffnung vorhanden ist.

Donnerstag Interpellation wegen der Lederpreise. Fortsetzung der heutigen Beratung.

vs*. *1113 I Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Karl Schütte, |li. **'* | für die Anzeigen: I. Parzeller, Fulda. Rotationsdruck.

Kräfte zur Stärkung des Staatsgefühls verwen­den, daß wir ein neues DertrauensverhälMis zwischen Volk und Regierung errichten, daß wir das g-zenseitige Verstehen und Verständnis fördern. Kräfte aus dem Volk müßen in viel höherem Maße als das jetzt ge­schieht, mit zur Beeinflussung und Leitung der Geschäfte des Staates herangozogen werden. Dom Parlaniente schließlich muß eine starke sittliche Idee auf das Volk über­strömen. Wird das Parlament nicht dazu in der Lage fein, dann wird das Volk immer gleichgültig bleiben, trotz des freien Wahlrechts und trotz aller noch so schön geschil­dertenErrungenschaften" der Revolution. Was aber das Wichtigste ist: unser Volk und seine Regierung muffen wieder zurück zur Einfachheit! Wir müssen uns abwenden von allem hohlen, geistlosen Prunk, wir müffen zurück zm Natürlichkeit. Dann erst werden sich auch wieder die Herzen zueinander finden. In solchem Geiste will das Zentrum aufbauend und schöpferisch auch der neuen Regierung wirken. (Lebh. Beifall.)

Preußische LaudeSversammlung.

Sitzung vom 8. Oktober.

Der Etat der Zentralgenossenschaftskasse wurde bewilligt und dabei ein Zentrumsantrag ange- nommen auf eine zeitgemäße Umgestaltung des Beirats der Zentralgenossenschafskasse, damit er eine fruchtbare Mittelstelle zwischen ihr und den einzelnen Genossen- schaften bile.d^ ^j^nbahnetat. ES liegen dazu zahlreiche Anträge und Entschließungen vor, die dte- Eisenbahner zu treuer Pflichterfüllung ermahnen und Befestigung der wilden Arbeiterräte, sowie Demokratr- sierung der Eisenbahnverwaltung verlangten und Be- soldungsfragen betreffen. .

Abg. Garmisch (D. Vpt.) und Abg. Wenke (Dem.) führten Beschwerden über die Einstellung des schnell- zugSVerkehrs im Osten.

Eisenbahnminister Oeser begründet diese Maßnahme mit der Notwendigkeit, au» dem oberschlesischen Kohlen- revier die dort lagernden Kohlenvorräte so rasch wie möglich abzutransportieren, damit sie uns bet der Jn- krafttetung des Friedensvertrages nicht verloren gingen. Der Minister schilderte die ungeheueren Betriebsschwie­rigkeiten der Eisenbahn und sagte: Es kann fein, dag wir den Person en v er keh r so gut wie voll! om- men werden eistellen müssen. Die Lokomotiven und Waggons, die wir an die Entente abgeben mußten, fehlen uns überall. Jetzt rächt s t ch di e Sire t finit der vergangenen Monate. Dte Sufcer bec Streiks werden die Verantwortung nicht von sich werfen können. Sozialisieren heißt mehr leisten. Aber da- von sind viele unserer Arbeiter und- Beamten noch weiß entfernt. . .. . .

Aba. Sprenger (Ztr.) fragt, was die Regierung in Bezug auf die drohende Kohlennot zu tun gedenke. Dew-Versand an Sp äkk ar tos feln fei noch un- gewöhnlich gering.

Ein Rcgiernngskommiffar erwldesck, gerade der: Wunsch, Kohlen für den vermehrten Kartoffeltransporj-s zu erhalten sei für di« Aufhebung de? Schnellzugsver. kehrs nach dem Osten maßgebend gewesen. Für die Gütertransporte wird die Wagengestellung auf dre Hälfte iengeschränkt, nur nicht, für die Leben-mitiel und Kcrrwfeflbeförderung. Die Kar wfpeltran sparte werden demnächst eine wesentliche Befferung erfahren

§^>nnerStag: Fortsetzung.

Deutsche Nationalversammlung.

Sitzung vom 8. Oktober.

Präsident Fehrenbach macht Mitteilung von dem Anfall auf den Abg. Haase und spricht die Hoffnung aus, daß keine schweren Folgen eintreten und spricht dem Abgeordneten, seiner Familie und seiner Partei Teilnahme aus.

Zur politischen Aussprache sind als Redner noch die Abgg. Stresemann und Haase gemeldet. Da die unabhängige Fraktion für Haase nicht sofort einen anderen Redner stellen kann, soll die Debatte nach der Rede StrelemannS ausgesetzt werden.

Abg. etrefemenn (D. 23p.) verweist alle monar- chistischen Putschversuche als anSstchtSlos und unklug, wahrt aber den überzeugten Monarchisten da» Recht, im Rahmen der Verfaffung für den monarchistischen Gedanken in Deutschland zu werben. Wenn sich in Rußland der Bolschewismus noch hält, so nur darum, weil die herrschenden Männer sich ganz von den bol­schewistischen Grundsätzen aboewandt haben. Die rote Garde ist ganz stach dem Muster der zarischen Armee aufgebaut. In den Fabriken herrscht eiserne Disziplin unter den alten gabrifieitern. Frankreich wird wirt- schaftlich mehr und mehr auf unS hingewicsen. Eng- land hat unS niedergeschlagen, aber. Amerika ist ihm als neuer Konkurrent entstanden. So ist alles im Fluß und wir brauchen die Hoffnung nicht aufzugeben, daß auch wir wieder in eine bessere Lage kommen, aber nur wenn wir zurück'ehren zur alten Einfachheit, Ord- nung und UnterDrdnung.

Reichswehrminister NoSke kommt auf die baltische Frage zurück. ES ist nicht erträglich, wenn Presse oder Abgeordnete auf die Truppen so einwirken, als ob sie dächten, Jahre dort zu bleibest. Das Vaterland mutz vor reuen Erschütterungen bewahrt bleiben. Der Auf­ruf Bischoffs ist ein Maß von Unbotinätzigkeit, daS alles übersteigt. Es wird gegen ihn kriegsgerichtliche Unter- suchung einaeleitei werden. Ich richte mit tiefem Ernst an die Preffe die Mahnung, imsere Arbeiten m'cht zu er­schweren General von der Goltz tut absolut korrekt feine Schuldigkeit. Es ist gemeingefährlich, Truppen in ihrer Widersetzlichkeit zu stärken. Ich kann der deutschnati- nalen Presse diesen Vorwurf nicht ersparen. Graf Posadowsky hat die Verantwortung für solche Ausschrei­tungen der Preffe abgelehnt. Die deuffchnationale Fraktion kann aber dieDeutsche Zeitung" nicht von sich abschüt­teln, denn als dieses Blatt wegen seiner schamlosen Hetze verboten werden mußte, schrieb mir Abg. von Graefe einen wenig liebenswürdigen Brief. (Hört, hörtl links.) Wir können nicht dulden, daß ein 60-Millionen-Dolk durch solche Treibereien in schwerste Gefahr gebracht wird. Wir würden schamlos handeln, wenn wir solchen Ausschreitun­gen nicht entgegentreten würden. (Sehr richtig! links.) Seit der letzten Woche wird von deuffchnationaler Seite ganz systematisch das leidliche Vertrauensverhält­nis zu untergraben versucht, das sich zwffchen den Offizieren und mir herausgebildet hat. Die Rechte tanzt auf einem Vulkan, wennn sie mir die Arbeit in dieser Weise noch schwerer macht. Der preußffche Offizier hat es nicht als eine Beschimpfung angesehen, wenn man auf seine Armut hirrwies. Nichts anderes Habs ich getan. (Oho-Rufe rechts.) Es kennzeichnet die Art Ihres Kamp­fes, wenn Sie versuchen, an meinen einwandfreien Wor­ten Kapital zu schlagen. Jetzt sucht man das bißchen mit unendlicher Mühe geschaffene Militärwesen durch eine Broschüre zu zermürben, die an die Soldaten verteilt werden sollte. Darin wird gesagt, daß in Wahrheit in Deutschland Unabhängige und Deutschland reaierten, daß keine Deranlaffung bestehe, der Regierung dm Treueid zu leistm, daß die Regierung nichts für die Zukunlt der Soldaten tue usw. Diese Sudelschrift, dieses Pamphlet ist gedruckt in der deutsch-nationalenDeutschm Tageszeitung". kHört! hört! links.) Dmch Einsichtnahme in die Bücher bei der Haussuchung konnte man feststellen, daß der Auftraggeber der Vorstand der D e u t s ch natio­nalen Sdltspattei ist. (Stürm. Hört, hört! links. Lärmende Zurufe rechts. Zuruf bei dm Soz.: War­um greift man nicht zu?) Ganz selbstverständlich ist gegen die Schuldigen Strafantrag gestellt worden. (Deif. links.) Das ist die loyale Kampsesweise der Konservativen gegen die Regienmg, wie sie Graf Posadowsky gestern in Aus- sich! gestellt bat. General Ludendorff ist der Letzte, der das Recht hat, die Frage aufzuwerfen, ob ich die Möglich- lest habe, vor der Geschichte zu verantworten, was ich hier getan habe. Wmn damals die in Kiel wild geworde­nen Matrosen röcht eine Blutwelle in das Land getragen haben, bann danken Sie es dem Umstande, daß ich Stunde für Stunde unter Einsetzung meines Gebens auf sie ein- gewirkt habe. Deutschland muß zum Erliegen kommen, wenn nicht alle Schichten des Volkes zu der Erkemimis kommen, daß es nicht angeht, jetzt noch mit schmutzigen Fingern in unseren Wunden herumzuwühlen. Dieses Maß von Erkenntnis vermiffe ich bei Ihnen (nach rechts). Wenn die Mahnungen der Regierung zur Vernunft nicht helfen, ist es unsere Pflicht, zu fagen: Hände weg! Das gilt für die Herren von rechts und links. Wir find be­reit dm Worten, wenn es notwendig ist. Taten folgen $u kaffen.

Damit schließt die vorläufige GeneraldebaKe. Es folat der I u st i z e t o t.

'Abg. wellstein (Dem.) fragt nach dem Stande der Strafrechts- und Prozeßreform.

Reichsminister Schiffer: Ich bin ganz damit einver­standen, daß nicht mehr Politik in das Recht eingeführt werde, sondern mehr Recht in die Politik. Es muß der Rückweg zum Rechtsstaat gefunden werden, aus der Revolution zur Gesetzlichkeit.. Eine Amnestie ist nicht beabsichtigt. Es wurde davon schon zuviel Gebrauch ge­macht/ Das ganze Wesen der Amnestie paßt nicht in den heutigen Staat. Entwürfe zur Strafprozeßordnung und zur Gerichtsverfassung sind in Arbeit und werden dem­nächst dem Hause zugehen. In dem äußeren Aufbau, in der Sprache und in dem inneren Gefüge des Rechts muß die volkstümliche Rechtsanschauung zum Ausdruck kom- men. Ich werde auf einen sorgfältig durchgebildeten Rich­terstand nicht verzichten, aber ebenso soll dem Laien­richtertum sein gebührender Platz werden. '(Beifall.)

Abg. Dr. Cohn (Unabh.) verlangt Abänderung der Schutzhaftbestimmungen.

Abg. Dr. Sinzheim« (Soz.) spricht für eine Zwilpro- Leßresorm.

Zwei Wege bofen sich nach dem Zusammenbruch der alten Autoritäten, um uns vor dem Untergange zu ret­ten. Entweder Wiederherstellung der alten Ordnung dieser trat ungangbar, denn er würde den perma­nenten Bürgerkrieg bedeutet haben oder Aufbau auf neuer Grundlage. Wir haben un? aus unserem Ge- wissen heraus für den Wiederaufbau auf neuer 6' r it n l a g c entschlossen. Diesem Aroeirsvrogramm werden wir auch in Zukunft unbekümmert um Freund und Feind treu bleiben natürl. nur soweit als der Respekt vor den eigenen Grundsätzen und Idealen eS zuläßt, denn die praktische Arbeitsgemeinschaft, zu der wir unS in der Koalitionsregierung mit den anderen Parteien zusammengeschlossen haben, ist keine Ge. sinnungSgemein schäft im Sinne von Weltanschauung. (Sehr richtig! im Zentrum.) Es fällt b.i Sozialdemokratie gewiß nicht leicht, mit un? zusammenzuarbeiten. Das Gefühl ist ein ge- genf eiliges, denn darin sind wir einig, daß wir imfet Vaterland retten wollen. Der Weg zu diesem Ziele ist hart und mühsam, aber er muß begangen werden. Wir haben nicht erwartet, daß wir ein vol­les Vierteljahr nach Annahme des Fnedensvertragez noch auf den größten Teil unserer KriegSgefan. genen würden warten müffen. Jgr dem Verlangen mff sofortige Rückgabe unserer Kriegsgefangenen wis- sen wir unS eins mit den leitenden Männern unserer Regierung, allen Ausstreuungen der ausländischen und leider auch eines Teils>der deutschen Preffe zum Trotz. (Beifall.) Redner berührt bann den Einspruch der Entente gegen den Artikel 61 der Reich-Verfassung betr- unser Verhältnis zu Deutschösterreich und sagt, man hat uns gezwungen, den Art. 61 zu streichen. Ist damit etwa die deutsch-österreichische Frage aus der Welt ge, schafft? Die stammeSbrüderlichen Gefühle und Hoff- nungen werden vseiter leben. (Stürmischer Beifall und Zustimmung.) Möge endlich einmal an die Stelle des verhaltenen Kriegszustandes, den wir jetzt haben, eine wahrhafte FriedenSstimmnng treten. In der aus­wärtigen Politik brauchen wir, wie schon einmal ge. sagt worden ist, unbedingte Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit. Der Wtlle zu solcher ehrlicher Politik verlangt, daß wir das Baltikum den VertragSbe- ffimmitngeu gemäß räumen. Wir haben volles Ber. ständnis dafür, daß unsere im Baltikum stehenden Sol. daten Anspruch erheben auf ein Stückchen Land. Aber wir können eine vom Verband angdrohte erneute wirt, schaftliche Absperrung nicht mehr ertragen. (Sehr rich­tig!) Unsere Weltmachtträmne alten Stils sind aus­geträumt. Wer damit ist noch nicht gesagt, daß daS deutsche Volk für alle Zeit eine Aschenbrödelstelle ein. nehmen muß. Unsere Politik der Zukunft muß in Ziel und Methode eine Kultur. Politik sein. Der Schatz deutscher Kultur ist bis heute ungehoben. Wir werdn ihn heben und wir wer. den dabei Helfer finden in den Völkern, die mit uns gelitten haben. Mit ihrer Hilfe wird die deutsche Kul­tur eine neue Brücke schlagen zur gegenseitigen Ver­ständigung der Völker. (Beifall.) Wir be, grüßen die internationale Arbeiterkonferenz in Wa­shington unter der Voraussetzung, daß die deutsche Ar. beiterschast dort gleichberechtigt sein wird, natürlich un­ter der Voraussetzung, daß die Christlichen Gewerk­schaften, die heute über zwei Millionen Anhänger zäh. .len, nicht übergangen werden. (Beifall.) Wenn nicht alles täuscht, bleibt der Arbeiterschaft die gesellschafj- liche Stuf gäbe Vorbehalten, die Wogen be $ HafseS einzu dämmen. In ihre Hand ist es gelegt, die Geschicke, der Welt zu regeln. (Sirte andere Frage ist eS, ob die Arbeiterschaft sich jederzeit der Schwere imb Bedeutung dieser Aufgabe bewußt ist. Damit komme ich zur inneren Politik. Wir Überschätzen nicht die klei­nen Anzeichen der Besserung. Die Mehr- zahl der Arbeiterschaft sehnt sich nach Ruhe. Wer damit sind die Schwierigkeiten noch keineSweM über. Wunden. Denn ein großer Teil deS Volkes huldigt noch immer dem Müßiggang und der Genuß, sucht. Ihre Zahl scheint sogar noch zu wachsen. Diese Demoralisation, eine Folge deS Krieges, beschränkt sich aber keineswegs auf Deutschland. Mit zu dieser Unlust zur Arbeit und zu der Üherhandnehmenden Genußsucht trägt lediglich bei daS Schi eber» und Wucher, tum, das ein tagtägliches Aergernis für daS arbei« tende Volk ist. Hier mutz die Regierung rücksichKlloS zustrffen. Unser Volk vckrstfetzt einfach nicht, daß bis Regierung damit nicht fertig wird. Dom Standpunkt der Wirkung deS Treibens der Wucherer unb Schieber auf das Volk besteht kein Unkerfchied zwischen den Bolschewisten und diesen Schie» bern. (Sehr richtig!) Die Regierung sollte ein Ge- setz schaffen, kraft befielt man im abgekürzten Versah- ren den W« chere rn und Schiebern auf den Leib rücken kawn. (Lebhafte Ruftimmung.) Die Regierung follte auch die Klub lokale schließen, in denen gekneipt und gepraßt wird Auch die sind ein tägliches A erg e r n i 8 für das arbeitende Volk. Der ReichSwirtschaftsminisder sollte in beschlerinigtem Tempo die Grenze scyließen gegen die Einfuhr von Luxus­waren. DaS «beitenbe Volk leidet an dem Notwen­digsten Mangel. Wenn oas nicht bald anders wird, verliert das arbeitend'« Volk den Glauben an bis StrgierumngParteien. Diesem Standst! muß «ift

Ende gemacht werden. Wenn wir die Arbeitslust wirk- lich Heven wollen, dann muß der Kampf erst gegen die geführt werden, die tagtäglich den Beweis zu führen scheinen, daß man das beste Leben führen kann, ohne zu arbeiten. All unsere Pläne auf Wiederaufbau sind in Zukunft nur mehr möglich mit der Arbeiter- schäft, nicht gegen sie. Solche Zufammenhänge sehen wir tn den Betriebs- und WirtschafESräten.

Mit Besorgnissen sehe ich dem kommenden Winter entgegen. Daher stimme ich den Ausführungen des Reichs­kanzlers über das Betriebsrätegefetz zu. Die Arbeits­losenunterstützung muß abgebaut werden. Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen. Wir begrüßen das Schlichtungswesen und die Ersetzung des Faustrechts durch ein Gerichtsverfahren. Wir sind nicht Sozialisten, aber wir wollen eine freiheitliche Politik. Der Redner vertrat den Gedanken der Vergeistigung der Ar- beit und der Verinnerlichung der Beziehungen des Ar­beiters zum Unternehmer. Es gehe nicht mehr an, Lis beiderseilige Verhältnis nur vom technischen und male.*!- len Standpunkte aus zu betrachten. Der gute Wille zu einer ehrlichen Zusammenarbeit müsse auf bei­den Seiten hcrffchen. Nichts tue uns dringender not, als daß unser ganzes wirtschaftliches und soziales, wie auch unser politisches Leben vom Geist einer christlichen Staats- auffaffung und einer christlichen Weltanschauung beherrscht wird. Die jetzt von der Regierung als Icitenb hinge- stelltcn Gedanken der Defföhnungs- und Derständigungs- orbeit seien nichts anderes als aUoertraute christ­liche Grundsätze. In der Planwirtschaft sticke ein richtiger Gedanke, wenn er nur richtig formuliert wird in ber Richtung einer planmäßigen Bewirtschastung, einer planmäßigen Preisgestaltung usw. Dem kommenden Win- ter ist mit Besorgnis emgegenzusehen. Die Leute können fit1'1 nicht mehr bekleiden. Heraus mit den Wollvorräten, bemit sie verarbeitet werden können. Das Satori» tStsgefühl ist dem Volk verloren gegan­gen. Ohne Autorität geht es aber nicht. Das Vertrauen zu den Beamten, zu ihrer Gerechtigkeit und Unbestech- lichkeit muß wieder hergestellt werden. Die Beamten muffen aus dem Volk genommen werden, um mit dem Volk verwachsen zu sein. In Oberschlesien und in den Rheinlanden fit der ruhige Gang ber Entwickelung wieder angebahnt worden. Nun darf er ober nicht wieder durch

Anschlag ans dem Abg. Haase.

Als gestern mittag kurz vor 1 Uhr der unabhängige Wg. Haase, der als erster in der Etatsdebatte spre­chen sollte, den Reichstag betreten wollte, wurden , aus ihn mehrere Schüsse abgegeben. Er erhielt einen Schuß in den Oberschenkel und einen in die Wade. Die Verletzungen sind nicht ernster Natur. Haase wurde so­fort ins Hedwigs-Krankenh aus eingeliefert. Der Atten­täter, ein kleiner gedungener Mann von etwa 50 , Jah­ren, wurde verhaftet. Er gab an, daß er der 52jährige Lederarbeiter Voß aus Wien fei und erklärte, daß er mit voller Ueberlegung und aus Rache gehandelt habe. Voß scheint nicht ganz gescheit zu sein, er hatte Flug­blätter verbreitet, in denen er gegen die Lotterie kämpft und sagte, die Klassenlotterie habe den einzigen und alleinigen Zweck der Bestechung, um die Kriegs­und Diachtpolitik der Hohenzollern zu fördern. Das blödsinnige Flugblatt schließt:Die bestochenen Scheldemänner samt dem Schweigegeldnehmer Haase regieren uns und posieren die toten Revolutionsmän- ner, wobei die Scheidemänner heimlich die Plätze für die kommenden Hohenzollerngeschlechter , freihalten." Wegen dieses Flugblattes war auf Betreiben Haases gegen Voß das Strafverfahren eingeleitet worden und dafür hat der Attentäter Rache nehmen wollen. Dem' Anschlag liegen also keinerlei politische Beweggründe zu Grunde. DieFreiheit" tarnt es dennoch nicht un­terlassen, Kapital aus diesem zu schlagen. Sie behaup­tet, daß es sich um einenSchurkenstreich der Gegen­revolution" handele und daß die bürgerliche Gesellschaft frohlockend nach dem Dahinmorden von Liebknecht, Rosa Luxemburg und Eisner es darauf angelegt habe, nun auch noch die letzten Führer des Proletariats hin-! zumorden. ____________

Beginn der Rückkehr der Daltentruppen

Amtlich wird mitgeteilt: Der Aufruf der Regie-' rung an die Truppen im Baltikum hat seine Wir­kung nicht verfehlt. Es rollen dauernd Trans­porte zurück. Ein Teil der Truppen ist jedoch durch die Verworrenheit der Ziele, die er bisher verfolgt hat, noch sckiwankeud in seinem Entschluß. Nachhaltigen Eindruck haben die von General von bet Goltz besonders betonten Zwangsmaßregeln, die von der Entente ergriffen werden würden, "gemacht. Es ist zu erwarten, daß eS dem Einfluß der Führer gelingt, die Masse der Truppen von der Notwendig­keit ihrer Rückkehr und der Unmöglichkeit i -res weiteren Verbleibens im Baltikum zu überzeugen.

Wie die »Deutsche Allgem. Zeitung' noch erfährt, ist die Formation Petersdorfs bereits vollzählig in der Heimat eingetroffcn. DaS Detachement Die- bilsch, das immer zu den besten gehört hat, hat seine Bereitwilligkeit zur Rückkehr zweifelfrei zu er­kennen gegeben. Ter Rücktransport kann sich üb­rigens nur allmählich vollziehen, denn man hat auch hier mit den Transportschwierigkeilen, dem Mangel an Lokomotwen und der schlechten Kohle zu rechnen.

ES wird jetzt ein Aufruf bekannt, den der Kommandeur Bischoff der Eisernen Division an seine Mannschaften erlassen hat.

Moralische Eroberungen.

Dir haben die Aufgabe, moralische Eroberungen machen", sagte der Reichskanzler in seiner Pro- arammrede vom Dienstag. Dieser Aufgabe war auch die Rede selbst gewidmet. Sie war von der Absicht getragen, Vertrauen zu erwecken. Vor allem sollte da? vergiftende Mißtrauen des Aus­landes gegen Deutschlands Friedlichkeit und Ehr­lichkeit bekämpft werden.

Sehr zeitgemäß und löblich. Ob freilich durch offene Darlegung unserer Verhältnisse und unserer Absichten der Zweck erreicht wird, ist noch zweifel- 6aft.

Das Mißtrauen in den feindlichen und auch in manchen neutralen Kreisen bat zwei starke Wurzeln. Einerseits die raffinierte und zähe Propaganda der Lügen über deutsche Bosheit und Hinterlist, die auch jetzt noch nachwirkt, nachdem Deutschland die Niederlage und die Revolution durchgemacht haben. Wer einmal in einen solchen Verdacht gebracht ist, wie das anhaltend verleumdete und verlästerle Deutschland, dem glaubt man nicht, und wenn er «uch die lauterste Wahrheit spricht.

Andererseits rührt das Mißtrauen von der Furcht ber. Wir feber sitzen da in dem erdrückenden Ge­fühl unserer Ohnmacht und wundern uns, daß man im Auslande noch Angst hat vor den armseligen Resten ber moralischen oder physischen Kraft, die unS noch übrig geblieben ist.

Geradezu verblüffend war die Angst vor Deutsch­land, die in den letzten Sitzungen der Pariser Kam­mer zutage trat Bis weit in die Reihen der So­zialisten hinein zeigte sich die nervöse Furcht, daß Deutschland noch einen Soldaten zuviel habe und noch eine Kanone fabrizieren könne, um noch zu entern Rachekrieg gegen die siegreichen Mächte aus- zuholen. Bei der himmelschreienden Ungleichheit der Kräfte auf beiden Seiten müßte ja das deutsche Volk erst wahnsinnig werden, ehe es an ein solches lolleS Abenteuer dächte.

Ob die Furcht aus einem weniger guten Gewissen herrührt, wollen wir des lieben Friedens wegen da­hingestellt sein lassen. Als mildernden Umstand für die Befangenheit auf der Gegenseite wollen wir so­gar hetvorheben, daß e6 Deutsche gibt, die (absichtlich oder unwillkürlich) das Mißtrauen deS Auslandes fördern. Es sind die Heißsporne von rechts und von links, denen- der Reichskanzler eine scharfe Kritik widmet. Auf der Rechten sucht man in Wort und Schrift den Anschein zu erwecken, als ob eine Gegen­revolution vor der Türe stände, und beachten nicht, daß das Ausland daraus den Schluß zieht, der ge­fürchtetepreußische Militarismus" sei nicht tot, son­dern mache nur eine Ruhepause. Die Gegenfüßler auf der Linken arbeiten auch in diesem Punkt mit der konserv.ativen Gegnerschaft zusammen. Sie stel­len alle Wehrkräfte, die Deutschland noch hat oder zur Erhaltung der Ordnung bildet, als monarchische BerschwörungSnester hin. Ihr Parieizweck ist, der Regierung Schwierigkeiten zu machen, die Bildung und Erhaltung von Ordnungstruppen zu erschweren, das sozialistische Volk gegen die Offiziere und Sol- baten aufzuhetzen, die Ueberrevolution vorzubereiten. Diese Parteibestrebungen verfolgen sie auch auf Kosten des Vaterlandes. Es stört fie "nicht, wenn auch die gegnerischen Mächte aus ihren Verdächtigungen An­laß nehmen, Deutschland weiter zu bedrohen und zu bedrücken. Ja, sie arbeiten zielbewußt auf Konflikte unserer Regierung mit der Entente hin, Weik sie hoffen, daß dabei die gegenwärtige politische Ordnung »n Deutschland zugrunde gehe.

Soeben treffen hoffnungsvolle Nachrichten ein über die Selbstbestimmung" bei den baltischen Truppen. Wenn es sich bestätigt, daß der größte Teil der aufgeregten Soldaten bereits zur N ü ck k e h r nach Deutschland sich entschlossen habe, so darf man erwarten, daß dieser Stein des Anstoßes ohne schlimme Folgen beseitigt werde. Aber eS bleiben leider noch Schwierigkeiten und Aeraerniffe genug übrig. Jetzt muffen auch die oppositionellen Par­teien und ihre Preffe zur Besonnenheit und zur patriotischen Selbstzucht zurückkehren soweit sie »och Anspruch darauf machen, daß man ihnen guten Willen zubilligt. Den Radikalen auf der Linken trauen wir freilich in dieser Hinsicht nichts guter zu. Doch die Männer auf der Rechten dürfen bei all ihrem Widerwillen gegen die Revolution und deren Träger doch keinen Augenblick außer Acht kaffen, wie ihre Kundgebungen auf das argwöhnische «nd furchtsame Ausland wirken. Gerade von rechts her wurde früher immer die Pflicht betont, das Vaterland über die Partei zu stellen.

Die wohlgesetzten und eindringlichen Mahnungen oes Reichskanzlers werden wohl nicht sofort Wun­der wirken; aber wir wollen doch hoffen, daß sie «inen weiteren Beitrag liefern zur allmählichen Aust- klärung und Beruhigung, sowohl im Jnlande wie tat Auslande.

Der Reichskanzler sprach sich über die langsame Gesundung der deutschen Volksseele recht hoffnungS- sroh aus. Möge er recht behalten. Mögen aber auch die Minister und die MehrhektSsozialisten nicht bergeff en, daß sie ölle Kraft und Kunst einfetzen wüsten gegen die Umtriebe der Unabhängigen und Kommunisten, die noch schlimmer wirken und viel gefährlicher sind, als der Uebereifer in den Rechts­parteien^

Das Zentrum im neuen Kabinett.

Eine eigene Note erhielt der erste Tag der polt» mchen Aussprache, die durch die Neubildung des Ka- btnetts in der Nationalversammlung bedingt war, durch ben Zentrumsredner Joos, der in einer Sefftreichen und gedankenvollen Rede auf die Note btg demschen Volkes einging und die Wege zu ihrer Hebung wies. Joes sprach als letzter Redner in dsrgerückter Stunde. Seine Rede ist infolgedessen der der Berichterstattung zu kurz gekommen. Wir tasten deshalb die Hauptgedanken hier ausführlicher folgen. Aba. Joos führte etwa auS:

Tas Voix draußen ist die P a r te i N o k e rni k un$> oas Parteigezänkrnüde. (Sehr richtig! und «uitimmung.) Ich begnüge mich deshalb mit der Fest- Eluug, daß die Regierung mit dem Wiedereintritt der -"tmchaten eine erwünschte Stärkung erfährt. SRI1 ,4,®Jhitje der alten ®e Uralten und Autoritäten zog oie Gefahr herauf, daß wir in ben Bürgerkrieg, in bai ^?oos hinelngcrieten. Tiefe Gefahr ist heüic noch "'cht völlia beheben.