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Hus dem Nachbargebiet.

I Verla«, der Fuldaer Actiendmckerei in Fulda - Preis monatl. I 4S. Zahrg. | 1.10 Zr° - Femspr. Nr. ö. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung. I

#* <14 I Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Karl Schütte, I rt» 7 , Oktober 1419

ffr. 2Jl* s für die Anzeigen: I. Parzeller, Fulda. - Rotationsdruck. I

Streikparole abgefallen. Der Eisenbahnverkehr hob sich wieder, da immer mehr Leute zur Arbeti zuruck- kehrten. Von einer Niederlage der Eisenbahner zu sprechen wird man sich hüten muffen. Der Streik hatte die öffentliche Meinung gegen sich, selbstverständlich. Mit Beaeisterung wird ein Verkehrsstreik, der mit solcher Wuchte einsetzt, vom Publikum nie ausgenommen werden. 3m Vertrauen auf diese Stimmung forderte Lloyd George von den Eisenbahnern bedingungslose Wiederaufnahme der Arbeit, bevor in Verhandlungen eingetreten werde. Darauf sind die Eisenbahmr nicht eingegangen, und Lloyd George bewies wieder einmal, wie schon oft, daß er auch anders konnte. Er hat den Arbeitern das Zugeständnis gemacht, daß die gegen­wärtigen Löhne bis zum September nächsten Jahres nicht herabgesetzt werden. Da der Streik in der Haupt­sache getragen worden zu scheint von der Besorgnis, die Löhne möchten vorzeitig herabgesetzt werden, so ist das immerhin ein Erfolg der Eisenbahner. Sachlich wichtiger ist wahrscheinlich das Zugeständnis, daß ver­handelt werden soll, und daß diese-Verhandlungen vor Lahresschluß beendet sein sollen.

Man wird sich in England also an den Verhand­lungstisch setzen und sich zu vertragen versuchen. Der gesunde Sinn des Engländers hat über Gereiztheiten der Tagesstimmung abermals den Sieg davongetragen. 3n Deutschland haben wir eins nicht kleine Arbeiter­partei, die andauernd nach dem Streik um des Streiks und nach der Neoolution um der Revolution willen schreit. 3n England sind Arbeiter und Regierung bis auf weiteres immer noch einig in dem Bestreben, tun­lichst ohne Revolution auszukommen. Wäre Eng­land vor Jahresfrist in der Lage gewesen, in der Deutschland war die englischen Arbeiter hätten sich wahrscheinlich gehütet, den Staat zu erschüttern, bevor Waffenstillstand und Friedensschluß gesichert und für den Staat gerettet war, was sich irgend noch retten ließ. Und auch jetzt, wo England hart am Rande des Abgrundes vorüber gekommen ist, bewahrt die Staatsgesinnung, die jedem Engländer im Bluts liegt, die Arbeiterschaft davor, ohne zwingende Not einen gewaltsamen Bruch herbeizuführen. '

Kuslaird.

* In Spanien ist der Achtstundentag ohne be» merkenswerten Zwischenfall eingeführt worden.

* In der Türkei ist ein Kabinettswechsel erfolgt. Das Ministerium Damas Ferid ist zurückgetreten und durch ein Ministerium Ali Riza Pascha abgelöst worden, das sechs Minister des alten Kabinetts ent­hält. Der Sultan erteilte dem neuen Ministerium den Auftrag, sofort die Wahlen oorzunehmen und das Parlament einzuberufen.

Jede Stimme zählt!

W. T. B. verbreitet folgenden Aufruf:Deutsche «vänner und Frauen! Bewahrt Euch die deutsche Heimat! Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreu« fen, aus Oberschlesien und auS Schleswig- Holstein stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr jetzt in fremdem Land, in frem- het Stadt weilt. In Eurer Hand liegt das Schick­es bet Gebietsteile, in denen nach Inkrafttreten des «riedenSvertrages Volksabstimmungen vorgenommen werden. Ihr sollt mit darüber entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut­schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Entscheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht! Jeder Abstimmungsberechtigte trage sich in die Frage­bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volkszählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstimmung vorzubereiten, von der Vorberei­tung hängt der Erfolg ab. Jeder hole die ©einigen hermt! Jede Stimme zählt, jede entscheidet!"

Deutscher Neich.

lieber die Umsatzsteuer ist ein Kompromiß zwischen den Reichsregierungsparteien zustande gekom- men. Der Satz der Umsatzsteuer ist mit IV?/« für jeden Umsatz b>§ zur letzten Hand festgelegt. Gleich- zeiti- wird auch die Liste der Gegenstände, die unter die Luxussteuer fallen, noch erweitert werden.

** Die Deuischnattovalen hielten am Montag ihren Berliner Bezirksvartettag ab. 3n dem Bericht über die Tätigkett der^Froktion in Weimar wurde erklärt, daß für die Fraksion nur die schärfste Opposition in Bettacht komme. Lang anhaltender Beifall beglei­tete die Erklärung, daß in dieserkaiserlofen schreck- lichen Zeit" die Partei sich uneingeschränkt zur M o - narchie bekennen, dabei jedoch einen gewaltsamen Umschwung ablehne.

* Prozeß ErzbergerHelfferich. Am Montag, 29. September, sind die Akten in der Klagesache Erzberger gegen Helfferich in die Hände der Staats- anwaltschaft gelangt. Die Staatsanwaltschaft hat darauf das Ermittelungsverfahren eingeleitet

V Großenlüder. Aus englischer Kriegsgefanzen- schaft sind zur größten Freude der Angehörigen und der Gemeinde Heinrich Bollinger und August Kremer wohlbehalten heimgekommen.

]:[ Hünfeld. Einen sehr schönen musikalisch-thea- tralischen Abend veranstaltete am Sonntag mit Unter­stützung früherer Schülerinnen und einiger anderen jungen Damen aus der Stadt die hiesige höhere Mädchenschule. Den Mittelpunkt und Glanz-

Die Streiksetrche.

Auf der Zeche Wolheim bei Bottrop ist die ge­samte Belegschaft in den Ausstand getreten, weil ein Steiger und Betriebsratsmitglied von der Zechen­leitung seine Entlassung erhalten hatte, nachdem er wegen Entwendung von Zechentreibriemen zu drei Tagen Gefängnis verurteilt worden war. Die Be­legschaften der benachbarten Zechen Mathias StinneS I und II und Nordstern wollen in einen Sympathie­streik eintreten, falls der entlassene Steiger nicht wieder eingestellt und außerdem ein Steiger, der vor Gericht als Belastungszeuge aufgetreten war, nicht entlassen wird.

Das Personal der Halle-Hettstedter Eisenbahn ist ausständig. Der Betrieb ruht vollständig.

Der Berliner Metallarbeiterstreik.

Die Verhandlungen zwischen den Metallindustriel- len und dem Reichsarbeitsministermm sowie dem Me- tallarbeiterverbande stehen nach wie vor auf dem toten Punkt. Die Arbeitgeber sind zu Verhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß bereit, jebod) nur auf Grund des Schiedsspruchs, den beide Parteien anerkannt haben.

3n den Berliner Zeitungen wird berichtet, daß die Zahl der Arbeitswilligen sich mehre. Da- gegen wird von der Stteilleitung versucht, die Stta- ßenbahner, Hochbahner und Omnibusangestellten in den Streik hineinzuziehen. Die Vertrauensleute der Hoch­bahn haben eine Beteiligung an dem Streik abge­lehnt. Das Gleiche ist von dem Personal der Stra­tz e n b a h n und der Omnibusbetriebe zu mel­den. Ein intereffantes Bild, wie die Stimmung unter den Angestellten derStraßenbahnsich verschoben hat, gab eine Versammlung auf dem Sttaßenbahnhof Weißenfee, Über die folgendes berichtet wird:

In der Versammlung sprach ein Mitglied des Arbeiter­rats über die Notwendigkeit eines Streiks, falls die For­derungen der Elektrizitätsarbeiter nicht erfüllt werden soll­ten Es sei Mn, führte der Redner aus, bekannt, daß bei einem Ausstand der Elekttizstätsarbetter die techmfche Noihilfe in Kraft treten und den Betrieb der Werke fort- führen solle. Das dürfe man nicht dulden. Cs sei Pflicht der Straßenbahner, sofort in einen Sympathiestreik ein. zutreten, falls die technische Nothilfe ihre Tätigkeit auf­nehmen sollte. Diese Ausführungen wurden von der Ver­sammlung mit Widerspruch ausgenommen. Darauf meldeten sich Schaffner und Fahrer zum Wort. Emer der Redner führte aus, daß es für die Straßenbahner gleich sein könne, wer den Strom liefere. Die Clektrizitätsarbeiter feien stark genug, ihre Forderungen selbst durchzusetzen. Wenn der Arbeiterrat von den Kollegen verlange, daß man in den Streik eintreten solle, so möge er vorher dafür sorgen, daß der Transportarbeiteroerband die Streikimter- stützungen in der Höhe des laufenden Gehalts zahle. Man wolle nicht hungern, während der Arbeiterrat fein Geld weiter beziehe. Diese Ausführungen fanden den unge- teilten Beifall der Versammlung. Die Schaffner und Fnh- rer verließen daraufhin die Versammlung und ließen den Arbeiterrat mit wenigen seiner Anhänger allein zrnuck.

Auch unter den Metallarbeitern richtet sich die Stimmung von Tag zu Tag mehr gegen die radikale Streikleitung und letzten Endes gegen den Metallarbei­terverband. Gleichwohl haben sich noch die Arbeiter einzelner kleiner Betriebe dem Ausstand angeschlossen. Die Zahl der Streikenden ist augenblicklich 44 500, die der Ausgesperrten 67 000. Dabei handeü es sich um die Arbeiter von 123 Firmen. In 73 Betrieben mit 78 000 Arbeitern ruht der Betrieb völlig.

Der heutige Dienstag wird die Entscheidung über eine Generalstreikdrohung der Metallarbei- ter bringen. Man erwartet, daß die Leitung des Me­tallarbeiterverbandes einen starken Druck auf die Ge­werkschaftskommission dahin ausüben wird, daß die Gewerkschaftskommission den ihr angeschlossenen Ge- werkschaften empfiehlt, sich akttv an der Streikbewegung der Metallarbeiter zu beteiligen. Mit anderen Worten: Der Metallarbeiterverband wttd nicht davor zurück- schrecken, das letzte Mittel anzuwenden, um, seit« Dro­hung, das gesamte werktätige Leben Berlins in der Form eines Generalstreiks lahmzulegen, wahrzu­machen. .

Seginttcnbe Einsicht in Leipzig.

In einer Mitgliederversammlung der Nn ab- hängigen in Leipzig, in der über den Eintritt in den Streik entschieden werden sollte, scheiterte diese Absicht an dem energischen Widerstand der Mehrzahl der Mitglieder. Es wurde betont, daß die Zeiten für kommunistische Putsche vorüber seien. Die aufgeklärten Arbeiter seien zu der Ueberzeugung gekommen, daß sie durch der« artige Streiks sich nur selbst schädigen und nur zu Gunsten des ausländischen Kapitals wirkten. Ein Sympathiestreik der Leipziger Arbeiter für die Berliner Metallarbeiter wurde daher abge- lehnt.

Das Ende des engl. Elsenbahnerstrelks.

den 10. Oktober anberaumt. Don der deutschen Regierung wird verlangt, daß die deutsche Zolleinheit im Westen uneingeschränkt wieder hergestellt wird, damit die Waren- überslutung durch die offene. Grenze ein Ende erreicht.

Die belgische Küste von den Engländern geräumt.

Das belgische ,Echo' meldet:Die Engländer haben die belgische Küste geräumt. , Die großen Panzer « Befestigungen der Deutschen in Zeebrügge werden von den belgischen Truppen gesprengt. Die Schiffs-Geschütze der Deutschen, die bei Ostende und Blankenberghe stehen, werden nicht entfernt. Die Eigenschaft von Dover als britischer Flotten - Stütz­punkt wird aufgehoben."

DemonfirationszÜge ans das Land.

Demonstrationszüge gegen die Nichtablieferung des Brotgetreides und anderer Lebensmittel sowie gegen den Wucher veranstalteten dieser Tage 2 bis 3000 Arbeiter von Kaiserslautern nach den nahe gelegenen Dörfern und brachten ihre Wünsche vor den rasch zusammenberufenen Gemeinderäten vor, wobei Lehrer und Ortsgeistliche zugezogen wür­ben. Die Veranstaltung verlief in ruhiger Weise. Ebenso geschah es in mehreren Orten des Bezirkes Kusel, wo auch Hunderte von Arbeitern durch die Dörfer zogen und Plakate mit der AufschriftNie­der mit dem Schleichhandel und dem Wucher" ge­tragen wurden.______ _________________

* Die Kommission zur Besichtigung der zerstör­ten Bergwerke Nordfraukreichs hat ihre Arbeit been­det und "festgestellt, daß die Wiederherstellungs - Ar­beiten je nach dem Grade der Zerstörung 28 Jahre in Anspruch nehmen werden.

* Stromsperre ht der Pfalz. Seit Montag früh ist die Zuführung elekirffchen Stromes in der Pfalz wegen Kohlenmangels eingestellt. Alle Betriebe, auch die Straßenbahn, stehen still. Die Zeitungen können nicht erscheinen. Der Ueberlandzentrale der Pfalz ist es nicht gelungen, von den Franzosen die benötigten Kohlenmengen zugesichert zu erhalten.

* 800 Ortschaften in Holstein sind ohne Licht und elektische Kraft, weil Lübeck infolge Kohlenman- gels keinen Strom mehr abgeben kann. In Lübeck ist auch der ganze Straßenbahnverkehr eingestellt worden.

* Eine japanische Mission, mit Vizeadmiral Cato an der Spitze, reift nach Den tschla nd, um die dort herrschenden Verhältnisse zu studieren.

* Guatemala, ein mittelamerikanischer Staat, hat den Fliedensvertrag mit Deutschland ratifiziert.

rnmnoch Musikstücke^hör", d"ck°°ll/n°Ewahsi

des Abends ist für Schulzwecke bestimmt

0 Hanau. Landrat Schmid ist nachBerlrn berufen worden. Er wird auf Wunsch des Mini­ster» Heine für die nächsten Monate das allgemeine Referat der Ministeriums des Innern übernehmen und demnächst nach der Reichshauptstadt,^siedeln Landrat Schmid ist kurz vor Ausbruch der.Revolution von Berlin, wo er als Regierungsrat im Mm ste rium des Innern tätig war, nach Hanau versetzt toorbett.-^ Das am Montag zusammengetretene Schwurgericht verhandelte gegen dre am 9 Dezember 1889 in Buchenau, Kreis Huuftd, ge­borene Maria Richter, die angellagt toar, ibr am 1. Dezember v. I. geborenes Kmd ertrankt zu haben. Das Urteil lautete auf 9 Monate Gefängnis, 1 Monat der Untersuchungshaft wurde in Anrechnung 9eb*a$armftabt. Der VolkSverein hatte die Katho­liken Darmstadt» zu einer großen Versammlung। tn das Gesellenhaus berufen, in welcher die so bren nenbe Schulfrage eine überaus klare, grunvfa? liche Behandlung durch Herrn Professor Lenhar - Bensheim erfuhr, Der Redner sühne aus: Wenn mller arotzer Bischof Freiherr Emanuel v. Steneiei heute aus seiner Gruft aussteigen würde so wurde ei über eines tief bekümmert sein: die Gleichgrlttgkett un seres Volkes in der Schulfrage, soweit sie die ausge prochene christlich-religiöse Schulerziehung, betrifft Hier haben wir in den letzten S0 Jahren emen ve hängnisvollen Rückschritt gemacht der s-ch b ter rachen wird, wenn es uns nicht gelingt, unser Volk aus: d ser gefährlichen Gleichgültigkeit zu reißen. Die mo^rne Entwicklung hat der Schule eine ungeheure Stoffuber- lastung gebracht und sie zu einer ausgesprochenen Lernschule gemacht. Für die Erziehung war kern P.atz mehr in ihr. Das Ergebnis dieser Entwicklung haben wir jetz! vor uns. 3n ben ersten, 3

als unsere Freiwilligen hinauszogen und höchste kriege­rische Leistungen vollbracht wurden, hat man das Lol der modernen Lernschule in allen Tonarten gelungen. Sie hat auch ihr Lob ganz gewiß verdient. Aber das Ende des Krieges zeigte uns die Kehrsette der Me­daille. Eine beispiellose Roheit der Lugend flutete über uns hinweg und wir haben einen so großen sitt­lichen Tiefstand in unserem Volke zu verzeichnen, wie er nach dem 30jährigen Kriege sicherlich nicht groß« war. Letzt erst kommt es in die Köpfe hinein, daß wir mit Lernen allein allmählich untergehen. Hoff­mann verdanken wir es nicht zuletzt, daß die Regelung der Schulfrage in der Verfassung weit bester ausge­fallen ist, als nach dem vorausgegangenen Furchtbaren zu erwarten war. Als bekenntnistreuer Katholik kann uns freilich diese Regelung in keiner Weise befriedigen, als Politiker aber ist sie günstig zu beurteilen, beson- ders für uns Hosten. Wir stellen uns bei der Kqmpf- führung auf den Boden der Verfassung. Das ist pon< tisch unsere Stärke. Den radikalen Lehrem, die mti dem Streik drohen, wenn der Elternmttrag bezüglich der Schulart durchgedrückt wird, sage ich: Leder Be- amte ist Diener seines Staates und über seine An- stellung entscheidet das Volk in seinem Parlamente; Dafür haben die Lehrer durch die Verfassung die Ga> rantte, daß ihnen keinerlei wirtschaftliche Nachteile er­wachsen können. Lm Anschluß an die mit größtem Beifall angenommene Rede gab der Vorsitzende, Her, Sanitätsrat Dr. Kocks, Kenntnis von der Gründung eines Katholischen Presse - Vereins Darmstadt, der in aller Kürze mit einer umfassende« Tätigkeit einsetzen wird.

* Heiligenstadi. Der Kreisarzt hat die sechs- jährigen Schulkinder untersucht; 20 Prozent waren nicht einwandfrei. Chronische Nasen-Katarrhe, Drüsen-Wucherungen, Ohren-Erkrankungen, Haar- Krankheiten, Herzfehler, Augenleiden, Hautkrank- heiten, Sprachfehler und Schwachsinn nehmen in be- forgniserregender Weise zu. Die Lungen - Tuberku­lose berbreitet sich immer mehr.

(w) Die Bcbeufung der Einsuhrmesse

tritt, so wird uns aus Frankfurt a. M. berichtet, mit jedem Tag schärfte in die Erscheinung. Nicht nur do­kumentiert sich dies in dem immer mehr anwachsenden Besuch, sondern auch in dem Intereste, das sowohl unsere inländische Presse, als auch die mafcgebenben Blätter des neutralen und selbst d-s feindlichen Aus­landes dem Unternehmen entgegenbringen. Die Meste-- leitung hatte den 4. und 5. Oktober als besond e r e Presstage eingerichtet. Unter sachkundiger Füh­rung ging es an beiden Tagen durch die weitverzweig­ten Meßräume. O. E. Sutter vom literarischen Büro war neiunermüdlicher Erklärer, und auch mti den Ausstellern wurde Rede und Gegenrede getauscht, um ein möglichst klares Bild über Umfang und geschäft­liche Sebeutung der Messe zu gewinnen.

Sonntag Nachmittag Bereinigten sich auf Einladung der Mesteleitung die Vertreter der Presse mit denen der städtischen Behörden und der Handelskammer zu einem Festessen in den Räumen des Zoologischen Gar­tens. Oberbürgermeister Voigt würdigte in treffen- den Worten die Bedeutung der Presse, nicht nur in Bezug auf die Messe, sondern auch gegenüber der städtischen Verwaltung, die trotz oft scharfer Kritik doch in ihr lebendige Helfer sehe. Professor Dr. Trump- l e r bezeichnete es als Vertreter der Frankfurter Han­delskammer als die dringendste Aufgabe der Regie­rung, mit allen Mitteln dafür zu sorgen, daß sie die Verfügung über die deutsche Westgrenze Wiedererhalte. Die sei die Voraussetzung einer einheitlichen, gesunden Wirtfchaftspolitik. Deutschland könne seine Verpflich­tungen aus dem Friedensoerttag nicht erfüllen, so lange die offene Westgrenze bestehe, die dem deutschen Wirt- schaftskörper das Blut entziehe. Richt nur eine Ein­fuhr-, sondern auch eine Ausfuhrkontrolle seitens der deutschen Regierung sei bitter nötig. Als Vertrter der auswärtigen Preste dankte Dr. Pinn-er vomBerl. Tageblatt". Er hob die Planlosigkeit der bisher un­ternommenen Maßnahmen hervor, um dem namentlich in Berlin stark hervortretenden Chaos ein Ende zu machen und begrüßte die Frankfurter Messe als das Symptom eines gefunden und starken Regionalismus. Es fei im Interesse des ganzen Reiches, zu hoffen, daß solche ratkrästigen Bestrebungen,^wie sie in Frankfurt iu Lage träten, von Erfola «krönt feien.

Die Ausfichter» der Ratifizierung.

Eine allem Anschein nach aus dem Generalsekre- »ariat der Friedenskonferenz stammende Mitteilung des Pariser ,TemPL' versichert, daß die Inkraft­setzung des Friedensvertrages mit Deutschland durch den König von Italien und den König von Eng­land unmittelbar bevorstehe. Da ferner der sranzö- sische Senat den Verttag spätestens am Samstag annebmen werde, so werde der Präsident der Repu- blik sicher am nächsten Samstag oder Sonntag eben­falls die Ratifikation unterzeichnen. Auf diese Weise werden am 12. Oktober die Ratifikationen von dreiGroßmächten vorliegen, die notwendig sind, damit der Verttag in Kraft trete. Voraus­sichtlich werde sofort am 12. Oktober im Ministerium des Aeußeren das Protokoll unterzeichnet werden, daS die notwendigen Ratifikationen bestätigt, sodaß die im Friedensvertrag vorgesehenen Fristen von diesem Tage an laufen würden. Die Folge sei, daß sich der Vorstand des Völkerbundes dann inner­halb zwei Wochen versammeln müste, um nach dem Artikel 48 des Friedensvertrages die Abgrenzung des SaargebieteS zu regeln und die Regierungskom­mission für dieses Gebiet zu ernennen, ebenso einen Oberkommistar für Danzig zu bezeichnen. In jedem Falle werde also der Vorstand des Völkervereins zn- fammentreten müssen, selbst wenn die Ratifikatton der Vereinigten Staaten noch nicht erfolgt wäre.

Dis Behandlung dÄttscher Gefangener durch Amerikaner.

Unter dem 30. September bat die Reichsrsgierrmg eine Mitteilung an die schweizerische Regierung ge- richtet, in der sie ihre Hilfe gegen' die MtzhaiuLung deutscher Kriegsgefangener in den amerikanischen .Ge­fangenenlagern erbittet.

Die Zustände in den amerikanischen Lagern waren bisher immer als günstig geschildert worden und soll­ten sich insbesondere von den Verhältniffen in den französischen Lagern zu ihren Gunsten unterscheiden. Nunmehr scheint eine auffällige Wandlung eingetreten zu fein. Nach vorliegenden Berichten ist die Behandlung unserer Kriegsgefangenen in zahlrei­chen amerikanischen! Lagern recht schlecht, zum Teil grausam und unmenschlich: u. a. wird be- richtet, daß vor kurzem eine deutsche Arbeiterzruppe bon 33 Mann beim Abbrennen von Schießmaterial zu Schaden gekommen war und schwere Brandwunden er­litt. Als die übrigen Leute sich weigerten, diese Ar­beit ohne die erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen fortzusetzen, wurden diese Leute wegen Arbeitsverwei- flerung in Einzelarrost gesperrt und mit Nahrungsent- ziehung besttaft, solange bis sie die Arbeit wieder auf­nahmen. Auch die allgemeinen Lebensverhältnisse sind nicht geeignet, die Arbeitslust zu erhalten. Beispiels, weise erhalten unsere Kriegsgefangenen für schwerste Arbeit einen Tagelohn von 20 Een tim e-s, wahrend freie Arbeiter für weit geringer schwere Arbeit 20 bis 30 Franken den Tag bekommen. Dazu kommt die vielfach unwürdige Behandlung. Persagpn irgend welche Leute wegen Ermüdung usw., so werden sie mit Kolb en sch lägen, Bajonettstichen und Fußtritten reguliert. Dabei wurde z. B. in TourS im, amerikanischen Gefangenenlager noch kürzlich ein Befehl angeschlagen, der jede Beschwerde bei Strafe des Einsperrens verbot.

Die Reichsrgierung wendet sich nun cm die schwei- S'sche Regierung mit der Bitte um Mitteilung dieser dände an die Regierung der Vereinigten Staaten und fordert gleichzeitig die Zulassung deutscher Ver­treter zum Besuch der Gefangenenlager.

Das Reichsnotopfer und die Entente.

Kein Beschlagnahmerecht der Entente.

In einem Teil der Presse war in den letzten Tagen wiederholt der § 48 deS Friedensvertrags in Verbindung mit dem Reichsnotopfer gebracht und die Befürchtung ausgesprochen worden, daß die Entente auf das Reichsnotopfer Beschlag legen könnte. Demgegenüber wird amtlich in derD. Allg. Ztg." festgestellr, -

daß dieser Paragraph sich seinem klaren Wortlaut nach nur als em Bürgschastsvaragraph erweist. Die Bürgschaft bezieht sich aber nicht auf irgend einen be­stimmten Besitz oder eine bestimmte Steuer, sondern auf das gesamte Eigentum des Reiches und aller deutschen Staaten, sowie auch deren sämtlichen Ein­kommenquellen, gleichviel, ob sie steuerlicher ober an­derer Natur sind. Ern einseitiges Jnbezwhung setzen mit dem RcickSnoiopfer ist deshalb unbegründet. Der Artikel 48 gilt ganz allgemein und gibt der Entente kein Recht zu irgendwelchen Zugriffen.

Im übrigen ist die Frage sowohl im Ministe­rium, wie in der Generaldebatte in Weimar, als als auch neuerdings in der Ausschußberatung zum Reichsnotopfer auf das eingehendste durchgesprochen worden, in Verbindung mit den Mitteln und Wegen, bie uns zur Verfügung stehen, unsere nächsten Ver­pflichtungen gegenüber der Entente zu erfüllen, Nach diesen eingehenden Erörterungen ist beschlossen worden, an dem Reichsnotopfer festzuhalten und die Beratungen über das Reichsnotopfer fortzusetzen. Hieraus ist der Standpunkt der Reichsregierung und »er Mehrheit klar ersichtlich.

DasLoch im Desien".

Seit einiger Zeit ist die deutsche Reichs! egierung be- wüh:, die durch die offene Grenze im Westen entstandenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu beheben und dem Gesetz über die Erhebung der Einfuhrzölle in Gold auch an der Westgrenze Geltung zu veffchaffen. Eine neue Kon­ferenz mit Vertretern der Alliierten ist auf

Hebet die Bedingungen unter denen die Beile- aung des Eifenbahnerstreikes erfolgte, wird gemeldet: Die streikenden Eisenbahner nehmen die Arberg so­fort wieder auf. Die Verhandlungen werden foit- gefetzt unter der Voraussetzung, daß sie vor Ende des Jahres beendet sind. Die gegenwärtigen Lohn­sätze bleiben bis zum September 1920 aufrechterhal­ten und können dann herabgesetzt werden, wenn die Preise der Lebensmittel inzwischen gefallen fern sollten. Maßregelungen und Loynzurückbehattungen wegen der Teilnahme am Streik erfolgen matt. .

Der Streik der englischen Eisenbahner, der tm ganzen etwas länger als eine Woche gedauert hat, ist mm mit einer Verständigung unter den Par­teien zum Ende gekommen. Die Hoffnung der Ei^n- bahner, auch die anderen Arbeiterverbände in den Streik hineinzuziehen, hatte sich nicht erfüllt, auch aus ,-----,. . , . . -

pvn eigenen Reihen waren erbebl^ ws aer i punkt des Abends faltete die Heine romantifäe Mar-