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| Montag 6. Oktober 19l9.

/i 2 A 1 Dmmtworllich für den redaktionellen Teil: Karl Schütte, 51t. aJv« | für die Anzeigen: I. Parzeller, Fulda. Rotationsdruck.

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Der Friedensvertrag

im amerikanischer: Senat.

dem Vorbild' Maßnahmen

»er Verlauf ver Beratungen

über das Betriebsrätegesetz.

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zur Unterstützung des Arbeitgebers in der Erfüllung der Betriebszwecke sind in allen Betrieben, die in der Regel mindestens 20 Arbeiter beschäftigen, Betriebs­räte zu errichten. Soweit in der Regel weniger als 20, aber mindestens 5 Arbeitnehmer, von denen min­destens 3 nach § 13 wählbar sind, beschäftigt werden, ist ein BetriebSobmann zu wählen. Sind in sol­chen Betrieben mindestens 5 Arbeiter und 5 Angestellte beschäftigt, und einigen sich die Mehrheiten beider Gruppen nicht auf einen gemeinsamen BetriebSobmann, so wählen die Arbeiter und die Angestellten je einen Betricbsobrnann.

§ 1 a. Zur Wahrnehmung der besonderen wirtschaft­lichen Interessen der Arbeiter und Angestellten deS Be­triebs dem Arbeitgeber gegenüber sind in allen Betrie­ben. in deren Betriebsräte Arbeiter und Angestellte vertreten sind, Arbetterräte und Angestellten­räte zu errichten. Der Arbeiterrat und Angestellten, rat wird gebildet durch die Mitglieder der betreffenden ' Gruppe und durch Ergänzungsmitglieder, die durch die betreffenden Gruppenangehörigen gewählt werden. In Betrieben, in denen 2 BetriebSobmänner gewählt sind, vertritt jeder von diesen die besonderen Interessen seiner Gruppe.

Diese Anträge waren vom Zentrum, Sozialdemokra- sen und Demokraten gemeinsam gestellt und wurden m der vorliegenden Fassung angenommen. ,

§ 2 des Entwurfs wurde in unveränderter Fassung angenommen.

Eine Aussprache fand ferner noch darüber statt, ob der Teil der Angestellten, die man nicht als un­mittelbare Beamte ansehsn kann, unter dieses Gesetz fallen sollen. Der Gesetzentwurf über die Beamtenräte liegt noch nicht vor, sodaß hier immerhin einige Schwierigkeiten vorhanden sind. Die Kommission brach bre Verhandlungen ab, ohne die Beratung des § 3 zu beenden.

'Zu bemerken wäre noch, daß der Antrag deS Zen­trums, den Betriebsobmann in der Landwirt­schaft erst bei zehn ständigen Arbeitern einzurichten, abgelehnt wurde, weil ein Mitglied der deutschnatio­nalen Volkspartei mit den Sozialdemokraten stimmte. Ter Antrag wurde mit 14 gegen 13 Stimmen abge- , Dr. Rösicke hat beantragt, die Landwirtschaft wlle überhaupt nicht unter dieses Gesetz fallen. Der Negierungsentwurf, der allgemein den Öbmann Bet 5 Arbeitnehmern vorschreibt, ist damit angenommen.

Das Mitdestirnmungsrecht.

Wie die nachstehenden Darlegungen zeigen, kommt ?le Beratung des Gesetzes über die Betriebsräte nicht Fluß. Wenn die Einrichtung der Betriebsräte ge­kegelt ist, bleiben freilich noch die nötigen Richtlinien für ihre Tätigkeit zu ziehen, und da wird noch wonche horte Nuß zu knacken fein. Insbesondere auch hur gedeihlichen Abgrenzung des Mitbestim- rn u si g s r e ch t s der Betriebsräte bei der Einstellung, Beförderung und Entlassung von Arbeitern und An- Lestellien. ' x

Welche Gefahren hierbei zu beachten sind, wird örell beleuchtet durch einen bei einer Berliner Metall-

Gesetzgeber, ____

Die Räumung des Battenlattdes.

Deutsche D-rwahruug.

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DieTrier. Lcmdeszeitmtg" berichtet: Um der Kattoffelnot Herr zu werden, hat die Stadt Trier zur Selbsthilfe gegriffen. Sie hat, gemeinsam, mit dem Landratsamte cm Donnerstag eine Kartoffelfahrt nach einem Orte des Hochwald Reinsfeld unter, nonuntn, um dort die Karwffeln zu holen, die der Or^ bisher nicht lieferte. Die Stadt sah sich nach den Ausführungen des zuständigen Dezernenten zu diesem Schritt, der ein Gewalt- und, wie un? scheint, auch ein. VerzweiflungSschritt war, durch die Rot deS Augen­blick- gezwungen. Zu befürchten ist, daß durch Wie- drrholungen Verhältnisse geschaffen werden, hie von

Die deutsche Antwort auf die Drühnote Entente, worin wegen Widerspenstigkeit der deutschen Soldaten im Baltenlande wieder einmal mit der

Der belgische Einbruch in Limburg aufgegeben.

Zwischen Belgien und Holland herrscht bekanntlich seit längerer Zeit eine gereizte Stimmung. Belgis-ye Annexionisten fordern anläßlich der großen Landerver­teilung durch die Friedenskonferenz auch ein Stuck S)oh lante, nämlich die durch ihre Käseproduktion bekannte Provinz Limburg für sich, wenn notig nut Gewalt« Die holländische Regierung Hot die holländisch-belgische Grenzwache verstärkt und die Garnison von Maastricht näher an die Grenze dirigiert. Wie jetzt der Brüsseler Standard" schreibt, hat man den Plan "' salls auf Niederländisch-Limburg nach dÄnnunzios infolge der holländischen

3>et Berliner Metallarbetterstreik.

Der Verband der Berliner Metallindustriellew, hat die Annahme deS Vorschlages des Metallarbeiter­verbandes neue Verhandlungen von Gruppe zu Gruppe anzuknüpfen abgelehnt, weil sie dann nur eine Wiederholung der früher wochenlang ge- pstogenen, aber refultatlos verlaufenen Verhand­lungen sehen, von der ein Ergebnis nicht zu er­warten sei. Die Streikleitung und die hinter ihr stehenden Drahtzieher greifen nun zu stärkeren,Mit­teln und drohen mildem G en er al streik.

Beilegung des engl. Ersenbahnerstreiks.

Wie Reuter aus London amtlich meldet, ist der Eisenbahnerstreik beigelegt worden. Näheres liegt noch nicht vor._____________ _____________

Selbsthilfe Triers in der Kartoffelversorgung.

« Derlaa der Fuldaer Actten5ruSerei 'M Fulda. Preis monaib I jOhtQ | 1,10 Mk.__Fernfpr. Nr. 9.

Abschneidung der Lebensmittelzufuhr gedroht wurde, ist nunmehr dem General Nudant übergeben worden. ES wird darin auf die gegen die widersetzlichen Truppen im Baltikum veranlaßten Maßregeln hin­gewiesen und gesagt, daß weitere militärische Zwangs­mittel der deutschen Regierung nicht zu Gebote stehen. Der Eintritt deutscher Truppen in russische Formationen sei wiederholt mißbilligt worden. Eine Ermächtigung dazu würde niemals gegeben. General v. d. Goltz sei abberufen und durch Generalleutnant d. Eberhardt ersetzt worden, der den Rücktrans­port durchzuführen bestimmt sei.

In ihrem zweiten Teil wendet sich die Rote mit schärfster Verwahrung gegen die angedrohte Erneue- rung der Lebensmittelblo^lade. Es wird Gejagt:

Die alliierten Regierungen dürsten nicht vergessen haben, daß gerade die Hungerblockade nicht nur den Tod Hunderttaus ender Frauen, Kinder und Kranken verschuldet, sondern auch durch Schwächung der ArbeitSfähigieit infolge chronischer Unterernährung nicht zum geringsten xetl die Zers etzungSersch ein ungenverschuldet hat, unter denen Deutschland zurzeit so schwer leidet. Die deutsche Regierung gibt vielmehr der zuversichtlichen Erwartung Ausdruck, daß die alliierten Regierungen ihren guten Willen anerkennen und dementsprechend von den un- menschlichen Kriegsmaßnahmen gegen die deutsche Zivilbevölkerung, die doch keinesfalls eine Mitschuld an dem Verhalten der Truppen im Osten trifft, Abstand nehmen werde.

Zum Schluß wird nochmals die Bildung einer auS Deutschen und Ententevertretern zusammenge­setzten Kommission zur Prüfung, Ueberwachung und Durchführung der notwendigen Maßnahmen borge»

Gleichzeitig Hat der Reichswehrminister Noske Befehle an das Armee-Oberkommando Nord erlassen,

Die Entwaffnung Deutschlands.

Die französische Kammer hat nunmehr den vielbesprochenen Antrag Lafövre auf völlige Ent­waffnung Deutschlands in folgender Fassung ange­nommen:

Die Kammer lädt die Regierung ein, sich mit allen alliierten und assoziierten Mächten hinsichtlich der Ausführung von Maßnahmen, die die Entwaffnung Deutschlands und keiner Verbündeten verwirklichen, und die darin bestehen, daß die Fabrikation von Kriegs­material verboten wird, in» Benehmen zu setzen.-

Dte Besprechung deS Antrags in der Kammer entfesselte eine zieinlich hitzige Debatte, wobei sich Rationalisten und Sozialisten in die Hände arbei­teten. Die Redner beider Parteien bezogen sich hauptsächlich auf die Neußerungen der deutschen un- abhängigen Presse, die nicht aufhöre, von dem Wiedererstarken des preußischen Militarismus, von Geschützsendungen an die Armee v. d. Goltz usw. zu berichten. Languet sagte, daß die Alliierten selbst gemeinsam mit der deutschen Regierung v. d. Goltz unterstützten, um dir russische Sowjet-Regierung zu bekämpfen, ohne einen Beweis für diese Behauptung zu erbringen. Der Sozialist Cochin erzählte mehrere Schauermärchen über die deutsche Freiwilligenarmee die bei andauernden Werbungen sich auf viele Hunderttausende belaufe. Er schimpft über Roske und preist die Unablängigen. Schließlich wurde der Antrag Lasävre einstimmig auch mit den Stimmen der Sozialisten angenommen.

Warenfabrik ausgebrochenen Streik, über den der Vorwärts" folgendes mitzuteilen weiß:

Am 1. Oktober sollte von der Betriebsleitung ein Schlosser eingestellt werden. Diese Einstellung wurde dem Arbeiterausschuß zur Genehmigung vorgelegt. Nach einem im Wortlaut veröffentlichten Protokoll erklärte eines der Mitglieder des Arbeiterausschusses, daß ein M e h r h e i t s- fozialist grundsätzlich nicht mehr in dem Betrieb angenommen werden könne, weil dies sonst Unruhen in die Betriebe hineinbringen würde. Ein anderes Ausschußmitglid bemerkte dazu, daß die Betrlrbs- leiiung lediglich die Tüchtigkeit des Arbeiters, der Ar- beiterausschuß dagegen dessen politische Rich­tung zu prüfen habe, denn auch die Firmen hatten das größte Interesse daran, gleichartig gesinnte Leute zu be- schäftigen, damit unnötige Unterhaltungen über Politik unterblieben, die sich andernfalls nicht vermeiden ließen. Da die Letrkbsleiwng nicht gesonnen war, sich dieser Dik- totur des Arbeiierousschusses zu fügen, und die Bemü- Hungen, diesen von der Unhaltbarkeit seines Standpunktes zu überzeugen, vergeblich blieben, mußten die Verhand­lungen abgebrochen werden. Kurze Zeit darauf wurde der Betriebsleitung rnttgetei«, daß die Arbeiter beschlossen hätten, in den Streik zu treten, falls ihnen nicht noch- gegeben würbe. Die Arbeiter haben mzwifchen auch bie Arbeit niedergelegt.

Die Unabhängigen wollen also itt den Betrieben, wo sie die Macht haben, nur ihre eigenen Partei­genossen zulassen. Sogar die Mehrheitssozialisten wek-

Wege eine Vreständigung zu erreichen. Die Unter- kommission hat in schwierigen Verhandlungen eine zahl Anträge formuliert und sie gemeinschaftlich zur Beschlußfassung der Kommission borgelegt. Ein klares Md über die gefcfjten Beschlüsse der Kommission be­kommt man nur durch eine zufannnenfassende Darstel­lung. Wir lassen deshalb die ersten Paragraphen nach den Beschlüssen der Kommission in erster Lesuniz hier folgen.

§ 1. Zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Ajnäressen her Arbeitnehnrer (Arbeiter und Ange­stellte) des Betriebes dem Arbeitgeber gegenüber und

trieben eine große Mehrheit. Wenn nun die Betriebs­räte t«rüber zu beschließen haben, was besondere In­teressen der Arbeiter ober Angestellten sein sollen, dann werden die Angestellten einer dauernden Vergewalti­gung ^Ze^setzt sein. Die Zentrumspartei legte in der Äomnnfsion Wert darauf, daß eine 6efent ere Vertretung für die Gruppen der Arbeiter und Angestellten im Betriebe vorhanden fein müsse. Diese Rterfrelung der beiden Gruppen solle dann zur ge- nieinschaftlichen Vertretung aller Interessen des Be­triebes zusaunnentreren. Diese Ansicht entspricht zwei­fellos dem praktischen Bedürfnis. Denn von einer Gleichheit der Angestellten und Arbeiter im Betriebe in allen Fällen kann keine Rede fein. Denselben Standpunkt vertrat auch die demokratische Partei. So -standen sich zunächst einmal die Ansichten so schroff gegenüber, daß in der Kommission eine Verständigung unmöglich war.

Die wesentlichsten Punkte im BetriebSrätegesetz sind 5er organisatorische Aufbau und der Aufgabenkreis, die man den Betriebsräten zu­weist. Auch hier wieder gingen die Meinungen sehr stark auseinander. Tie Mitglieder der Zentrumspartei vertraten in her Kommission den Standpunkt, daß die Arbeiterschaft auch zur Mitwirkung an der Be­triebsleitung Berufen fein soll. Sie wünschen aber, baß darüber volle Klarheit herrschen müsse, daß dem Betriebsleiter die letzte Entscheidung über Detriebsführung und Betriebsleitung zustehen solle. Die Sozialdemokratie steht unter dem Einfluß ihrer ganzen Vergangenheit und der radikalen Agita­tion der äußersten Linken. Da es sich durch die Praxis herauSgestellt hat, daß man mit der Soziali- f i e r u n g vorsichtig vorgehen muß, ja daß überhaupt noch niemand weiß, wo und wie man sozialisieren kann, so muß sie versuchen, Beftinunungen in das Ge­setz hineinzu-arbeiten, die wenigstens scheinbar auf dem Wege zur Sozialisierung liegen. Anf die Einzelheiten der Aufgaben werden tote zurückkomniLN.

Insoweit war eine Verständigung mit den Sozial- kiämokrmen zu erreichen, daß eine Abgrenzung der Aufqaben für bie Verretung der Arbeiter und Angestellten nettoertbig sei. Da man aber in der Kommission keinen Schritt vorwärts kam, so beschlossen bie Mehrheitsparteien in einer Unterkommis­sion bie Beratungen forizusctzen, um aus diesem

j!?ün schreibt unS aus Berlin: Seit Monaten «j ein lebhafter Streit in bet Oeffentlichleit über die Zweckmäßigkeit des Betriebsrätegestzes geführt worden. Mit Spannung erwartete men die Beratungen im Ausschuß.

Die Meinungen m der Kommission platzten auf» «inandrr angesichts der grundsätzlichen Stellung der «arteten zu den wirtschaftlichen und sozialen Fragen. Tagelang wurde gestritten, ob man für di- Ang e- stellten eine besondere Vertretung schaffen solle Jtor ob sie nur als ein Anhängsel gegenüber ber 23er» irenntg bet Arbeiterschaft ii Betracht kommen iollieu. Die Sozialdemokratie geht von bet Auffas­sung aus, baß Interessengegensätze zwischen Arbeitern Md Angestellten garnicht vorhanden sind. Deshalb

mutig ausgestellt, daß die politische, militärische, ton« fessionelle oder gewerkschaftliche Betätigung eines Ar­beitnehmers dem Betriebsrat keinen Grund zur Er­hebung des Einspruchs abgeben dürfe. Aber genügt das, um dis radikalen Betriebsräte von der Ausschlie­ßung der Andersdenkenden abzuhalten? Es muß nach wirksamen Schutzmitteln gesucht werden, damit die Leute, die sich nicht bei den Unabhängigen einschreiben lassen wollen, nicht außer Brot gesetzt werden können.

Eine weitere Frage ist die, ob überhaupt der Ein­spruch der Betriebsräte auch bei E i n st e l l u n g e n und Beförderungen Platz greifen soll oder nur bei E n t l a s s u n g e n. Sm letzteren Falle hat es ja eiffen vernünftigen Zweck und Sinn, wenn die Ar- beitnehmer einen Genossen zu schützen suchen gegen die willkürliche Außerbrotsetzung durch rücksichtslose Ar­beitgeber. Wenn man aber der Betriebsleitung auch bei 'der Einstellung oder Beförderung einen Hemmschuh anlegt, so wird ein Doppeltes gefährdet: Erstens die Entwicklung des Betriebes selbst, die immer malfri- sches Blut" gebraucht, und zweitens das Fortkommen der tüchtigsten Kräfte unter den Arbeitnehmern.

Welcke neuen Kräfte im Betriebe angefetzt werden müssen, kann natürlich die Leitung besser beurteilen, als der Ausschuß der bisherigen Arbeiter oder Ange- stellten. Letztere können nicht sofort eingeweiht wer­den in olle Pläne der Aus- und Umgestaltung, und ihrer Natur nach werden sie oft Abneigung gegen neue Wettbewerber haben. Auch bei Beförderungen von Genossen, die bisher ihnen gleichgestellt waren, macht sich nur zu leicht der Neid geltend. Aus derGunst- lingswirtschaft" von oben käme man dann in eine Günstlingswirtschaft von unten her. Es würden nur diejenigen emporsteigrn, die sich durch Liebedienerei gegen die maßgebenden Kollegenausgezeichnet" hät­ten, wahrend doch gerechterweise Tüchtigkeit, Treue und Fleiß entscheiden sollten.

Die Mitbestimmung durch die Arbeitnehmer ist ein zweischneidiges Ding. Sie kann zum sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt dienen, wenn ihre richtige Anwendung gesichert wird. Aber sie k a n n auch miß- braucht werden zu einem unerträglichen Gesinnungs- Siang und zur Lähmung des wirtschaftlichen Auf- wungs. Dazwischen den ersprießlichen Mittel­weg zu finden, ist eine schwierige Aufgabe für die

vertrag begonnen. Von den dreißig Abänderung , anlrsigen des Senators Fall wurden alle drS_ auf den einen abgelehnt, daß Amerika tn dem Aus;ch tz für Wiedergutmachung nicht vertreten jein Wille Hebet diesen Antrag soll spater abgestimmt were-v

FriedenSbereitfchaft im Osten.

Der Volkskommissar für auswärtige Angelegen» che'rten in Moskau, Tschitscherin, hat nach einem Radio-Telegramm folgende Erklärung abgegeben. Wir sind bereit, in jedem Augenblick Frieden zv schließen, vorausgesetzt, daß die militärischen Opera­tionen auf dem Gebiete des ehemaligen rusmchen Kaiserreiches sofort eingestellt werden und dm Blockade der Alliierten aufgehoben totrb. Wu wollen Niemanden, wer es auch sei, den Kommu­nismus aufzwingen. Die Blockade hat uns gro^etr Schaden zugefügt.

Rach einem Bericht des ,Petit Journal' wird die erste Folge der Ratifikation des FriedenSvet- träges durch die französische Kammer dis Gewährung von Erleichterten gen für die Bevölkerung der besetzten Gebiete sein. Die Kommandanten der be­treffenden Besatzungszonen fallen bereits Anwei- sungen aus Paris in Händen haben. Es soll eine Amnestie für bestrafte Bewohner der besetzien Ge-is biete gewährt werden. Außerdem ist die Aufhebung^ der Kriegsgerichtsbarkeit in absehbar-r Zeit in Aus-, sicht genommen. Für die Monate Oktober und No­vember ist eine weitere Verminderung der franzö­sischen Besatzungstruppen um etwa ein Drittel bei jetzigen Bestandes geplant.

Ml» die Desahlmg und die Lonlrollr kostet.

üm Reichsrat wurde der Entwurf des Etats des Relchs- fchatzmlnisteriumr durchberaten. In dem Etat wurden etwas üb»r 400 Millionen Mark an den geforderten Sum­men gestrichen und bei den Einnahmen eine Erhöhung von über IGO JELilüoßti.1 trn Einverständnis mit der Reichs- reglerung eingesetzt. Von befonderenr Interesse sind einige Titel des außerordentlichen Etats, die Forderungen bet Entente enthalten. Es werden gefordert für den Hohen Ausschuß" der alliierten Mächte für das Halbjahr Oktober bis April S Millionen Mark. Der Ausschuß nimmt für sich di« am besten eingerichteten Dillen uni) Gebäude in Koblenz in Anspruch. Nach Angaben.der Stadt Koblenz werden 80 bis 90 Fmnilieuwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden. Für die Unterbringung her Geschäftsräume besteht ebenfalls ein großer Bedarf. Weiter wirb für die Unterbringung der Ueberwachungs- ousMssr für Heer, Marine und Luftfahrangelegenheiten ebenfalls die hohe «Summe von 5 Millionen verlangt. Cs sollen eine Hauptkornrnissson in Berlin und mehrere Unterkommissionen in zehn anderen deutschen Großstädten gebildet werden. Di« Unterbringung ber Heeres- und Ma- rinekommission in Berlin soll in der Weise erfolgen, daß für Wohnzwecke bas Hotel Koiserhos mit 185 Zimmern, für Geschäftsräume ein Haus m der Wilhelmstraße mit 40 Zimmern und für Mannschaften und Automobile die Kaserne in der Karlstraße bereitgestellt wird. Die Kom­mission fordert weitere Geschäftsräume in der Nähe der Wilhelmstraße. Für die Luftjahrtkommission ist folgend« Unterbringung vereinbart: für Wohnzwecke der Offiziers dar Hotel'Eden mit 160 Zimmern, für Geschäftsräume und Mannschaften dte Militärtechnifche Akademie mit 150 Räu­men. Eine weitere Forderung für bie Unterhaltung der »e atzungrtruppen in den Rheinlanden beläuft sich auf '210 Millionen Mark. Bisher sind in rund 10 Monaten von der Entente hierfür 829 Millionen tn Lnsvruch genommen worden. Irgend welche Rech­nungslegung war bisher trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. Für Grundstückserwerbungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich ber Unterbringung der Be- satzungstrupxen im Rheinland wird die Summe von 20 Millionen Mark verlangt. Die Anforderungen ber De- fahungstruppen für Unterbringungszwecke sind noch gar nicht zu übersetzen. So sind zum Beispiel in Mainz von der städtischen Verwaltung 13 Millionen Mark an­gefordert worden für Neubauten, die von ber französischen Behörde in Aussicht genommen worden sind. Schließlich werden 40 Millionen Mark gefordert für bie Beschaffung von Derpslegungsvorräten durch bie Reichsverpftegungs» ämter des besetzten rheinischen Gebiets.

den abgeroiefen.

Früher wurde schon vielfach die Forderung aufge- siellt, daß nurorganisierte" Arbeiter emge- stellt werden dürften. Jetzt soll die Mitgliedschaft in einer gewerkschaftlichen Organisation nicht mehr genü­gen, ja nicht einmal das Mitgliedsbuch der alten sozial­demokratischen Partei. Die Radikalen wollen unter sich sein. Wo sie mit diesem Verlangen durchdringen, wird jeder Betrieb zu einem Bollwerk der unabhängi­gen und kommunistischen Partei; die ganze Arbeiter­schaft ist dann eingeschworen auf den Gehorsam gegen die Umsturzführer.

Der Gesetzentwurf hat demgegenüber die Bestim­mung ausgestellt, daß die politische, militärische, ton»

welche die Durchführung der Räumung bezwecken. Zunächst sind die Truppen des 6. ReservekorpS tn den Raum von Schaulen zurüSzuführen. Von dort ist die geschlossene Rückbewegung sämtlicher Truppen nach Deutschland einzuleiten. Munition oder Kriegs­geräte, die nicht mitgenommen werden können, sollen, wenn sie sonst den Bolschewisten in die Hände fallen würden, vernicktet werden. Heeresanaehörigen, die dem Befehl nicht Folge leist-n, find keine Gebühr» nisse mehr zu bezahlen.

Ein zweiter Befehl besagt, der Hebertrrtt in russische Dienste fei verboten. Bisher übet getretene. Deutsche sind zur Rückkehr aufzufordern. j

Man darf annehmen, daß die. angedrohte Dlok- kade nicht zur Ausführung kommt, da unsere Re­gierung offensiStlich alles tut, waS in ihren Kräften steht, um die Truppen zur Heimkehr zu bringen. Aber die ergangene Drohung sollte doch alle Freunde der Menschlichkeit und des Friedens veranlassen, noch einmal ernstlich und unbefangen darüber nach­zudenken, ob überhaupt die Hungerblockade ein zu­lässiges Kampfmittel ist. . , .

Die Blockade hat als KriegSrntttel Smn und Zweck, wenn sie den Transport von Soldaten, Waf­fen und allen zur Herstellung von Kriegsmttteln ge­eigneten Stoffen verhindern will. Sie wird ungerecht und grausam, wenn sie auch die Lebensrnittel für die unbewaffnete Bevölkerung abzuspcrren oder zu vernichten sucht. Dadurch wird der Woffenkrieg der Mänu>r zu einem Hungerkrieg gestaltet, der die ganze Masse der w e h r l o s e n Leute mit Vernichtung bedroht.

Die Hungerblockade ist englischen Ursprunges, da es für die seebeherrschende Floliemnacht verhält­nismäßig bequem und wirksam ist, die Zufuhren überall da abzusperren, wo ein Meeresteil uberschrtt» ten werden muß. In den verflossenen Kriegsjahren haben dir Engländer däS Verfahren in der Weise weiter enlroicfett, daß sie auch auf den Verkehrswegen, die sie nicht selbst beherrschen, (z. B. die Ostsee), den Verkehr nach Möglichkeit mittelbar lähmen, indem sie durch schwarze Listen und sonstige Bedrohungen die Neutralen zwingen, den Bekehr mit dem Feind« Englands einzustellen. .

Die Blockade Deutschlands hat wesentlich zu un­serer Niederlage beigetragen. Angesichts des kriege­rischen Erfolges würden die menschlichen Gefühle zurückgedrängt, und auch Wilson ließ sich verleiten, die grausame Hungerblockade in seinFriedensprogramm" aufzunehmen. Die Hungerkur soll als regelmäßiges Zwangs- und Srrasverfahren im künftigen Völkerbund zu den höchsten Ehren kommen.

Ein angeblicher Kulturfortschritt, der in Wirklich­keit einen Rückfall in die alte barbarische Art der Kriegführung bedeutet. Die zivilisierte Menschheit hatte sich allmähffch zu der Sitte emporgerungen, den Krieg durch den Waffen gang der männlichen Wehr­fähigen austragen zu lassen und die unbewaffnete Be­völkerung nach Möglichkeit zu schonen. Letzt aber will man sich nicht auf den Ringkampf zwischen den Bcwasfnrten beschrärrken, sondern wieder das ganze Volk mit Einschluß der Kinder und Frauen und Kranken bekämpfen, wie es einstens üblich war, als dis Völker schonungslos auf gegenseitige Vernichtung aus- gingen.

Das Verfahren sei unblutig sagen die Freunde der Blockade. Aber ist denn etwas gewonnen, wenn an Stelle von tausend Bewaffneten Hunderttausend und Millionen von wchrlosen Leuten Gesundheit und Leben verlieren? Bei einer Aufrechnung der mensch­lichen Verluste auf tarn Schlachtfelde und in dem Aurhungerungsgebiet schneidet der Waffengang offen­bar günstig ab.

Und in den Nachwirkungen zeigt sich erst recht, die Grausamkeit der Hungerblockade. Don den Verlusten auf dem Schlachtfeld erholt sich, wie die Er­fahrung zeigt, ein Volk verhältnismäßig schnell, wenn die heimgckehrten Truppen und die daheimgebliebenen Frauen und Kinder gesund geblieben sind. Da gilt es nur, einige Lücken zu füllen. Aber wenn das ganze Land unter Hunger gelitten hat, so ist die Dolkskrast in ihrem Kern geschwächt. Es leidet die Fortpflanzungs­fähigkeit; es leidet die Arbeitsfähigkeit; es stellen sich autb Zerrüttungen im Denken und Fühlen und Wol­len ein. Daher sagt unsere Antwortnote mit Recht, daß die toümmen Zersetzungserscheinun« gen in Deutschland wesentlich auf die andauernd» Unterernährung infolge der Blockade zurückzuführen sind.

Wenn der Völkerbund auf einer solchen barbarischen Methode begründet werden soll, dann ist er von vorn-

gemeinsamen Iziteressen der Arbeiter und ?ln- gestellten zu vertreten haben. Für die Vcrttetung der besonderen Interessen war im Regierungsenjwurf Wenig Raum gelassen. Nach dem Entwurf des Gesetzes bilden die Arbeiter im Betriebsrat in den meisten Be-