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Fuldaer Zeitung

M 229

Samstag, 4. Oktober 1919,

Oktober 1919.

4.

meines Seuiöeton

MitteULvgev der ftSdttltze«

* Meuterei im Braunschweiger Gefängnis. Am Mittwoch kam es im Braunschweiger Kreisgefäng« nis zu einer Meuterei der Gefangenen. Eine mit Holzspalten beschäftigte Rotte von 15 Mann drang mit Beilen bewaffnet nach dem Hauptausgang des Gefängnisses vor. Die zu Hilfe gerufene Reichs­wehr schritt gegen die Meuterer ein, von denen 10 zu entkommen wußten. Die eingeleitete Untersuchung ergab, daß die Meuterei von langer Hand vorbe­reitet war. Zwei der entflohenen Meuterer konnten wieder eingefangen werden.

* Zur Behebung der Kohlennot fahren die Deffauer Arbeiter der Berlin-Anhaltischen Maschinen- bau-Aktiengesellschaft selbst an Sonntagen ins Bitter- felder-Braunkohlenrevier, um am Sonntag Kohlen für sich zu fördern.

* „Sognaf“ aus Drennspiritns. An einer Kog- nakoergiftung starb in Neukölln der Schankwirt Emil Roth, der von seinem eigenen Schnaps getrunken hatte. Andere Todesfälle dieser Art und schwere Er-

krankungen nach „Kognak" und „Boonekamp hatten das Landespolizeiamt bereits veranlaßt, der Herkunft dieser gefährlichen Spirituosen nachzugehen. Die Er- mittldmgen ergaben, daß sich die Fälle, in denen in Berlin aus Lrennspiritus hergestellte Spirituosen aus- geschänkt werden, in erschreckender Weise gemehrt haben. Das Landespolizeiamt richtet daher fein be­sonderes Augenmerk auf die Spirituskochereien, die, ganz abgesehen, von der Schädlichkeit ihrer Erzeugnisse auch wegen Feuergefährlichkeit eine große Gefahr für alle Hausbewohner bilden. ,

* Ein tragisches Geschick. Ein Ehepaar aus Süd­frankreich fani ins Münstertal im Elsaß, um das Grab ihres gefallenen Sohnes aufzusuchen. Dabei kamen sie in die Nähe des Schatzmännle. Plötzlich erfolgte ein Krach und der Mann lag verstümmelt am Boden. Er war auf eine Flattermine getreten. Der tödlich Verunglückte, Vater von drei jüngeren Kindern, ge­hörte dem Arbeiterstande an und hatte lange gespart, um das Grab des Aeltesten besuchen zu können.

Wochenhilfe unv Wocherrfürsorge.

Von Helene W e b e r, M. d. N.

Die Nationalversammlung hat vor den Ferien (im August) noch ein Gesetz verabschiedet, das von den bei­den Mehrheitsparteien eingebracht worden war. Das Gesetz über Wochenhilfe und Wochenfürsorge. Es ist mit dem 1. Oktober 1919 in Kraft getreten und ordnet nur vorläufig die wichtige Frage der Wochenhilfe, die erst bei einer Umgestaltung der Reichsverordnung so ge­regelt werden kann, daß sie den Anforderungen der Zeit gerecht wird. Die Not schrieb Eile und schnelle Erledi­gung des Gesetzes vor. Denn wenn wir das Leben der Kinder schützen und die Sorgen der Mütter lindern wol­len, muffen wir den Schutz der Wöchnerin, der durch

Notverordnuna während des Krieges geregelt worben I ist auch für die Friedmszeit sichern und ausbauen. Ein I lückenloses und einheitliches Hilfswerk ist deshalb nicht geschaffen worden. Der organische Bau bleibt der zu­künftigen Reichsoersicherungsordnung Vorbehalten. Aber das neue Gesetz hilft den Müttern unseres Volkes m der augenblicklichen, dringendsten Notlage. Es soll be- I weifen, daß wir in den Monaten und Wochen schwerster Entscheidungen über die letzten Schicksalsfragen unseres I Vaterlandes die Zukunftssicherung der gefährdeten Müt- I ter und Kinder nicht vergeffen haben.

Das Gesetz regelt zunächst die Wochenhilfe für die­jenigen Wöchnerinnen, die bei den Krankenkasfen ver- | sicherungspflichtig find. Ihnen wird ein e i n m a l i g e r I Beitrag von 50 zu den Kosten der Entbindung gewährt. Das Wochengeld in der Höhe des Kran­kengeldes, jedoch mindestens 2,50 JA täglich wird an I sieben Tagen der Woche zehn Wochen lang ge­zahlt. Bei Schwangerfchaftsbefchwerden tritt eine Beihilfe bis zum Betrage von 25 .Al für Hebammen- I dienfte und ärztliche Behandlung ein. Den stillenden Müttern wird ein Stillgeld in Höhe desselben Krankengeldes, jedoch mindestens 75 Pfg. täglich 13 I Wochen lang zugestanden. Die Dauer des Wochengeld­bezuges kann durch Satzung bis auf 13 Wochen, die des Stillgeldbezuges bis auf 26 Wochen erweitert werden.

Das Gesetz umfaßt ferner die Bestimmungen über die Kriegswochenhilfe. Es gewährt die gleichen, eben aufgezählten Leistungen denjenigen Wöchnerinnen, die selbst nicht der Krankenversicherungspflicht unterstan­den, deren Ehegatten aber dem Reiche Kriegs-, Sani- täis- und ähnliche Dienste leisteten. Diese Wochenhilfe wird aus den Mitteln des Reiches erstattet.

In der 3. Gruppe „Familienhilfe" treten die glei­chen Leistungen der Krankenkassen ein für die versiche­rungsfreien Ehefrauen, Töchter, Stief- und Pflegetöch- i ter von krankenversicherten Männern, soweit sie mit I diesen in häuslicher Gemeinschaft leben. Das Wochen- I gelb beträgt jedoch nur 1,50 JA und bas Stillgeld 0,75 Mark. 2)a die Kaffen durch diese Beträge stark belastet werden, soll das Reich ihnen die Kosten zur Hälfte er­statten. Aus Antrag des Zentrums ist die Verantwor­tung des unehelichen Vaters besonders im Gesetz zum Ausdruck gekommen: Krankenkasse und Reich haben einen Ersatzanspruch an ihn, sobald er zahlungspflichtig

Sie 4. Gruppe der Wochenfürsorge schließt den Ring der Wochenhilfe. Sas Gesetz will auch den m i n* berbemittelten Wöchnerinnen helfen, die selbst nicht versichert sind, und auch nicht durch ihre Familien- mitolieber in den Kreis der Versicherten aufgenommen I werden. Minderbemittelt ist nach dem Gesetz eine Wo- I tbnerin, wenn ihr Einkommen und das ihres Ehemannes I 2500 -K nicht, übersteigt. Für jedes Kind unter 16 Iah- I ren wird eine Summe von 2,50 JA zugezählt. Eine un- I verheiratete Wöchnerin gilt als minderbemittelt, wenn ibr Gesamteinkommen 2000 nicht übersteigt. Auch bei ihr erhöht sich dieser Betrag für jedes vorhandene I Kind. Sie Kassen gewähren den minderbemittelten I Wöchnerinnen die gleichen Leistungen wie denen, die zur | Gruppe 3 der Familienhilfe gehören. Die Gesamtkosten aber trägt das Reich. Auf Antrag des Zentrums ist I der Unterhaltsanspruch der Wöchnerin gegen den unehe- j lichen Vater des Kindes und gegen unterhaltspflichtige I Verwandte zwar auf das Reich übergegangen. Es I wurde jedoch festgesetzt, daß neben den Verwandten dem I Reiche der Vater des Kindes als Gesamtschuldner hafte.

Kurzug aus dem Standerantts-NeMer

des Standesamt«» Fulda.

Ttcrbefälle in der Zeit vom 19. bis 25. September 1919

20. Ehefrau Katharina Kernser, aus Schlotzau, 30 Ihr 11 Mt. 28 Tg. Invalide Johann Dittmar, 65 o»hr 9 Mt. 26 Tg. 26. Hilfsmonteur Johann Karl Petri, 17 Ihr. 9 Mt. 18 Tg. 27. Oberpostsekretärs. Witwe Maria Gregor, 66 Ihr. 2 Mt 25 Tg. Ehefrau Elisabeth Glotzbach, aus Hilders, 37 Ihr. 10 Mt. 3 Tg. Heinrich Sauer, aus Uttrichshausen, 1 Ihr 7 Mt. 7 Tg. Karl Laibach, aus Nied, 8 Tg. 30. Witwe Lisette Modest 86 Ihr. 9 Mt. 8 Tg. 1. 10. Lehrerin Charlotte Volk 61 Ihr. 8 Mt. 2. Stationsarbeiter Ludwig Seuring, aus DieterShan, 29 Ihr. 4 Mt. 13 Tg. Maurer gerb. Schäfer, aus Rommerz, 40 Ihr 18 Tg.

Es steht eine beschränkte Menge Paprika (Pfeffer, erlatz) zur Verfügung, der zum ermäßigten Preis von X 6.— das Pfd. abgegeben wird. Bestellungen von Geschäften an die Nahmngsmittelstelle erbeten.

5m Schlachthof steht jetzt wieder täglich Schwär tenmagen aus Pferdefleisch zum Preise von «Al 2,25 bas Pfund zur Verfügung.

Verteilung Nr. 7:

Voraussichtlich werden auf den Kopf ausgegeben: 500 Gramm Reis (Freiverkehrsware) zu JA. 3,20, 500 Gramm Hülsenfrüchte (sog. Kapuzmererbsen)^zu ,4t i,— (ermäßigter Preis) und 500 Gramm Kunst­honig zu 80 Pfg. das Psd. ..

Anmeldungen auf Verteilungskarte Nr. 7 an die Nahrungsmilteistelle. Anmetdeschluß: Dienstag, den 7. Oktober.

Znöeranrneldung für Oklober:

Sie Oktoberzuckerkarten sind den Geschäften sofort zur Voranmeldung zu übergeben. Abgabeschluß: Dienstag, den 7. Oktober. Abgabeschluß für d,e Ge­schäfte bei der Karleukonlrollsielle: Mittwoch, den 8. Oktober.- Gegeben werden 750 Gramm auf die Karte.

— Glücklich ist, wer vcrM, was einmal nicht zu ändern ist. Dieses alte Sprichwort, eigentlich ein aller Stammbuchspruch, findet doch recht wenig Be* achtunp in unserer rauhen Zeit. Man glaubt, glücklich nur fein zu können, wenn der Himmel Mau und die lichte Sonne scheint, wenn's im Herzen und im Geld­beutel keine Sorgen gibt, wenn keinerlei Ungemach das Leben verdüstert und sich obendrein alle Wünsche und Hoffnungen erfüllen. Wenn man nun wirklich ein Glücklicher ist nach dieser Schablone, so rühmt man sich seiner Philosophie, daß einen nichts aus der Ruhe und dem Frohsinn bringen könne, und daß man ein braver Mensch sei, und natürlich steigt man in seiner Selbstachtung. Doch wer kennt nicht die Tücke des Zufalls! Wie mancher ist schon gestolpert auf scheinbar glattem Wege, wie mancher hat schon einen Einsatz gewagt und doch nichts gewonnen, wie viele Pläne wurden schon geschmiedet, die, statt zu einem Erfolg zu führen, Enttäuschung über Enttäuschung brachten! Siehe jetzt unser geliebtes Vaterland! Da ist denn bald alle Philosophie verflogen; die gemeine Angst zieht ein ins Menschenherz, und der bisher Fröhliche wird trüb und traurig. Seine Kräfte er­lahmen, fein Wille wird karg und tatenlos, arbeite» unlustig wartet er auf bessere Zeiten. Wo sollten sie wohl Herkommen? Nein, lerne man überwinden und vergessen! Werde man gleichmütig/ aber nicht gleich­gültig! Tatsachen lassen sich nicht aus der Welt schaf­fen, sie lasten sich nicht ändern, aber das Ungemach, das hereingebrochen, das läßt sich ändern, indem man es meistert durch frohgemutes Vorwärtsblicken, durch neues Kämpfen und standhaftes Ringen! Das Zagen und Verzagen führt nie zu einem guten Ziele! Hasse man auch nicht auf die Hilfe anderer Menschen — glaube man nur cn sich selbst, dann wird auch Sturm und Donner miübergehen und die Sonne les Glücks bald wieder durch die grauen Wolken des wetter­wendischen Lebens hmdurchscheinen. Aber, man muß es eben vergessen, was geschehen ist, was gewesen ist, soll heißen: man darf die Gedanken nicht vergeud ,, solange man Gescheiteres zu tun hat! zn.

Literarisch«.

Di- billigste Bauweise der Gegenwart. Praktische Anleitung mit 125 Abbildungen. Herausgegeben von Direktor'E. Abigt und Baurat H. Heyer. 3 Mk. Heimkulturverlag Wiesbaden. Di- bekannte Vereimgung Heimkultur", Wiesbaden hat für den Lehmbau eine neue verbesterte Bauweise ausgearbeitet, dazu ein Vau- veriahren, das die Mithilfe des Bauherrn oder Siedler mit seiner Familie oder einfacher ungelernter ArbeitS- kräste ermöglicht. Die vorliegende Schrift unterrichtet über diese Bauweise.

Ans Sagas Schloß. Lustige Geschichten und Sagen aus dem Hessenlande. Von Lehrer H. Schwalm. Mit farbiger Ilmschlagzeichnung 2 Mk. Verlag Wilhelm Hartung, Leipzig.

In 37 lustigen Geschichten, Sagen und Schwanken bringt uns der Verfasser, ein Schwälmer, allerlei aus unserm Hessenlande. Die alten Märchen- und Sagen- gestalten Les Landes erstehen lebendig vor unseren Augen und Sagengeister umschweben uns denn Seien. Ein genauer Kenner der Sitten und Gebräuche spricht in dem Buche zu uns — das Merkchen atmet Hmmat- duft und Heimatluft und wird allen Lesern viel Freude machen. SC1

Ausgabe ron Srankenmehl in der städtischen Ver­kaufsstelle: „

Dienstag an die Karten Nr. 1 bis 250, Freitag an die Karten Nr. 251 bis 500.

I» der nächsten Woche entfallen auf die Itrnfenbe Fettkarte 60 Gramm Margarine zu JA. 3,60 d. Pfund.

Sie Krankenkarten werden mit Auslandspflanzen» fett zu JA 10,—, Rindersett zu JA 5,50 oder Auslands- butter zu Jl 10,86 das Pfund je nach Sutetlungan di? Geschäfte, bedient. Abgabe an die Verbraucher: Freitag und Samstag.

Ausgabe an die Geschäfte: Donnerstag bei der Nahrungsmittelstelle.

3n dieser Woche mußte, da das vorhandene Frisch­fleisch Mir Berforgimtz nicht vollständig ausreichte, tml- weise Büchfenfleisch (Cornedbeef) zu JA 4,50 das Pfd. ausgegeben werden.

In der nächsten Woche werden auf die laufende Fleischkarte 100 Gramm Frischfleisch, sowie 200 Gr. Auslandsspeck zu JA 4,10 das Pfund verteilt.

Ausgabe des Specks an die Metzgereien: (richtiger Eingang vorausgesetzt) Donnerstag bei Metzgermeistei Sänket.

| 70 Jahre Bonifatiusverein. I

E sfm 5 Oktober dieses Jahres werden es 70 Jahre, |

. Bh r Bonifatiusverrin feinen Segensweg durch die toll " $GHe geht. 1849 wurde er auf der dritten f ^„Iral-Seriammlung der deutschen Katholiken zu Re- l^tfihura gegründet. Reichsgraf Joseph zu Stolberg- MEgpera war fein erster Präsident. Was der Boni- | Etiusoerein in diesen 70 Jahren für den Diaspora- i r^iliten geleistet hat, wird mit goldenen Settern in I 8 Geschichte der katholischen Kirche Seutschlands ein- I l •*La6cn fein. Und trotzdem ist er heute nötiger f aenn je. Wenn er nicht schon bestände, er müßte I l .«nimdet werden.

0 fis gibt noch so vielfache Diasporanot in UN- I ■ -»rem Baterlande. Millionen von Katholiken leben I Wer Verhältnissen, die ihren Glauben und ihre Sitt- uAfe::~aufs äußerste gefährden. Und allein sind sie I nkbt imstande, die Ursachen dieser religiös-sittlichen schädiauuqen zu entfernen. Insbesondere werden die oiafporatinber in Mitleidenschaft gezogen.

I V Es fehlt noch an so vielen Orten der weiten deut- I wn Diaspora an Seelsorgsstationen, Kirchen, Schu- I Gelegenheit zum Religionsunterricht, an Säug- tilmsheimen, Waisenhäusern und Kommunikantenan- I | Verlust von jährlich 75000 Glau- I hensgen offen, darunter 40000 Kindern, ist die traurige und betrübende Folg^. Diese wahrhaft er- lckireckende Ziffer beruht auf genauesten statistischen Un­tersuchungen ron P. Krose S. J., die er im Kirchlichen

I Handbuch Band 6 und 7 veröffentlicht hat. (Herder, Breiburg.) Welch ein riesiges Arbeitsfeld für den Bonifatiusverein und für die Diafpora-Kinder- bilfe im Bonifatius-Sammelverein auch für die Zu- w Me Hochwürdigften deuffchen Bischöfe haben | Mt umsonst anläßlich des 1200jährigen Bonifalius- iubiläums ihre Stimme erhoben lind vom Grabe un­seres Glaubensvaters in Fulda aus an alle Katholiken die eindrincfliche Mahnung gerichtet, noch mehr wie bisher an der Rettung der gefährdeten Glaubensgenos­sen mitzuarbeiten. „Unser wichtigster Mis- sionsverein", so lauten ihre Worte, „heißt B o n i f a t i u s v e r e i n." Die Kinder ganz katho­lischer Gegenden werden insbesondere aufgerufen, den armen Diasporakindern zu Hilfe zu eilen und den B o- nisatius- Sammelverein mit gleicher Liebe zu unterfingen wie den Kindheit-Jesu-Verein. Das Kinderopfer in den Kirchen, die Uebernahme der Pa­tenschaft werden besonders empfohlen.

Die Katholiken Deutschlands werden gewiß dem Wunsch und der Bitte ihrer Oberhirten nachkommen. Haben sie doch gerade in den letzten Jahren gezeigt, daß sie immer mehr von der Wichtigkeit der inneren Mis­sion sich überzeugt haben. Noch nie waren die Ein­nahmen der beiden genannten Vereine so hoch wie in den letzten Jahren. Das Jahr 1918 brachte dem Bonifatiusverein mit über 4 Millionen die Höchst- einnahme feit dem Tage feiner Gründung, des­gleichen der Boiiifatiiis-Sammelverein, dem über eine halbe Million zufloffen aus den Händen der Kinder und Kinderfreunde. Doch auch jetzt noch muß man im Hinblick auf die große Not ausrufen: Was ist das für so viele!

Möchte das Jahr 1919 dem Bonifatiusverein alle deutschen Katholiken zuführen, dem Bonffatius-Sam- mefoerein alle Kinder — das wäre die schönste Feier des 1200jährigen Bonifatius-Jubiläums!

Nähere Auskunft über alle den Verein betreffenden Fragen erteilt das Mitglied des Diözesanvorstandes in Fulda, Pfarrer Atzert; Geldsendungen an „Diö- sefanfomitee des Bonifatiusvereins in Fulda", Post- lcheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 6215. Wegen des Bonifatius-Sammelvereins wende man sich an die Geschäftsstelle der Fuldaer Actiendruckerei.

per ~s!baer Slrfte:tbrtt'?erri in Fuld«

Kondcrverlsilurig für stillende und werdende Mutter:

Die Karten hierfür werden gegen Nachweis der Bezugsberechtigung um Freitag, den 10. Oktober, vor­mittags von 8 bis 10 Uhr in der Kartenausgabestelle ausgegeben, die Ware wird am gleichen Tag verkauft. Geliefert werden auf jede Karte: eine 2-Psund-Dose Schweinefleisch zu JA 5,50, abzuholen im Schfachthos, 1 Pfund Bienenhonig zu JA 5,80, sowie 2 Pakete „Panin" (für Puddings usw.) zu 60 Pfg., abzuholen in dem Geschäft von Albert Vogel, Borgiassiratze. Da-, Schweinefleisch ist zuerst abzuholen.

Es ist noch mit dem Eingang größerer Sendungen Herbstweißlohl aus Holstein zu rechnen. Der Laden- preis stellt sich auf JA 6,50 bei Abnahme von mtnbe- stens 1 Ztr. auf JA. 8,— bei Abnahme von Mengen unter einem Zentner.

Bestellungen sind den einschlägigen Geschäfte» zu machen. Bestellungen der Geschäfte sind an die Nah- rungsmittelstelle zu richten und werden der Reihe nach erledigt. Ein Ausfall ist vorausfichllich nicht zu be­fürchten, da die Lieferung des Weißkrauts gemäß Ab- fchlußvertrag zu erfolgen hat und die als gut bekannte Holsteiner Ware zum Teil noch nicht verfandreif ist.

Krisen bevor. Und man muß die Tatkraft auf. I rufen; denn wir werden in diesem Winter noch N e u- I wählen haben, rmd von deren Ausfall hängt es ab, I ob wir das bißchen Zukunft noch retten können, was uns dieses erste Jahr des heillosen „Friedens" noch übrig gelaßen hat. .

Wir haben soeben den Mrchaelrstag bsgan- | gen. In aller Stille und Wehmut. Früher, als wir noch an einen guten Ausgang des Krieges chachten, I sangen wir stetig und zuversichtlich zu St. Michael, I den Patron und Vorbild der deutschen Kraft und Treue Hat uns der Himmlische Held im Suche ge- I

lassen? Oder hat der deutsche Michel sich der alten Fahne Urib Äes alten Schutzes unwürdig erWtejen? i Je mehr Enthüllungen! zutage kommest, djesho tveser I heißt uns das Gefühl, daß wir selber unsere gute Sache verdorben haben. Nicht durch Bosheit, londern durch Dummheit, durch eine ganze Kette von Jrrtu- I mern, Schwäche und Mißgriffen. . Es ist uns schlecht I ergangen, weil wir, im Kopfe nicht klug genug unr I mit den Händen nicht geschickt genug waren. Daher muffen wir uns bessern, dann wrrd es auch wie­der besser gehen. Das Deurschland muß sich wieder I miftotoino.cn zu den Tugenden, he cniit ferne Nei­der und Feinde respektierten, als fte den Namen des I gewaltigen Helden dem deuffchen Volle beilegten. Der Ehrenname sollte zum Spottnamen werden. Kann er nicht wieder zum klangvollen Ehrenkvmen werden? Schwer ist es, aber doch noch möglich! Die erste Aufgabe ist, daß wir mit zähem Opfermut uns durch den schweren Winter durchrinaen. Die Zweite, gleich- wichtige Forderung der Zeit fft die allgemeine Vorar­beit für die Wahlen. , , ... ...

23a§ das Durchdringen angelff, w hat natürlich jeder zunächst für sich und seine Familie zu iargen. Aber vergessen wir doch ja nicht die Unterstützung auf Gegenseitigkeit, Ne freundnachbarliche Berhrlfe, me l Werke der Barmherzigkeit. „MH kann nichts geben ,

sagt da mancher leichthin. Sieh mal genau zu; da steht oder liegt so manches Bei dir herum, was du nicht brauchst, was aber für einen beburfhgeren a iü= I Menschen einen großen Wert hat. Gib ^^A.ebe du etwas umkommen läßt! Und wenn du tmrklich nicht- Greifbares spenden kannst, so kannst du dock nut I freundlichem Zuspruch hier und da ein hartes «chm- ■ sal erleichtern. Freundliche Teilnahme, em herzliche-, I Trostwort, ein guter Ratschlag sind auch wrrffame I Werke der Barmherzigkeit. Je schlrmmer die Zeit, I desto mehr müssen wir zusammenhalten, uns gegen« I fritig stützen; stützen sowohl körperliche als auch seelisch. Denn zum Durchhalten gehört <mch oie I geistige und sittliche Kraft, und die ivrrd erfolgrerch I gestützt, wenn wir allzumal in unserm Verkehr etwas

Go1te§-ienstordnnng.

Katholischer Gott ter st.

Sou «tag, 5. Okt. Rosenkranzfest. Do«. (Kollekte I für die neue Josephkirche.) V*6, 6, V»7 u. 7'/4 M., */.< j gestiftete M. f. d. gefall. Mitgl. d. Mannerapostolates, i ders. Anspr. u. Rom. d. Männerapostolates, 8 Pfarr- I amt m. Pr., V.10 Rathedralamt m. Pr., 11 Chr., */«12 1 M. m. Pr., V,2 A. z. göttl. Herzen Jesu, 2 Chr., 4 Pr u. 0., 7 Rosenkranz-A. i. d. Marien!. (Montag abends 5 Rosenkranz-A.) — St«dtpf»»r!l»cke. (Kollekte für dre St. Sturmiuskirche.) Rosenkranzfest. Tosies-quotreS- Abiatz. 5V, Rom., 5*/«S?/. M. u. Rom. f. d. Manner- apostolat, 8 M. u. Pr. (1. Schulgd.), 9V. Hochamt u. Pr., 11 M. u. Pr. (2. Schulgd.), 9V. Chr f. d. Jüngl. t. d. Severik., IV. Chr. f. d. Jungfr.,' 2V. sakramentale A., 7* 1/. Rosenkranz-A. — Pfarrsirch» ,»m Heisig»« Geist». */,T Rom., 7 Frsthm., 8 Pr., Amt m. Rom., V.5 ®br., I 5 A. — S»v»rili»ch». Sonntag# u. Werktag» V.T SR. — I H»r,.2.su-<"im. 6 Jrühm., 8 Amt m Pr, 2«. (Mittwoch abend» 8 A.) — 0ta«»n»»»g. 5, */«6, V.7 u. I 7 SR., 8 Rosenkranzm. m. Pr., 9 Hochamt m. Pr., I nach». 2 Pr., Ä. u. Umg. f. d. Fünf-Wunden-Bruderschast. (In dem Monat Oktober wird jeden Tag eine öffent­liche Rosenkranzandacht für die Anliegen der hi. Strebe abgehalten, und zwar an Werkta,en nachm. Vi5 vor dem ausgesetzten Allerheiligsten, an Sonn-u. Feiertagen in der 8 Uhr-Meffe.)

Gvavgelisch« Goltosdtoast.

Sonntag, 5. Oktober. BormittagS 8 Pfarrers Weber, SV, Sup. Ruhl.

iveniger zugeknöpft und engherzig, ettvas freimütiger und menschenfreundlicher sind.

Man spricht heutzutage unmer vom „Sozrasismus . Der gesetzliche Sozialismus genügt nicht zur Weltrettung und Menschenbeglückung; das sehen wir seit einem Jahre deutlich genug. Der gemutsiche Sozialismus mutz in die Bresche springen Por allem von der Seite, wo man sich chr r stl rch-sozial nennt. Denn das Wesen des Christentums rst die Liebe, und Paulus sagt in seinen wundervollen Epr;teln, wenn er die Liebe nicht hätte, so wäre er etn tonendes Erz und eine klingende Schelle, möge auch sein Glaube ! Berge versetzen können.

In das Kapitel vom guten Berater und freund­lichen Helfer gehört auch Vorbereitung zu den Wah­len Kleinarbeit nennt man gewöhnlich das, was alle braven Bürger und Bürgerinnen leisten können und sollen Gerade auf diese sog.. Kleinarbmt kommt es an Wenn die Regenwolle ihre Tropfen Stuck für Stück iherunterfallen läßt, so ist das auch Kleinarbeit; aber dieser Regen wirkt großartig auf den Zidern, in dem Bächen, in iben Strömen. Laß tn deinem Um- gangskreise geeignete Worte der Belehrung, der An- regung der Sammlung, fallen, dann wirkst du auch hne ein fruchtbarer Regen und hilfst den Fluß spetsen, I der die Lasten tragen und dte Mühlen bewegen soll.

Warum ich schon heute davon rede? Erste >s tn der Erwägung, daß die Vorarbeit „timt langer Hand" sich empfehlt Je früher, dtzsto besser! Mwt kann me I Nburteile' und die Zweifel umso leichter ausrotten, je weniger sie sich festgebissen haben. Ferner hat man I Zeit, zu wiederholten Einwirkungen. Der eilte I Tropfen höhlt nicht den Stein, Wohl aber der stete I Tropfen! ,. , -

Zweitens in der Erwägung, daß heutzutage n och I mehr zu tun ist, als nur eine große Wahl zum I Reichstag durchzufechten. Bis in die einzelnen Ge- I meinden' herunter ist das Wählen im Gange. Und gerade die „kleinen" Wahlen sind für die>chsten Jn-

I teressen von größter Bedeutung. Für die Erziehung I unterer Kinder sind schöne Grundlagen gesichert wor­den Aber was darauf erbaut werden kann, himgt wesentlich von dem guten Willen und der Rührigkeit I der Eltern ab. Also, wer die christlichen Ettern mobil mmhen hilft, der macht sich verdient um das Reich Gottes und um das Deuffche Reich.

Was uns bevorsteht, ist ein weiteres Oualchhr, da» I wir aushalten müssen und im Wahljahr, auf das wir uns rechtzeitig rüsten wollen. . Wenn alle tim was I sie können, so wird uns der Himmel doch wohl die I Rettung gönnen.

I Schwer geplagt, aber noch nrckst verzag!.

UnpoWche Aettläufe.

N. Berlin, 1. Oktober 1919.

Oktober.

Rin ins Winterhalbjahr! Und was für einen Win- terl Wenn wir nur Halbwegs gesund wieder heraus wären!

Frieren, fasten und feiern werden wir müssen.

Fasten, weil die ohnchin knappe Zufuhr durch die Blockade gefährdet ist, die wegen der obsnnaten Truppen in Lettland soeben über uns verhängt ist.

Feiern mit Zähneklappern werden wohl Millio­nen müssen, weil das Streikfieber wieder durchbricht und die Kohlennot nebst Berkehrsnot auch die arbeit?- tvilligen MerkstAten bedroht. ’

In diesen kalten, dunklen Wintertagen werden wir Seit haben, um Ä«hr esgedächtnijsse zu Jbe* Mhen. Aber was für Gedenktagei

Jetzt fangen die traurigen Erinnerungen schon an. Zu Anfang Oktober 1918 mutzten wir unser Gesuch um Waffenstillstand imi> Frieden vom Stapel lassen. Damit war unsere Niederlage besiegelt, unser Elend kingeleitet. , r . _ „

Der November 1918 brachte uns tue „glorreiche Revolution und Hie Unterze-ichmmg des zchrecklrchen Waffenstilfftandsvertrages. Die Republik fft dsenn schon ein ganzes ischhr alt. LWeviel Sorge, Angst uni Nor hat uns dieses Wechselbalg schon verursacht!

In den folgenden Monaten können wir uns dann die Zeit vertreiben mit der Erinnerung an all die Etrahenkämpfe und Streüs, an die etorgen Putsche Und Krawalle, die das neue Zeitalter , der „Frerhert, Gleichheit und Brüderlichkeit" so lieblich emlauteten.

Und wenn wieder Sommer im Kalender steht, so begehen wir, um nicht übermütig zu werden, den Ge- burtstog des sogen. Friedensverkrages, der schsimmer >var, als alle vorgängige Kriegsnot.

Nur einen helleren Tag in der traurigen Gedenk­kette gibt es. Der Wahltag vom vergangenen Ja- iructr. Ter brachte uns freilich kein Prachtstück und fein Meisterwerk, aber doch eine Volksvertretung, l c besser geraten war, als die meisten befürchtet hatten. Es gab' keine rote Mehrheit; eine Mischrecherung kam zustande, und damit konnten wir doch vorläufig weiter wursteln und den Zusammenbruch wenigstens hrnaus- fchieben ,

„Vielleicht" läßt sich das verschobene Unheil noch serhindern Ich möchte die Hoffnung nicht knicken, wenn mir auch trotz dem schrägen Sonnestschern, das Herz schwer ist Aber man muß Geduld predigen, denn es siebeu uns noch traurige Tage und schwere