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17r 99Ä I DerantworWch für den redaktionellen Teil: Karl Sch ü t t e, I <rftifrtn V IQ IQ
lir. XXO* I für die Anzeigen: I. Parzeller, Fulda. — Rotationsdruck. \ 3*sltwM
fühlt.
Reichsminister Erzberger: Eine solche Konferenz, wie sie der Abg. Wurm wünscht, ist bereits heute im Finanz. Ministerium zusammengetrrten. Ich sehe es als die höchste Aufgabe der Regierung an, die Rechte der Arbeiter zu achten. Ich bitt« nur den Abg. Wurm und seins Freunde, uns dabei zu helfen, daß die Arbeiter ihrem Gewerbe nochgehen können. (Sehr richtig!) Daß die Regierung im Metollarbeiterftreik sich auf die Unternehmerseite gestellt habe, ist eine beweislose Behauptung. Die Regierung hat sich in diesen Streit nicht gemischt. (Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Versammlungen, die nicht angemeldet sind, dürfen unter dem Belagerungszustand nicht abgehal- ten werden, ob es sich um Arbeiter oder andere handelt. Nach der Verfassung ist jeder Bürger vor dem Gesetz gleich. Wir können den Freunden des Herrn Wurm keine Sonderrechte zugestehen. Ich bin also vollkommen in Uebereinstimmung mit dem Abg. Wurm (Heiterkeit.), auch darin, daß, wenn wir die Valuta haben wollen, wir die Arbeitskraft des Volkes stählen müßen. Die Hebung der Arbeitskraft kann allerdings nur durch ausreichende Ernährung erfolgen. Aber wir machen nicht nur Worte, sondern haben für das nächste halbe Jahr wieder 3'/» Milliarden Mark für die Verbilligung der Le» b e n s m i t t e l zur Verfügung gestellt, also in. einem Jahre rund 7 Milliarden Mark, um die Preise für Brot, Fleisch usw. aus angemessener Höhe zu halten. Die jetzige Regierung tot also mehr als die Regierung, der seiner Zeit der Abg. Wurm angehörte. Die große Kalamität ist, daß die Mark im Inland viel höher bewertet wird, als im Ausland. Für den Weltbürger ist Deutschland jetzt
2 0. Oktober festgesetzt. Zu diesem Zeitpunkt würden auch die militärischen Maßnahmen beginnen. Die Londoner „Times'" meldet jetzt, daß die über englische Häfen gehenden Lebensmittel- und Rohstofftransporte nach Deutschland bereits am 18. Oktober eingestellt werden, sofern der Ratder-Alliier- ten nicht entsprechende Gegenbefehle gibt.
Die deutsche Antwort.
Die Antwort auf die Entente-Rote, worin die Räumung des Daltenlandes gefordert und eine neue Blockade angedroht wird, ist von der deutschen Regierung fertiggestellt. Sie wiru spätestens Freitag überreicht werden. Die deutsche Regierung wird in ihrer Antwort darauf Hinweisen, daß sie altes getan habe, was in ihren Kräften stand, um die deutschen Soldaten zum Verlassen des Baltikums zu bewegen, lieb- riefens befinden sich den letzten Nachrichten von der Ostqrenze zufolge drei Viertel der deutschen Truppen im Baltikum auf dem Rückzug, und das restliche Viertel wird wohl auch »--ch vor dem gestellten Termin abgezogen sein, sodaß vermutlich bald kein An- laß mehr bestehen wird, das Dlockadeverbrechen gegen das deutsche Volk zu wiederholen.
Unterzeichnung des ersten Staatsvertrsgs mit Polen.
Im Auswärtigen Amt ist der erste Staatsvertrag zwischen Deutschland und Polen unterzeichnet worden. In dem Vertrage wird erklärt, daß dir beiden Staaten gewillt sind, sich in der Ordnung der gegenwärtigen Derhältniffe entgegenzukommen und zu diesem Zweck zunächst ein Abkommen über die Amnestie für politische Verbrechen und Vergehen, sowie über die Freilassung der beiderseitigen Kriegsgefangenen geschlossen wird.
Dieses Abkommen ist der erste freie Staatsvertrag, den die Republik Deutschland, aber auch die Republik Polen abgeschloffen haben.
Rattfizlerrmg durch die französische Kammer.
iwtb Paris, 2. Okt. Die Kammer nahm die fltatif tlation bei Friedenivertrage» von Versailles mit 372 gegen 53 Stimmen oij.
Nach der Kammer muß sich nun erst noch der französische Senat mit dem Vertrag befaffen und ihn genehmigen, ehe Frankreich ratifizieren kann.
Graf Rantzau zu den
Wiener Veröffentlichungen.
Jüngst war gemeldet worden, daß die Wiener Veröffentlichungen über die Kriegsschuld dem deutschen Minister Grafen Drockdorff-Rantz an, dem Führer unserer Friedensdeputation, vor seiner Reise nach Versailles zugängig gemacht worden seien. Wie Graf Brockdorff-Rantzau jetzt erklärt, trifft eS zu, daß das Material ihm, wie einigen Herren der Delegierten, dem Inhalt nach mitgeteilt worden ist. Eine Veröffentlichung sei jedoch damals nicht in Frage gekommen, sie habe auch der deutschen Re- gie ung unzweckmäßig erschienen, da sie der Ansicht war, daß nur eine Veröffentlichung, die alle beteiligten Faktoren zu Worte kommen laßt, objektiv sein könne.
Der Rechtfertigungsversuch ist nichtssagend. Auf eine Veröffentlichung, „die alle beteiligten Faktoren zu Wort kommen läßt", wird man bis zum St. Nimmerleinstag warten können.
Ein Zwischenfall i« Worms.
""Dienstag abend hielt der hessische Ministerpräsident Ulrich in WormS in einer sozialdemokratrichcn Versammlung eine Wahlrede. Mittwoch vormittag wurde ihm von einem Dolmetscher im Auftrage de« französischen Mzlitära dministratorS, eines Obersten, mitneteüt, der Oberst habe erwartet, daß ihm Hirtch einen Besuch adstalte. Diese? Ansinnen,wurde ab- gerehnt. Kurze Zeit darauf kam der französische Dos. metscher wieder zurück und forderte den Ministerpraa- deuten zur Ab-obe deS Reisepasses auf. Der Patz wurde anSgehäudigt mit der Bitte, ihn möglichst schnell aurüdiueeben, da der Ministerpi äsident um 11,50 Uhr abzufahren gedenke Als Ulrich an bet Bahnsteigsperre erschien, wurde er von den dort postierten französischen Soldaten anaehalren und ihm der Patz, den er in= zwischen zurückerhalten batte, abgenommen. Ulrich wurde aufßefordert, mit zum Obersten zu gehen, bc wies auf die dringenden Geschäfte hin, die in Darmstadt zu erledigen seien. Bei der Auseinandersetzung erhielt der Ministerpräsident von einem der drei L>ol- dalen einen Stoß in den 91 ü den. Der Verbuch einer Vermittlung durch den französischen Bahnhofsoffizier blieb ohne Erfolg. Auch der Wunsch nach einem Wagen wurde abgelehnt. So mußte Ulrich in Begleitung eines Gendarmen zu Fuh zu dem französischen Offizier gehen, der bann erklärte, eS muffe ern M r tz- verständnis bvrliegen. Die hessische Regierung hat energischen Protest gegen dieses Verhalten eingelegt.
Deutscher Keich.
Sie Lösung dec oberschlesischen Frage.
Bei den Verhandlungen, die im Abgeordnetenhaus zwischen dem Reichskabinett, dem preußischen Kabinett und den oberschlesischen Vertretern stattfanden, ist eine Einigung über die sofortige Bildung einer selbständigen Provinz Oberschlesien erzielt worden. Die kommunalen Auscinaiwersetzungen sollen bis auf weiteres hinausgeschoben werden. Die an. den Der Handlungen beteiligten Mitglieder der Zentrumspartei haben sich mit diesem Ergebnis begnügt und die Erliarung abgegeben, daß sie alle weitergehendcn Wunsche zurückstellen wollen, bis das Schicksal Oberschlestens durch die Abstimmung endgültig entschieden ist. Dem Negierungspräsidenten des Regierungsbezirks Oppeln, Seh. In tizrat Ditta werden die Geschäfte des Ober- Präsidenten der zu bildenden Provinz Oberschlesien übertragen. Der neue Oberpräsident wird sogleich nach Annahme des Gesetzes über die Errichtung der Provinz Oberschlesien durch die Landesversammlung die politischen Funktionen seines Amtes übernehmen, wahrend die kommunale Verwaltung erst -»st dem 1. AM
Neue Blockadedrohung der Entente.
Englische Zeitungen hatten aus Paris gemeldet, der Rat der Alliierten Habs auf Vorschlag Fochs die Zwangsmaßnahmen gegen Deutschland Ms Deutschland das Ballenland nicht räumt, auf den
Preußische LandrSversammlrrng.
Sitzung vom 2. Oktober.
Die Beratung beS FinanzhauShaltS wir? fDrt8tb^ Rusenfeld (Unabh.) griff den Minister bei ’Xnnern Keine wegen seines Widerstandes gegen der Anschluß thüringischer LanbeSteile qrr Preußen un? wegen Nichtbestätigung des „unabhängigen Lanbrast von Schmalkalben alS „Reaktionär" lebhaft an unM suchte dann den Metallarbeiterstreik in die Debatte zu ^^Ministerpräsident Hirsch führte auS daß Minister Leine für Demokratie in Preußen mehr getan habe als alle' Unabhängigen zusammen. Der Ministerprasi- bent verteidigte die Nichtbestätigung des.unabh Ubg. Vogtherr als Lanbrat. Er verwies daraus, daß Vogt- berr au3 den gleichen Gründen, wegen deren er setzt nicht bestätigt wurd^, seinerzeit sein/°Sialtemokratffche« ReickStagsmanbat 'haben meberlegen m> ffen. C«Jet ben Unabhängigen dringend zu empfehlen, über diese “VSÄff1» »«um. Wirb angenommen. Die dazu gehörenden Anträge auf Gewährung von Kriegsbeihilfen an Volkssctmllehrer, auf Verbesserung ber Beamtengehalter, auf Nr-rege, lung des Beamtenrechts, auf Freiheit für TeuerungS- zullen ber Prwala umstellten und auf Gewährung von Notstandsdarlehen an diese werben ebenfalls ange-
Es" folgt ber Haushaltsplan der Verwaltung der direkten Steu ern. Damit verbunden wird die zweite Beratung des Entwurfs über Neuerung«- 8 U1 Berichterstatter" Dr. Schmedding (Ztr) empfiehlt den AuSschußantrag, die angesorderteu 910 Millionen Mark und die vom Ausschuß ausgestellten Verteilung---
M- Soda,. «dB da« Höch stink, h dessen dar, was wrr geben können. Weitergehende Anträge bitte ich abzulehnen. Nebenher geht die gewaltige Aktion deS Reiches zur Verb r l- ligung der Lebensmittel, auf bte btS zum nächsten Januar über drei Milliarden entfallen. L8 wirb das letzte Mal fein, daß wrr so große Mittel durch Anleihen aufbringen können, denn wenn wir keine Steuerhoheit und kerne Eisenbahnen mehr haben, wirb uns keiner mehr etwa» borgen. Sollte das HauS über untere Vorschläge hrnauSgehen, fo mutzte ich die Vorlage zweck« Einleitung von Verhandlungen mit dem MU“ÄUÄtid.„
und wünschten, datz auch auf tue EEeinbeverwaltungen eingewirkt werbe, bamtt sie ebenfalls Zulagen be
Vorlage wurde demnach einstimmig in zweiter und brütet Lesung angenommen.
Freitag: Kleinere Anträge.
Blutige Zusammenstöße in Berlin.
Die 30 Versammlungen des Metall- a.rbeiterverbandes, zu denen die gesamte Berliner Arbeiterschaft auf gestern 11 Uhr vormittags eingeladen war, sind, wie wir bereits mittsilten, verboten worden. Trotzdem haben die Arbeiter den Versuch gemacht, die Versammlungen abzuhalten. Es ist dabei an einigen Stellen zu Zusammenstößen mit Polizeiund Militär gekommen und auch meh- rere Tote und Schwerverletzte sind zu verzeichnen. 2m allgemeinen wurden zwar' die Auffor- derungen der Sicherheitspolizei an die Versammlungsteilnehmer, die Versammlungslokale zu verlassen und ruhig nach Hause zu gehen, Folge gegeben. Zu S ch i e- ß e r e i e n aber kam es im Norden Berlins. Vor einem Versammlungslokal in der Müllerstraße, wo sich eine auf etwa 10 000 bis 15 000 Personen geschätzte Menge versammelt hatte, wurden von Polizeibeamten drei Personen verhaftet. Bei dem Abtransport dieser Verhafteten nach dem Polizeirevier nahm die Menge eine drohende Haltung an und brach in wilde Schmährufe auf Noske und den Polizeipräsidenten aus. (Segen einen der den Transport begleitenden Soldaten wurde ein Stein geschleudert, der diesen traf, worauf die Begleitmannschaft mehrere b l i n d e S ch ü s s e abgab. Dor dem Polizeirevier, wo die Menge einen neuen Versuch unternahm, die Gefangenen zu befreien, kam es zu neuer Zusammenstößen. Die Mannschaften mußten von ihren Schußwaffen Gebrauch machen und es gab einen Toten und acht Schwer- verwundete.
3m Anschluß an die aufgelösten Versammlungen fanden einzelne Umzüge statt. Zu blutigen Z u- s a m m e n st ö ß e n kam es dabei im Schillerpark, im Wedding und am Bahnhof Iungsernheide. Die Sicherheitspolizei hatte alle Vorkehrungen getroffen, um beabsichtigte Zusammenrottungen zu zerstreuen. Außerdem wurden die Reichswehrtruppen In Alarm- bereitschaft gehalten, um nötigenfalls eingreifen zu können. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Größtenteils waren er Personen, die die Menge gegen die Polizei aufzuhetzen suchten.
Die Verhandlungen im Metallarber- terstreik vor dem Reichsarbeitsministerium haben noch zu keinem Ergebnis geführt. Reichsarbeitsminister Schlicke, der die Verhandlungen leitete, machte den Vorschlag, einen neuen Schlichtungsausschuß einzusetzen, der aus je drei Vertretern der beiden Parteien und einem vorn Minister bestimmten Vorsitzenden bestehen soll. Dieser Ausschuß soll versuchen, auf der Grundlage des Schiedsspruchs vom 21. August eine Einigung herbeizuführen. Die Arbeitgeber erklärten sich einverstanden. Die Vertreter der Arbeiterschaft waren nur bereit zu verhandeln, wenn für alle Arbeiter ein Stundenlohn von 3,30 Mk. festgesetzt und für die Arbeitergruppen, deren Lohnverhältnisse besonders geregelt werden, nichts geändert würde. Der Sinn dieses Verlangens ist, daß die Qualitätsarbeit herabgedrückt und der übrigen Arbeit gleichgestellt werden soll. Deshalb liegen gerade in dieser Frage die größten Schwierigkeiten.
Rückgang der Kohlenförderung.
Aus O b e r s ch l e f i e n werden empfindliche Rückgänge in der Kohlenförderung gemeldet. Auch aus Westfalen lauten die Berichte unerfreulich Es wird nur ein Drittel gegenüber der Friedenszeit gefördert.
Aus.B erlin wird gemeldet, daß dort die Reserven erneut zurückgegangen sind. Wenn keine er- hebsiche Besserung in den nächsten Tagen erfolgt,, steht Berlin vor bedenklichen Zuständen, zumal die Winter- , kälte eingesetzt hat.
Deutsch- NatronLlv-rsammluns.
Sitzung bom 2. Oktober.
Die Debatte über die Valutafragc wird fortgesetzt.
Ab«, heim (Bayer. Ddd.): Die Erörterung der Schulbfrage führt uns nickt zum Ziele. Sparimmeit ist notwendig an allen Stellen, auch bei den Beworben. Wenn bei der Eisenbahn die Schädigungen durch Diebstahl jetzt 100 Millionen gegen 5 Millionen rni frieden betragen, so ist das eine gewaltige Korruption. Das sind Zustände, die bedeuten eine Abkehr von guten alten deutschen Sitten. Die Regierung mutz endlich das Wort des Ministerpräsidenten wahr macken, oatz mit den fortwährenden Streiks s ch lutz gemacht und der Ll r b e i t s z w a n ge i n geführt wird Mit dem J,rrtum bom Preisabbau mutz aufgeräumt werden. Es gibt keinen anberen Preis- abbau als daburch, datz die Kaufkraft de? Geldes wie- der steigt und dafür gibt es keinen anderen Weg alS daß wir neue Güter erzeugen, ^ne Valutaanleihe ist kein Hilfsmittel. Eine große Schuld an der Dalutafenkung Hot die Spekulation. Wenn die oster- rckichisüle Presse mitteilt, Amerika werde Oesterreich mit einer Valutaanleihe helfen, fo kann man Ucker sein, daß ein Jobber vornehmster Art dies ausgestreut hat, um über Nacht Millionengewinne in Devl;en zu machen. An - der Verschleppung unseres Geldes ms Ausland ist auch die Revolution schuld. Lange Zeit waren die Grenzen nicht beaufsichtigt, und man konnte kofferweise Geld hinausschleppen. Besteht denn keine Möglichkeit, den Handel in ausländischen Geldiorten einfach zu verbieten und streng zu bestrafen? Aber nicht mit 10 000 Mark Geldstrafe, sondern mit dem AanzenI (Sehr richtig! tm Zentrum.) Diese Löcher müssen verstopft werden. Ganze Möbelwagen voll von Möbeln, Schmucksachen. Teppichen ufw. werben von Berlin in bayerische Landhäuser verschleppt. Der Zusammenhang zwischen der Ankündigung der Noeckabstempelung und dem Valutasturz ist nicht zu leugnen. Fetzt ist die Tendenz dauernd: abwärts abwärts! Eine große Rolle bei dem Valutasturz spielt auch die Menschenfrage. Können wir in unseren jetzigen Grenzen noch unsere Bevölkerung ernähren oder müssen wir «tickt vielmehr Auswan derungs- politik treiben? Ueberschutz an Menschen ist lieber* schuß an Verbrauch und Ueberschutz an Verbrauch nötigt unS, im Ausland zu kaufen und Geld dafür an das Ausland abzuliefern. (Abg. Kehrens: Em- Wanderung zu hindern ist nötiger!) Gewiß, die E in- Wanderung, die wir jetzt erleben, ist bösartig. Sie säen nicht, sie ernten nicht und sind doch besser genährt als die Lilien auf dem Felde! (.Heiterkeit.) Die Zwangswirtschaft ist kein Ideal, sondern em Mäntelchen, das wir anziehen mutzten. Wenn wir eS mit einem Ruck herunterreitzen, geht d,e Haut weg. In unseren Marktpreisen herrscht wahre Anarchie, lieber die Schwierigkeiten der inneren Lage sollte sich die Regierung keiner Täuschung hingeben. Der Bauer leidet unter den. heutigen Verhältnissen am meisten Einen Vergleich mit dem Auslande hält die deutsche Finanzwirtschaft noch'aus, in manchen Beziehungen sind die Verhältnisse bei ams sogar noch besser als im Auslande. Eine Zersetzung in der Arbeit spüren wir selbst in Amerika. Unseren Arbeitern kann man nicht laut genug zurufen, wie gut unsere Aussichten wären, wenn wir im Smne der Arbeit alle wieder zusammen anpacksn würden. Es gibt kerne Wiedergen e- fun g ohne Arbeit. Aber eS ist hohe Zeit, damit anzusangen I (Beifall.)
Abg. Wurm (Unabh.)': Es gibt keine Wrederge- nesung ohne Arbeit. Das Wort ist richtig. Die Ar» beitsfteudigkeit ist ober nur vorhanden, wenn die Ar- beiterklasse sieht, daß sie für sich selbst arbeitet. Die Regierung muß eine Konferenz von Sachverständigen, nicht allein von Interessenten zusammenberufen, um die Ursachen der Valutaschwierigkeiten und die Mög- lichleit ihrer Beseitigung zu besprechen. Wie wollen wir zu einer Gesundung kommen, wenn tote in der Berliner Metallindustrie die Unternehmer jede Ver. Handlung verweigern!, Diese Verhältnisse führen dazu, daß wir jetzt in diesen Stunden wieder erleben, daß die Regierung sich als Beschützer der Unternehmer
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Die internationale Arbeitskonferenz.
Am 29. Oktober soll in Washington eine Konferenz zusammentreten, die als sozialpolitischer Zierrat dem sogenannten Friedensvertrag angehängt worden ist- Dieser Friedensvertrag ist von uns schon vor vier Monaten angenommen worden, aber in den siegreichen Ländern wird (abgesehen von England), die Ratifizierung immer noch verschleppt. So mußte man die internationale Konferenz, um sie nicht auf eine allzulange Bank geraten zu lassen, schon ansetzen, ehe der Vertrag rechtskräftig geworden ist.
Eine weitere Wunderlichkeit ergab sich daraus, daß die geplante Organisation der Arbeit den Mitgliedern des „Völkerbundes" oorbehaüen blieb. Wo ist der Völkerbund? Wird er überhaupt zustande kommen? Und wenn schon, so bleibt es noch fraglich, ob und wann Deutschland Mitglied wird. Nach den schlauen Bestimmungen im Friedensvertrage kann also Deutschland zu dieser Beratung über das Weltarbeitsrecht eigentlich nicht hinzugezogen werden. Dasselbe Deutschland wäre ausgeschlossen, das unter ten Industriestaaten der Welt, auch heute noch, in der ersten Reihe steht und in der Sozialreform anerkanntermaßen allen Nationen bahnbrechend vorausgegangen ist! Diese Ausschließung wäre ein offener Unsinn und ein toller Unfug gewesen, und von der Arbeiterschaft in den neutralen Ländern wurde auch entschiedener Einspruch dagegen erhoben. Die feindlichen Staatskünstler mußten also wohl oder übel «Inen Ausweg suchen. So wird denn eben die verschrobene Mitteilung verbrechet: die Friedensdelegierten hätten beschlossen, die Frage der Zulassung der Delegierten Deutschlands und Oesterreichs obwohl diese beiden Regierungen de jure (nach dem geschriebenen flecht) nicht Mitglieder der internationalen Arbeitsorganisation seien, der Arbeitskonferenz selbst zu über« essen und deren Reise nach Washington kein Hindernis den Weg zu legen. Also eingeladen sind wir n i ch t, aber man gestattet uns anzuklingeln; dann soll dar- ßber abgestimmt werden, ob wir eintreten und Platz nehmen dürfen. Vermutlich wird die Konferenz ver. nimstigerweise die Türe aufmachen; doch bleibt es immer noch denkbar, daß die deutschen Vertreter die weite Reise umsonst machen oder höchstens als Zaungäste zuschauen dürfen.
Um dieses wunderliche Spiel recht zu „würdigen", muß man sich erinnern, daß Wilson und die anderen öeronftalttr in dieser Angelegenheit mit dem Kalbe des deutschen Kaisers pflügen. Die erste internationale Arbeitskonferenz hat tatsächlich in Berlin stattgefunden, und zwar schon vor einem Menschenalcer, im Lahre 1890, auf Veranlassung des damals jungen Kaisers Wilhelm II., der im Gegensatz zu dem berechnenden Bismarck seinen Drang nach einer allgemeinen Eozialreform durchsetzte.
Wenn dieser erste Weltkongreß für Arbeiterwohl ttW sofort alle erstrebten Früchte gebracht hat. so lag die Schuld wahrlich nicht an Deutschland. Wir find in der Sozialreform in den folgenden Jahrzehnten immer weiter vorgeschritten; wir haben den anderen Staaten nicht nur mündliche und schriftliche Anregungen zuk^mme" lassen sondern auch ein musterhaftes Wei spiel gegeben. Und die Anregung hat auch erfreuliche Wirkung: n gehabt trotz der Kurzsichtigkeit vnd Engherzigkeit, di» sich vielfach in den Regierungen und Lolksve-trete ngen anderer Staaten geltend mach- ßen. Dort herrschte mehr „kapitalistische Selbstsucht", als in dem vielverschrieenen Lande der „Autokratie" Md des „Militarismus".
Wilson und Genossen haben den Kaiser gestürzt und Deutschland gedemütigt. Aber sie müssen jetzt an die Ideen des Kaisers Wilhelm anknüpfen und die sozialpolitische Bedeutung Deutschlands tatsächlich anerkennen. In Washington soll fortgesetzt werden, was in Berlin angefangen war. Von rechtswegen gebührt den deutschen Vertretern dort der Ehrenplatz und nicht der Katzentisch, den man ihnen ein- räumen will.
Wir wollen aber alle Empfindlichkeit beiseite setzen und getreulich Mitarbeiten um der Sache willen. Die allgemeine Sozialresorm in den zivilisierten Ländern ist ein überaus wertvolles Gut für den Fortschritt der Menschheit. Uns kann es nur erwünscht sein, wenn der Friedensoertrag auch noch etwas anderes zeitigt, als Raub- und Zwangsmaßregeln der Feindschaft, und wenn der Völkerbund, der neuerdings wieder als Forffetzung des Krieges proklamiert wor- den ist, auch etwas friedlichen und wohltätigen Einschlag erhall.
Mm««» Prtnh Wir müssen darin einen Ausgleich A^firoU0Gine weitere Maßnahme ist die Regelung der Ä unb au5fubr In der deutschen Salutatonfe- _ ;n cr1'fer Pinie aus Dankbirektoren bestand, die
kecke Freunde ber Zwangswirtschaft frr*, mn boj Hebet, eckstimmung Darin, baß letzt Lockerung ber Zwangswirtschaft unmöglich ist. 3m tesT?1 Augenblick ist eine radikale Aenderung der Zwangswirt schch mcht möglich, wenn nicht alles kaput gehen soll.
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Das Schuldenmachen ordnet mcht ^m-omzen. Aber es gibt wie im PrivMleben so auch im staatlichenLeb en Wo mente, wo man ohne fremde N ilfe sein Geschäft mch weitersühren kann. In bl es ern Augen b I i<t b r au$t Deutschland Hilse von außen. Darum ist die Valutaanleihe jetzt ein wirksames Mittel zur Verbesserung der Valuta. Dem Gedanken ber Au s w and e r u n g b o 1 i t i t kann ich nicht folgen. Das deutsche -ttelch ist nicht 3U klein, um 60 Millionen Menschen zu ernähren, ^estn alle ihre Pflicht tun. Vor dem Kriege hatten, E eine Million fremde Arbeitskräfte, die mir letzt nicht b.au- chen. Dazu kommt ber Verlust durch ben Krieg und durch hie Denmnüenmg itet (Geburten. b c u t j d) e ift aroh aenuq, um bas Volk zu erhalten, Voraus» setzung ist nur, daß in allen Teilen des Reiches gearbeitet mirwba Dr Riebet (D. Dpt.): Nur Arbeit kann uns Helsen8 Jedes Volk Hai die Valuta, die es nach seinen V ckältnissm verdient. Die Möglichkeit ber Erholung unterer Valuta hängt besonders auch von dem Ver.muey ab, bas man in den neutralen Landern unserer Er ho. lungsmöglichkeit entgegenbringt. Dazu S^ort, ba§ ba Ja der Reichssinanzverwaltung Ja und bas Nein .^.e y bleibt Durch Verhandlungen muß eine mternutionoie Festigung ber Valuta herbeigesührt werben. Das lieg, auch im wohlverstanbenen Interesse Englands und Amern faSDer Gesetzeckwms über die SIbäröerung ber $e«rb_ mmg über die Arbeitszeit in den Backereten und Konditoreien, die die Möglichkeit Ichuff-?i 1i , lticht 'verderblich« Waren auch Sonntags herzust.llen, wurde an einen Ausschuß verwiesen. ,
Schließlich beschäftigte sich das r)<ms mit einer Vor läge, die aus besonderen Wunsch der Kr'egsbes^adig.en einaebracht worben ist unb bestimmt, daß die IRilitarocr- sorgungrgebühtnisse nicht auf bas Arbeiisentsett angereck;- net werten dürfen. Alle Parteien etNarten ^termt eckoerstanten. Reichsarbeitsmimfter Schlicke machte 'M Laufe ter Besprechung die Mitteilung, daß bas große Militärvlrsorgungsgesetz noch im Lause dieses Winters ber Nationalversammlung rugchen werte. Außer- i£n werbe ein Gesetzentwurf eingebracht werden, ter b.e Zwangseinstellung Kriegsbeschädigter regelt
Freitag: Weiterberatung und Interpellationen.
Kriegansage d'Annunzi»- an die Südslawen.
Aus England wird gemeldet, daß d'Annunzio die telegraphische Verbindung zwischen Fiume und Agram unterbrochen und der französischen Mission mitgeteilt hat, daß er sich mit den Südslawen im Kriegszustand befindet.
Wilson gegen de« englisch-persischen Vertrag.
Die Pariser Presse verbreitet eine Depesche auS Washington, nach welcher Wilson gegen ben englischpersischen Vertrag protestiert haben soll. DaS Staatsdepartement weigere sich jedoch, den Mein ungsauStamM zu veröffentlichen, der deshalb zwischen Amerika untz England gepflogen worden ist.