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W 226.

Mittwoch, 1. Oktober 1919,

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Fuldaer Zeitung 0t* Tr«S der gnfteer Mette «druckerei la Salbe

KerFriede" als Fortsetzung des Krieges.

Der alte Clemenceau hat in im französischen Kammer seinem Herzen Luft gemacht durch eine lange Rede über die Friedensverhandlungen uicd ihr Ergeb­nis. Wir haben aus ihr nur einen telegraphischen Aus­zug veröfientlichen können (vergl. Nr. 223). Jetzt wird eine ausführlichere Wiedergabe der Rede verbreitet, sie verdient noch eine nähere Betrachtung, denn dmch die Offenherzigkeit, deren sich Clemenceau da befleißigt, P seine Rede für uns recht anziehend und lehrreich.

Bor allem dmch das Geständnis, daß dieses foge- itonnte Fliedenswerk nichts weiter ist und fern soll, als die Fortsetzung des Krieges.

Clemenceau erinnert an ein Wort des Generals Ber- hardi:Der Krieg fei die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln." Der Satz ist schon viel älter, als Bernhardt, da er von dem großen Lehrer der Kriegs­kunst Clausewitz herrühri. Clemenceau meint nun, umgekehrt wird -ein Schuh daraus, und sagt:Der Friede ist eine Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln." Ein gewaltiger Unterschied! Bernhardi und Clausewitz betrachten den Krieg als ein Mittel und ein Zwischenspiel; aber Clemenceau betrachtet den Krieg als den normalen, dauemden Zustand und hält den Frieden" nicht für einen Selbstzweck, sondern nur für ein anders geformtes Kriegsmittel.

Zur Deutlichkett fügt er noch hinzu, das ganze Leben sei ein Kampf, und ruft selbstbewußt aus:Wir haben gemeinsam gesiegt,wir stehen aufrecht u.sind die Herren!"

Da haben wir die Bestättgung unserer schmerzlichen Ueberzeugung, daß der ganze sog. Friedensvertrag und sein AnhängselVölkerbund" keinen anderen Zweck haben sollen, als die Vollendung der Niederlage Deutsch­lands und die weitere Durchführung des Äüegszieles der Entente, nämlich der Unterdrückung, Aus- beutung und Versklavung des unter, legenen Volkes.

Danach ist es folgerichtig, wenn Clemenceau im weiteren Verlauf feiner Rede denVölkerbund" als das heißeste Begehren Frankreichs hinstellt und den amerikanischen Abgeordneten dringend empfiehlt, sich bei dessen Annahme zu beeilen. Der Völkerbund ist die Fortsetzung der Entente, und die Entente soll Frank- reich reich und groß machen auf Kosten Deutschlands.

Kann Deutschland Mitglied eines solchen kriegeri­schen Völkerbundes werden? Und was hätte es von ihm zu erwarten? Darauf antwortet Clemenceau sehr deuttich, indem er die Frage behandelt: Wenn z. B. Nachbarn im Osten das deutsche Volk cngreifen und man ihm die Mittel verweigert, sich zu verteidigen, kann dann der Völkerbund im Notfall Deutschland Derlei« Ligen?Der über," sagt Clemenceau,hat keine mi- litärischen Machtmittel, und wenn er welche hätte, so würde ich mich weigern, auch nur einen französiscken Soldaten mobil zu machen, um Deutschland gegen den Bolschewismus zu schützen."

Da haben wirs: Man macht Deutschland durch die Vorschriften im Friedensvertrage wehrlos und will keinen Finger rühren, um dem Lande den notwendigen Schutz zu gewähren. Nicht einmal gegen den rufst- scheu Bolschewismus, obschon doch Frankreich selbst ein Interesse an der Fernhaltung dieser Seuche hat! Die eroberungssüchtigen Polen werden daraus neuen Mut schöpfen für Angriffe auf unsere Ostmark.

Vom vielgepriesenen Völkerbund bleibt nichts anderes übrig, alsdieVerewigungderdeutschfeind- lichen Kampfgenossenschaft. Aus dem Programm des Herrn Wilson wird also das glänzendste und krönende Stück beseitigt. Nun, den übrigen 14 Punkten des Präsidenten ist es ja nicht besser gegangen. Clemenceau bemerkt darüber offenherzig:Man habe gesagt, die Staatshäupter hätten bei den Beratungen über den Friedensvertrag zuerst die Wllfonschen 14 Punkte erörtern müssen; das würde er (Clemenceau) nie gewagt haben!" Die 14 Punkte sind ja auch glatt in der Versenkung verschwunden.

Der vorliegende Vertrag, so führte er weiter aus, sei Nichtsein Anfang, sondern der Anfang vom Anfang, man müsse den Vertrag in dem gleichen Ernst behan­deln, wie man den Krieg behandelt habe; dann werde er groß und fruchtbar fein. Also in dem gleichen kriegerischen Ernst!

Der Prophet des Krieges unter .Friedlicher" Mas- kierung mahnt seine Landsleute zur W a ch s a m k e 11. Das können wir angesichts der unerbitttichen und be­drohlichen Sprache uns erst recht predigen lassen. Wir haben keine andere Stütze unserer Hoffnung als die eigene Äroftentfaltung im Vertrauen auf Gottes Gnade.

.Wenn wir in Zwietracht und Faulheit unsere letzten Prüfte vergeuden, dann sind in der Tat Clemenceau und

Der Schatten.

Roman von Arthur W i n ck l e r - Tannenberg.

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Meta Mertschitz erschrak.

Melleicht war Dr. Schröter daheim. Er arbeitete jetzt oft auch tagsüber an feinem medrzinsschen Werke. Sie pochte bei ihm.

Und er war tatsächlich daheim.

Erstaunt wandte er sich in fernem SchreibsessÄ um, als sie eintvat:

Nanu, Frau Mersschitz? Was verschafft mir die ©jre? *

Guten Morgen, Herr Doktor. Ich komme mit der Bitte, sich einmal nach dem Onkel--ich meine den

Herrn Salzmann mnzusehen. Mir scheint, er ist ernst­lich erkrankt. Er spricht wildes Zeug im Fieber!"

Dr. Schröter hatte sein von Schmissen zersetztes Gesicht der Sprecherin aufmerksam zugekehrt. Jetzt wandte er es zum Schreibtisch zurück, legte die Feder hin und stand gemächlich auf.

Hoffentlich blinder Lärm," sagte er.Gestern habe ich den Herrn Salzmann noch so munter gesehen, als er eben Mit seinen 70 Jahren fein kann. Na, ich komme natürlich. Wir werden dann gleich wissen, was los ist."

Damit folgte er der vorangehenden Wirtin und betrat »ach ihr das Zimmer des alten Salzmann.

Ein Blick auf diesen ließ sein Gesicht ernst werden.

Die hageren Backen glühten, die Hände wühlten hastig und ruhelos in der Bettdecke, über die trockenen Lippen aber sprudelte wildes, sinnloses Gerede.

Der junge Arzt rückte sich einen Stufst ans Bett, setzte sich und nahm vorsichtig leise eine der herumtastenden Hände.

Er fühlte den Puls.

Frau Meta stand dabei und wartete.

Nach einer Weile sagte Doktor Schröter:

Verehrte Frau Mertschitz, die Sache kann ernst wer- ven. Der Kranke ist alt, er braucht jedenfalls sorgfältige Pflege. Ich rate zum Krankenhaus. Dort kann er sie sinden, Sie haben keine Zeit dazu*

0 Gott! Herr Doktor so schlimm ist's!" _

Ich kann mich irren, ich rate nur'

(Eine Nacht könnte ich's vielleicht versuchen, länger freilich nicht,"^

seine Genossen ,chie Herren". Die Herren der Welt im ganzen und des hinsiechenden Dsttfckfland im besonderem______________________________

Deutscher Selch.

* Ein Patentminister. ImRegensburger An. zeiger" lesen wir:Heber die Güte einer großen Zahl der durch die rote Welle der Revolutton empor­getragenen neuen Minister bestehen in wissenden Kreisen keine Meinungsverschiedenheiten mehr.Ein jeder blamiert sich, so gut er kann", ist der Leib­spruch manches dieser Herren. Ein besonders bla» magekundiger Herr scheint der sozialdemokratische Landwirtschaftrminister Braun in Preußen zu sein. War da kürzlich in Osnabrück eine Domherren» stelle zu besetzen. Wie üblich hatte das Domkapitel drei geeignete Theologen vorgeschlagen, aus denen ein Nachfolger ausgewählt wird. In früheren Fällen pflegte die Auswahl der König zu treffen. Jetzt ist dafür die Staatsregierung zuständig, das heißt, das gesamte preußische Ministerium. Jeder der eine Ahnung von kirchlichen Dingen hat, weiß, daß ein katholischer Domherr heutzutage reine kirch­liche Verrichtungen auszuüben hat. Diese Kenntnis der Dinge scheint es nur bei Mitgliedern des preu­ßischen Staatsministeriums nicht zu geben, denn es ereignete sich folgendes: Bon einer zuständigen Stelle wurde aus den drei Kandidaten einer ausge» wählt und in Vorschlag gebracht. Dieser Vorschlag wurde sämtlichen preußischen Ministern borgelegt, die ihn gegenzeichneten. Nur der Landwirtschaft-» minister Braun machte eine Ausnahme; er glaubte besonders klug zu fein, wenn er Bedenken äußerte, und zwar wurde das in folgender Form gemacht: Der Minister nahm ein Stück Papier und schrieb mit Tinlenschrift darauf:

Warum schon wieder ein Geistlicher? Ich bin dagegen, daß man immer Theologen heranzieht. Man sollte doch besser einen Gelehrten oder einen Mann der Schule mit diesem Amt betrauen.' Mit dieser geist­vollen Bemerkung wanderte nun da» Aktenstück an die Staatsregierung zurück. Ein Gelehrter oder Volks- schullehrer Domkapitular in Osnabrück da» spricht allerdings von eminenter ministerieller Befähigung des Herrn Braun!

Der Fall klingt so ungeheuerlich, daß wir die Verantwortung für die Richtigkeit dem Regensbur­ger Blatte überlassen müssen. Da jedoch die An­gaben bis ins Einzelne gehen, ist an der Wahrhaf­tigkeit des Berichtes kaum zu zweifeln.

c. Die Versetzung der Beamten auS den abzu­tretenden Gebiete«. Vor einigen Wochen erhielten die Beamten der an Polen abzutretenden Gebiete von ihren Behörden die Aufforderung, sich zu er­klären, ob sie nach Preußen oder in den Dienst des polnischen Staates überzutreten gedächten, ^ür den ersteren Fall war ein Personalien-Bogen beigegeben, auf dem die Beamten Wünsche nach Orten und Pro­vinzen ihrer künftigen Tätigkeit äußern dursten. Nu« sind aber schon eine Anzahl katholischer Beam­ten nach rein Protest antischen Gegenden versetzt, wo es ihnen gar nicht möglich ist, ihren religiösen Pflichten nachzukommen und für eine ordentliche Erziehung ihrer Kinder Sorge zu tragen. Andererseits kommen protestantische Beamte in Ge­genden, wo Katholiken und Protestanten Kirchen und Schulen besitzen. Deshalb wäre eine Versetzung katholischer Beamten nach rein protestantischen Ge­genden gewiß zu vermeiden gewesen. Wir wissen allerdings nicht, ob die Katholiken sich alle um eine ihrer Konfession entsprechende Anstellung genügend bemüht haben; aber es wäre dann Pflicht und Schuldigkeit, baS Versäumte nachzuholen, d. h. falls es noch nicht zu spät ist, und wir dürfen wohl die Hoffnung hegen, daß die Regierung den ihr über­mittelten Wünschen wenigstens nach diesem Hinweis Rechnung tragen wird.

dem rlachdmaediet-

* Vad Soeben. Der Sparkassenverband für Hessen-Nassau und Waldeck hot am Samstag seine 21. Hauptversammlung^ hier abgehalten. Fast alle dem­selben angehörenden Sparkassen hatten Vertreter ent­sandt. Die Vorversammlung im Kurhause galt einer Aussprache der Beamten über die auf dem Gebiete des Sparkafsenwesens herrschenden Tagesftagen und wäh­rend des Krieges gesammelten Erfahrungen. Samstag früh 9 Uhr nahm die Hauptversammlung im Kursaale ihren Anfang. Der erste Gegenstand gatt einer Aus­sprache über den Zinsfuß im Spar-, Scheck- und

Wie Sie wollen. Jedenfalls stehe ich zu Diensten, wann immer Sie mich rufen sollten. Am Nachmittag sehe ich so wie so noch einmal herein"

Er gab einige Anweisungen und blieb bei dem Kranken, bis Frau Meta Cis besorgt hatte.

Ein Ostindienfahrer war hereingekommen und hatte Leute gebracht, die nach langer Bord-Einsamkeit nach den Genüssen des Lebens an Land dürsteten. Als Bruno er­schien, zur selben Stunde, da ferne Mutter sich um Onkel Salzmann bemühte, klapperten schon die Würfel und llassch- ten die Karten. In einer Ecke fand er feine Genossen. Sie zählten heute nicht groß, die neuen Gäste stochen sie aus.

Ohne jede Weile kam der Wirt.

Wein oder Bier, Herr Merschitz?" fragte er lässig.

Bruno griff protzig m die Brusttasche und knitterte mit einem blauen Scheine.

Wein, Herr Morsell Was die da können, können wir längst. Und bann die Karten."

Erheblich eilfertiger ging der Wirt. Mertschitz hatte Gew, und davon ließ er stets auch ein gut Teil in des Wirtes Kasse. *

Die beiden Freunde Brunos flüsterten mit einander. Da kchrte er sich barsch zu ihnen.

Was gibt's? Wundert Ihr Euch über mich?"

Der eine, ein rundbackiger,' aufgeschwemmter Jüngling, antwortete:

Bsst ja furchtbar aufgeregt. Was wär' an Dir De- sonderes? Du hast Deinen Onkel wieder mal gebranb» schätzt und bist dechalb bei Gelbe. Dos verwundern ha- ben wir uns abgewöhnt, was, Willy?"

Der zum Zeugen Angerufene, ein magerer und kränk­lich aussehender Mann in mittleren Jahren, nickte lächelnd:

Völlig abgewöhnt. Ist sozusagen auch unser Onkel geworden. Gott erhalte chn lange auf Erden!"

Na, aber was dann, Klemens?" fragte Bruno sanfter gestimmt.

Der wies in die gegenüber liegende Ecke des Keinen Saals.

Der Kerl dort interessiert uns. Kein mchedeutender Mensch, scheint mir."

Bruno folgte'der Weisung.

Ja, dort sah ein sonderbarer Gesell! Gelb-, fast braun- tzäutja. eiernde, em Paar blitzende dunkle Augen voll

Ueberweisungsverkehr, namenüich in der Richtung, ob eine allgemeine Herabsetzung desselben erforderlich oder empfehlenswert fei. Die sehr lebhafte Besprechung hatte das Ergebnis, daß die einheitliche Bemessung dieser Zinssätze nicht zu empfehlen sei, sondern den einzelnen Verwaltungen unter Berücksichtigung der lo­kalen Verhältnisse >>überlassen, jede Zinstreiberei dabei aber vermieden werden müsse. Die Besprechung über die Formen des bargeldlosen Zahlungsver­kehrs im reinen Sparkassenverkehr nahm eine ge­raume Zeit in Anspruch; die Ansichten hierbei gingen vielfach auseinander. Allgemein anerkannt wurde aber, daß die Aufnahme des bargeldlosen Zahlungsverkehrs seitens der Sparkassen als eine ihrer wichtigsten Auf­gaben zu betrachten fei, wenn derselbe überhaupt in alle Schichten des Volkes Eingang finden und die so not­wendige Einschränkung unseres Notenumlaufes zwecks Besserung der Valuta bewirken solle, lieber die Lan - desbanken als Girozentralen der Sparkas­sen sprach der Direktor der Landeskreditkasse Kassel. Die Ausführungen stießen indes auf vielfachen Widerspruch, da die Bildung einer besonderen Girozentrale für zweck­mäßiger erachtet wurde. Der Vorschlag der Einsetzung einer Kommission zur Prüfung dieser wichtigen Frage und Berichterstattung in der nächsten Hauptversamm­lung fand einstimmige Annahme. Nun folgte eine freie Besprechung von Fragen und Erfahrungen aus dem Sparkassenverkehr, die zu interessanten Mitteilungen und Besprechungen aus diesem Gebiete führten. Die Bestimmung des Ortes der nächsten Hauptversammlung wurde dem Vorstand überlassen. Damit war die Ta­gesordnung zwar noch nicht völlig erledigt, man er­klärte sich aber mit dem Schluß der Hauptversammlung der vorgerückten Zeit wegen einverstanden. Der Vor­sitzende richtete die ernste Mahnung an die Sparkassen, wie sie bisher zum Aufstieg unseres Wirtschaftslebens in hohem Maße beigetragen, so auch beim Wiederaufbau durch Einsetzung aller Kräfte werktätig rnttzuwirken.

<? Herborn. Auf Antrag von 11 Sladtverord- neten fand hier eine außerordentliche Stadtveroid- netensitzung statt, in der Protest gegen die nicht un­parteiische Geschäftsführung des Sladtverordneten- vorsteherS Hofmann und dessen Stellvertreters Deck erhoben wurde. Jnfolgedess n legten die Herren ihre Aemter nieder. Da? Mißtrauensvotum hängt damit zusammen, daß man dem Bürgermeister Birkendahl vorwirft, er habe sich beim Einkauf von Lebensmitteln für die Stadt persönliche Vorteile verschafft, von denen die genannten Herren Kenntnis hatten, aber nicht dagegen ein schritten. Bürger­meister Birkendahl ist feit längerer Zeit krank und beurlaubt.

Kassel. Ein skandalöser Vorgang, der einer Verherrlichung des Verbrechertums gleich kommt, war die am Samstag auf dem Wehlheidener Friedhof erfolgte Beerdigung des Einbrechers Scheider, eines Mannes, den der 9. November aus dem Zuchthaus be­freit hat, der unzählige Verbrechen auf dem Kerbholz batte, der am Montag einen braven Polizeibeamten durch einen Revolverfchuß schwer verletzt hat, der tatf der Flucht wild um sich schoss ohne Rücksicht daraus, ob er Menschen dabei ermordete, und schließlich sein Leben mit einem Revolverschutz endete. Der kostbare Sarg mit Acchlreichen 'Blumenspenden wurde von einem außerordentlich großen Trauergefolge von Freunden und Freundinnen! des Verstorbenen unter Trauerweisen einer Kapelle zu Grabe geleitet. Am Grabe sprach ein Matrose, der einen Kranz mit roter Schleife trug. Ein nWefangener hätte nach alledem meinen können, hier werde unter derartigen Ehrun­gen eine Persönlichkeit beerdigt, die sich die höchsten Verdienste um Staat, Mitbürger und Oeffentlichkeit erruntgen habe, nicht aber ein frühzeitig auf Abwege geratener und der Einbrecherlaufixchn verfallener jun. ger Mensch, ein Feind der menschlichen Gesellschaft, ein Schrecken der öffentlichen Sicherheit. Wohin sind wir geraten und soll es auf diesem Wege weiter gehen? DieHess. Post" sicht mit Recht in dieser herausfor­dernden Kundgebung nichts anderes als eine offene Verhöhnung von Oeffentlichkeit, Ordnung und Justiz und erhebt schärfsten Einspruch gegen derartige Ver­herrlichungen des Verbrechertums. Ebenso ungehörig war es, daß ein von den Freunden Schneiders dem lieben"' Werstorbenen gewidmeter Riessnkranz aus Immergrün mit roter Schleife und entsprechender Auf­schrift in einer hiesigen Blume nhandlung als Reklamc- stiick im Schaufenster ausgestellt worden ist. Bei dem ^KriminalWachtmeister Heise, der bei der Erfüllung seiner Pflicht gelegentlich der Verhaftung «Nhneiders von diesem durch einen Nevolverschuß schwer verletzt worden war, ist eine wesentliche Besserung eingetreten.

vermischter.

* Z« einem furchtbaren Skandal kam es am Donnerstag in der Stadtverordnetenversammlung

tatter Energie und um das leberfarbene Gesicht dichtes, graues Locken hrurr und eben solch buschiger Bari.

Wie er jetzt das Glas hob, trank und es wieder hin­setzte, war in jeder Bewegung etwas von der Pose eines Taschenspielers und doch zugleich etwas von vornehmer Würde. Auch die Kleidung war tadellos. Und da, als alle drei forschend auf den Fremdling sahen, fing der ihre Blicke ab. Er, war sich offenbar seiner auffälligen Er­scheinung bewußt und cs gewöhnt, angestarrt zu werden. Ein blltzorttges Lächeln zeigte das. In diesem Augenblick wurden da drüben die Korten gebracht. Ein Splei be­gann. Die Adlernase hielt die Bank und beherrschte den Tisch. Er gewann. In selbstsicherer Gemessenheit häufte er die Beute neben sich. Die Partner wurden immer leidenschastlicher und damit immer widerstandsloser. Luch Bruno muri» gepackt. Er hätte dort im Kresse des- monsschen Fremden sitzen mögen. Aber da legte auch ihm der Wirt die bestellten Karten hin, und Klemens begann zu mischen.

Bruno spielte schlechter als je.

Immer wieder schweifte seine AufmeiksoriÄeit nach der gegenüber liegenden Ecke und vernachlässigte das eigene Spiel.

Als die Partner ihn auslachten und sich chrer Gewinne heuten, raffte er sich zusammen. Eine Welle gings, aber dann war er plötzlich wieder im Banne des Fremden. Und dieser hatte seine Fernwirkung wohl bemerkt. Wie­derholt, wemr er sich Überlegen lauernd an die tabakbrau­nen Holztäfelung des Ecksitzes zurücklehnte, flog der Blick des aufflannnenden Auges zu dem anhänglichen Be­wunderer.

Stunden vergingen.

Brunos Mitspieler hatten noch eine Verabredung unb ließen den Gerupften bald allein. Nun konnte er sich ganz ungestört seinen Beobachtungen überlassen. Dori gings um ganz andere Einsätze, als er sie je kennen gelernt hatte, und sein Spielerblut kam in Wallung.

O, auch einmal so im Golde wühlen können! Wem das seine Mittel erlaubten!

Es wurde Sett gebracht. Immer neuer. Der Dank- haster steilich hielt sich mäßig, aber die anderen tranken umso munterer. Das fesselte den Späher immer mehr. In der Zurückhaltung war Mechode. Die Berauschten merkten sie nicht, waren auch viel zu leidenschaftlich be- festigt, als dass sie bättan können. Kruno

von Spandau. Bald nach der Eröffnung bet Sitzung erschien eine Abordnung vom Internationa­len Bund der Kriegsbeschädigten. Die Leute ver­langten sofort über eine Reihe von Forderungen ge­hört zu werden. Der Abordnung folgten bald un­gezählte Kriegsbeschädigte, sowie auch Frauen von Gefallenen und füllten Sitzungssaal. Sie schrie« durcheinander und verlangten unter Beteiligung der Tribünen, sofort gehört zu werden. Die Versamm­lung war machtlos, und die Sitzung mußte unter­brochen werden. Während dessen wurde das Rat­haus von starker Polizeimannschaft besetzt. Nach Wiedereröffnung der Sitzung setzte der Lärm von vorn ein, und die Kriegsbeschädigten setzten es durch, daß ihr Wortführer sein Programm entwickeln konnte. Er verstieg sich in seinen Ausführungen zu krassen Beleidigungen der Versammlung. Endlich wurde beschlossen, daß die Kommission die Forderun­gen drinaend erledigen solle.

* Adelina Pulli f. Aus London kommt die Nach­richt, daß Adelina Pctti, 76 Jahre alt, auf ihrem prächtigen Schloß Arasy-y-Nos in Wales gestorben ist. Die weltberühmte italienische Sängerin, die einst die ganze gebildete Welt durch ihre Stimme bezauberte, wurde 1843 in Madrid geboren, verlebte aber ihre Ju­gend in Newyork. Mit 18 Jahren betrat sie zum erstenmal in Newyork bic Bühne. Diesem ersten Auf­treten folgte ein fest beispiellos-r Siegeszug durch alle größeren Städte der Vercmigten Staaten und über di- großen Opernbühnen Europas.

Gotterdienstordnung.

Donnerstag, 2. Okt. Dom. Nachmittags */»!> Beichtgelegenheit. Stadtpf-rrkirche. Nachmittags 6 Gelegenheit zur Beichte.

Amtliche Anzeigerr.

Auf Grund des § 4 Abf. 2 der Verordnung über die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse usw. vom 15. Juli 1919 Reichsgesehbl. 5. 647 wird mit Zustimmung des Herrn Reichsernährungsministers der Erzeuger-Höchstpreis. Herbst- und Winter- fiartoffein für die Provinz Hessen-Nassau vom 14. September d. Js. ab hiermit auf

6,50 Mr.

für den Zentner festgesetzt. Er erhöht sich für jeden bis zum 31. Dezember 1919 einschl. zur Verladung ge­brachten Zentner um die Schnelligkeilsprämie von 50 Pfg. und die Anfuhrprämie von 5 Pfg. für jeden cm- gefangenen Kilometer.

Kassel, den 12. September 1919. Provinzialkarlosselstelle.

Dy es.

Wird veröffentlicht.

Die Ortsbehörden ersuche ich, die vorstehende Be­kanntmachung mehrmals ortsüblich bekannt zu geben. Die Ortspolizcibehörden, Gendarmen und Verbraucher ersuche ich, höchstpreisüberschreitungen s o s o r l bei dec Staatsanwaltschaft in Hanau zur Anzeige za bringen.

Fulda, den 18. September 1919.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses.

Frhr. v. Doernberg.

Die in den Vorjahren dürfen die Larioffelerzeuger auch in diesem Jahre die Kartoffeln an Versorgungsberech- tlgle nur gegen Bezugsscheine aushändigen.

Zuwiderhandlungen werden auf Grund des § 18 der Verordnung Über die Karloffeloersorgung vom 18. Juli 1918 (2t.-O.-SL S. 738 ff.) bezw. § 8 dec Verordnung über Sarkoffein vom 4. September d. 3. (R.-G.-Bl. S. 1151 ff.) bestraft.

Die Bezugsscheine werden für die Versocgungsberech- ligken in der Stadt von der hiesigen Nahrungsmitteistslle, auf dem Land von den Orlsvorslehern ausgegeben. Die Ausgabe der Bezugsscheine erfolgt in den nächsten Tagen. Sie konnten nicht eher erfolgen, weil die Ausführungs­bestimmungen der Provinzialkarloffeistelle über das Be­zugsscheinverfahren erst seht hier eingegangen sind.

Fulda, den 25. September 1919.

Der Landrat. Frhr. v. Doernberg.

Mersschitz gelüstete es immer mehr, in jenen Kreis zu kommen. War nicht eben ein Mick auf ihn gefallen, als interessiere sich jener auch für ihn? Nein, der Geid- fjäutige spielte so ruhig und elegant weiter, an den war nicht beranMkommen!

Bruno stürzte ein Glas Wein hinunter. Dann lehnte er den Kops an die Rückwand des Lederfofas, auf dem er faß und schloß die Augen. Wie das um ihn surrte und brauste. Verlorenes Stimmengewirr, schleifende Karten nud in den Schläfen der hämmernde Pulsschlag des cuf- gepeisschten Mutes. Und doch wieder trotz aller Er­regung eine erschlaffende Müdigkeit!

Dann tarnen die Gedanken, Vorstellungen geschlichen, wie sie der Augenblick und die Nachwirkung des Erleb­ten schuf.

Onkel Salzmann war heute jämmerlich zuscunmenge» fmtfen. Mit dem gings nicht mehr lange, und dann hatte das liebliche Drohnentum ein Ende, oder er mußte selbst an Emst Adalbert Ruskin herantreten. Teusel auch, das wollte er! Er wollte her drohende Schatten des ehren­festen Pstriziechaufes werden. Freilich ein wenig in die Lehre gehen hätte er noch mögen! In die Lehre? Bei dem zagen, energielose» Onkel? Du lieber Gott! Ja, aber bei wem sonst? Und da zuckte es ihm wie ein Blitz durchs Hirn: bei dem seltsamen Graukopf da drüben! Der mußte die Well gesehen Hecken, der mußte ein Meister in allen Schlichen und Ränken fern!

Er öffnete die Augen-

Morsel ging eben mit leeren Flaschen vorüber. Er winkte ihm.

.Hören Sie mal, Morse!, wer ist der Herr da drüben? Wissen Sie schon was vom Woher und Wohin?"

Der Wirt stellte die Flaschen einen Augenblick auf Brunos Tisch und beugte sich zu ihm:

Ja, ich weiß schon einiges. Tom Murray soll er heißen und aus Tongking gekommen sein, wo er so etwas wie Plantagen-Direktor war. Ob's wahr ist? Was gcht's mich an! Mir haben's Cäste gesagt, die mit ihm auf der Thusnelda" waren. Und er bleibt hier, hat sogar bei mir Wohnung genommen. Wenn Sie morgen zelliger kommen, wird's nicht schwer sein, mit ihm bekannt werden."

Danke."

Der Wirt ging.

>-' ^Fortsetzung folgt.],