übersehen.
Wilson erkrankt.
Ein belgischer Angriffsplan auf Holland?
Wie die über den deutschen Einmarsch im August 1914 so empörten Belgier über eine Verletzung der Neutralität eines anderen Landes denken, wenn es gilt, das eigene Ausdehnungsbedürfnis zu befriedigen, zeigt folgende Meldung des „B. L." aus Brüssel:
Der "„Standard" bringt einen ^Angriffsvorfchlag gegen Holland unter der Ueberfchrift: „Ein belgischer d'Annunzio", m dem u. a. auf die Sammlung einer Freiwilligenarmer aus Demobilisierten hingewiesen wird, die zu einem Vormarsch gegen Hol- ländisch-Limburg verpflichtet werden fallen, das man im Sturm nehmen will. Man will^wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, die Pariser Konscrenz vor vollendete Tatsachen stellen. Die Kämpfer werden aber nicht allein auf belgisch-limburgischem Boden, sondern auch auf holländischrpr Gebiet geworben, ja sogar unter der Äugend wird agitiert, damit diese die
Graf Berchthold über
Wiener Enthüllungen.
wtb Vern, 28. Sept. Der frühere österreichischungarische Minister des Aeußern Graf B e r ch t h o l d erklärte in einer Unterredung mit einem Vertreter des Genfer „Feuille", daß er sich keineswegs als Hauptschuldigen am Ausbruche des Krieges betrachte. Er habe allerdings mit aller Energie handeln müssen, um einen Zerfall der Monarchie zu verhüten. Uebrigens habe Deutschland chm geraten, schnell zu handeln. Seine Ueberzeugung sei auch heute noch, daß Deutschland die treibende Kraft zu der Aktion gegen Serbien war. Es hätte erklärt, der Fortbestand des Vünd- nisses hänge von seiner Energie ab. Beim Eintreffen des Greyschen Dermittlungsvorschlages habe er die beiden Ministerpräsidenten sofort benachrichtigt, doch sei Tisza erst am 31. Juli in Wien eingctroffen. Der Kaiser sei der Meinung gewesen, den Greyschen Vorschlag nicht ohne weiteres abzutun. Immerhin hätte durch die Annahme des Vorschlages die Moral der Armee leiden müßen. Auch sei es peinlich gewesen, die Angelegenheit einem Schiedsgerichi zu unterbreiten, von besten vier Richtern drei Oesterreich-Ungarn feindlich gesinnt waren. Bezüglich der Haltung Tiszas sagte Berchthold, Tisza habe gegen die Militärs gekämpft, die, wie in allen Ländern, den Hals nicht hätten voll bekommen können. Man hätte sich schließlich auf ein Kompromiß geeinigt, nach welchem Oesterreich gegenüber Serbien auf Annexionen verzichte, abge- schen von leichten Grenzveränderungen. Hebet die Kriegserklärung an Serbien sagt Berchthold, die falsche Nachricht von einem serbischen Angriff habe er tatsächlich von einem österreichischen Armeekorps erhalten. Diese falsche Stelle im Texte der Kriegser- klärung sei von ihm ausgemerzt worden, nachdem er informiert war, daß das serbische Gefecht nicht stattgefunden. Aber die Unterschrift unter die Kriegserklärung hätte er auch ohne dieses Gefecht erhalten. Serbiens Weigerung, alle Bedingungen der Note anzunehmen, hätte genügt.
*
Die Wiener Enthüllungen, die den Grafen Berchthold und einige andere österreichisch-ungarische Minister schwer belasten, werden durch die Selbstverteidigung des Hauptangeklagten nicht entkräftet. Wenn man etwas zu feiner Rechtfertigung gelten lassen will, dann ist es seine Ueberzeugung von der Notwendigkeit, mit aller Energie zu handeln, um einen Zerfall der Monarchie im Süden zu verhindern. Er glaubte den Stier bei den Hörnern packen und der Monarchie Ruhe vor den Serben verschaffen zu müßen. Er entsprach damit der damals der in ganz Oesterreich-Ungarn herrschenden Stimmung, die seit der Annexions-Krise von 1^08 bedenklich nervös geworden war. Man wollte sich nicht mehr mit den nie gehaltenen Versprechungen der Bel- grader Todfeinde abspeisen lassen. Man wollte Serbien zwingen, aus die Rolle eines rustychen Sturmbocks gegen die habsburgische Monarchie zu verzichten, wollte es militärisch so treffen, daß cs <lls politischer Faktor auf dem Balkan überhaupt ausgefchal.et werüe. | Dieser unglücklicherweise auf jede Gefahr hin unternom- I mene Versuch war verhängnisvoll. Graf Berchtyold 1 erkannte nicht, daß der Streit mit Serbien die große europäische Waffenentscheidung herbeiführen mußte, die bei dLr Uebermacht dcr Gegner zur Katastrophe für uns zu führen drohte ,roie sie es ja tatsächlich getan hat. Berchthold hat den Krieg begonnen gewiß nicht aus Uebermut. sondern aus Furcht und unter öer Zwangs- Vorstellung, einen auf Oesterreich-Ungarn feit wahren lastenden Druck ein- für allemal abschüteln zu müssen.
soll auch die Ablösung dieser Last durch einmalige Zahlung des Eteuerbetrages und Abrechnung von fünf Prozent Zinsen zugelassen und sogar durch gewisse Anreize erstrebt werden.
Henrich meint, seine Abgabe sei nicht in eine Linie zu stellen mit der bisherigen Vermögenssteuer, der sog. Ergänzungssteuer, denn letztere sei tatsächlich nur eine Ergänzung zur Einkommensteuer als Mehrbelastung des fundierten Einkommens. Das stimmt insofern, als die bisher übliche Vermögenssteuer nur ein Stück von der Rente aus dem Besitz in Anspruch nimmt, während es sich jetzt um eine Abgabe handelt, die den Besitzstand selber schmälern, in die Substanz des Vermögens Eingreifen würde. Um diesen Eingriff erträglich zu machen, ist in beiden Plänen die Wahl gelassen zwischen Zahlung in Jahresraten oder Ablösung durch einmalige Leistung.
Ob man die eine ober die andere Zahlungsart als Ausnahme oder Regel hinstellt, würde keine arund- ötzliche Aenderung bedeuten. Aber in diesen finanz- und wirtschaftspolitischen Dingen kommt es vor allem ass das Ergebnis in der Praxis an.
Henrich glaubt, daß die Reichs kaße bei seinem Verfahren mehr einnehmen würde. Dafür spricht nur die Möglichkeit, auch den Vermögensstand heranzuziehen, der sich in den nächsten 25 Jahren bildet. Demgegenüber steht allerdings die Gefahr, daß auch im Laufe dieser Zeit Vermögen verschwinden wird. Sei es durch Verluste, sei es durch Teilung unter die Erben. Wenn das Vermögen sich auf weniger reiche Rechtsnachfolger verteilt, so verliert das Reich den progressiven Zuschlag auf die größeren Vermögen, die sich zur Zeit in einer Hand befinden. Die alljährliche Neuveranlagung zur Vermögensabgabe mag wohl gerechter und wirtschaftlich erträglicher sein, aber ob sie einträglicher ist für die Reichskasse, steht doch noch dahin
Der Kernpunkt der Sache ist und bleibt die schnelle Ergiebigkeit der fraglichen Abgabe vom Vermögen. Der maßgebende Zweck ist die möglichst weitgehende Deckung der schwebenden Schuld des Reiches. Um die Zahlungsunfähigkeit der Reichskaße bei der Präsentierung dieser Milliarden-Forderungen zu verhüten, müssen Dutzende von Milliarden alsbald eingeheimst werden. Allem Anscheine nach ist das eher zu erreichen, wenn man die einmalige Zahlung als Regel hinstellt und die Zahlung in Jahresraten als Ausnahme, von der eigentlich nur diejenigen Gebrauch machen sollen, deren "Vermögen in unbeweglichen Werten bestehen ober die ihr Geld als Betriebskapital Zusammenhalten müßen.
Die B e s ch l e u ni g u n g ist bei der gegenwärtigen Finanzlage vor allem im Auge zu behalten. Das muß auch bei der Einbringung und Behandlung von Gegen- Vorschlägen beachtet werden. Sonst wird das Bessere der Fe'nd bes Guten.
Wilson hat seine SRebntrrunbreüe durch ^meriLt abgebrochen, angeblich wegen eine® Nerven, Hock- ober wegen Verdauungsstörungen. Von der amen- konischen Presse rohb daraus hingew'.e en, daß Wilson in den letzten Tagen seine Gegner mit -Bezeichnungen wie Fe glinge, Prodentiche Mw. belegte.
Im amerikanischen Repralentau enhaus touro die Gerüchte über die Annahme von Gesche» ken durch Wil on während seiner -Enropareise z.- unterinchen und vom Präsidenten eine Lifte über die angenommenen Gefchenkc emzusw.dern.
*3 *3 X I Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Karl Schütte, ll« I für die Anzeigen: I. Parzeller, Fulda. — Rotationsdruck.
| Montag 29. September 1919. | J
Die deutschen Truppen im Baltenlande.
Die deutschen Truppen im Baltikum haben dem Befehl bet Reichsregierung, in die Heimat zuruck;«- kehren, noch immer nicht Folge geleistet. Da in En- lemekreisen der deutschen Regierung vielfach öer gute Wille abgesprocben wird, bat sie fick jetzt e.uverstan- ben erklärt, daß eine gemischte beuifcb-internattonQie Kommisson in das Baltikum gehr, um an «~rt i und Stelle die Räumungssrage selbst in die Hand ; zu nehmen, gleichzeitig aber auch für die dort befindlichen übrigen Reichsanaehötigen zu torgen. Um die Maßnahmen der Kommission schon jetzt zu un'.ei- ssiitzen, wurde bereit! die cmgedrohe Sperrung der Löhnung für die unbotmäßigen Truppen, an« georbnet. Auch verlieren die Truppen, diesem Av- morichbefehl nicht Folge leisten, alle Versorgungs« ansplüche. Den Truppen haben fick auch ailer.et Abenteurer aus TeuUchland angeschlossen, gegen die die Grenze gesperrt wurde. _ ,
Inzwischen droben die Vertretungen der Entente in Paris mit Gewaltmitteln. Sre kündigen die Einstellung der Lieferung von Lebensrnitteln und Rohmaierialirn und den Abbruch der finanziellen Beziehungen falls die Truppen des Generals nrchk vor Eintritt des Winters das Baltikum vollständig geräumt hätten.
Deutschlands völlige Entwaffnung.
In seiner Rede vor der französischen Kammer hatte der Ministerpräsident C l e m e n c e a ujt a. auch den Vorwurf zurückgewiesen, daß nach dem Friedensvcrtrag die deutsche Armee zu stark bleibe. Es sel unmöglich gewesen, ein Volk von 60 Millionen ohne Schlitz an seiner Ostgrenze zu lassen. Da aber eine Armee des Völkervereins nicht bestehe, so gehe es nicht an, auch nur einem einzigen französischen Soldaten zu- zumuten, die Deutschen gegen bte Polen zu schützen. Elemenceaus Ansicht, daß man Deutschland gegenüber den Polen an der Ostgrenze nicht wehrlos laßen könne, wird aber von einem großen Teil der Kammer nicht geteilt. Der Abg. Andre Lefevre hat einen Be- lchlußantraa eingebracht, der lautet: „Die Kammer ersucht die Regierung, Verhandlungen mit den Signa- tarmächien des Vertrages von Versailles einzuleiten, um einen Zusatz zum Friedensvertrag anzunehmen, der die Entwaffnung Deutschlands und feiner Verbildeten endaültig sichere durch das Verbot gewißer Kriegsindustrien und durch jede notwendig erscheinende Maßnahme." "Temps" sagt dazu, Deutschland dürfe keine Kanone gelassen werden, um sie gegen die Polen zu richten. — Aus dem Antrag spricht eine höllische Angst der glorreichen „Sieger" vor den Besiegten und das schlechte Gewissen.
Birkenfeld.
Die von der neuen „Regierung" ausgeschriebenen Wahlen sind aus Anordnung der französischen Behörde aufgeschoben worden; sie werden erst im November stattfinden. Man nimmt aber an, daß der Aufschub veranlaßt ist durch die in Versailles überreichte Note über die Vorgänge in Birkenfeld.
Infolge der Verordnung des Militärverwaltecs, daß alle Beamten ihrer Dienstpflicht obzuliegen haben, und nach einer neuen Anordnung des oldenburgifchc-n Ministeriums, daß alle Beamten ihre Tätigkeit wieder aufnehmen und die ausgewiesenen zurückkehren sollen, um an Ort und Stelle das Interesse des Landes wahrnehmen zu können, kehren die Beamten dieser Tage zurück.
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Beschießung rückkehrender Gefangener.
wtb Darmstadt, 27. Sept. Heute nachmittag um halb 3 Uhr kam ein KriegSgefangenentransport von 1500 Mann aus Marseille auf drm hiesigen Bahnhöfe an. Der Transport wurde unterwegs von französischen Soldaten beschossen. Hierüber wurde von dem den Transport begleitenden Enienie- Offizier folgende« Protokoll aufgtnommen: Am 26. September vormittag« 8V« Uhr, als der Zug deutscher Kriegsgefangener mit amerikanischer Bewachung die Station Pompeh bei Toul durckfuhr, ereignete sich folgender Vorfall: Die Gefangenen, welche im Zuge saßen, warfen den dort befindlichen, bei Franzosen arbeitenden deutschen Kriegsgefangenen Lebensrnittel zu. Hieraus beschoß die sranzösiiche Wachkompanie den Gefangenenzug. Drei Schüsse hörte man auf den Gleisen einschlagen. Ter vierte Schuß traf den Unteroffizier Losie« au« Laucknen in Ostpreußen, der neben mir saß, tödlich. Unteroffizier Flock, Gefangenennummer 10779.
Al« in Berlin der französische Soldat Mannheim nicht ohne sein Verschulden getötet wurde, verlangte Fach Entschädigung sür die Familie und eine Million Gold al« Sühne. War wirb Foch jetzt tun?
Rohe Belgier.
wtb Berlin, 27. Sept. Die ReichSzrntrale für Krieg«- und Zivilgefangene teilt mit, daß bte auf de' Heimfahrt durch Belgien befindlichen deutschen Kriegsgefangenen durch die Bevölkerung mit Stet n« und Glaswürfen angegriffen werden. Bisher sind 26 Heimkehrer verletzt in Köln angekommen. Wegen diese« unglaublich rohen und unmenschlichen Verhalten« gegen die deutschen Kriegsgefangenen, denen endlich nach langen Jahren die Freiheit zurückgegeben wird, wird schärfster Einspruch bei der belgischen Regierung erhoben.
Die Aussichten der Ernährung iw Wrntrr.
lieber die Aussichten unsere- Ernährung int kommenden Winter erfährt der „Vorwärts' art ständiger Steile: Die Getreideernte ist fowoh hinsichtlich der Güte, wie ihrer Menge ua4 au^ge zeichnet ausgefallen. Wenn die Sanbmtrte M 0 ‘ erntete Getreide richtig abliefern, besteht für dl Versorgung des Winters keinerlei Gefahr. In Dänemark wurden eine Million Zentner Kar taffe!« angekauft, insbesondere zur Belieferung der Seestädte, falls die eigene- Ernte den an ne g^ tclllen Anforderungen nicht entspricht, p-rtr bte Veriorguna mit anderen ausländisch en-eben» Mitteln sind die Aussichten ebenfalls als gut zu bezeichnen. Große Fleisch- und Fettlteferungen von Amerika stehen vor dem Ab^chlug. In No wegen wurden Heringskäuse getätigt, bte ben Bevar bi« 1. März völlig dicken. Auch emgebtckt- Milch wurde in großen Mengen anaekaufr, sodaß auch hinsichtlich der Milchversorgnng Befürchtungen ungerechtfertigt sind. __________
Keine amerikanische Anleihe für Deutschland. Die Mitteilung, daß Deutschland im Begriff stand:, mit den Vereinigten Staaten eine Attletve auszu- nebmen, entspricht nach halbamtlicher Mitteilung nicht den Tatsachen.
In Bautzen kam es zu mehrfachen Zusammen« stoßen zwischen Militär und Zivilbevolkecttng. Wt- die Untersuchung ergab, hatten Zivilisten dte Ange hörigen der Reichswehr verhöhnt und eine drohend, Haltung gegen sie eingenommen, so baß btt|e Von der Waffe Gebrauch machen mußten.
* Der Münchener Attentäter Lind::er. Der mitten tätet auf den Minister Auer, der Schlächtergefflt . Adolf Lindner, der wie wir berichteten, von Oesterreich unter der Bedingung ausgeltefert wurde, bat an ihm nicht die Todesstrafe vollstreckt werde, fced vor dem Untersuchung«richtrr ei» umfassendes <3e ständnj« abgelegt. Lindner hatte aus Auer au politischen Gründen den größten Haß. Dieser ha ihm auch die Pistole in dir Hand gedrückt. Et mit der bestimmten Absicht, Auer zu erschießen, u den Sitzungssaal etngebtungen. Nach Abgabe be Schüße hat er mit vorgehaltener Pistole au« den Sitzungssaal flüchten wollen. Da bemerkte er, da^ brr Generalstabrmajor Garei« nach der Pistole griff und schoß diesen nieder. Andere Schüße null e nicht abgegeben haben.
* Hebet Einführung eines neuen Schnellzug nach Italien finden in Innsbruck Verhanblunge- statt Der Schnellzug soll von Berlin über Prag Pilsen-Fürth- München - Knffstein -Innsbruck - Vetou nach Rom gehen.
Polnische Justiz. Da« politische Standgericht . Posen verurteilte die Gattin d-S letzten preußische Regierungspräsidenten Dr. Kirschstein m Posen, w ff sie verschiedene Waffen und Andenken an ihren ge. fallenen Sohn, einen Fitegerleuinant, bei der Aus reise aus Vosen rnttzunehmen versuchte, zu tre Jahren Gefängnis.
* Die Stobaroerfe in präg, die größte Geschütz fabrik im alten österreichischen Staate, wurden von tschechischen Staate übernommen; der französische Mu nitionsfabrikant Eugene Schneider wurde Vizepräff dent des Verwaltungsrates; das Aktienkapital wurd durch französischen Zuschuß von 72 auf 144 Milliot c erhöht. .... , >
In Dänemark sind jetzt nadi den uoer 50uo deutschen Kindein, bie in diesem Sommer Erholung dort gefunden Haden, jetzt 1000 Kinder ans W:er angekommen, die ebenfalls in dänischen Familien ausgenommen werben.
In London treten am 29. September neue B'v. Ordnungen über den Berkaus von Lebensmitteln in Kraft, nach denen der Gewinn für bie Händler auf 35 v. H. beschränkt wird.
Der Wiedereintritt der Demokraten.
In der Frage, ob die Demokraten in die Regierung Antreten werden, ist es zu Entschlüssen noch nicht gekommen, die Entscheidung steht aber bevor. Der gestern ii Berlin versammelte Parteiausschuß der Demokraten )üt sich ausgiebig mit derLrage beschäftigt, ohne schon '.ndgültige Beschlüsse zu saßen.
Die demokratische Fraktion war aus der Regierung ausgetreten wegen der Streitfrage, ob wir den Frie- lif,n von Versailles unterzeichnen müßten oder es auf weitere Gewalt ankommen laßen könnten. Die Unterzeichnung und die Natifizierung ift, erfolgt; angesichts ter vollendeten Tatsache hat dcr Streit keinen Zweck vchr. Der Rückkehr in die alte Regierungsgemeinschaft werden keine Schwierigkeit gemacht.
Man will sich aber damit nicht begnügen, sondern Zellt v.ne Reihe von Forderungen auf. Der Wie- ,;e anfchluß soll abhängig gemacht werden von der Ge- vährung dreier wichtiger Ministerposten und auch noch
Titels Vizekanzler. Außerdem wird von sachlichen Zugeständnissen wegen der Finanzreform, der Wirt- Haflspolitik und des Betriebsrötegefetzes gesprochen. Auch darüber läßt sich verhandeln, wenn die Wünsche an der richtigen Stelle und im friedlichen Tone vorgc- bracht werden. In der Presse wurde aber mehrsach «in Ton angeschlagen, als ob die Demokraten die un- »ntbehrliche Partei wäre, und alles durchsetzen könnte. Darauf antwortet nun der sozialdemokratische „Vor- fcmrts" mit einer kalten Dusche, indem er die Demo- huien wegen ihres Ganges in den Schmollwinkel sehr wcob tadelt und wenig Entgegenkommen als d'e richtige Antwort bezeichnet. Da haben wir nun am Vorabend jes Versöhnungssestes einen heftigen Zank in der Preße, wodurch die Verständigung schwerlich beschleu- tzigt wird.
Es gibt ferner Verwicklungen, weil bei der angeregten Umgestaltung der Regierung noch weiter persön- > liche und organisatorische Fragen angeschnitten werden. Es geht wie bei der Reparatur an einem Hause; Man weiß, wo man anfangen will, aber nicht, wo man aufhören wird. Insbesondere drängt-sich die R e f o r m , sesAuswärtigenAmtesin den Vordergrund, die längst erstrebt, aber von dem bisherigen Außenminister Müller nicht wesentlich gefördert worden P. Daher die Anregung, Herrn Müller durch Dr. David zu ersetzen und den bisherigen Posten des letzteren, das Reichsministerium des Innern, dem Demokraten Petersen aus Hamburg anzuvertrauen. David ist kein zünftiger Diplomat; aber man kann tinen „gelernten" Staatsfekrtär der hohen Politik ihm zur Leite stellen. Dabei wirft sich freilich die Frage al s. ob und inwieweit auch in anderen Ressorts den politifchsn Ministern Fachmänner beigegeben werden | fallen. Das befürworten einige aus praktischen Gesichtspunkten, während andere Bedenken haben, ob die „Eeheimratswirtschaft" die demokratische Entwickelung nicht gefährden würde.
Wenn nun überdies noch das g e f e tz g e b e r i f che Programm für die Steuer-, die Wirtschafts- und die fozialen Fragen revidiert und mit den Demokraten vereinbart werden soll, so erklärt sich die Verzögerung des Wiedereintritts der genannten Partei.
Das ist an sich nicht schlimm, zumal wenn, wie die „Germania" behauptet, die demokrasischen Forderun- gen nicht in nennenswerter Weise Über das hinaus gehen, was früher Regierungsprogramm war, als noch die drei Parteien im Kabinet vereinigt waren. Gefordert muh aber unbedingt werden, daß der Fort-^, gang der fchwÄenden Arbeiten, namentlich der Steuer- . gcfetzgebung, durch all diese Verhandlungen nicht gestört werden. Der Wiederanschluß der Demokraten ist nützlich, wenn dadurch die Festigkeit der Regierung, das Vertrauen im Lande und die Schaffenskraft gefördert wird. Sollten aber Wirren und Rückschläge eintreten, so wäre die sog. „Verbreiterung der parlamentarischen Basis" zu teuer bezahlt.
Vor allem ist daraus zu achten, daß die S t e u e r- .Hesetzgebung nicht verzögert wird. Jeder Tag der Verzögerung, hat man ausgerechnet, kostet der Reichskaße Millionen von entgangenen Einnahmen. Das ist aber noch das wenigste vom Verlust. Denn die Steuerreform soll auch den Geldwert wieder heben, das Vertrauen auf unsere wirtschaftliche Gesuy- dung wieoer Herstellen, ist also für die Wohlfahrt des Volles und für die Geltung Deutschlands in der Welt oonsoungeheurerBedeutung, daß sie um keinen Preis verzögert oder gar gefährdet werden darf. Das müßen auch die Demokraten einsehen und dem- gemäß ihre sachlichen Einwendungen sowie ihre persönlichen Gefühle gegen den gegenwärtigen Finanzminister Erzberger einfchranken aus Rücksicht auf das allgemeine Wohl. Wenn sie das nicht wollen oder nicht können sollten, so wäre die Partei zum Wiedereintritt in die Regierung noch nicht reif.
| • Das Zentrum hat wahrlich in dieser Hinsicht ein musterhaftes Beispiel gegeben durch seine treue Mitarbeit, auch in der kritischen Zeit der Friedens- frage, unter vielen Gefahren und schweren Opfer«. Das Zentrum öffnet auch jetzt der demokratischen Partei gern die Arme, wenn sie zur redlichen Mitarbeit wieder sich einstellt. Unseren Abgeordneten darf man jedoch nicht zumute«, daß sie sich zu Ehren und zum / -Vorteil der heimgekehrten Partei in den Hintergrund drängen laßen^__________
Notopser oder Vermögenssteuer?
Die Beratung der Umsatzsteuer geht jetzt weiter, Nachdem die Sozialdemokraten ihren verfehlten Antrag auf Verschiebung bis hinter die direkten Steuern zurückgezogen haben.
Was wird nun aus der großen V e r m ogens- a 6 g a b e, die als Reichsnotopfer vorgeschlagen war- den ift?
Da erheben sich neue Zweifel und Schwierigkeiten, da eine gründliche Umgestaltung dieses Entwurfes angeregt wird. Der demokratische Abg. Henrich aus Hessen hat einen Plan unterbreitet, wonach aus dem Notopfer eine Vermögenssteuer gemacht werden soll, die auf 25 oder 30 Jahre fortläust.
Der wesentliche Unterschied ist der: das Notopfer will das jetzt vorhandene Vermögen mit einem einmaligen Tribut belasten, der auf Antrag auch m Jahresraten abgezahlt werden kann. Der Gegenvorschlag will eine jährlicheAbgabezur Regel machen, und damit nicht allein das gegenwärtige Ver- möge« treffen, sondern auch den Besitz, der sich tm Lause des nächsten Bierteljahrhunderts bildet: dabei
B-l-.er bei ihrem Einmarsch sympathisch begrGt- Die Armee gegen H«isch-Li^mgl soll em. S- k 23 600 Mann haoen. Daß a i
macht, einen Konflikt herbe,zufuhren, weiß man Holland fchon lange.
Der englische Eisenbrhn-rftrer-.
Die Verhandlungen zur Derhuwng■
bahnerstreiks in England find-5^ xr„ng s.cr* Knegs- Sttcit drehte sich Siele-
löhne in ein festes einhettli^s^LohnsMterm
börben erHären, bah eine lejiLie . A r «-» d-„ eil"*”" wii>«.
-
Wochen ausreichen. Tie ^ea’crang ergreift ■ , \ ferb" Maßnahmen, um die Leb.nsnn-r„izu^c o sichern unveröffentlicht eine ^lanntmaranng^n^ witgeteilt wird, daß alle, magttchcn -- . e men iverden, um durch einen -ianspor i
st raßen den Verkehr f° wmt al? möglich srch.r i« “® Infolge des Streiks werden he ^n'r ; ®n i crt die Lebensmittel von neuem st r en g rff-tionteri
Ter Londoner ßorreiponbciu de^
eine sehr pessimistische Schilderung von der Eistenbahnerstreils zu erwartenden Lage Der »or rcfpondent schreibt, das Mhor- Ommbus- und <^a hcnt’*Ql)nb€Tfcncil iverbt •
schließen^ Ter Transportarbeiter-Verband luerde den Sympcsthiestreil erklären. Möglicherweise wurden «ick die Bergarbeiter mittun Wenn mew. Bena^ zieh- daß sich auch die Snengießer >m L.reik oefan Li- ' io muffe man feststellen, daß es sich um den größten wirtschaftlichen Kampf ban*,«, den England je erlebt habe. Die Folgen feien Nicht «tt