—
Preis monall. I löhtQ« iß«er Zeitung. I ' a
h n t. Darau f
Kopf.
W
noch nach, was Dos würde ich Das schickt sich
fir. 223. | I Samstag 27. September 1919. s «L'A7»«.
„So, also der Knauser rechnet auch er sich unser Wohlwollen kosten läßt! mir an Deiner Stelle ernstlich verbitten, einfach nicht.
Onkel Salzmann schüttelt« traurig den
Feigenblatt haschten, um die Verantwortlichkeit für die notwendigen indirekten Steuern zu verdecken.
Aus Furcht vor den radikalen Agitatoren! Die bloße Furcht führt bekanntlich leicht zu Mißgriffen und Fehltritten, die das drohende Uebel noch schlimmer machen. Den Unabhängigen und Kommunisten >ätte ja nichts besseres beschieden werden können, als eine heillose Regierungskrisis in der gegenwärtigen Zeit vor dem verhängnisvollsten Winter. Wenn die Mehrheitssozialisten nicht so viel Mut und , Kraft ha- ben, um offen die indirekte Steuer zu bewilligen, die von ihren eigenen Ministern beschlossen und durch den Zwang der Dinge zweifellos notwendig geworden ist, dann bleibt ihnen freilich nichts anderes übrig, als ben Wettbewerbern von links das Feld zu räumen.
Die sozialdemokratische Fraktion hat sich diesen Erwägungen doch nicht verschließen können und bei dem gestrigen Wiederzusammentritt des Steuerausschustes der Weiterberatung der Umsatzsteuer zu gestimmt. Erreicht ist nichts, ass daß die Be- ratung um ein paar Tage verschleppt wurde. Man hat freilich, wie so oft im parlamentarischen Leben, der Sozialdemokratie eine Brücke gebaut, damit sie nach außen das Gesicht wahren kann. Um das Um- atzsteuergesetz auf jeden Fall bis zum 1. Januar fertigstellen zu können, soll die Vorlage in allen ihren Teilen beraten werden. Nur die Festsetzung der ein- zelnen Steuersätze soll so lange ausgesetzt werden, bis über die Besitzsteuern, zu der auch die Reichseinkom- mensteuer gehört, volle Klarheit geschaffen ist. Wie weit dieses Programm durchführbar ist, bleibt abzu- warten. Es ändert nichts an dem Zwange, schließlich der Umsatzsteuer mit entsprechenden Steuersätzen zuzustimmen. , _ ...
Es ist unbedingt notwendig und muß auch möglich sein, den sozialistischen Wählern klar zu machen, daß Deutschland vor dem Bankrott nur bewahrt werden kann, wenn alle Steuerquellen angebohrt und zu den sehr hohen direkten Abgaben auch die indirekten Steuern sich gesellen.
„Ich? — Ich hab' ja gar nichts von der Sache. Cs ist ja doch alles für Dich. — Ach, Bruno, wenn m'ch mal der Teufel holl — und dos wird bald fein — was soll dann werden —3"
Der Greis antwortete nichts mehr.
Er sah auch nicht mehr um, als er langsam aus dem Zsinmer schlich. We das in seinen Schlöten hämmerte, rofe’s ihm vor d« Augen schwamm! An der Wand entlang lastete er sich mit der linken Hand« während sich die rechte aus den Stock stützte»
So gewann er seine benachbart« Wohnung und siel dort schweratmend in einen Sessel. Der Stock glitt aus den Teppich, der Körper des Alten sank völlig in sich zusammen, von kalten Schauern erschüttert. Lange, lang, Stunden »ergingen. Endlich pochte Frau Mela. Sie sand ihren Mieter hilflos krank und bracht« ihn $u Bett.
Während sie sich mtt dem Alten plagt«, hatte nebenan Bruno fein« gute Laune völlig wiedergefunden. Der Onkel mit seinem moralischen Katzenjammer war ihm eine köstlich komische Figur.
Aber so waren sie affe, die Schwächlinge. Erst alles Mögliche anstellen und dann ben Neben Gott anwinseln, daß er's ungeschehen mache. Wozu hat er denn seine Allmacht.
Unter diesen DÄrachtungen hatte sich der Langschlafet endkch erhoben und angekleidet. Wenn bloß nicht eben jetzt die verehrte Frau Mutter mit dem Frühstück erschien. Der hatte der Onkel doch sicher mitgeteilt, daß Brunos Finanzen die übliche Aufbesserung erfahren hatten. Wozu sie gleich wieder durch Mietszahlung verschlechtern? Unter diesen Umständen verzichtete er lieber auf das sowieso nicht allzu reichhaltige Frühstück.
Bruno beeilte sich aufs äußerste und hatte einen schonen Erfolg. Die sorgende Mutterliebe erreichte ihn nicht mehr. Er wußte ja nicht, daß Frau Meta dmch den Onkel vollständig ht Anspruch genommen mar.
Leise öffnete er feine Tür. Leise nahm er Hut und Stock aus dem Flurregal, leise klinkte er den Korridor- Verschluß auf und schritt hochbefriedigt über die Kokosmatten der Treppe hinab. Draußen pfiff er die Melodie des neuesten Operettenschlagers und übers arm dabei das Programm des schon vorgeschrittenen, aber noch sehr verheißungsvollen Tages. <
(Fortsetzung folgt.)!
stoß beiseite und hatte dann endlich so viel Platz, sich zu setzen.
„Uff", seufzt« er, „Guten Morgen auch —
Der schwarze Wollkopf wendete sich huldvoll auf dem Kopf kiff en herum.
„Ja so — Guten Morgen, Onkel, man vergißt alle Lebensart» wenn's einem so schlecht in der Welt geht."
Eine Pause trat ein.
Salzmann verschnauft« und hustete em paarmal. Der Krauskopf lugte erwartungsvoll nach ihm. Endlich sagte Bruns:
„Ra?"
3) er Alte verstand ihn sofort.
„Ja. ja —, ich Habs — aber —*
„Ach was, aber, das ist für die Dummen, die Klugen beanüxen sich mit dem Haben."
"„Und doch: aber. — Es ist das letztemal, sagt er. Er gibt nichts mehr---.
Ein häßliches Grinsen war dl« Antwort des Jungen Nach einer Weile meinte er:
„Na, das misten mir doch bester, Onkel. Vorläufig haben wir die Zitton« in der Hand und drücken die paar Tropfen heraus, die mir brauchen. Es wäre doch .fieren Ernst Adalbert Ruskin nicht angenehm, wem die Wett wüßte, was wtt wisten."
Salzmann, der feige Schwächling, bekam eine Anwandlung von Mut, vor der er aber sofort selbst erschrak.
„Ja, Bruno, und doch ist's so. Dierzigiaufend Start, sagt er, hat er im Laufe der Zeit hettnisgettickt. Er hatte das Geheimkonto aufgeschlagen als ich kam."
Der Schatten.
' Roman von Arthur Winckler-Tannenberg.
6] ----------
Der Me war ein ewig ruheloser und scheuer Mann. Aengstlich gingen die Augen in die Runde,nervös zuckttn bk Finger, wenn er sprach. Und doch war er in dieser Hinfälligkeit fast siebzig Jahre alt geworden.
Jetzt freilich kroch et mehr am Stocke, als er ging. Aber wer wollte chm auch noch wettere zehn Jahre des- selben Dahinlebene abfprechen?
Eben ftieg er die Stufen empor und schloß dann die, Flurtür auf. * 1
Im dunklen Korridor traf er Meta.
„Guten Morgen, Kind", begann er — er nannte die Fünfzigjährige immer so — „ist Bruno zu Hause?"
Meta zog den Lampensteller herab, sodaß es hell kn Raume wurde, und erwiderte:
„Natürlich ist er da — und wieder einmal nicht aus den Federn zu kriegen. Er kann sich heute nicht als vornehmer Mann bewegen, sagt er, und da fet’3 am besten, gor nicht erst auszustehen —"
„Weiß! Weiß!" winkte der Alte ab.
„Meine Miete hab- ich auch wieder feit zwei Monaten
Acht!" —
„Weiß! Weiß!"
„Ach, Onkel, Dein „weiß, weiß"! Damit kann ich den Hauswirt nicht bezahlen." Und ärgerlich verschwand sie in der Küche. ,
Salzmann aber ging an Brunos Tür, pochte und tagte bann: „Ich bin's, Onkel Salzmann!"
Drinnen Heiterte etwas auf dem knockenden Bettgestell, dann quietschte ein Türriegel, und Onkel Salzmann durste «intrekn. Mit einem Sprunge war Bruno wieder im Bett und zog sich die Decke unters Sinn.
„Der Herbst kommt", schauerte er, „Mutter könnte heizen. Man friert sich die Seele aus dem Leibe, wenn man ein Bein aus dem Bett steckt."
Onkel Salzmann schlich müde noch dem grünen Rips- sasa, schob ein paar Kleidungsstücke und einen Zeitungs
KönigSpaare» angebracht und den Beamten erklärt ft- würden sie für jede Beschädigung verantwortlich machen. Diese Herausforderung hat unter der Bevölkerung le hafte Entrüstung hervorgerufen; man hofft daß dm deutsche Regierung hiergegen Verwahrung emlegen wird. , ,
Ei« skandinavischer Kredit für die deutsch«« Arbeiter.
In einer Vertreterversammlung ^-r damschen Ge- werlschaften wurde einsttmmrg der Beschluß gefatzt, gemeinsam mit den schwedischen und u°rwemschen . heitern ben deutschen Kameraden einen K redi l von 10 Millionen Kronen zur Verfugungzustellen. Der Kredit soll dazu dienen, Lebensmittel für die deut feben Arbeiter aus Skandinavien zu beschaffen und die Nsch!n vor ben großen Kursverlusten durchdiee Ankäufe zu bewahren. Die Annahme beS Beschlüße» erfolgte einstimmig unter großem Beisau.
« Aus die Bedeutung transportabler Holzhäuser Sr Milderung des Wohnungsmangel» haben Wir rzlich hingrwiesrn- Diese Anregung ist schon zum Gegenstand von «erhandlungen geworden, tote aus bem Angebot von amerikanischen Unternehmern her-
Die nächste» Pläne der Kommunisten.
Dem „Lok.-Anz." wird von der Haller Sektion der Liga zum Schutze der deuffchen Kultur ein geheim esRundschreiben der Zenttale der kommunistischen Partei Deutschalnds mitgeteilt, in dem die Verbreitung photograchischer Abzüge von unbe- quemen Persönlichkeiten durch die kommunistische Par- tei mitgeteilt und die genaue Feststellung vvn Starke und Art in diesen Bezirken vorhandener milkta- rischer Verbände und Einwohnerwehren nebst Demerkunaen über Führerpersönlichkeiten gefordert wird. Ebenfalls wird die Notwendigkeit der Bearbeitung der heimkehrenden Kriegsgefangenen in den Durchgangslagern im Parteiintereffe betont.
In einem im gleichen Natt angeführten Geheim- schreiben eines Berliner Kommunistenbüros heißt es über die Aufgaben der Kampftruppen klaflenbewußter Arbeiter: Aus kampferprobten Soldaten und jüngeren leistungsfähigen Mitgliedern der K. P. D. sind S t o ß- trupps zusammenzustellen. Diese Truppen übernehmen die Besetzung aller wichtigen Verkehrspunkte. Außerdem werden Reservestoßtrupps gebildet, die an gefährlichen Stellen bereit stehen.
In einer knHamburg abgchaltenen Geheim- versammlungder Kommunisten gab einer der dortigen kommunistischen Führer, Dr. Lewandowski, einen Ueberblick über die Hoffnungen und nächsten Absichten der Komnnmfften. Er stellte etwa folgende Richtlinien auf:
Jede Puttchtakttk müsse vorläufig mtshören, da sie zu nichts führe, als zu vorzeittger Zersplitterung der Kräfte. Mtt dem nächsten großen Schlage müffe bis 3anuar gewartet werben, bann würde den Kommunisten der Sieg wie ein reifer Apfel in den Schoß fallen. Durch Hunger, Kohlennot und Kälte würbe die Bevölkerung bis zu diesem Zeitpunkte derart zermürbt fein, daß sie der kommunistischen Idee wieder zugänglich wäre. Große Hoffnungen setze man auf die. zurückkehrenden Kriegsgefangenen, die körperlich und seelisch gebrochen, der kam- munistischen Propaganda leicht zugänglich waren. Für Waffen und Munition fei gesorgt. Die Regie- rungstruppen bekämen dagegen keine Munition mehr, da
Die Streikhetmsuchungett.
Wer Streik der Berliner Meklar bei-
SÄ”
SÄ S KÄÄ
toerbe, die sich bereit erklärt habe, ine ^bett der He>
,u übernehmen, nachdem sie von der Eniwohnrr schaff ter SiemenSstadt dazu aufger^rt ^rden s-i. K^ArbeiterauSschutz hat «Me eht bat sich die Direktion zur Stillegung deS> »e triebe 8 genötigt eeffe
gung beginnt übrigens Schule zu macben Jn de» Borsig-Werken wttd stark bannt gerechnet, -atz die Lei »er auch dieses Werk stillegen werden. In der gabS &r A. E. G. in der Brunnenstratze forme m den Jmvcrator-Wvrken legten bte Ke-Ser die Arbeit niel-cr so daß tiefe Werke vollständig itilliegen >
Aus Barmen wird gemeldet: Da die GWerkschaf- ten und der Transportarbeiterverband, bte ben Streit ab« lehnen, in der Einstellung von freiwilligen Anraten (eine Provokation erblicken, hat man mit der Einstellung von freiwilligen Hilfskräften aus allen Tel ”en der Bevölkerung begonnen. Am Donnerstag haben sich bereits 400-500 Personen gemeldet, bte n geschlossenem Zuge zum Hafen gingen. Die Polizei hatte den Schutz der Freiwilligen übernommen.
In Hamburg haben von den wegen des Stt.cks der Seeleute fett einigen Tagen aufhegerrbm VUch dampfern drei ihre Fangreisen wieder ausgenommen. Weitere werden folgen.
In Elberfeld-Barmen und anderen Orlen des i Mwpertales sind die Transportarbetter in den Streik ge- I treten. Einigungsverhandlungen sind ^schetiett, weil C? deutsche Transpottarbeiterverband die Ausschaltung des christlichen Verbandes forderte. Die christlich organisierten Arbeiter haben sich dem Streik nicht ang.«
In" E ngland war plötzlich die Gefahr eines allgemeinen Eisenbahnerstreiks drohend geworden, da die Eisenbahner in einem Ultimatum Lohnforderungen gestellt hatten. Rach den letzten Meldungen sind weitere Dechandlungen wahrscheinttch. , .,. ,
I In Amerika hat der Stahlarbeiter streik an Ausdehnung zugenommen. Es wird besonders da ge- streikt, wo österreichische und deutsche Arbeiter gegenthe naturalisierten überwiegen. Die Regienrng hat zur Unter- drückung des Streiks energisch« Maßnahmen getroffen. In Chicago sind eine Anzahl Arbeiterführer verhaftet wochen, unter der Anschuldigung, daß sie eine Revolution
I anzustiften beabsichtigen.
I Einigung zwischen Bergarbeitern und Zechenverband-.
Wie di- „Deutsche Mg. Zig.' meldet, ist nach Der. I Handlungen zwischen den Aibettgeber- und Arbettnehmer- cerbänben festgesetzt worden, daß Bergarbeiter unter Tag co ml. Oktober ab bei fester Schicht eine weiter? Zu- läge von 3 Mark erhalten. Den Handwerkern und I allen übrige« Arbeitern sollte gleichfalls vom 1. Oktober I ab eine nennenswerte Lohnerhöhung zuteil werden.
I DaS Reichswtrtschaftrmrmsterrum hat den Kohlen. I zechen zugestanden, daß die Beträge, 8U 2 * obn- I erhöhungen für Bergarbeiter gebraucht werden, den I Kohlenpreisen voll zugerechnet werden dürfen.
Wie hoch diese Beträge sind, soll durch eine genaue Pru- I funa festgestellt werden. Die Frage der WohnungS- »auten ist von dem Problem der Lohnerhöhungen ge. I trennt worden und soll besonders behandelt werden.
Haden die Sozialdemokratrrr
den Mut verloren?
Zum Regiere« gehört Mut. Mut zum Handeln «nd Mut zur Verantwortlichkeit.
I Die Mehrheitssozialisten- bilden nicht nur ein Glied von der gegenwärtigen Koalitionsregierung, sondern ihren größten Teil und nach dem lieber- 'etvicht der parlamentarischen Stimmen sowie der Besetzung der obersten Stelle« den Kopf. Sie dürfen also in der Werkstatt sich nicht den Rang der Vorarbeiter ablaufen lassen und auch keine Scheu vor der Verantwortlichkeit zeigen.
Jetzt aber haben sie in der St euer frage einen Schachzug versucht, der aus den Mut ein schlechtes Licht wirft.
DaS sozialdemokratische Parteiprogramm wtll von indirekten Steuern nichts wissen. Die Rot der Zeit aber fordert unbedingt, daß die leere Reichskaffe Geld nimmt, wo es zu haben ist. Mit den direkten Steuern ist tatsächlich nicht auSmkommen; also müssen auch indirekte Steuern eingeführt werden, mag in dem alten Programm stehen was da will. Die sozialdemokratischen Minister baden auch diese unbedingte Reichsnotwendigkeit erkannt «nd das groß« Steuerbukett vorgelegt, das aus direkten und indirekten Abgaben gemischt ist. Doch die Abgeordneten der „regierenden" Partei fragen besorgt: „Was werden die „Unabhängigen" sagen, wenn wir indirekte Steuern bewilligen? Die bekommen ja neuen Hetzstoff und werden uns weitere Wöhler abspenstig machen. Darum müssen wir die Sache so deichseln, daß wir die Verantwortlichkeit oblehnen und behaupten können, die indirekten Steuern seien gegen unseren Willen von der bürgerlichen Mehrheit erzwungen worden."
Wie läßt sich das „schieben"? Man stellt zur Geschäftsordnung den Antrag, die Beratung der Umsatzsteuer, der großen "indirekten Abgabe, zu vertagen dis nach Erledigung der direkten Steuer» jartfe. Das sieht nicht allzu bösartig aus, aber eS erfüllt den beabsichtigten Zweck, — wenn nur die anderen Parteien diesen Slntrag ablehnen.
Wunderlich, wenn eine Partei einen Antrag stellt, deffen Ablehnung sie wünscht, obschon sie die Annahme empfiehlt! Eine Partei in Opposition kann sich allenfalls zu einem solchen Schachzug verstehen, wenn sie nämlich der regierenden Mehrheit Schwierigkeiten machen will, indem sie dieselbe zwingt, in einer heiklen ^-rage öffentlich Farbe zu bekennen und sich dadurch ins klare Unrecht zu setzen. Eine Regierungspartei darf aber einen derartigen Kunstgriff sich "nicht leisten, weil sie dadurch ihr« eigene Mehrheitsstellung preisgibt und die Politik der Regierung durchkreuzt, die sie seiber gebildet hat.
- Im vorliegenden Falle batten die anderen Parteien den Trick sofort durchschaut. Sie wußten, daß die Mehrheitssozialisten wünschten, ihr warm empfohlener Antrag möge abgelehnt werden. Die Demokraten, die Deutsch-Nationalen und die deutsche Volkspartei, die gegenwärtig an der Regierung nicht beteiligt sind, erklärten, daß sie sich nicht berufen fühlten, die Regierung Ebert-Bauer gegen ihre eigenen Parteibrüder zu verteidigen und sich deshalb bei der Entscheidung über diesen Antrag der Stimmabgabe enthalten würde. Dadurch ergab sich die sonderbare Lage, daß der Antrag auf Zurücksetzung der Umsatzsteuer zur unerwünschten Annahme gelangt wäre, wenn die Antragsteller selbst anstandshalber dafür stimmten.
Die Antragsteller waren in eine Sackgasse geraten. Um einen Rückweg zu ffnden, verschoben sie die Bestimmung mit der Begründung, daß erst die Fraktionen über die Angelegenheit beraten sollten. 3m letzten Augenblick wurde auch den Schwachsinnigen klar, was für ein Unheil dieser Antrag zur Geschäftsordnung angerichtet hätte,, wenn er zur Annahme gelangt wäre. Das hätte nicht allein den gan- zen großen Steuerplan über den Haufen geworfen, sondern die Regierung selbst. Was wir seit dem Umsturz mühsam aufgebaut haben zur Erhaltung der Ordnung und zur Genesung des Reichs," das wäre mit einem Schlag in Trümmer gegangen, — nur weil 5« mehrhcttssozmlistifchen Abgeordneten nach einem
die Arbeiter sich weigern würden, weiterhin solche onzu- 1 fertigen. Bezüglich des Verhaltens gegen die Regiemngs- I truppen müße zunächst ein geändertes Verfahren etnge« schlagen werden. Jede Provokation sei zu unterlagen, I man müffe ihnen im Gegenteil freundlich und zuvorkom- I mend begegnen, um sie in Sicherheit zu wiegen. Es I müßten Mädchen bezahlt werden, die Soldaten zu beem- I «ussen, desgleichen müssen Gastwitte gewonnen werden, I bie den Soldaten Getränke unter dem Selbstkostenpreis I abgäben. Die Fehlbeträge feien aus der Patteikasse zu I decken. „ .
Schneider Merger, der frühere Präsident von Braunschweig, erklärte in einer in Holzminden abge- I haltenen Kommunistenoersammlung, daß die Kommunisten in allen Orten des Reiches zurzeit ungestört Waffen verteilten, um gerüstet zu fein für I den unmittelbar bevorstehenden Sturz der jetzigen Re- I gierung.__________________
Der Streit um Fiume.
Wie die „Chicago Tribüne" meldet, ließ Wilson Italien in der Fiume-Frage eine Antwort zugeben, in der er sich nachdrücklich weigert, den Vor- schlag TittoniS, daß Fiume italienisch werden und der Hafen internationalisiert werden solle, über- I Haupt in Betracht zu ziehen. Nach «alie- Nischen Blättern soll er dem Plan geneigt sein, daß auf dem Gebiet von Fiume ein Pufferstaat ge- schaffen würde. Fiume und sein Hafen sollen dabei eine dem italienischen Charakter der Stadt Rechnung I tragende besondere Verfassung erhalten.
lieber den Kronrat, der am Donnerstag statt- fand, ist die von der Presse erwartete amtliche Mitt I teilung noch immer nicht herauSgekommen, doch I scheint festzustehen, daß nur ein Meinungsaustausch stattgefunden hat und Beschlüffe nicht gefaßt wurden. Ferner soll durch Giolitti bie Beibehaltung des gegenwärtigen Kabinetts, die Auflösung der I Kammer und die Besetzung FiumeS durch reguläre I italienische Truppen empfohlen worben fern.
Niederlage der B-lschewisteu.
Der von ben Engländern unterstützte General der «Seiften Garde Rußlands, Sentit n, hatte im Sommer vom Schwarzen Meer <ruS daS für Rußland le- benSwächtige Kohlengebiet am Don (rn der
: Umgegend von Charkow) beseht, hatte dann aber einige i starke Rückschläge erlitten, aus denen die BolschewgtLn anderer Länder bte Hoffnung berleitrteff, _ eS werde den Bolschewisten gelingen, daS Kohlengebiek zurück- siKro&ern und damit die drohende Kohlenkataitrophe von den Großstädttn und der Industrie Rußlands fern, zuhalten. , , „
Die letzten Ereignisse haben nun eine große Der- 1 Snberung dieser Auffassung zur Folge gehabt. Dem- kin hat die Stadt Kursk, die bereits tm eigentlichen Rußland (nördlich der Ukraine) liegt, eingenommen, und es wäre schon möglich, als ob er jetzt zu einem
I großen Schlag auSholen wolle, denn das Preßburo Radio meldet aus Horsea, daß die Bolsckewrsten einen Bericht verbreiteten, wonach fte tue Stapt L wow- 40 DSeilen westlich von Kurff geräumt haben und tuest, lich und nordwestlich von Kursk im Kampfe stehen. Die Bedeutttos der Front Denikins wächst andauernd. Großbritannien wird ihn tote bisher mit, Munition,
I AuNrüstungSgegenständen und Kriegsmaterial, z. B. I Tanks, unterstützen. Denikin befehligt jetzt ein He« I von 600 000 Mann. - , >
Ter BolschewisvniS vor dem Ende?
I ZK» Reval ist ein englischer Journalist, Mr. ÄU- I keS, eingetroffen, dem eS gelungen ist, von PeterS- I bürg zu fliehen. Er berichtet, daß die Bolschewtkt vom I dauernden Kämpfen vollständig ermüdet sind iml? sich I nach Frieden sehnen. Man glaubt in Petersburg nicht mehr an die Zukunft deS Bolschewismus, sondern steht dessen Ente als bevorstehend <nt. ES hängt nur vom
I Fall Petersburgs ab, daß bte Bewegung gegen bis I Bolschewisten einen großen Umfang annehme. Die Zu- I stände in Petersburg sind nach wie- vor verztoetfflt. Di« LebenSmittelzuftchr hat ganz aufgehört. Die auf
I 400 000 Köpfe Atrrückgegangene Bevölkerung sieht jedoch die schlirnrnfte Gefahr nicht tm Hunger, sondern sin Frost, denn eS gibt absolut kein Brennmaterial,
I mit' es erscheint unmöglich, solches zu beschaffen. — In Moskau sind in der letzten Woche 16 Attentote ge-
j gen die Bolschewiki verübt toorben.
Neberzriff« »er belgischen BesatzungSbehörden.
I Die belgischen DesatzungSbehörden haben in M.- I Gla d doch im Bahnhofs- und Postgebäude Bilder ihre»
Meder ging ein höhnisches Lächeln über das verlebte I Iungengesicht.
| „In der Hinsicht tamtff Du beruhigt scheiden, Onkel. I Ich fetzt« das Geschäft fort. Vielleicht bringe ich erst den | richtigen Schwung hinein. Vorläufig sst's gut, daß er | nur Dich kennt. Aber er wird mich noch tarnen lernen, | verlaß Dich darauf!"
Der Greis wurde um einen Schatten blässer, als er I schon war. Seine Augen nahmen einen drohenden Glanz I mt, als er sagte: ' >
I „Das wird er nicht —"
| „Ja, das wird er, vettaß Dich brauf." 4 j „Ich kann'» hindern mtt einem einzigm Dori/
I „Pah!"
„Mit einem Worte —*
„Das Du nie sprechen wirst, Onkel, nie, nk. Belüg' | vich nicht selbst." —
| Da sank der Alte wieder in sich zusammen. Affe I Spannkraft war verschwunden. Er murmelte: „Ich habe I Angst, o, furchtbare Angst tyatf ich vor'rn Sterben."
Dann nesteltt er an einer geknöpften Tasche seines Rockes und nahm einen Briefumschlag heraus:
„Hier find bie tausend Mark."
Er legt« sie auf den Tisch.
I „Und mehr gibi’s nicht, hat er gesagt. Denke endlich mal baran, Bruno, daß ein Mann für sich selbst sorgt —.
I Endlich denke daran. — Mich friert, ich glaube, ich hab' mir ein Fieber geholt. Siebzig bin ich halb — da verträgt man dm kleinsten Puff nicht mehr, und ich habe
I Angst vor'rn Sterben —"
Salzmann stützte sich aus die Tischkante, erhob sich und trat langsam, mühselig mitten ins Zimmer.
„Mach's nicht zu arg, Bruno, es konnte mich doch I reuen und ich könnte doch — — — Vielleicht gibt s eine I Gnade." —
| Bruno richtete sich auf:
„Ja, Onkel, nun sag' ich selbst — Du hast Fieber. I Sprich mit Mutter, sie kocht Dir einen Tee und läßt I Dich schwitzen. Die Hauptsache wär' ja erledigt: Der I Mamou ist da, imb wtt wollen uns die Freude dran \ nicht verderben." —