| lMt-vsoch 24. September 1919» | Jg«*“ 146* Hahrg.
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,Wenn es schließlich schiei geht.
bemerkbar machte.
Dieses Beivußtse'n wird
kanns meinen Kops kosten!
anaeordnet worden. Zwischen Bozen und Salurn sind in den Gemeinden bei Etschta.es bloß vier LiS a»t Kinder von ihren Eltern tn Die italienischen Schulen geführt worden. In Bozen wird die Zahl der eingeschrrebenrn Kinder geheim gehalten; jedenfalls ein Zeichen, daß die Hoffnungen der Italiener arg enttäuscht wurden, ^anache ist, daß an den deutschen Knaben« und ^.Mädchenschulen neue Klassen eingerichtet werden mutzten,'
Die Streikwrrt.
In der Berliner Metallindustrie wird seit einigen Tagen mit Hochdruck auf einen neuen Generalstreik hingearbestet. Obwohl ein großer Test der Arbeiter von einem Streik nichts wiffen will, wird versucht, auf dem Umwege über Einzel st re iks der Facharbeiter die ganzen Betriebe lahmzulegcn für den Fall, daß es nicht gelingen sollte, eine Zweidrittelmehrheit für den Generalstreik direkt 3U gewinnen. Mit welchen Mitteln dabei gearbeitet wird, dafür nur ein Beispiel: In der Generalversammlung der Vertrauensleute am Montag abend hat einer der Redner gefordert, daß vor allen Dingen in h en Betrieben gestreikt werden müsse, die Exportartikel aus heimischen Rohstoffen Herstellen. Der Stand der Valuta sei ein Anreiz zum Exportieren, und die deutschen Arbeiter dürsten keine Lohndrücker kein gegenüber den Arbei-
doch die Henkerarbeit vielfach erschweren oder gar veo eiteln.
Rach der anderen Richtung hin würde die Begnadigung der Münchener Mörder auf die blutdürstigen Elemente geradezu aufmunternd und antreibend gewirkt haben. Man würde sich sagen: Wenn uns ein „Befehl" zum Morden auf irgendeinem Stückchen Papier vorliegt, dann können wir ruhig die Leute an die Mauer stellen und niederknallen, ohne daß uns etwas Ernstes passiert.
Doch sehen wir von der Wirkung auf die reoolu-. tionären und die verbrecherischen Naturen ab, so fällt entscheidend ins Gewicht, daß die Milderung des Urteils vom ganzen rechtlich denkenden Volke wie ein Schlag ins Gesicht empfunden worden wäre. Angesichts der entsetzlichen Enthüllungen über die Vorgänge im Münchener Mordkeller fordert das gesunde R e ch ts- g e f ü h l des Volkes die entsprechende Sühne nach dem alten und immer noch geltenden Spruch: „Wer Blut vergießt usw". Millionen von Mitbürgern werden sogar die Kugel zu schade und die einfache Hinrichtung zü milde finden für solche Bestien in Menschengestalt. Eine Begnadigung zu Zuchthaus würde eine wahre Entrüstung hervorgerufen haben.
Daß der Gerechtigkeit freier Lauf gelassen worden ist, wirkt auf die Volksstimmung beruhigend und tröstlich in dieser schweren Zeit. Man sollte aber nicht versäumen, zur weiteren Aufklärung und zur Abwehr von Hetzen einen kurz und klar gefaßten Bericht über die Münchener Verhandlungen in volkstümlicher Form unter die Massen zu bringen.
« a | TermtwertHcfi für den tebettieiteKen Teil: Karl Schütte, f j ftr »ie $!xi«teen: I. Parzellen, stuld«. — KetxtinxSizxi.
Spartaittstische Wühlerei en.
Ministerpräsident Hirsch hat im Haushaltung, ausschuß der preußischen Landesverfammlung «ne bon der sächsischen Landesregierung aufgefundene Instruktion des Spartakusbundes an feine Vertrauensleute bekannt gegeben, die beweist dach mess idealen" Kämpfer für „Fortschritt der Menseyheit zur höchsten Menschlichkeit" bewußt, den politrchen Mord organisieren. Es hergt in ihr. J>te
■flrn+rale der kommunistischen Pakete! Deuticblands, ^eutsch-OesterreichS tont' bet Tsch^-S-lowatei den Plan einer Beseitigung einer unltetf raren Person für gut befinden, so erhalt.jene p°A- G^Ape An Auftrag zur Ausführung wo die £eh:effenbe W* son ihren Wohnsitz hat. Welcher Genosse di« Tat <m3 zuführen hat, entscheidet das Los und ist der^lbe verpflichtet, innerhalb 24 Stunden den Pf an aus^ufuh- ren, wenn er nicht selbst dasselbe Schicksal erleiden will. Verweigerung gibt es keine.
Man wäre geneigt, diese Instruktion für bc, Gebilde einer überreizten Hintertreppenphantaiie zu W ien, wenn nicht durch den Geiselmord m Mimchm und anderen blutigen Taten der Kommunisten langst bewiesen wäre, daß diese Fanatiker, die zur Erreichung ihrer „idealen" Ziele sich am liebsten notorischer Der- brecher bedienen und deren erstes es bei allen ^-ustcheu ist, die Zuchthäuser zu öffnen, vor keinem, aber auch keinem Mittel der Gewalkt zurückschrecken. Der tnt geheimen verbreitete und durchgeführte Mord ist ihr neuestes Hilfsmittel zur Erlangung der öffentlichen Macht. ___________________________
Die Sühne für den Geiselmord.
Einzelne sozialdemokratische Blätter tun sehr aufgeregt darüber, daß das Münchener Todesurteil tatsächlich vollstreckt worden ist, sie sprechen von einer „Ermordung" der Geiselmörder.
Das Urteil über die Geiselmörder bedurfte bekannt- sich der Bestätigung durch den Ministerrat. Die Bestätigung ist g e g e b e n worden. Dem Vernehmen nach hat der bayerische Ministerpräsident Hoff- mann an dem entscheidenden Ministerrat nicht teu- genommen, weil er sich auf einer Urlaubsreife befindet. Es wäre besser gewesen .wenn er den Urlaub aus einen Tag unterbrochen oder wenigstens sein Votum in der Frage sinnfällig gemacht hätte. Es wäre doch bedauerlich und sehr gefährlich, wenn sich die Ansicht festsetzen füllte, die sozialdemokratischen Minister würden auch unter der gegenwärtigen Lage der Dinge jedest verurteilten Mörder dem Henker entziehen. Das Par- teiprogramm mag für die Zukunft vorsehen, was es will: z u r Z e i t besteht noch die Todesstrafe für Mörder in zweifelloser Rechtskraft, und nach dem geltenden Gesetz müssen sich alle richten, die Bürger und die Minister. Die landesherrliche Gnade kann eingreifen, wenn noch irgendwelche Zweifel an der Schuld oder mildernde Umstände vorliegen. In diesem Falle sprach nichts für die Milderung, vielmehr alles für die Vollstreckung des Todesurteils.
Die Gelehrten streiten ja über den Zweck im Straf« recht. Manche verwerfen durchaus die Abschreckungs- theorie. Im vorliegenden Fall ist aber eine abschrek- kende Wirkung keinesfalls ausgeschlossen. Sollte ir- gendwo wieder eine spartakistische Empörung vorläufige Erfolge haben, so werden vielleicht die Hauptfüh- rer in ihrem Größenwahn und Blutrausch sich über das Schicksal ihrer Vorgänger Hinwegsetzen, aber bei den Gehilfen, die sie zu der Blutarbeit brav* > wird sich doch noch mehr Bedenklichkeit einstellen, als bei der Soldateska im Luitpold-Gymnasium sich schon
Blankoscheck ausgestellt, und daraufhin wurde rücksichtslos Vabanque gespielt.
Als die Schüsse von Serajewo das Gewitter an« kündigten, war es doch für jeden verständigen Menschen. geschweige denn für einen Diplomaten, handgreiflich klar, daß bei einer Zuspitzung des Konflikts das größere und stärkere Deutschland die Lasten und Gefahren des Krieges zu tragen haben würde. Die natürliche Schlußfolgerung daraus war, daß die deutsche Politik die Entwicklung der Dinge nicht nur mit offenen Augen, sondern auch mit der Hand am Steuer verfolgen müsse. Es wäre höchste Pflicht der deutschen Staatsmänner gegenüber dem eigenen Volke gewesen, von Anbeginn an von der Wiener Regierung zu verlangen, daß sie über jede Forderung und jeden Schritt gegen Serbien auch rechtzeitig im voraus unterrichtet würden, damit sie nötigenfalls ihren Einfluß daraus hätten nehmen können. Aber Bethmann Hollweg und feine Gehilfen ließen sich ruhig i n d e n Hintergrund drängen. Sie nahmen es geduldig hin, daß man ihnen die Augen verband und sie als Blindekuh hinter den Kriegsdrängern herschleifte.
Die Herren in Wien fertigen ein Ultimatum an, das für die Zukunft beider Reiche entscheidend ist. Wird die verhängnisvolle Rote mit dem solidarisch hastender. Kompagnon in Berlin erst besprochen? Nein. Wird sie ihm wenigstens rechtzeitig m i t geteilt? Nein. Graf Verchtold richtet es absichtlich fo ein, daß die Note der Berliner Regierung nicht eher zugeht, als den fremden und feindlichen Mächten. Dem deutschen Botschafter in Wien wird freilich einige Stunden vorher im strengsten Vertrauen von dem Inhalt Kenntnis gegeben, aber so, daß er von dieser „Information" keinen praktischen Gebrauch mehr machen kann. Die Herren vom Auswärtigen Amte in Berlin müssen am Abend des Schicksalstages wie zeilenhung- riga Reporter das Wolff'fche Telegraphenbüro belagern mit der wiederholten Anfrage, ob denn noch nichts aus Wien gemeldet werde; direkt erfahren sie nichts.
Di a ch Absendung der Note an die serbische Regierung hätte nun Herr v. Bethmann Hollweg doch endlich den Ernst der Lage und die Schwere 'feiner Verantwortung erkennen müssen. Aber er greift nicht ein. Als das Ultimatum abgelaufen war und Serbien eine zwar weite, aber nicht ganz restlose Nachgiebigkeit bekundet hatte, wurde von Oesterreich-Ungarn der Bruch mit Serbien und das kriegerische Vorgehen verfügt, ohne daß Deutschland erst gefragt wurde.
Dasselbe Spiel wiederholte sich, als in den letzten Tagen des Juli die englischen Ausgleichsvorschläge zu behandeln waren. Zu Ehren des damaligen Ministers Grey muß man anerkennen, daß fein letzter Vorschlag nicht übel war. Er wollte zur Verhütung des Konflikts mit Rußland vier Mächte (England, Frankreich, Italien und Deutschland) mit der Vermittlung zwischen Rußland und Oesterreich betrauen, und zwar mit dem weitgehenden Zugeständnis, daß Oesterreich inzwischen Belgrad besetzt halten, aber auf ein weiteres Vordringen in Serbien vorläufig verzichten solle. In Berlin gab man den Vorschlag weiter und empfahl diesen unter Hinweis auf die ehrenvollen Bedingun- gen. Man fand dabei auch ernste, nachdrückliche Worte. Aber dann legte Bethmann Hollweg die Hände wieder in den Schoß. Er ließ es sich gefallen, daß Graf Verchtold die Antwort verzögert, obschon doch in diesen Tagen jede Minute kostbar war. Auf die wiederholte Anfrage Grey's konnte er nur immer wieder antworten, daß von Wien noch nichts eingegangen fei. Grey wollte nicht glauben, daß Deutschland so willenlos und ohnmächtig sei. Er setzte die Böswilligkeit und Kriegslust Deutschlands voraus, und dieser Verdacht gab den Ausschlag für den Eintritt Englands in den Krieg und für die Beschuldigung Deutschlands als des Kriegsurhebers, — wofür wir jetzt so bitterlich zu büßen haben.
Unser Vertrauen zu Bethmann Hollweg und Herr« v. Iagow war schon längst erschüttert, aber einen solchen Mangel an Einsicht, an Würde und Tatkraft hätten wir dock nicht für möglich erhalten.
Eisner wollte seinerzeit durch ein verstümmeltes Aktenstück beweisen, daß Deutschland einen Abwehr- krieg gewollt habe. Jetzt sehen wir, daß Graf Berch- told der Mann des Abwehrkrieges war und Deutschland sich mit verbundenen Augen in das österreichische Abenteuer hat verstricken lassen. Dir sind die Opfer der Berliner Gutmütigkeit und Unfähigkeit geworden.
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Daß die Berliner Regierung den Worilauf des österreichischen Ultimatums an Serbien erst nach ihrer Ueberreichung kennen gelernt hat, wird durch eine Darstellung bestätigt, die Viktor Schiss in der „Soz. Korr." gibt. Er erzählt darin:
„3m Juli 1914 war ich Redakteur in der Berliner Zentrale von Wolffs Telegraphischen Büro. Ms solcher machte ich am Aberck des 23. Juli 1914 mit anderen Kollegen Dienst, als die in Belgrad um 6 Uhr überreichte Note der Wiener Regierung erwartet wurde. Allgemein wurde angenommen, daß die telephonische Uebermittelung durch das amtliche Wiener Korrespondenzbüro gegen 7 Uhr, spätestens gegen %8 erfolgen wurde. Aber es wurde, 8, %9, ja 9 Uhr, und der erwartete Anruf blieb immer noch aus. Inzwischen begannen aber auch die amtlichen Berliner Stellen nervös zu werden: ein telephonischer Anruf folgte dem anderen. Namentlich, das Auswärtige A m t und die Reichskanzlei riefen fortwährend an: „Was ist mit der österreichischen Note? Was steht in der Note? Wo bleibt die Note?" Auf unseren wiederholten Bescheid, daß wir noch immer nichts aus Wien erhalten hätten, baten diese Herren dringend, man möchte ihnen den Inhalt der Note, sobald et gekommen wäre, telephonisch mitteilen. Erst gegen 1410 Uhr erfolgte der erste Anruf des Wiener Korrespondenzbüros, welches gleich mitteilte, das Dokument sei außerordentlich lang und werde kaum innerhalb fünf Anrufen übermittelt werden können. Ms dies den obenerwähnten Stellen zur Kenntnis gebracht wurde, wuchs deren Nervosität augenscheinlich immer mehr, denn zuerst wollten sie. daß man ihnen den Wortlaut, sobald er ootliege. durch Boten zusende, sodann aber — es war inzwischen 11 Uhr abends geworden — schickten sie den Legattonsrat v. Weber ins Wölfische Büro, der auf das vollständige Dokument warten sollte.
Aus allen diesen Anrufen und Fragen ging für mich deutlich hervor, daß die Wilhelmstraße das in Belgrad überreichte Dokument nicht kannte, und zwar weder in seinem Inhalt, noch in seiner Länge, noch in seinem Wesen. Sie wußte nicht, daß es ein Ultimatum war, denn sie fragte immer wieder nur nach der Note, und daß unsere Staatsmänner keine Ahnung von der Länge des Schriftstückes hatten, geht aus der Bitte hervor, es ihnen
Iclephonifch mitzuteilen. Die Taffache, daß der Chef der Reichskanzlei Wahnschaffe sich unter den Anrufenden befand, beweist, daß der erste Beamte des Reiches, der Reichskanzler v. Bethmann Hollweg, ebensowenig von dem Charakter und dem Inhalt des verhängnisvollen Derchtold- schen Elaborates wußte, wie wir selber."
„Diese Vorgänge hat," so bemerkt der „Vorwärts" dazu, „Genosse Schiff schon zu einem früheren Zeitpunkt bekanntgeben wollen, nämlich im Juli 1917, als der unabhängige 2tbg. Dr. Oskar Cohn seine „Enthüllungen" über die angebliche Abhaltung eines Kronrats in Potsdam am 7. Juli 1914 machte. Schon damals schrieb die „Wiener Arbeiterzeitung": Wichtiger als die Frage, ob dieser von der deutschen Regierung bestrittene Kronrat stattgefunden habe, sei die andere Frage, ob die deuffche Regierung den Inhalt des österreichischen Ultimatums ap Serbien gekannt hat oder nicht. Die deutsche Regierung bestreite es, werde es aber schwerlich beweisen können." __
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Die Fkrrine Abenteuer.
Infolge der verwickelten Lage in Fiume ist der Ministerpräsident Nitti auf Wunsch des Königs zu dem Entschlüsse gekommen, sofort einen Kronrat zu- sammenzuberufen, wie dies nur bei außerordentl'ch wichtigen Ereiqnisien für entscheidende Beschlüsse geschieht. Der Kronrat wird am 25. September im Omrinal tagen. Dieser unerwartete Beschluß wird allgemein als ein beunruhigendes Zeichen für den Ernst der Lage angesehen.
Als Grund für die Einberufung geben einige Blätter Meldungen wieder, wonach Wilson seine Zustim- mitng zu dem zwischen Italien, Frankreich und England vereinbarten Abkommen über die Zuteilung der Stadt Fiume an Italien und der Umgebung an Süd- stavien verweigert hätte. Wilson hab- nunmehr den früheren Vorschlag Tardieus wieder aufgenommen, der die Errichtung eines Pufferstaates mit Fiume als Zentrum unter dem Völkerbund vorsieht. Der Kronrat hätte nunmehr darüber zu entscheiden, ob Italien auf feinem Anspruch auf Fiume unter allm Umstanden bestehe ober Wilson demgegenüber nachgebe.
Velzien will deutsche Gefchäftsverbinduxz.
In dem Antwerpener Reederblatt .Neptune' schreibt ein »vn Rotterdam zurückgekehrter Kaufmann, aus Antwerpen, Belgien muffe unverzüglich seine wirtschaft- lichen Verbindungen mit Deutschland wieder aufnehmen.
DaS Reederblatt fügt zu diesem Eingesandt Hinz«: Und wir würden die deutschen Schiffe lieber heute als morgen wieder in unserem Hasen sehen. Ohne Zweifel, wir werden die häufte zusammenballen, aber wir werden unsere Gefühle vor der unumstößlichen Not- Wendigkeit Niederkämpfen muffen. Vergessen wir nicht«, aber seien wir höflich und würdig mit den Deutschen, und machen wir Geschäfte mit ihnen.
beginnt also selbst in Bel,ien die Einsicht zu keimen, daß Deutschland nicht dauernd ausgeschaltet werden kann.
Die Leiden des Saarlandes.
AuS Saarbrücken wird gemeldet: Ä«s selbstbsrr« liche und verletzende Auftreten des französischen Militärs im Caargebiet ruft immer sttrkere Erbitterung in der Saarbevilkerung hervor. Anrempeluugen und Mißhandlungen deutscher Bürger durch fra*. zösische Soldaten sind keine Seltenheiten. Die größte Erbitterung aber bestett über die täglich runehmende Belästigung und schamlose Beleidigung junger Mädchen, selbst Schulmädchen auj offener Straße durch französische Soldaten, und über die Aergernis er« regenden Ausschweifungen französischer Offiziere. Die Witwe einer höhere« Beamten, welche sich darüber beschwerte, ba6 die bei ihr einquartierten Offiziere stets eine größere Anzahl von Halbweltdamen im Hause hätten, mußte wegen dieser Be- schwerde 8 Tage lang auf der Wache erscheinen und französischen Soldaten die Schuhe putzen. Gegeu diese Belästigungen und Ausschweifungen ist die Bevölkerung machtlos, da sie bei schon mehrfach angewandter Selbsthilfe stet» schwerste Bestrafung erdulden mußte. Luch der gestern gemeldete schwere Zusammenstoß »wischen Saarbrücker Bürgern und französischen Soldaten ist darauf zurrckzusühren, daß die französischen Soldaten. auf dem Saarbrücker Neumarkt junge Mädchen in scharuloser Weise bc- lästigten, so daß Passanten sich gegen diese« Treiben entrüstet auflehnten. Natürlich zogen die Zivilisten den Kürzeren, da französische Gendarmerie einschritt und etwa fünfzehn deutsche Bürger wegen Angriff» auf französische Militarpersoneu verhaftete, welch erstere zweifellos hohe Strafen zu erwarten haben, obwohl die Schuldige« auf französischer Seite zu uchen sind.
Wie« ohne Verkehrsmittel.
Bei strömendem Regen und 5 bis 6 ®ra® Warwe ist Wien seit Sonntag ohne Straßenbohnver- kehr. Wegen Kohlenmangels ist er vollkommen ein- gestellt, und es fft nicht cckzusehen, wann er wieder ausgenommen werden wird. Die katastrophale Lage bet Zweimillionenstadt läßt sich kaum schildern. Bis jetzt ist eine Besserung nicht eingetreten. ES droht auch schon eine Einschränkung deS Eisenbahnverkehrs, da die Vorräte der Eisenbahnen völlig zusammengc- schrumpft sind. Für Droschkenfahrten von und nach den Bahnhöfen werden bis zu 100 Kronen verlangt. Angesichts der riesigen Einnahmen, die sich die Lohnfuhr- iverke dadurch schassten, machten sie sich am Montag einen Feiertag, so daß die Stadt bei strömendem Regen ohne jedes Fuhrwerk ist. Schon von 5 Uhr früh bewegten sich große Staffen übelgelaunter, mangelhaft bekleideter Personen von den Vororten in die inneren Äadtbezirke, um ihre Arbeitsstätten, aber meistens mit großen Verspätungen und vollständig durchnäßt, zu erreichen. Ein Teil, namentlich des weiblichen Personals, blieb gänzlich aus.
Die tschechische Regierung Hot sich jetzt, wohl unter dem Eindrücke, den die Nachrichten aus Wien in der gesamten gesitteten Wei - ausübten, enschlossen, fljice passive Haltung bi§ auf weiteres wenigstens aufzugeben. Seit Freitag werden unverhältnismäßig größere Mengen Kohlen nach Wien verladen und sind inzwischen auch schon abgerollt. Aehnlicke Meldungen treffen hier aus den nordböhmischen .Kohlenrevieren ein. Au? Prag wird gemeldet, daß da; Kohlcnuberein- kommen, das Oesterreich mit der ffchechoslowakischen Re. gierung getroffen hat, ratifiziert worden sei. Danach ist die tschechoflowakische Regierung vierpflichtet, an monatlich 115 000 Tonnen Kohlen, also zwei Drittel des Bedarfes von Wien, zu liefern. Ob die Lieferungen auch eingehaltcn werden, ist zweifelhaft.
Die Schule« in Deutsch-Südtirol.
Ix Südtirol, das an Italien abgetreten werden mutz, sind Einschreibungen in die italienischen Schulen
Änschlutzverbst Unterzeichnet.
Protokoll über die Ungültigkeit des Artikels Reichsverfassung ist am Montag durch Frhr. - in Versailles unterzeichnet worden. !" Betracht kommende zweite Absatz de; Artikels m Deutsch-Oesterreich erhält nach seinem do"' Recht der Teilnahme am Reichsrnt mit der Akerung entsprechenden Stimmenzahl. Bis da- pie Vertreter Deutsch-Oesterreichs beratende
von der Entente selbst ausgesetzte Protokoll Hai EwtfiiScn folgenden Wortlaut: „Die deutsche Regie- und erkennt an, daß der Absatz 2 des Aitikels ' BerjasslMg ungültig ist und daß namentlich die
. österreichischer Vertreter zum Reichsrat nur n kann, wenn gemäß Artikel 80 des Friedens- der Wölkerbundrat einer entsprechenden Aenderung (tonalen Lage Oesterreichs zugestimmt haben ji.« von Lersner unterzeichnete Protokoll muß von chen gesetzgebenden Gewalten (also von der Na- mlung und vom Reichspräsidenten) gebilligt Den (äang der Entwicklung wird auch dieses vwkoll nicht aufbaltenl___________________ ....
Um den Kaiser.
‘«k Brüsseler „Libre Belgique" veröffentlicht eine Cu$ dem Haag, in der besagt wird, daß die yjy von dem demnächst in Holland zu erwartcn- xkAsuchen um Auslieferung des früheren Mm Kaisers keine Ueberraschung verursacht habe. ^Wändiscke Regierung werde auf das Ersuchen I Oberücn Rates mit einer höflichen, aber formellen teiaerung antworten. Man habe von sehr gut zniickteter Seite versichert, daß die Ententemächte B mif eine Weigerung Holland? rechnen, um cnd-
eine Frage au5 der Welt zu schaffen, deren Lö- ng vnt Schwierigkeiten verbunden fein ivürdg.
(Hkfattflenenheimkehr aus Amerika.'
e amerikanische Regierung hat die sofortige Heirn- jgng aller in den Vereinigten Staaten blichen deutschen Kriegsgefangenen befohlen. Die rkrung findet am 25. September auf dem ame- ischen Truppentransportdampfer „Poeahonta" , bei von Newyork nach Rotterdam fährt. Mit gleichen Dampfer werden etwa 72 deutsche Lnter- e heimgeschafft, sowie Frauen und Familien eilt« i Kriegsgefangener und Internierter, ferner etwa «rs Ehrenwort aus der Internierung Entlasiene etwa 35 Deuffche, denen die Einwanderung ver- murbe.____________________
Die Wiener Enthüllungen
ien begreiflicherweise ungeheures Aufsehen. Zum nma( ist hier wirklich der Schleier von den Dor- itn gezogen, die dem furchtbaren Weltkrieg un- Bgi vorongingen.
Ron muß unterscheiden zwischen den Ursachen des und dem letzten Anlaß zu seinem Ausbruch, bloßer Anlaß macht keinen Krieg. Ein solcher Andringt nur die Minen zum Explodieren, die lange « gelegt waren, gibt nur den tiefer liegenden Ur- en den Anstoß, sich in unselige Katastrophen auszu- Icn.
Die llrsachm des Weltkrieges sind vielfältig ver- igt und gehen fahre- und jahrzehntelang zurück, als M: Der Reoanchettieb Frankreichs, die innere Mg Rußlands, die nach äußerer Entladung Die, feint Ländergier, die alle slawischen Staaten ch Konstantinopel russisch machen wollte, die Ein- »fungspolitit Englands gegen den ihm immer um Wer werdenden deutschen Wettbewerber und so wr andere mehr — politische, wirtschaftliche und im Weben der Völker begründete Ursachen und Wir- ■P, die in- und durcheinander laufen und kaum R» völlig entwirrt werden können.
«e m u ß t e n einmal zum Austrag kommen, aber ■ pickte Staatsleitung hätte ihr Ziel darauf rich- smussen, wenn irgend möglich, auf diplomatischem
sine Auseinandersetzung herbeizuführen und den Waffengang vermeiden; mindestens aber einev WMnMellung der Mächteverhältnisse zu schaffen, «n Waffen den Sieg sicherte bei möglichst geringer Rhnung^ des Kampffeldes.
nicht gelungen, vielmehr zeigt sich mit er- «enbet Deutlichkeit, daß die Wiener Staatsmann Mn vornherein zum Krieg mit Serbien getrieben | tof die Gefahr hin) daß die mit Zündstoff über« ^Atmosphäre Europas ein furchtbares Gewitter ff®®. Wr Entladung brachte. Was immer auch "Ave anderer Staaten noch für Geheimnisse ber= Men, die manchen neuen Zug in die Auffaffung W®. bringen könnten, ehe ein wirklich vollständi- 7® "der Schuld und Nichtschuld am Kriege ge- ^verdcn kann, das bleibt bestehen, die Wiener ^?.®uurr trifft ein großes Maß von M», daß der Weltkrieg zum Ausbnich gekommen
muß nochmals die auffällige Tatsache hervor- ^werden, daß die kriegsmtschloffene Mehrheit »u7,^®>ch!sch-ungarischen Ministerrates in der - von ungarischen und tschechischen y-il?mannern gestellt wurde. Nur der ■ b-TiAungarische Ministerpräsident Graf Stürgkh Utfu. tr1 Nationalität. Graf Berchthold mit dem VtoPTb9cn&en Namen muß zu den Ungarn ge- ; eu.[ n: er war erbliches Mitglied des ungari-
wrnentes, übrigens auch von Budapest aus EL/i,unS der auswärtigen Angelegenheiten IttT l rarn5 präsentiert. Es fällt ferner auf,
Cr°.n^ere der slawische Vertreter, Finanz- M ^Ukuski, sehr entschieden für den Krieg aus- ist zu vermerken, daß das Ultima- ftqen r^Ic.n einen Kroaten zum Verfasser hat, den
Referenten für serbische Angelegenheiten,
aber auch der Fanatismus ist, -mit i thold und feine Genosien auf den Krieg RJl ":,i° niederdrückend ist die unerhörte Leicht- ■L”y* der die Berliner Staatsmän• Wissen und Wollen dar ahnungslose der m d®n Weltkrieg haben hineinlotsen lassen, ichie ^®aiilligkeit, die man uns nachgesagt hat, ;u„r zu entdecken. Aber umso mehr von W^siwillig keit, die alles Maß über« Atz, ,'Mand, das anscheinend den Dreibund M) DC„ Ä. die Weltherrschaft anstreben sollte, ö®3en an der Nase herunfführen lassen, ■tr Ie.permegenftcn Hasardspieler, in Berlin
(fljv. -orüder, der für die Spieloerluste auf« E Sie. Der große Bruder hatte einen