Einzelbild herunterladen
 

I Samstag 20. September >939.1 I 46. Zahrg.

be­

im«

der

c

1

2L

l» tlltf

mir nicht fogeit?"

Ihnen nicht!" klang es leise von ihren

gerade mir nicht?"

und begegnete einem solch leldenschost- sie rasch wieder die Augen niederschlug.

»Eie wollen ee 9tein, nein!

Lippen.

Und warum Sie sah auf sichen Mick, daß

Kohlenbelieferung zu bewegen, damit einem vollständi­gen Zusammenbruche vorgebeugt wird.

den A ui st a n d getreten. Sie verlangen einen Tage-« lohn von 18 Franken und die Anerkennung der Gewertschasten.

Genf wurde die Bildung einer internatio­nalen Bereinigung ehemaliger Kriegsteilneh­mer beschlossen. An der Versammlung nahmen deulsche, franiösische, italienische, österreichische, tur« kische und serbische Kriegsteilnehmer teil. Die Ver­einigung bezweckt Versöhnung der Völker.

Ter Friedensvertrag für «ulgarie» ist gestern in Pari« übergeben worden. Sein Inhalt ist schot» bekannt. ___________

-Mir scheint, Str macht der Reichtum, der Dir so vermutet zusiel, gar keinen Späh?" meinte Max.

Denn, Sie e» auch verschweigen, ich weih e» doch!" begann er, sich ganz nahe zu ihr neigend,Sie lieben Ihren verlobten nicht. Sie lieben einen andern!"

Mein Sott, mein Sott!" stöhnte Maria fassungslos mA schlug beide Hände vor das Gefickt.

Er zog Ihr sanft die Hände weg und tief in über­mütigem Ton:Deshalb willst Du es leugnen, daß Du mich lieb hast, Du, schau mich an und sag'nein", wenn Du kannst! Du liebst mich siebst mich wirklich, ja, darf ich es denn glauben? Ich habe Dich lange schon lieb ge­habt, ich wußte es nur nicht!"

Er zog sie an sich und sie lag an seiner Brust, alle» versank vor ihr, olles war ausgelöscht, untergegangen in dem einen, überwältigenden Gedanken:Mein Traum von Glück ist zur Wahrheit geworden! Er, er liebt mich!"

Doch nicht lange dauerte diese selige Versunkenheit. Maria fuhr jäh empor. Ihr Gesicht war blaß, chr Atem ging rasch, während sie stammelte:Wie konnte ich nur bergeben, daß ich gebunden bin, es darf nicht sein, daß wir uns angehören, es wäre zu viel des Glückes!"

9hm ich weiß, daß Du mich sieb hast, soll mich keine Macht der Welt mehr von Dir trennen!" jubelte Joachim, Feliz Ebbhardt wird mit sich sprechen lasten! Er wird einfehen, daß er sich Deinem unserem Glück nicht in den Weg stellen darf! Freilich, einen Kampf wird es kosten, aber wir zwei, wir gehören zusammen in olle Ewigkeit! Gesiebte» Mädchen, ich bin ja so glücklich, fast meine ich, es ist ju viel! Und wenn Felix Tbbl)ardts Dich wirklich so lieb hat, wie er Dich immer glauben sieh, so wird er auch Dein Glück nicht zerstören wollen!"

Maria saß da wie träumend. Sie konnte noch gar nicht fasten, daß chr so lange behütetes Geheimnis nun offenbar geworden war; es brach alles fo unvermutet über sie herein, daß sie Seit brauchte, sich zu sammeln. Al» nach Verlauf einer halben Stunde Max vorsichtig durch die Blätter in die Laube hmeinlugte, spielte ein zufriedenes Lächeln um seinen Mund. Er schlich sich leise hinweg, indem er murmelte:Das haben wir wie- der fein gemacht, und mit dem andern, da werden wir, denke ich, schon fertig werden"

Maria hatte e» selbst übernommen, mit Felix Ebb­hardt zu reden. Es kostete allerdings einen schweren Kamps, und Maria empfand herzliches Mitleid mit dem guten Menschen, dem si« so bitter weh tun mußte. Er setzte zuerst ihrem Flehen immer nur ein energisches, hartes, unerbittlichesRein" entgegen.

Ich habe so lange nm Dich geworben", sagte er finster,und nun ich endlich am Siel meiner Wünsche bin, sollte ich Dich wieder verlierenl Du wirst Dein Wort halten und meine Frau werden, ich gebe Dich nicht frei!"

Ober so leicht ließ Maria sich nicht abweism, sie kämpfte tapfer für ihr Glück, das ihr so unbegreiflich groß erschien.

Und als sie dann mit flehend erhobenen Händen und tränenerföllten Augen vor Felix stand, und als sie so rührend Innig bat:Felix, verzeihe mir, daß ich Dich so kränken muß, ich weiß, daß Du leidest, und es tut mir weh, aber Helsen kann ich Dir nicht! Sieh, wenn Du Dich hindernd meinem Glück in den Weg stellst, was kann es Dir nützen? Lieben werde ich in meinem Leben nur einen können, und wenn Du mich zwingst, Dir mein Wort zu haltm, was soll daraus werden? Ich sehe nur Un­glück für uns beide! Wir würden- später unser Geschick verwünschen, ja auch Du, denn was willst Du mit einer Frau, deren Herz sich beständig nach einem andern sehnt? Und daß ich unglücklich und elend werde an Deiner Sette, nicht wahr, Felix, das willst Du doch selber nicht?"

Da winkte er ihr mit der Hamb, sie möge gehen. Doch sie trat ganz nahe an ihn heran und sagte leise und tief ergriffen:Ich gehe nicht eher, bis Du sagst, daß Du mir verziehen hast, ich bitte Dich, gib mir ein gutes Wort mtt auf meinen Lebensweg, gehe nicht im Groll von mir, und ich werde Deiner in herzlicher Dankbarkeit stet» gedenken!" --

Da beugte er sich nieder und küßte noch einmal ihre» Mund.

Lebe wohl, Maria", flüsterte er,ich zürne Dir nicht! Was kannst Du schließlich dafür, daß Dein Herz einem andern zuflog? Ich wußte es ja längst, daß Du einen andern liebst, aber ich verschloß mich absichtlich dieser Er­kenntnis. Du hast recht, es ist bester so. Und wenn Du später an mich zurückdenkst, so wirst Du Dich erinnern, daß ich Dein Glück mit begründen half. Werde recht, recht glücklich, das ist das einzige, was ich noch wünsche!"

Ach, Du Lieber, Du Guter!" jubelte Maria auf, um küßte ihn zum erstenmal freiwillig auf den Mund, was sie als seine Braut nie getan. Sie wechselten einen herz­lichen Händedruck und bann wandte er sich zum Gehen.

Was wirst Du setzt beginnen?" fragte Maria.

Ich werde auf Reisen geben! Da hoffe ich am ersten mti mir fertig zu werden! Lebe wohl!"

Sie trennten sich. Mario ging langsam den Garten­weg hinauf. Aus der Bank unter den Erlen wartete Joachim mit klopfendem Herzen. Als er das Mädchen daherkommen sah, fprang er auf und breitete weit die

an all dem Tand, den sie sich jetzt leisten kann, fett unsere Verhältnisse sich so vorteilhaft geändert haben. Jede Woche fährt sie in die Stadt und immer kommt sie schwer packt nach Hause."

Und für Sie selbst hot all das Geld gar keinen Wert?" fragte der Astestor und bückte gespannt In das errötende Gesicht des Mädchens, bas lebhaft den Kopf schüttelte.

Rein", lautete die leise Antwort,was soll mir bas Geld? Das Glück kann man doch nicht damit «kaufen!"

Maria hielt den Kopf gesenkt imb bemerkte so nicht, wie Max dem Freunde mit den Augen zuwinkte, die günftige Gelegenheit zu einer Aussprache sich nicht ent­gehen zu lasten. Astestor Held und Maria gingen still nebeneinander durch den sommerlich prangenden Garten. Halb unbewußt lenkte Joachim feine Schritte noch der einsamen Laube. Maria folgte ihm. Sie bemerkte erst jetzt, baß Max nicht bei ihnen war. Ihre Frage nach seinem verbleib beantwortete Joachim nur mtt einem Achselzucken. Er konnte nicht sprechen. Die Erregung bannte ihm die Zunge. Als sie auf der kleinen Bank nebeneinander faßen, sprach keines ein Wort.

Endlich brach der Astestor dos Schweigen. ,

Fräulein Maria, Sie sind nicht glücklich! Wollen Sie mir nickst sagen, weshalb Sie immer so traurig und nie­dergeschlagen sind?"

Sie senkte errötend den Kops noch tiefer auf die Brust. Run?" drängte er, ungestüm ihre Hand ergreifend.

Er macht mir nur deswegen Freude, weil jetzt ... Vater einer forgeniosen Sühnt ft entgegensieht. Ich kann sein Alter nun freundlich gestalten, gottlob, daß es wenig- ftens dazu noch nicht zu spät war.".

®ie Einigung d<r kath. Arbeiter-

Organisationen.

In dem von uni mitgeteilten Beschluß der Fuldaer BischosSkonserenz über bte dringend erwünschte Einigung unter den katholischen Arbeitervereinen (Sitz Berlin) und den christlichen Gewerkschaften hietz e» zum Schluß: Eine erneute Anfrage an den hl. Stuhl in dieser An­gelegenheit rst überflüssig". Wie hierzu demDanziger Westd. Volk-bl.' geschrieben wird, hatte der Berliner Verband gemeint, eS widerspreche der Enzyklika Sin. eulari quadam, wenn katholisch organisierte Arbeiter den christlichen Gewerkschaften beiträten und die Fach« abteitunten zutunsten der christlichen Gewerkschaften aufgelöst würden. Um Rom für diese Auffassung zu oewinnen, habe der verband in einer Eingabe an den Papst die christlichen Gewerkschaften heftig angegriffen uuö schwerer Verstöße gegen Recht und Moral besichtigt. Rom habe diese Anklage als gegenitanbSlo» betrachtet.

Indem die deutschen Bischöfe die Einigung zwischen christlichen und katholischen Gewerkschaften dringend empfehlen, haben sie die Frage, ob katholisch organi­sierte Arbeiter den christlichen Gewerkschaften beitreten und die Fachabteilungen zugunsten der christlichen Ge­werkschaften aufgelöst werden dürfen, in bejahendem Sinn entschieden. In allen katholischen Kreisen be­grübt man es mit großer Freude, daß Damit ein Streit beendet ist, der zwischen den beiden Organisationen lange Jahre hindurch oft mit großer Heftigkeit geführt wurde, die Bildung einer geistigen und wirtschaftlichen Einheitsfront de» katholischen Volkes hinderten und auch die kirchliche Einigkeit störte. Mit Recht sprach sich darum die Fuldaer BischofSkonferenz dahin aus, die Einigung uner den katholischen Arbeitervereinen ISitz Berlin) und den christlichen Gewerkschaften sei drin, genb erwünscht im Interesse der Einigkeit unter, ben deutschen Katholiken und im Jgttereffe der katholischen Arbeiter.

ES ist zu erwarten, daß man sich nicht damit begntt. Igen wirb, die beiden Organisationen nebeneinander bestehen aber von jetzt ab os freundschaftlich zusammen gehen zu lassen, sondern daß die an Zahl schwächeren und an Bedeutung zurückstehenden Fachabteilungen in die christlichen Gewerkschaften übergeführt werden. DaS katholische Volk wird diese Entwicklung und ihren wei­teren erfolgreichen Ausbau mit wärmster Anteilnahme! verfolgen. _ _____________

Zulassung der Volksschullehrer zum ttniversität-studium.

Durch einen Erlaß beS Ministeriums für Wissen­schaft, Kunst und Volksbildung sind die Schranken ge- falten, die bisher den Volksschullehrern und -lehrerin- nen den Zugang zum akademischen Studium versperr, ten. Allen Lehrern und Lehrerinnen, die noch beftan. benet Seminarabschlußprüfung eine min. bestens zweijährige Tätigkeit im Schuldienst nachtveilen können, stehen die preußischen Universitä- ten und Hochschulen al» gleichberechtigten und immc- trifulierten Studenten zu einem Studium der P ä d a. g o g i I und Philosophie offen, da? nach frühe­stens sechs Semestern durch ein Epamen in diesen Fä­chern beschlossen werden kann. Ferner sind zur Ab» legung *be9 Staatsexamens für das höhere Lehramt und zur Doktorprüfung alle Lehrer und Lehrerinnen zugelassen, die außer dem Zeugnis übe die Seminar, cnllassungspriifung noch ein bestandenes ErgänzungS- examen in einem ober zwei Hauptfächern, deren S?e- herrschung für das gewählte Studium notwendig er­scheint, nachweisen können.

Außerdem wird solchen Seminarabiturienten, welche auf eine Tätigkeit im Lehrberuf verzichten wollen, durch Ablegung einer Ergänzungsprüfung die Möglichkeit zu jedem anderen Hochschulstudium gegeben. Diese Er. nännungS.trüfumg umfaßt entweder die gbrnnasialen Fächer: Latein und Griechisch, oder die realgymnasia.

| Verantwortlich für len redaktionellen Xe1': Karl Schütte, I ftrlie »n,ei,en: I. tziarzeller, nulva. Uotattonsieuck

Kohlenkatastrophe in Wien.

Sn Men wird vorn Sonntag ab infolge der Kohlen, not der gesamte Straßenbahnverkehr eingestellt. Kaffee, und Gasthauser sollen um 8 Uhr abend» schließen. Voraussichtlich werden binnen Kürze auch die Industrie, und Gewerbebetriebe, die ZeitungSberlage usw. vom Bezug« elektrischer Eneeaie ausgeschlossen werden müf. fen, wenn nicht eine Befferun« der Kohlenbelieferuna in allerkürzester Zeit zu erreichen ist. 6taatHelreitir Ingenieur Zerdik wird mit dem SektionSchef Schuller und dem Hofrat Dt. Klotz nach Prag und Berlin sah. ren, um durch mündliche Bei Handlungen den Be-such zu machen, diese Nachbarstaaten gu einer Bernärften -----------I UM II.....UMI...... ........U.______J______ taufen und Hot solche Freude an den neuen Kleidern und

fifeine Paradies.

P beit Irene b. He Ilmuth.

(Schluß).

ist er ein solcher. Wenn Du willst, spreche ihm. Dst werden ja sehen, wie er sich verhält." ; T* aWot war tief gerührt.

Er Dir nur danken für Deine treue Freund»

Ic6 das!" polterte Max, rote immer, wenn Rührung verbergen wollte.

M ^chi doch das beste wäre, wenn ich Maria

"icht wiedersähe?" zweifelte Joachim von ^^D^elleicht beschwöre ich nur nutzlose Kämpfe

Du Maria wirklich so innig Nebst, wie ich so mußte Du doch alles daran fetzen, sie zu ontgegnete der Freund.

k mtb^r Es läßt mir doch keine Ruhe.

, , lächelte Joachim.Cs war mir doch Ä6j' - °° Dir eine gewisse Dame nicht ganz gleich-

E> rst dar Täuschung gewesen?" ®Ä"sr

1 taten ^°n. "Eder. Oder würdest Du mir viel.

8nt tiefer Familie in so nahe oerwandifchast. M?*h«ng z treten, nach den Erfahrungen, die Du '" "W"

^ete <n-s-

^6 Du so leicht darüber hinwegko-nmst, Bjh '7°"' die Liebe laße bei Dir viel tiefer!"

i"' Ia$*e sorglos,es war nur so ein

t «ft 9*B5«n sie überlegend auf und ab, es war fltzi j Endlich trennten.---

oergangen. An einem. herrlichen, ^mittag betraten die Freunde wieder den Alfa» ihnen entgegen und Mar, der auf ^E8«nhsit lauerte, fragte harmlos:So !-Der sind di« andern?"

lackst fein Schlößchen und Linda ist in gSnabten", gab Maria lächelnd Auskunft. et kann sich gar nicht genug hm im Ein-

Sin Beitrag zur Ledernot.

In bet ,Franks. Zig.' bom 9. September findet sich ein Inserat, in dem eine Firma in Schweinfurt mitteilt, daß sie unter anderen brauchbaren Gegen- ständen, wie Wolldecken, Wachstuch, Pferdedecken, Leder-Backtofchen, Pelze, abzugeben habe:

150,000 Infanterie-Schaft stiefel, ge- braucht, ungeflickt, neu besohlt, da» Paar zu 80 Mk.; 100 000 Schnurs ckuh e, dto zu 25 Mk.; 120 000 gute- sacke, 03 mal 135 Zentimeter (2 Ztr.) zu 10 Mk. Dabei ist bereift:Ausfuhr in» Ausland ist ge­nehmigt.'

Diese Ausfuhr bermehrt nur noch die Schuh- nnd Ledernot in Deutschland und kann mit feinet angeblichen Maßnahme zur Hebung der Valuta ent- schuldigt werden. Jedenfalls berührt es eigenartig, wenn die Äegienena einerseits über die Schuh» und Ledernot die Bevölkerung ansinklären sucht, gegen di« el feine rechten Heilmittel gebe, andererseits aber die Ausfuhr Genehmigung von Hunderttausenden Echuhwaren erteilt. _________________

Di« Halil der Streikenden in der Berliner Metallindustrie hat sich um 2000 bei der A. E. G. vermehrt; man bermutet für Montag den Desch' der allgemeinen Streiks durch den Metall- ttbeiterberbaxb.

Dalut« im Durchgangslager. In den bet« schiedenen Durchgangslagern sind Wechselstuben ein« ßerichtet, in denen Bte Heimkehrer bat mitgebrachte ausländische Geld gegen einheimische Währung um- wechseln können. Um llebeiborteilungen der Heim­kehrer |w verhindern, fetzt die VeichSregierunq bon Woche zu Woche die Wechselkurse fest. Für die laufende Woche gelten folgende Sätze: Der ameri­kanische Dollar (4 Mark) --- 25 M.; da» englische Pfund (TO W.) 105 M.; 100 französische Frank« (80 M.) 305 Ma-k. Die in Klammer beigefügten Zahlen geben den Friedenspreis an. Mehr all alle Reden und Aufklärungen sprechen diese trockenen Zahlen xu dem Heimgekehrten eine deutlich eindring­liche Sprache von der unendlichen Not, in die die Rrie«fnöte im er arweS Vaier'and bestürzt staben.

Die Einrichtung eines Verkehrkommissarials Düsseldorf ist gescheitert. Der Vertreter der Stadt Düsseldorf, der mit dem belgischen Kommandanten we­gen der Angelegenheit verhandeln wollte, ist gar nicht empfangen worden. Der Belgier ließ in brüsker Form sagen, die Entente werde den Zeistnmkt, wo sie Ver­handlungen in dieser Sache wünsche, selbst b e st i m- men. Einstweilen müssen also die Paßvorschrif- ten noch mit derselben Schärfe wie bisher durchge- führt werden.

Rücktritt eines Landrats wegen Mißhandlung. Der Striegauer Landrat Freiherr von Richthofen-Kuh- nern veröffentsicht eine Erklärung, in der er seinen Rücktritt mitteilt. Er sagt:Ich bin an jenem Auf- nchrtage in einer die Staatsautorität so verletzenden Weise mißhandelt worden, daß ich nicht mehr geson­nen bin, an der Spitze des Kreises als Landrat zu ver­bleiben, wo ich die Rechte des Staates vertreten soll. Auch haben sich die Zustände infolge der Revolution derartig entwickelt, daß immer mehr die Massen der Straße die Entscheidungen an sich reißen und dadurch zur Aufrechterhaltung der Ordnung und persönlicher Sicherheit berufene Organe ausgeschaltet werden."

»nSliefernug Lindners. Ter in Wien verhaftete Schlächter Lindner, der seiner Zeit im bayerischen Landtag deu Abg. Osel getötet und den Minister der Innern, Auer, schwer verletzt hat, wurde am Don­nerstag an der bayerischen Grenze den bayerischen Behörden übergeben.

Dar erste Petroleum. Der ,voss. Zig/ zufolge traf mit dem Tank-LeichterSenator" da» erste amerikanische Pen oleum nach dem Kriege, eine Men« von 1500 Tonnen, im Hamburger Hafey ein.

* Lahnbeweqnnz in Lothringen. 10000 Berg­leute bt* KoblenbergwerkeS Ktein-Rosseln sind in

der preußischen Landesversammlung, wie auch am gestrig.-n Tage durch öffentliche Erklärung Stellung ge­nommen. Im wesentlichen ist es aber nur ein Zeit­unterschied und eine Formfrage, sowie um persönüche Angriffe des preußischen Ministerpräsidenten Hirsch gegen den Reichsminister Erzberger. Die Reichsre­gierung geht bet ihrem Verhalten von dem Stand- ' punkt aus, daß die oberschlesische Frage, die durch die Abstimmung eine Reichsfrage ist, sobald wie möglich erledigt werden soll, well am 1. Oktober Oberschlesien besetzt wird. Die preußische Regierung dagegen möchte die oberschlesische Frage nicht aus dem Zusammenhang herauslösen, sondern sie als einen Teil der gesamten Autonomiefrogsn aller preußischen Provinzen behandeln, zumal zeitraubende Auseinan- dersetzungen damst verbunden sind.

Der Konflikt trägt dazu bei, den Gerüchten von ei­nem bevorstehenden Rücktritt Erzbergers Nahrung zu geben, Gerüchten, die darauf zurückzufüh- ren find, daß jetzt vor dem bevorstehenden Zusammen­tritt der Nationalversammlung der Demokraten in die Regierung erörtert und dabei auch als demokratische Forderung wieder geltend gemacht wird, daß der Posten des Vizekanzlers, den ja Erzberger be­kleidet, von den Demokraten besetzt werde.

Vollstreckung der Münchener Todesurteile.

München, 19. Sept. Sämtlichen zum Tod Ver­urteilten wurde heute mittag im Strafvollstreckungs­gefängnis Stadelheim eröffnet, daß der Ministerrat von seinem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch ge­macht habe. Darauf baten alle noch um g e i st l i ch e n Zuspruch. Die Angehörigen hatten bereits tm Lause des vormittags chre zum Tod oerurteilten Der- wandten besucht. Der Vollzug des Todesurteils erfolgte durch Erschießung durch ein militärisches Kommando, das ein von der Stadtkommandantur be­stimmter Offizier befehligte. Außerdem war auch ein Mitglied des Volksgerichts anwesend. Die zum Tod verurteilten waren mit Ausnahme des Hauptange­klagten Fritz Seidl völlig gebrochen. Seidl, der Haupttäter Dagegen, brachte noch kurz vor seiner Er- schießung ein Hoch auf die Republik aus, doch machte sein Benehmen mehr einen theatralischen Eindruck, als daß es ihm wirklich ernst dabei gewesen wäre.

Zur Ausführung des Urteils waren besonders zu­verlässige Mannschaften kommandiert worden. De- merkenswert ist, daß sich aus allen Teilen des bayeri- schen Kontingents der Reichswehr Leute zur Voll- streckung des Urteils bereit erklärt hatten ein Zei- chen der Empörung und Erregung, welche sich der ge­samten Bevölkerung durch die Enthüllungen im Pro­zesse bemächtigt hatte. Die Erschießung wurde um 5 Uhr in der Innenstadt bekannt. Die vollzogene Hin- richtung wurde allgemein mit Genugtuung aufgenom- men. Die zu Zuchthaus oerurteilten Angeklagten werden voraussichtlich auf verschiedene bayerische Strafanstalten verteilt werden, um Konspirationen zu verhüten.

Die Staatsanwalt des Münchener Dolksgerlchts hat bereits wegen des zweiten Geiselmordprozesses das verfahren eingeleitet. Hierzu stehen sechs Angeklagte, die als Zeugen in dem ersten Prozeß oemommen wurden, zur Verfügung. Ein roeiterer Missetäter, ein gewisser Greiner, ist gestern in der Nähe von Rosen- Herrn feftgenomen worden. Dazu gesellt sich ein ruf- fischer Student Krllenko.

Die deutsche Antwortnote.

, 19. Sept. Den alliierten Regierrmzen

*7BDn jen deutschen Vertretern in Versailles eine übermittelt, in der auSgeführt wird: Die deutsche stimmt mit der tn der Note der alliierten £^a,en vom 11. 9. dar,ele,ten Auffaffuns über- S, soweit die deutsche Verfassung und der Frieden?« ^?Miteinon»er in Widerspruch stehen, die Ver- I,, nicht Vorgehen kann. Sie erklärte bereits, daß ^Konsequenz dieses Standpunktes und indem sie "L den alliierten Regierungen verlangte Auslegung Artikeir 80 der FriedenSvertrageS annimmt, Ar- 11 Absatz 2 der deutschen Verfassung a!S kraft- erachtet, solanre der DölkerbundSrat nicht der ent- Dtn Aenderung der internationalen Lage zusttmmte Sie hat nichts dagegen einzu.

diese Erklärung nunmehr in einer Form «iaeb'en, die in der Anlage der !?ete vom 11. 9. bar­en wurde. Die deutsche Regierung sieht sich «nöttst, zu den Ausführungen der alliierten unpen zu bewerten, daß sie früher bereits die nng vertreten habe, der Artikel 178 der Oer- if habe u. a. den Zweck, jeden etwaiaen S8i bet- !* zwischen Verfassung und FriedenSvertrag lufchließen. Deutschland habe nicht betau» n können, daß doS SelbstbestinrmungS«

dar bom Gegner als eine» der Grund« seiner FtiedenSbestimmungen be» worden sei, gerade für Deutschland und Oester- noch mehr beschränkt werden solle al# gortlaut des Artikel» 80 erkennen ließ. Außerdem bie alliierten Regierungen nicht beachtet, daß Verfassung ein Gesetz sei von zeitlich undeschränktem er, daß die allgemeinen Normen zulasse, usnahmen für Eondirfälle Vorbehalte. Die Auf- t de» Artikels 187 fei kein Kunstgriff, sondern wohlbegründete Maßnahme. Die Schluß- n« der alliierten Regierungen, daß mit dem 61 Absatz 2 eine Verttagsvetletzun, de- sschtigt gewesen fei, beruhe auf einer irrigen setzung. Die deutsche Regierung weist diese lerfteliung mit aller Schärfe zurück. Sie den ironischen den internationalen Gepflogen- nicht entsprechenden Ton, womit die Stete der irrten ,nd die feierlichen Erklärungen der deutschen ng behandeln zu dürfen glauben, nicht still- igrnd hinnehmen. Die Tatsache, daß Deutschland Krieg beriet, gibt seinen Gegnern nicht da» Recht, einer Sprache zu bedienen, die den Zweck haben Deutschland bot aller Welt zu verletzen, deutsche Regierung wird den Alliierten und Iffe- auf diesem Wege nicht folgen Die Herbei- de» wirklichen FriedenSzuftandeS kann aber dieses Borgehen der alliierten Mächte nut er­werben.

Tie Note ist geschickt abgefaßt und schlagkräftig, in auch unsere (Segnet sich diese Wirkung nicht n anmerken lassen, so werden sie doch die bit« Pille von der willkürlichen Beschneidung de» stbestimmungSrechte» schmecken. Die Not« gibt m dieser Hinsicht noch nicht genug; sie sollte von einer Beschränkung unsere» Selbstbestim- «glredjte» reden, völlige Verweigerung wäre richtige Aust ruck. Die Zurückweisung der un« Mpee Sprache, in der der französifche Minister-

t sich Deutschland gegenüber gefällt, ist durch« eitgebracht.

Konflikt weqen Oberfchlesien.

3n der oberschlesischen Frage ist es zu einem be« en, aber recht überflüssigen Konflikt zwi« 'der preußischen Regierung und der kichrregierung gekommen. Dor einigen la« Nie in Berlin eine Besprechung mit Vertretern werschlesischen Presse stattgefunden, an der das abinett teilnahm. Das preußische Ministerium durch den Minister Stegerwald vertreten. Die . sssche Presse erhielt die Informationen, die auch Migen Presse etwas später gegeben worden sind.

foHte spätestens bis 1. Oktober die Autono» /für Oberschlesien eingeführt werden. x Informationen wurden auf Veranlassung des «Wmnifters Erzberger verbreitet. Die preu- Negierung hat gegen diese Informationen fo-

en