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| Dienstag 16. September M9. | I 4S.Zahrg

handelt.

Der Fall Reinhardt.

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tigert, der Zusammentritt seiner nächsten Sitzung hängt jedoch von dem Eintreffen einer Entschul- d igung Italiens wogen des Vorgehens d'An- nunzios gegen Fiume ab. Die allgemeine Auffassung ist in Paris, daß nicht nur wogen dieses Zwischen­falls, sondern auch wogen der wachsenden Balkan­wirren, der polnisch-tschechischen Schwierigkeiten jifro. die Festigkeit des Verbandes stark zu wünschen übrig läßt. Lloyd George hat mit Clemenceau vereinbart, daß die Sitzungen des Obersten Rates durch g e - trennte Konferenzen der fünf Regie­rungschefs abgelöst werden.

Blutig» Köpfe wegen der Kaiserbilder.

In Kassel kam es zu argen Prügelszenen zwischen Schülern der höheren Lehranstalten und Ar­beitern auf dem Friedrichsplatz vor dem Theater. Veranlassung hierzu bot eine Demonstration, die etwa 2500 Schüler der höheren Lehranstalten, sowie einige Oberklaffen der Mädchenschulen gegen die Ent­fernung der Kaiserbilder aus den Schul­zimmer veranstalteten. Unterprimaner Trott zu Solz, ein Sohn des früheren Kultusministers und nachmaligen Oberpräsidenten der Provinz Heffen-Nas- sau. griff die Regierung in ungewöhnlich' scharfer Weise an, was den Eegendemonstranten, die sich haupt­sächlich aus jungen Arbeitern zusammensetzten, Ver- anlaffung gab, pogen die Schüler tätlich zu werden. Es kam zu lebhaften Prügeleien, sodaß die Polizei, an einigen Stellen auch Soldaten, Eingreifen mußten. Die Schüler zogen darauf in großen Trupps ab, wäh­rend bewaffnete Polizisten die Ordnung in den Stra­ßen der Stadt überwachten.

Es wäre Zeit, daß den Schülern endlich klar ge­macht würde, daß sie besseres zu tun haben als durch

Heber das Schicksal der Zwangswirtschaft.

Der Reichswirffchaftsminister sagt in einem Arti­kel, in dem er Stellung nimmt zur Frage des Ab- baues der Zwangswirtschaft: Gäbe man die Bewirtschaftung offiziell frei, so wie es, wenn auch nicht allgemein, in Agrarkreisen gefordert wird, so wür­den sich bald Zustande entwickeln, über deren Wir­kung diejenigen, die heute diese Forderung erheben, lebhaft überrascht wären. Die deutsche Volkswirtschaft wird vorläufig noch eine Mischung von freier Wirtschaft und Zwangswirtschaft ertra­gen müffen. Auf dem Lebensmittelmarkt kann gegen­wärtig ein weiterer Abbau in den wichtigen Nahmngs- mitteln nicht erfolgen. Gegen diejenigen, die in ge­winnsüchtiger Absicht das Brotgetreide nicht abliefern wollen, muß mit aller Schärfe vorgegangen werden.

- geiÄitttoeril. f. d. teb aktisnelle« Teil i. D.: Dr. Ioh. Kramer, I m »ie X*iti$eR: I. P a rzell er, F»lda. XctatiaxibxMf.

scheiden soll, ob ich einen schlecht qualifizier­ten sozial istischen und einen anständigen, ehr­lichen, talkräftigen konservativen Offizier beför- bern soll, dann befördere ich den konser­vativen.

Noske ging dann auf den Fall des Berliner Ober st en Reinhardt ein, gegen den derVor­wärts und Scheikemann Vorwürfe erhoben haben, er be­günstige die Reaktion. Der Gewährsmann desVor­wärts", von dem die Angriffe ausgingen, sei ein übel beleumundeter Mann, der einen Hatz auf Reinhardt hat. Trotzdem werde natürlich der Fall genau untersucht. Noske erklärte, er denke nicht daran, auf das Zeugnis dieses Menschen einen Mann, dem die Regierung zu nicht unbedeutendem Dcmke verpflich­tet ist, über die Klinge springen zu lasten. Wenn eine Gegenrevolution einsetzt, dann ist nur die Ar. beiterschaft schuld daran. Unsere Maßnahmen dür­fen nicht von blasser Furcht angekränkelt sein, sondern wir müssen auch den 'Mut zur Härte haben. Noske schloß seine Rede mit einer Mahnung zum Mut,' zur Tatkraft und zum Selbstvertrauen.

In Gießen fand am Samsrag und Sonntag ein sozialdemokratischer Bezirkspartei- tag für die Provinz Hessen-Nassau statt. Bemerkenrwert ist, daß der sonst alsradikal" gel­tend« Abgeordnete Hoch (Hanau), entschieden für Noske eintrat, gegen den auch dier von anderer Seite Angriffe gerichtet wurden. Jeder Tadel gegen Noske, so führte er aus, sei nicht nur eine Unge- rechiigkeit. sondern auch eine Dummheit. Noske hätte vftl früher zugreifen müssen. Hoch weiß jedenfalls die Ordnung zu schätzen, nachdem er am eigenen Leibe erfahren hat, waS kommunistische Freiheit" bedeutet. Die Hanauer Radikalen haben ihn im Frühjahr bekanntlich körperlich schwer miß-

Der Eervalkstreich in Birkenfeld.

In Birkenfeld fand gegen die Ausrufung einer Re­publik unter französischem, Schutze eine starke pa­triotische Kundgebung statt. Sozialdemokra­ten, Zentrum und Demokraten gaben Erklärungen gegen die neue Regierung und deren Diktatur ab. De­ren Anhänger spielten in der Debatte eine äußerst Häg» liche Rolle. Wenn die neue Regierung zurücktreten muß, will man Birkenfeld der Oberhoheit des Oberprä­sidenten in Koblenz unterstellen. Dieser Vorschlag ist Major Bastiani unterbreitet worden, der sich seine Stellungnahme dazu noch Vorbehalten hat. Weitere Versammlungen finden dieser Tage in allen Ortschaften Birkenfelds statt. Die neue Regierung, unter­zeichnet Zoeller, hat bei der französischen Militärver­waltung um die Genehmigung der Termine zur Ab­haltung der Gemeinderatswahlen und der Wahlen zur Landesvertretung nachgesucht. Diese sollen am 5. Oktober, jene am 28. September stattfinden. Beide Wahlen sollen nach dem Reichstagswahlrecht ab­gehalten werden. Die Republik wird in sieben Wahl­kreise eingeteilt und wählt 25 Abgeordnete. Die Lan­desvertretung wird alle parlamentarischen Befugniffe eines Landtages haben und wenn nötig, auch gesetz­geberisch tätig fein können. Man glaubt jedoch, daß die Herrschaft der neuen Regierung in einigen Tagen erledigt sein wird.

Dis Kriegsgefangener!

in den französischen Lager».

Major D r a u d t, der dieser Tage in der Lage war, ein englisches Kriegsgefangenenlager bei Bou- logne-fur-Mer zu besuchen, besichtigte nunmehr unter Führung eines französischen Oberstleutnants in der Ge­gend von Compiegne auch zwei französische Ge- sangenenkompanien im Wiederaufbaugebiet. Der Eindruck, den Major Draudt empfing, war be­fried i g e n d, da die Kriegsgefangenen allgemein gut aussahen und erklärten, sie seien ausreichend ernährt und die Unterkunftsverhältnisse den primitiven Bedin­gungen des zerstörten Gebietes entsprechend. Es konnte erfreulicherweise in einigen Fällen ein rein menschliches Verhältnis der Kriegs­gefangenen zu der französischen Bevöl- terung beobachtet werden. Die Bekleidung der Kriegsgefangenen ließ manches zu wünschen übrig. Für den festgestellten Mangel an Unterkleidung wurde französischerseits Abhilfe zugesagt. Auch bei diesen Be­suchen konnte ein lebhaftes Interesse für die inneren politischen Verhältnisse Deutschlands und der ernste Wille zur Mitarbeit am Wiederaufblühen des Vater­landes feftgefteßt werden. Die seelische Stimmung war ganz beherrscht von der einen Frage; Wann kommen wir nach Hause?

Heimkehr aus Rußlaud.

600 Mann, auch Oesterreicher, sind Sonntag in Berlin eingetroffen. Di§ Gefangenen machten einen s ehr guten Ein- druck. Sie waren sauber gekleidet infolge der guten Anzüge, die sie bereits unterwegs in Heilsberg erhalten hatten. Sie sahen gesund und gut genährt aus und erzählten, daß sie bei der Armee Koltschak zum Bau von Eisenbahnen verwendet wurden. Bei dem panik­artigen Rückzug, den die Armee über den Ural nach Sibirien antrat, wurden sie zurückgelassen und von der roten Garde aufgegriffen. Die Rotgardisten erklärten ihyen ohne weiteres, daß sie nach Deutschland zurück, gebracht werden könnten, und transportierten sie mit Dampfer und Eisenbahn nach Moskau. Die Gesänge- ncn erfuhren bei der roten Armee eine gute Behandlung, sie würden gut verpflegt. In Litauen mutzten sie allerdings die große Strecke von 150 Werst zu Futz zuy'cklegen, weil dort keine Eisenbahnen vor- lstrnden waren. Neber ihren Eindruck in Moskau sagten sie, daß die Preise für Lebensmittel usw. sehr hoch leien. Z. B. wurden für eine einfache Suppe 20 Rubel verlangt. Das äußere Stadtbild von Mos­kau sei ruhig; im allgemeinen scheinen die Bolschewisten auf Ordnung zu achten. In der roten Armee herrsche gute Disziplin. Der Betrieb der Fabriken stocke allerdings vollständig. Viele von den Gefan- eenen hatten in den Kohlenbergwerken arbeiten müffen, wo die Arbeit sehr schwer ist.

Dank an das Rote Krenz.

Reichskanzler Bauer richtete an das internatio­nale Komitee vom Roten Kreuz in Bern ein in herzlichen Worten gehaltenes Danktelegraamm wegen seiner Bemühungen um die Auslieferung der deutschen Kriegsgefangenen.

Ein Heer ohne Disziplin

ist ein Affenfpiel."

Die Persönlichkeit des Reichkwehrministers NoSke ist bekanntlich auch innerhalb der mehrheitssozia- listischen Partei heftig umstritten. Sogar Scheidr- mann hat in seiner Kaffeler Rede ziemlich heftige Kritik an Noske geübt. Auf dem Landerparteitag der Sozialdemokraten Sachsens hat NoSke feine Hal­tung verteidig?. Er führte aus:

Wenn Deutschland aus der schlimmen Lage heraus, komnren soll, dann bedarf es eines festen Appa- r a t e s, der den Rogierunasmatzrcgeln Respekt der- schafft. Ich bin durchaus "gewillt, alle meine militärischen Matznah men restlos zu d e ck e n. Den Versuchen, das russische System bei uns einzuführen, werde ich mit aller Energie entgegentre­ten. Wenn es beißt, zu entscheiden, das Leben von ein paar tausend Tollköpfen aufs Soiel zu setzen, um damit Hunderttausende von ruhigen Bürgern zu retten, dann werde ich entscheiden, wie in Berlin, Hamburg, Bremen und München. Das Soldatentum das wir ein. richten mußten, ist nicht mein K>eal, aber wir wüsten uns fügen. Gewiß sind viele Offiziere monarchisch ge­sinnt, aber wenn man aufbauen will, muß man Leute haben, die es verstehen. Ein Heer ohne Diszi­plin i st ein Affenspiel.° Eine Truppe mit selbstgewahlten Führern springt im Moment der Ge­fahr auseinander wie Glas. Wenn ich die Frage ent­

mmütze Demonstrationen die Beunruhigung, unter der unser Volk schon genug zu leiden hat, noch weiter zu steigern. Daß mit diesenDemonstrationen irgend ein ernstlicher politischer Erfolg erziel wird, tst doch ausgeschlossen. Der Kultusminister hat übrigens $u dem Erlaß über die Entfernung von Wahr- reichen der alten Staatshoheit aus den Schulen einen Kommentar veröffentlicht, worin es

In völliger Verkennung der Absichten des Kuüusnü- nisters und im Widerspruch zu den Ausführmigen, die der Minister selbst und seine Vertreter schon in der Som- mertoqunq der Landesversammlung wiederholt Haden, sind vielfach auch Bilder Friedrichs des Großen, des Frei- Herrn v. Stein, Bismarcks, Moltkes, Hindenburgs, Wed- diaens ufw. aus den Schulen entfernt worden. Das hat an zahlreichen Orten zu bedauerlichen Zwischenfällenge­führt. Um solche künftig zu vermeiden, hat der Kultus­minister auf eine Anfrage des Provinzialschulkollegmms in Maodeburg hin allen Provinzialfchulkollegnm und Re­gierungen gegenüber ferne Austastung m einem neuen Erlaß nochmals formuliert. Der entscheidende Passus dieses Erlasses lautet folgendermaßen:Zu en.semen find nur Bildnisse des deutschen Kaisers und des Kronprinzen, nicht auch solche von Per» sönlichkeiten, deren Wert und Bedeutung unabhängrg von ihrer Beziehung zu der jeweiligen Staatsautorität ge- fchichtsich feststeht" f

Es ist zu hoffen, so wird dazu halbamtlich bemerkt, daß mit dieser Regelung sich nunmehr _auch die in Erregung geratenen Schüler gewisser höheren Lehr­anstalten und deren Eltern abfinden werben.

Don btt Lügtnflnt gegen Erzberger. Im Kampf um die Beseitigung Erzbergers haben seine zahlreichen und erbitterten Gegner auch auf Zusam­menhänge seiner politischen Tätigkeit und seines ge­schäftlichen Interesses bei der Berger A.-G. fürs Tiefbau angespielt. In der Zeitschrift®a5 Freie. Wort" teilt nur der Chef der Firma Tiefbau A.-G^i Julius Berger, mit, daß er in Berlin einen Be-' leidigungsprozeß angestrengt habe wegen der Behauptung, seine Firma sei bei der Vergebung bon: Arbeiten, die in Eonstanza ausgeführt wurden, von Erzberger begünstigt worden. Die Gesellschaft habe" in Constanza nie' Arbeiten ausgeführt, und^ zwischen der Firma und Erzberger beständen übet« Haupt keine Beziehungen.

* Ta« Ländchen der unbegrenzten Möglichkeiten. In Gotha herrsch»« bekanntlich dir Unabhängigen. Sie wirken vor allem kräftig in Schulreform, stehen auch vor bet Proklamation der Räteregierung. Jetzt pensionierte die unabhängige Landesregierung ohne Angabe des Grundes sämtliche Bezirk»« Schulinspektoren der Lander und setzte neue, ein. Der Ob erbürgermeister Liebetau in Gotha reichte für den 1. Januar 1920 ein Pensious «Gesuch ein.,

* Ein revolutionärer Matrofenbunb soll aus An­hängern der früheren Volksmarinedivision Usid dev republikanischen Soldatenwehr nach Meldlumrpe^t»- stehender Blätter gebildet worden sein. Er solle bei dem erwarteten Sturz der Regierung bet kommu­nistischen Partei dienstbar sein. In allen größeren Städten de» Reiches seien Abzweigungen de» Bundes im Entstehen. Die Zentrale sei in Berlin. Der Bund arbeite im strengsten Einver­nehmen mit der Kommunistischen Partei. Waffel seien in genügender Zahl vorhanden.

* Ehstemwechsel in England? Anläßlich deS Wahlsieges Hendersons in Widnes erwartet man in englischen politischen Kreisen baldige Neue Wahlen zum Unterhaus«. Lloyd Georges Rat« gebet verlangten entweder eine vollständige Rekon« ftruktion de» Kabinetts oder Neuwahlen.

* Japan» Gewaltpolitik in Korea. ,Sven»ka Morgenbladeff bringt au» Missio nSkreisen einen Artikel, bet die Gewaltpolitik Japans in Korea scharf geißelt. Die koreanische Freiheits« beweguug werde blutig unterdrückt; tau« sende von Koreanern wurden verhaftet, gefoltert und getötet. Alle Briefe der in Korea tätigen Missionar« sind voll von Schilderungen über da» brutale Vorgehen der Japaner. Diese scheinen es besonders auf die Schüler der amerikanischen Missionare abgesehen zu haben, während sie sich an die letzteren selbst nicht wagen.

Dem Obersten Reinhardt, Führet einer Rcichs- wehrbrigade, wat von dem Offizierstellverireter Neuendorf öffentlich vorgeworfen worden, daß er die Regierung al» Lumpengesindel und die schwatz- tot-goldene Fahne al»Judenfahne" bezeichnet habe. Hierzu wird an zuständiger Stelle erklärt:

Die Anklagen von Neuendorf gegen Oberst Rein­hardt sind ein Ra cheakt Neuendorf» wegen seiner Dienstentlassung, die seinerzeit wegen grober Pflichtver­letzung erfolgte. Wie äußerst vorsichtig die Angaben Neuendorfs bewertet werden müffen, geht au» f ein en Vorstrafen hervor. Die Firma Krattert in Heidel- berg teilte mit, daß Neuendorf etwa seit 1901 bei ihr in Stellung gewesen und wegen Unterschlagung zu Gefängnis verurteiit worden sei. Eine Anfrage bei der Staatsanwaltschaft I in Berlin ergab aus dem Strafregister die Bestrafung Neuendorfs mit Gefängnis wegen Urkundenfälschung, Hausfriedensbruchs, Auffor­derung zu strafbaren Handlungen, wegen Entlaufens als Schiffsjunge und Hehlerei. Am 16. April 1918 - wurde Neuendorf durch kriegsgerichtliches Urteil zu 'sechs Monaten Gefängnis und Degradation ver­urteilt. Wie eS Neuendorf anscheinend mit gefälschten Militärpapieren gelungen ist, wieoer in der Truppe zu erscheinen-, wte und ob er zum Offizierftdllvertreter be­fördert^ Worten ist, konnte bisher noch nicht festgestellt werden. Trotzdem die Glaubwürdigkeit Neuendorss demnach in äußerst zweifelhaftem Licht erscheint, sind bon zuständiger Seite sofort Ermittelun­gen über die Angelegenheit des Oberst Reinhardt ein­geleitet worden, die folgendes Ergebnis hatten: 1. Oberst Reinhardt betrieb bei dpn Truppen keine monarchistische Propaganda. 2. Die An­gaben Neuendorfs betr. die angeblichen Aeußerungen des Obersten Reinhardt sind nach Form und In­halt unwahr, besonders' hat letzterer niemals durch öffentliches Reden das Ansehen der Regierung herabzusetzen versucht. >

Osfizlerskellverlreler Neuendarff.

Der Republikanische Führerbund hielt seine erste öffentliche Versammlung ab, die eine Kundgebung für die Verfassung von Weimar darstellte. Zu einet Sensation führte das Auftreten des Offiziersstell- veftreters Neuendorfs, der unter seinem Ehrenwort die Mitteilung machte, daß er 54 Jahre alt sei, den gan - zen Krieg an der Front mitgemacht habe und noch niemals vorbestraft fei. Oberst Reinhard hätte seiner Zeit selbst in seinen Paß den VermerkFührung sehr gut" eingeschrieben. Das Verl. Tagebl." meint, die Regierung müsse eine neue Untersuchung einleiten, um zu prüfen, ob sie einer Namensverwechselung zum Opfer gefallen ist.

veutfHr» Reich.

* Berlin. Der frühere Wirtschastsattachö bet italienischen Botschaft in Berlin, Professor Labriola, ist in Berlin eingetroffen, um sein altes Amt wie­der zu übernehmen. Damft sind die diploma« tischen Beziehungen zu Italien wieder an­geknüpft. Die preußischen Bestimmungen über den Austritt ans der Kirche sind jetzt dahin abgeändert, daß der Austritt vollkommen kosten­los durch einfache, aber nut mündliche Erklärung auf dem zuständigen Amtsgericht erfolgt, und daß die Kirchensteuer nur noch für da» Vierteljahr $1 bezahlen ist, in dem der Austritt erfolgt.

* Die AnwaltSgebühre«. Der in Leipzig abge­haltene außerordentliche deutsch« Anwalts taf forderte in einet gefaßten Entschließung: 1. Erlaß von Notverordnungen auf Erhöhung der gegen­wärtig geltende» Gebührensätze um mindest«»? 50 Prozent, 2. Erlaß einer Notverordnung zur Uebernahme der Gebühren und Anklagen der An­wälte in Atmensach«» auf das Reich, 3. Inan­griffnahme einer organischen Reform bet Ge­bührenordnung für Reich und Länder im Ein­vernehmen mit Vertretern der Anwaltschaft und unabhängig von einer Neuordnung de» gerichtlichen Verfahren». Bis zur gesetzlichen Regelung will die Anwaltschaft im Wege der Selbsthilfe und freien Vereinbarung eine Steigerung der Gebühren herbeiführe».

* Das Gesetz über da» Branntweinmonopol macht ein neueSReichsamt nötig. Der Reich»- minister der Finanzen hat jetzt ausführliche Grund- beslimmnngen dazu erlösten. Diese regeln die Er­mittlung, Versendung, Reinigung und Einlagerung des Branntwein», daS Brennrecht, die Brennerei» ordnuna, die Vergällung, die Ausfuhr usw. Die neuen Bestimmungen treten am 1. Oktober in Kraft. Die Aufsicht über die Monopolverwaltunc; hat der Reichsministrr Cer Finanzen. Et kann mit den Be­hörden des Reiche» und der Einzelstaaten in un« mittelbaren Schriftverkehr

Rüstung für den Winter des Mißvergnügens.

mnerferien der deutschen Nationalversamm- t>cm Ende zu und schon regt sich wieder in EL bas eine Zeitlang zurückgedämmte litifdje Interesse. Die Minister _ ? n Sommerfrischen heimgekehrt und schon W T ar nieder hochpolitische Reden. Herr I mann, der erste Ministerpräsident der Bjfamblif, hat, wie wir berichteten, auf feiner L^ein-n Wählern in Kassel eine Rede ge= RL iebcnfalls der Well verkünden sollte, daß ibemann wieder da ist und aktiv emzngreisen gewillt ist. Wobei es sich rm ' Scheidemann nicht versagen konnte -Sassen" willen sehr rücksichtslo gegen Noske Offiziere der Reichswehr loszuziehen. Ehemann den Zylinder wieder mit der Bal- ' vericnüchen?

MM haben insbesondere auch seine Worte Bildungsmöglichkeit einer Re- - gefunden. Scheidemann ist nach wie vor * daß nur eine Regierung der demokratischen 'en unter den jetzigen Verhältnissen möglich darum sowohl eine Regierung von rechts Regierung von Links gegenwärtig völlig un» feien. Für Herrn Scheidemann ist natürlich tung ohne die Sozialdemokratie Efenfimr und man wird ihm zugestehen müffen, tz der Tat eine Regierung kaum Bestand haben Ke gegen die Opposition, die passive, vielleicht Wve Resistenz der sozialistischen Parteien an- ta müßte.

der verfehlten Politik früherer ^zehnte ist die Sozialdemokratie in Deutsch- ffn einmal zur stärksten Partei angewachsen und W gegebenen Verhältnissen muß jeder Politiker m und sie so zu gestalten sich bestreben, wie es Liesse des Vaterlandes dienlich und nötig ist. Mmntnis, daß ohne die Sozialdemokratie keine Mige Regierung im Reiche gebildet werden I jug(eid) mit dem Willen, die aufbauenden Kräfte Keitums in der Reichsleitung zur Geltung zu U haben nach dem Zusammentritt der deutschen ^Versammlung zur Bildung einer Regierung Demokraten. Demokraten und Zentrum ge= die den ausgesprochenen Zweck verfolgten, die Aufbau des Vaterlandes entschlossenen Kräfte zu lün unb auf der mittleren Linie wirt- w machen.

fe indeß galt, beim Abschluß des Friedensvertra- Üt erste große Verantwortung vor dem Volke ta Zukutfn des Reiches zu übernehmen, hat den Jotraten der Mut versagt und Zen- Md Sozialdemokraten allein mußten den schwe- Mchluß zur Unterzeichnung des Friedensver- WHen. Allein haben sie dann auch das große [ter Rcichsfinanzreform in Angriff genommen; P sie die Neichsoerfasiung unter Dach und Fach Bt hatten. Die Demokraten haben erkannt, daß Deutschland auch ohne sie regieren läßt, aber der demokratischen Partei selbst ist die Un= Mett mit der von der Fraktion in der Natio- wmlung befolgten Taktik immer wieder laut fcite Steife der demokratischen Partei sehen vor [ffl eilt, warum dieselbe sich der Regierung Wen soll, nachdem die eine Streitfrage, um die pnaten die erste parlamentarische Reichsregie- M-emander gefallen ist, längst erledigt ist. Mit Ärmlichkeit wird die Frage der Wiederbe- Pö8r Demokraten an der Reichsregierung jetzt E ®° "te Nationair erfammlung wieder zufam- M und gesetzgeberische Aufgaben von größter W« ihrer Erledigung harren.

Bit auch der Umstand, daß wir im ptteraus ernsten Wochen und Mo- Ui. en.se hen, die der Regierung eine i > 2-eagflächc «erwünscht erscheinen lassen LH^",m'^enber die Volkskreise sind, auf die F w^slejtung stützen kann, um so besser ist es bewalligenden Aufgaben.

r^jepung für jede Umbildung und Erweiterung ffetif 4.erun9 °^cr muß fein, daß wahrhaft d e- Mn boL;LC n un\ soziale Gesichtspunkte ihr E'p?een, müssen, denn nur dann wird sie

^inbm Un$ 3« energischer Führung

p Durchführung des Friedens.

Ratifikation Frankreich».

j^'^fanwtio» meldet aus Paris: Die em 9 = cc* FriedenSvertrageS mit Deutschland üho'r^?.eNtmbtr stattfinden, da die Be- n»Jtnan8ieHen Fragen bi»zs

K e " ankauern werden.

|nf,t®8e «brr da» Schicksal Danzig».

ö. P. r'£ Wird, hatte die deutsch« Regierung Z &ftne Note an die Entente ge- sie. um Auskunft über da» Schicksal kithunkt ^/s£iiaates Danzig, insbesondere über FWtQtPn k68 AurscheidenS aus dem Reich, 15,1 ter » 6e§ Überganges usw. bat. Eine Nt °f dies« Note ist bis jetzt

diesem Grunde hat Deutsch- eine Mahnung »ach Versailles ab-

fetal » 5,8 Hoffnungszweig.

erklärte im südafrika ni- Msei, bah p nt> daß den Deutschen mitgeteilt wenn einige Bestimmungen deS undurchführbar seien, sie im Völ- i"gere Bedingungen erlangen t$U5 yr«.

yeip d Annunzios in Fiume.

IUtti-rfip Annunzios, der mit 2800 Mann in ltn ' stehen nach Pariser Ansichten in ^rfpruch zu den Beschlüs- D^ichrn st>n . und mit der loyalen Haltung E rltuns- Italien hegt den äußerst m?. hanE» dem zu widersetzen, daß un- Bt». rv pn neue Differenzen in Fiume Stenin. n offiztellen Kreisen hält man die r* 5n5,inrAUnfl für verpflichtet, d'Annunzio v ^t! torx öur Ordnung zu weisen. Der lieg mit der Auaelegenheit beschäf-