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Druck der Fuldaer Aette«dr«ckerei t« Fnld«.

jn 211»

13. September 1919.

lfut§ und Strueraesehgebunft.

«ert der deutschen Mark im Auslande sinkt jiefer und hat neuerdings einen Tiefstand niemals zuvor, obschon in den letzten besonderer Anlaß zur Entwertung ersicht- »rden ist. *

»ede des französischen Finanzministers Klotz, «prubiaung -seiner Landsleute die Geldver- ,n Deutschlands rechtklotzig" darstellt, ' schwerlich einen erheblichen Eindruck auf . unö Börsenleute gemacht haben, da es den indiaen ja längst bekannt war, was der ertrag uns aufhalst.

He gegenwärtige Lage der deutschen Aus» \t ja für unseren Kredit am Weltmarkt we- w sieht nicht verschlechtert. aus; es sollen so- chandelsbestehungen zum Ausland sich neuer» belfert haben.

druckend wirkt, ist allerdings die Unsicherheit wirtschaftliche und politische Entwicklung im £n Winter. Die Kohlennot kann zu er« Störungen der produktiven Arbeit führen, der Arbeitslosigkeit können bedenkliche Un» Metzen. Die Kohlennot bedroht auch Frank- England; deshalb ist es kein Wunder, wenn Valuta diesersiegreichen" Mächte zurück- :r Rückgang des französischen Frank und des Pfund ist freilich ein schlechter Trost für uns; e Werte büßen nur einen kleinen Prozentsatz j 100 deutsche Reichsmark aber zahlte man in am 10. September nur noch 21 Franken, i men im Frieden 123,45 und selbst zur un« en Zeit 1917 noch 60,50 dafür zahlte. So Die Mark hat heute nur noch den sechsten ihres Friedenswertes. Die allgemeine Un« I, die durch die Fabrikanten des schlechten .Vertrages verschuldet ist, lastet leider am in auf den Schultern der Besiegten.

müssen bei dem ungeheuerlichen Kurssturz tschen Mark noch besondere Triebkräfte mit« Man kann sich des Verdachtes nicht erweh- ß eine böswillige Spekulation mit sehr Mitteln im Gange ist,um den deutschen Kredit zu ruinieren;

ge vermuten, daß der ausgedehnte Schmug- nentlich an der besetzten Westgrenze, sich im- rter betätigt, die Hoffnungen untergräbt, die uf einen Aufschwung des gesetzmäßigen Han- kehrs gesetzt hat.

i wichtiger ist noch der Hinweis auf die verflucht. Wenn pflichtvergessene Deutsche He Werte In deutscher Währung ins Ausland ji. io steigert sich dort das Angebot von deut- Papiergeld und bei mangelnder Nachfrage sinkt ireis der Mark. Auf diese Weise wird wieder ii, was die neuen Steuern Gutes schaffen konn- Denn die eifrigen Bemühungen des Finanzmini- und der Nationalversammlung, den Haushalt Eichgewicht zu bringen, müßten doch eigentlich cedit des Reiches heben. Die Steuerflucht er« ! aber wieder das Vertrauen des Auslandes ne Leistungsfähigkeit.

ist ia auch längst die Notwendigkeit erkannt, iranberung des steuerpflichtigen Vermögens ei- iegcl vonufchieben. Doch leider ist der Riegel Mitig besprochen und noch nicht geschmie- orden. Der Plan des Umtausches und der Ab- una der Geldzeichen und Wertpapiere hat auf« i werden müssen, nachdem leider das Geheim- durchbrochen war. Jetzt berät man über Maßnahmen zur Aufdeckung und f e st Haltung des steuerpflichtigen >ögens, aber es ist noch keine befriedigende der schwierigen Frage abzusehen. Der neuer« , besprochene Gedanke, den Steuerpflichtigen emen förmlichen Eid zur Offenba- - feiner ganzen steuerlichen Geheimnisse zu , hat doch seine ernstlichen Bedenken.Und nicht in Versuchung." In Amerika ist der ! xSoßbetriebe üblich; doch sagen alle Sachkenner, "een dort mehr falsche Eide geschworen, En. anderen Ländern.

k Reichsminister der Finanzen kehrt jetzt von U l ,QU5. &er Schweiz zurück. Nun möge er, W durch die persönlichen Streitigkeiten stören E, seine ganze Kraft dem Fortgang der Steuer- widmen, und zwar vor allem den Maß- »^haltpng des flüchtigen Vermögens , L Aufdeckung des versteckten Kapitals. -^,-uusland steht, daß wir noch gute Steuer- -Moen und sie auch auszunützen verstehen, so

Unpolitische öeitiäufe.

8ex I in, 9. September 1919.

reifne r r ei f 3 sind in einigen Sehranstalten imJ,' Uieil man die Kaiserbilder ans den entfernt hatte"

urteile beides, sowohl die Dilderstürmerei hj, z^^eststreik. Die neuen Machthaber hätten Ar 661 ^rer Vorgänger hängen lassen sollen.

UfÄ von oben herab die Revolution im befohlen wurde, so hätten die Schüler so ! ollen tote die erwachsenen Anhänger L sind, indept sie ihre Überzeugung und aber sich dem Zwange der Verhält- tr r-^I.st^leres fügen. Dem innerne Frieden t ,-Tu?°blfahrt muß man Opfer bringen. Wer als der beste Teil. Durch treue ^^richung und kluges Abwarten wird mehr Dew^I r Zukunft erworben, als durch verpuf- ^^Mtrattonxn.

Erlernung der Bilder ist ebenso eine hohle i 71, lvie der Schülerstreik, Glmiben die i (j- baß der Bestand der Republik von den m9ß?en i-chulwänden abhangt? Was die Sckni- > un demselben Flecke hangen sahen, macht M§u^r keinen erheblichen Eindruck mehr. Die ME,sUunblt ab. Erst wenn die hergebrachten werden, gibt es eine Aufregung. Der nL feOet lauter als das gewohnte Bild, und H6g[^,n neues Bild, als Ersatz anbringt, so wird' öwischen der alten und,i*er neuen Zeit igen 'm''- 8Ur die neuen Machthaber und ihre h' es sehr gewagt, wenn sie durch ihre 6erA Een Dildmsie der gekrönten Häupter tein«» tan Männer ersetzen wollten. (Dabei esegfoega anspielen auf das häßliche Bild, liinLr^:Tle Berliner Zeitung brachte, indem n D^s'cks-Lichtbild von Ebert und Nosle in /Öffentlichkeit brachte. Das war ein e'ncS jener Lichtbilder, wie sie von

Sus»»,.'ot°CriTpI)en in den Badeanstalten an tro,. D -',n~niert werden. Die Veröffentlichung werden.)

t . für Unterricht meint nun, gerade »it ; "?ben der Kaiserbilder werde der poli- !». '^-bie Schulen getragen. Das laste ich BKn Müßten denn gerade unter den Srbü- bie durch Schmähungen an den Bil- n ^°nen Größen ihr Mütchen kühlen' tooll- ,-3te es Sach: der Lehrer, (auch der demo- ; $nLa gesinnten Lehrer), diesen Roh' rvmrwerk zu legen und ihnen klar zu ma-

wird auch unsere Währung neues Vertrauen gewin- neu und sich von dem unnatürlichen Tiefstand wieder allmählich emporringen.

Zeitgemäß ist nebenbei auch noch die Mahnung, daß wir in der Oeffentlichkeit nicht zu viel jammern und klagen sollen. Es herrscht vielfach die Nei­gung, unsere schwierige Lage recht schwarz auszuma- len. Wenn wir selber keinen Mut und keine Hoffnung mehr zeigen, so können wir vom Ausland auch keine günstige Schätzung unserer wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse erwarten. Wir müssen den Kops oben behalten und der Welt unsere Lebensfähigkeit zeigen.

Das Gesetz gegen die Kapitalflucht. '*'

Mit einer bedauerlichen Verspätung hat das von der Nationalversammlung bereits im August im Eil­tempo verabschiedete Gesetz gegen die Kapitalflucht nunmehr am 8. September die verfassungsmäßige Un­terschrift des Präsidenten erhalten. Es ist am 11. September in Kraft getreten. Gleichzeitig ist nun­mehr die Möglichkeit gegeben, die Devisenord­nung vom 8. Februar 1917, die nur in einigen we­nigen Punkten durch das Kapitalfluchtgefetz sortge- sührt wird, außer Kraft zu setzen. Die hierauf bezüg­liche Bekanntmachung hat seit dem 2. Juli fertig Vor­gelegen und nur auf die Vollziehung des Kapitalflucht- gefetzes gewartet. Ferner wird aufgehoben die Be­kanntmachung vom 16. März 1916, welche Zahlun­gen nach dem Auslande im Wege des Nachnahmeoer- kehrs verboten und den Grundsatz aufgestellt hatte, daß bei Eilenbahngütersendungen nach dem Auslande die Fracht in Ueberweisung zu stellen sei.

Der russische Bauer und der Bolschewismus.

Wie der Bolschewismus in Rußland mit feinen Reformen auf allen Gebieten versagt und Unzufrieden­heit, Not und allgemeines Elend angestiftet hat, so in ganz besonderer Weise auch auf dem Gebiete der Landwirtschaft. Von der Sozialisierung ist natürlich auch der Grundbesitz nicht verschont ge­blieben. Alle Güter der Großgrundbesitzer wurden auf Veranlassung des Staates aufgeteilt und an Ta­gelöhner, teilweise sogar an Leute, die aus den Städten auf das Land übergesiedelt sind, Tagediebe und Arbeitsscheue, abgetreten. Der Besitzer durfte nur noch soviel Grundbesitz erhalten, wie er mit feinen eigenen Kräften ohne jegliche Unterstützung von ande­rer Seite bebauen konnte. Da auch alles Acker­gerät enteignet und an die neuen Besitzer ver­teilt wurde, so blieb den meisten Grundbesitzern, die nun einmal nicht an selbständiges Arbeiten gewöhnt waren, nichts anderes übrig, als auch noch den Rest dir 'hnen gelaßenen Habe weit unter Preis an andere Kleinbauern zu verteilen, wenn es ihm nicht schon frü­her durch radikale Bolschewisten, die unter dem Schutze der Rotgardisten und den Städten aufs Land zogen, genommen war. Vielfach hat man den Bauer zu­gleich mit der Aufteilung seiner Hobe von Haus und Hof verjagt, völlig ausgeraubt und mißhandelt, sogar vor Totschlag schreckte man nicht zurück.

Wenn die russischen Kleinbauern von der Sozialisierung einen Zuwachs an Grund und Bo­den erwartet hatten, so sahen sie sich bitter enttäuscht, als die bolschewistischen Kommissionäre daran gingen, auch ihnen das Eigentum zu nehmen, wenn sie nicht in der Lage waren, es allein bewirtschaften zu können, ober wenn ihnen zu rechten Bebauung Gerät und Be­dienung fehlte. Alte Leute, deren Söhne auf den Schlachtfeldern gefallen waren, und die nun nicht mehr fähig waren, ihren Acker allein zu bestellen, mußten ebenfalls von ihrem Eigentum ziehen, ohne ihnen eine Vergütung dafür zu bieten ober ihnen Un­terstützung für die Not, der sie entgegengingen, zu ge­wahren. So kam es auch, daß die Unzufriedenheit auf dem Lande ebenso zunahm, wie in den Städten. Als aber die Bolschewisten daran gingen, auch bie ei »ge­erntete Saat ohne Entschädigung zu enteignen, da weigerten sich die Bauern, diesen Befehlen nachzukommen. Bewaffnet wurden regel- rechte Schlachten geliefert, in denen die Bauern in­folge der Uebermacht und besseren Ausrüstung den Rotgardisten natürlich unterlegen blieben. So wur­den ganze Dörfer vernichtet, ihre Einwohner hinge­schlachtet und ihr geringes Eigentum geraubt. Sehr unbeliebt haben sich überall die bolschewistischen Dorf­komitees gemacht, welche über das gesamte Eigentum und den Ertrag der Felder das oberste Verwaltungs- vnd Aufsichtsrecht ausüben. Sie sind zumeist aus

chen, daß jeder vernünftige Mensch sich mit den ge» Wchüichen Tatsachen abfinden muh. Kaiser Wil­helm II. hat über 30 Aahre regiert und aus die Ent- toicklung in Staat und Reich in dieser langen Zeit einen sehr bedeutenden Einfluß gehabt. Sein Bild bildet einen unauslöschlichen Bestandteil der Zeit­geschichte und darum gehört es auch vor die Augen der Schuler, die Weltgeschichte lernen sollen.

Sollte ein Kaiserbild in der Schule ein Stein de? Anstoßes fein, dann müßte man ja auch die Denk­mäler auS der monarchischen Zeit von den Straßen und Plätzen entfernen. Wücklichertoeise hat bie Revo­lution uns mit solcher rohen Bilderftürmerei noch ver­schont. Auch die Radikalen, die immer neuen Umsturz borbereiten, lasten die Bildwerke ruhig stehen und kon- .vntrieren ihren Haß auf die lebenden Machthaber der Gegenwart, an deren Stelle sie gern treten möch. ten. Sogar die große Ahnenrerhe in der Berliner SiegeSallee steht noch unbehelligt da. Sie hat von An- fang an viel künstlerifche Kritik gefunden' aber daß in diesen Figuren einereaktionäre Gefahr" stecke, haben nicht einmal Liebknecht und Genossen empfun­den, die gerade in der Siegesallee ihre Gefolgschaft zum Parademarsch durch Berlin zu sammeln pflegten.

In dem Berliner Rathaus ist freilich von einem Unabhängigen die Umläufe der Stra ßen an­geregt worden, weil wir zu viel Kaiser-, König-, Kur. fürsten- usto.-Straßen mit oder ohne Zusatz von Eigen­namen halten. Diese Wiedertäuferei ist jedoch bisher nicht in Angriff genommen worden. Erstens haben wir viel wichtigere Aufgaben und dringlichere Sorgen; zweitens nimmt die Volksseele, soweit sie nicht künst­lich aufgehetzt wird, keinen Anstoß an den altenmo­narchischen" Straßennamen; drittens ist es technisch sehr schwierig und vielfach wirtschaftlich schädlich, wenn man eine so große Anzahl von Straßen und Plätzen neu benennen soll. Woher soll man all die neuen Titel nehmen? Es gibt gar nicht sovielre­volutionäre" Berühmtheiten in Deutschland, um den Bedarf zu decken. Schlagt doch mal ein , Schild an die Ecken der Noskestrahe, Ebertftraße, Scheidemannstraße, dann werden die Unabhängigen und Spartakisten sie abreißen und ihre Anhänger in den betreffenden Stra­ßen zur Revolution oder wenigstens zum Proteststreik aufceizenl

Die Franzosen haben sich nach der Umwälzung von 1870 eineStraße des 4. September" geschaffen. Sol­len wir vielleicht Berlin mit einerStraße des 9. November" beglücken? Tie französische Spvack)e ist schmiegsamer und hat den Vorteil daß bei ihrer Orts, beZeichnung stets das Wort Straße boransteht. (Rue de...) Bei dieser FassungStraße von . . ." kann man auch eine längere Bezeichnung anbringen; im

ehemaligen Sieben und Verbrechern, die von den Bol­schewisten aus ihren Ecfängnisien befreit worden sind, zusammengesetzt und genießen völlige Freiheit In ihrem Handeln und Tun, können jeden Bauer, der sich irgendwie verdächtigt ober unbeliebt gemacht hat, verjagen und fein Gut beschlagnahmen.

Wo solche Zustände herrschen, kann naturgemäß auch feine Lust zur Arbeit und Liebe zur eigenen Scholle aufkommen. Es ist dämm auch garnlcht zu verwundern, baß gerade auf dem platten Lande die Gegenrevolution mit allen Mitteln vorberei­tet wird. Der russische General Denikin, der den Schauplatz seiner Kämpfe gegen die Bolschewisten hauptsächlich nach dem« fruchtbaren Süden verlegt hat, findet darum auch überall hilfsbereite und tatkräftige Unterstützung von Seiten der Bauern, deren Dörfer von seinen Truppen eingenommen werben.

Für den Bolschewismus aber beleuchtet der Ver­lust der Ackerbaugebiete ein Verlust seiner Lebens, kraft. Sobald die Erhebung der Bauern allgemein geworben ist, ist er zum Absterben verurteil.

Der größte Angeslelllenverband der Dell."

Das Wolfflche Büro hat folgende Meldung ver­breitet, bie auch vielfach unbesehen in die deutsche Presse Aufnahme gefunden hat:

Die zwischen dem Zentralverband der Handlrmgsgehil- fen, dem Verbände der Büroangestellten und dem Der- bande der deutschen Versicherungsbeamten geführten Der- Handlungen haben auf einer Tagung am 8. und 9. Sep­tember 1919 in Weimar zur Vereinigung zum Z e n t r ab verband der Angestellten geführt. Damit ist die freigewerkschaftliche Einheitsorgani­sation für alle in Handel, Verkehr, Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft tätigen Handlungsgehilfen unb, Büro» angesiellten sowie für die in der Sozial- und Brioatver« sicherung, bei Behörden und Rechtsanwälten beschäftigten Angestellten geschaffen. Der neue Verband steht beschiuß» gemäß auf dem Boden strengster parteipolitischer Neutralität imd ist mit über 350 000 Mitgliedern der größte Angestelltenverband der Welt.

Dazu wird uns aus Handlungsgehilfenkreisen tref­fend geschrieben: Die vom Wölfischen Büro verbreitete Mitteilung, baß der Zentralverband der Handlungs­gehilfen sich mit zwei anderen Angestelltenverbänden verschmolzen habe und jetzt den größtenAngeftellten- verband der Welt" barstelle, ist insofern irresüh - renb, als sie den Anschein erweckt, als handele es sich um einen Zusammenschluß ber verschiedenen An­gestelltenverbände auf neutraler Grundlage. 3n Wahrheit ist ber neue Zentralverband ber Angestellten nichts anderes als der alteZentralverband der Hand- lungsachilfen", verstärkt um zwei ebenfalls freige- werkschaftliche Verbände, den der Siiroange- stellten und den der Dersicherunysbeamten. Die Lei­tung des Zentralverbandes steht stark unter dem Ein­fluß ber Sinfsrabifalcn. _Sämtliche nichtso- ziakdemokrotischen Anaestelltenverbände, die an Zahl außerordentlich viel stärker sind, stehen dem neuen Zentralverband vollständig fern.

Die deutschen Bauernvereine.

Sn Berlin tagte unter dem Vorsitze des Herrn von Kerkerinck-Borg eine aus allen Landes- teilen sehr zahlreich besuchte Versammlung ber Ver­einigung der deutschen Bauerntage. Der Vorsitzende begrüßte den als Gast erschienenen Unterstaatssekretär Busch aus dem Landwirtschaftsministerium und ver- sicherte ihn des vollen Vertrauens der deutschen Bauernvereine, denen er ja durch seine langjährige Tätiokeit im Rheinischen Bauernverein bekannt sei. Unterstaatssekretär Busch dankte und legte eingehend seine Stellungnahme zu den Fragen der lanbroirtfcbaft« lichen Berufsstände dar, bie den ungeteilten Beifall der Versammlung fand.

Eingehend berichtete man sodann über folgende zeitgemäße Fragen: Die neue Gesetzgebung und die Landwirtschaft; der zweckmäßigste Aufbau von Dauernoereinsorganisat'wnen; die Zwangswirtschaft; besonders lebhaft und eingehend wurde das Thema behandelt DieVauernoereineunddienach- sten Wahlen. Die Verhandlungen , ließen den energischen Wunsch erkennen, die landwirtschaftlichen Berufsstände bei den nächsten Wahlen mehr zur Gel­tung zu bringen und kein Mittel unversucht zu lassen, um bei den kommenden Wahlen eine gerechtere Vertretung der Landwirtschaft in allen bürgerlichen Parteien herbeizuführen. Besonders leb* hast wurde die Vereinigungderchri st lichen Bauernvereine und ber rheinischen Bauernvereine bei der Aussprache gewürdigt.

i inuTOMa-E« .............

Deutschen aber wirbStraße" an den Schluß d-s Titels gesetzt, und der kennzeichnende Name muß ent. weder ein Eigenschaftswort fein (z. B. Bayerische Straß«) oder sich zum ersten Teil eines zusammen- gesetzten Hauptwortes eignen (z. B. Friedensstr.). Wo man längere Titel gewählt hat (z. B.Prinz August von Württemberg-Straße"), ba gibt es Schwierigkeiten beim Schreiben und beim Sprechen, ba hat bie Büro­kräfte der Sprache Gewalt angetan. Will man solche unpraktischen Straßennamen verbessern, immer zu; aber die handlichen Namen soll man ruhig bestehen las­sen, wenn sie auch an Monarchen oder Helden aus der monarchischen Zeit erinnern. _

Wenn die Republik bie alten Bilder, Statuen und Namen zu fiirchten hat, so ist sie Überhaupt nicht lebens« fähig. Dann kann sie sich bie Bilderstürmerei unb die Wiedertäuferei überhaupt sparen und ihren Nachfol. gern als Geschichte überlasten.

WaS nun die S ch ü l e r st r e i k S angeht, so bin ich der Meinung, daß die grüne Jugend über. Haupt ihren Tatendrang zügeln sollte, bi3 sie wenigstens zweimal genullt hat. Mit 20 Jahren bekommt ja jedeS Fräulein und jedes Herpl-in das Wahlrecht. Da fön. nen sie mit dem Stimmzettel sich wirksam betätigen. Bis dahin sollen sie lernen und nicht demonstrieren. Ms mildernden Umstand lasse ich ja gern gelten, daß Streiken und Demonstrieren jetzt eine Volksseuche bildet und viele Erwachsene der Jugend ein schlechtes Beispiel geben. Aber es liegt auch ein gutes Bei- spiel vor vonseiten der positiven Parteien, die unter Entsagung und Opfern Mitarbeiten an der Reftung deS Vaterlandes, obschon ihnen Mel unangenehmere Tinge zustoßen, als die Entfern«»»« von Wandschmuck.

Soeben (jaber. bie Unabhängigen in Berlin einen sog. I u g e n d t a g carf bte Beine gebracht, und das Ende vom Siebe war, chatz die verführten Burschen von 14 bis 17 Jzihren mit der polizeilichen Wehrmacht zu- ssmmenstießen, wobei es fünf Verwundete gab. Im Demonstrieren sind uns die Radikalen auf der Sinken überlegen; sie scheuen sich nicht, auch die unreife Jugend als Kanonenfutter zu mißbrauchen. Tie bestere Jung- mannschcrft, bie noch Pietät und Sinn für Ordnung und Liebe hat, muß durch Vernunft und Selbstbeherr­schung sich auszeichuen und zu der Erkenntnis kom» men, daß bie gute Sache nicht durch kleinliche Krawalle, sondern nur durch zähes Aushalten und treues Arbeiten zum Siege gelanqcn kann.

Vergeudet nicht die Kräfte im Streit um Bilder oder sonsftge > Aeußerlichkeiten, sondern spannt die Kräfte und übt sie, bis sie beim Kamps um die Sache selbst xntscheidenb in die Wagschale geworfen werden können.

Es wurde der Wunsch laut, hi den anderen Landes­teilen in gleicher Weife wie im Rheinland vorzugshen und dabei jeder bürgerlichen Partei die Möglichkeit zu geben, in Verbindung rnst den Dauern vereinen der ein­zelnen Landesteile ihre poliftsche Kraft auszunutzen.

Die Deutschen Bauernvereine mnfaflen über 600 000 Mitglieder. Be sind daher weit stärker als ber Bund der Landwirte. Bekanntlich ist auch die überwiegende Mehrheit der Landwirte Im Fuldaer Land ge­willt, sich den deutschen Duuernvereinen anzuschließen

Aus dem Nachbargebiet.

)( Alsfeld. Eine recht berfangIidje An« zeige erläßt ber Gutsbesitzer Karl Krug in Hei- mertsbaufen. Sie lautet: Gefunden wurde auf meinem Grundstück eine Brieftasche mit Gelbinhalt und Photographie. Zu gleicher Zeit wurde auch bemerkt, daß auf dem Fundort Kartoffeln, Bohnen und Gurken abgegangen waren. Der rechtmäßige Eigentümer kann die Tasche gegen Errichtung ber Jnseratgebühren bei mir abholen. Er wird sich hüten!

(§) Kassel. Ein Eisenbahner bestieg mit noch anderen Fahrgästen infolge Platzmangels ein Bremserbäuschen bei nach Obervellmar fahrenden Person-n zügel. Er stürzte ab undbrackIdas Genick

Mainz. Die feit längerer Zeit geplante Mainzer Volkshochschule ist jetzt gegründet worden. Der Lehrkörper zahlt 60 Dozenten. Die Verwaltung, bie einem Kuratorium obliegt, das von Mitgliedern^ dez Volkshochschul«VereinS gewählt wurde, soll vollständig paritätisch sein. Zum Rektor wurde der Leiter cer Mainzer Stadtbiblwthek, Prof. Dr. Binz, zum stellvertretenden Rektor der ftühere Oberbürgermeister Dr. Göttelmann und als Vertreter der Sradt Beigeord­neter Adelung gewählt.

Wiesbaden. Französische Kapitalisten haben die beiden schönsten Gasthäuser ber Stadt, den Nassauer Hof" und ba?Palast-Hotel" durch lieber« ütafytne der Aktien angekauft; basMetropol-Hotel" wird in den nächsten Tagen das gleiche Sckstcksal teilen, und mit anderen Gastbäusem sind Ankaufsverhand- limgen eingeleitet. Auch auf bem Häusermarkt treten die Franzosen, besonders Offiziere und Beamte, als Käufer auf, um sich mit ihren Familien hier cmzu- siedeln. 1

* Weimar. Der Kriminalpolizei gelang e$, einen gewissen Tischler Siebte festzunehmen, der beim Grenzschutz mit drei anderen Kameraden einem Sol­daten 57000 Mark gestohlen hatte. In seinem Besitz wurde nur noch ein kleiner Rest deS Geldes vorgefunden.

NaS Oderhesssn «nv de» Hess. Armier«.

Marburg. In der Nähe deS Frauenbergs wurde der 39 Jahre alte Landwirt Johannes Happel au» Beltershausen beim Aufladen eines Baumstammes durch plötzliche« Anziehen der Pferde so an den Kopf getroffen, daß er bald fein Leben aus- hauchte. _____________

vermischtes.

* Spkelklubs und Nachtleben In Bersin. Der Ober­befehlshaber Noske hat, wie gemeldet, vom 10. Sept, an jebes öffentliche Glücksspiel sowie das Glücks­spiel in Vereinen und Klubs verboten. Das Ver­bot ist wohl nicht nm Im Interesse der wünschenswer­ten sittlichen Ernertenmg von Berlin erlaffen, sondern besonders auch in Hinsicht auf die Licht- und K o tz- len n o t, die Berlin bedroht, und der gerade jene Spielklubs mft der größten Unverfrorenheit zu trotzen pflegten. In chnen brannte natürlich die ganze Nacht hindurch Licht in verschwenderischer Fülle, und bei ihrer großen Zahl man nimmt in Berlin etwa drei- bis fünfhundert Spiel kl ubs an, die allgemeiner bekannt sind tritt damit schon eine gewisse Schädigung der Allgemeinheit ein. Außerdem will der Wohnungskommiflar von Berlin die meist recht bequemen Behausungen der Spielklubs für seine Umquartierungen ins Auge fassen. Die Spielklubs waren überhaupt zum Teil die Ursache, daß in dem letzten Monaten das Nacht­leben in Berlin trotz des frühen Schlusses der Restau­rants wieder ansing, sich dem Friedenszustand zu nähern, wenigstens in vielen Stadtteilen. Man sah wieder Züge von Autos mit eleganten Fahrgästen die nächtlichen Straßen durcheilen und vor verschlossenen Türen im Westen Halt machen, wo auf ein bestimmtes Zeichen geöffnet wurde. Die Zahl und Art von be­stimmten Wirtshäufern, die tagsüber mit herabgelaffe- neu Vorhängen und verfchlosienen Türen daliegen^sich

Kleines Feuilleton.

Eine neue Marstheorie. Mit einer neuert Theorie über bie Verhältnisse auf dem Planeten Mars tritt der schweizerische Ingenieur Baumann an die Oesfentlichkeft. Er meint, entgegen der jetzigen An­schauung, daß die großen Hellen Flächen nicht Land, sondern Eismeere seien, und nur die dunkleren Flächen Land. Die sogen. Seen wären Gebiete, die mit teilweise noch beute tätigen Vulkanen besetzt sind. Bei den großen Eruptionen derselben entstehen die nebelhaften Verschleierungen, die man schon oft be­obachtet hat, und die z. B. Archenius für Wüsten- stürme erklärte. Die Kanäle können als gewaltige Risse im Eise gedeutet werden, zumal sie von Land zu Laich reichen, wo sich die Eismassen flauen und hierdurch eben die Risse Hervorrufen. Sind sie von neuem zugefroren, bann verschwinden sie für unser Auge, treten jedoch bald wieder in die Erscheinung, s.

Iraue», ärgert euch nicht! Hütet euch vor der schlechten Laune, Hütet euch vor jedem Aerger, hütet euch überhaupt, anders als mit stiller Heiterkeit die Welt zu betrachten bas ist der Rai, den vor einigen Jahren ein Arzt mit vielen komplizierten, medizi­nischen Begrüirdungen in seiner Wochenschrift den Frauen gab. Alle unluftigen Gefühle, jedes Beharren in Verbitterung unb Verstimmung, jede Trauer und jede Trübsal und vor allem jeder Anfall von Zorn und Aerger hat unmittelbaren Einfluß auf den Kör­per, bringt endlose Störungen hervor, und die Folge davon ist nicht etwa, daß man leidend wirb unb^eine schone Badereise unternehmen muß, nein,, die Folge ist grausam für jede Frau: fie wirb häßlich, so häßlich, wie die Natur sie nie wollte! Aerger weckt Trockenheit der Zunge, verhindert bie Sekretion der Drüsen, die Sekretion der Magensäftel Unb bie Fol­gen sinb schlechter Teint, ein Eckigwerden der Gesichts­züge, blutarme, bläuliche Lippen, die Brust fällt ein, kurz, aus den schönsten Frauen macht Unbeherrschrheit des Temperaments mit der Zeit unsehlbar häß­liche Frauen unb darum, o, ihr Herrinnen der Schöpfung, seid immer heiter und fröhlich, wenn möglich, besonders gegen eure Männer! mo,