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| Samstag 13. September 1919. | | 46. Zahrg

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erst innerhalb von 14 Tagen nach dem Inkrafttreten des Friedensvertrages erfolgen soll.

Prenszen und d-e Freistaalbildungen.

Einem Mitarbeiter desBerl. Lokalanz." erklärte der preußische Ministerpräsident H i r s ch u. a.t Die preußische Regierung hält den Bestrebungen zur Bil­dung selbständiger Freistaaten im Osten und Westen Preußens gegenüber ihren ablehnen­den Standpunkt aufrecht. Sie sei fedoch bereit, den Provinzen des preußischen Staates weitest- gehendeAutonomiezu gewähren. Den Bres­lauer Blättermeldungen gegenüber, daß die Regierung der Bildung eines Freistaates Oberschlesien zugestimmt habe, trete diese mit allem Nachdruck ge­genüber'.

Ebenso wird Preußen die Bildung einer Nord- westdeutschen Republik nicht zulasien. lieber die Bildung eines aus den thüringischen Staaten und preußischen Landesteilen bestehenden Groß - t h L r i n g e n seien bisher noch keine Beschlüsse gefaßt "erben. Doch fei zu erwarten, daß die thüringischen Staaten in Kürze in eine Berwaltungsge- meinschaft zu Preußen treten werden.

Den Wünschen Birkenfelds, in den preußi­schen Staat ausgenommen zu werden, stehe die Re­gierung vorläufig abwartend neutral gegenüber. Sie wird aber den ersten Aeußerungen der Birkenfelder ihre Zustimmung nicht versagen. Der Rest der Pro­vinzen Westpreußen und Posen soll zu einer gemein­samen Grenzmark zusammengefaßt werden.

Die Regierung will zunächst einmal durch Wie­dereinführung der Slkkordarbeit in den Eisenbahnwerk st ätten die Leistungen nach Möglichkeit zu heben versuchen. Ob die Wieder­einführung der Akkordarbeit zweckmäßig sei und all­gemein wieder eingesührt wird, müßten erst die kom­menden Zeiten lehren.

Der Ministerpräsident schloß mit der Erklärung, daß Preußen der Frage des Aufgehens aller deutscher Gliedstaaten im Reich befür­wortend aegenüberstehe, aber nur wenn alle Glied­staaten sich widerspruchslos diesem Zukunstsstaat an­schließen.

Republik Frankreich, Provinz Birkenfeld.

Wie die preußische Uebernahmestelle für die deut­schen Flüchtlinge mitteilt, erschien am Donnerstag ein aus dem Fürstentum Birkenfeld ausgewiesener Ein­wohner bei ihr, der auf seiner von der französischen Besatzungsbehörde ausgestellten Ausweiskarte den Stempelaufdruck hatte: Republique Francaise, Province Birkenseld. Frankreich hat also Birkenfeld einverleibt? ___________________________

Slnderprivileg in der Umsatzsteuer.

Die kommende große Umsatzsteuer wird eine schwere Belastung für kinderreiche Familien bringen. Die Zentrumsfraktion der Nationalversamm­lung hat sich auf eine Anregung von Arbeiterabgeord­neten mit der Frage befaßt, ob nicht auch, ähnlich wie bei der Einkommensteuer, die kinderreichen Fami­lien eine Berücksichtigung finden könnten. Wie die Westd. Arbeiterzig." nun mülcilt, werden die dem 12. Ausschuß (Steuerausschuß) angehörenden Mitglie­der der Zentrumspartei folgenden Antrag einbringen:

Der Ausschuß wolle beschließen, dem § 14 als § 14a folgen zu lassen: Aus dem Ertrag der Umsatzsteuern wird alljährlich Familien mit Einkommen bis zu 5000 Mk und mehr als zwei Kindern für das dritte und jedes wei­tere Kind bis zum 16. Lebensjahre eine Rückvergütung gewährt, welche beträgt: für Familien mit einem Einkom­men bis 3000 Mk. 40 Mk.: von 3000 bis 4000 Mk. 30 Mk.: von 4000 bis 5000 Mk. 20 Mk. Landwirtschaftliche Selbstversorger, die ihre hauswirtschaftlichen Bedürfnisse vorwiegend aus eigenen Erzeugnissen decken, erhalten für ihre in Frage kommenden Kindern die Hälfte der obigen Sätze. Unterstützungsberechtigte ohne eigenes Einkommen, die von Steuerpflichtigen vorwiegend unterhalten werden, sind den Kindern gleichgestellt.

Wird dieser Antrag angenommen, bann erhalten kinderreiche Familien eine Rückvergütung, die mehrere hundert Millionen Mark be­tragen wird. Die Umsatzsteuer soll insgesamt 4 Mil­liarden einbringen. Bekanntlich ist das bei der Ein­kommensteuer bestehende Kinderprivileg auf Anregung der Zentrumspartei geschaffen worden. Dieser neue Antrag zeiat, daß die Zentrumspartei auch setzt wieder durch praktische Arbeit die Lage der kinderreichen Fa­milien zu verbessern sucht.

| Brrantwsrtl. f. d.redaktionellen Teil i.SB.: Dr. Ioh.Kramer, I fär »re «nzeroe* : ZPar,etter, ftilda. Rsratror-.rdruck.

sch ließen, obgleich besonders in Sachsen die Tu« berkulose sich erschreckend auJbreüet und sett Mar mehr als 500 Schwerkranke auf einen leeren Platz in den überfüllten Heilstätten warten. S)te ReichSstickstoffwerke in Wittenberg kun« digten wegen Kohlen» und Kalkmangeir etwa 600 Arbeitern. Von acht Oefen können demnächst nur noch zwein Betrieb erhalten werden. Weiters Kündigungen stehen noch bevor.

Die Betriebsräte in der Eisenbahnverwaltung.

Der Minister der öffentlichen Arbeiten Oes er bat an die Eisenbahndirektionen eine Verfügung er- lassen, in der er für eine möglichst beschleunigte Durchführung der Betriebsräte tu der Eisenbahn« Verwaltung emfritt. E? beißt darin:

Ich habe den Neickscrrbeitsmrmster ersucht, schon seht die Ausführungsbejtimmungen und die Vorschrif- ten für die Wahlordnung zu erlassen, damit unver-ug» lich nach der Annahme des Gesetzes durch die Naw icf« Versammlung zu den Wahlen geschritten werben rontt. Ich habe auch W Verbänden der Arbeiter mitgeteiltz. daß ick sie nach der endgültigen Annahme des Gc;etzes durch die Nationalversammlung zu Besprechungen über die Einführung der Betriebsräte bei der Eisenoahnver- waltung zu mir rufen lagen werde._ Auch mit den Beamtenverbänden habe ick über die Gewah- rung entspreckender Rechte an die Beamten zusammen- gearbeiiet. Ich wünsche, daß jeder Bedienstete erfährt, daß ich bisher und auck künftig rntt allem Nahdruck für das schnelle Zustandekommen des Gesetzes und dann für die Einführung der Betriebsräte auf der Grund- läge des Gesetzes eintrete. Bis dahin müssen jedoch alle Wahlen zu wilden Betriebsräten unterbleiben.

war eine Fördcinmg von täglich 75 681 Tonnen zu ver­zeichnen, die sich erfreulicherweise m der Woche vom 1. bis zum 6. September auf 87 198 Tonnen steigerte. In den darauf folgenden Tagen überschritt die Förde­rung sogar die Zahl von 90 000 Tonnen. Aus den obiger. Zahlen geht klar hervor, daß die A r b e i j s- freudigkeit wesentlich in der Zunahme begriffen ist, wenn nicht von unverantwortlicher Seite Unruhen in die Arbeitersckvft, hineingetragen werden.

Ein Bittgang der Süddeutschen.

Aus Essen wird gemeldet: Einem Beschluß -der süddeutschen Städtevereinigung fol­gend begaben sich die Vertreter der badischen, bayeri­schen, hessischen und württembergischen Städte zusam­men mit Arbeitervertretern der verschiedenen Richtun­gen nach dem Ruhrrevier, um in Ver­handlungen mit den Bergarbeiter­verbänden die außerordentliche Notlage Süd­deutschlands in der Kohlenversorgung darzulegen und die gegenwärtigen wirtschaftlichen 'Verhältnisse im Bergbau kennen zu lernen.

Folgt« der Kohlennot.

Eine Anzahl sächfiick-r Lungenheilstätten taug in allernächster Zeit wegen Kohlenmangelr

"lendrrung der Verfassung.

L "'-Ur Note C emenreaus

«7 sfi^l ch bag der Beratungen

der Muerien bekannt gegeben. Ittt au?rt, b-j der offenkundige Segen» Kit^r a n $ o i en u >d Amerikanern an Deutschland über die fe* Artikels 61 der V e r'f a f f u n g datte. Schließlich hat der

K.'feine Fordernn?, den Artikel j/^ ^"jaffung all angebliche Verletzung

xis Entlarvung Wilsons.

y-äfibent der Vereinigten Staaten reist umher überall, um den Friedensvertrag und den den zweifelnden Amerikanern zu empfeh- Jabei schill er weidlich auf Deutsch- ^jm?i zwar nicht allein auf das alte, ienbern das neue Deutschland, als ob die Absetzung grdjen und der Zusammenbruch der .heeres- nichts ändere an der Frage der Schuld und ntwortllchkeit. t

Angriffe auf das deutsche Volk sind so auf- daß sogar die LondonerTimes" sich aus n dieallgemeine Verwunde- melden lasten. Die Deutsch-Amerikaner, heißt gerieten b'C Ansicht, daß mit dem Sturz des Wd der Einsetzung einer demokratischen Regie- die eigentlichen Verantwortlichen verschwunden nur ein unschuldiges Volk an ihrer Stelle »das die Maßregelung durch den Friedensver- M verdiene. Demgegenüber vertrete setzt Wil- Snsichl, daß die Verantwortung des deutschen untrennbar mit der Verantwortung der srühe- jerung verbunden fei, und diese Aeußerungen ~u in der gesamten Presse größtes Auffehen, da M -en Erklämngen Wilsons vor seiner Abreise Harts in krassestem Widerspruch stehen, rkrasseste Widerspruch ist freilich vor-

Bei Wilson, tritt er noch schreiender hervor, i seinen Verbündeten. Die Engländer haben ich auch von Anfang des Krieges an verkünden s.fie kämpften gegen den Militarismus und Im- s in Deutschland, gegen die gewalttätige stkaste usw. Damit haben sie viel Anklang bei (gläubigen aller Weltteile gefunden. Als die so gefährliche Militärkaste beseitigt war, sie freilich keine Spur von Gnade walten lassen, durch ihre grausamen Friedensbedingungen daß es auf die Unterdrückung, A ns - lung und Lähmung des deutfchen fbemerbes abgesehen war. Wilson aber, trfi zwei Jahre als Neutraler sich cuffpieke, hat hem Eintritt in den Krieg besonders oft imd betont, daß er nicht gegen das deutsche Volk ziehe, sondern nur gegen das Unrecht, das chen Machthaber von damals durch den U- und sonstige Kriegstaten nach seiner An- beginflen. Ms das deutsche Volk nun in Not t oertraute es auf Wilsons salbungsvolle Rede W 14 Punkte.

'n? Max von Baden nahm als Reichskanzler I die Demokratisierung Deutschlands in die >md die Einleitung der Waffenstillstandsver- en durch einen Notenwechsel mit Wilson.

Wollte, die Vorfrage, ob die Berliner Negie- IprarrCT des deutschen Volkes spreche oder im _jfc alten Machchaber, deren Friedenswille er rjdten (offen wollte. Schon vom Prinzen Max P sich überzeugen, daß wirklich ein neues System, Mrrigierung in Deutschland eingeführt fei, und sich damit zufrieden, indem er Anfang Nooem- te Wasienftillstandsgefuch an feine Verbündeten leitete. Nun kam am 9. November noch die brng der Dynastie und die Revolutton hinzu. Jgdfa tatsächlich alles befeitiet, wogegen Wilson wieg erklärt hatte, und die Demokratie, die er W angepriesen hatte, war in Deutschland

Ier diircljgesührt. als in den alliierten und «len Ländern. Wilson stand unmittelbar dem

Solfe selbst gegenüber, demselben Volke, B' feinen feierlichen Kundgebungen nicht be- wollte.

H nun für milde Bedingungen des Waffen- ,, eingetreten? Nein! Das konnte man cllen- ""ch mit dem militärischen Zwangsver- .^schuldigen. Aber mm tarnen die Frie- Jfbingungen, von denen die Zukunft des Etu ^Esck-en Volkes abhängig waren. Wil- M sich zum Bruche aller seiner Versprechungen. M »dschon er wußte, daß das deutsche Volk ge- W Vertrauen auf ihn sich hatte leiten lasten. jSnen Wortbruch zu bemänteln, mußte er die |WW verschieben. Jetzt auf einmal ent- das deutsche Volk ebenso verantwortlich

W strafwürdig fei, wie die geschmähten Macht- M ttuher. Aus dem angeblichen Krieg gegen ratie" ,wurde ein Vernichtungs- b " die deutsche Demokratie ge- ^oer alte Friedensprediger Wilson half den und Franzosen bei der Zerstückelung der finanziellen Auspressung und I^smchen Lähmung des unschuldigen d^ut- ktarhgeSelbstverleugnung" kann nur durch

* ene Zunge verteidigt werden. Wenn Mkrsta und der übrigen Wett die Doppel- Ij'11 des Präsidenten Wilson all- wird, so kann uns das freilich äugen* n«^c Rettung bringen aus der Not, in die uns gestürzt hat. Aber es ist doch der 1 S l ä r u n g und erregt eine gewisse Jg °ie Völker von der Gegenseite allmäh- werden von den Vorurteilen und ^takelt, die man ihnen gegenüber dem deutschen Volke eingeimpft hatte.

Scharte die Entlarvung Wilsons zur Vor- echten und rechten V ö l k e r b n n - ehfnr r ^en Frieden und die Versöhnung °ch .?uurebt, während der sogen. Lölker- S^^neyertrages tatsächlich nichts anderes ^WMIuch, die deutschfeindliche Kriegs- und f10 3u verewigen.

Nach mntk. SPZitteihmgen betrugen die För­derzahlen der 0 b e r f ch l e f i f ch e n jFörde- ru n g im täglichen Durchschnitt in der Woche vom 18. Juli bis 2. Äugustl910 86 622 Tonnen. Die Förde, rung fiel bei Beginn des Ausstandes in der Zeit vom 5. bis zum 9. August auf täglich 82 405 Tonnen, in der Woche vom 11. bis zum 16. August ging die För. berung gar auf 31 488 Tonnen zurück. Während des eigenrlicken Gesamtaüsstandes, der unk dem Polen, putsch zum Tckil znsmnmenfiel, war int Förderung derartig gering, daß von Förderzahlen überhaupt nicht gut gesprochen werden konnte. J,n der Woche vom 25. bis 30. August, nach Wiederaufnahme der Arbeit,

des Artikels 80 des FriedenSvertrages sofort abzu­schaffen, zurückgezogen,und bat einen englischen Kompromitzanrrag angenommen. Danach richtet der Verband eine neue Note an Deutschland mit der Aufforderunz, in einem internationalen Protokoll die in der jüngsten deuischen Note ge­gebene Jnterp-etation niederzulesen, daß kein Artikel der deutschen Veifassung den Brstimmungen deS Friedensvertrages widersprechen darf. Das Protokoll, welcher somit der jüngsten deutschen Erklärung den Wert einer internationalen Verpflichtung verleiht, muß in Versailler von den deuischen Delegierten unterzeichnet und sodann von der deutschen Regierung rat'fizierl werden. Tiew für Deutschland billige ung, gegen die der unverchhnlicheTiger" Ciemenceau mit seiner ganzen Hartnäckigkeit ge­kämpft zu haben scheint, ist haupisächlich auf den Einfluß der Vereinigten Staaten zuiück- zuführen, die aus Rücksicht auf ihre Bürger deutschen Ursprungs sich den Anjchlußbestrebnngen Deutsch-Oe st erreichr nicht auf die Tauer wider etzen können.

Nach einem Telegramm der deutschen Vertretung in Versailler vom 12. September hat die Note des Ministerpräsidenten Ciemenceau folgenden Wortlaut: Nach ihrer Note vom 2. d. M. haben die alliierten und asioziierten Mächte tie deutsche Regierung auf einen die Beziehungen Deutschlands zu der österreichischen Republik lbetresfenden Artikel der neuen deutschen Verfassung hingewiesen, der mit den Bestimurungen des Friedensvertrages über die­selbe Frage nicht im Einklang steht. Die deutsche Re­gierung hat. mit ihrer Note vom 5. Sepember geant­wortet, daß tatsächlick kern Arnkel, wie auch sein klarer Wortsinn immer sei, mit dem Friedensvertrag in Widerspruch stehen kann. Dank d'eiem K u n st g r i f f könnte die deutsche Verfassung offenbar so geändert werden, daß ihr Wortlaut jeder der Besttmmungen des Friedensvertrages widerspräche. Sie könnte z. B. vor­schreiben, daß ein deutsches Heer von mehreren Mllio. nen Mann im Wege der Aushebung gehalten werden solle, und wenn die alliierten und asioziierten Mächte darauf aufmerksam machten, daß diese Bestimmung ge­gen den Vertrag sei, der die Stärke des deutschen Heeres genau begrenzt und die Aushebung imterfagt, so könnte die deufiche Regienmg anworten, daß, wenn dies so sei, die Verfassung selbst in ihrem Artikel 178 eine ge­nügende Sicherheit vorgesehen habe, in dem sie erklärt, daß nichts in dem Vertrag durch die Verfaflnirg be­rührt tverden kann. Man könnte sagen, dies sei eine reine Hypothese, aber sie rechtfertigt sich, wenn man den Artikel 112 der deutschen Verfassung in seiner i-Higen Form liest, daß kem Deutscher zur Aburteilung durch ein fremdes Gericht ausgeliefert werden datf, während der Vertrag ausdücklich vorsieht, gewiffe Per­sonen, die eines Verswßes gegen die Gesetze und Ge­bräuche des Krieges angeklagt werden, auszuliefern und vor ein fremdes Gericht zu stellen.

Nach ter deutschen Antwort könne Artikel 178 aus­genommen worden sein, um jeden möglichen Wider­spruch zwischen den Vorschriften der Verfassung und den Bedingungen des Friedensvertrages zu vermeiden. Dies ist eine ausgezeichnete Absicht, trenn es sich um Widersprüche anfechtbarer und unvorhergesehener Art handelt, wie sie der Scharfsinn der Juristen in der Fas­sung zweier langer verwickelter Urkrmden entdecken kann. Hier aber handelt es sich nicht um anfechtbare und nicht vorauSzusehende Widersprüche. Die Wider, spräche, gegen die sich der Protest der alliierten und assoziierten Negierungen richtet, find gewiß klar und offenbar und können nur gewollt fein. Niemand wird gbauibem daß hie Urheber der deutschen ,Verfassung bei der Aufnahme des Artikels 61 und der Feststellung des Wortlautes des Arttkels 112 nickt wußten, daß diese Bestimmungen in sich selbst mit den wenige Wo­chen vorher von Deutschland feierlich übernommenen Verpflichtungen unvereinbar waren.

Dieser Zustand darf nickt länger d a ue r n. Tie deutsche Regierung erkennt an und erklärt, daß, wenn die Verfassung und der Friedens- vertrag in Widerspruch stehen, die Verfaffüng nicht Vor­gehen tonn. Im Hinblick auf diese Anerkennung er­warten die alliierten und asioziierten Mächte von der deutschen Regierung, daß sie ohne weiteren Verzug die Auslegung, die sie in ihrer Antwort vom 5. Sep­tember 1919 den alliierten und asioziierten Mächten mirgeteilt hat, in einer diplomatischen Ur» künde, deren Wortlaut hier beigefügt wird, nie. der gelegt, sowie, daß diese Urkunde unverzüglich von einem bevollmächtigten Vertreter der deutschen Ne- grieri'.ng in Gegenwart von Vertretern der alliierten und assoziierten Hauptmächte in Versailles u n. terzeichnet und innerhalb 14 Tagen nach dem In­krafttreten des Friedensvertrages von den zuständigen gesetzgebeichen Gewalten Deutschlands gebilligt werden muß.

Der vorgeschriebene Wortlaut der Urkunde wird in einer Anlage mitgeteilt. Er soll lauten;Der unter­zeichnete, gehörig Bevollmächtigte und im Nmnen der deutschen Regierung Handelnde erkennt an und erklärt, daß alle Vorschriften der deutschen Verfassung dom 11. August 1919, die mit den Bestimmrtngen des in Versailles am 28. Juni 1919 unterzeichneten Friedens- Vertrages tm Widerfpruch stehen, ungültig sind. Die deutsche Regierung erklärt und erkennt an, daß dem­zufolge der Absatz 2 des Artikels 61 der er­wähnten Verfassung ungültig ist, und daß nament­lich die Zulassung österreichischer Vertreter zum Reichs­rat nur stattfinden kann, wenn gemäß Arttkel 80 des UriederiSvertrages der Völkerbundsrat einer entsprechenden Acnderung der internattonalen Lage Oesterreickts zugesttmmt haben wird. Die gegenwar- ttge Erklärung soll innerhalb von vierzehn Sagen nach dem Inkrafttreten des Fnedensvertrages von den zu­ständigen deuffchen jgesetzgabenden Gewalten gebilligt werden."

Die ersten Absätze der Note, die offenbar von Cle- meiiceau selbst verfaßt ist, verblüffen durch einen polemischen Ton, der in diplomatischen Aktenstücken sehr bcjremdet. Er redet von einemKunstgriff" und führt aus, wie Deuffchland sich mit solchen Kunstgriffen um die wichtigsten Vertragsbestimmungen herum­drücken könne. Diese Ausführungen kann man nur auf einen bodenlosen Aerger Clemenceaus zurückführen, wett er in dem entscheidenden Schlußabsatz eine For­mulierung der Enientcfordcrung vornehmen muß, die infolge des englisch-amerikanischen Standpunktes viel zu gemäßigt ist, als daß sie Ciemenceau befriedigen könnte.

Eine dsulsche offiziöse Slimme über die Roke.

DieDeutsche Allg. Ztg." schreibt zu der Antwott der Entente auf die deutsche Note vom 5. Sept: Was hier perlanot wird, ist nichts anderes, als was die deutsche Regierung bereits in chrer am 5. Sept, über­gebenen Antwortnote auf das Ultimatum erklärt hat. Eine Aenderung der Verfassung kommt also nicht in Frage. Ein Zugeständnis ist es immerhin, daß I die Billigung durch die gesetzgeEiden Körperschaften j

Generalstreik in Memel.

Anläßlich der Verhaftung des Vorsitzenden des Arbeiterrates, sowie der Schließung des sozialdemo­kratischen Blattes, ist hier der Generalstreik verkündet worden. Der Generalstreik, der auch das Gas», Wasser- und Elektrizitätswerk umfaßt, soll solange ausgedehnt werden, bis die Freilaffung des Vorsitzenden des Arbeiterrates und die Entfernung des Kommandeurs eines Bataillons in Memel von fei­nem Poften erfolgt ist. Der Kommandeur hatte die Verhaftung m Verbindung mit Artikeln verfügt, welch« darüber geschrieben waren, daß er einen Solda­ten wegen Nichtgrüßens aus der Straß, angehalten fjatte.___________________

OestttcheS.

Die ungarische Rallonalversammlung.

Sn einem Leitartikel des ungarischen Regierungs­organsRoggeli Hirek" wird verlangt, daß als Sitz der Nationalversammlung nicht B u d a p e st, son­dern eine geeignete Provinzstadt bestimmt wird.

verkehr auf der Donau.

Vom 15. September ab beginnt der regelmäßige' Verkehr für Schisse zwischen Belgrad und Preß« bürg.

Mnlskerkrffe auf dem Daikon.

Die Weigerung der rumänischen und der südslawi­schen Friedensdelegation, den österreichischen Friedens- Vertrag' zu unterzeichnen, hat zu zwei Minister- k r i s e n geführt. Sowohl der e r b i s che Minister­präsident Davidowitsch, wie der rumänische Ministerpräsident Bratianu haben demissioniert.

Die NeberbietungSsucht der Mehrheits - Sozialisterr.>

ImVorwärts" stand kürzlich folgend« Nottzi Schm Sie, das ist ein Geschäftl Ludenkorfs läßt sein Buch über den Zusirmmenbruch auch ms Eng­lische und Französische übertragen. Er erhält dafür nach englischen Meldungen die Kleinigkeit von 10 000 bis 12 000 Pfund Sterling, das macht bei den heutigen Währungsverhältnisien 700 000 bis 900 000 Mark. Es gibt doch nichts Rentableres als einen verlorenen Krieg." Darauf verabreicht der Sozialdemokrat Paul Lensch hem sozialdemo­kratischen Zentralorgan in derGlocke" folgende schal­lende Ohrfeige;9hm sind bekanntlich nach dem Ver­sailler Frieden deutsche Bücher in der En­tente Freiwild; sie können ohne weitere? über­setzt und nachgekruckt werden. Sacklich ist also diese nach englischen Meldungen in die Welt gesetzte Ente nut wert, daß man ihr den Hals abdreht. Aber da­von abgesehen, darf eine Partei, deren Presse terartig unanständiger Notizen fähig ist, sich nicht wundern, daß der Schlußsatz:Es gibt nichts Rentableres als einen verlorenen Krieg" auf sic selber angewandt wird. Man mag politisch zu Subeniorff stehen wie man will, aber es ist für die ganze moralische wie intellektuelle Be­schaffenheit einer Partei ein schlechtes Zeichen, wenn sie, lediglich um den Instinkten der Massen zu schmeicheln und um sich von der unabhängigen Konkurrenz nicht an Radikalismus übertreffen zu las­sen, zu derartigen Nichtswürtigkeiten greift. Das Beispiel des Herrn Lensch läßt sich um hielt ver» mehren. Es gibt mehphe 1 rSsozialisttfckv Stadwer- orbnete, die im der unbegründeten Hetze mit Kommu­nisten jeden Wettbewerb aufnehmen können.

Eine Enthüllung Scheidemanns.

Nach der mit geteilten Rode von Scheivomaim in Kassel kam e» noch zu einer längeren Erörterung, an der flch be­sonders die Unabhängigen beteiligten. Sie machten vor allen Dingen der Mehrheitssozialdemokratte den Vorwurf, daß sie nichts getan habe, um alsbald nach Kriegsausbruch für die Beendigung des Dölkermordens einzutteten. Dar­auf antwortete Scheidemann folgendes: 5m November 1914, also im vierten Monat des Krieges, waren Haase unb i ch beim Reichskanzler von B e t h m a n n Hollweg, um ihm eine Friedenskundgebung der jozialdernokratijchen Reichstagsfraktion für die Dezem- bettagung des Reichstages anzukündigen. Vor aller Welt will ich hier zum erftenmale und im vollen Bewußtsein der ungeheuren Derantworttichkeit sagen, was Vethmann Hollweg dem Abgeordneten Haase und mir damals geant­wortet hat. Er sagte nach unserer Mitteilung über den beabsichtigten Schttit der sozialdemokratischen Fraktion fol­gendes:Meine Herren, ich bitte Sie dringend, tun Sie das jetzt nicht in der Oeffentlichteit. Sie können sich darauf verlaflen, daß eine solche Kundgebung jetzt nur den Krieoswillen imjerer Gegner steigern wird, beim nach zuverlässigen Meldungen aus dem Ausland ist man dort heute schon allgemein der Aussasiung, daß Deutsch, land cm Ende feiner Kraft sei. Wenn es Ihnen gelingen sollte, mit den Sozialisten Englands und Frankreichs ft r den Frieden zu wirken, so tun Cie das." Der sozialdemokratische Parteioorstand hat sich unablässig bemüht, fuhr Scheidemann fort, mit den Sozialisten der feindlichen Länder in Fühlung zu treten. Alle Versuche sind aber an der ablehnenden Hal- tung der Engländer unb Fran-olen ge- scheitert.

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