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Nolke legi dir Akten vor.
Nachdem die Entente wiederholt angezweifelt hatte, daß die Verkleinerung deS deutschen Heere» im vorgesehenen Umfange durchgefü!,rt wurde, hat der ReichSwehiminlster Noske Veranlassung genommen, dem Chef der französischen Militärmissidn in Berlin, Geaeral Dupont, einen Besuch zu machen, um ihm die Akten über die Verkleinerung der deutschen Heeres vorzulegen. Der General hat dadurch die Üeberzeugung gewonnen, daß die Reduzierung' der Armee planmäßig erfolgt.
DaS Chaos im Osten.
Polen und Litauer.
Wie das Litauische Preßbüro mitteilt, wurde im Anschluß an die Entdeckung einer polnischen Verschwörung gegen die litauische Regierung über K o w n o der Belagerungszustand verhängt; 40 polnische Rädelsführer wurden verhaftet.
Türken und Bulgaren.
Rach einer Meldung aus Athen sollen in Westthra- zien türkischeErhebungengegendieBul- garen stattgefunden haben. Es ist zu Zusammen- stoßen gekommen, wobei mehrere Bulgaren getötet wurden.
Die Unterschrift Oesterreich».
Am Mittwoch vormittag, 10 Uhr 15 Minuten, hat in St. Germain bei Paris der österreichische Staats- kanzler Dr. Renner den Friedensvertrag unterzeichnet. Die r u m ä n i s ch e und j u g o s l a w i s ch e Delegation waren bei der Zeremonie der Unterzeichnung nicht anwesend. Die rumänischen und die sugoslawischen Bevollmächtigten erwarteten die Instruktionen ihrer Regierungen. Der Oberste Rat ließ ihnen bis S a m s t a g Zeit, ihre Absichten mitzuteilen.
Zur Haltung der rumänischen und sugoslawischen Delegation gegenüber der Unterzeichnung des Friedens- Vertrages mit Oesterreich verlautet folgendes: Die ser- bisch-kroatisch-slowenische Delegation hat von der Regierung in Belgrad Instruktionen erhalten, nicht zu unterzeichnen, wenn die Großmächte nicht in die verlangten Aenderungen einwilligen. Die Großmächte lehnten dies ab, d. h. sie sind für den Schutz der Minderhetten in allen Gebieten, die Serbien seit 1913 angegliedert wur- den. Einem Vertreter des „Motin" erklärte der r u - mänische Gesandte: Wir haben unser Möglichstes getan, um zu einer Versöhnung zu gelangen. Man schenkt unseren Darlegungen aber keine, Beachtung. Es ist demnach ziemlich sicher, daß wir nicht unterzeichnen werden. Zur Aenderung unserer Haltung müßte uns die erforderliche Zeit gegeben werden, damit das Kabinett neue Direktiven nach Paris geben kann. Die jetzige Frist ist dazu zu kurz und man kann nicht vor- aussagen, ob Bratianu, der von der öffentlichen Meinung gestützt ist geneigt ist, seine Haltung zu ändern.
Der Friede.
Paris berät immer noch.
Den Blättern wird gemeldet, daß brr Oberste Rat, der die deutsche Antwort auf die Forderung der En- tente nach Beseitigung des Artikels 61 der deutschen Verfassung für ungenügend erachtet, beschlossen habe, die Beseitigung des Artikels neuerdings zu oerlangen.
Der Oberste Rat der 'Alliier, en konnte am Dienstag noch zu keinem Entschluß bezüglich der deutschen Rote betreffend Artikel 61 der Reichsverfas- sung kommen. „Patrie" erklärt in Uebereinstimniung mit „Daily Mail", die Antwort werde keinem Ultimatum gleichkommen. In einer Besprechung des Friedens von St. Germain verlangt der „Corriere della Sero" das unbedingte Selbstbestimyrungsrechi für Deutsch-Oesterreich. Darüber werde der Völkerbund zu entscheiden haben. Der italienische Standpunkt sei heute schon hn < Sinne des Anschlusses an Deutschland festgelegt.
^unabhängige Sozialdermckratie hat in der w und bolschewistischen Bewegung Deuffch- *Wr immer eine mehr als zweideutige eingenommen. Aeußerlrch zwar suchten "gängigen sich dien Anschein zu gäben, als den Strömungen völlig fern, im Geheimen nichts unterlassen, die aufrührerischen ; su unterstützen, ja, die unabhängige Presse »nicht gescheht, Spartakus in Schutz zu und Regierung und Behörden, die bei Put- Ausruhr eingreifün mußten, schärfstens an. .Interessant ist nun, was Kautskh, auf Lw t-Z** Unabhängigen besonderen Wert im- ^Mafien, sich über Spartakus und BolschewiS- L?-. Die russischen Bolschewisten Haban türy ,,7 angegriffen und als »Verräter, und 2« Proletariat bezeichnet. Trotzdem beinüht in seinem: »Terrorismus und Kom- " .bezeichneten Werke durchaus sachlich zu 'n keinerlei Polemik zu verfallen, sondern vnschaEiches, aber in allen seinen Ginzsl- treffendes Bild des asiatischen Schädlings
Ansicht, daß die russischen Kom» . sie die Gewalt an sich geriffen hatten, Erlichen Absicht geleitet waren, dem Volke aus seiner Rot zu zeigen. Das ist auch Politikern aller Parteien und aller /^ndet, den besten Beweis hierfür sucht man ■etnfc? • fn* baß die Bolschewisten die Kon- vemefen und bereit waren, Rußland eine toben, auf der ein Neubau deS in fcs r®<nen Staatskolosses möglich gewesen ^aber die RMonalversammlung, in der w «Jn bei Mehrzahl waren, sich nicht ge- einfach den Vorschriften und Anorl- H y^rre*t Lenin und Trotzki zu fügen, als die ta radikale Regierung Opposition
fe,. 't'el man in Petersburg in den schwersten lh , re,tnc Regierung begehen kann: die Na- c,., 'ammlung wurde aufgetöstl 6trffrhnUt c*n wichtiges Gesetz geschaffen, be- tz^'ung beschlossen war. Um aber nach außen bieten gesetzmäßigen Regierungsunter- itns man eine andere Form des Parin gelang es den bolschewistischen
nt i-jv1 Rätekongressen und dem R ä- !unn ^ßan zu schaffen, das seiner Zu- e» H Wch sich als die Stütze der Sowjetregie- 8, ®° kam es. daß die Diktatur des Bol-
, ®«r das russische Volk heute noch zu
er unb gewährleistet werden konnte. ti#a Un9 ber Nationalversammlung und
Ersten Rätekongresses an datiert die ichrchte de- Bolschewismus, durch die sich
Die Kriegsgefangenenfrage.
Die Verhandlungen wegen Auslieferung der in amerikanischen Händen befindlichen Kriegsgefangenen hat zu dem Ergebnis geführt, daß vom 17. September ab täglich 2000 Mann ausgeliefert werden.
Frhr. von Lersner, der deutsche Vertreter in Paris, konferierte Dienstag abend mit Major Drauld über die Inspektionsreise durch die deutschen Kriegsgefangenenlager, die berußtere antreten wird. ’
Die am Samstag auf Einladung der Engländer abgehaltene Konferenz über den Heimtransport der Kriegsgefangenen hat das Ergebnis gehabt, daß voraussichtlich bis Ende Oktober sämtliche in englischer Hand befindlichen Kriegsgefangenen heimbefördert sein werden. Die Engländer führen jetzt täglich drei Züge mit Gefangenen nach Deutz-Köln. Im Friedensvertrag mußte Deutschland die Abholung der Kriegsgefangenen übernehmen. Ob dies an der Grenze oder im Lager zu geschehen habe, soll von der Unterkommission entschieden werden, die sich für die Abholung im Lager aussprechen dürfte. Es werden also deutscheZüge teer nach Frankreich fahren muffen, womöglich gar bis in die entlegenen Lager in den Pyrenäen und am Golf von Biscaya. Das würde natürlich eine große Anspannung der deutschen Transportmittel bedeuten und müßte Schwierigkeiten bereiten. Ferner sollen unsere Gefangenen nicht in Personenwagen, sondern in Güterwagen abgeholt werden, angeblich weil auch die französischen Gefangenen in Güterwagen nach Hause befördert wurden. Bei den weiten Strecken würden die Züge wochenlang unterwegs sein und unseren Bestand an fahrfähigen Wagen noch bedeutend vermindern. Die Transporte, die auf der Eisenbahn durch Nordfrankreich und Belgien nach Köln-Deutz geführt werden, bringen die Gefangenen, dis sich in englischer Hand aufdemKontinent befinden. Die Gefangenen, die nach England gebracht wurden, sollen zu Schiff nach Holland fahren und von dort aus mit der Eisenbahn Deutschland erreichen. Damit wird ein viel kürzerer Weg für die Eisenbahn geschaffen, und die zweimal in der Woche mit je dreitausend Mann in Aussicht genommenen Transporte werden sich mühelos über die holländischen Dahnen bewältigen lassen. Die holländische Regierung hat die Zustimmung bereits gegeben und die holländischen Eisenbahnen haben die Benutzung chrer Strecken erlaubt. Bei der Kölner Konferenz waren die Franzosen zugegen. Sie beteiligten sich im Anfang gar nicht an den Verhandlungen und griffen erst ein, als die rein verkehrstechnischen Fragen erörtert wurden. Von ihrer Seite aus wurden über den Zeitpunkt der Heimsendung der unverwundeten (Befangenen keinerlei Mitteilungen gemacht. Dagegen wurde in Aussicht gestellt, daß ber Transport der Verwundeten und Kranken ungehindert weitergeführt werden soll. ,
Blutiger Aufruhr in (Slogan.
Aus Anlaß einer gewaltsamen Senkung der Preise auf dem Wochenmarkte kam es hier zu Unruhen, sodaß Militär einschreiten mußte. Die Menge versuchte den Soldaten die Gewehre zu entreißen, worauf diese das Feuer eröffneten. Bis jetzt sind 10 Tote und 11 Verletzte als Opfer zu beklagen. Der Belagerungszustand ist vorläufig noch nicht verhängt. Die Arbeiterschaft beschloß, von dem beantragten Sympathiestreik abzusehen.
Borstotz gegen Erzberger. ' eoinpf gegen Erzberger, der infolge der Par- 2«fe fürs erste zur Ruhe gekommen war, de- ir auszuleben. Die kommende Tagung der Sammlung in Berlin wirst nach dieser Rich- jhre Schatten schon voraus. Es ist eine Aktion gegen Erzberger in Sicht, durch beteiligten Kreise den entscheidenden «aen Erzbergers Position in der Regie- 1 w können glauben.
jtait folgendes: Die Parteien der Rechten, mmg der Deutschen Dolkspartei, wollen al», ^n Wederzusammentritt der Rationalver- . «gen den Reichsfinanzminister Erzberger «,ent die Anklage erheben, daß Erzberger »finanziellen Maßnahmen, ins- durch das Wort vom drohenden Staats- Md durch die Ankündigung von der .pelnng der Roten und Wertpa- ter Finanzwirtschaft des Reiches einen Scha- tat habe, der mit 2 Milliarden beziffert wird. M gdtenb, daß diese Mitteilungen Erzbergers «dem rapiden Sturz unserer Valuta im Aus- tet Man will fordern, daß auf Grund dieser. fcjbttger aus seinem Amte als Reichsfinanz- , ^scheidet.
Seoeggrünbe dieser Avion find allzu durch- gnt nicht sofort erkannt zu werden. Der Dor- , Wahrnehmungen der finanziellen Intereflen tet soll mir die, bei jenen Kreisen schon immer mt und auch offen eingestandene Absicht oer- M jeden Preis Erzberger aus seinem - «rbrängen. Man fürchtet, daß Erzberger „ doch die Derwirklichung der von ihm ange- । Finanzreformpläne durchzusetzen vermöchte, i glaubt aus jener Seite um so mehr Grund • Befürchtung zu haben, als alle bisherigen gegen Erzberger wirkungslos zerschellt sind.
VchMhlung dieser Fragen wird zweifellos zu teftigen inneren Auseinandersetzungen führen, dalhemotralen werden in diesen erneuten Feld- äußersten Rechten gegen den Reichsfinanz, nichts anderes als den Versuch erblicken, die lichung der neuen großen Steuerreformpläne zu halten. Es wurde in diesem Falle die und in ihren Folgeerscheinungen für unsere nur mühsam zusammengehaltene innere Front hste Erschütterung zu fürchten sein. Selbstoerhat das Parlament und hoben insbesondere wir lsanhänger, zu denen auch der Reichssinanz- ,u zählt, das allerlebhafteste Interesse daran, daß alle diese Fragen Klarheit geschaffen wird, tt ist nicht zu verkennen, daß die W i r k u n g e i- unausgesetzten Presseaktion nach Richtung hin sich bereits in unseren Reihen gel- macht. Es besteht die Gefahr, daß die tendcnzi- Säuberungen über Erzbergers Wirken als Reichs- Minister und über die Wirkungen feiner Maßen und Ankündigungen auch einen Teil der Zen- mihänger in ihren Auffassungen wankend machen. Aufklärung tut in der Tat Rot, und zwar muß Reichssinanzministerium von sich aus zu den Börsen Stellung nehmen.
Es ist bedauerlich, daß die Nationalversammlung Ende b. Mts. Zusammentritt, wodurch eine sofortige iMg der wirklichen Sachlage hinausgeschoben anbererfeits der gegnerischen Agitation Zeit gelas- »irb, ihre Anschauungen zu entwickeln. Die neue ® Ren Erzberger muß von den Zentrumsanhän- mit ber größten Aufmerksamkeit verfolgt werden, darüber darf man sich nicht täuschen, daß bieje " "icht allein gegen Erzberger, son- Segen die gesamte Zentrumspartei für die Führung der polittschen Geschäfte mit «wörtlichen Regierungspartei gerichtet ist.
Unabhängig« «nd Bolschewismus.
trfte ein cotter Kaden Tetr ro r, Bestechung^ Hebelgriffe aller Art auf Leben und Eigentum zieht. Im Wandel iet Zeiten sind von keiner Politischen Partei und keiner Staatsform so schwere und in ihren Auswirkungen so nachhaltige Fehler begangen worden, tote sie auf das Schuldkonto der Bolschewisten und der Sowjets zu buchen sind. In ihrer gänzlichen Unfähigkeit, das StoatLschiff zu lenken und das Wohl deS Volkes zu fördern, verfiel man immer in das Gegenteil von dem, was man durch »Reformen" zu er» • reichen suchte. Ursprünglich Gegner der Todesstrafe;, find die Bolschewisten heute schon langst dazu übergegangen, Hinrichtungen massenweise vorzunehmen. Jeder nur irgendwie Verdächtige wird an die Maner gestellt, ganze Parteien, Gesellschaften, Gemeinden und Familien werden rücksichtslos und ohne jede ordnungsmäßige Urteilsfällung ausgerottet. Der M i l i t a r i s m us, der ursprünglich in Acht und Bann getan wurde, ift seit langem wieder zur einzigen Stiche des bestehenden Staatsshstems geworden; die Offiziere die wie gemeine Verbrecher behandelt und verfolgt wurden, sind wieder in ihre Stellungen eingesetzt, bei jedem Truppenteil herrscht stengste Dtsztplin. Was Kautskh über die wilden Soziali;terungs- versuche fegt, bestätigt Wort für Wvrt, was auch wir immer zum Ausdruck gebracht haben Alles tft zu Grunde gerichtet und verwirtschaftet, sodaß man sich heute überall gezwungen sieht, die Intellektuellen, gegen die man so erbittert gekämpft, die man ans der Gesellschaft ausgestotzen hak, zurückzuführen, daß sie m dws allgemeine Wirrwarr wieder Ordnung hinpin- bringen. .
Bemerkenswert ist, was Kautskh über bte Weltrevolution, die ja das eigentliche Ziel der Bolschewisten und Spartakisten ist, sagt. Die Unabhängigen, die auch immer mit solchen verbrechertschen Gedanken spielen, sollten sich gerade diesen Teil des Werkes besonders durchlesen. ?llle Hoffnungen auf den Ausbruch der allgemeinen Revolution bezeichnet Kautskh da völlig trügerisch, sie wären nur dann denkbar, wenn die jetzt in Rußland herrschenden Zustande in allen Staaten die Oberhand gewännen. Ohne lange und aufreibende Bürgerkriege »in der ganzen Welt für ein Menschenalter" ginge das nicht ab. Was aber dw notwendige Folge solcher zersetzenden Kampfe auf allen Gebieten bedeuten müßte, das brauchen wir nicht mehr zu schildern, da wir solche'traurigen Zustände bereits in unserem eigenen Lande erlebt haben.
Koutskys Werk bildet einen wertvollen Beitrag zum Studium des Bolschewismus. Bemerkenswert ist es, daß das Buch gerade in dem Augenblick erscheint, wo die Unabhängigen im Verein mit den Kommunisten und Spartakisten sich anschicken, zu einem s e h r s ch w e- ren Schlage gegen die Regierung und das Parlament auszuholen, um doch noch tn den Besitz der politischen Macht zu kommen, und ihre bol- schetvistischen Ideale bei uns zu verwirklichen Ob Kautskyz Werk aber bei den Unabhängigen irgend ente Wirkung erzielen wird, scheint mehr als fraglich.
Die zweideutige Politik, die gerade von diesen Kreisen betrieben wird, und die anscheinend durch 'mcht- von der Verderbtheit ihrer Anschauungen zu itberzeu- gen sind, haben längst bewiesen daß sie , emer v er- nuinftmäßigen Einsicht nicht mehr fähig sind. Sollte eS tatsächlich zu einem neuen Umsturz bei uns kommen, der es den Stabitakn ermöglichte, den Bolschewismus in Deutschland emzufuhren dann wird das vernichtende Urteil, das Kautskh über dik russischen Bolschewisten gefällt hat, auch für ferne eigenen Parteigenossen gelten müssen.
Ei« Führer der Unabhängigen zur Lage.
Auf der Reichrlonferenz der nnab- HSngigen Sozialdemokraten führte Haase laut ,Freiheit zum Thema „Die politische Lage" auS, die Regierung, die sich nur mir Hilfe de« Be- lagrrungszustandeS an ber Macht erhalte, behauptete zwar, bte vollendetste Demokratie zu repräsentiert«. Sie stelle aber nur eine verkappte Diktatur der herrschenden Klaffen dar. Im Proletariat sei eine gewisse Gleichgiltigkeit eingetreten, tjnb die Kommunisten hätten richtig daS Abflauen der revolutionären Stimmung erkannt. Dte wirtschaftliche Not könne zwar zu einer verschärften Revolutionsphase führen, man müsse aber auch mit einer längeren Dauer de» Tiefstandes der reoo- lutionären Bewegung rechnen. Daher dürfe die Partei Die parlamentarische Wirksamkeit nicht aui der Hand geben und die Wahlen keinekwegS dohkottieren. Solange die jetzige Gesellschaft bestehe, müsse man durch Mitarbeit im Parlament dem Proletariat möglichst günstige Kampfbedingungen zu schaffen suchen. Wa» die »eteiligung an der Regierung betreffe, so fei für die Parte- auf dem Boden der jetzigen Verfassung an ein Mitarbeiten an bet ReichSregierung nicht ilu denken. Einer möglichen Aufforderung ber Rechtssozialisten zur Beteiligung an der Negierung gegenüber könne ei sich unter Umständen empfehlen, ihnen Bedingungen zu stellen, d. h. ihnen dai volle Parteiprogramm zur Annahme zu unterbreiten. DaS sei aber nur eine Formfrage, da die Ablehnung von vornherem feststehe.
Aommuniste« i« den Parlamenten?
Die zweite Reichskonferenz der Kommunistischen Partei Deutschlands hat einen Bericht über ehre Verhandlungen herausgegeben, der eine Schwenkung ber Haltung der Partei zum Parlamentarismus vorauisehen läßt, wenn auch ein bindender Beschluß dazu nicht gefaßt wurde. Bisher haben sich die Kommunisten bekanntlich bei Wahlen nicht beteiligt. In dem kommenden Wahlkamps werden wir also auch vielleicht die deutsche kommunistifche Partei auf den Platz antreten sehen.
Die Bolschewisten in Sibirien.
Die »Times" meldet aus Omsk, daß die Roten Truppen Tobolsk besetzt haben. Rote Agenten sind eifrig bestrebt, die Bauern zum Aufstand zu bewegen. Die Sibirier bleiben jedoch der Regierung Kolffchak treu. Die Bolschewisten haben jedoch in Samara eine neue Heeresgruppe gebildet. Allen kölsche» wistischen Behörden ist ber Befehl erteilt worden, Bor- bereitung für die Bef ör d er u ng vo n Bo t r aten und Material von der unteren Wolga nach Zentral- Asien zu treffen.
AnS dem Wirtschaftsleben.
Amerikanische Kohle für Leutschaub.
Zwischen einzelnen Jndnstri «gruppen imb «ntreti- kanischen Exporteuren sHveben Verhandlungen zwecks beschleunigter Lieferung von awerlkanr scher Kohle nach Deutschland. Seitens bei nmerikanische« Expo^eure.ist die Slusfuhrerlaubms der amerikanischen Behörden in Aussicht
Die Kohlenlieferung soll indes dem Reichskohlenkommissar nicht unterstellt werden, sondern im freien Han- del unter Hinzuziehung de- deutschen Kohlemmport-, auf den Markt kommen. Der P r e i 8 der amerikanischen Kohle ist allerdings wesentlich hoher als der für ii.uffche Kohle, sodaß es sich, baichtfachlich. wohl um Notsirtndslieferungfn für dringliche Sfteziwlauftrage der Industrie handeln wird. So hat die Firma Hugo Stinnes bereits vor vier Wochen Lreferungsverjrage über mehrere Mllionen Zentner amerikanischer, Kohle abgeschlossen, die er für Mitteldeuffchland, inSbe,andere für Berlin und Hannover zur Verfügung stellen totrb. Es liegen erhebliche Angebote vor zum Preise von 470 Mark für die Tonne ab Hamburger Hafen. Gleichzeitig mit den Kohlenlieferungen 'st »in namhafter Kredit eingeräumt. Es handelt sich bei dieien Liefernngen um eine vorzügliche Gaskohle, die der be- fwn englischen mindestens gleichkomnit.
Tie versorgnug Deutschlands mit Baumwolle.
Die direkte Baumwollzufuhr hat mit dem Dampfer „Ozeito" angefangen, der Ende August mit 12000 Ballen Wolle von Galvestone abgegangen ist. ., „ .
Tie ,Voss. Ztg/ veröffentlicht Erklärungen eines maßgebenden deutschen FinanzmanneS über bte miserable Lage ber beuftchen Baumwollmdustrie, bte bazu zwinge, sich nach anderen Mitteln und Wegen zur Finanzierung ber Rohbaumwolle umzusehen. Es solle eine besondere BaumwolIbank in Bremen gegründet werden, die mit dem legitimen Banmwollhandel Hand in Hand arbeiten und unter amerikanischer Kontrolle stehen soll. Ihr Kapital soll 300 Millionen Mark betragen und auS Schuldverschreibungen ber Städte Köln, Bremen, Hamburg und Danzig, welche Städte ja so gut tote unter ber Kontrolle ber Entente stehen, sich zusammensetze. ___________ ______
Die Kosten der Soldatenrätr.
Tas Reichsfinanzministerium hat der Nationalversammlung «ine Denkschrift über me Finanzgebabrung der Soldatenräte bis zmn 31. Marz zugehen lassen. . Aus derselben ergibt sich, m welch Istrupelloseir Art die Svldawnräte vielfach mit dem Gelde der Steuerzahler umgesprungen find. DaS vor" gelegte Material ist bei weitem nicht vollständig, da vielfach bestimmte Angaben nicht zu erzielen waren. Die Ausgaben betragen für das Besatzungsheer rund 84 Millionen Mk.. für das Feldheer rund 8 Millionen Mk., zusammen 92 Millionen Mk. Die,e Summe gliedert sich in folgende Einzelbeträge: a) Kosten, die sich in Grenzen, der Festsetzungen der Reichsregierung für den persönlichen und schlichen Aufwand der Räte halten, rund 18 Millionen Mark, b) Mehrkosten durch Zahlung höherer Gebührnisse, Ausgaben für charteizwecke und andere nicht zulässige Ausgaben rund 37 Mllionen Mk., c) Verluste durch widerrechtliche Aneignung oder Verschleuderung von Heeresgut rund 3e> Millionen Mk., <1) unverrechnete Vorschüsse 2 Millionen Mark. ,. . , _ .j
Bei der Marine sind für diesen kurzen Zeichauni als feststehende Ausgaben angemeldet: 2 172.215 Mk. Der Cbcf der Admiralität schätzt indes di« Geiamtkosten auf annähernd 10 Millionen Mark. Von den feststehenden Ausgaben werden 63o 892 Mk. als Mehrkosten durch höhere Gebührnisse, für Parteizwecke itjto.
136 701 Mk. als Verluste durch wrderrechrliche Aneignung oder Verschleuderung von Heeresgut, 11 040 Mark als unverrechnete Vorschüsse charakterisiert.
Bei der P o st wurde die Herausgabe von ungefähr 100 000 Mk. erzwungen. Die R e i ch 8 b a n k st e l- l e n einer großen Anzahl von Städten haben sich Eingriffe der A.- und S.-Räte ohne vorhandene Deckung gefallen lassen müssen. Bei anderen Anstalten haben, zum Teil unter Gewaltandrohung, Abhebungen statt- gesunden: So mußten in Spandau Schecks des und S-RateS in Höhe von 200 000 und 600 000 SRI honoriert werden, ferner in Lübeck, w Osnabrück (70 000 und 85000 5J».), in Hanau (30 000 und 70 000 Ml.). In Saarbrücken wurde 1 Million vom sog. Intendanten des A - und S.-Rates .besch^- nahmt". Ter Betrag wurde später durch dr« Korps- zaksiungjsstelle Straßbuirg überwiesen. ' ©er BerEt geigt, daß die Gelder größtenteils den ber Heeresteil^r eingerichteten Soldatenraten zuflossen unb bte Abhebungen späterhin durch die zuständigen Mlrtarbehor- ben verrechnet worden sind.
Die Mitteilung Über die den Bundes staats n efeGIandenen Kosten Können auch ein vollständiges Bild nicht geben, vor allem da ermge von ihnen no» keinerlei zahlenmäßige Angaben gemacht h-wen, z B Bayern, Sachsen, Hessen, Brannichwerg Dw mitgeteilten Kosten belaufen sich auf etwa 22 Millionen. wovon allein auf Preußen rund 19 Millionen entfallen Wenn allgemein gewaltsame Eingriffe rn öffentliche Kassen in Abrede gestellt werden, so stehen dem nicht unerhebliche Er st a t t u ng s a n- träge solcher Kaffen cm das Kriegsministerium gegenüber, die sich auf erzwungene Zahlungen an Sol- datenräte stützen._______
• Der Umzug ber Nationalversammlung. Die Vorbereitungen zur Uebersiedelung der Nationalversammlung von Weimar nach Berlin sind beendet. Da« Büro ber Nationalversammlung befindet sich beteil« im ReichrtagSgebäude in_ Berlin. Tas Reich«tag«gebäube ist wieder vollständig hergestellt. Vom 23. September an tagen bereits Au« kchusse im Reichstag. Die innere Ausstattung bei Reichs- tagsgebäubes ist unverändert geblieben. Das Denkmal Kaiser Wilhelm« I. befindet sich noch in ber Wandelhalle deS Reichstage». ES ist auch mcht« darüber bekannt, ob eine Entfernung deS Denkmals beabsichtigt ist. Auch ber Präsibentenstuhl im SitzunqS- (aal trägt noch da« alte ReichSwavpra.
Donnerstag 11. Sept. 1919,. | I 4S. Zahrg