M 208.
Mittwoch, 10. September 1919.
X
Tr»S der Fnldarr Artie«dr«ckerei In Fulda.
Kohlerrnot, Bergbau und Eisenbahn.
dem
wcl-
UNd nur
er u. a. folgendes ausführte:
Die Versorgung der Eisenbahn, Gasanstalten Elcklriziiätswerke steht so, daß Bestünde mt Kohisn für 5—8 Tag« vorhanden sind.
rauf sorgfältig prüfen, ob sie befähigt und gewillt sind, zur Verbreitung der Wahrheit die freiwilligen Pioniere, namentlich aus der P r e s s e w e l t, vorsichtig und doch wirksam zu fördern.
Die G e l d f r a g e ist in dieser Milliardcnzeit nebensächlich. Wenn wir die unnützen Repräsentationslasten beschneiden, bleibt genug übrig, um auch Leute ohne Vermögen in den diplomatischen Dienst zu stellen!
Auf die Auswahl der Tüchtigen kommt alles an.
Im Ausschuß zur Prüfung der Arbeitszeit im Bergbau am 21. August ds. Js. in Esten erstattete der Vertreter des Reichskommistors für die Kohlenverteilung ein Gutachten über die Kohlenlage, in
Es bedarf wohl keiner näheren SchiDerung, mit cher Besorgnis unter solchen Verhältnissen die städtische Bevölkerung und insbesondere auch di« auf das Kochen mit Gas angewiesene Arbeiterbevölkerung dem kommendem Winter e»tgegvnsieht. Man muß' sich klarmachen einerseits den Mehrverbrauch der Gasanstalten rm Winter, andererseits die Unmöglichkeit, diesen Mehrverbrauch zu decken, ja, den weiteren Rückgang in der Versorgung und hat dann ein Bild der Dinge.
Mil der Versorgung des Hausbrands, der Land- wirtschaft und des Kleingewerbes ist es,, wie es nicht anders sein kann, ebenfalls außerordentlich schlecht bestellt. Im vorigen Winter ist die Versorgung insbesondere dank dem außerordentlich milden Winter einigermaßen gut gelungen. Man halte den Som
gebracht worden und muß immer wieder gesagt werden, weil es in der Tat das Mittel ist, das helfen kann.
Dabei soll aber eines nicht ungesagt blechen: Mit der Steigerung der Förderung Hand m Hand gchen muß die Steigerung der Leistungsfähigkeit der Eisenbahnen. Die Leistungsfähigkett der Eisenbahnen ist so zurückgegan- gen, daß sie an der Ruhr gerade ausreicht, um die För- derung abzusahren, und in Oberschlesien, wo infolge der politischen Verhältnisse auch die Verkehrslage ganz besonders ungünstig ist, sind die Derhältniste bei der Eisenbahn noch schwieriger. Die Eisenbahn muß aber erreichen, daß sie auch gesteigerte Fördermengen aufnehmen und absahren kann.
Die Lage ist klar: gelingt es dem Bergbau nicht, die Förderung zu steigern und erreicht es die Eisenbahn nicht, daß sie auch die gesteigerte Förderung abfahren kann, dann werden wir in Bälde in Deutschland einen Zustand bekommen, den man wohl als Z u - sammenbruch bezeichnen muß, auch wenn man es sonst vermieden hat, diesen Ausdruck im Munde zu führen. .
M dem rlaqdargesler.
0 Hanau. Nachdem die Pulverfabrik zur Herstellung von Pulver aus zwingenden Gründen nicht mehr in Frage kommen kann, ist man in den dazu berufenen Kreisen auf den Gedanken gekommen, Dahn- material-Reparaturwerkstätten dort einzurichten. Von diesem Plane ist in einer Versammlung den Arbeitern und Angestellten der Pulverfabrik, der auch der Abg.
Auf Anregung des Verwalters des Krongutes hat die gegenwärtige Regierung nämlich beschlossen, die Residenz als ein k u n st- und kulturgeschichtliches Museum zu erhalten und dem öffentlichen Besuch zugänglich zu machen. Unter der Leitung eines Fachmannes soll der Inhalt der Räume, über die mehrere Jahrhunderte hinweggegangen sind, gesichtet und geordnet werden, so daß der geschichtliche Charakter und die Etilreinheit der einzelnen Teile möglichst vollkommen gewahrt bleibt, und mit dem nächsten 1. Oktober hofft man dieses neue Museum des Wittelsbacher Königs Hauses, welches eine Fülle von Anregungen mannigfaltigster Art zu kulturgeschichtlicher Betrachtung bieten und reiche, bisher zum Teil unbekannte Schätze der Besichtigung zugänglich machen wird, unter der Aussicht ehemaliger Hosbediensteten eröffnen zu können. Ebenso soll das Schloß N y m- phenburg in ein Museum verwandelt werden, kz
— Das Wurstbrol des Pfarrers. Im evangelischen „Deutschen Pfarrerblatt" erzählt ein Pfarrer folgende Geschichte: Ich bin ein friedlicher Staatsbürger und Leiter einer größeren Anstalt, doch mit mäßigem Einkommen, so daß Genüsse wie Speck, Schinken und Wurst zu den Seltenheiten meines Daseins gehören. Daher war es ein Ereignis, als ich eines Tages ein großes Stück Wurst zugeteilt erhielt. Dieses benützte meine Frau, mir am folgenden Sonntag ein verlockendes Wurstbrot hinzusetzen. Um diese Zeit erschien mein Kontorbote mit den Postsachen. Während ich sie durchsalz, heftete erHeine Äugen heißhungrig auf das Wurstbrot. so daß ich. von einem mensckjlichen Rühren erfaßt, es ihm hinschob und dabei sagte: „Da nimm Junge, und laß dirs schmecken!" Das ließ er sich nicht zweimal sagen. Nach wenigen Minuten war es hinter dem Gehege seiner Zähne verschwunden. Aber wie dankte er mir? Ueberall erzählte er: „Unser Pastor hat es gut, pikfeine Wurst wie ein Handteller groß zum Frühstück." Der nächste, der es hörte, setzte verbessernd hinzu: „Alle Tag e." Bald hieß cs di.' Straße Humus und hinunter: „Pastors esten jeden Morgen dickbelegtes Wurstbrot." Da die Wurstscheiben non Würsten Herkommen, so wurde eine große Menge von Würsten zusammeng-dichtet, die ich gehamstert, unterschlagen oder gestohlen haben sollte. Sobald ich M'ch auf der Straße blicken ließ, ssieß es hinter mir bald heimlich, bald laut: „Wurstfresscr! Wurstfresser!"
Weltanschavunaskämpfe in Nordamerika.
Auch in Nordamerika haben jetzt bie Kämpfe mn i'ie christlich« Schule eingesetzt. Tas geht aus dem Berichte des Präsidenten des Katholischen Ber- einrbundes de? Staates Illinois hervor, der auf seiner 25. Tagung am Peter- und Paulstage in Chicago aus, führte: Der Kampf gälte in Amerika zunächst der Pfarr- oder Gemeinde schul«, dem „koilbar- sten Kleinod" der Katholiken Amerikas; weiter handelt es sich darum, die Weltrevolution in Amerika nicht avfkommen zu lassen, indem man an den Grunv- sätzen Kettelers und Leos XHL festhalte. Besonders verdiene die katholisch« Presse, das Stiefkind der amerikanischen .Katholiken, eine ausgiebigere Unterstützung, und eine weitartsholende Agitation ‘für dieselbe sei non nöten. Ter Frauenbund habe setzt vor allem darin seine Aufgabe zu erblicken, die Frau politisch zu schulen und aufzuklären, damit das neu gewährte Frauenstimmrecht auch der. katholischen Sache züm Segen gereich«. Tie J ün g- l i n g Z s e k t i o n en, die durch den Krieg außer Kraft getreten seien, verdienten in erster Linie die Unterstützung der Männer.
In einer Entschließung heißt es: Wir bedauern die Bewegung zur Abschaffung der Privat- und Pfarr- schule und zur Zentralisation des gesamten Unterrichtswesens (Einheitsschule!s, wie sie - die Smith-Towncr-Vorlage fordert. Wir verlangen einen Ausba;u des katholischen Unterrichtsivesens, das auf der Höhe der Zeit zu halten ist. Ein einheitlicher Schul plan ist für alle Pfarr- schnlen einzubringen. Tie katholischen Ettern werden aufgefordert, ihren Kindern eine gute Schulbildung zu gewähren, und sich nicht für diese mit der bloßen Elementarbildung zu begnügen. Darum Besuch der höheren Bildun.gsanstalten. Eltern und Geist- l i ch e sollen sich der Berufswahl per Kinder gemeinsam annehmen.
mcr benutzt, um die von der Kohle besonders entfernt liegenden Gebiete mit den nötigsten Brennstoffen zu versehen. Insbesondere ist Süddeutschland beim Abfahren der Kokshaldenbestände eine größere Koksreserve hingelegt worden. In diesem Jahre lyat zunächst der große Streik an der Ruhr im April gerade auf die Hausbroridversor- gung verheerend gewirkt, und insbesondere Süddeutsch- land, das auf den Wafferbezug während der günstigen Frühjahrs- und Sommermonate angewiesen ist, ist außer- ordentlich geschädigt worden. Diese Ausfälle sind nicht mehr einzuholen. Von einer Winierbeoorratung kann nirgends die Rede sein. In den Monaten Mai und Juni konnte dem Hausbrand nur rmgesähr die Hälfte der vorjährigen Mengen zugeführt werden und auch dies nur ungleichmäßig. Die Sorge um den Hausbrand ist erdrückend, besonders wenn man bedenkt, daß wir nach zwei milden Wintern auch wieder einen harten bekommen können. In dieser Sorge sucht man überall nach Ersatzstoffen, Holz, Torf, die zu hohen Preisen und aus weiten Ent- fernungen herangeschafft werden, soweit sic nur zu haben sind. Die Klagen der Landesregierung und anderer verantwortlicher Stellen werden immer ernster und sorgenvoller, die Hinweise auf die Unzufriedenheit, die Verdrossenheit der Bevölkerung immer dringlicher. Was getan werden kann, ist aber bei der jetzigen Lage b l u t- wenig. Aussichten auf Besierung können nicht gemacht
Kleines Heuilleton.
beiden Kometen am Himmel. Die Heidel- i r nt. .Ov'gstuhl-Sternwarte teilt mit: Der erste MN che Komet ist zur Zeit von der Helligkeit n ..Maße, so daß er bequem im Opernglas ZT"” -"rbelfleck betrachtet und mit bloßem rtuJL!.' & c n werden kann. Er eilt mit qro- na-W durch den Nordhimmel hinab. Am iten wr ^Qnö cr obends zwischen Beta und dem Wh« nL am 29. September bei 67 desselben m u™ °m 9. Oktober beim Stern Beta im
iif Art sich gezeigt, daß dieser Stern identisch
st '.unsten Kometen des Jahres 1847. Der , aber ' cin wenig schwächer als der
beim ~Q?6'8Heller werdend, steht am 14. Sept. Stern-cf" $m’tron ’m Bootes und am 16. Okt.
- ^nwga in der Schlange.
ber Münchener Residenz hat feit ingig n *on En denen Sorge bereitet, die un- lchiib,, politischen Meinungen Verständnis für s “ nda sth «tifche Kultur besitzen, tt d/,' !>,. ? s^int bei den wechselnden Mackst- chen-m-,An>en Umwälzung bisher nicht in dem schon Maß vorhanden gewesen zu fein, spross, s« ^raumer Zeit wurde in der Münchener n s*rnTQ9c„ über die Verwendung der umfang« Nachpn . . 2 geführt, aus denen Kurt Eis- kV® 'm November vorigen Jahres das * es 3}ph‘1!?£$QUS vertrieben hat. In der Tat tt £nren erregen, daß nicht nur Sicherunqs- ^siden-k„ ^sioates monatelang in einem Teil $Q"besfmJUec untergebrocht wurden, sondern auch idqs s A^fat dort seine Tätigkeit entfaltete, '"!nnarAchünimstc war, daß man den Kraft- an m • Münchener Besatzung mit allem s u;ih oi Kn und anderem Material dorthin
Er Art, Holzwolle und andere " Vurb„J"‘,R'Ce' 'n den weitläufigen Höfen und in Rachgerade ist man an den
7Sr SW ‘ x r ’ur Einsicht gekommen, daß eine von Gebäuden, die hohe kunst- WD^iN'chlllche Werte einschüeßen bezw. dar- 16a[„a' ^'■antworten ist, und man hat be- und Gewölbe, die bisher als Kaserne Niißbraucht worden sind, zu räumen.
werden, es muß im Gegenteil deutlich auf die w e i t e r e ■ Verschlechterung der Lage hingewiesen werden. In der Industrie stehen die Verhältnisse gleich schlecht.
Die Einsicht in die wirischasilichen Zusammenhänge fehlt bei unserem Volke noch sehr: man denkt nur an sich selbst und an seinen eigenen, unmittelbaren Interessen- kreis. Das Wirtschaftsleben ist aber kein Steinbaukasten, wo jeder Stein lose neben dem andern liegt, sondern ein ganz kompliziertes, sein ineinandergreisendes Räderwerk, ein in sich geschlossener Kreislauf, und jede Hemmung, die an irgend einer Stelle dieses Kreislaufes auf« tritt, wirkt durch den ganzen Kreis hindurch und schließlich auch aus den Ursprungsort zurück. In die Arbeiterschaft der Kohlen verbrauchenden Industrien dringt die Erkennt- nis dieser Zusammenhänge langsam, aber nach und nach immer mehr ein. Die Kohlennot sorgt dafür, daß auch der Arbeiter die Wirkung dieser Zusam- menhönge aus seine eigene Existenz immer mehr gewahr wird. Wie soll das Baugewerbe arbeiten und die Wohnungsnot gemildert werden, wenn die Kalkwerke, die Ziegeleien und die Zementfabriken aus Kehlenmangel nicht arbeiten können. Was nützt die Erzeugung der elektro-technischen Fabriken, wenn die Por- zcllanindustrie keine Isolatoren u. s. w. liefern kann? Was nützen uns die Rohstoffe für unsere Volksernährung, wenn I wir sie aus. Kohlenmangel nicht ans Nahrungsmittel ver- I arbeiten können? Wir hosten in diesem Jahre aus eine I gute Ernte. Wie soll aber bas Getreide gedroschen, ver- I mahlen und verbacken weiden, wenn die Kohlen dazu nicht zur Stelle sind? All dies muß cm letzten Ende auch den I Bergbau treffen. Unzulänglichkeiten irgend eines gründ- I legenden Produktionszweiges müssen schließlich auch auf I die Angehörigen dieses Zweiges- wieder zurückfallen.
Nun kommen zu den jetzigen Schwierigkeiten die L i e- I ferung an die Entente. In rohen Zahlen gr- I rechnet ist unsere Steinkohlenförderung einschließlich Ober- I schlesien heute 100 Millionen Tonnen aufs Jahr. Dazu die Braunkohlenbrikctterzeugitng von rund 20 Millionen I Tonnen gibt zusammen 120 Millionen Tonnen. Die Roh- I braunkohle selbst kommt als Ersatz für die auszuführenden I Steinkohlen nicht in Betracht, da sie ihres geringen Herz- I wertes wegen und wegen der Transportnot nicht auf grö- I ßere Entfernung gefahren werden kann. Zieht man bei I den Steinkohlen noch den Zechenselbstverbrauch ab und I nimmt man an, dcß wir 20 Millionen Tonnen im Jahre liefern fallen (non der im Friedensvertrag festgesetzten I Höchstmenge non 43 Millionen Tannen) so macht dies I für den ganzen heutigen Verbrauch eine weitere Kürzung I um rund 18—20 Proz. aus. Nun können Eisenbahnen, I Schiffahrt, Gaswerke, Elektrizitätswerke, die ja auch unter I den Transportfchwierigkeiten des Winters ohnehin zu lei- I den haben, eine Einschränkung in diesem Umfange nicht I Mfgebürdet bekommen, wenn nicht schon an dieser Stelle I dir Wirtschaft zusammenbrechen soll. Die Transport- I schwierigkciten werden sich durch die von den En- tenteliesennigen veranlaßten Verschiebungen in der ganzen I Bersorgungsweise zudem weiter vermehren. Die Haupt- I last haben also zu trogen: die Industrie als die größte I Verbrauchcrgruppe und neben ihr der Hausbrand, die I Landwirtschaft und das Kleingewerbe. Für diese Träger I der Hauptlast wird dann der prozentuale Aussall entspre- I chend größer sein, und er mag wohl das Doppelte betragen. Die Wirkung solcher Ausfälle auf unser Mrtschafts- I leben und auch auf unsere politischen Verhältnisic hier I im einzelnen zu schildern, dürfte -sich erübrigen.
Was uns helfen kann, ist neben äußerster Spar- I famteit in der Verwendung der Brenn- I stoffe einzig und allein die 2Irb eit unb zwar in erster Linie die Arbeit in der Urproduktion, also die Steigerung I der Kohlenförderung. Dies ist schon so oft zum Ausdruck
Neue Diplomaten.
eyttt das Friedensleben wieder in regelmäßigen “fotnmt, müssen wir auch unsere Botschafter und Mschasten in dem bisher feindlichen Ausland ein richten.
jnytcfje machen sich Sorgen wegen des vermeint- - Mangels an befähigten Person- -eiten. Die ftüheren Diplomaten sagen sie, , „us einer Kaste heworgegangen, in der Haupt- , yjg der Aristokratie mit gelegentlichem Einschlag «(utokratischen Sprößlingen. Jetzt aber müsie auch Diplomatie demokratisiert werden, nicht allein des »jps halber, sondern auch wegen der verhängnis- n Unfähigkeit, welche die alten Diplomaten zumeist iefen haben. .
ist gewiß zeitgemäß, nach neuen und hoffent- befferen Methoden und auch nach neuen Per- ilichkeiten zu suchen. „Freie Bahn dem pkigen" muß auch auf diesem Feld die Parole sein, r deshalb braucht man nicht alles, was im Dienste w auswärtigen Politik bisher tätig war, zum alten EL -u werfen. Es kommt nur darauf an, ob ver fin«lne dieFähigkeit und den redlichen Willen m der neuen Ordnung der Dinge wirksam mitzuar- En Die Demokratie muß den Auswahlbezirk er» i'tern; aber sie soll ihn nicht sofort wieder einen durch die Aechtung aller Personen, „die in der hl ihres Vaters vorsichtig gewesen sind oder sich üts einen höheren Amtstitel erworben haben". Man f keine brauchbare Kraft ungenutzt laflen. Das ammenarbeiten der Neulinge mit den geschulten erfahrenen Kräften wird den Uebergang erleichtern. Wie hat sich die f r a n z ö s i s ch e R e p u b l i k ge- en nach der Umwälzung von 1870-71? Sie hat enmeife und zeitweise Botschafter mit feudalen Na- , ausgeschickt, aber auch sich durch Personen ver- >n lassen, die nichts anderes mitbrachten als das Snliche Ansehen, das sie sich in der Heimat durch parlamentarische oder ihre publizistische Tätigkeit erben hatten. Und diese Leute, die eigentlich nicht ^entationsfähig aussahen, haben im ganzen sich in manchen Fällen sogar ausgezeichnet bewährt.
Warum sollte es nicht in Deutschland gescheite geschickte Leute geben, die sich schnell in den omatischen Betrieb zurechtsinden. Im Grunde ge- imen ist ja nichts weiter erforderlich, als gesunder aschenoerstand, ein gewisser Fonds von politischen ntmffen und gute Formen im gesellschaftlichen Ver- Für die gegenwärtigen Verhältnisse und die künf- en Aufgaben der deutschen Diplomaten kann man ienders betonen, daß die gesellschaftliche efähigung sich nicht ausschließlich oder nicht rniil hauptsächlich auf die Ministersalons zu richten ,t, sc idem b;e unmittelbare Fühlung suchen muß in llen Schichten und Klaffen des Volkes, namentlich ch mt den gewerblichen Kräften und mit den u l t u r > l l e n Wortführern.
Früher war vielfach der militärische Attachee 1 wichtigst. Person in der Gesandtschaft, während Gesandte r'lbft nach Bismarckscher Praxis eigentlich : der Postbo.» für die Noten des Auswärtigen Ämtern sollte. Die legitime militärische Erkundi- hat jetzt i.'rc Bedeutung verloren, da wir für >arc Zeit ohnmächtig sind und auch an keinen denken wollen. Dagegen kommt es jetzt noch wie früher da -auf an, daß unsere Gesandtschaften chrend Aufklär ing geben über die wirtschaftsozialen Verhältnisse in den betreffenden xn, damit mir ns darnach einrichten können bei r Wirtschafts--1. rd Handelspolitik, die den Ausgibt bei den Selbstrettungsversuchen unserer
Das Seitenstück zck dieser Aufklärung, die vom «lande nach dem Inlande geschickt werden soll, bildet A u f k l ä x u n g der dortigen öffentlichen Mei- | *pcr die Verhältnisse und die Tendenzen in ilananb. Gerade in diesem hochwichtigen Punkt Ue alte Diplomatie versagt. Sonst wäre es nicht uch gewesen, daß die tollen Lügen über die it|ore Eroberungssucht und Kriegs- Jn der Welt den Glauben gefunden haben, der unserer Niederlage entscheidend mitgewirkt Hot. was Vorurteil, das dieser zielbewußte Lügenfeld- geichaften hat, müssen wir zu beseitigen suchen, oozu muß unsere aufgefrischteDiploma- ~’e^'en- Das geht nicht in den alten «aujchcn Formen. Es müssen neue Mittel und ^gefunden werden, um die öffentliche Meinung «uslande aufzuklären. Das Auswärtige Amt auszuscndenden Persönlichkeiten gerade da-
berfcmmlung im letzten Frühjahr den Groß-Berliner Gemeinden über eine Million Mark gekostet, die verschiedenen Parteien aber Über sechs Millionen Mark. Tas Wählen ist also für die Berliner kein billiges Vergnügen. Anderwärts wahrhaftig auch nicht!
** Zigarren auS PflaumenblStter». Aus vielen Teilen Deutschlands werden Klagen darüber laut, daß di« Obstbäurne, besonders die Kirschen« und Pflaumrnbäume, streckenweise ihrer Laubes beraubt werden und daß dieses waggonweise zur Verarbeitung ali Rauchtabak in die Städte geschickt wird. Di« des Laubes beraubten Bäume geraten in die Gefahr deS Verderbens. Mindestens ist eS zweifelhaft, ob sie im nächsten Jahr Früchte tragen. Wie den Rauchern das neue Kraut bekamt, mag dahingestellt bleiben.
I nahmen, daß man sich kaum noch eine Freude gestatten könne. Nun ja, die Zeiten sind wahrlich nicht 'besonders rosig, und die Notwendigkeit, sich einzuschränken, ist schon an viele, sehr viele herangetreten, die diese „wirtschaftliche Kunst" ehedem nie geübt haben, die ihnen nun doppelt schwierig erscheint, und sie zu einem Lamento veranlaßt, selbst aus Verhältnissen heraus, die andere, welche mit noch sehr viel weniger auSkommrn müssen, aI3 glänzend bezeichnen! Aber man sei doch mal ein wenig gerecht, und prüfe daS Bergnügungskonto seines Jahres - Haushaltes l Was heutzutage für Vergnügungen und Zerstreuungen aller Art ausgegeben wird, ist ganz ungeheuer. Allgemein glaubt man eben (nicht zum wenigsten zwischrn Liebesleuten), eine richtige Freude müsse Geld kosten, sie muss« dem Auge, dem Ohr, oft sogar dem Magen etwas Ungewohntes, Besonderes bieten. Es wäre Wohl an der Zeit, wenn die Nöte des Lebens, wie sie vns der große Weltkrieg und seine Folgen gebracht haben, anstatt zu einem Lamento zu innerer Einkehr Anlaß gäben, zu einer neuen Wertschätzung der so verkannten „kostenlosen Freuden", zu einer ethischen Vertiefung der Begriffe Freude, Zerstreuung und Erquickung. Der lauterste Ouell der Freude entspringt für deutsche Gemütsart im Kreise bei Familie, tm Zusammenleben mit Menschen, bh uns am liebsten sind. Widme man sich in herzlicher Art einer beut andern, namentlich auch bei Jugent unb de« Kindern, denn bann bleibt man selber jung. Manche Eheleute würben sich besser verstehen und viele junge Leute zufriedener sein, wenn sie ihre Freuden mehr innerhalb ihrer vier Mauern suchen würden. Unb dann benke man boch auch an die ernsten Freuden, die man aus Museen und Sammlungen mit nach Hause nehmen, an die Belehrungen, die man aus guten Bücher« (wozu haben wir unsere Bibliotheken?) schöpfen kann, an bte wonnigen Gefühle, die ein Gang im Walde unb Flur gewährt, unb nicht zuletzt an den Segen einer einsamen Stunde, die man in bet ernsten Beschäftigung mit sich selbst zubringt. Das alles ist wahrlich kostenlos, macht aber dennoch um so glücklicher. Wenn Eheleute nach dieser Richtung hin gleiche Gedanken Haden und gleiche Empfindungen hegen, da wohnen sie gewiß im Paradies. wo.
| G. Hoch, beiwohnte, Mitteilung gemacht worden. Die Versammlung wählte eine Kommission, die nach Berlin reisen und dort Informationen geben soll, um die Umstellung des Werkes zu beschleunigen..
X Mesbaden. Auf Befehl der französischen Behörde hat der Magistrat wegen der Beschasfung von I Wohnungseinrichtungen für Angehörige derfranzösischenBesatzung sein nur für einfachere Möbel und Einrichtungsgegenstände bestehendes Vorkaufsrecht auf solche jeder Art ausgedehnt. Zuwiderhandlungen, auch die Ausfuhr, werden mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis 1500 Mark bestraft.
ff , ______________
vermischter.
* Vom Tpenglerleljrling zum Geheimrat und Ebrcn- I hoffet. Nicht durch die Revolution, die ja alles nu Ich I macht, sondern vor ier Revolution in zäher Ar- I b e i t hat der im 80. Lebensjahre jetzt in Berlin verstorbene Geheime Kommerzienrat Dr. Intz. h. c. Ri- I rf-arb Pintsch es vom Spcnglerlehrling zu seiner I Stellung eines führenden deutschen I Großunternehmers gebracht. Richard Pintsch I gehörte zu den markantesten Persönlichkeiten Berlins, I die in den Kreisen der Berliner Finanz- und Hcmdels- I Welt eine ebenso hervorragende Stellung einnahm wie I in den akademischen Mittelpunkten -Denschlands. Die I Firma hat für sämtliche europäischen Eisenbahnen seit je die Gasbeleuchtung hergestellt. Das Haus I Julius Pintsch wurde im Jahre 1843 von dem Vater des Verblichenen gsgründcr. Nachdem dieser vor mehr als 3% Jahrzehnten verstorben war, hat Geheimrat Dr. Richard Pintsch als Senior des Hauses die Ge- fchäste gefeit'.. Er hat von der Pike auf gedient. Er hatte weder Hoch schul- noch Gymnasial- b i ld u n g — dos Doktorat der Jngemeur-Wissenschoft ist ihm ehrenhalber von der Technischen Hoclischufa Stettin verliehen worden —, sondern begann seine Laufbahn mit vierzehn Jahren als Klempnerlehrling. Nack Beendigung der vierjährigen Lehrzeit kam er in da? damals noch recht tlnhedemende Geschäft des Vaters, | das im März 1907 in eine Aktiengesellschaft umgewcm- ' bett wurde. Bemerkt fei, daß Geheimrat Pintfch auch einer der Gründer der Deutfchen Gasglüh- lichtgcsellfchaft (Auergesellschaft) gewesen ist.
* Versteigerung der kaiserlichen Hofwagen. Im Marstall in Berlin fand eine Bersteigcruing der Wagen des früheren kaiserlichen Hofes statt. In Friedens- zeitev war btefer Marstall mit seinen großen Ställen, mit seinen etwa 300 Wagen, mit den historischen Gala- wagcn und Schlitten eine Sehenswürdigkeit von Ber- lin. Von dieser Herrlichkeit ist nut ein geringer Teil übriggeblieben. Die Pferde sind zum größten Teil schon vorher versteigert worden. Die historischen Wagen, unter denen auch der berühmte Schlitten des Großen Kurfürsten, . kommen natürlich nicht zur Versteigerung, sondern werden in Museen übergeführt. Am Donnerstag waren viele Kauflustige zur Stelle, die den Rest der Hofwagen erstehen wollten. Sie mufadn jeder, um überhaupt Zutritt zur Auktion zu bekommen, einen Betrag von 820 Mark hinterlegen, was genügte, um das bloß schaulustige Publikum fernzuhalten. Insgesamt hntroen 65 Wagen verkauft und 400 000 Mll dafür erzielt. Am meisten von den Käufern begehrt waren Landauer und sog. Viktorias; erstere erzielten bis 13 000 Mark, letztere bis 11 000 Mark. Für Dau- montwagen, die durchschniWich in einem Privathaushalt weniger zu verwenden sind, wurden nur 4- bis 8000 Mark erzielt. Jagdwagen und Dogcarts waren beliebter, sie erzielten je nach der Größe 4. bis 10 000 Mark. Auch Galawayen,, Sie freilich schwer loszu- schlagen waren, befanden sich unter den zu veräußernden Gegenständen. Die Schicksale dieser Hofwagen, die nun in die Remisen der Eurporkömmlinge upd Kriegsgewinnler Äergehen, könnten ironische Randglossen zur ganzen Geschichte dex Revolution abgeben. *
* Was Wahlen in Berlin kosten. Nach einer jetzt fertiggestellten Ueberfidrt haben die Wahlen zur Preußischen Landesversammlung und Deutschen National-
Leute, die mir bisher freundlich gesinnt waren, betrachteten mich mit feindlichen Blicken, als wallten sie sagen: „Auch du, Brutus!" Die Würste vereinten sich schließlich zu einem Schwein, das ich heimlich geschlachtet haben sollte. Als in der nächsten Woche tm Gasthof nebenan eine politische Versammlung stattfand, schilderte eine Rednerin dieses Schwein, vier Zentner schwer, so anschaulich, daß ich nachts Spitzbubenbesuch bekam, der die Beute abholen wollte. Als sich aber nichts fand außer einigen armseligen Ersatzmitteln, schlugen die Burschen alles kurz und klein. Am anderen Morgen fand ich dir Bescherung: ein herausgerissenes Fenstergitter, vier zerbrochene Scheiben und einen Haufen Scherben; Kostenpunkt 250 M. Ich faßte daher den Vorsatz, niemand mehr mein Wurstbrot anzubieten.
— Di« Einigkeit der Eltern hat in allen Er- ziehungsfragrn ein» ranz außerordentliche Bedeutung. Aber man darf bte Einigkeit auch nicht falsch auffassen und falsch anwrnden. Ist der Vater streng, io darf die Mutter nicht eucb ebenso streng fein; sie mag ruhig bei Gelegenheit ihr Herz reden loffen ttnb ihre firme öffnen, um dem gestraften Kinde einen Unterschlupf zu bieten und einen Trost- in seiner kleinen und doch so großen Bedrängnis. Oder sollte das Kind niemand, gar niemand auf der Welt haben, wohin es sich flüchten könnte vor dem gerechten Zorn des Vaters? Allerdings darf die Mutter, und das ist fo schwierig, die gute Absicht auch nicht wieder zu weit führen, sie darf nie dem Vater unrecht geben in Gegenwart des Kindes und so in diesem die Meinung Hervorrufen, es werde vom Vater ungerecht behandelt, es habe die Strafe nicht verdient, es brauche keine Reue zu empfinden. Nein, die Eltern müssen in allen Dingen beisammen stehen. Straft der Vater mit der Tat, so möge die Mutter die nötige Ergänzung und Belehrung geben und dem Kinde begreiflich machen, daß es auch dem Vater und wie sehr j es ihm wehe tut, wenn er strafen muß. Die meisten Kinder sind kleine Philosophen, sie fragen nach dem „Warum", und gibt man ihnen nicht Bescheid, dann suchen sie fich selbst unbemerkt eine ihrem jungen, noch unerfahrenen Verstand einleuchtende Antwort. =ser
— Frcndru, dir nichts feiten. Tie Welt jammert heute, daß das Lrb-n gar so teuer geworden sei, daß man nicht mehr auskommr mit seinen Ein- 1