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Abschied vom politischen Leben einleiten soll. An­geblich verhandelt auch Lloyd George über eine ähnliche VortragS-Reise in Amerika. Ta! sind Mel­dungen, die sehr unwahrscheinlich klingen. Klemen« ceau ist zwar noch rüstig, ober auch er kann wohl alS Siebzigjähriger nicht mehr so, wie er will.

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Markenfe».

In diesen Tassen werden die letzten Mann­schaften der Heeresgruppe Mackensen, die bei dem allgemeien Rücktransport im Januar und Februar zurückgeblieben waren, soweit sie transport­fähig sind, h e i m k e h r e n. Nunmehr ist auch die Rückkehr des Generalfeldmorschalls v. Mackensen zu erwarten, der seinen Entschluß, Ungarn erst nach den letzten ihm anvertrauten Soldaten zu verlassen, dnrchgeführt hat.

Von der Verehrung und Dankbarkeit der Truppe gegen den greisen Feldmarschall gibt ein Schreiben des vormaligen Vorsitzenden des Zentralrates (Solda­tenrats) der Südostfront (Armee Mackensen) Zeugnis, das an die Angehörigen des Feldmarschalls gerichtet ist. Darin heißt es: Der nun zum Abschluß kommende schmähliche Friedensvertrag bringt uns in schmerzlichster Weise in Erinnerung, daß unser hochverehrter Herr Feldmarschall mit einigen Getreuen immer noch in Ge- fangenschast sitzt. Er hat mit seiner Person den Rück­zug der Armee gedeckt, und dafür sind wir ihm zeit­lebens unauslöschbaren Dank schuldig, dem wir, wie ich hoffe, auch äußerlich in den nächsten Monaten gewaltig Ausdruck verleihen werden. Mit Ungeduld erwarten wir den Tag der Rückkehr des Herrn Generalfeldmar­schalls. Der Tag wird mir und tausenden meiner ehe­maligen Kameraden ein Festtag sein. In der Hoff­nung, daß dieses freudige Ereignis bald eintritt, zeichne ich mit ergebenster Hochachtung (gez.) Otto Braun.

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27. Stig bzos : Mk. ß

die Geschäfte in der Stadt schloffen sofort ihre Läden. Der Militärverwalter der Provinz berief sofort eine Versammlung sämtlicher Fabrikanten ein. Die Nicht- erschienenen und die Inhaber der Firmen, welche ihre Betriebe geschlossen hatten, wurden mit hohen Geld» strafen belegt, auch die S t a d t Oberstein selbst. In der Versammlung fragte der Militärverwalter nach der Ursache der Arbeitsniederlegung und es wurde ihm mit­geteilt, daß es sich anscheinend nur um eine Protest­kundgebung gegen die neue Regierung handele. Als Geiseln wurden angesehene Bürger verhaftet. An­deren Tags wurde die Arbeit wieder aufgenommen

Drr Ausschluß des Hl. Stuhles

von den FriedenSvrrhandlungen.

Au? vatikanischer Quelle bringt die,Voss. Ztgck den Wortlaut des § 15 des Londoner Ver­trages vom 26. April 1915, der von Sonnino ab- fieleunnot wurde: Frankreich, England und Ruß­land verpflichten sich^ den Einspruch zu unter­stützen, den Italien erheben wird gegenüber jedem Vorschlag, der einen Vertreter de; Hl. Stuhles be­rechtigen sollte, bei den Verhandlungen über den Frieden und über die Lösung der durch den gegen* mutigen Krieg aufgeworfenen Probleme zugelassen

IMittwoch w. September Md.| WÄÄÄÄl 46. Zahrg

ne&cn dem Lehnstuhl. Gegen Mitternacht erwachte der Kranke. Er sah sich im Zimmer um. Offenbar sand er sich nicht sogleich zurecht. Als sein Blick auf Maria fiel, schölte er und faßte des Mädchens Hand.Es ist gut, daß Tu 6a bist, lispelte er kaum verständlich. Dann saß er wieder unbeweglich im Lehnstuhl, den Kopf tief auf die Brust geneigt.

Willst Du nicht zu Bett gehen, Onkel Gottlieb?"

Er schüttelte ehr wenig den Kopf und schien schon wieder halb eingeschlummert zu sein. Nur ein Zucken bewegte hin und wieder die Hand, die Marias Finger fest umschloffen hielt. Das Mädchen schaute immer ängst­licher und beklommener auf den schlafenden Greis. Es war so unheimlich still. Maria wagte nicht, ihre Hand aus der des Kranken zu ziehen. Sie wäre am liebsten davongelaufen, dennoch hielt ste das Gefühl der Pflicht festgebannt. Wie konnte ste den hilflosen Mann ganz allein lastens Und doch sagte sie sich, daß, wäre sie heute nicht zufällig gekommen, er wahrscheinlich, so ganz gewiß keinen Menschen in seiner Nähe gehabt hätte. " Denn von den Monders'schen Damen hätte stch schwerlich eine bereit gefunden, hier zu bleiben. Gegen Morgen war Maria ein wenig eingeschlummert. Als sie die Augen auflchlug, schaute sie verwirrt um stch. Sie mußte sich erst besinnen,' wo sie sich befand. Durch die herobgelassenen Vorhänge brach bereits ein rosiger Schimmer, der das Nahen des neuen Tages verkündete. Maria atmete erleichtert auf Gottlob, auch diese Nacht war vorüber. Jetzt erst fiel ! ihr Blick auf den neben ihr liegenden Alten im Lehnstuhl. Seine Arme hingen schlaff herab, die Augen waren halb gefchlosicn, das Gesicht gelb uni seltsam verändert. Ma­na nahm die Lampe, die noch , blich 'auf dem Tischchen nebenan brannte, und leuchtete buu.it dem Alten ins Gc- W. Sie stieß einen lauten Schrei aus, so konnte nur ein Toter aussehen! Ohne jeden Kamps, sanft und ruhig mar er hinübergeschlummert, während sie schlief! Zitternd j an allen Gliedern stellte ste die Lampe wieder hin, zog mit bebender Hund die Vorhänge in die Höhe. Grauen und Entsetzen f-.;üttelten sie, daß ihre Zähne aufeinander­schlugen.

Eie öffnete bas Fenster, dann lief sie über die Straße unb klingelte lehrere Male heftig an der Manders'schen Wohnung. E» dauerte sehr law-, ehe droben ein Fenster

Hb O I 8era«tW8rt!. f. d. redaktionellen teil i. 53.: Dr. Joh. Kramer, lyö» I für >te Ängeieen: tz Parzetter, FutLa. y,.ointi«xt»iu£t.

Ter Münchener Geiselmord.

Die deutschen Revolutionäre haben sich viel auf die Unblutigkeit ihrer Revolution zugute getan und übersehen dabei gern, daß es doch nur der t r 0 st l 0 s en Resignation des Bürgertums und der alten Machtfaktoren zuzuschreiben war, daß durch ihre Revolution Elemente sich hervorgewagt ha­ben und groß geworden sind, die man vor der Re­volution erfreulicher Weise nur hei Gerichts­verhandlungen und in Zuchthäusern vor- zufinden gewohnt war. Die Revolution der Sozial­demokratie hat Geister herbeigerufen, die sie jetzt gern wieder los wäre und die führende Sozialdemokraten jetzt zu dem vielleicht ehrlichen, aber der Wahrheit nicht entsprechender Bekenntnis veranlassen, daß die Sozialdemokratie die Revolution garnicht gewollt habe.

Die Geschichte wird diese Ableugung der Vater­schaft der Sozialdemokratie am Novemberumsturz nicht wahr Haden u. der Sozialdemokratie wird es nie gelin- I gen, sich von der schweren Schuld rein zu waschen, die sie durch ihre Revolutionspropaganda dem deutschen Volke gegenüber auf sich geladen hat. Daß anständige Menschen, ehrliche Freunde des Volks und Vaterlandes heute weit von sich weisen, was alles durch die Revolution zutage gefördert worden ist, ist | nur zu begreiflich, aber wenn dem Verderben Einhalt I geboten und die Zukunft besser werden soll, dann tut ehrliche Eewiffenserforschung und der Vorsatz not, das liebel an der Wurzel zu fassen und den Geist der Un- I botmäßigkeit und niedrigster Selbstsucht durch den Geist wahrer Demokratie zu verdrängen.

Das schauerliche Bild, das die noch immer anhal­tenden Münchener Gerichtsverhandlun­gen gegen die Geiselmörder entrollen, ist eine drohende Mahnung an das deutsche Volk, zur Vernunft zurückzukehren und der Ver­hetzung, derer Apostel immer noch das Land durch­ziehen, einen unübersteigbaren Damm entgegenzubauen. In München haben wir ein kleines Abbild besten vor Augen gehabt, was in R u ß l a n d unter kommunisti­scher Herrschaft an der Tagesordnung war und noch ist: dort haben wir erfahren, welche Vorstellungen sich die kommunistischen öottsbefreier und Volksbeglücker von Freiheit, Gleich­heit und Brüderlichkeit machen. Die Ra"m-' Verhältnisse unseres Blattes haben es uns nicht vestattet, ue täglichen Berichte über die in dem Prozeß aüfgedeck- ten Rohheiten und Gemeinheiten der Münchener Spartakisten zu veröffentlichen. Hier sei zur Kenmeich- "ung.der ganzen Prozeß-Ergebnisse das Stimmungs­bild eines Prozeßtages nach derMünchener Zeituna" wrepergegeben:

Ser britte Dag ist reich cm dramatischen Momenten imb Enthüllungen, ©feil, derhinkende Schreiber" Ime er genannt wurde, zeichnet ein Bild des Vlntmen- schen .oansinann (der sich später erschossen Rat) und

tflrvr . _________

Hinker verschlossenen Türen.

Am Dienstag begann in Berlin die Reichskon- f e r e n z der Unabhängigen, zu der zahlreiche Delegierte aus allen Teilen Deuffchlands nach Berlin gekommen sind. Die Verhandlungen finden jedoch nach dem Muster desAlldeutschen Verbandes" hinter ver­schlossenen Türen statt. Die Absperrung ist f 0 st r e n g, daß nicht einmal Arbeiterräte ober Funktionäre Zu- si'-tt finden. Die Presse ist selbstverständlich ausge­schlossen.

Der Anlaß hierzu ist in der Tatsache zu suchen, daß dasreinigende Gewitter" innerhalb der 11. S. P. sich entladen dürfte. Die Konferenz wird sich vorwiegend mit den nächsten Aufgaben der Partei be­schäftigen. Hierzu schreibt der auf dem linken Flügel der U. S P. D stehende Kurt Geyer in derLeipziger Volkszeitung":Deutschland befindet sich in einer vor­revolutionären Situation. Die treibenden Kräfte der kommenden Revolution werden in den Win­termonaten voll zur Wirkung kommen. Unsere Partei muß deshalb durch volle, grundsätzliche Klärung kampf­bereit gemacht werden. Um so mehr, als wir die neue Revolution nicht nur kommen sehen. SB i r wollen ! sie auch."

Republik Birkenfeld.

Die Regierung der Republik Birkenfeld erläßt eine i Kundmachung, wonach die bisherige Provinz Birken­feld des Freistaates Oldenburg sich von diesem lossagt und als selbständige Republik i m D e r - bandedes Deutschen Reiches erklärt. Die Regierung setzt sich zusammen aus Ludwig Zöller als Präsident, sowie aus Hubert Eifel und Wilhelm Haut. Die bisherige Staatseinrichtung bleibt bestehen me Beamten bleiben Im Amt. lieber die Zeitungen ' ist Vorzensur verhängt worden.

, In der in der Provinz Birkenfeld gelegenen Stadt 00erftein ist es zu cinxm Streik der gesam­ten Bevölkerung gekommen, der einzige Weg, auf dem gegen die Vergewaltigung durch den 'kranzösi- schen Militärverwalter Major Vastiani protestiert wer- den konnte. Die Arbeiter in sämtlichen Betrieben leg- ten plötzlich die Arbeit nieder. Auch das Elektrizitäts-

Dentschland, Deutschösterreich

und die Entente.

Rach einer Havasmeldung hat der Oberste Rat der Alliierten die deutsche Antwortnote in Bezug auf die Beseitigung des Artikels 61 der deut­schen Verfassung einstimmig für ungenügend er­achtet und beschlossen, die Beseitigung des Artikels neuerdings zu verlangen.

Heber die Verhandlung des Obersten Rates wird bekannt, daß bie französische Delegation eine energische Replik vorschlug, die das Verlangen nach sofortiger Aenderung wiederholt und abermals mit dem unmittelbaren Vormarsch der Desatzungsürmee auf dem rechten Rheinufer droht. Die a m e r i k a n i - sche Delegation widersprach jedoch, diesem von den Franzosen ,beabsichtigten Ton. Der'Pariser Vertreter desCorriere della Sera" fügt hinzu: Die amerika­nischen Delegierten vertreten überhaupt die Auffassung, daß Artikel 80 gar kein absolutes Anschluß- v er bot enthält. Sie mühen sich demnach, den jetzt anhängigen Rechtsstreit so zu erledigen, daß dadurch ein späterer freiwilliger Anschluß D e u t sch- Oe st erreiche nach S Übung des Völkerbundes nicht mehr ausgeschlossen wird.

Die englischeDaily Ehronicle" schreibt in einem Leitartikel, der Versuch, Oesterreich von Deutschland zu trennen, sei unverständig und ungerecht. Die Oesterreicher seien Deutsche und würden nie etwas an­dres sein wollen. Ihre zukünftige Vereiniaung ans die eine ober andere Weise fei so sicher, wie die Sonne aufgehe. Die Lest er reich er könnten nicht allein stehen; sie würden sich dann mit anderen Rationen zusammenschließen, und auf diese Weise in if>re alte Rolle gezwungen werden, nämlich das Zusam­menscharen nicht-deutscher Völker unter dem Banner Deutschlands.

C'emencrau als Wanderredner?

Der Paristr Korrespondent des sozialistischen ,Daily Herold' berichtet, bah Clemenceau eine siebe.,wöchige Vor trag«. Reise durch die Ver- einigten Staaten von Nordamerika unter- nehmen werde, bie, wie verlautet, seinen bauernden

| geöffnet wurde. Die Damen hatten natürlich noch ge- I schlafen. Als Frau Manders den von wirren, ungeord­netem Haar umrahmten Kopf herausstreckte, gewahrte I Maria sofort den Zug bitteren Hasses, der über das Ge- I sicht der Frau gebreitet war.

I machen Sie für einen schrecklichen Lärm in I oller mühe? Weshalb läuten Sie, als sollte die Glocke in Trümmer gehen?" rief sie unwirsch hinab.

I , Maria kehrte sich nicht an den drohenden Ton.Ich I bitte, kommen Sie so schnell als möglich Onkel Gott- üeb ist diese Nacht gestorben!"

Das Fenster wurde eilig zugeschlagen.

Maria kehrte zu dem Toten zurück. Sie wollte bei ihm bleiben, bis seine Verwandten eintrafen.

Rach etwa einer Viertelstunde erschien Frau Manders, gefolgt von Ella. Die Damen waren noch nicht frisiert I und nur sehr nachlässig bekleidet. Augenscheinlich kostete es ihnen Mühe, chren Gesichtern einen ernsten Ausdruck' ZU geben, wie der Trauerfall es erforderte. Cs lag eher etwas wie Triumph in ihren Mienen. Um Ellas Lippen spielte sogar ein kleines Lächeln.

Wie kommt es, daß Sie schon so früh hier sind?" sagte Frau Manders kühl.

Ich mar die ganze Nacht da!" erwiderte Maria ruhig.

Die Dame riß die Augen weit auf.

Die «mzc Nacht? Und Sie haben uns nicht be- nachrichtigt, daß mein Bruder so schwer krank war? Sonderbar, sehr sonderbar, das muß ich sagen! Sie woll­ten wohl den alten schwachen Mann zu Ihren Gunsten beeinflussen? Ist es schrien nicht genug, daß Sie den Ring herausschwindelton?"

Maria war empört bis ins Innerste. Aber angesichts des Toten beherrschte sie sich. Sie wollte die Ruhe des Dahingeschiedenen nicht entweihen und blickte ihre höh. Nische Gegnerin fest an.

9lie kam mir ein solcher Gedanke", begann Maria ruhig.Ich schwöre Ihnen, daß von dergleichen Dingen zwischen uns nicht gesprochen wurde. Ich merkte gestern abend, daß der arme alte Mann recht schwach war, und wagte nicht, chn allein zu lassen. Daß der Tod so rasch Eintreten würde, ahnt« ich r V. lonsi Höfe ich Sie ge­rufen. Im übrigen schlief' :;rc scheinend die

S Weine l^arabxes.

oatan trnit Irene v. Hellmuth.

* Jpt den Zähnen vor Wut.

wiederholte er lauter als zuvor, da g - gab.

begann sie endlich,ich bat Dich so oft Br»,» konnte doch unmöglich annehmen, EL _ wildfremden Person, unserer Dienst- wurdest, nachdem Du ihn mir so hartnäckig tonnte *^rc doch zu ungerecht." In m!l Mühe ihren Grimm hinter einein tWcrgen.

die Güte haben und den Ring äugen- ifrtngskchtmößige Besitzerin abliefern", gebot m,n ..... sd mühsam aus seiner zusammengesunke- b. ®r öeikste nach der Tür. Ella

^hen. Sie war ganz blaß ge- . Miü,ten stch ous, als sie trotzig Pmb wird denn diese diese Person ..M1 D-mdten vorgezogen?' Er"? p°r "'chts an!" rief er zornig.

iston r "Cr A^te mühsam nach Atem rang. üon dem Ring gesprochen zu haben, Rt» tIpS konnte schädlich an en. Aber sie

Sh? .st'" Sie fgrat' beruhigend auf njxJ17' '"dem sie mit sanfter Stimme bat: fchgdx «' ~ kaß die Geschichte ruhen: Du bcbtflpi $r Ring gehört Dir und Du sollst -'J mit' i'e ?°tfc keine Ahnung, daß die Pei- , '°"wnder waren. Die Mutter hatte sie t stZ $u erfahren, was Maria bei dem ~ r'un diese enge Freundschaft, das war *&rbjt fe« $Te Gegnerin keines Blickes mehr, > k "04:

nicht augenblicklich herbeiholst, t tr.

toitnig davon und Onkel Gottlieb lachte

er verächtlich, ,h«eses Mittel

einbringlich genug wiederholt werben. Es ist Gefahr im Verzüge, und bie Zögerung rührt offenbar weniger von der Reichsregiening her, als von ber preußi­schen Regierung, bie burchaus bas alte Gefüge des Berliner Staatswesens erhalten will, auch auf bie Ge­fahr hin, baß Oberschlesien für bas Reich verloren geht.

Da viele Oberfchlefier mit der provinziellen Auto­nomie nicht zufrieden finb, sondern eine staatliche Selbständigkeit im Rahmen des Reiches wünschen, so müßte man bei sofortiger Schaffung eines eigenen Oberpräsidenten und Landtags bestimmt erklären, daß im Falle einer günstigen Volksabstimmung die ober- schlesische Bevölkerung die volle Freiheit haben solle, über die künftige Staaioform im vorgesehenen ver­fassungsrechtlichen Wege zu entscheiden.

Das preußisch-berlinische Sonderinteresse muß zu- rückgestellt werben, und zwar sofort, wenn nicht das ganze wertvolle Volk und Land für Deutschland ver­loren gehen soll.

Sofortige Besetzung Oberschlesiens.

Rach einer Havas-Depesche aus Warschau erklärte General Dupont, dar am 4. September in Sosno- wice ankam, daß er noch am selben Tage nach Paris telegraphiert habe, um eine sofortige Besetzung Ober­schlesiens durch Ententetruppen durchzusehen. Er empfahl den Aufständischen Geduld zu haben, weil bie Besetzung technischer Schwierigkeiten wegen erst in einigen Wochen durchgeführt werden könne.

Autonomie für Oberschlesien.

Wie verschiedene Berliner Blätter berichten, trügt sich die preußische Regierung mit der Ab­sicht, der am 18. d. Mts. wieder zusammentretenden preußischen Lanbesversammlung einen Gesetzentwurf Über die Verleihung der Autonomie an Oberschlesieu zur Beratung und Beschlußfassung vor- zulegen. 1 ,

2lls Ella" fast atemlos mit dem Ring zurückkam, gebot der Alte streng:So, und nun wirst Du das Fräulsin hier um Verzeihung bitten!"

Ella wich entsetzt zurück.

Nie und nimmermehr! Das kannst Du nicht von mir verlangen!"

"2ch sage Dir, Du wirst es tun!"

Was mußte das Geld des Onkels in Ellas Augen für eine Macht haben, daß sie sich um des Erbes willen sogar herbeiließ, seinen Willen zu tun! Sie näherte sich, wenn auch widerstrebend, ihrer Gegnerin und stieß zwischen den zusammengebiffenen Zähnen hewor:Ich bitte um Ver- zeihung! Dann floh sie wie gejagt zur Türe hinaus. Diese. Demütigung war zu groß gewesen für sie.

Die beiden Zurückbleibenden saßen stumm nebenein­ander, nachdem Ella di« Türe unsanft ins Schloß gewor­fen hatte. Maria beobachtete angstvoll den Alten, der mit geschloffenen Augen im Sessel saß. Der Kopf versank fast ganz zwischen den hohen Schultern, pfeffend kam der Atem aus der eingesunkenen Brust. Die Nase war ganz spitz geworden. Die tiefe Stille ringsum wirkte beklem­mend. Nichts konnte man vernehmen als das eifrige Ticken der Uhr, die auf der Kommode stand.

Maria wagte nicht, den armen, alten Mann ganz allein zu lassen. Er sah heute so krank und verfallen aus. Ob er wohl schlief? Er rührte sich nicht. Eine Stunde mochte so vergangen fein, das junge Mädchen saß unbe­weglich. Die Dämmerung senkte sich allmählich hernieder, es wurde Maria unheimlich in der stillen Stube. Onkel Gottlieb schien ihre Gegenwart gar nicht mehr wahrzu- nehmeü. Sie überlegte eben, ob sie gehen oder bleiben solle, und wie sie ihre Angehörigen benachrichtigen könnte, als Felix Ebbhardt leise an das Fenster klopfte. Er war gekommen, Maria abzuholen. Sie berichtete kurz, daß sie vorerst hier bleiben wolle, um zu schen, wie es mit Dickel Gottlieb würde. Falls sich sein Zustand bessere, werde sie noch nach Hause fahren. Felix wollte sie über­reden, gleich mitzukommen, eine Wärterin sei lernt zu beschaffen, und dieselbe könne doch statt Marias hier blei­ben. Aber sie schüttelte den Kopf. Obwohl ihr vor den langen ©timben der Nacht graute, wollte sie doch den Men nicht einer bezahlten Wärterin überlassen.

FeNx Ebbhardt imtfernte sich ungern. Maria zündet ti* Lampe an. .Denn saß sie wieder stunde um.Stunt

1# deutsches Land im Osten.

»eMfung drr Eisenbahnbrücke auf ber Strecke ^nnocln, die in der Nacht zum Montag erfolgt * erfeniwn, daß bie Polen noch keineswegs ben umgeben haben, in Oberschlesien vor 'jen der Ententetruppen einevollendete -u schaifm. Was unsere Orbnungstruppen ^haben, mar nur eine Kampfpause, nicht ioung des Banbenkrieges, ber zum Umsturz EX lum eigenmächtigen Einrücken ber Haller-

Eortranb liefern soll.

Fortsetzung der Putsche entspricht ja auch der tie der Teneralstabschef des polnischen Kom­in Posen ausaeceben hat:Die polnische Rc- 'aj5 solche kann sich ans politischen Grün­en die Spitze der Bewegung stellen, billigt durchaus, wenn die Masse bie Erhebung in rammt imb zur Befreiung ber von ben ^knechteten oberschlesischen Brüder schreitet." gleicher Zeit veröffentlicht bie BerlinerRa- " l" eine Schilberung ber Lage, bie von en und aus eigener Anschauung orien« Arsimlichkeit herrühren soll unb in gewissen überraschend optimistisch gehalten ist. Der ann meint, bas Leben in Oberschlesien spiele Biebernormal" ab, unb es sei absolut un- die Polen bie Absicht haben, im Oktober fall nach Oberschlesien zu inszenieren. Als führt er an, daß ein solcher Einfall ber Enkente- y,» cm sprechen würbe unb überbies ein K r i eg e'n Polen unb Deutschlanb gerabe in jener Wirtschaftsgebiete nach sich ziehen für Las derbe Parteien ein besonderes Interesse Ihs kommen diese Stützen ber Hoffnung nicht r. Die unternehmungslustigen Polen haben : §ch:u vor ber offiziellenEntentepositik". n darauf, daß bie Entente bock schließlich rbelc Tatsache" gelten lassen wird, wenn Schaden des verhaßten Deutschland gereicht, insd;''obere Frankreich schon bie polnischen ten Lecken werbe.

Oberschlesien bies oder jenes ruiniert wirb, -? nickt ausschlaogebenb. wenn sie snb und das Volk schließlich einsacken können, ewährrmann sagt ferner, bie Ententekom- !ki durchaus forrett oorgegangen unb habe sich tiv cm möglichst zutreffendes Bild von den zu machen gesucht. Wir wollen hoffen, das bestätiot. Doch ist zu beachten, daß der :r Kommission nicht schon ausschlaggebend ist, letzte Wort im hohen Rate zu Paris, un- st'.öe Elrmcnccaus gesprochen werden wird.

sel>'« Gewährsmann muß selbst geste- wüterr Entwicklung wesentlich davon 0j! j für Besatzung str rippen nach kommen werben. Damit ist zugegeben, n Mächte i.icht ganz einig find unb w -andern. Wir erleben es ja auch im :f>cb:d, baß die französischen Machthaber rorgrh-n, wie die besonneneren Englänber äicr.

nun Lieser amtliche Sachkenner bet seiner 1 der Polen unb der Entente so viel Opiimis- d fo wirkt um so eindringlicher die Mrch- » er a n u n i e r c Regierung richtet. Mrmört-gen Zeitpunkt", sagt er,würde irrung in Oberschlesien für Deutschland ein JlSc,5 Ergebnis zeitigen. Gegen diese Stim- MBndie deutsche Regierung nur ankämpfen, c, ?derschlesischen Wunsch na di einer grö- Ml oitändigkeit entgegenkommt. Schon suno eines Provinziallandtages und die Ein- Ms xigenen Oberpräsidenten deruhioend wirken und Deuffchland viel e "WWtbie zurückoewinnen. Iebenjalls

ck e Entscheidung ber Reichsregie- 0 notaenbig, schon deshalb, wefl die Be- «najleucns vor ber Türe steht."

|. mchts neues, aber diese Forderung, v o r- nV10? *9 ben Wünschen der Oberschle- n» zu tragen, kann nicht oft genug und nicht

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