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.» * I Cerarttioertl. f. >. redaktionellen teil i. 93 : Dr. Job Kramer l _

Qj» I fär.ie «mrifle»; 8. f«tgtllet,»»!>«.- «omn-n.druck SOrtlS fßQ 6. $ Idlib tt 1919« I t»,«w-.-Vr-i,«°«atl. AQ

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Nationalversammlung verlangt worden, die zu den Forderungen der Entente Stellung nehmen toll.

Eine neue Drohung der Lnkenke.

Nach einer bisher unbestätigten Meldung hat der Oberste Rat der Alliierten in einer geheimen Sitzung beschlossen, falls Deutschland die oot-- '< schrieben« Menge Kohlen (20 Millionen<j. jährlich) bis zum 31. Dezember 1919 nicht vertrags­mäßig liefere, ihm am 1. Januar 1920 eine Note zu überreichen, in der mitgeteilt wird, daß die Lebens­mittelzulagen für Deutschland aufs neue g e- sperrt würden, und zwar vom Tage der Zustellung der Note an. Ferner soll in der Note verlangt werden, daß die neunstündige Arbeitszeit für alle Bergleute in Deutschland sofort einzusühren ist. Weiter behalten sich die Alliierten vor, wichtige deutsche Koh­lengebiete zu besetzen.

Der Vizepräsident der Reichsban? über die Finanzlage.

Der Vizepräsident der Reichsbank, Dr. v. Gla­se n a p p, erklärte einem Vertreter des Amsterdamer »Handelsblad" gegenüber u. a.: Deutschland hat klar seinen Willen gezeigt, die übernommenen Verpflich­tungen zu erfüllen. Trotzdem erwartet Deutschland, daß die Entente allmählich das Zuwellgehende ihrer Forderungen einsehen wird. Den Staatsbank e- roft müssen und werden wir um jeden Preis ver­hindern. Alle verantwortlichen Persönlichkeiten sind sich darüber einig, daß ein deutscher Staatsbanke­rott einen Volksbankerott bedeuten würde und unabsehbare Verwirrung, Hunger und Elend mit sich bringen muß. Da aber der schlimmste Schuldenposten des deutschen Reiches die Zinsen der Kriegs­anleihen sind, so ist es klar, daß die Lage besser wird, sobald mit Hilfe der Vermögensab­gabe ein gichtiger Teil« dieser Schuld abgetragen wird. Die d7utsche Industrie, wird noch mehr als in Friedenszeiten danach streben, gute Qualitäts­ware zu erzeugen und dadurch wird es uns mit der Zeit gelingen, die ausländischen Märkte wiederzuerobern. An erster Stelle eröffnet sich im Osten eine Ex­portmöglichkeit, weil die zerstörten Gebiete Po­lens und Rußlands für ihren Wiederaufbau die deut­sche Hilfe brauchen werden.

Wann tvrrd Friede?

-r. mir uns noch nicht im Friedenszustand be- manche von uns, nach ihrem Gebühren Bg&n' fdicn leichtfertig glauben, haben wir lehr Ejalich drrch das unerhörte Ultimatum der En- Sachen einer Bestimmung unserer Reichsver- *fahren. Die Charakteristik der deutschen Senate, daß s sich hier um einen t i e s b e - Vilich en Gewaltakt der Erntente findet im ganzen deutschen Volke rückhaltlose Man mußte sich in der Tat wie vor KXf geschlagen fühlen, angesichts der derart schrof- KwÜerung, dir wieder einmal unter vorgehaltenem Katt erzwungen werden soll. Dabei ist zu de- die Entente die Konsequenzen des Frie- Eggnöes uns gegenüber geltend macht, wäh- Jgjfie felbst diesen Frieden»-u st and behaupt noch nicht herbeigeführt hat ,e Frieden von Versailles bedarf zu seiner Gül- M her Ratifizierung durch drei der hauptsächlich- , Ententemächte. Außerdem müssen die Rattftzie- Ljrfu.;o#n in Paris niedergelegt fein. Als ein- ^ueatemacht hat England bisher den Frieden tc» W das 2. Erfordernis aber, die Niederlegung ^ifizierungsurkunden in Paris, ist auch von Eng- * poch nicht erfolgt, weil die engllschen Äronländer i jhlcheits die Beschlußfassung zu dem Friedens- tag besonders vorbehalten haben. Daraus er- fich eine Verzögerung, deren Dauer heute noch zu übersehen ist. In Frankreich spielen i augenblicklich Kammerdebatten über den Friedens- M ab, aber auch da sind die Anzeichen für eine Schleppung klar ersichtlich. In Amerika siegen ! Dinge noch schwieriger. Eine starke Opposition im atite macht sich geltend, doch muß man sich davor fei, diese Tatsache etwa zu unseren Gunsten anzu- H«. Wenn eine bestimmte Senatsgruppe den Den?l>crtraa bekämpft, so geschieht es n i ch t u m uDeurschen willen, fonbern um dem Re- Ktater Wilson fein Amt zu erschweren. Außerdem |$en bei den eigenartigen außenpolitischen Auffas- «n; der Stockamerikaner Bedenken dahin, ob es für mifa nützlich und zuträglich ist, wenn es seine tzenxoütischen Interessen mit denen Emopas ver-

ist de ganze Friede noch in der Schwebe. Mland hat seinerseits alles getan, um den Frie- szustmd rechtskräftig zu machen. Ehe nicht aber kMiede auch formell von Seiten der Ententemächte Mellt ist, eher wird auch nicht die so unbedingt tätige weltwirtschaftliche Verbindung zwischen kWlkem in Kraft treten können. Und hier liegt Jisirft, aus welchem sich alle augenblickliche Nöte dcrpchen Wirtschaft erklären. Wir müssen unser M streben darauf einstellen, den internationalen Ml und Verkehr möglichst bald und tunlichst aus- »z Meder in Fluß zu dringen. Davon hängt unser ^inneres wirtschaftlick)es Gedeihen ab. Die nungen und Hemmungen, die wir augenblicklich n'n^cr, ncc9 durchmachen müssen, und die zu ,^Ä^^ka!astrophe zu führen drohen, wenn re chestens klare Verhällniffr geschaffen werden, M die^e Unsicherheit der Dinge zurückzuführen, -istage: Wann wird Friede? muß im- ^unmer wieder laut und eindringlich vom M dem Auslände gegenüber erhoben wer- Mr haben den ehrlichen Willen, den Frieden so ?«r mogsich mchr nur rechtlich sondern auch tat- treten zu lassen und wir haben es \ OTfn,s fcn dafür fehlen lassen. Nun muß aber roe?/enA 6q6 die Gegner sich ihrer Ser. wjiieit, die sie nicht nur gegen Deutschland, ItmfcÄ" selbst und gegen die ganze °wn, bewußt werden.

Beunruhiguno.

-flnieöer" ist Freiherr von Kmm a$ertrefer 'n Paris, durch ein

^snlsterr des Aeußeren nachBer- »''"l" wordrn.

l*fn Fbseordneten der Nationalver. 6 $ l,.6»1 Präsident Fetzrenbach lelegra- Wiedereinbernfung Ser

Sterns ^axabxes.

"owan von Irene v. Hellmuth.

loivrtfetzung aus der Beilage.)

Ersuch mchr, sich von dem

UBf » $u re'!ni9en' der auf ihr lag. Sir Ifrehto, te,nc3 klaren Gedankens fähig. In ihrem Beit nachdem sie gegangen war,

!-n« Augen, die Hände im Schoß ge-

fich hm ,n ,ihrem> kleinen Stübchen und starrte nerfl J.lUr die eine Sehnsucht lebte in ihr, die «s Bieju? neben, stillen Zimmer daheim. Sie b JxhrJjJ "le so oft in diesen letzten Togen, yfc, H sie mächtig packte und ihr das Herz zu- nur wieder daheim fein, den Kopf »,V -nnberen Kiffen wühlen dürfen und in 6e ÜioAtm-61! festen Dlumenduft einatmen, den 5 3:, bnrch dos geöffnete Fenster trug. Wir M jLJrr-' Dar das! Wie wundervoll schlief es kgell! Ti, t 0051 dem schmelzenden Schlag der ^^IrSn.Dollmondschein über dem Dar- fe x E sich immer tiefer hinein in ihr Para- K jrt* »fa "orten in feiner Frühlingspracht. Dort .^r, und Goldregen, Hyazinthen, Tulpen.

mit schon kleine Knospen. Die

<8ftn, x: n*!6? üehlichen, rosa und weiß gesprenkel- N* . ^'knbäume wie übersät, wie beschneit

fett .n Weiß. Der kleine Springbrunnen ? ffet d*,nine ^"tönige Melodie. Die Schwalben r* lfr'. <illes atmete Frieden, tiefsten Frie- ®b von dem Lärm und der Unruhe **t tu. ^Emem Male versank das bunte, hcrrsiche ha.j ^»chens Augen.

b-Uxr''1 an die Türe geklopft und stimme tief:Sie schlafen wohl

. 'if)re Sachen! Meinetwegen können » ' häft :m ^8ufe bleiben! Ich will nicht, daß <btt L, ohne Gnade auf bie' Straße ge- l****eri8en.^1 oller Frühe müssen Sie fort!" btf;x.p .. tr Dlso noch eine Gnadenfrist.

-6,e flacht. Hncke hätte sie auch kaum 'lt sich wenden sollte. Die elektrische

Oesterreich vor der Unterzeichnung.

Der Kabinettsrat beschloß nach der Erörterung des Friedensvertrages fosidarisch, ihn der Naffo- nolversammlung zurAnnahmezu empfehl en. 8n der Sitzung des Hauptausschusses berichtete Staats­kanzler Renner über die Verhandlungen in St. Ger­main rmd erklärte, es fei notwendig, den vorgelegten Vertrag zu unterzeichnen. Der christlich-soziale Wge- ordnete Hauser dankte unter allgemeiner Zustimmung dem Staatskanzler Renner und dessen Mitarbeitern für die ungeheure Arbeitsleistung der letzten Monate. Der Hauptausschuß beschloß, der Nationalver­sammlung einen Antrag zu unterbreiten, den Lei­ter der Friedensdelegation zu beauftragen, den vor­liegenden Vertrag zu unterzeichnen.

Gegen die Ermächtigung werden offen nur die Großdeutschen stimmen, während ein Teil der Ehristlichsozialen, besonders die Tiroler Abgeordneten, der Abstimmung fernbleiben will. Da aber die Sozialdemokraten nicht allein die Verantwor- tetng für die Unterfertigung des Friedensvertrages übernehmen wollen, so haben sie beschlossm, daß nur so viele Mitglieder ihrer Partei an der Abstimmung teilnehmen, als Christsich-Soziale im Saale verbleiben, sodaß also diese beiden Parteien mit gleicher Stärke an dem Beschluß beteiligt sein werden.

Im französffchen Senatsausschuß erklärte der Ver­treter Clemenceaus, däß die Alliierten Restitu- tionsbe streben gen der Habsburger nicht zulassen würden.

Die Gesangenenfrage.

Die unerbittlichen Franzosen.

Zur Frage der Nückirndung der deutschen Kriegs» gefangenen wird auS Pari» gemeldet, daß zwischen den Engländern und Franzosen auherordentliche mmei wu mihi

Bahn ging zwar noch, aber bis sie nach Hause kam, lag wohl draußen alles schon im tiefsten Schlafe. Und sollte sie dem Dater vielleicht die Nachtruhe rauben mit der Nachricht, daß sie ans dem Dienst gejagt wurde? Warum? Um nichts, um gar nichts! Was hatte sie denn ver­brochen? Sie schämte sich, schon wieder heimzukchreu, aber die Schnfucht noch dem Frieden der Heimat war plötzlich so stark, daß sie dieselbe nicht mehr unterdrücken konnte. Freilich, Linda würde böse Augen machen, aber sie wollte alles tun, die Schwester zu versöhnen; und ein Plätzchen, wo sie schlafen konnte, würde sich kn Hause wohl finden.---

Maria raffte sich endlich auf, sie mußte Ihre Gedanken sammeln, denn in aller Frühe wollte sie fort. Eie packte ihren Koffer und tag dann wachend im Bette. Als der erste fahle Schein durch das Fenster fiel, stand sie auf. Als sie fertig war, schlich sie auf den Zehenspitzen hin­aus. Ihre Sachen wollte sie später abholen taffen. Mi­nutenlang stand sie vor Onkel Gottliebs Fenster. Sie hätte mit dem Lllten gern noch ein paar Worte geplau­dert, aber drinnen regte sich nichts. Er schlief wohl noch. So schritt sie langsam die Straße hinab, denn sie hatte Zeit. Die elektrische Bahn fahr noch nicht. Die Gwß- stadt erwachte erst allmählich aus dem Schlummer. Bäckerjungen kamen pfeifend daher, ein mit Milchkrügen beladener Wagen raffelte vorüber, Arbeiter im blauen Kittel eilten der Stätte ihrer Tätigkeit zu. Als der erste Wagen herangefaust kam, stieg sie ein und fahr der Hei­mat zu.---

Sie wußte, der Dater war ein Frühaufsteher, sie würde ihn sicher schon im Garten bei seinen Blumen tref­fen. Es wollte ihr bei dem Gedanken an ßin&a zwar wieder bange werden, aber tapfer kämpfte sie alle Be­denken nieder. Der Dater würde chr schon Helsen. Als sie die blühende Schlehhorndecke, die ihr Keines Reich von der Straße schied, erreicht hatte, stand sie aufatmend still.

Daheim, wieder daheim!" flüsterte sie und hob sich ruf die Zehenspitzen, um besser hinüberschauen zu können. Ganz so, wie ihre Phantasie es sich ousgemalt, lag der Garten vor ihren entzückten Augen. Dergeffen war der Schmerz, alle Bitterkeit über das erlittene Unrecht, sie schaute auf all die Blütenpracht und sog mit Behagen den süßen Duft ein, der ihr aus dem blühenden (Sorten ent*

Unstimmigkeiten herrschen. England ist im Gegensatz zu Frankreich gewillt, so tote eS bereit« begonnen hat, seine Kriegsgefangenenlager auch weiterhin zu räumen. Da« Zentralkomitee der deittschen Vereine vom Roten Kreuz teilt mit, daß nach Erkundigung, welche die Schweizer Getandt- schäft in Paris emgezogen hat, die in engliicher und amerikanischer Hand befindlichen KriegS- gefangenen sofort heimgeschafst weiden sollen, wo­gegen die Heimsendung der in französischer Hand befindlichen Gefangenen fich bis zur Rati- fizierung de- Frieden - hinauszögern dürfte. Die Zivilinternierten in Frankreich sollen sofort freigegeben werden.

Die Amerikaner und die Gefangenen.

Gefangene, die aus dem Lager St. Pmre des Corps bei Tours zurückgekehrt sind, erzähllen über den Aufenthalt in amerikanischer Gefangenschaft fol­gendes: Da» Lager umfaßte zeitweise 45 000 Gefan­gene. Die Behandlung durch die Amerikaner war nach allgemeiner Aussage der Gefangenen gut. Die Verpflegung war so «r-ffgkich, daß die meisten Gefangenen nicht imstande waren, die tägllchen Por­tionen aufzuzchren. Suppe gab es nur wenig, fast immer feste Speisen. Speck, Schokolrche und Backwaren erhielten sie im Uedersluß. Das Lager war vorbildlich sauber. Alle Mannschaften konnten täglich baden, warm Wasser war genügend vorhanden. Das Lager verfügte über 2 Musikkapellen und ein Theater, das jeden Abend Vorstellungen gab. Wiederholt wurden Sportfeste veranstallet, zu denen die amerikanischen Offiziere Ehrenpreise stifteten. Die Gefangenen wurden hauptsächlich zu Bahn- und Ha- fenarbeilen in Bordeaux benutzt. Ihre Löhnung be­kamen sie pünktlich dafür ausbezahlt. B r i e f p o st und Pakete erhielten sie ziemlich regelmäßig. Nach Unterzeichmmg des Friedensvertrages fiel die Briefkontrolle fort. Das Lager durften die Gefange­nen natürllch niemals verlassen. So zufrieden die (Be­fangenen mit der Behandlung der Amerikaner waren, so allgemein sind ihre Klagen über hie Ver­rohung der französischen Bevölkerung. Auf Schritt und Tritt wurden die Gefangenen von Männern und Frauen beschimpft, angespuckt und mit Steinen beworfen.

Die Abfindung der Hohenzollern.

Der preußische Finanzminister Dr. Südekum äußerte sich den Politisch-Parlamentarischen Nachrich­ten zufolge über den Stand der Abfindung des ehe- m^faen preußischen Königshauses. Er erklärte:

Ws nach der Nevokutton die gemeinsame Regierung der' Mehrheltsfoztalfften und Unabhängigen eingesetzt wurde, übemahm neben dem preußischen 'Finanzministe­rium der Unabhängige Simon das ganze Gebiet des Hausminffteriums als fein besonderes Arbeitsfeld. Er veranlaßte die beiden Defchlagnahmeverort>mmgen vom 18. und 30. November. Sie bezweckten in erster Linie eine Dermögenssi(Herstellung ohne irgend eine Präjudiz über das weitere Schicksal des im Besitz oder Eigentum der frühem königlichen Familie befindlichen Komplexes von Gebäuden, Wertgegenständen usw. zu treffen. § 2 der Verordnung vom 30. November, der genau wie die ganze Verordnung von allen bamafigen Mitgliedern der Regie­rung einschließlich der Unabhängigen gebilligt wurde, weist den Fmanzminister an. dem stütz em König und den Mit- gliedem seiner Familie angemeffene Beträge für ihren Lebensunterhalt aus den Erträgnissen oder aus der Sub­stanz des beschlagnahmten Vermögens zur Derfügung zu stellen. Die Höhe dieser Beträge wurde im Anschluß an den Etat der Kronkaffe festgesetzt. Irgend eine Erhöhung der Betröge fand, abgesehen von Lohnaufbesserungen und Teuemngszulagm für Angestellte und Arbeiter, seit dem Ausscheiden der Unabhängigen aus der Oiegierung nicht statt. Selbstverständlich konnte der Hofstaat des frü­hem Königs und der frühem königlichen Prinzen nicht ohne weiteres aufgelöst wer- ben, da man nicht Hunderte von FamMen plötzlich brotlos machen durste. Außerdem hatten die Angestellten wohl­erworbene Rechte, die ihnen durch die gemeinsame sozia- kistische Regierung ausdrücklich gewährleistet worden waren. Nach Maßgabe der Verhältnisse fft eine Verminderung der Zahl dieser Beamten und Angestellten tatkräftig^durch- geführt worden und auch weiterhin im Gange. Das k ö- nigliche Vermögen läßt sich in drei Gruppen einteilen: unzwsifelhafles Privatvermögen des Königs oder

gegenströmte. Als sie fortging, blühten eben die Veilchen an der Hecke und jetzt war alles wie übersät von Plüten- schnee. Dort drüben der alte Birnbaum, der.so-safuge herrliche Früchte lieferte, war vollständig weiß. An der Mauer drüben das Spalierobst, des Vaters Stotz und Freude, zeigte ebenfalls reichen Dlütenschmuck. Und Dlu- tnejt die Fülle! Mit leisem Plätschern sandte der kleine Springbrunnen seinen hellen Strahl in die blaue Luft, sonst kein Laut, kein Ton ringsum. Nur die Schwalben flogen schon geschäftig zum Nest. Wie köstftch diese Ruhe und Stille war. Der Tau funkelte in dem goldenen Sonnenschein wie Tausende von Diamanten. Maria stand wie gebannt und blickte mit glänzenden Augen hinein in ihr kleines Paradies. Im Hause regte sich nichts. Die Bewohner schienen noch zu schlafen.

Das junge Mädchen dachte daran, 06 es wohl gar so schwer wäre, den Felix Ebbhardt zum Manne zu nehmen. Dann wäre alle Sorge und Not zu Ende, dann könnte der Vater fein Alter so recht genießen, und er würde gewiß sehr erfreut fein. Maria lächelte. Wenn sie es machte, wie einst ihre Mutter, die sich auch draußen unter fremden Menschen ihr Brot verdienen mußte und die dann, als sie des Herumstoßens müde, zum Vater kam und fragte:Wollen Sie mich noch?" Hatten die beiden nicht ganz gut miteinander gelebt? Warum sollte sie es nicht auch können? Man mußte nur den guten Willen haben. Aber das wollte sie zur Bedingung machen, daß sie hier leben durfte, hier in ihrem kleinen Paradies. Platz war genug im Haufe, und reichte es nicht, nun, Felix Ebbhardt war ja reich, dann, konnte das Haus vergrößert werden. Man brauchte ja dann nicht mchr jeden Pfennig umzudrehen, ehe er ausgegeben wurde. Felix Ebbhardt würde gewiß auf ihren Plan em gehen, wenn sie ihn darum bat. Maria lächelte noch immer. Es wurde ihr ordentlich leicht ums Herz. Sie dachte daran, was der Vater wohl sagen würde zu ihren Plänen. Sie nahm den Hut ob und strich sich die Löckchen, aus der Stirn.

Endsich wurde es drinnen lebendig. Die Haustüre drehte sich kreischend in ihren Angeln und die Stufen herab schritt Meister Engelmann, gefolgt von Linda; beide trugen Gartengeräte, Schaufeln, Rechen, 5arte.»* und Gießkanne in den Händen.

seiner Angehörigen, unzweifelhaftes Vermögen des Staa­tes, z. B. die Schlösser in den neuen Provinzen, und strit­tige Objekte. Um über die legiere ^iarheU zu Ichaffen, wurde von der ersten Revolutionsregierung eint Kommis­sion eingesetzt, der Vertreter des Staatsministeriums, des Finanzministeriums, des Hausministerirrms und ein aner­kannter unparteilicher Rechtslehrer, Prof. Fleischmann, Königsberg, angehören. Die Aeußerung dieser Kommis­sion ist gedruckt worden und es sind einige Korrektur­abzüge verteilt worden. Ein Grund zur Geheimhaltung besteht nicht. Er ist möglich, daß darin von einer Ab­lösung der Krone und vielleicht auch von einem Betrage von 170 Millionen Mark gesprochen wird. Es fft ganz unsinnig, von einer Vorlage an die Landes­versammlung betr. Zahlung einer Abfin­dung von 170 Millionen Mark zu reden. Selbst­verständlich spielen bei der Entscheidung des Ministeriums noch andere Gesichtspunkte mtt als die Feststellung der rem tatsächlichen Rechtsverhältnisse.

Der Minister erklärte roeiter, die frühere königliche Familie habe keine Kapitalanlagen Im Auslande. Bei seiner Flucht ins Ausland habe der frühere König insgesamt 650 000 Mark bei sich gehabt. Jedenfalls sei in den Tagen vom 18. Novem­ber an, wo die Beschlagnahme ausgesprochen worden sei, kein Pfennig außer Landes gebracht worden. Der Finanzminister hofft, zu gegebener Zeit eine R e ge- lung ohne Kleinlichkeit und Gehässig­keit Vorschlägen zu können.

Die deutschen Truppe» Im DaMkum.

Bei den deutschen Truppen in Kurland, von denen die sog.Eiserne Division" am bekanntesten geworden, ist, waren aus den Befehl der Reichsregierung zur, Rückkehr nach Deutschland Widersetzlichkeiten vorge­kommen, weil die deutschen Soldaten Siedelungslund hn Baltikum verlangten. Der Oberkommandierenbe, General v. d. Goltz, schien anfangs die Auflehnung' der Truppen gegen den Regierungsbefehl zu billigen, später ist er chr entgegengetreten. 2m Reichs- k a b i n e t t wurde erneut die Lage in Kurland be­sprochen. Das Ergebnis 6er Erörterungen war fol­gendes: Es bleibt bei dem Beschluß, betreffend die schleunige Räumung Kurlands. Den Osttrup- pen können andere Zusicherungen als den Soldaten bet: Reichswehr nicht gemacht werden. Die von den Trup- pen im Baltikum aufgestellten Forderungen sind zum' größten Teil unerfüllbar. Bon Offizieren wie. Mannschaften ist unbedingter Gehorsam ge*' genüder den Befehlen der Retchsregierung zu fordern. Das Beharren in der Auflehmmg würde den A d -i b r u ch der Verbindung, das heißt Sperrung der Löh­nung und Verpflegung, zur Folge haben, sowie di» strafrechtliche Verfolgung der Schuldigen.

3mVorwärts" veröffentlicht Reichskommissar: Mining eine ausführliche Darstellung über die Ent­stehung der verworrenen Verhältnisse im Baltikum feit dem 17. November 1918. Darin heißt es u. a.: 3» den Tagen der drückendsten Notz als ich der lettischen Regierung sagen mußte, daß alles verloren sei und Riga nicht mehr gehalten werden könne, erklärte sich die lettische Regierung bereit, den deutschen Soldaten, die noch weiter für den Schutz des Landes kämpfen, würden, das Einbürgerungsrecht zu er­leichtern. Die sofort aufgenommenen Verhand­lungen führten am 29. Dezember 1918 zu einem Ver­trag, der dieses Zugeständnis der lettischen Regierung festhölt. Mining schildert sodann den Rückzug der deutschen Truppen Anfang Januar und schreibt: Jetzt war die lettische Negierung sogar bereit, ernsthaft über die Ansiedelung deutscher Solda« ten mit mir zu verhandeln. Diese VerhaMungerr fanden in Mitau statt, haben aber nie zu einem Er­gebnis geführt. _____________

Vom Balkcrn-Hrxrnkesse!.

Ungarn vor dem Lude.

Der Ministerpräsidertt Friedrich erklärte einer Dw dapester Arbeiterdeputation. die Erfüllung der Wünsche der Arbeiter tini.ck'tlich der Wiedkiaufnahme der Ar­beitslosenunterstützung sei sehr schwer, denn alle Fa­briken seien i m K o n k u r s. Es sei k e i n G e l d vorhanden. Die Banknotenpreffe werde die Re­gierung aber nicht in Betrieb letzen. Der Minister- »v wd«<. - ijjKjruMiaaEiaub.^

Maria überzeugte sich bald, daß der Vater viel wohl« aussah, als vor vier Wochen, da sie Abschied von ihm nahm. Nur Linda schaute mürrisch drein wie immer mtb. eine leise Bangigkeit wollte wieder hn Herzen der Heim­kehrenden aufkommen. Doch rasch überwand sie da» be- drückntae Gefühl undBatet, lieber Batet!* tief fi» über die Hecke in den Garten hinein. i

Meister Engelmann schaute betroffen auf, und beim, Maria erkennend, warf er die Geräte auf den Boden, nickte ihr mit strahlendem Lächeln zu und eilte, so schnell er konnte, die kleine Gartenpsorte aufzuschlleßen, um die Heimkehrende einzulassen. Maria schlang beide Atm« um den HÄS des Allen, der feine Tochter liebevoll an sich drückte. - j

Run, mein Kind, Do kommst ja zu seht ungewöhn­licher Seit,* sagte er;ist etwas vorgefallen? Jeden» Sonntag hoffte ich, Du würdest Dich mal nach mir um« sthen, aber immer vergebens! Was treibt Dich denn jetzt in aller Frühe zu uns heraus?"

Maria schmiegte fich fest in die sie umschlingenden Atme.

Vater, siebet Vater, laß mich bei Dir bleiben, schicke mich nicht wieder fort!" stammelte sie, und ihre Auge« füllten sich mit Tränen.Ich passe nicht unter die TO en­teren, Vater, die sind schlecht mit mir umgegangen, sie haben mich zur Diebin, zur Abenteuerin gestempelt, ach, wie grausam hart das alles war! Und dabei hatte ich Heimwih, fchreckliches Heimweh! Ich sehnte mich nach Dir, nach unferm Garten, nach allem! Schau, Date», ich will alles tun, was man von mir verlangt, nur laß m'ch hier bleiben, fchicke mich nicht wieder fort!"

Der Alte streichelte zärtlich gerührt über chr tränen» nasses Gesicht.

.Aber Kind, fteisich bleibst Du hier, es geht ganz gut. Du findest genug Beschäftigung. Linda hat ohnedies zu viel Arbeit."

Maria machte sich aus den sie umfchNngenden Armen frei und reichte der Schwester die Hand. Linda stand mit unmutig gefalteter Stirn und schaute mtt nichts weniger als fi eund^ichen Bsicken auf die Heim gekehrte.

'^(Fortsetzung folgt-),