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SSeranticartl. f. d. rebaltioneHen teil t, V.: Dr. Joh.K ram e r, ftr dir »«zrizen: I. Parzeller, Znlda. Äoiatton«bruct.

Zreitaq 5. Sept 1919. | S'-Ä'ÄÄÄÄ I 46. Zahrg.

MMBII III III .....* *

_|U tiesbedauerlicher Gewaltakt.

i. hcntfche Settoert auf da» Ultimatum.

7^,sche Regierung hat durch ihren Vertreter Clemenceau auf die Note über die »fsungsbe stimm ungen hinsichtlich :.».5iesterreichS bereits eine Antwort Sin lassen. Darin heißt eS:

rTnücrkn und assoziierten Regierungen sehen nach gom 2. September die Vorschrift des Artikels

*2 5e: Leu sichen Reichsversassung über das Recht Deulich-Oesterreichs am Reichsrat als for- «eMung der Bestimmungen des Artikels 80 des an und fordern deshalb von der deut- «taiinung, daß sie in einer Frist von 14 Tagen die Maßnahmen trifft, um diese Verletzung durch ssgzerklärung des Artikels 61, Abf. 2 zu ' deutsche Regierung erklärt hierzu sol-

Auffassung der alliierten und assoziierten Re- L_ [öjt eine Auslegung des Artikels 80 des Etftc3e3 erkennen, die von der deutscherseits KytercneTt Auslegung ab weicht. Deutschland L «gtoi&er der Note der alliierten und assozi- Michie vom 2. September nicht in der Lage, M^rigen Srandpunkt iin dieser Frage aufrecht Dadurch wird jedoch eine Llenderung «ortlauts der deutschen Reichsver- rfln5 nicht erforderlich. Die alliierten Mziierten Regierungen haben in ihrer Note be- grf den Artikel 178. der Verfassung hing«:wiesen, Kechthm vorschreibt, daß die Bestimmungen des W-verrrcrgcs durch die Verfassung nicht berührt M^Tieser Artikel verdankt seine Aufnahme dem Eit, jeden etwa hervortuetiemden Widrrspruch ^s den Vorschriften der Verfassung und den in , Tragweite vielfach zweifelhaften Bestimmungen rriä*iesvertrages unter allen Umständen auszu. ten. Der Vorbehalt des Artikels erstreckt feine Ly," auf alle Vorschriften der Verfassung, mithin «nf die erwähnte Vorschrift deS Artikels 61 Abf. gttn daher die Vorschrift des Artikels 61 ?lbs. 2, jifl genommen, mit seiner Bestimmung des Frie- ichrages in Widerspruch steht, so ergibt sich dar- chne weiteres, daß diese Vorschrift insoweit der swckeii entbehrt.

jt deutsche Regierung erklärt demnach, daß die stift des Artikels 61 Abs. 2 der Verfassung s o ge kraftlos bleibt, daß insbesondere eine stmg bqft Vertretern Deutsch-Oesterreichs zum hti so lange nicht erfolgen kann ,als nicht der fdes Völkerbundes gemäß Artikel 80 des ^Vertrages einer Abänderung der staatsrechtli- Lerbälinisse Deutsch--Oesterreichts zustimmt. Ob- °die Angelegenheit nnt der vorstehenden Erklärung iWunsche der alliierten und assozi- ien Regierungen entsprechend er« 101 wird, sicht sich die deutsche Regierung doch W folgenden grundsätzlichen Bemerkungen veray-

Xe deutsche Regiemng Hai nach ihrer Ansicht kei- 8nlaß dazu gegeben, das Verlangen nach Auf- H vermeintlicher Widersprüche der deutschen Der- tz mit dem Friedensvertrag in einer derart schrof- Mm zu stellen, wie dies in der Note der alliierten soziierten Regierungen geschehen ist. Wenn diese mm^en für den Fall einer Ablehnung ihrer For- tzmit einer Ausdehnung der De- US drohen und sich hierfür auf den Artikel i>« Friedensvertrages berufen, so muß darauf wiesen werden, daß der Friedensvertrag, ganz ehen davon, daß die alliierten und assoziierten Re- 9® bisher nicht ratifiziert haben und daher Ms?rüche vom Rechtsstandpunkt aus überhaupt "»lauf gründen können, für eine solche Maß- 'keine Stütze bietet. Der Artikel 429 sieht unter gewissen Umständen eine längere Dauer, tme örtliche Ausdehnung der Besetzung vor. Die . ^rung kann daher in der Androhung einer M Maßnahme nur einen tief bedauer- »Gewaltakt sehen.

Franzosen über die

deutsche Niederlage.

®ro&e Hauptquartier hat soeben eine 'm.1! bit deutsche militärische Ka- M i berausgegeben. Die Denkschrift stellt zu« bie französische Heeresleitung Int Augen- uttow5 mrbcui^e.n Stoßes bei Reims sowohl über «on, wie über die Kraftverhältnisse der b»it. besonders über den Stand der Reserven, unterrichtet war und bei ihrem großen

J7- 2uli 1918 in der Ueberzeugung

das strategische Uebergewicht

C!.-n 8U daben. Die Arbeit der Alliierten t Nnst^-O^kwAegongen, das deutsche Heer durch w "sehr und mehr zu erschüttern und zu |in, .^Eich am 26. September die General- habe. Schon bis dahin habe die «rfortL -?03 ganze im Jahre 1918 eroberte A "lusien und sei, wie aus einer in der U ^iwntlichten deutschen Urkunde heworgehe, f 8 bauSuft zu einer Gegenoffensive nicht Ms'» gewesen.

k h"be das deutsche Heer nm noch

.Eponen gegenüber 43 am 15. Juli In Reserve -im ..J Frontverkürzung von nahezu 200

Bti[ ? dieselbe Zahl von Divisionen einsetzen -nv. P.,ra=r und von geringerem Kampf« S enn . = ie^r Staich habe nur durch Auf- '1 der in Divisionen, durch Herab« WLi,- .^ataillone von vier auf drei Bbeife den LudendorffschenKriegserinne-

»t zwei Kompanien) und Heranziehung

etrei*.- lotl5er8tu9im9 dringend nötiger Rekla­me Lr «Aisden können. Deshalb fei das Ober« rten feit Ende August zu der !tn «^fanunen, daß ein allgemeiner Sturm den tNg menbruch der erschöpften beut« .Sbngfe 6ren n>erbe ®kn. "9 des deutschen Heeres fei rapid > SruBttt,? rY°W der in Reserve befindlichen Sution. 61 -tr°6 dem Einsatz auch kampfun- vis ii ^"htend des Rückzuges von 40 bis «btt ,^wzent zurückgegangen wie die Ge- * 23 Dinir Kompanien, obwohl die Gefamt-

®ft Balo'in vermindert wurde und fast die

Mch 19n 4J>je Kompanien zusammenlegte, von ribsch^.Mann am 15. Juli auf 50 Monn fon fei des Waffen still ft andes zu» *P|fnben O, datz »bie Stärke ber auf der West-

15.i,,T;"'anterietruppen auf die Höhe ihrer x.. 1* veranschlagt worden fei.

Mb Armee hatte eine kolossale *» AnstrenaNng durchzuma«

tein?.1 dst März-, April-, Mai- und Juni- ,^r bunderipiel gewesen waren. 60 S»hf'J^riCn sind ununterbrock^m während

l ^*1 und Oktober in Stellung

geblieben, die anderen haben zwanzig bis dreißig Tage unausgesetzt gekämpft. Am 10. November hin­gegen fton beut sämtliche kampffähigen Dwnwn^n >..i i^-fedit oder ne wa^en kmtm «nrückgeiogen worden. Me waren mehrere Male eingesetzt worden. Schließ­lich blieben also reine frischen Reserven übrig.

Zu gleicher Zeit hatte der Feind mit der Initiative der Operationen am 18. Juli auch den Vorteil ver­loren, nach eigenem Willen den Abzugskampf zu leiten. Von diesem Zeitpunkt an hatte das Oberkommanlo der Alliierten die Versicherung, den Abnutzungskampf mit amerikanischer Hilfe weiterführen zu können; es nö­tigte bie Deutschen, sich demselben ohne Unterbrechung zu fügen. Dies alles hätte genügt, den Alliierten den Sieg zu sichern.

Dann heißt es: Die moralischen Kräfte waren nicht weniger tief gesunken als die physischen. Die Ursachen dieser Entkräftung lagen nämlich zu tief. Tie erste war das Scheitern ber Julioffen- f i b c. Am 15. Juli schenkte er (der deutsche Soldat) seinen Führern noch Vertrauen, er war zur letzten Anstrengung bereit, obwohl ihn die Müdigkeit schon er­reichte. Aber in der Elxnnpagne und an der Mar»^ bleibt sogar der Anfangssieg aus. Tas wat ber Be­ginn des Wankens der Gesinnung im deutschen Heere; der Soldat und selbst der Offizier fin. gen an zu zweifeln. Die französische Gegen­offensive am 18. Juli und dann bie nächstfolgenden Offensiven bet Alliierten im August und September vervollständigten nach und nach das Werk, welches mit der Niederlage vom 15. Juli begonnen hat Die An­strengung eines ununterbrochenen Kampfes, der Man­gel an Ruhe in einem ruhigen Abschnitt ober hinter der Front, die ungenügende Ernährung, die Grippe trafen, indem sie die körperlichen Kräfte heruntersetz- ten, auch den Geist der kämpfenden Truppen. Die eifrige, von den Alliierten durch Aufrufe, Flugblätter, Flugschriften ufw. in den feindlichen Stellen betrie­bene Propaganda verschärften die Demoralisation.

Das Verlangen nach Sieg um des Friedens willen, erzeugte nach und nach das Verlangen nach Frieden um jeden Preis. Zuerst das Ver­sagen einzelner, dann das Versagen ganzer Verbände kam immer häufiger vor. Tie geistigen Triebfedern waren am Vorabend des Waffenstillstanbes also ge­brochen.

lieber bie Materialbeschaffung für bie deutsche Armee äußert sich die Denkschrift folgendermaßen: Die Lage ber deutschen Artillerie am 10. November kann kurz folgen« dermaßen zusammengefaßt' werden: Verminderung um ein Drittel des am 15. Juli in Dienst befindlichen Mate« rials, Schwierigkeiten für bie Reparatur und Material­ersatz, Dermiubenmg ber Bedienungsmannschaft, Mangel an Lespannung. ......

Die Franzosen sind jedenfalls über die Verhältniffe und Stimmungen im deutschen Heere Im Sommer und Herbst 1918 außerordentlich gut in­formiert gewesen. __________

Die Liquidation des Weltkrieges.

Die Volksabstimmungen.

WieEcho de Paris" erfährt, ist vom Oberste» Rat der Alliierten befchlosien worden, die Volksab­stimmungen in den st r i t t i g e n deutschen Grenzgebieten tunlichst bis zum 1. Februar zum Abschluß zu bringen. Die Volksabstimmung in Oberschlesien ist als erste vorzunehmen und soll noch im September beginnen.

Ein französischer Ehauvinist über Deutschlands Lage.

In der ftanzdsischen Kammer hat bei der Beratung des Frikdensvertrages der französische Nationalist Barthou in einer heftigen Rede gegen die Sozia­listen u. a. die Zustimmung Elemenccaus zu der Rück­gabe der Gefangenen scharf angefochten. Besonders interessant und lehrreich für diejenigen Deutschen, die sich mit der Unterzeichnung des Friedensvertrages im­mer noch nicht abfinden wollen, sind seine folgenden Ausführungen:Ich weiß wohl, was ich sage, wenn ich meinem Bedauern darüber Ausdruck gebe, daß man nicht die Unterschriften gewisser zelstaaten zu der Unterschrift des Reiches hinzu- gefordert hat. Selbst Cambon, unser früherer Bot­schafter in Berlin, verlangte mindestens die Unterschrift Bayerns oder noch beffer der sämtlichen Staaten, und er sagte gelegentlich der Prüfung der Vollmachten bei der Friedenskonferenz, daß es im Interesse ganz Europas wäre, die Einheitlichkeit Deutsch­lands nicht noch mehr zu stärken. Sie ist durch die­sen Vertrag noch mehr gestärkt worden. Ich sage es Ihnen noch einmal: Bismarck muß vor Freude in seinem Grabe gezittert haben, als 27 Staaten der ganzen Welt sich vereinigten, um im Jahre 1919 in Versailles sein Werk zu besie­geln. Welche Gefahr ist dadurch für Europa geschaf- fen worden und welche Gefahr für die ganze Welt! Wir stehen jetzt vor einem Deutschland, dos militärisch mehr geeinigt und stärker ist als das Deutschland von 1870." Trotz der starken Uebertreibungen ist das immerhin eine bemerkenswerte Auffassung.

Llemenceaus Slrafrede an Oesterreich.

In dem dem Staatskanzler Renner überreichten Begleitschreiben des Präsidenten der Friedens­konferenz Clemenceau weist man zu Beginn die Ein­wendung der deutschösterreichischen Delegation, daß Deutsch-Oesterreich nicht als feindllcher Staat betrachtet werden dürfe, mit der Begründung zurück, das öster­reichische Volk habe die Politik feiner Macht­haber, die durch das Ultimatum an Serbien und die Nichtannahme der Genugtuung seitens dieses Staates geradezu einen Weg einschlugen, der zu einem Welt­krieg führte, nicht nur nicht bekämpft, sondern diesen Krieg stürmisch begrüßt, lieber Tirol wird ousgeführt: Die alliierten und assoziierten Mächte wa­ren von der Tatsache durchdrungen, daß während lan­ger Jahre das italienische Volk einer absicht­lichen gegen sein Leben gerichteten Bedrohung ausgesetzt war. Diese Begründung ergab sich daraus, daß Oesterrcich-Ungarn im Besitz vorgescho­bener, die italienische Ebene beherrschender Stellungen war. Die assoziierten Mächte betrachten es als beste Lösung, Italien dienatürlichen Alpengren- 3en" zuzugestehen, die es seit langer Zeit fordert. Schließlich wird betont, daß der Friedensvertrag in. dieser Form unabänderlich ist und die alliierten und assoziierten Mächte von der österreichischen Dele­gation innerhalb fünf Tagen (jetzt ist eine zweitägige Fristverlängerung eingeräumt worden. D. R.) die Er­klärung erwarten, ob sie bereit ist, den Vertrag zu un- terfertigen. Ist eine solche Erklärung innerhalb der oben bezeichneten Frist nicht erfolgt, wird der am 3. November 1918 abgeschlossene Waffenstill­stand als beendet betrachtet und die Mierten

und assoziierten Mächte werden alle Maßnahmen tref­fen, die sie für nötig halten, um ihre Bedingungen zwangsweise durchzusetzen.

Rupprecht von Bayern.

Der bayerische Kronprinz, der sich wegen seiner von der Entente begehrten Auslieferung unter den Schutz des bayerischen Landtages, wie unter den des bayerischen Volkes gestellt hat und dem der Land- tagsprasident in einem Schreiben diesen Schutz auch zusagte, hat an den Landtagspräsidenten Franz Schmitt, den sozialdemokratischen Parteisekretär, ein neues Schreiben gerichtet. Er teilt darin mit, daß er im Begriffe stehe, auf kurze Zeit in die Heimat zurück- zukehren. Weiterhin erklärt er, er habe das Gastrecht eines befreunbeten Staates nur zu dem Zwecke in Anspruch genommen, um seine Zurückhaltung von je­der Einmischung in die staatliche Entwicklung Bayerns und die Entordnung in den Willen der Heimat zu zeigen. Er verlangt von sich wie von jedem deutschen Fürsten, daß er sich vorbehaltlos der staatlichen Ent­wicklung seiner Heimat fügt und alle Versuche weit von sich weist, durch fremde Hilfe unterstützt, sich in den inneren Gestaltungsprozeß einzumengen. Das Ein­fügen in die Bedürfnisse der Heimat sei für alle Deutschen jeden Standes das Gebot der Stunde.

Im Zusammenhang mit dieser Kundgebung wird jetzt mitgeteilt, daß der bayerische Kronprinz am 29. August seine Verlobung mit der Prin­zessin Antonie von Luxemburg gelöst hat. Dieser Entschluß gewinnt im Zusammenhang mit der Kundgebung des Kronprinzen eine besondere Be­deutung. Wenn man der Prätendentenrolle des mit dem österreichischen Kaiser Karl verwandten Hauses Parma gedenkt, von dessen Angehörigen sich Prinz Felix mit der Großherzogin von Luxemburg verlobt hat, so erscheint die Kundgebung des Kronprinzen zu­gleich als eine Absage an die Plutokratie der W e st m ä ch t e, der auch das mit dem Kron­prinzen aus dessen erster Ehe mi^ den Parmas ver­wandte Königshaus der Belgier untertänig ist, .

Opfer des Nolionalhasses.

DieSchlesische Zeitung" meldet aus Kattowitz: Gegen SCO verschleppte deutsche Einwoh- ner trafen wieder in Kattowitz ein. Während der vierzehntägigen Gefangenschaft machten sie eine schwere körperliche und seelische Leidenszeit durch. Ihre Befreiung ist dem energischen Eintreten der ame­rikanischen Kommission Zuzuschreiben, die seit Freitag in Krakau weilte. Die Zurückgekehrten befinden sich in jämmerlicher Verfassung. Sie sind halb verhungert und ihrer Kleidung und der W»cksachen großenteils beraubt. Sie wurden schwer mißhandelt und stehen unter schwerster seelischer De­pression. . Die Gendarmen und Polizerwachtmeister, fünfzehn an der Zahl, steckten in völlig zerrissenen pol­nischen Uniformen. Dem Gemeindevorsteher Schidlo- Eichenau waren die Zähne herausgeschlagen.

Lrrieg-gefangenenheimkshr.

Die Transporte au» englischen Lagern halten an. DaS vierte Tausend unverwundeter deutscher Kriegs­gefangenen aus dem englischen Sammellager An» dr on ijk bei Calais ist auf dem Bahnhof Köln-Deutz eingetroffen. 935 Kameraden wurden ins unbesetzte Deutschland nach dem Sammellager Wetzlar toeitcr» befördert, während die 65 Mannschaften au« dem besetzten Rheinlande nach dem Dellbrücker Durch­gangslager fuhren.

Vom Stab der Gruppe Rhein wird mitgeteilt, daß, nachdem jetzt in den drei Durchgangslagern Gießen, Meschede und Limburg je 3000 Mann Gefan­gene eingetroffen sind, die Erledigung ihrer Dersor- gungsangelegenheiten derartig schnell in Angriff ge­nommen worden ist, daß die Ueberführung in die Heimat in den nächsten Tagen erfolgen kann. Weitere Gefangenentransporte werden in den nächsten Tagen erwartet.

Nach den neuesten Meldungen wird die engli- f ch e Regierung für eine beschleunig te Heim­sendung unserer Kriegsgefangenen Sarge tragen. Der Abtransport soll mit allen Mitteln beschleunigt werden. Die Zahl der heimzubefördernden soll auf täglich 10 000 gesteigert werden. Die Ver­handlungen hierüber werden am Freitag in Köln stattfinden. Ein englische sTelegramm beschstigt sich übrigens der deutschen Aufnahmefähigkeit von ab« transportierten Kriegsgefangenen und behauptet, daß wir nur imstande seien, 1600 Mann täglich zu empfangen. Das ist ein Irrtum, der wohl dadurch erklärlich erscheint, daß die Engländer diese Zahl für die Aufnahmefähigkeit sämtlicher Lage ansehen, wäh. renb es sich in Wirklichkeit nur um die Aufnahme­fähigkeit für ein einzelnes Lager handelt.

©«rettete Opfer de» U- oolkriege«.

Dem ,53erltnet Lokalanzeixreick zufolge sind nach einer Meldung des ,Daily Ebronicle' bi« zum 1. September 440 gesunkene oder versenkte englische Schiffe im Gesamtwerte von 800 Millionen FriedenSmark wieder gehoben worden. Außer­dem konnten da» dem versenkten Ozeandampfer Saurentic" Goldbarren im Werte von 40 Millionen Mark geborgen werden.

Die Entente nnd Rumänien.

Nach einer Reutermeldung haben die Alliierten der rumänischen Regierung ein befristetes Ul­timatum durch einen Abgesandten (Enooye) über­reichen lassen. Sollte Rumänien sich weigern, die Bedingungen des Ultimatums in der angegebenen Frist zu erfüllen, werden die diplomatischen Beziehungen zwischen den Alliierten und As- sozsierten einerseits und Rumäniens andererseits a u s- g e ho b e n. In dem Ultimatum wird u. a. verlangt, daß 3t irm ä n i e n Ungarn räumt und alles requierierte Eigentum an die Alliierten zur Verteilung unter die Gläubiger Ungarns ausliefert Dem un­gehorsamen Rumänien ist auch Serbien jetzt mit heftigem Widerspruche gegen die Befehle der Entente an die Seite getreten. Auch Serbien hat beschlossen, den Vertrag mit Oesterreich nicht zu unter­schreiben, wenn die Bedingungen über den Schutz der nationalen Minderheiten nicht abgeändert werden.

Ein Nachtstück menschlicher Niedertracht.

Al» ber Geiselmordprozeb vor dem Münchener Volksgericht begann, machte sich die OeffentlichkeU auf ein furchtbares Bild gefaßt. Aber es ist noch drei schlimmer, al5 man befürchtete. Wa» die Verhandlung, bie Vernehmung ber Angeklagten und Zeugen ergab, übertrifft alle Vorstellung. Man muß unter; che,den: WaS sonst an blutigen Ausschreitungen wahrend der April-Räte-Regierung, wa» in anderen deutschen Stabte, an arauiamen Mordtaten geschah, ist gewiß schrecklrch. Aber e» wurde im Affekt de, Augenblicks, im Sturuu- ber politiscken Lerbenschaftencherüvt.

Im Münchener Luitpoldgymnasium wurde dre B e- stialität zum System. Ausgeklügelte, raffinierte, bewußte Roheit herrschte dort. Die Schilberer der fron, zösischen Schreckensherrschaft von 1702 94 ftnb dar­über einig, daß bie Pariser Gefängnisse zwar uoersullt waren, daß aber von einer Kerterpein von bewußter Quälerei der Gefangenen nicht die Rede gewesen ist. Der Revolution des 20. Jahrhunderts blieb es Vorbe­halten, so entsetzliche Kerkerbilder hervorzubnngen. wie sie ber Münchener Prozeß jetzt enthüllt hat. In einem fensterlosen Kellerloch, von dessen Wanden bas Wasser herabtriefte, waren 22 Personen unteige« bracht, darunter eine Frau, die Gräfin 2Se]tari>. M dem Kellerloch diente ein einziger Eimer der Notdurft aller. Mehrere Tage und Nächte lagen bie @et]ein auf dem kalten nackten Steinboden. Sie wurden fort­gesetzt mit Schimpfworten wieBluthunde",Schweine- bande" belegt und in rohester Weise alle paar Smnden auf die Notwendigkeit der Erschießung htngewi^en. Zwei Geiseln, bie Husaren ßinnenbrugger und Hrn- borf und die Gräfin Westarp mutzten vor ihrer Er­schießung den Rotgardisten die Zimmer fegen. Und bann die Erschießung selbst I Professor Berger, e i n ehrwürdiger Greis, wurde, weil er nicht schnell genug ging, zur Richtstätte gezerrt und gestoßen wie ein Schlachttter. Als der Fürst Thurn und Taxis bei demKommandanten" Serdl protestierte, daß er nicht ber richtige sei, heißt es: Marsch hinaus! und wenige Sekunden später knallten :m Hofe bte Schüsse, bie ihn niederstreckten. Die Gräfin Westarp, die sich bis zum letzten Augenblick gefaßt und vornehm be­nimmt, wird auf dem Nichtplatz mit höhnifchen gemei­nen Beschimpfungen rohester Art empfangen und nmß sich zum Empfang ber tödlichen Kugeln bie Zu­schauer können es kaum abwarten, bis sie auf dem Ru­cken eines Soldaten ein paar Abschiedszeilen geschrie­ben hatte zwischen bie Leichen der schon Hmgerich- teten stellen. Ihrem Leichnam versetzt ein Rotgardist einen Fußtritt in den Unterleib. Er speit chr ms Ge­sicht Als ein anderer darüber sich empört, ihm eine Ohrfeige verseht, ergreift die Menge gegen chn Parten

So tief, tiefer als alles tierische, kann ber Mensch sinken, und es ist schwer zu sagen, wer ber Hauptschuldige von all diesen erbärmlichen Kreaturen war. Der Russe ßcnine, ber Hauptverantwortliche bes Münchener Bürger­krieges, ist bekanntlich am 5. Juni b. 3. in München füsiliert worden. Gustav Landauer ist erschlagen, Dr. Lipp für geisteskrank erklärt. Toller erhielt 5 Jahre Festung. Don den eigentlichen Schlächtern ber Münche­ner Geiseln hat sich einer, Hausmann, selbst bas Leben genommen. Die Angeklagten, bie für bas Volks« geriet übrig Hieben, machen alle persönlich den be n! bar schlechtesten Eindruck. Sie sind zum Teck meaen Zuhälterei, Einbruchsdiebftahls, Widerstands gegen bie" Staatsgewalt, Betruges, Wilderns, Tierquälereien ufw. vorbestraft. Bemerkt muß werden, daß kaum einer dieser Schufte im Felde gewesen ist. Der Hauptangeklagte, Kaufmann Fritz Seidl, gewesener Stabttommanbant von München, hat sich während der Verhandlung so frech und herausfordernd benommen, daß man an dem Verstand dieses Menschen zweifeln muß. Sein Unterkommandant, ber Zimmermann Schicklhofer, soll ein ausgesproche­ner Alkoholiker fein. Solchen Menschen waren bte zehn Geiseln ausgeliefert. Sie haben vergeblich versucht, sich auf Befehle vonhöherer Stelle" herauszureden. Sie hätten viel, ja alles retten körnen, wenn sie Vernunft im Kopfe und ein fühlend Herz in ber Brust gehabt hätten. Aber sie waren Tiere unb noch weniger. Sie haben der Weltgefchichte ein Nachtstück menfchlicher Niedertracht ge- liefert. .

Den Leuten, bte Deutfchlanb gern noch einmal m den Wirbel des Rätekampfes stürzen möchten, diene dieses grauenhafte Bild eines frevelhaft entfachten Bürgerkrieges als abschreckendes Medufenhaupt.

* Die Arbeiten der preußischen Landes-Versamm­lung. Die Sitzungen der preußischen Landesversamm­lung nehmen am 18. September ihren Fortgang. Die Ausschüsse beginnen ihre Tätigkeit bereits am 11. Das Plenum sollte sich nach den bisherigen Absichten zunächst mit dem Etat des Wohlfahrtsnn- nisteriums beschäftigen. Voraussichtlich wird aber eine Aenderung in den Dispositionen eintreten und in erster Linie die Frage der Teuerungszu­lagen für die Beamten und die Erhöh­ung der Eisenbahntarife auf die Tages- Ordnung gesetzt worden.

Tie Neuwahlen i» Preußen. Erne Korrespon­denz meldet, die Neuwahlen in Preußen sollen unter, allen Umständen erst nach den Neuwahlen im Reich, vorgenommen werden. Da die Verfaffungsdebatten in der preußischen Landesversammlnng den ganzen Winter dauern werden, ist an eine Verabschie-, düng der Verfass« nq erst im März zu rechnen, fo daß frühestens nach Ostern Neuwahlen statt- finden könnten. Viel früher werden die neuen Grenzen Preußens in Schlesien, Ostpreußen und Schleswig-Holstein auch nicht feststehen.

» Dec Deutsche Slädkelag trat im Berliner Rat­haus unter öem' Vorsitz des Oberbürgermeisters Wer­muth zusammen, um zu den verschiedenen wichtigen Vorgängen Stellung zu nehmen. An Stelle des zum Oberbürgermeister von Danzig gewählten Geschäfts­führers der Geschäftsstelle des deutschen und preußi­schen Städttages Sahm wurde der Oberbürgermeister von Bromberg, M i tz l a f f, gewählt.

* Dre Bearbeitung der Geheimatten des Auswär­tigen Amtes, mit deren Sichtung schon seit den ersten Revolutionstagen Karl Kautsky und andere betraut waren, ist nun so weit gediehen, daß Veröffent­lichungen daraus, insbesondere über die Vorge­schichte und die diplomatische Geheim­geschichte des Krieges in naher Zeit bevor- stehen dürften.

* Die Befreiung Kiews. Der Ukrainische Presse­dienst meldet: Den ukrainischen Truppen gelang es, Kiew von den bolschewistischen Banden vollständig zu säubern und in der Verfolgung der roten Truppen 50 Werst über Kiew hinaus nach Norden längs des Dnjepr vorzudringen. Äon bolsche­wistischer Seite wurde dem gegenüber große bolsche­wistische Waffenerfolge gemeldet.

* Attentat aus den Premierminister van Aegypten. In London ist die Nachricht eingetroffen, daß ein At­tentat auf ben Premierminister von Aegypten unter-