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Die Entente hetzt die deutsche« Gefangenen gegen die Heimat ans.

Kassel, 27. Dug. Auf dem 'Kasseler Hauptbahnhof traf ein Lazarettzug mit hundert k r an len Heim­kehrern ans englischer Gefangenschaft auf franzö­sischem Boden ein. Die Insassen des Zuges brachten

ken von Tag zu Tag tiefer 4n den Sumpf von Wirt- schaftslosigkeit. Daß ein solcher Zustand, in dem man vom Schuldenmachcn lebt, keine Dauer haben kann, ist so klar, Ivie zwei mal zwei gleich vier Die Wirkung ist da in dem jammervollen Stand der Mark von 20 Pfennigen.

Eine Rettung ist immer noch möglich. Wir brauchen nur zu arbeiten, dann kommt der Aufstieg von selbst.

Die Weltgefahr de« deutschen Zusammenbruch«.

Der Londoner »Daily Herald" schreibt in einem Leitartikel, die Gefahr des Zusammenbruchs Deutschlands fei zugleich eine Gefahr für England. Die Lage tn Deutschland sei ein Teil der Lage in Europa und daher auch ein Teil der Lage in England. Deshalb dürfe man nicht das Ziel ver­folgen, einen Zusammenbruch Deutschlands zu fördern, indem man die deutschen Arbeiter, Frauen und Kinder mit beiden Händen an der Kehle würgt«, sondern man müsse ihnen helfen, sich nach ihrem Zusammen- bruch zu erholen, daß sich die Lebensmittel-, Trans­port-, Kohlen- und Finanzlage in der Welt bessere und damit vor allem ihre geistiae und moralische Verfassung sich vom Zerstören dem Schaffen zuwende. Eine ge­wisse Patriotengruppe erwarte und hoffe anscheinem», daß Deutschland in den Staub sinke. Ein solches Deutschland werde aber ein neues gänzlich totes Ge- wicht fein, das an dem Kopfe der feindlichen Welt hänge. Die Welt müsse sich bemühen, das Vergangene wieder gutzumachen und vorwärts zu schreiten.

Arbeitsminister Schlicke für Akkordarbeit.

Der Reichsarbeitsminister Schlicke äußerte sich in einer Unterredung einem Vertreter derNational­zeitung" gegenüber über die Arbeitslosenfrage, wobei er betonte, daß er einen Arbeiiszwang für die Arbeits­losen ablehne, dagegen für die Wiedereinführung der Akkordarbeit eintrete. Ohne Akkordarbeit sei nach seiner Meinung keine Kalkulation möglich. Der Minister mochte in dem Gespräch auch folgende tref­fende Bemerkung:Auf dem Arbeitslosenkongreß in Hamburg haben die linksradikalen Arbeitslosen beschlos­sen, sich nicht an dem Wiederaufbau Frank- r e i ch s zu beteiligen. Was diesen Beschluß angeht, so kann ich nur fragen," erklärte der Minister zuletzt, beteiligen sich denn die Linksradikalen bis jetzt an dem Wiederaustiau Deutschlands?"

Schlicke« Bekenntnis zur Akkordarbeit ist zu be- grüßen. Die Einführung der Akkordarbeit dort, wo sie sich mit der Art der Arbeit verträgt, scheint un- umaänqlich noiwendig zu sein, «m wieder unser« Produktionstätigkeit zu erhöhen. Der .Vorwärts', der bekanntlich' gleichfall« für di« Akkordarbrit ein- getreten ist, mackt jetzt nähere Angaben darüber, tote er sich deren Einführuna denkt. Der Akkordlohn, schreibt er, dürfe nichtMordlohn- sein. Daher müsse den Arbeitenden in jedem Falle ein Mindest, lohn garantiert bleiben, den er ohne Rücksicht auf seine Arbeitsleistung erhalt«. Ferner dürfe er über eine gewisse Höchstleistung, die in der gesundheitlichen Verfassung deS Arbeiters ihre Grenze finde, nicht tätig sein.

Praktisch ansgedrückt, würbe die Forderung etwa lauten: Man sehe als Mindest lohn etwa zwei Drittel des heutigen Zeitlehnverdienstes feit, fiel- gere das Interesse an der Produktion durch gute Akkord- Prämien zunächst nur soweit, daß insgesamt etwa ein Drittel mehr v erdient werden kann als heute Neber diese Grenze hinaus gebe man keine Prä- nrie Der Erfolg wäre, daß die Arbeiterschaft nicht dazu veranlaßt wird, die Höchstleistung zu überschrei- ten. Um zu verhüten, daß gesundheitliche Schäden für die Arbeiter zutage treten, könnte festgesetzt werden, daß jeder Betrieb einen A r z t zu besolden hat, der von den Arbeitern zu wählen ist, und dessen Ausgabe es ist, in periodischen Zeitabschnitten, etwa alle vierzehn Tage, den Gesundheitszustand derArbeiter zu untersuchen. Die Wahl des Arztes durch die Arbeiter würde verhindern, daß der Arzt ebenso zu einem blinden Instrument der Unternehmer wird. Eine Erhöhung der höchst errerch- baren Lohnsätze.dürfte mrr mit Zustimmung der gesam­ten Arbeiterschaft des Betriebes möglich fein."

Die erhöhte Produktivität dürfe aber, fährt der Vorwärts" fort, nicht zur kapitalistischen Ausnutzung der Arbeüer durch den Unternehmer führen. Daher müßte der Betrieb, der um die Erlaubnis nachsucht, den Akkordlohn einzuführen, gleichzeitig den Arbeitern gegenüber die Verpflichtung eingehen, daß er die Aus­schüttung von Gewinnen in jeder Form auf einen bestimmten Prozentsatz beschränkt, der heute etwa fünf bis sechs Prozent betragen dürfte. Die Heber- gewinne könne man dann zu Wohnungsbauten oder für irgendeine andere Form des Gemeinwohls ver­wenden.

Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß der Artikel Erwägungen widerspiegelt, die im Augenblicke im Schoße der Regierung gepflogen werden.

Kohlennot und Wagenmangel.

Essen, 27. Aug. Die Wagengestellung für den Abtransport von Brennstoff war zu B-'ginn der vergangenen Woche äußerst ungünstig. Die Fehl­ziffern betrugen zunächst über 6000 Wagen täglich. Nach Durchführung von teilweisen Sperren und Verhängung einer gänzlichen Sperre am 22. August für Annahme anderer Güter besserten sich die Verhältnisse nicht unwesentlich.

Folgen des Lohlenmmigels.

Die Kohlenversorgung Groß-Berlins ist nahezu völlig zusammengebrochen und die Bevölkerung wird sich mit weiteren sehr erheblichen Einschränkungen in der Gas- und Elektrizitätsversorgung absinden müssen. Die Gassperrstunden werden erheblich ausge­dehnt. Auch der Elektrizitätsverbrauch soll wesentliche Einschränkungen erfahren. Sn erster Linie werden von den Einschränkungen die Vergnügungsstätten be­troffen werden müssen.

Leider werden auch große Berliner Firmen ihre Betriebe stillegen müssen. Die Firma Ludwig Löwe, die mehrere Tausend Arbeiter beschäftigt, hat er­klärt, daß vorläufig nur noch drei Tage in der Woche gearbeitet werden kann. Auch bei der A. E. G. ist die Lage nicht besser. Sollte sich die Kohlenförderung bessern, so hofft die A. E. G. jedoch über die Krise Hin­wegzukommen. Aehnliche Nachrichten siegen aus der ganzen Groß-Berliner Industrie vor.

Iverautto artlich fit den redaktionellen Teil; Karl Schütt«, I f\AMM*> Q fär die In eigen: I. P a rzell er, Fulda. Rotationsdruck. | VöRllCrSllIg

$ie Lage der deutschen Missionen.

Eiten beMderer Seite wird uns geschrieben:

g R vielfach nicht beachtet worden, daß die Vor- maiuen des außerordentlichen päpstlichen Gesandten ** fferefti in Paris eine wichtige vom 6. Juni da- ®ote des britischen Ministers des Aeußern Lord four zur Folge hatte, die nach dem ,^Osservatore Lj- folgenden Wortlaut hat:

alliierten Hauptmächte Hatzen die ihnen über der vom hl. Stuhl /abhängigen M i f f i o- ' den ihnen gehörigen Gebieten oder in solchen, «Regierung ihnen durch den Friedensvertrag zu- wmde, gemachten Vorstellungen sorgfältig ge- gie erachten, daß die folgenoe Erklärung bei» n>erbe, jedes Mißverständnis über die von ihnen

c Politik zu verscheuchen.

Die Entwürfe des Friedensvertrages mit Deutfch- bcschränken sich gemeiniglich auf Verpflichtungen ierftitS gegenüber alliierten Mächten oder umge» Die Verpflichtungen, welche die alliierten Mächte einander ober gegenüber allen Mitgliedern des Hlmdes einzugxhen beabsichtigen, find für später« xjrungen Vorbehalten worden. Insbesondere die Bestimmungen des Artikels 22 des Völker- yertrgMs durch feierliche Vereinbarungen in Kraft n ypb toerben die Verpflichtungen festgelegt wer- toctife die Beauftragten werden eingchen müssen. Das die Missionen betrifft, werden diese ^Msverträge dem Wortlaute des Artikels 22, toel- i- die Freiheit des Gewissens und der Religion sicher Sf die weitestgehende Auslegung gestatten. Zu die- jg'öyrde werden diese Verträge fcstsetzen, daß die is'jirnare jediw/elchen Bekenntnisses Bgtfgt werden, ihr Amt frei auszuüben, te Schulen und andere Jnftiintionen zu wahren und ch sie das Recht Hatzen werden, Besitz jeder Art zu taufen und zu bewahren. In den Fallen, in denen, ich Krisdensvertrag mit Deutschland es notwendig m foirb, eine Uebertragung der Besitzer der deutschen hjsstvnen cm eine Kommission derFideikommsssaire" Lche, Treuhänder) werden die Güter jener tarnt L Stuhl abhängigen Missionen rechtmäßig beglaubigt ib der römisch-katholischen Kirche angehörenden Per- poi übertragen werden. In dem Falle, in wel- pn es andererseits nach dem Wortlaut desselben Ver- notwendig sein wird, irgend eine Kontrolle über ik jene Missionen leitenden Personen auszuüven, /ich dies mrr geschehen, nachdem man zuerst die Moritaten der betreffenden Religion gehörig zu Rate ÄX!tn h-rt.

Sine genaue Prüfung dieser Note läßt leider die chnistische Auffassung einzelner deutscher Blätter als W begründet scheinen. Zwar wird in den ehemali- en deutschen Kolonien den Missionaren jeden B e - intnisses Missmnsfreiheit zuges-gt, nicht aber 4 Glaubensboten jeder Nationalität. Den «Ischen Missionen wird, solange Deutschland dem SIkeibunde nicht angehört, keinerlei Zugeständnisse Mht. Vielmehr behalten sich die Alliierten alle Rechte" vor, die sie sich im Friedensvertrage erzwun- a hoben. Die deutschen Missionen im alliierten Macht- mich sind für ihren Fortbestand nach wie vor von er Willkür der Alliierten abhängig. Es i aber einfach unmöglich, die mehr als tausend beut« hen katholischen Missionare und Missionsschwestern hne empfindliche Beeinträchtigung anderer Missions- ebiete zu ersetzen. Es wäre daher, auch abgesehen m dem schreienden Unrecht gegen die deutschen «ubensboten, ein furchtbarer Frevel gegen die mölkemng der deutschen Missionen, wenn man diese «henden Unternehmungen zum Dahinsiechen verur- M wollte.

Ach Erkenntnis muß sich Bahn brechen und «rall in den alliierten Ländern das Gewissen der Mgefmntm wachrufem. England Hai bis heute einzig ikMissionsnote des (Grafen Rantzau noch nicht beant- Wet. Wir sehen da rin ein gutes Zeichen. Das bri- wer vor dem Kriege stolz darauf, der Hort «Missianssteiheit zu fein. Sollte der Sinn für diese ®?eit und den mit ihr verbundenen religiösen und «wrellen Fortschritt der größten Kolonialmacht der 7? HMzlich abhanden gekommen sein? Wie möchten V Frage offen lassen oder vielmehr von England beantwortet sehen.

Trostls».

ivirjfchaftffth« Lage ist trostlos. Das Sinken «»uta sst bcangftigenb. Wenn es so fortgeht, ' g- Staatsösrikerott so sicher wie das Amen 20 Pfennige wird unsere Mark im Aus- Wer dazu die Achseln zuckt,, muß sich «?lnent' toir i>ie KrieWentschMgungen , Diente in (tzold oder Goldeswert zu zahlen > uunMietzlich der Vergütungen für die foitid- i ?oo «»^"^i^Mlngen in den besetztem Gebieten «n» /j^lliarben in Gold oder Goldeswert her» E?/' sind tausend Milliarden Mark. Wie S Mracht werden soll, entzieht sich jeder Er- das steht feit daß uns picks geschenkt ä .'E Lntente im-ftd nehmen, was da ist.

Still ,tnb und die Folgen stellen sich ein. fehlen Un9 ton /gewerblichen Betrieben infolge 6a-kvnTrxuii?§ Lkht jetzt in gesteigerter Schnellig- 3Ctfecn Hund mit der Beschränkung des Eisen- kommt ine wachsende Schließung bi- s ^"Vernehmungen, weil die Ausgaben weit ** t tn^nKR gestiegen sind, ter Betrieb also Mrn < ®*r arbeiten heute so teuer, daß wir 8n$in'nsBei Häkchen noch etwas übrig bleibt, nach nn uicht mehr viel Absatzmöglichkeit Haban, E.M sinkt bet Verkauf infolge der unsiche- -dabei steigen die.öffentlichen An- i, N^s^atertzochen. Die für oen eilten Okto- reif« - ftentrmmenc Erhöhung der Eisenbahn, l hg. alles, was man für möglich ge»

iiß," /-le vierte Wagenklaffe Irird soviel kosten, k tot iOle zweite, die dritte wie die erste, die ?h>ei*ie und erste zusammen. Was soll Cfe«» /.wnnifien werden? Ein Zusammen- Amvit^^etmehr diese Zustände bedeuten bereits dog 9nr wicht anders möglich, daß in der *et, ü^eniem auf tie deutsche Solidität ent« tebtn .J*? bt:i uns Millionen über Millionen . w L1! und trotzdem kerne wirkliche Beffe- itr? " wirlschaftfi^-!, Verhältnissen eintrrit. y 5»-*/ er fbinnen wir unseren Eisenbahnberleb ^echterhalten l Diese Tatsache schlägt sei tttfln ober Beschönigungen aus dem Felde. '«N den e1 °Cr-' Entente mit dem Verfall Deutsch- ^unismus, fo rechnet man auch schott * unseres Landes, um sich durch ge»

L? Tidiern n~i)ic Zahlung der Kriegsentschäoi- ' Deutschland > steht bann unter der She Ml inmitten von feindlichen Bajonet- x-nbe.

helfen scheiniz nichts, das Dru- ~*-*-64b nützt aber auch nichts, wir versin.

<Q1Q I v«rl«« d«F«ld«r»eti«Adr»-kereii«Fulda.- Prei»«imaü. I lafltCt. Hugill« «VITF» | 1.10 Mk. Fernjpr. «c. ». Tetirr.-Adresse: Fuldaer Zeitung. | ~v v

Ans dem NaLvargeviet.

* Mickielrrombach (Kr. Hünseld). Nach Be­schluß de« Wahlausschusses ist der Landwirt Wil­helm Kreß zu Michetsrombach zum Kreistagzab- geordneten an Stelle deS berfiorbenen Landwirts Joseph Hilpert von Eiterfeld gewählt worden.

(*) Hünfeld. In Suhl (Tdürirftzen) wurde mit mehreren Zigeunern ein reisender Schirmfl-cker fest- grnommen, dem «in P f erdediebsl ahl in Mit­telaschenbach im Kreis Hünfeld nachgewiesen werden konnte. Das gestohlene Pferd hatte er An­fang« Juli mit einem anderen Schirmflicker in Ebertrhcusen verkauft.

an, in der der Regierung für ihre Haltung Datck ausge- jprochen wird. Redakteur Barth teilte nut, daß tn den Hennigsdorfer Fabriken reftentbie Arbeitswilligen von den Terroristen mit b*r Drohung aus den Werk­stätten gejagt worben seien:Wer nicht in einer kalben Stunde die Bude verlassen hat, dem wird der Schädel eingeschlagen!" (Große Bewegung.) Durch Einschaltung eines 3000 Bolt starken Stromes hab« man die Arbeitswilligen in höch ffe Lebensgesahr gebracht. _____

Ausland.

3n Belgien soll die allgemeine Wehrpflicht einge- führt werden. Die Dienstzeit soll ein Jahr betragen

* In Spanien hat die Streikbewegung in der Bau­industrie auf die Textilindustrie übergegriffen. In Bar­celona hält der Streik der Seeleute an. Die Regierung steht mit den Streikenden in Verhandlungen.

* Onkel Sam «nd Mexiko. Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko, die immer gespannt waren, sind wieder einmal kritisch geworden. Uebrrfälle auf Amerikaner in den Grenz- gebieten (u. a. war von der Gefangennahme von amerikanischen Fliegern die Rede) haben den Ver­einigten Staaten den Anlaß oder Vorwand gegeben, an dem mexikanischen Präsidenten Carranza eine sehr scharfe Note zu richten. Darauf hat Carrunza die boshafte Antwort gegeben: In der mexikanische» Wildnis fei die Sicherheit größer aI8 in den Städten der kultiviertesten Mächte. Carranza spielt damit auf die Negerverfolgungen in den Vereinigten Staaten an. Tie Amerikaner haben eS bet der Note toohl bewenden lassen, haben ihre Truppen bei der Verfolgung der Banditen, die die Flieger gefangen genommen haben, die Grenzen überschritten. Nach einer Meldung des Presse - Büros Radio soll der Plan eines militärischen Vorgehens gegen Mexiko fertiggestellt sein. Die Bereinigten Staaten hoben schon längst Appetit auf Mexiko gemäß dem Grundsätze des Selbstbestimmungs- rechtes der Völker.

veotscher Reich.

Bersin, 27. Aua. Nach den Parl.-Pol. Nachr. ist die Nachricht der ,Freiheich daß Schutzhaftbesehle gegen die Mitglieder des Rumpfvollzugsrates, Ernst Säumig, Richard Müller usw. erlassen seien, unwahr.

* Hindenburg als Kandidat sür den Reichs­präsidenten. Der geschäftsführende Ausschuß der Deutiche» Volkspartei beschloß, Hindenburg eine Kandidatur als Reichspräsident anzubielen. Die konservativen Blätter begrüßen diesen Beschluß, doch wird man Wohl kaum in der Annahme fehlgehen, daß Hindenburg «ine Kandidatur ablehnen wird und sich nicht in daS parteipolitische Getriebe hin. «inziehen lassen will.

* Der 18. Märkische Katholikentag. Am Sonntag fand in dem von unabhängigen Sozialisten beherrschten Berliner Vorort O b e r s ch ö n e w e i d e der 18. Mär­kische Katholikentag statt, an dem über 15 000 Men­schen teilnahmen. Bei dem Festzug wurden 130 Fah­nen gezählt. Aus der ganzen Mark waren die Glau­bensgenossen zusammengezogen. In drei Parallelver­sammlungen sprachen Pfarrer Lichtenberg (Charlotten- burg), Abg. Dr. Pfeiffer, Redakteur Dr. Lerch und Pfarrer Baron.

* DieDeutsche Tageszeitung", das Organ des Bundes der Landwirte, blickt in diesen Sagen aus eiu- fünfundzwanzigjähriges Bestehen zurück.

* Stuttgart, 27. Aug. Reichsp'äsident Ebert und Reichswehrminister No Ske sind am Mittwoch in Stuttgart entgeh offen, um, wie in München, der Uebergabe deS Truppenkontingent« an das Reich und damit der Aufhebung des einzelstaatlichen Kriegs- ministeriumS beizuwohnen. Am Freitag schließt sich ein Besuch bei der badischen Regierung aw

Gegen radikale Umtriebe. Für Bersin und Um­gegend ist ein Verbot neuer Tageszeitungen, Verbot der Vertreibung von Flugblättern sowie eine neue Entschär­fung des Verbotes, Schußwaffen zu kaufen oder zu verkaufen ergangen, als Diaßregel gegen die radikalen Vorbereitungen eines neuen Bürgerkrieges.

* Rückkehr der Mackensen-Armee, illirttwoch früh ist ein neuer Transport der Mackensen-Armee von 1300 Mann in Wien eingetroffrn.

Der Hamburger Bankbeamtenstreik ist beendet. Die Angestebtcn sind unterlegen. Der volle Betrieb wird beute wieder ausgenommen. Dreientgen Bankangestell­ten, die sich erst am Montag wieder zur Arbeit gemete bet haben, mußten einen Revers unterschreiben daß ihr Angestelltenverhältnis keine Fortsetzung deS sruhe- ren darstellt, sondern neu beginnt.

' Aus den Lagerhäusern in Romanshorn (Schweiz- werden zurzeit bedeutende Mengen für deutsche Rech­nung gekaufte Baumwolle nach Deutschland trans­portiert .

In der ftanzösischen Sammer haben tue Verhand­lungen über den Friedensvertrag vorgestern endlich begonnen. .

Die Franzosen wollen mit der Wiederherstellung ein Geschäft machen. Die Nationalunion der ftanzosr- schen Architekten und Unternehmer fordert, daß die Wieberherstellungsarbeiten nicht unter Leitung deutscher Unternehmer gestellt werden, sondern daß der Unter- nehmergewinn nur Franzosen zufallen soll.

Die Lieferungen an die Rumänen sind vom Ober­sten Wirtschaftsrat der Allsierten untersagt worden, weil die Rumänen sich weigern, die aus Ungarn oe$r schleppten Waren herauszugeben.

Oberfchlessen.

Reuter meldet: In einem von der Friedenskonse­renz an den General Dupont gesandten Telegramm wird die Ansicht ausgedrückt, daß das einzige Mittel, um die Ruhe in Oberschlesien wieder herzustellen und die Kohlenerzeugung wieder zu vermehren, die Be­setzung durch die Alliierten sei. Es werde nicht erwartet, daß die deutsche Regierung auf ihrem Recht, ihre Einwilligung zu verweigern, bestehen bleibe. Tatsächlich fei bereits von der deutschen Delegation in Versailles inoffiziell der Vorschlag gemacht worden, die Alliierten möchten die sofortige Besetzung Oberschlesiens in die Wege leiten.

Hierzu wird dem Wolfffchen Büro von zufiänÄ- ger Stelle erklärt: Soweit die Reutermeldung von der Stellungnahme der deutschen Regierung oder Ihrer Ver­treter spricht, ist sie vom ersten bis zum letzten Worte falsch. Die deutsche Regierung hat weder ausdrück­lich noch andeutungsweise auf Irgend eines Ihrer Ho­heitsrechte über Oberschlesien verzichtet und denkt auch nicht aneinen solchen Verzicht. Dies gtti vor allem von der vorzeitigen Besetzung Ober­schlesiens durch die Entente. Im übrigen ist festzu­stellen, daß die Reuterweldung durch die Entwicklung der Dinge in Oberschlesien nach Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung vollkommen überholt ift

Die Senkung der LeSensmittelprelse.

Wie die Polik.-Parkami Nackw. hören, werden die von der Regierung bewiüigien 500 Mill, zur Senkung der Lebensmittelvreise um weitere 50 Millio­nen auf 550 Millionen erhobt. D'efe 50 Millionen sollen vorzugsweise leisti'ngsschwachen Gemeinden zugute kommen, da aus zahlreichen Gemoinhen Mittei­lungen eingelaufen sind, daß die Senkung der Lebens­mittel noch nicht in der gewünschten Weise hat durch­geführt werben können.__

Unabhängige und Rlehrheikssoziallslen.

In 50 großen Versammlungen protestierten Dienstag abend die Berliner Unabhängigen gegenMilitaris­mus und Gegenrevolulion". Alle Versammlungen verliefen ruhig und es wurde eine Entschließung angenommen, die in schwülstigen Worten gegen diemilitaristisch-monarchische (Begenreooluiion" Einspruch einlegt, die rechtssozialistische Partei maßlos angreift und sich über dieVergewaltigung des Berliner Vollzugsrats" entrüstet.

Gleichzeitig hielten die Vertrauensleute der sozial­demokratischen Vartei eine große Versammlung ab, in der führende Mitolieder der Mehrheitssozialisten aus dem Berliner Arbeiterrat sprachen. Sie billigten das Dor­schen gegen den Dollzugsrat und wandten jid) gegen den unerhörten Terror der unabhängigen Sozialisten gegen­über den Arbeitswilligen und nahmen eine Entschließung

tergefahren und von einer Abordnung von Dä­nen feierlich begrüßt worden.

Von zuständiger Stelle wird noch dazu gemeldet: Dor einiger Zeit ist es in Apenrade zu Zwischenfällen mit dänischen Wandervögeln gekommen. Diese Zwi­schenfälle wurden von dänischen Hetzern ausgenutzt und dem Verband mitgeteilt, in der Absicht, die Besetzung Nordschleswigs herbeizuführen. Die französische Re- gierung hatte dem internationalen Brauch entsprechend, bei der deutschen Rcgiemng die Ankunft derMar­seille" cmgezeigl. Die deutsche Regierung hatte aber diesen Besuch abgelehnt, der nun trotzdem ausgeführt wurde. Das deutsche Verlangen der sofortigen Zurück­ziehung des Kreuzers wurde bisher noch nicht beani- wortet.

Mittwoch hat der Kreuzer seinen Ankerplatz ver­lassen und ist seewärts gefahren.

Frankreich stehl Gespenster. »

Die Franzosen hoben Angst vor der Tättgkeit der Ausländsdeutschen und die Zeitungen tischen ihren Le­sern die abgeschmacktesten Märchen auf, um diese Angst noch weiter zu schüren. DasJournal" behauptet, so­fort nach Ratifiziemng des Friedensoertrages würde eine Viertelmillion Deutscher mit einem Kapital von 400 Millionen Dollars aus den Vereinigten Staaten nach Mexiko gehen, um dort Fabriken zu gründen und die Munitionsherstellung für Deutschland in gewaltigstem Maße zu betreiben. Im gesamten lateinischen Amerika betrieben deutsche Agenten schon heute eine umfassende Propaganda.

eine Bittschrift an die deutsche Regierung mit, di« von Tausenden von fitiegSgcfangenen unterschrie­ben ist und um dringende und rasche Hilfe ersucht. Die Gefangenein Werden regelrecht gegen di e Hei­mat auf gehetzt, indem ihnen mitgeteilt Wird, daß Deutschland auf Rückgabe feiner Gefangenen verzichte. Die Bittschrift Wurde sofort an die Neichsregierung tveitergegeben.

Das ist eine Bestätigung der früheren Meldungen von dem schändlichen Beginnen der feindlichen Mächte, das natürlich tiefste Erbitterung bei den deutschen Ge­fangenen erwecken muß und sie irre macht an der Treue der Heimat. Es muß alles unternommen werden, um die Unglücklichen aufzuklären und das gemeine Treiben dcr Feinde bloßzustellen.

Wer an der Zurückhaltung der Gefangenen schuld trägt, das haben die jüngsten Meldungen von der eng- lischen Zusage, die Gefangenen heimzusenden und von dem Einspruch des Fünferrates dagegen klargestellt. 3m Fünferrat hat Clernenceau, der franzöf. Ministerprä­sident, das maßgebende Wort, und wir wissen schon längst, daß wir von ihm keine Gnade erwarten dürfen, sondem nur die scharfe Ausnutzung aller Machtmittel. Dazu rechnet er offenbar auch die deutschen Gefangenen, die man zu Frondiensten in Nordfrankreich oder zur Erzwingung von angeworbenen Hilfskräften aus Deutschland benutzen oder zu sonstigen Druckversuchen verwerten kann. Bisher sind alle Berufungen an die menschlichen Gefühle, auch der ergreifende Appell der deutschen Bischöfe und die dringende Aufforderung drsRotenKreuzes fruchtlos geblieben. Dor dem Richterstuhl der Weltgeschichte wird die Verlängerung der Leiden der Gefangenen und chrer Angehörigen den Siegern zur unauslöschlichen Schande gereichen.

Ohne deutsche Erlaubnis.

Der französische KreuzerLa Marseille" hat am Dienstag nachmittag auf der Föhrde vonFlensburg in Nordschleswig Anker geworfen. Die Ankunst des Schiffes war den Internationalen Gepflogenheiten ge­mäß vorher bei der deutschen Regierung cmgezeigt, von dieser aber ab gelehnt worden durch folgendes drahtlose Telegramm:Der Besuch des Kreuzers Marseille" in Flensburg, Apenrade und Hadersleben kann nicht zugelassen werden, da er durch Waffen-