| Mittwoch 27. Auguit 1959. |
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*
Denn wenn sie
verwarf den Gedanken sofort wieder.
1. Sep. bedürfte jetzt von
dem mißtrauischen und geizigen Alten schon Geld abverlangen wollte, ehe sie chn nur recht kannte, so würde er vielleicht nie Vertrauen zu chr fassen. Aber da war ihr eine Idee ausgÄlitzt, die ihr bei näherer Ueberlegnng gar nicht so unausführbar erschien: Detter Max konnte vielleicht Helsen. Wenn er seinen Freund Joachim Held, der ja sehr reich sein sollt«, um das Darlehm bat — wenn er sagte, er brauche es für sich, — dann würde dieser gewiß seine Hilfe nicht versagen. Aber wir konnte man es möglich machen, mit Detter Max zu reden? 2hm schreiben? — Steinl Das gesprochene Wort wirkte viel überzeugender wie das geschriebene, man konnte eher alles auseinandersetzen. Mario wußte, daß der Detter ihr wohlgesinnt war, also wollte sie selbst mit ihm sprechen, sobald sich dazu eine passende Gelegenheit bot,
Wortjetz,»«« kolgt.V
polnischer Angrifssplan für den fernher vorbereitet wird. Diese Mitteilung noch der Bestätigung, doch wird ihr schon amtlicher Seite Dtiteutung beigemesien.
Maria lächelte. „Sie können sich darauf verlassen, Fräulein/ sagte sie ruhig. „Er wollte sich einen Rat bei mir holen, er erzählte auch von zu Hause, wie es dem Vater ginge."
„Schon gut, das interessiert uns nicht, und — bei Onkel Gottlieb, was machten Sie da? Was sprachen Sie mit ihm?"
„O, nichts von Bedeutung, Fräuleinl Nm wmige Worte. Er las den Brief der gnädigen Frau und hat mir als Antwort dies Kuvert gegeben. Hätte ich nicht meinen Bruder getroffen, wäre ich längst hier."
„Es ist gut, gehen Sie an Ihre Arktik."
Mutter und Töchter atmeten erleichtert auf, als War« gegangen war.
„Unsere Befürchtung ist gänzlich nnbegrürÄet," meinte Berta leichchin. „Maria ahnt nichts. Aber mm heißt es Vorsicht^ sein."
Maria brachte die Zimmer in Ordnung. Doch ihre Gedanken waren nicht bei der Arbeit. Hans, chr Bruder, Halle chr ben Kopf schwer gemacht mit seinen Sorgen, denn es stand nun fest, daß der Freund, für den Hans die Bürgschaft übernommen, die vierhundert Mark nicht bezahlen konnte, daß jener sogar mit Ueberlegnng gehan beit, als er Hans bat, die Bürgschaft für chn zu über« nehmen. Und nach dem alten Sprichwort: „Den Bürgen muß man würgen", hielt sich der Geldverleiher nun an Hans und bedrängte chn hart wegen der Bezahlung. Hans aber hatte noch immer nicht den Mut gefunden, dem Vater von seinen Sorgen zu sprechen. Maria zergrübelte sich den Kopf, wie dem Bruder zu helfen märe. Sie dachte einen Augenblick an Onkel Gottlieb, aber sie
machte ihm keine Freude. Immer ging die Reue mit ihm über das, was er getan. Tag und Nacht verfolgte chn der Gedanke, an seinem Bruder zum Mörder geworden zu sein. Heimlich schrieb er an seinen Freund, was mit Gottlieb sei, ob er noch lebe, und er erfuhr, daß der Aermste durch den Sturz zum Krüppel geworden, feiner Braut entsagt habe. Da fing Konrad an zu sparen, zu darben, er wurde geizig, und brachte einen großen Reichtum zusammen. Als er fühlte, daß er krank wurde, kchrte er heim und legte alles, was er im Laufe der Jahre zusammengescharrt, dem Bruder zu Füßen. Die beiden haben sich versöhnt, Konrad ist ruhig gestorben. Aber seltsam, sehr seltsam, daß wir jetzt die Tochter jener Frau im Hause haben, jener Frau, die meine beide« Brüder einst so leidenschafllich geliebt und die keiner von chnen besitzen durste. Sie scheint lange mit dem Hekate» gemattet zu haben. So nun wißt ihr wenigstens, weshalb rote bei Konrads Tode leer ausgingen. Doch können wir jetzt ruhig sein, denn die Erbschaft entgeht uns nicht, well keine gesetzlichen Erben mehr vorhanden sind."
„Falls «ns diese Maria keinen Strich durch die Rechnung macht," sagte Ella nachdenklich.
„Na, das fürchte ich nicht," entgegnete die Mutter. „Ich bin (Bottlkbs leibliche Schwester und einzige Verwandte, es ist lange her, daß mein Bruder sich von seiner Braut trennte. Ihr Bild verblaßte wahrscheinlich mit der Zeit, und wenn Gottlieb kein Testament macht, dann fällt sowieso alles an uns. Bis jetzt liegt keine letztwillige Verfügung vor, so viel ich weiß. Also können rote ruhig warten. Nur das Mädchen muß fort, ehe es zu spät ist. Aber es ist mir doch ganz unbegreiflich, wo Maria so lange bleibt Ella gehe hoch hinüber und sieh nach. Das ist ja unheimlich."
Berta warf einen Bück durchs Fenster und atmete wie erleichtert auf.
„Da unten steht sie und spricht mit einem Herrn, vermutlich derselbe, der vorhin hier war anb sich für ihren Bruder ausgab. Die beiben müssen sehr viel Stoff haben, sieh nur, wie eifrig sie miteinander verhandeln."
Als Maria endlich zurückkehtte, bat sie um Entschuldigung wegen ihres langen Ausbleibens. „Ich traf soeben meinen Bruder," sagte sie, „er hatte mir manches zu berichten."
Sie sah sehr bedrückt und niedergeschlagen aus. Die forschend auf sie gerichteten Augen der Damen machten sie noch befangener.
„Und was erzählte denn Ihr Bruder alles?" fragte <$C* „Vorausgesetzt, daß es wirttich Ihr Bruder war."
gegangen! Dann,hätte sie doch uns nicht gebraucht. Rein, nein, sicher hat sie keine Ahnung von dem Zusammenhang!"
„Hoffen wir es," seufzte Berta, ebenfalls sichtlich beunruhigt. „Wir müssen darauf bedacht fein, daß Maria keine Gelegenheit mehr findet, mit dem Onkel zufammen- zukommen, solange sie noch bei uns ist! Es war eine unglückliche Idee von Dir, Mama, das MNchen hinüberzuschicken. Ella hat recht, sie ist schon viel zu lange fort, sie könnte längst da fein. Unbegreiflich, wo sie bleibt"
„Ach Gott, wer dachte aber auch an so etwas," seufzte Frau Manders, die dicken, fleifchigen Finger ineinanbet« fdffingenb, „was soll Ich machen?"
„Na, noch ist hostenllich nichts verloren," tröstete Ella, „so schnell ist mit Onkel Gottlieb nicht Freundschaft zu schließen. Und daß Maria nicht mehr zu ihm kommt, dafür werde ich sorgen! Lange wirb sie ohnedies ja nicht mehr hier sein! Um die Erbschaft soll uns niemand bringen. Wir haben schon an der ersten Enttäuschung schwer genug zu tragen gehabt, eine zweite darf rächt folgen. Was war das damals ein Hatter Schlag für uns, die wir stets in Geldnöten waren, als Mamas Bruder Konrad mit dem riesigen Vermögen von Sraftfien zurückkehtte, er kam, um in der Heimat zu ft erben! Weshalb er uns in feinem Testament gar nicht bedachte, und alles, was er befaß, dem Onkel Gottlieb hintettießl Dm Grund möchte ich wohl kennen!"
„Der Grund ist nicht schwer zu erraten, mein Kind," nahm die Mutter das Wott. „Ich sche ganz klar in der Sache. Ueberbies hat mir Konrad vor feinem Tode die Geschichte erzähü, wenn auch unzusammenhängend, denn er war schon nicht mehr recht bei Sinnen, aber doch so, daß ich mir das Uebrige denken konnte. Er bat mich inständig, ihm nicht zu zürnen, weil er alles dem Gottlieb gebe, aber für den habe er gespart, für ihn habe er gearbeitet.“
Die beiden Töchter sahen erstaunt die Mutter an. „Aber davon hast Du uns noch nie etwas gesagt," sagte Berta, und ein gewisses Interesse sprach aus ihren Zügen.
„Weil Konrad mich auf dem Sterbebette bat, nichts davon zu erwähnen. Er ist längst tot, und was soll ihm j das schaden, wenn ihr es erfahtt. Er und Gottlieb, beide | liebten dasselbe Mädchen, sie aber wollte von Konrad nichts wisien, sie rotes ihn al. Darüber geriet er fo in Wut, daß er eines Abends dem begünstigten Bruder auflauette und chn die steile steinerne Treppe hinabschleuderte, wo er bewußtlos eine ganze Nacht liegen blieb. Konrad floh noch in der Nacht. Er kam nach Ueberwindung unendlicher Schwierigkeiten nach Brcchlien und machte bott sein Gluck. Er wurde reich, fefc reich, aber lein Reichtum
4 ß A I Verantwortlich fir ben redaktionellen teil: Karl Schütte, f[r. | für die Anzeigen: I. Parzeller, stulda. — Rotationsdruck.
En'lisch.belgischeS Abkommen über Teutschostafrika.
Der Oberste Rat der Alliierten soll dar zwischen der englischen und der belgischen Regierung getroffene Abkommen genehmigt haben, wonach der größte Teil der Gebiete von Urundi und Ruanda in Deutsch- Ostafrika Belgien zugesprochen werden.
ES war wieder nichts!
«ir haben die gestrige Meldung von dem umnittel- ^bevorstehenden Abtransport der deutschen ^iea-gesangenen aus England gleich Lsüs eingeschätzt. Eie hat sich als ein Irrtum er- bet dadurch entstanden ist, daß zwar England ETabtransport der Gefangenen wünscht und im Euter Obersten Rat darauf hindrängt, bisher aber W^stimung Frankreichs nicht erhallen hat. Wolffs MKireau meldet:
F 8cb Homburg, 26. August. Der Stab der Gruppe „hielt' heute vormittag die Mitteilung, daß der '2 ben Engländern zugesagte sofortige Heim- M «„ort der deutschen Kriegsgefangenen vom Rat i* ,lnf rückgängig gemacht worben ist. Es bleibt sJlwHe’t bei dem bisherigen Stand der Dinge.
DMs hier unter „Rat der Fünf" in Wahrhell zu W-strheit ist' weiß jedermann. Es ist der Widerspruch t-rankreichs, der sich der Befreiung der Gesänge- L von neuem in den Weg gelegt hat. Nicht nur, daß Erreich sich hartnäckig weigett, die in seiner eigenen E» befindlichen Gefangenen freizugeben, verhindett seine Berbündeten immer wieder, die in ihre gefallenen Gefangenen endlich in die Heimat zu Mffen. Immer hat Frankreich sein Bew eingelegt, Cjjetjt, da England offenbar schon Zusagen gemacht Pläne zur Heimbeförderung der Kriegsgefangenen uje verlauten lassen, ist durch Frankreich wiederum ife vereitelt worden. Ob es Englands würdig ist, s*'in einer Angelegenheit, die die ganze Menschheit ^cht und eine einfache Frage der Humanität und Mntaren Sittlichkell ist, dermaßen von Clemenceau rob Fach ins Schlepptau nehmen zu lassen, ob das basische und selbst politische Ansehen Englands nicht Wh ein solches Verhalten schwer geschädigt wird, das eine andere Frage, die sich der Engländer zu stellen und durch die die Berantwortung, die Frankreich f sich lädt, um kein Haar gemildert wird.
Des Role Kreuz für unsere Gefangenen.
■ Das internationale Komitee vom Roten Kreuz et sich in einem Brief vom 22. beim Obersten der Wiierten für eine möglichst rasche Heimförderung der Kriegsgefangenen aus Ententeländern. Trotz des formellen Grundes, bet Friedensvertrag immer noch nicht von drei ächten der Alliierten ratifiziert sei, sollte der in vorgesehenen Heimschaffung der deutschen Ge- n nun doch nichts mchr im Wege stehen und n müsse schon jetzt die Mittel und Wege dafür vrü- Das Problem erscheine infolge der großen Zahl w Kriegsgefangenen in den Ententeländern, die sich ' die verschiedensten Gegenden, auch außerhalb Eu- vetteileu, verwickelter als seinerzeit die Heim- 8 der alliierten Kriegsgefangenen. Wenn die fftmg der beträchtlichen Menschenmasien so- , Iiikrafttteiens des Vertrages beginnen würde, würde sie schon vor Eintritt des Winters beendet Deshalb wünsche das Komitee dringend, daß die SrtHel 215 vorgesehene Sonderkommission Stand gesetzt werde, ihreArbeitensofort beginnen, und daß ferner gleichzeitig Kommis- emgesetzt werden, um mit der österreichischen legatim zu beraten. Diese Maßnahmen würden be- daß die Entente die Kriegsgefangenen nicht ei- ©eiteren Winterskriegsgesangenschaft aussetzen und dmngen treffen wolle, um die rasche Durchführung
M der Hauptbestimmungen des Friedensvettrages ' ermöglichen.
Die erste« Mackenfen-TrauSPorte.
^Die beiden ersten Transporte der Mackenfen- 'e haben auf der Durchreise auS der serbischen genschast nach dem Lager Lechfeld, wo sie einer Quarantäne unterzogen werden, München ' Unter den Soldaten befanden sich auch die sich eingeschlichen hatten, um nach Deutsch« ;»ruckznkehren.
S fifeine ^araöie£.
Roman von Irene v. Hellmuth.
ttef Ella, aber auch Seda schien viel i »th ,9?®°^nien Ruhe eingebaut zu haben: sie stand Z- das Bild genau, indeß Ella lebhaft
tat™ bedenke doch, wenn der Onkel ylaria die Tochter seiner angebeteten Braut ®raut' die er fo seh geliebt hat, glaubst oaB er dieser Tochter einen Teil feines Ser» Jönnte? Ist das so ganz unmöglich? • irt-r . tr 005 S°n3 gleichgültig? Ich sage Dir, von errodtieten Erbschaft darf uns fein Pfennig “yra, lange genug haben wir schon daraus warten E^"gs, da hast Du recht, Kind," stimmte die l *nh Gottlieb hat seine Braut wahnsinnig H bin überzeugt, wenn er zufällig ihre , 2. ® fernen würde, daß er ihr schon etwas mue. Ich war zwar damals noch ein junges 'M bas Unglück mit dein Sturz über die !■» feinlr » 1,05 3um Krüppel machte und ihn les Tun "°r°ut 5U entsagen; Ich kümmette mich wenig »E Treiben der viel älteren Brüder, aber ; e "si mich noch ganz genau, daß der Schmerz fc tej_ ” Gottlieb beinahe wahnsinnig machte, und R Start* 6601 fürchteten, nachdem ihm der Arzt auf _j gesagt, daß er ein Krüppel bleiben würde. Her« L,® .e '4- nie ganz verwunden. Mir tat Merklich leid! Die Mutter war auch der Der- beim fast hätte sie an einem Tage zwei e "nLroe^ doch unser Nettester Hals über Kops ErbU Abschied zu nehmen! Aber — um wieder *** kommen, ich sehe noch keinen Grund bet Denn wie sollte Gottlieb daraus kom- Tochter feiner ehemaligen Braut ist? baß wortkarge Sonderling? Ich glaube
sich mit Maria in ein Gespräch einlassen
t» u Isoubst es kaum? Wie lange ist ; 'in Maria Ml io E könnte längst da sein! Wir schärften ihr ' ch wiederzukommen! Wie, wenn sie sie de^^Dottlirb der Verlobte ihrer Mutter war? wn $u uns gekommen wäre, um sich bei ^°"? ®as bann?"' ' •
btto? - olles zusammenfchwLtzeft! Wenn sie es ®atc sie doch wahrscheinlich btrete zu ihm
Die Aushebung des unabhünge» Vollzugsrates.
Um dem gefährlichen Treibejn te3 Berliner unabhängigen kommunistischen W o l l z u g s r cht« sh JDec fortgesetzt tätig war, die Arbeikernmssen gegen die Regierung und zum Sturz der politischen Entwickelung aufzuhetzen und dieses Ziel durch eine völlig eigen, mächtige und darum ungesetzliche Ausschreibung von Neuwahlen für die Arbeiter- und Betriebsräte zu er. reichen suchten, einen Riegel porzuschieben, sind be- Lrnnt-lich am Samstag adelnd auf Beschluß bc8 ReichS- kabinettS die Räume des Vollzugsvats kurzer Hand militärisch besetzt worden und bleiben auch unter militärischer Bewachung, während dem Vollzugs rat die weite« Benutzung imd jede Tätigkeit zur Vorbereitung und Vornahme der Wahlen verboten wurde. Da auch die sämtlichen Akten beschlagnahmt wurden, hat man ei damit vorläufig unmöglich gemacht, daß die einseitig und eigenmächtig durch die Unabhängigen und Komm«, nisten ausgeschriebenen Wahlen vor sich gehen.
Man muß z «gestehen, daß die Regierung durchaus ten Reckt ist, wenn sie energisch verhindett, daß Wahlen zu Körperschaften, denen eine Reihe wichtiger Funk' tronen zngedmht ist, von einzelnen Parteigruppen aus- geben, die damit den Staat mnzustürzen gedenken. Gerade gegenwärtig müssen alle solche Machenschaften, ganz abgesehen von ihrer politischen Bedeutung, auch in wirtschaftlicher Hinsicht katastrophale Folgen hcchen.
Natürlich erhebt die Presse des so plötzlich ausge* sperrten und lahmgelegten BollsugsrateS ein gewaltiges Geschrei ob „NoskeS neuesten GewaÜstreicheS" und beschäftigt sich eifrig mit der Frage, was nun zu tun fei. Einer eifrig betriebenen Proteststreik-Propa. ganda ist es auch gelungen, ht vereinzelten Betrieben einiger Berliner Vororte Arbeitseinstellungen zu erzielen. Allgemeineren Erfolg hatte die Streikhetze diesmal nicht. In einer Entrüstung- v erfatntnlitrtg der unabhängigsn und kommunistischen Arbeiterräte am Montag och end wurde, nach stürmischer Verhandlung, wie schon kurz gemeldet, der Antrag der Kommission, sofort geschlossen in den Generalstreik einautreteh, ab- gelehnt, ebenso ein Antrag deS VollzugsrakeS, in einen Proteststreik einzutreten. Auch ein Antrotz, an die Regierung ein Ultimatum zu richten, hatte das gleiche Schicksal. Dagegen imrrde eine Krtschlietzung angenommen, in der erklätt wird, daß die Berliner Ar» beiter zu gegebener Zeit mit allen Wirtschaft, lichen Mitteln zu dem Vorgehen Noskes Stellung nehmen werden. Ebenso wurde gegen wenige Stimmen fein Antra/g angenommen, wonach bie Unabhängigen
Oberschlesien.
Die Ententekommission traf von Gleiwitz kommend nm Dienstag in Hindenburg ein und verhandelte mit Vertretern aller deutschen und polnischen Patteien, itm die Ursachen des Aufruhrs feftzustellen. Auch die Streikenden brachten ihre Beschwerden vor. Heute wird der weitere Industttebezirk bereist.
Nachdem in dem oberschlesischen Industriegebiet wieder Ruhe und Ordnung eingekehrt und die Arbeit in den Gruben und Hüttenwerken zum großen Teil wieder aufgenommen ist, wurde der verschärfte Belagerungszustand aufgehoben.
Der „Deutschen Allg. Ztg." wird aus Breslau ge- meldet: Oberfchlesien schwebt erneut in außer- ordenllicher Gefahr durch die Polen. Personen, die über die Grenze gekommen sind, berichten von schr starken Truppenansammlungen auf polnischer Seite, deren Anzahl auf mindestens 80 000 Mann geschätzt wird. Es sind Gerüchte an deutsche Dienststellen gelangt, wonach em großzügiger
aus den Parlamenten wie aus anderen Körperschaften auszutreten hätten.
Der „Vorwärts" sagt zu diesem Beschluß:
Der Spruch ist anders ausgefallen, als die Führer es erwartet haben. Die Antwort auf die Exmission des Rumpf-Dollzugsrats sollte in der Erklärung des General- streiks bestehen. Aber Groß-Berlin wollte nicht. Soviel auch geredet wurde, der Generalstreik wurde abgelehnt. Stieb der Proteststreik. Die Mitgtteder des Rumpf-Voll» zugsrats setzten ihre ganze Kraft hinter diesen Antrag. Nutzte nichts. Der Proteststreik wurde a b g e l e h n t. Die Arbeiteftchaft hat endlich eingeschen, daß sie heute nicht gegen die Kapitalisten, sondern gegen sich selbst streikt. Der Generalstreik abgelehnt, der Proteststreik ab- gelehnt. Was nun? Da kam in der höchsten Not der rettende Antrag, die unabhängigen Abgeordneten sollten aus den Parlamenten austreten. Und siehe da, dieser Antrag wurde angenommen, sogar nahezu einstimmig. Die Parlamente und Stadwerordnetenversamm- jungen werden rein gefegt von Unabhängigen. Nun wird der Klassenkampf gedeihen und die Wettrevolution mit Rä- tesyftem wird eilends nahen. Indessen, es gibt kein erbarmen: Marsch, hinaus, heißt es und gegen einen fo strikten Befehl gibt es keinen Widerspruch.
Die „Freiheit" meldet im Anschluß an die Besetzung der Räume des Dollzugsrats am Samstag, daß Schutzhaftbefehle gegen dessen Mitglieder Ernst Säumig, Rich. Müller u. a. ausgestellt wurden.
Berlin, 26. August. Von maßgebender militärischer Seite wird mitgeteilt, der von einem Teil der Linksradikalen angestrebte Generalstreik wegen der Maßnahmen gegen den unabhängig-kommunistischen Dollzugsrat in Berlin werde allerdings jetzt noch nicht zur Ausführung gelangen. Man hält es aber nach mancherlei Anzeichen kür wahrscheinsich, daß von links- radikaler Seite versucht werden wird, den Jahrestag der Revolution für einen neuen linksradikalen Umsturz zu benutzen. Mllitattscherseits wird Der- sichert, daß man einem solchen Derfuch mit allen erforderlichen militärischen Maßnahmen entgegentreten werde. _________________
Die Gründe der Kohlennot.
Gegenüber der Darstellung des „Dorwärts", daß die Kohlennot lediglich eine Transportnot sei und die Kohlenvorräte bei den Zechen immer mehr anwüchsen, wird von zuständiger Seite bemerkt:
Das Anwachsen der Kohlenvorräte beweist keineswegs, daß'die Forderung genügt, oder gar, daß zu viel gefördett wird, sondem daß nicht genug abge. fahren wird, Wohl wären die Essenbahnen für einige Zeit oerfotgt, wenn der ganze Vorrat abgefahren werden könnte. Die Berechnungen zeigen aber, oaß die jchige Förderung weder für die Bahnen, noch für die übrigen Bedürfnisse der Industrie und des Hausbrandes genügt. Am 16. August betrug der gesamte Dremistoffvorrat bei den Ruhrzechen nur 451000 Tonnen. Demgegenüber betrugen die Lagerbeftände im März 1918 3,37 Mil- Konen Tonnen, im Februar dieses Jahres 1,255 Millionen Tonnen.
Schuld an den trostlosen Zuständen sind ebenso die ungenügenden Stiftungen der Bergleute, wie die Minderleistungen der Eisenbahnen in den Werkstätten wie im Betrieb. In der letzten Woche wurden 20 neue Lokomotiven abgeliefert, die meist nach Oberschlesien gingen. Trotzdem hat sich der Bestand an betriebsfähigen Lokomotiven in derselben Dettiebs- woche um 50 ©tfitf verringert. Es sind also im Bereich der preußisch-hesssschen Staatsbahnen 70 Lokomotiven mehr unbrauchbar geworden, als in den enotitetten Werkstätten mit dem doppelten und drei» fachen Personal ausgebeflert wurden. Die mangelnden Lokomotiven verursachen auch den Wagemnangel im Westen, da die Wagen zu lange unterwegs sind und die Abstellgleise verstopfen.
Süddeutsche Städte zur Aohleukrife.
In Stttttgatt waren am Dtenstan Vertreter der süddeutschen Städte zur Besprechung oer K-Hlenfrage versammelt; sie faßten einstinnmg eine Entschließung, in der sie die terzettige Versorgung der Städte mit
Brennstoff für unhaltbar erklären und schon jetzt auf die bald nach Eintritt des Wnters infolge Brennstoff- manselZ zu erwartenden liebel aufmerksam machen. Sie "fordern Bevorzugung gegenüber in bezug auf tie Zufuhrverhältnisse günstiger gestellten Landesteile und ein Eingreifen der obersten Reichsstellen zu. aunsten einer Verbesserung der Kohle nve rs oraung Süddeutschlands, ©te wenden sich (an die Bergarbeiter in der Erwartung, daß sie die Kob^ lenföraerung nut vermehrtem Nachdruck betreiben. ES wurde beschlossen, eine Abordnung, der auch Arbeiter- Vertreter angehören, nach mitteldeutschen Kohlen geb >c. ten und dem Ruhrbecken zu senden, wn mrk der Dergarbeiterschast persönlrch Fühlung zu nehmen.
Holz statt Kohle.
Die große Kohlennot macht einen verstärkten Holzeinschlag um mindestens ein Drittel erforderlich. Der Mndesteedars an Holz beläuft sich auf 62 Millionen Festmeter gegen 39 MWonen Festmetsr 'm letzten Frietcnsjahre. Um dresen Ernschlag zu.erreichen, soll laDfri Beteiligte^, deft sstmMchen, gemeindlichen und anderen Forstverwaltungen, e*n Mindesteinschlag aitr- erlegt werden. Das Reichswirtschastsmilnrsterrum wird demnächst der Nationalversammlung eme Vorlage un. terbreiten, in der diese um die Ermächtigung nachge. sucht wird, eine solche M-indeftleistung an Holzeurschlag zu "verfügen.___________ _ ______________
Tie Bekämpfung der Arbeitsunluft.
Es gab eine Zeit, da ging in sozialdemokratischen Arbeiterkreisen das Schlagwott um: „Akkordarbeit — Mordarbeit." Seitdem aber die Sozialdemokratie zur Herrschaft gelangt ist, und seitdem ihre Minister fast täglich erleben müssen, daß ein noch fo hoher Zeitlohn nicht dazu beiträgt, die Arbeit zu fördern, haben ver- schiedme einsichtsvolle Führer der Sozialdemokratie entschlossen mit jener verkehrten Anschauung gebrochen. Am entschiedensten verwirft neuerdings der „Vorwärts" das Zeülohnsystem. Heute tritt er erneut für die Wiedereinführung des Systems der A k k o r d l ö h n e als das einzige Mittel M Hebung der gesunden Arbeitsleistungen und damtt zur Gesundung unseres gesamten Wirtschaftsprozesses ein. Er sagt:
Die Enttäuschung darüber, daß die Pflicht zu nützlicher Arbeit für das Volksganze nicht überall geübt wird, hebe gerade in der Arbeiterschaft die Nvttvendig- keit erkennet: lassen, die Bezahlung nicht nach Anwesenheit im Betrieb zu regulieren, sondern an ihre Stelle die Bezahlung der wirklichen Arbeitsleistung zu setzen. Der Umstand, daß die Arbeiir- unlustigen den gleichen Lohn erhalten wie die Arbeitslustigen, wirke lähmend auf die guten Elemente der Arbeiterschaft. Dnrtschland befinde sich heute in der gleicher» Sage wie die Räterepublik in Rußland und Ünaäm, wo man sich gezwungen gesehen habe», einen Anreiz für die Erhöhung der Arbeitslerstung zu schaffen und pur den einen AuSweg gesunden habe, die wirklich geleistete Arbeit statt der Arbeitszeit ju bezahlen. Vernünftig gehandhabt sei die Mord, arbeit die berechtigte Grundlage für die Bemessung deS ArbtttSlohneS.-' In den Ei s en bah n we r kstät- tetn fei der EinzelaRord nur in getotffen Fällen möglich. Cs arbeiten häufig gan» Gruppen von Arbeitern an einem Arbeitsstück, und dieser Umstand erfordere Akkordgruppen zu bilden, die sich bann in den Acheitspreis für das ganze Arbeitsstück teilen. Den vernünftigen Arbeitern werde die Wordairbvit ohne weiteres als erwünscht erscheinen, weil sie damit ihre Wrbeitstüchtigkeit unmittelbar in beträchtlich höhere Löhne umsetzen können, als sie heute durch ben ©tun- denlohn erreichen.
Neben der Akkordarbeit fei ein selbst in Teuffchlanb bdämpfteS, aber in Rußland mit sehr viel Nutzen angewandtes System der Prämienlöhne zu ertragen. In Rußland sei durch die Einführung dieses LohnprämiensYstemS in einzelnen Fabriken in ganz kur. &Zeit tie Arbeitsleistung um 25 bis 40 Prozent ge-
en. Die Wirkung des AkkordsystemS und des Prä- micnlohnes könnten aber dadurch noch gesteigert werden, daß man den Arbeitern besondere BonS zutveise, mit Hilfe deren sie sich Lebensmittelzulagen für Schwer- und Schwerstarbeiter beschaffen könnten. Dadurch würde der Arbeiter, der sich mit Fleiß und Pflichtgefühl für die Interessen der Gesamthe!it eim- setze, nicht allein in die Lage versetzt sich eine höhere Zahl Papierscheine zu besorgen, sondern auch bie ber.