Die deutschen Gefangenen
w
Deutschland kein ernstlicher Konkurrent mehr. Der Korrespondent der Londoner »Daily NetvS^ in Holland meldet seinem Blatte, Deutschland komme in Holland als ernstlicher HandelSrivale England« nicht in Betracht. Holland gebe Deutschland keinen Kredits Man sei der Ansicht, daß Deutschland noch schlimmeren Zeiten entgeaengehe, aH_ eS bisher durchgemacht habe. Erst wenn die Ent- schädigungszahlungen fällig würden und wenn in jeder Hinsicht auf die deutsche Industrie gedrückt werde, damit die Niesensummen, die erforderlich seien, aufgebracht würden, werde man jeden, wie schwierig er für Deutschland sein werde, Rohstoffe anzukaufen.
Blinder Eifer. Der Pariser »Figaro" veröffentlicht die Zuschrift eines alten Straßburgers, in der berichtet wird, daß die französischen Pioniere den Adler, der den Pfeiler der Kehler Rheinbrücke krönte, heruntergeholt utrd zertrümmert hätten. Dieser Adler sei aber kein prcußisch-hohenzollerscher gewesen, tote die edlen Krieger Wohl angenommen hätten, sondern ein kaiserlich .napoleonis cher aus der Zeit Napoleons III., den die Deutschen nach 71 ruhig an seinem Platze gelassen haben.
* Der englische Ministerpräsident Lloyd George ist vorgestern in Köln eingetroffen. Ihm zu Ehren fand gestern mittag eine große Parade statt.
Ein englische« Gesetz gegen den Streik. In einer Versammlung in Birmingham teilte Clyne? mit, daß Lloyd George mit dem Entwurf eines Gesetze« beschäftigt sei, das Streiks nur erlaubt, wenn sie acht Tage vorher an gekündigt werden.
sich eine Frau nehmen und mit dieser dann im Kloster eine entsprechende Wohnung beziehen könnte. Für diesen neu begründeten Hausstund würde jeder Klosterbruder 2000 bis 3000 Kronen monatlich erhalten. Faber erwartete, daß 90 Prozent aller an Mittelschulen wirkenden Geistlichen austreten würden. Tatsächlich hat aber kein einziger Ordensmann sich verheiratet. Als die ersten wurden in Budapest die Jesuiten und Zisterzienser, deren Kleriker ohne Ausnahme den Austritt verweigerten, aus ihren Häusern herausgetrieben. 3m übrigen konnte die Ber- treibung der Ordensleute in Budapest nur ziemlich langsam durchgeführt werden. Die Englischen Fräulein in Budapest wurden viermal zum Verlassen des Klosters aufgefordert, erklärten aber, nur der Gewalt weichen zu wollen und — jedesmal verhinderten 6000 bis 10 000 Frauen aus dem Volke, die sich vor dem Kloster schützend aufstellten, die Vertreibung der 120 Klosterfrauen. Alle Bischöfe, alle Domherren sind aus ihren Wohnräumen hinausgejagt worden.
Die Geistlichen kehren jetzt überall in ihre Häuser zurück, in denen sie meistens nur die leeren Mauern erwarten. Möbel, Geräte, Wäsche, alles ist verschwunden, da beim Auszug kein einziger Geistlicher oder Kleriker das Geringste mitnehmen durste.
Unruhen in Irland.
Eine Kundgebung der Nationalisten und der Sinn-Feiner, die am Freitag in Londonery erfolgen sollte, war verboten worden. Der Kommandant ließ die Wälle der Stadt durch Briten mit aufge- pflanztem Bajonett besetzen. Die Volkswehr grtff jedoch die Truppen an. Gegen 11 Uhr abend« ging das Militär zum Angriff auf die Menge über. Gegen Mitternacht war die ganze Stadt im vollen Aufruhr. Privathäuser und Läden wurden gestürmt und geplündert.
Englands Kriegsgewinne.
Wie aus London gemeldet wird, gab Asquith in der Sitzung der liberalen Unterhauspartei die Gewinne Englands im Weltkrieg an territorialem Besitzstand auf etwa ein Achtel des ganzen britischen Weltreiches an. Asquith bezeichnet bereits ganz Arabien, Palästina und gewisse Teile von Kleinasien, sowie die russischen Nordstaaten als britische Interessengebiete, ohne ihre direkte Angsiederung an das britische Weltreich für die gegenwärtige Generation als wünschenswert zu bezeichnen.
Die Hungerblockade.
Englischen Blättern zufolge berichteie Profeffor Starling von der Londoner Universität über seine Reise durch Deutschland, die deutschen Kinder seien seit 1916 unterernährt. Er hoffe jedoch, daß eine beträchtliche Zahl wiederhergestellt werde, wenn Deutsch, land Kredite erhalte, um Lebensrnittel zu kaufen. Dies sei der Angelpunkt der ganzen Lage in Deutschland. Jeder Liter Milch, den man Deutschland nehme, bedeute die Tötung eines Kindes. Er schlägt vor, daß ein oberster Wirtschaftsrat gebildet wird, in dem auch Deutschland vertreten sein soll.
Slosterskurm in Tschechen.
Die tschecho-slowakische Regierung hat die meisten katholischen Stifte, Männer- und Nonnenklöster enteignet. In Prag sind die meisten Klöster bereits beschlagnahmt und in letzter Zeit wurde auch das Emmaus-Kloster bei Prag enteignet, das von deutschen Mönchen besiedelt ist. Bei den Enteignungen verfolgt die tschechoslowakische Regierung den Grundsatz, in der Provinz in erster Linie die deutschen Klöster ihres Besitzes zu entkleiden. Die Mönche und Nonnen verlassen Böhmen und wollen sich größtenteils nach Deutschland wenden.
Einesteils wird durch diesen Klostersturm deutscher Besitz dem tschechischen Staat genommen, andererseits verfolgen die Tschechen damit den Zweck, die Bestrebungen des Präsidenten Masaryk, der ein ausgesprochener Freigeist ist und den Kampf gegen den „Klerika- lismus" in der schärfsten Weise durchführen will, zu unterstützen. Die Enteignung der „toten Hand" durch den tschecho-slowakischen Staat ist nach allem nunmehr nur noch eine Frage der Zeit.
Die Kirche Ungarns nach der roten Flut.
Ein aus B u d a p e st in Wien eingetroffener kirchlicher Würdenträger macht der „Reichspost" u. a. folgende Mitteilungen:
Die Kommunisten haben alles beschlag, nahmt, liegende Güter, Gebäude, Schulen, und das meiste bewegliche Gut weggeführt. In Gran, wo im Domschatz seit 900 Jahren Kostbarkeiten und Kuitst- jchätze aufgchäuft waren, daunter jene herrlichen Juwelen aus der Zeit des kunstsinnigen Primas Thomas Bacacs und des Königs Matthias, ist alles gleich zu Beginn der Kommunistenherrschaft weggeschafft und so gründlich verschleudert worden, daß selbst der Liquidator des Kirchenvermögens, Oskar Faber, nach 8 Tagen nicht mehr wußte, wohin die Schätze gekommen sind. Dieser Liquidator Faber kam persönlich in die einzelnen Klöster und erklärte jedem einzelnen der Ordensleuie, daß er, wenn er die Erklärung des Austrittes aus dem geistlichen Stande unterschreibe, jm Kloster bleiben.
England stimmte der Heimschaffung der in Holland internierten deutschen Kriegsgefangenen zu und zeigte sich och bei Entlassung schwerverwundeter und kranker Gefangner entgegenkommend. Auch Amerika willigte in die Hnchhafiung schwerverwundeter Kriegsgefangener sowie diegrgesangener Matrosen und Zivilgefangener ein. Frank- «ich hat vom Frühjahr bis zum Sommer 1919 4000 Hoerverwundete und kranke Kriegsgefangene und einige eaiifle Zivilgefangene in die Heimat entlasten. Gegen- Wrtig befinden sich noch etwa 9000 kranke oder Der« Mmd-l- Kriegsgefangene in französischer Gewalt.
Uns beschäftigt gegenwärtig am meisten das Schicksal ter deutschen Gefangenen, die in dem verwüsteten «ebiet Frankreichs arbeiten. Es sind dies in der fmzösischkii, amerikanischen und englffchen Zone zusammen 400000 Mann. In der Zeit vom Dezember 1918 fo April 1919, während der Umgruppierung der Kriegs- zesvigenen aus den Lagern in das wiederherzustellende «biet stand es mit der Unterbringung, Bekleidung und Ernährung dieser Gefangenen recht schlimm. In der eng. Wen Md amerikanischen Zone besserten die Verhältnisse sich schneller als in der französischen. Hier ergab sich eine Verbesserung der Behandlung, Unterbringung und Ernäh- mig erst im Frühjahr 1919, dank dem Wirken des hu- «men und energischen Generals Anthoine. Für die Be- khidMg wurde von deutscher Seite viel mit schweizer!» per Hilfe getan. Nahrungs-Sannnelsendungen konnten JJ das verwüstete Gebiet nicht geleitet werden, da die stMzösischm Behörden den Unwillen der unter Entbeh- NMM leidenden Zivilbevölkerung zu erregen fürchteten, MM die Gefangenen zu gut genährt würden. Die Löh- "™9 'chwankt zwischen 20 Centimes und 2 Fr. täglich, «5 es begreiflich erscheinen läßt, wenn die französischen
” ihre Schutzbefohlenen nur ungern nach jxutidjhm» heimziehen sehen würden. Die Gefangenen m Zeltlagern, Baracken, in Kellern zerstörter Häuser, m Höhlen. Sie wüsten das Gelände säubern, Stra- s „T'Mnen, Häuser bauen, anpflanzen usw. Diele ?v ;.nipagtrien (P. G. — Prisonnier de guerre) j-*» M) ihren Unterschlupf in dieser Mondlandschaft so "Ml'ch wie möglich eingerichtet, aber viel ist das nicht, -a “entt mit Sorge an den regenreichen Herbst W M den Winter!
hoffentlich tritt nun bald die in Artikel 215, Absatz 1 tenib s5DErtra9t3 vorgesehene Kommission zur Bor.
der Gefangenenentlastung zusammen, deren Bil- ‘ D°n Elemenceau in nahe Aussicht gestellt ,,enn die Kommission und die sich aus ihr er« Unterkommissionen erst nach Inkrafttreten des u cwl r?flC5> also vielleicht Ende September oder tooffim s «!re ^beit begännen, so würde die Heim- 6cr Gefangenen erst im Spätherbst oder im Win» Itm, können, und ein Teil der Gefangenen würde ,notf) den Beginn des Jahres 1920 ht der "Nngenschast erleben.
W n»r die Herausgabe der Kriegsgefangenen.
fand in Berlin eine Maffenverfamm- tei für di- Befreiung der Kriegsgefangenen, küg Reichskommissar Stücklen einen Vor. Bhoi erklärte, die Gefangenen wären längst ■t, n "ach England gegangen wäre, |tj%?.n'reich habe gegen die Befreiung Hefti, stetig 'derspruch erhoben. Was die einzelnen . vetrifft, so würden die Kriegsgefangenen teirzst n,Tt, Italien behandelt und dort ge.
M Liebesgaben überschüttet, wofür Deutsch-
rien, fir» ^0 dankbar sei. Die Gefangenen in Sibi- Amerika besonders verwende, M M, oLt®01 Wasserwege heimbefördert werden, da M m ^fd/ransportmittel in Sibirien und Ostruß- feimn «,,'^drg desolatem Zustande seien. Die Re- aCes- um eine baldige Befreiung der Re &,h(r8cnen zu erreichen und habe auch für bcs- Bfeidi • un$ Geldmittel aufgewendet. Es wurde Suites»'116- Entschließung angenommen, worin die t’teft ^ffeeuing der Gefangenen gefordert wird und' B feto» eingelegt, daß die Kriegsgefangenen -bei: dem Friedensschluß noch in Gefangen-
U* Poknaufstand in Oberschlesien.
oh-.r m 3 Vergreifen der polnischen Aufstände in M^esichiesische Industriereoier wird gemeldet: Ain •n DieTp« stand das Militär im Industriegebiet
Stetten im Kampfe mit den Auf- fech wUeberall wurden die polnischen Versuche chewehrtruppen und Mannschaften eines • m k5 Keime erstickt. In Dom- l15 Segen 40 Personen und die Frau
Nsuhrers festgenommen, die sich am Aufstand morgen kurz vor 10 Uhr fiel £*■ Sim r &*e H°"de von ungefähr 200 Aufrüh- Wefoff , .n.ntQ9 versuchten polnische Banden einen ö^evcht ^oche in Beuthen, wurden aber t n Reuthen aus ist alles verfügbare lfetfaop„ °len' um Polen aus den Grenzstädten fc 2n Friedrichshütte wurden die Gleise ,^on den Polen aufgeriffen, sodaß der n^chswehrrninister erklärte über die äugen»
“9* m Dberfthlefien: Kleinere Vorstöße der
Aufständischen werden da und dort noch pariert, sonst sind die Angriffe zurückgeschlagen. Das Generalkorn- rnando in Breslau erwartet, auch weiterhin Herr der Lage zu bleiben. Seit Montag früh sind alle Gruben militärisch besetzt, um Sabotage zu verhindern. Die Nachricht vom Eingreifen polnischer regulärer Truppen bestätigt sich.
Die vorliegenden Nachrichten lassen erkennen, daß es sich bei diesem Putsch um einen verbrecherischen Anschlag der Polen handelt, mit dem Ziel, entgegen den Bestimmungen des Friedensvertrages, vollendete Tatsachen zu schaffen. Sie wollen das Ergebnis der Abstimmung in Oberschlesien nicht abwarten, weil sie fürchten, daß diese zugunsten des Verbleibens beim Deutschen Reiche ausfallen wird. Dem Kommandeur des 6. Armeekorps war bekannt, daß für den 17. August Angriffe polnischer Banden in den Bezirken Kattowitz, Pleß und Rybnik angesagt waren, die den Auftakt zum Einmarsch polnischer IrUppen in Oberschlesien bilden sollten. An den Putschen waren nicht nur polnische Banden aus Oberschlesien, sondern auch Teile der Hallerschen Truppen beteiligt, die über die Grenze gekommen waren. Der Plan ist an der Wachsamkeit der deutschen Grenzschutztruppen gescheitert. Die Varpostengefechte sind zu Un- gunsten der Polen ausgegangen und der geplante Stoß der Hallerschen Truppen, der folgen sollte, mußte unterbleiben. Man sieht jetzt auch, was hinter den Forderungen der oberschlesischen Grubenarbeiter steckte. Sie hatten u. a. gefordert, daß der Grenzschutz aufgelöst werden sollte. Man fragte sich, welch ein Intereffe die Grubenarbeiter an diesem Streikgrund haben konnten. Jetzt ist es klar: Es handelt sich um die Z u s a m m e n- arbeit der Kommunisten und der Pol en. Die Grubenarbeiter sollten durch ihre Streikdrohung die Auslösung des Schutzes an der Grenze erzwingen, um so für Polen ein leichteres Spiel zu ermöglichen.
Das polnische Vorgehen muß um so mehr befremden, als gegenwärtig in Berlin zwischen den Deutschen und Polen über die Abtretung der deutschen durch den Friedensvertrag an Polen abzutretenden Gebiete verhandelt wird. In Berlin können sie nicht häufig und eindringlich genug ihren guten Willen zur Verständigung erklären. Um so peinlicher wirken dann die Tatsachen. Es ist ganz selbstverständlich, daß sich die deutsche Regierung einen solchen Uebergriff der Polen unter keinen Umständen bieten kaffen kann. Sie wird die schärfsten Maßnahmen nicht nur gegen die Aufständischen ergreifen, sondern auch in Warschau und in Paris zum Ausdruck bringen, daß sie unbedingt auf Erfüllung des Friedensvertrages besteht, und daß sie feine gewaltsame Verletzung durch die Polen nicht dulden kann.
Wie die Preffestelle des Staat kommiffariats nsit- teilt, hat sich gestern die Lage wesentlich gebessert. Das Militär ist vollkommen Herr der Lage. Sie Verluste im Beuthener Bezirk betrugen auf deutscher Seite 15 Tote und 30 bis 40 Verwundete.
Der Streik in Oberschlesien geht inzwischen weiter. Vom Streik unberührt ist nur noch der Huldschiner Bezirk.
Die Anarchie in Oberfranken.
Die Zustände in Oberfranken werden von Tag zu Tag bedrohlicher. Die Nahrungsmittelverhältnissr sind sehr ungünstig, die Spartakistennester werden immer zahlreicher. Maffen.FIugblätter und kommunistische Zeitungen werden verbreitet. Alle Flugblätter schließen mit den Worten: Seid bereit zum Kampf, wenn man euch ruft! Die Unsicherheit auf dem Lande wächst. In Limbach werden die Kartoffelfelder, die in Blüte stehen, ausgeraubt. In Döhla ziehen die Diebe am Hellen Tage mit Wagen und Gefährten auf die Felder und plündern. Die »Oberfränkische Volkszeitung^, da« Organ der Unabhängigen, gibt selbst zu, daß die Felddiebstähle sich in erschreckender Weise mehren.
Eisenbahnerunruhen im SaargtbieL
Nach der „Täglichen Rundschau" sind in dem ganzen Saargebiet Eisenbahnerunruhen ausgebrochen. In den Eisenbahnwerkstätten Saar- brücken-Burbach jDurbe ein Putschversuch verübt. Ebenso fand ein Sturm auf ein Kleidermagazin der Eisenbahner in Saarbrücken statt. Jugendliche Burschen versuchten sich der Kasse der Eisenbcihnvcrwal- tung zu bemächtigen.
Deirtfche Nationstlvtrsamml««-.
Sitzung vom 18. August.
Der Reichsfinanzminister hat das Harrs mit einer neuen Gesetzesvorlage überrascht. Der Staat braucht neun Milliarden für notwendige einmalige Ausgaben, davom 2 Milliarden für Aufwendungen, die sich aus dem Friedensvertrag ergeben. Die Parteien haben vor der Sitzung besondere Fraktionsberatungen abgebalten, um zu Cem Gesetz Stellung zu nehmen. Die Rechte schien Lust zu haben, wieder etwas Obstruktion zu machen.
Abg. Hugenbetg (d. not.) erhob schärfsten Einspruch gegen die überstürzte Beratung der Vorlage; er verlangte Vertagung auf morgen. Diesem Anträge schloß sich der Führer der Deutschen Volkspartei, Abg. Dr. Heinze, an. Reichsfinanzminister Erzberger drängte auf schleunigste Verweisung an den Ausschuß. Er betonte, daß die eingehende Begründung nur in der Kommission gegeben werden könne. Er müsse es ablebnen, in der Oeffentlichkeit über die Verwendung der 2 Milliarden für Erfüllung des Ftiedensverirages Auskunft zu geben. Eine frühere Einbringung der Vorlage sei deshalb nicht möglich gewesen, weil die schwerwiegenden Verhamdlungen über diesen Punkt erst an Samstag beendet worden seien. Wenn eine Verzögerung herbeigeführt werde, sei das Reich genötigt, den Bankerott zu erflärem. Auch Abg. Dernburg (Dem.) widersprach dem Vertagringsantrag der Rechten und dessen Begründung, die in der Bemerkung gegipfelt hatte, wenn man die erste Lesung derart ge. italte, so mache man das Parlament zum Theaterspiel. Auf unserer Seite wird, so erklärte er unter dem Bei- fall bet Mehrheit, nicht Theater gespielt» Dagegen
nr. 189. | LLL'21 vi-nstaq 19. 1919. |
Sie groß ist die Zahl der deutschen Kriegsgefangenen Ziollinternierten, deren Rückkehr die Heimat unge- Kl. erwartet? Die Frage kann nur mit annähernd Sauen Ziffern beantwortet werden, da nicht mit Sicher- ‘ffnebisP werden kann, wieviel Kriegsgefangene sich noch . Sibirien und jn Serbien befinden, und da für die £J[gef<ingenen zuverlässige Angaben überhaupt nicht oor- iZJ Noch Schätzungen, die als ernst gelten können, j ein wenigstens einigermaßen richtiges Bild geben, Sfatkn deutsche Kriegsgefangene auf Belgien rund iSK) England 80000, Frankreich 592 500, Italien 353, ?Ln' 6000, Rumänien 6000, Serbien 10 bis 20 000, Swen 20 bis 30 000. Dazu kommen Zivilgefan- ,,ne in England etwa 30 000, Frankreich 2500, Sibirien äjgjO. Italien hat die deutschen Zwilgesangcnen, soweit tigtmt, aus der Internierung bereits entlassen. Für L übrigen genannten Länder liegen sichere Mitteilungen Ler die Zahl der Zioilgefangenen nicht vor.
Die 592 500 Gefangenen in Frankreich sind in ^«ösischer, englischer und amerikanischer Gewalt. Jn Iran15fif«r Gewalt befinden sich 345 000 Kriegs- L 2500 Zivilgefangene. Zu W i e d e r h e r st e llu n g s- ,ibeiten werden rund 230 000 Kriegsgefangene cer=
Der Rest befindet sich in den Lagern. Er besteht den Offizieren und höheren Unteroffizieren, den zur grüeit im verwüsteten Gebiet körperlich nicht geeigneten gjegggefangenen, den zur Arbeit im nichtverwüsteten enkreich. z. B. in Kohlengruben und Häfen verwendeten jigsgefanßenen und den Zioilgefangenen, die noch den eger Abmachungen nicht zur Arbeit gezwungen werden [tat 3n englischer Gewalt in Frankreich befinden । 165 000 Kriegsgefangene, die mit Wiederherstellungs- >eiien und mit den Arbeiten beschäftigt sind, die früher der englischen Zone in Frankreich von den englischen teiterbataillonen verrichtet wurden. In arnerikani- er Gewalt in Frankreich befinden sich 50 000 Kriegs- ungene. Sic scheinen nur zum geringen Teil zu Wie- ßerstellungsarbeiten verwendet zu werden.
stimmte der unabhängige Wg. Gener dem Vermgungs- entrag zu.
Nach längerer Debatte wurde der Vertagungsantrag Hugenberg a b g e l e h n t. In der ersten Lesung die dann vorgenommen tourte, erklärte lediglich Reichsfinanzminister Erzberger, daß er in der morgen statt- fintenben Sitzung des Haushaltsausschusses eingehende Auskünfte geben werde, aus denen hervorgehe, wie notwendig die schleunige Verabschiedung der Vor- ^a8®ie UÜberweisung an den Ausschuß wird beschlossen.
Nach «folgtet Abstimmung bezweifelte Abg. Hugenberg — zu spät — die Beschlußfähigkeit. Arif der linken Seite rief diese Verzögerungstaktik und ihr Scheitern Entrüstung und Heiterkeit hervor.
Es folgt die SBerahung der Offizlersentschadigungs- ^Tmrch die Verminderung der Wehrmacht, die der Friedensvettrag dem deutschen Volke auferlegt har, werden viele Tausende von Offizieren und Kapitulanten vor die Notwendigkeit gestellt werden sich tetltoene in vorgerücktem Alter und ohne entsprechende Vorbildung, einen neuen Beruf zu suchen. .Das Reich erkennt die Pflicht an, diesen.Bürgern in ihrer unver- schuldeten Notlage nach Krarten beimstchen D,eiern Zweck dienen die zwei Vorlagen über dre Entschädigung der ausscheidenden Offiziere und Deckoffiziere, lowre der ausscheidenden Kapitulanten. Sie sind nn Aus- sch u ß eingehend beraten und es h<rt dort sehr scharfe Debatlen gegeben. Es ist aber doch schließlich gelungen einen einigermaßen gerechten Ausgleich herbeizu- föbre-i, der zwar viel Wünsche unerfüllt,laßt, aber rm- merbin einer großen Anzahl von Offizieren und Unteroffizieren die Möglichkeit bietet, sich eme neue ^Jn"^der^utigen' Aussprache bedauerte Mg. Grü- newald (Dem.), daß manche Verbesserungsvorschlage nicht durchgedrungen seien. Abg. v Graefe begründete die weitergehenden Anträge der Rechtspar- tC'eÄti6sroebrminlffer Koste hob demgegenüber mit star- tem Nachdruck die positiven Leistungen der beiden Gesege hervor. Mit starker Erregung wandte er sich gegen alle Anzweiflungen der Tatsache, daß Deutschland den Fne- densvertrag ehrlich und loyal durchführe. Diese unberechtigten Zweifel, die durch die Agitation der Unabhängig e n genährt werden, sind einer der wesentlichen Grunde dafür, daß Frankreich sich nicht entschließen kann, die deutschen Gcfangenen zuruckzugeben. Ich weiß — so erklärte der Minister — aus einwanbfteter und authentischer Quelle, daß die Franzosen unsere un. glückseligen Kriegsgefangenen deshalb festhalten, wen sie befürchten, sie könnten unsere Wehrmacht vermehren, von der man sich draußen zum Teil außerordentlich übertriebene Dorstellungen macht. Gerade weil wir den Fne- densvertrag auch in bezug auf Verminderung der Wehrmacht restlos erfüllen wollen, müssen letzt Zehntaujende von Berufsoffizieren entlassen werden. Wir wollen helfen, soweit wir können. Wenn wir nicht alle Wunsche erfüllen können, so bedauern wir das am allermeisten. Man muh auch der Lage des Reiches gerecht werden. Das ganze Volk muß durch eine Zeit der schärfsten Ente behrungen hindurch. Die Mängel, die das Gesetz noch aufweist, werden zum Tell durch den Harteparagra- p h e n beseitigt, der es dem Reichswehnninlster und Dem Reichssinanzininister ermöglicht, einen Ausgleich zu schaffen. Ich gebe die Versicherung, so schloß Noske, daß wir von dieser Ermächtigung in der wohlwollendsten und warm- herzigsten Weise Gebrauch machen werden. Wir werden dafür sorgen, daß das Gesetz eine wertvolle Beihilfe für alle tatkräftigen Leute bedeutet, sich ein neues Leben zu ^^Reichsstnonzminister Lrzberger schloß sich der letzter Erklärung ausdrücklich an und erklärte, datz auch zugunsten der sog. Kriegsleutnants und bezüglich der Umzugsgebuhren weitgehendstes Entgegenkommen geübt werden soll. Die Ausführungen des Gesetzes werden zeigen, daß cs sich nicht um Worte, sondern um Taten handelt.
Die Redner der Mehrheitsparteien — vorn Zentrum sprach der Abg. Bolz — erklärten ihr Einverständnis mit der Vorlage und warfen der Rechten vor, daß, ihr ganzes Verhalten nur auf Agitation hinauslaufe. Die Aujwen- düngen für die Offiziere seien recht beträchtlich.
Kriegsminister Reinhard! verstand es in seiner loyalen und aufrechten Art, den Standpunkt seiner Kameraden m einer Form zu vertreten, die mit seinen Verpflichtungen als Regierungsmitglied zwanglos harmonierte. Unter starkem Widerspruch der Unabhängigen erklärte er, daß au; Grund des Härteparagraphen auch diejenigen Knegsleute nants Berücksichtigung finden sollen, die dem Reiche noch nach dem 1. April 1919 weiter gedient haben. Mit behutsamer Abwägung der Worte sprach der Knegsminister weiter von dem Friedenszustand der Offiziere, den er psychologisch zu rechtfertigen bemüht war. Er ermnene an die schwere seelische Bedrückung, die durch den Fnc- densvertrag bei den Offizieren hervorgerufen werden muhte, an manche Bestimmungen der Verfassung, aus die der Eid geleistet werden muhte, und auf die parteipolitische Behandlung der Schuldsiage, bei der manches harte Wort auch über das Heer fiel Ohne auf die parteipolitische Sette einzugehen, müsse doch gesagt werden, dass das ganze Ossi- zierkorps als geschlossene Einheit die Tatkraft und Hin- aabe des ersten Generalquartiermeistcrs Ludendorjf nach wie vor bewundere. Aufgabe der Regierung müsse es sein, das völlige Einleben in die neuen Verhältnisse, das kommen muß und kommen wird, zu erleichtern. Besonders in der Uebergangszeit müsse auf das Elend dn lungen Offiziere Rücksicht genommen werden, damit sie nicht durch Verzweiflung über ihre wirtschaftliche Not aus dem Gleichgewicht geraten. „ ...
Für die Unabhängigen vertrag Abg. Seger mit den übsschen Uebertreibungen den ablehnenden Standpuntt. Ihm gegenüber wiederholte . _ , ..
Reichswehrminister Koste, daß es in erster Linie die Schuld der Unabhängigen fei, wenn die Fran- zosen aus Furcht vor der gar nicht mehr vorhandenen deutschen Wehrmacht die Gefangenen zuruckhalten Auf dem Luzerner Kongreß habe der Vertreter der deutschen Unabhängigen die Stärke des deutschen Heeres auf 800 000 bis 1OOO 000 Mann angegeben. Unter ber lebhaften Zustimmung des Hauses bezeichnete Noske das als eine nichtswürdige Verdächtigung. Deutschland habe in Wahrheit noch rund 400 000 Mann einschließlich sämtlicher Leute in Kurland, Litauen und im Grenzschutz. Am 1. Oktober wird die Wehrmacht bis auf 250 000 Mann zurückgesührt werden. Deutschland ist bereit, alle Einzelheiten der Abrüstung offen und loyal nut der Entente zu besprechen. Es handelt sich bei diesem Bemühen darum, das außerordentlich wertvolle Menjchen- matenal, das ohne seine Schuld aus einem heb gewordenen Berufe geschleudert und in ungewoyni« bahnen geworfen wird, der Volkswirtschaft und dem Lande zu erhalten. _ . ...
Bei ber Abstimmung werden die Anträge der beiden Rechtsparteien abgelehnt. Die Fassung der Ausschußvor- lage wirb im wesentlichen beibehalten.
Bei der dritten Le ung, die sich sofort anschlotz. *t> ffärfert die Vertreter ter beiden Rechtsparteien, nickt für das Ge>tz stimmen zu können, weil ihre Anträge abgefeimt werden waren. Daraufhin wurde das G-.,eh mit Stimmen derSozialdemok-a'm, des Zcntiw."s und ber Demokraten gegen bte Rechte und die imti» bäneig» Linke angenommen.
Bei dem Kapitnlantenabfindnngsgcsetz war gleick- fcü; die Debatte sehr eingehend, ohne daß P '* 9T-*