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Sriegsgefaugenenrückkehr im September.
München, 12. Aug. Nach der bayerischen offiziösen Korrespondenz Hoffmann teilte die HichZleitmig auf Ersuchen der bayerischen Regierung, die sofortige Rückkehr der Kriegsgefangenen zu ermöglichen, mit, laß entsprechend dem Standpunkt, den die tente einnehme, mit der Rückkehr der Gefangenen erst ab glitte September M pechnen ssm toetdüe.
immer wieder behauptet, die Regierung basse es an dem nötigen Nachdruck fehlen. Mt den Angehörigen der Kriegsgefangenen, mit dem gangen deutschen Wolke weiß sich di« Regierung einig in der schärfsten Aeirnr teilst ulftü de« Zurückhaltung der Kriegsgefangenen. Aber die Regierung ter. fügt nicht über die Macht und nicht Wer die Mittel, um dte Leidensgeit der Kriegsgefangenen ab kürzen zu können. In der Wtzung am 1. August hat der deutsche Vertreter Frhr. von LerSner neuerlich darum gebeten.
abdrückung de» Erfordernisse» erwarten wir erhebliche Einnahmen au» der Kriegsabgabe und der Zuwachs- abgabe für 1919, auch au» dem ReichSnotopfer, wenn eS angenommen wird. Aber alles in allem werden wir dadurch die schwebende Schuld gerade auf höchstens 45 Milliarden ermäßigen. WaS Menschengeist ersinnen kann, mutz geschehen, mn die schwebende Schuld herab, zumindern. Die 76 Milliarden schwebende Schuld machen mir mehr Sorge, al» die 90 Milliarden Krieg», anleihe. Die 90 Milliarden Kriegsanleihe kann mir niemand kündigen, die brauche ich nur zu verzinsen. Ferner aber besteht auf der anderen Seite die Gefahr, dah, je schneller unser Wirtschaftsleben in (Sang kommt, die Depositengelder aus den Banken und Sparkasien abströmen. Und dann bliebe nur noch ein Ausweg Wrig: Tag- und Nachtschichten in der RcichSdruckerri zur Herstellung von Banknoten. Dann aber würde der Zeitpunkt bald da sein, wo die Mark nur noch 10 Pf en ni g wert sein würde. Die Notenpresie in Gang zu setzen ist kein Weg zur Verminderung der sckweben» den Schuld. (Sehr richtig!) Dann müssen Maßregeln ergriffen werden gegen Kapitalsflucht. Es sind in der Tat Tatsachen an die Oeffentlichkeit gekommen, die leider den schlimmsten Befürchtungen auf diesem Ge» biete recht geben. ES hat sich geradezu eine
organisierte Steuerflucht
entwickelt. Aus Zürich wurde mir ein Inserat geschickt: „Große Vermögen von Deutschland nach der Schweiz besorgt ein Schweizer Herr unter Garantie." Das Inserat trug den handschriftlichen Vermerk: „Schlafft Du. Brutus." Wir schlafen nicht, wir gehen allen diesen Dingen nach. Der Mann, der dieses Inserat erlassen hat, ist übrigens ein Lebemann und Hochstapler. Ich warne jeden Deutschen, ihm auch nm einen Pfennig anzuvertrauen. Durch die Maßregeln, die noch gegen die Steuerflucht ergriffen werden sollen, werden übrigens die deutschen Bandroten, die sich im Auslande befinden, keinerlei Wertverminderung erfahren. In jedem Falle werden die Maßnahmen hart, sehr hart sein. Aber es kann auch auf diesem Gebiete keine Maßnahme scharf genug sein, um das offen!« liche Gewissen aufzurütteln und Gerechtigkeit für alle zu schaffen .denn wer sich der Besteuerung elnzieht, der schadet nicht nur der Allgemeinheit, der schadet jettetn einzelnen deutschen Staatsbürger. Ich werde vor keinem Kassen- schmnk Halt machen, kein Strohsack und kein Strumpf wird vor Kontrolle sicher fein. Durch die bisher bewilligten Steuern hoffe ich 8 Milliarden zu decken. Die jetzigen Vorlagen sollen etwa 7 Milliarden bringen, sodaß noch westere 10 Milliarden zu decken sind, die durch die Erhöhung der R e i ch s e i n k o m m e n st e u e r, die Er- höhung der Postgebühren und einen in Vorbereitung befindlichen Gesetzentwurf zur Befteuertmg der Mineralöle aufgebracht werden sollen. Voraussetzung, daß diese Steuern ausreichen, ist, dah sie unverändert angenommen werden. Jeder Abstrich würde die Erschließung einer neuen Steuerquelle notwendig machen. Das große
Dermögensopser
ist der erste Schritt zm Reichsfinanzreform. In finanzpolitischer Hinsicht bedeutet das Reichsnotopfer die Möglichkeit zm Herabminderung der schwebenden Schuld und vermindert damit die ungeheure Last des Zinsendienstes. Das Reichsnotopfer gibt den Anlaß zu einer General- mventur des gesamten Volksoermögens, es ist das brauchbarste Gegenmittel gegen die verhängnisvolle Erscheinung der Kapitalflucht. Wenn die breiten Massen sehen, daß die finanzkräftigen Kresse bis an die Grenze ihrer Lei- stungsfähigkett belastet werden, dann wird auch moralisch der Weg frei zu indirekten Steuern. Für die Vermögensabgabe sprechen volkswirtschaftliche Erwägungen. Es ist geeignet, das jetzt vorhandene Mißverhältnis zwischen Nennwert und Calvert zu vermindern und soll ein Steigen des Kriegsanleihekurses und eine Verbesserung der Valuta zm Folge haben. Ausführlich jucht Erzberger den Einwand, daß die Entente das Reichsnotopfer be- schlagnahmen könne, aus den Bestimmungen des Friedensvertvages zu widerlegen. Ein solches Zugreifen der Entente würde die Aufhebung der deutschen Steuerhoheit bedeuten, die nach dem FriedMsvertrag ausdrück- üch zugesichert fei. Die Entente echält ihre Forderungen in jebcr gewünschten Form bezahlt, aber mit Papier kann sie keine einzige Strohe in Rordffankreich bauen, sie braucht dazu die deussche Arbeit. Nm durch sie ist die Wiedergutmachung möglich. Die Entente hat das auch mit klarem Blick erkannt. Das Reichsnotopfer wird aber eine eminent soziale Wirkung und muß eine ethische Wirkung ausüben, soweit das ein Steuergefetz überhaupt tun kann. Es ist auch ein S ü h n e o p f e r für den mammonistischen Geist, der weite Kresse des Volkes erfaßt hatte. Dieses Bewußtsein waltender Gerechtigkeit wird allen Volksgenossen die MUarbeit an dem Wiederaufbau des heißgeliebten Vaterlandes leicht machen. Die
Umsatzsteuer
begegnet vielfachen Bedenken. Es sind aber so viele Milliarden zu decken, daß wir nur mit einem Steuersystem auskommen, in welchem neben den direkten auch die indirekten Steuern nicht fehlen. Die bestehende Umfatz- fteuer muß ausgebaut werden, jeder Verbrauch muß stark belastet werden. Auch die Lebensmittel haben nicht verschont werden können, denn sie betragen 50 Prozent des Gesamtverbrauchs des Volkes. Es muß eben jedes Opfer gebracht werden, um Deutschland aus der furchtbaren Lage zu befreien, die eine unentrinnbare Folge der Schickfaisfchläge des Krieges ist. Die Umsatzsteuer vereinigt in sich die allgemeine Umsatzsteuer, die Luxussteuer» die Jnserater-, Modell- und Depotsteuer. Eine Entlastung tlefcier Betriebe M sich als technisch undurchführbar erwiesen. Die
Reichsabgabenordnung
schlägt eine Reichsorganssation der Steuerverwaltung vor, die unbedingt noch vor den Serien erledigt werden muß. Mit der Dmchführung der reichseigenen Steuerorganisation wird der größte Schritt zur Schaffung eines Einheitlichen deutschen Nationalstaates getan. Vor dem Kriege fielen 35 Prozent eines Steueraufkommens von 5 Milliarden dem Reiche zu, jetzt fallen ihm 75 Proz. von 25 Milliarden zu. Um die Steuergefetze zu dem in Aussicht genommenen Termin in Kraft treten zu lassen, ist es notwendig, die gesamte Steuerreform mft der Steuerorganisation unb dem Steuerrecht noch im Laufe dieses Jahres zu verabschieden und damit ein Werk zu schaffen, das an Bedeutung hinter der Reichsoerfasfung nicht zurückstehen, ober auch dem deutschen Volke zum Segen gereichen wird. Die Steuern sind sonst keine Woksttaten für em Volk, aber diese Steuern, die hier befchafst werden sollen, sollen und werden für das deutsche Volk eine Wohltat sein. Denn nur mit ihnen können wir das schaffen, was wir wollen, ein neues, starkes, deutsches Reich, auf gebaut auf @r rechtigkeit und Demokratie. (Lebh. Beifall.)
Mittwoch: Weiterberatung.
Gefangenenfrage
rrnd die Finanznot.
L - -er Nationalversammlung vom 12. August.
«e Nationalversammlung beschäftigte sich gestern : -"Lj Fragen, die jeden einzelnen im Volke dauernd rLflen mit dem so schmerzlich empfundenen Schicksal immer noch in Gefangenschaft schmach- Brüder und mit unserer F i n a n z n o t.
"Mr alle hatten gehofft, unsere Gefangenen Lüitet sofort nach Friedensschluß zurückkommen. Diese KZmg war der einzige Lichtblick, der sich uns bei «KIXne her Friedensbedingungen zeigte. Leider war Krifl denn bis heute seufzen unsere Kriegsgefangc- !-n tn fremder Fron. Alle, die wir bis jetzt begrüßen waren Sanitäter und Kranke. Ordnungs- FSL entlassene Kriegsgefangene sind noch nicht auf Scbem Boden angekommen. Unter all diesen Ent- Sitn haben unsere Gefangenen am meisten zu Sten Viele von ihnen warten seit fast fünf Jahren ihre Erlösungsstunde. Man kann es verstehen, E viele durch diese lange, unbestimmte Verzöge- nma ihrer Auslieferung den Glauben an die Menschen Seren. Sie sind mit chrem inneren Widerstand tetia und glauben unseren Feinden, wenn sie den fällen Menschen sagen: „Nicht wir, sondern eure 'Iterierung trägt die Schuld, daß ihr noch hier seid, S sie stellt keine Eisenbahnen zur Verfügung." Die Befangenen sollen, das ist der Mlle der Feinde, mit Maistetem Gemüte in die Heimat zurückkehren, in Kfleimat, in der tatsächlich alle Herzen ihnen ent- «aenschlagen! Trägt unsere Regierung wirklich die kbuld bi^er Verzögerung? Nein. Die Regierung tut E sie kann, um das Los der Unglücklichen zu er- fehfrtem und ihre Rückkehr zu ermöglichen. Das kann man dem Reichsminister des Auswärtigen Müller un- jchinat glauben. Aber es sind uns die Hände gebun- Ka durch alles Betteln, Fordern und Drängen lassen tzh'di- Feinde nicht rühren. Erst soff der Friede ra- Miert sein. Deutschland hat deshalb sofort ratifiziert, ffmlanb hat es auch getan, aber erst müssen drei feind- Ue Großmächte ratifiziert haben, che der Vertrag in Kraft tritt. Und Amerika und Frankreich lassen sich M. Der Unwille über die Folgen, die hieraus für Üt gefangenen sich ergeben, hat in Deutschland feinen Höhepunkt" erreicht. Stürmischer als je fordert das deutsche Volk, daß dieser fürchterlichen Qual, diesem Vürdelosen Spiel mit Menschenleben endlich ein Ende gemacht werde.
Im weiteren Verlauf der Sitzung erhielt Reichs- fimmzmmsstcr Erzberger das Wort, um Über die Sage unserer Finanzen zu sprechen. Das Bild, das der Minister vor dem Hause entrollt, ist entsetzlich. Sie deutschen Finanzen sind völlig verelendet. An schwebender Schuld hat das Reich allein 76 Milliarden Mark zu decken, hinzu kommen noch 90 Milliarden an lftiegsanleihen. Den Bedarf an Steuern berechnet Erzberger auf 25 Milliarden. Die neuen'Steuerrroor= lagen werden davon acht Milliarden aufbringen. Für die fehlenden 17 Milliarden sollen das Reichsnotopfer, die Reichseinkommensteuer, die Erhöhung der Postgebühren und andere Steuervorlagen, die sich noch in Borbereitung befinden, sorgen. Für eine Wiedergesundung dcr Finanzen häü der Minister das Zusammenarbeiten des Volkes mit den Reichsbehörden für unerläßlich. Die Reichsfinanzreform fei notwendig, mn das neue Reich lebenskräftig zu machen. Allerdings nur wenn die Finanzreform gelingt, kann man Hoffnung auf Weiterbestand des deutschen Reiches, aus dü Verhütung des völligen Zusammenbruchs hegen. Die Arbett wird riesenschwer, die Opfer werden furcht- °or fein müssen, aber die Arbeit muß getan, die Mer müssen gebracht werden. Tun wirs in freu- »ser Hingabe an das gemeinsame Vaterland!
s. Bei EvlsdCguüg einet Reihe! von Anfragen lW it. a. Abg. v. Gräfe (Suat. Vp:) unter BäzrW- i “v™6 auf Preffenachrichten über die Frage bet
Kriegsgefangenen-Heimkehr,
in englischen und amerikanischen Gefangenen- ”*rn oen deutschen Kriegsgefangenen : j’wetli worden sei, daß ihre beschleunigte H e i I*tn-n4$ Deutschland seitens der deutschen ■ y run g nicht gewünscht, ja sogar durch tuin*®erMn8 der deutschen Regierung, die Vorberei- SS 8um Abtransport in die Wege zu leiten, ber% ti™?” werde: Ist die Reichsrsgierung bereit, dar. jjS-'"^funft zu geben, welche Vorbereitungen tat- naschen Rückkehr getroffen unb nmnent- tjZ diplomatischen Schritte unternommen wor- um der weiteren Zurückhaltung der Kriegs. ^wMnen em Ende zu machen?
i»»?v^minister des Aenhern Müllsr: In einem s^Ser Presse ist letzthin die Behauptung aufgestelst ttrJ”' Regierung habe nicht alles getan, um die lltent6 Hcrwbeförderung der deutschen Krieg sgefan- ■Kermöglichen. Zur Rechtfertigung hat fich die fcöL. M Aeußerungen ans englischen Gefangenen-
Stufen. Die deuffche Regierung kann es vor- Stauben, daß sich derartige offenkundige Ent- n,8en der Tatsachen, die da behauptet Kte' In offiziellen Befehlen und Bekcmnttnochun- englischen Lagerbehörden befinden. Sie hat Schritte unternommen, um den Hären unb Abhilfe zu schaffen. Im 9en. w. die Regierung fest: Alle Bemühun- RZ zum Beginn der Friedensverhandlungen
Ewen, die Heimkehr unserer Kriegsgefangene t-0emnlassen, find erfolglos geblieben. Sie jE; -faertennung dar selbstverständlich Pflicht, nicht zur Sklaverei ausarten Wh-- 'fatbet sich in Artikel 214 des Friebensver- Friedensvertrag tritt aber erst nach der in ation durch drei der gegnerischen Haupt- .unb darauf können die Ententemächte {Nähte 54- Wmgerung stutzen. Gleichwahl war Bit unablässig bemüht, bas Las der Ge- lÄ eorXfcr "nbern unb ihre schleunige Heimschafsujug Wf^N'lchen. Ster Minister gibt bann einen lieber» 6?Nähte.016«,wiederholten Vorstellungen
Ke.gientng bei der Entente und bie in die. überreichten Noten und fährt fort: Wtz dowei t Atuptkommission, die im Friedensver- ba?u Ot- ihre Tätigkeit noch nicht aufgenom- lyt tt» r- Abtransport der Kriegsgefangenen Die deutsche Abordnung zu dieser Bihtbr.,? ivettt bereits seit Beginn der Friedens, gattete- $enJn Versailles, tvährend die Entente ihre kNt nicht ernannt hat. Die Schuld
bon 7. ■- nie deussche Regierung treffen. Jetzt Wv, h n f sfalsn, die die Leiden unserer Kriegsgefan- Ursch auszuschlachteu befträtt sind.
Ministerpräsidenten Elemenceau sofort Bortvqg dar- Wer zu halten. Sie Reichsregierung wird nach wie vor bestrebt fein, die Kriegsgefangenen so schnell tote möglich frei zu bekommen. Sie hofft van der Einsicht unserer kriegsgefangenen Landsleute, daß fie sich nicht bon den Irreführungen der Hetzpresse in den Ländern ihrer Gefangenschaft verführen lassen, solche Ungeheuerlichkeiten zu glauben, als läge der Reichsregie, rung nichts an ihrer Heimkehr. Es gibt keinen Partei- unb keftnen Finanz stoudpurilt in dieser Frage des Blutes. Diese Erkenntnis wünscht die Reichsregierung aber auch denen, die fich nicht gescheut haben, parteipolitische Agitationen mit dem Leid und dem Schicksal unserer Krtegsgefan- genen zu treiben. Politische Ausschlachtung dieses nationalem, gemeinsam zu tragenden Unglücks weist sie ntik Entrüstung von sich und weiß sich darin einig mit allen Kreisen des Volkes, denen das Schicksal unserer Kriegsgefangenen warm und uneigennützig am Herzen liegt (Stürmischer Beifall bei den Mehrheitsparteien.)
Abg. b. Gräfe (Smat. Vp.) richtet die Anfrage an den Rcichsminister Müller, wen , er damit gemeint hat, wenn er von Leuten sprach, die triefe Frage parteipolitisch ausnuhen wollten.
Reichsminister Müller: Ich meine damit so schamlose Blätter wie dte .Deutsche Zeitung", he in.ihr« Ausgabe bom 6. August mit 5er fetten ueoerichrist „Eine schwere Anklags gegen die Reichsregismng" und mit der Unterschrift »ihre Regierung will ste ja gar nicht" solche Behauptungen bringt und bleiartigen Kreise, die sich mit diesen schamlosen Verleurn!uugen identifizieren. ,(Lebhafter Beifall links, große Unruhr I'eCf'L£>terauf wird die ZündwaresAener und die Spiel- kartensteuer nach den Beschlüssen des Ausschüsse» angenommen. Erörterungen gab es nur bet dem Zünd- warensteuergesetz um bieftrittige Frage des Monopols, das mit dem 1. Aprit 1921 beginnen soll. ES war tn der Regierungsvorlage ursprünglich nicht enthalten, wurde aber non den Mehrheitrparteien mit Zustimmung der Regierung im Ausschuß und auch in der zweiten Lesung durchgesetzt.
ES folgt dann bie erste Beratung der großen Fi- naozgesetze.
ReichSfinauzminister Erzberger:
DaS Hau» und da» deutsche Volk haben ein Recht, mehrere Fragen beantwortet zu hören: WaS ist, was muh und wie wird eS werden? WaS ist? — DaS größte Finanzelend, das die Welt je zu sehen bekam. — Wa» werden muß? — Baldige Ord- nung unsere» gesamten Finanzwesens in Reich, 5,in ’tn unb Gemeinden und Gleichgewicht zwischen C U.t ihmen unb Ausgaben im großen unb kleinen. — Wie soll eS werben? — Wir müssen Abschieb nehmen bon manchem alten Siebgeworbenen, ein durch, dachte» Steuersystem aufstellen, einheitliche Erfassung all er Steuerquellen, Eerechttgkeit auf der einen Seite, Gewissenhaftigkeit auf der anderen. Rur unter dieser Voraussetzung ist Hoffnung und Möglichkeit, daß Deutschland erhalten bleibt unb vor dem schwersten Unglück, dem Staatsbankerott, der hier ein Volkrbankerott ist, bewahrt wirb. Der Redner gibt dann einen Ueb erblick über die Finanzlage, wie wie sie sich in Deutschland bon 1913 bis 1918 enwickelt hat. Dip ungeheuren Zahlen rufen mehrfach Be- toegung unb Hört-Hört-Ruse auf allen Seiten be» Hauses hervor. Sa» Kennzeichen der deutschen Wirtschaft unb Finanzlage, so faßt er feine Darlegungen zusammen, ist die ungeheure Flüssigkeit be» deutschen VolksbermögenS. Zwei Forderungen müssen noch erfüllt werben, bie. finanziell unb volkswirtschaftlich von größter Bebeutung ftnb. Wir müssen sofort unb mit aller Beschleunigung an die Schaffung einer deutschen Handelsflotte Herangehen in engster Zusammen- arbeit mit den Personen unb Gesellschaften, die hier birher bahnbrechend waren. Wir müssen fobann eben, fall» mit größter Beschleunigung unseren AuslanbS. deutschen mit ReichSborschüffen zu Hilfe kommen. Schon die nächst« Woche wirb eine betreffende Vorlage an die Nationalversammlung bringen. (Beifall.) End- lich muß unser Beamtenstanb erleichtert werben. Ein berschuldeier Beamtenstanb ist der Anfang be» Ruins für em Land.
26 Milliarden neue Steuern
müssen aufgebracht werden. Das Höchstmaß, welches etn Kriegsjahr am Anleihemarkt aufgebracht, war 25 Milliarden. Dieses Höchstmaß muß jetzt da» Volk Jahr für Jahr an Steuern aufbringen, um zu gefunden. Durch einen Staat-bankerott würben gut Zweidrittel des gefamten Privatvermögens vermindert werben unb die gesamte Wirtschaftsmaschine zum Stillstand kommen, unb da» arbeitenbe Deutschland würbe hungern. Wie grauenvoll bie Zustänbe in Deutschland werbe« würben, ist gar nicht auszumalen. Darum wirb bie Reform kommen, weil fie kommen mutz. Dazu gehört auch eine vollkommene Ausgestaltung der Steuerver» anlagung im Sinne höchster Gerechtigkeit. Finanz, politisch ist der Krieg noch immer nicht abgeschlossen. Noch immer zahlen wir für bie großen KriegSaufwen. bringen, und dazu treten die riesigen Kosten für die Demobilisierung, unb für bie Entschäbipungen in ber Heimat. Auch dieses Problem muß bewältigt werben. Ich werbe nicht ruhen unb rasten, um am 1. Oktober einen georbneten Etat vorzulegcn. Ich habe mit den Ressorts schwer barum zu kämpfen, besonder» mit dem Kriegsministerium. Regierung unb Parlament müssen mit Hochdruck arbeiten, um Ordnung in baS ChaoS des zusammengebrochenen Kriegsuntemehmen» zu bringen. Wir haben auch aus bem Srieben5- vertrag sehr schwere Pflichten übernommen, benen wir mit ehrlichem Willen nachzukommen haben. Die Lösung des Problem» ist geknüpft an da» Wort: »Arbeite im Dienste dcS Gemeinwohles". Dem alten Worte: Zum Kriegführen gehört Gelb, Gelb unb noch, mals Gelb" stelle ich da» Wort gegenüber: »Zum Frieden gehört Arbeit, Arbeit unb nochmals Arbeit" (Lebhafter Beifall). Wenn nicht ge. arbeitet wirb, wenn nicht mehr al» vor dem Krieg gearbeitet wirb, ist jede» Bemühe« um bie Rettung des Vaterlandes aussichtslos. Zunächst gilt eS die schwebende Schuld zu beseitigen ober her. abzumindern. Früher, als sie vielleicht eine Milliarde betrug, bedeutete das schon schwere eorgen für bie In» landsverwaltung. Heute find es sechsundsiebzig Milliarden. Jede Vermehrung der schwebenden Schuld mutz ausgefchloffen fein, also Schaffung neuer Einnahm en. Jeder Tag, den die Erbschaftssteuer später in Kraft tritt, bedeutet 2 Milliarden Ausfall. Neben den neuen Einnahmen aber gilt es -all Spa riamieit walten zu lassen. Zur Her- '
i, 185. I HSSjlSÄ-S I Mittwoch 13. fluguft 1919.
Die Weltkrise.
Nicht allein Deutschland und das deutsche Volk, sondern schier die ganze Welt, die Völker von Europa wie Uebersee befinden sich in einer gewaltigen Wirtschaftskrise. Sie ist in ihrem Wesen mchts anderes als eine Krise der Produktion.
Der Charakter dieser allgemeinen internationalen Broduktionskrise tritt ja am deutlichsten, in unserem bisher mustergiltig, fleißigen, oLbeltsdiszipttnrerten Lande in dis Erscheinung. Der ganze wrrffchastüche Sammer, den Deutschland gegenwärtig durchmachen muß. hat nicht etwa seine Wurzel an Arbeitsmangcl, sondem im Mangel an Arbeitswillen In dieser Tatsache liegt auch die Begründung^ für den augenblicklichen moralischen Tiesstond weiter Kresse unseres Volkes. Der fehlende Arbeitswille hindert uns an der vollen Entfaltung unserer ungeahnt reichen und trotz der Erschöpfungen des Krieges immer noch vorhandenen starken wirffchaftttchen Kräfte. Vor allem find wir nicht in der Lage, das an Stoffen und Produkten heranzuschaffen, was wir zur Befriedigung der Notdurst des Tages bedürfen. Des Uebels Wurzel liegt, wie auch immer wir die Dinge betrachten mögen, in dem Rückgang der Kohlenförderung. Der Mangel an Kohle bringt unser gesamtes Wirtschaftsleben in einen Zustand der Erstarrung und Lähmung, und das in einem Augenblick, wo Hunderttausende von Menschen mit Nahrung und Kleidung versorgt werden müssen. Die Lähmung, die von einer Krisis in der Kohlenproduktion für ein Land ausgeht, überträgt sich in ihren Rückwirkungen bis in den Berufskreis, ja sogar bis in das Heim "jedes einzelnen Staatsangehörigen. Wir mögen noch soviel wirtschaftliche und politische Reformen anstreben und durchsetzen: Ohne eine gründliche Reform der Gedankenwelt weiter Volksschichten wird alles vergebens sein. Arbeitsbereitschaft und Arbeitsfreude müssen vor allem an den Stätten der Urproduktion und hier, hinwiederum bei der Förderung desjenigen Stoffes einsetzen, der bi& Wirtschaftsadern belebt, dcr Kohle.
Wie eine Weltkrankheit ist diese Produktionskrise über die Völker gekommen. Die Wirtschaftslage Englands imd neuerdings auch Amerikas ist von diesen Zuständen erheblich beeinflußt. Die Kohlenproduk- tronskrise in England vorab verschlechtert in ihrer Rückwirkung unsere eigene Wirtschaftslage um deswillen so sehr, weil wir nur um so schwerer in der Erfüllung unserer Wirtschaftsverpflichtungen belastet werden. Das trifft insbesondere ja gerade auf die Liese- ritng von Kohlen zu.
Die Wettproduktionskrise bedeutet des ferneren für uns eine Hinauszögerung der wirtschaftlichen Wie-' deraustichtung, die uns so bitter notwendig ist. Nur wenn wir im eigenen Lande die letzte, aber auch wirklich die letzte vorhandene Arbeitskraft heransetzen, wird es möglich sein, uns von dem tiefen Fall wieder aufzurichten.
Die Kohlennot.
Weimar, 12. Arg. Im Anschluß <rn die singjehende Aussprache über bie Kohlenfrage haben gestern in Weimar Bespvechungsn dtzr verschiebemen Bergar- beiterbtrbänbe mit den Mitgliedern des Rj e i chK arbeitsminrst«riums stattgefunden, in denen hauptsächlich die Lahnfrage, dte Wardarbeits- ftage, dir Wahnungs- und die Ernährujvgsftage ein. gehend geprüft worden sind.
Zunehmender Streik in Oberschlesien.
Wie den ,Polit.-Parl. Nachrck au» Kattowitz gt meldet Wird, nimmt die Streikbewesung weiter zu. Die gestern gemeldeten Grube« streiken auch, heute noch; hinzugekommen sind u. a. Gräfin 8auiaz Karsten-Zentrum, Berginspektion IV, Brandenburg- Grube und Heinitz Die Notstandsarbeiten werden nur notdürftig von Steigern und Beamten und bon Arbeitern und Arbeiterinnen, die Ueberstunden machen, ausoeführt. Der Streik ist rein politisch. Außer den gestern mitgeteilten Forderungen verlangen die Streikenden Freigabe der politisch Gefangenen, Aufhebung der Grenzsperre und des Belagerungszustandes, sofortige Wiedsreinstellung der entlassenen Arbeiter. Wirtschaftliche Forderungen sind überhaupt nicht erhoben worden.
* Berlin, 12. Aug. Die Hauptpapierfabriken iw Oberschlefien, in Ziegenhals und Krapitz, stellten den Betrieb wegen Kohlenmangels und der portschwierigketten halber völlig ein. Es wird in-' folgedessen in nächster Zeit eine beträchtliche Verminderung der Papierbelieferung der Berliner Tageszeitungen eintreten. Sollte sich nich teine Besserung der Lage ermöglichen, so glaubt der Reichswirtschaftsminister mit der Einstellung der Berliner Tageszeitungen rechnen, zu müssen. Wr die Zeitungen im Westen des Reiches ' liegen die Dinge besser, da die für sie in Betracht kom- menben Fabriken mit Braunkohlen arbeiten.
Das Ende des Kalistreik».
Die von der Streikleitung einberufene Reichs- konferenz der deutschen Kaliarbeiter, die in Halle tagte, beschloß, obwohl fast einschließlich Unabhängige vertreten waren, in geheimer Sitzung den Generalstreik der Kaliarbeiter als aussichtslos abzu» brechen.
Rückkehr zur Monarchie?
Als der Erzherzog Joseph vorläufiger Regent in Ungarn wurde, haben manche gedacht, der monarchistische Gedanke gewinne wieder Oberwasser, und von links wurde schon gewarnt vor der „Morgenluft", welche die Vorkämpfer der Gegemevolution wittern sollten.
Die Wendung in Budapest muß man mit großer Vorsicht einschätzen und den Tag nicht vor dem Abend loben. Was aus dem erzherzoglichen Experiment wird, weiß noch niemand zu sagen. Die Ee- burtswürde und die persönliche Volkstümttchkett des Erzherzogs Joseph tragen offenbar zur Wiederherstellung der Ordnung bei; aber die Entscheidung über die Zukunft liegt doch bei der künftigen Natwnolver- sammlung und im letzten Grunde bei der Arbetterpar- tei. Letztere ist noch unschlüssig und verhütt sich vorläufig abwartend. Der Erzherzog selbst hat schon aus Besorgnis, daß die voreiligen Königsrufer feine Stellung erschweren könnten, eine Proklamation erlassen mit der Versicherung, daß er an die Einführung des monarchistisches Systems nicht denke.
Andererseits wird behauptet, die Sozialdemokratie habe in Ungarn Überkamst keinen Boden, ausgcnom-
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