M k k
K
1
kommen. Das betont auch die „D. All. Ztg." in ihren Bemerkungen zu dem Rechtfertigungsversuch von Dr. Michaelis und zu der englischen Darstellung, indem sie sagt:
Die deutsche ^Regierung erkannt« ganz richtig kn der belgischen Frage das Kernstück der Friedensaktion. Trotzdem und trotz des Versprechens an die Parteiführer hat sie sich niemals zu einer Erklärung über Belgien verstehen können. Gerade die Stellen, Me die größte Macht und den stärksten Einfluß hatten, waren am weitesten entfernt von einer Zustimmung zu einer solchen Erklärung. Dies gehe am klarsten aus dem Schreiben des Herrn Michaelis an den Gsneralfeldmar- schall von Hindenburg vom 12. September 1917 hervor, in dem er diesem mitteilt, daß er die Forderung der Obersten Heeresleitung in seine Derhondlungs- plane ausgenommen habe. Durch Harmsworths Darlegungen im englischen Unterhaus« ist der schlüflige Beweis geliefert, daß auch der neutrale Vermittler zu einer Erklärung von deutscher Seite nicht ermächtigt war, und Harmsworth begründete auch das Scheitern jedes weiteren FriÄeensgespräches damit, daß die deutsche Regierung keine Erklärungen über Belgien abgegeben habe.
*
Als Sekundant Erzbergers tritt jetzt der bekannte Afrikakämpfer General v. Deimling auf. Er richtet einen Brief an ihn, worin er ihn seiner Sympathie und seiner Zustimmung versichert und der Hoffnung Ausdruck gibt, Erzberger möge „aus dem jetzigen Trommelfeuer als Sieger hervorgeheu". Er schreibt u. a.:
2>St warmem und dankbarem Interesse bin ich im Weltkriege Ihren Bestrebung«! zur Erringung eines Berstandigungsfriedexs gefolgt. Daß jede BerstLndlgrrroMpolitrk gescheitert ist an dev heülLosen I Vjerbjkündiung »der Obsrstest Heereslei. ! tung, aber auch an der Schwachheit des Reichstages I und an der Charakterlofigkeit der Reichskanzler, das haben «nsichtige Truppenfirhrer an der Front, denen klar war, daß man gegen di e ganze Welt un- trröglich teuf die Ttrueir siegen Ian|n, schon während des Krieges bitter beklagt und verflucht. Mm atmet heute ordentlich auf, daß endlich die Wahr- heit ans Licht kommen soll, und auch das ist Ihr Verdienst. Das deutsche VE brcmcht die Wahrheit und wenn es über Leichen ginge. Es braucht die Wahr, heit zur. Selbsterkenntuis, zur Läuterung, zur Wiedergewinnung des Vertrauens der Welt und zur eigenen inneren Ruhe.
General v. Deimling hat in letzter Zeit wiederholt mit rücksichtsloser Ueberzeugungstreue seinen Standpunkt öffentlich vertreten, auch wenn er sich damit im schärfsten Gegensatz zu seinen Standesgenosien stellte. So hat er in der Frieüensfrage sich mit aller Entschiedenheit für die Unterzeichnung ausgesprochen. Kürzlich war die Behauptung aufgetaucht, er habe sich der „unabhängigen Sozialdemokratie" angeschlossen. Offenbar ist dieses Gerücht dadurch entstanden, daß man sich m Deutschland schwer daran gewöhnen kann, daß em hoher Offizier eine eigene Mstruog nicht nur hat, sondern auch ausspricht.
Die Abdankung des Kaisers.
Prinz Max von Baden ergreift das Wort zu einer umfasienden Rechtfertigung seiner Pofitik in den entscheidenden Novembertagen 1919. Den ÜRUtel. punkt seiner Betrachtungen bildet die Verteidigung gegen den Borwurs, daß er den Kaiser durch eine eigenmächtige amtliche vorzeitige Veröffentlichung m der Abdankungsfrage vor eine vollendete Tatsache gestellt ynd die Zustände in Berlin zur Begründung seines Handelns schlimmer geschildert habe, als sie es in Wirklichkeit waren.
Was die Vorgänge vor dem 9. November und am 9. selbst anbelangt, so gibt Prinz Max eine Reihe von Telegrammen wieder, die vom 7. November an von ihm an den Kaiser gerichtet worden waren. Darunter befindet sich ein Telegramm, das in der Nacht vom 7. zum.8. November an den Kaiser abging und in dem Prinz Max unter eingehender Begründung empfahl, der Kaiser solle unverzüglich den festen Willen aussprechen, abzudanken, um den Uebergang der Massen in das radikale Lager $u verhüten. Aus dem Großen Hauptquartier kam die Antwort: „Seine Majestät hat es völlig abgelehnt, auf die Vorschläge einzugehen." Daraufhin, führte Prinz Max am Abend des 8. November mit dem Kaiser das vielfach erwähnte, etwa 20 Minuten lange Telephongespräch, in dessen verlauf Mädchen unterm Kinn zu fassen. Ehe Maria sich dagegen wchven konnte, sprang schon seine Frau herzu mÄ schlug ihm derb auf die Hand. Er lachte laut auf und s^malzte mit der Zunge.
«in recht appeWüches «Sferche» hast Du Mr da $uge- (egt," sagte er, ohne seine Frau zu beachten, die lauernd jede feiner Bewegungen verfolgte. „Schade nur, daß ich scheu versehen bin, das wär« etwas für meines Vaters Sohn! Sehr schade!"
Er lachte laut auf übe, seine eigene« Worte und floh dann vor dem Kochlöffel, den feine Frau drohend schwang.
Nach dem Essen, das fast ungenießbar war, machte sich der Hausherr zum «usgehen fertig. „Was, Du willst schon wieder fort? Und Du glaubst, daß ich jeden Abend allein zu Hause bleibe?" ke» die Frau.
Er lachte nur.
-„Hättest Du nur etwas Ordenttiches vorgefetzt, so wäre ich heute ju Hause geblieben. Aber nach solchem Essen bekommt man Hunger, darum muß ich sahen, daß ich | anderswo besser fptife als bei Dir!"
„Rein, das ist zu arg," schÄt die Frau dagegen, „werm man alles allein tun soll, wie kann man da fertig werden! Das Mädchen kam so spät!"
Im Hinausgehen trat er vorsichtig, sich nach allen Seite« um sehend, gu Maria, i* in öer Küche ihr Abendessen einnahm.
„Ra," lachte er, „wie heißen Sie denn?"
Als Maria nicht sogleich Antwort gab, fuhr er grinsend fort: „Sind em hübsches Mädchen, hübsche Mädchen mag ich leiden. Wenn Ihnen etwas nicht paßt, sagen Eie es mir, ich werde dann schon Abhilfe schafsenl"
Damit ging er pfeifend davon.
8rau Gehring, befand sich den ganzen Abend in sehr gereizter Stimmung. Sie schalt über ihren Mann, über bie Kinder, über die viele Arbeit. Nichts war ihr recht. Maria wollte säst vergehen vor Heimweh.
Als fie spät abends todmüde ihre Kammer aufluchte, sank sie weinend vor ihrem Lager in die Knie. Daß sie hier nicht bleiben würde, stand bei chr fest, aber sie war sehr verzagt und kleinmütig geworden. Voll Angst dachte He daran, wohin ihr Schicksal fie nun führen würde. Sie ]
er etwa sagte, die Abdankung sei notwendig geworden, um den Bürgerkrieg in Deutschland zu vermeiden. Die Haltung der Truppen sei nicht mehr zuverlässig. Erfolge der Rücktritt rechtzeitig, so könne mit Hilfe der Sozialdemokratie die Lage gehalten werden. Der Kaiser war, wie Prinz Max im Laufe dieses Gesprächs feststellen mußte, völlig ununterrichtet über die Haltung der Truppen. Er sprach von einer militaristischen Expedition gegen die Heimat, die gar nicht mehr möglich war. Hätte ihm die Oberste Heeresleitung am 8. November die Wahrheit über die Armee gesagt, so würde der Kaiser zweifellos am 8. November auch den Thronoerzicht ausgesprochen haben. Erst im Laufe der Nacht zum 9. November wurde der Kaiser aufgeklärt. Um Mitternacht erhielt er das -Telegramm eines sozialdemokratischen Führers, das besagte, die Abdankung müsse bis zum frühen Morgen erfolgt sein, wenn man die Arbeiter in den Fabriken zuruckhalten wolle. Der Kaiser entschloß sich darauf zum Rücktritt. Eine entsprechende Nachricht gelangte nach Berlin an die Reichskanzlei. Eine Sinnesänderung trat bei dem Kaiser etwa um Mittag ein, als General Graf Schulenburg jetzt im. Gegensatz zu dem Gutachten der Obersten Heeresleitung erklärte, die Armee stehe noch hinter dem Kaiser und würbe auseinanderfallen, wenn er nid# wenigstens als König von Preußen bliebe. Diesen Vorschlag griff der Kaiser auf und entschloß sich, nur als Kaiser von Deutschland, nicht aber als König von Preußen abzudanken. Von dteser neuen Wendung erfuhr Prinz Max nichts. Zur Beurteilung seiner weiteren Handlungsweise beruft sich Prinz Max auf die Vorgänge in Bersin. Die Meldungen über die Unruhen gingen sofort an das Große Hauptquartier weiter. Prinz Mix meldete nach Spaa, es handle sich nicht mehr um Stunden, sondern nur um Minuten. Das Hauptquartier erklärte aber immer wieder, die Sachen gingen ihren ©attg. In der Reichskanzlei war der Eindruck der, daß der Kaiser längst abgedankt hatte und daß nur noch die Formulierung ausstand. Me Möglichkeit einer Sinnesänderung wurde in Bersin gar nicht in Betracht gezogen, von einer Abdankung nur als Kaiser und nicht auch als König war nie Ne Rede ge» wesen. Die Zett verrann. Die Formulierung kam nicht. Sie Lage in Berlin gestaltete sich immer drohender. Sn jedem Augenblick konnte Ne Abdankung in den Straßen ausgerufen werden. Sie zu verhindern, Mb es kein Machtmittel. Hier konnte nur oorgebeugt werden durch die Veröffentlichung des Entschlusses zur Abdan- kung. Prinz Max stand vor der Wahl, nichts zu tun oder auf eigene Verantwortung zu handeln. Obwohl formell nicht dazu berechtigt, hielt er es für feine Pflicht, den. Entschluß des Kaisers bekanntzugeben, solange es noch einen Sinn hatte.. Es war der letzte verzweifelte Versuchs den Umsturz zu verwundern. Er scheiterte, well er z u l p ä t kam.
Der Schadenersatz <m Frankreich.
»Echo de Paris" meldet, daß Ne Alliierten die erste Säte der Schadenersatzforderung an Deutschland am L April 1920 einziehe« werde«. Die Vechandlungen mit Deutschland über die Bereit- stellung von deutschen Arbeiter« für die Wieder- herstellungdarbeite» in Nordfrankreich b*» treffen eine Arbeiterschaft von 600000 Mann.
Em- Probeabstimmung in TLdschlchen.
Bekanntlich ist im südlichen XeÄ des oberfchle- fische« Bezirks Rrteibor twn der Entente dar Recht auf VoUSabftimmung nicht zaeetannt worben, ba man . Land al» Liutergabtet de« Ostrauer Industrie. Äetneti den Tscheche« schenke« »ill. Die wenig aber die Bevölkerung beB Ratibor« Bezirk» geneigt ist, von Deutschland loSzukommen, bewefft eine Ab- strmmung, die spontan au, der Bevölkerung ent- standen ist nnd alle Wahlberechtigten einschließt. 95 ProzentLllerWatzlberechtigtenstimmtenfür Deutschland, bie übrige« fi Prozent verhielten sich teUnahmZl», und nur vereinzelte Stimmen erklärten sich für den Anschluß an Tschecho-Diowakien. Rechnet man hi«zu, daß der Wunsch der tschechischen Negierung nach dem Ratiborer «edret hinter der Absicht, mit auf freundschaftlichem Fuß zu stehen, zu- tuaetetbi, so ist bamtt die unsinnige Schacherpolilik der Entente t« ba» rechte Licht gerückt.
wagte kaum, das Bett, das nicht einmal frisch bezogen war, zu berühveu. So saß fie stundenlang auf dem einzigen Stuhl, die Hände im Schoß gefaltet und starrte in die trübe brennende Flamme des kleinen Lämpchens, da» I auf dem Fensterbrett ftanb. Ein Frostet» durchrieselte fie.
Schließlich legte sie sich auegeKdbet auf das Lager. Aber es kam kein Schlaf in ihre Augen.
Wie traurig hatte sich doch ihr Los gestaltet! 9hc für ein paar Stunden wünschte sie sich in ihr trautes Zimmer zu Hause zurück, in ihr weiches, molliges Lager mit den sauberen, schneeweißen Äfffen; und an der Wand der Mutter Bild, deren gute, schöne Auge« fo freundlich, wie schützend und schirmend auf sie hernieder geschaut.
Plötzlich packte die Einsame solche Sehnsucht nach diesem Bilde, nach dem lieben Gesicht, daß sie sich erhob und das Lämpchen, welches noch brannte, ergriff, um das Dikd aus ihrem Koffer hervorzustrchen. Seife schlich sie sich zu der Rumpelkammer und öffnete behutsam die Türe, di« nur angetehnt war. Sie horchte eine Weste. Sie hätte das kleine Kind schreien. Es gelte förmlich durch die tiefe Stille. Dann wurde em Schlüssel in die Fkur- türe gesteckt, leise umgedreht und ebenso wieder heraus- gezogen. Do huschte etwas übet ihren Fuß. — eine Maus! — Maria vergaß alle Vorsicht, sie stieß einen lauten Schrei aus, dos Lämpchen entfiel ihrer Hand und »erbrach klirrend am Boden, während fie in der tiefsten Finsternis zurückblieb. Zitternd tastete sie sich an der Wand entlang, sie suchte rasch ihr Kämmerchen zu etrei- chen, es gelang ihr aber nicht. Da tauchte ein flackerndes Licht aus, Herr Gehring, noch in Hut und Paletot, ein Wachskerzchen hoch haltend, ftanb vor ihr und betrachtete sie lachend. Eine Tür wurde heftig zugeMagen, gleich darauf erschien auch die Hausfrau, nur notdürftig bekleidet und schaute mit finster drohendem Gesicht auf die sonder- bare Gruppe.
„Ja, was machen Ste denn do in der Dunkelheit?" rief die Frau das cm allen Gliedern bebende Mädchen an, mißtrauisch von einem zum andern blickend. Der Mann, der soeben erst heimgekommen, schieu nicht mehr ganz nüchtern zu fein, er lachte noch hnrner Mario fand fein SBort der Entjchnkdigung.
Oesterreichs Antwort an die Alliierte«.
Nach eingehenden Beratungen ist jetzt die Antwortnote Deutsch-Oe st erreichs auf die brutalen FriÄensbedingungen von St. Germain {er- tiggeftellt und der Entente überreicht worden.
Wenn der Gewaltfrieden von Versailles noch einer Steigerung fähig war, so war sie durch den Fristen von St. Germain erreicht. Es ist daher verständlich, daß das noch ohnmächtigere und noch mehr gequälte Land als das Deutsche Reich der Verzweiflung nahe ist. Es beschränkt sich in seiner Antwort darauf zu betonen, daß Deutsch-Oesterreich, nacktem es sich vergeblich aus das Nattonalitätenprinzip unb auf das Sechstbestimmungsrecht der Völker berufen habe, nunmehr die Verantwortung ablchne und die Entscheidung der Geschichte anheimgebe. Nur wenn die Gebiets- fordemngen Deutsch-Oesterreichs in jenem Mindestmaße erfüllt würden, in dem sie in einer Anlage zur Note enthalten waren, wolle Deutsch-Oesterreich sich sechst Überreben, daran zu glauben, daß es in den Grenzen dieses Gebietes selbständig und im Frieden leben könne. (Es erwartet dabei, daß es der Völkerbund in Stunden der Bedrängnis hören werde.
Dagegen ist Deutsch-Oesterreich schon jetzt fest davon überzeugt, daß es die ihm von dem Vettrag^ aufgebürdeten wirtschaftlichen Lasten nicht tragen könne, und daß es, wenn sie nickst wesentlich gemildert würden, zusammenbrechen müßte. Die Antwort geht im einzelnen auf die wirtschaftlichen und finanziellen Klauseln bes Vertragsentwurfs em und weist ihre Ässolut vewMsnde Wirkung nach.
Die britische Vorherrschaft m Gefahr.
In einem Artikel übet bie britische Schiffahri unter der Ueberschnft „Die britische Vorherrschaft in Gefahr" äußert die Londoner „Timer" ernste Besorgnis über bat Anwach'en ber amerikanischen Handelsflotte, während die britische Handelsflotte gegenüber dem Stand im Jahre 1914 noch immer einen Rückgang aufweise. Nach den von der der „Times" veröffentlichten statistisch;» Aufstellungen hat die amerikanische Handelsflotte seit 1914 7 748 000 Bitt, zugenommen und die Handeltfllotte der britischen Domtniont 1 23 1 000 Brt. abgenommen, während die Englands um 2 547 000 Brt. ab- gcnemmen hat.
Di- Streikwelle.
Zn« Streik ix der KaUiudustrie.
Die Streiklust in der Kaliindustrie ha t erheblich abg nommen. So haben zwei Drittel der streikenden Beteg- schasten im Bezirk Nordhausen die Arbeit wieder aufge- nommen, ebenso die ganzen Belegschaften der Gewerkschaft Braunschweig-Lüneburg, Ilberstedt, Neu- Sollstedt, Salzmünde und der Adler-Kaliwerke.
Abbruch des Sfrelts in der Schweiz.
Eine in Basel abgehaltene Versammlung der Delegierten des Arbetterbundes und bes Aktionskomitees beschloß mit 135 gegen 28 Stimmen den Abbruch des Streiks. Dieser Beschluß wird den einzelnen Verbänden zur weiteren Beschlußfassung vorgelegt werden.
Metallarbeilerstreff In ganz Oberitalien.
Der Metallarbeiterstreik in Italien dehnt sich Well wetter aus. Sn ganz Oberitalien wird gestreikt. Sn den großen Betrieben ruht jede Arbeit. Das Eingreifen der Regierung ist ergebnislos verlaufen. Die Arbeiter von Genua, Turin und Mailand haben sich dem Stteik angeschloffen. Die bürgerliche Presse gibt den großen Ernst der Lage zu.
Bor eine« neuen Eisenbahnerstreik?
Die Unruhe unter den Eisenbahnern dauert an und scheint auch die Beamten ergriffen zu haben. In Erfurt hat sich, wie jetzt bekannt wird, zu Anfang Juni ein mitteldeutscher Block der Eisenbahnbeamten aus den Bezirken Frankfurt, Erfurt, Kassel und' Magdeburg gebildet zu dem Zweck, die vollständige Demokratisierung der Eisenbahnverwaltung durch einen großen Streik zu erzwingen. Es wird im Geheimen an einer Streikorganisation gearbeitet, die bis zum 1. September zum Losschlagen bereit sein soll.
„Also, was Sie hier machen um zwei llbr in der Nacht, will ich wissen!" herrschte die Frau roiebw. „Weshalb haben Sie fo geschrien?"
„Eine — Maust" preßte Maria angstvoll hMwr.,
Die Fran lächÄte verächtlich.
„Na, bei Ihnen sthetltt es, muß man sehr auf der Hut fein!"
Matta schlüpfte ohne em weiteres Wort in ihre Kammer zurück. Zitternd warf fie sich auf das Lager. Lange Zett lag fie mit offenen Augen da. Sie hatte nm den einen Wunsch, fo bald als mögllch wieder sott zu kommen aus diesem Hause. Allerlei Bilder schwebten durch ihren Sinn. Sie dachte an den Abeitt«, den fie im Haufe des Kommerzienrats Hek> verlebt und wie fie mit dem Assessor getanzt hatte. Welch ein Unterschied zwischen damals und heute! Wenn der Assessor sie jetzt sehen könnte! Und die schöne Berta Manders! Es war dem Bemüh« der schön« Berta bis jetzt noch immer nicht geglückt, den Assessor einzufangen, vbwohl sie bei all« Gesellschaften schier unzertrennlich von ihm war, wie Max erzählte. Man fing bereits an, über sie zu spötteln, wett sie sich nicht die geringfte Mühe gab, ihre Gefühle zu verbergen. Aber die Beriobung sollte mche bevorstehen. Endlich gegen Morgen mußte Maria doch eingeschlafen sein, denn sie fuhr heftig erschrocken empor, als sehr energisch an ihre Türe geklopft wurde und eine harte, befehlende Stimme rief: „Steh« Sie doch auf. Sie faule Person! Was man für Aerger mit den Mädchen hat, ist gar nicht zu Jagen!"
Maria sah wiederum ben ganzen Tag nur verdrossene, zuwütere Gesichter. Kein einziges freundliches Wott gab es in diesem Hause.
Als sie am Nachmittag die Küche in Ordnung gebracht hatte, bat fie die Frau, fie auf eine Stunde zu beurlauben. Doch diese lachte grob: „So, so, — am zweiten Tag wollen Sie schon ausgehm? Das gibts bei mir nicht! Alle vierzehn Tage hab« Sie Ausgang, ttchten Sie sich darnach! Das könnte mir pass«. Sie bleiben da! Wohin wollen Sir s nm eigentlich?"
.(Fortsetzung folgt.)
Mut. 1S2.1 I Samstag 9. fluguft 1919. | Ä&'ffÄÄ’Ä I 4S. Zahrg.
Der englische Friedensfühler.
Der Streit um Erzbergers Enthüllungen geht wei- L. Die Darstellung, die der frühere Reichskanzler Michaelis von den Vorgängen gibt, die sich an ten päpstlichen Friedensschritt anschlossen, bringt statt [Er beabsichtigten Entschuldigung eine Selbstbeschuldi- ■■"L. Aus den Zugeständnissen, die Dr. Michaelis 2 geht hervor, daß etwas versäumt worden ist. Mn 'bcgreift wirklich nicht, warum nicht einfach dem MÜichen Nuntius gemäß dem Beschlüsse unseres IKarates mitgeteilt worden ist, daß Deutschland zu
Verzicht auf Belgien sich bereit finden würde, EN dadurch ein Friedensschluß auf Grund der Aeichstagsresolution gesichert werden könnte. Dann hätte der hl. Stuhl den begonnenen Faden weiter steinnen können. Den Berliner Herren mußte doch >8ar geworden fein, daß der Vatikan viel Vertrauen !tei England genoß und also als Vermittler wertvoller sWor als der „neutrale Vertrauensmann".
I Die Scheu vor der päpstlichen Vermittelung ist so «llffallend, daß mehrfach schon der Verdacht entstan- sbea ist, es hätte bei Dr. Michaelis eine konfessionelle BefanMiheit mitgespielt. „Lieber den ersten teßea weltlichm Vermittler, als den römffchen Papst!" M wollen hoffen, daß das nicht zittreffend ist, fon- tem das Verhalten imferer Diplomaten sich erklärt Ly her hergebrachten Scheu unserer Regierung, ihre ^egsziele kundzugttien. In dieser Richtung ist die ^Mitteilung von Dr. Michaelis, die deutsche Jnstruk- «joil des neuttalen Sertrauensmonnes habe durchaus ijer Reichstagsresolution vom 19. Juli 1917 entsprochen, solange ohne Gewicht, als man ihren Wortlaut nicht kennt.
Die Erklärung der englischen Regierung an Unterhaus zu dem Friedensschritt, über die wir lknrz berichteten, liegt jetzt im Worttaut vor. Unter- Ifiedsfetretär Harinsworch sagte danach u. a.: | Dem Kaidinalstaatssekretär fei als Voraussetzung für tat Eintritt in Verhandlungen die Formulierung der 'ltnegsziele durch die Mittelmächte genannt worden. (Bas» ipani habe darauf das Fttd ber Diskussion eingeschränkt, iintern er, sich auf die Resolution des Reichstags zu ®un» pen eines Friedens ohne Annexionen stützend, anzeigte, lteß die deutsche Regierung ihre Absicht hmbgegeben habe, •fe Unabhängigkeit Belgiens wiederherzustellen. Der eng- We Gesandte beim Vatikan hkcke als feine persönliche Meinung geantwortet, daß eine solche Erklärung über Belgien wünschenswert fei. Aber der Kardinal möge sich Wh bewußt bleiben, dqß das nur einer der zahlreichen reteitpuntte zwischen den Kriegführenden fei. Als bie Mische Regierung von dieser Unterteilung, bes Grafen Galis Bericht empfing, fei sie der Ansicht gewesen, daß ks inopportun fei, sich in eine Teildiskussion dieser Frage Mtzulassen und daß die Mittelmächte ihre Frtedensbe- Mgungen im einzelnen kundgeben müßten, wenn fie zu Verhandlungen bereit wären. „Die Angelegenheit blteb Mei sichen, denn die deutsche Regierung gab keine Er- Wirung über Belgien. Es ist also klar, daß die britische Negierung zu diesem Zeitpunkte Deutschland keine Avcm- F® mochte. Aber sie war selbstverständlich bereit, im Ein- • ^rnehmrn mit ihren Verbündeten jeden aufrichtigen, auf
Frieden zielenden Vorschlag zu prüfen, den fie von der putschen Regierung hatte erhalten können."
Also eine Verbindung hätte hergestellt werden tön- i”®-. Hätte der Papst eine deutliche Erklärung über Wgien erhalten und sie noch London weitergeben wtnen, dann hätte das wahrscheinlich zu weiteren Msemandersetzungen geführt, und man wäre wohl «m Frieden näher gekommen. Es wäre ja ein leicht- Mges Urteil, wenn man sagen wollte, daß bei dem p-WiHgen Verzicht auf Belgien die päpstliche Ser« sicher zum Friedensschluß geführt hätte.
«x Versuch hätte gemacht werden können, pyatte gemacht werden müssen, da die Gesamtlage Wn sehr ungünstig war. Im September 1917, qls fa-nschon seine Erschöpfung angemeldet hotte, LS u-Lootkrieg hinter den Erwartungen zurückbuab M ru^eritan'^e Kriegsmacht über alles Erwarten re geltenä machte, — da war es wirklich geboten, LI? Wvzunützen, was einen Verständigungsfrieden an» »■9 n konnte. Der Reichstag hatte aus der Gefamt- EL® After bekannten Resolution die Folgerung ge- Eg'. Dte Regierung konnte sich leider nicht recht-
dazu entschließen und versäumte es so, die Kifo Erklärung über Belgien abzugeben, zu versacken, einer Verständigung näher zu
Meine 1§axabies.
Rrnnan von Irene d. Hellmuth.
je anfanft die Türe wieder zn und schlürste iHr vstrpantoffeln den Korridor entlang. Maria eBa, r” Bernden Fingern den Hltt aus dem blonden 6eäepet* „t.010 ^infl «neu Haken auf, dabei
' ob sie ihrer neuen Herrin nicht sofort wieder 16$, tx Doch dann dachte fie, daß es besser ch A eke Stelle zu suchen. Rasch entledigte sie * ite eJr~$ens holle aus der Rumpelkammer, fest «n einfaches, sauberes Kleid hervor.
Mtie c ' fifh umzuziehen. Als fie die Küche betrat, ch es zurück, fo unordentlich und schmutzig
m °U5‘ Alles stand voll von ungewaschenem fest 'gtB/mer Ecke befand sich der Kinderwagen mit hie, ^""peludeu, etwa vierteljährigen, schreienden SBtrf,®® Baden balgten sich zwei drei- unö vier- grössere hatte an eine umgelegte 4 her ~ gebunden und schleifte sie nun hinter ff Älein« wollte dem Bruder das Spielzeug überlassen und schrie aus Leibeskräften. Beide äte Schnur und schlugen nun kräftig auf bie « Geruch von ungebrannten Spei-
fe ber«ts beschäftigt war, das Abeird-
ereuen. Sie schrie den Kindern ein derbes di» kt* t*05 diese jedoch rächt beachteten; dann »^°«>den Buben und warf sie unsanft zur Küche ” 6em Korridor setzten sie jedoch ihr Geheul
Ne schnell, waschen Sie das Geschirr ab," m" *rltl ^Utf$e tztee angebrannte Kartosselsuppe Ordnung zu bringen. Als tam< ein breitschulteriger, dicker Mann NtertffhVl ^at 1810 $art- steckte er erst den Kops to-Nol di torein, und sagte schnuppernd: „Ach, wie- !>ar^,„duppe ungebrannt, da hab' ich schon meine ^^Maria erblickte, zeigte er ein breites, be- i0* vollends rät und versuchte, das
st:
Nr
>0.