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i: | Sreitag 8. flugufr 1919. |_ I 46-
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grundsätzl. Freilassuu
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zum ersten Mal mit Diarschall Fach verhandelt hat-
Der englische Friedensfühler.
Von zuständiger Seite in Weimar wird mit- englische Friedensfühler vom tanrft 1917, den noch vor wenigen Tagen der frühere ^s'anzler Michaelis in einem offenen Briefe an die ^'ausdrücklich als „Friedensfühler" bezeichnet hat, ^!> auf Grund einer kurzen Reutermeldung von der Säen rechtsstehenden Presse nunmehr einfach w e g- ®7cugnen versucht. — Alle diese Versuche werden iüertt Der englische Friedensfühler ist historische Tatsache. Er bestand aus * mit ausdrücklicher Zustimmung Frankreichs durch Ermittlung des apostolischen Nuntius an die deutsche Gierung überreichte Anfrage Englands 44 den deutschen Kriegszielen, insbe- ffüat mch einer einwandfreien Erklärung über Bel- .Sei diese Erklärung befriedigend," so heißt es «rtlich in dem Schreiben des Nuntius Pacelli an den Reichskanzler Michaelis vom 30. August 1917, „so «nt Seine Eminenz (der Kardinalstaatssekretär), daß _ bedeutender Schritt zu weiterer Entwicklung der ^Handlungen gemacht würde." Und der Nuntius jgt seinerseits hinzu, daß „mit einer versöhnlichen ^wort der gute Fortgang der Friedensunterhand- aiaen erleichtert wird". Kein Parteimanöver wird chaiche sein, über den Wortlaut dieses zum ausge- go^enen Zwecke der Friedensvermittlung geschriebe- en uni überreichten amtlichen Schriftstückes einer neu- ultn Macht hinwegzutäuschen, und keine ireflepolemik wird die Tatsache aus der Welt schaffen innen, daß die deutsche Regierung unter dem Einfluß n Obersten Heeresleitung und der hinter ihr stehen- w alldeutschen Kreise eine Erklärung über lelgicn nicht abgegeben und dadurch ine Friedensmöglichkeit, verscherzt
das ungarische Elend gibt uns die Antwort.
Abermaliger Regierungswechsel in Ungarn.
Wiedereinführung der Monarchie?
fangen wäre, noch der Revolution eine haltbare und leistungsfähige Regierung zu bilden? Der Blick auf
In Budapest erschienen am Mittwoch abend Minisierpräsidium General Schmetzer, Polizei-Ober-
I Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Karl Schütte, |O !♦ | für die Anzeigen: I. Parzetter, jfulda. — Rotationsdruck.
Die armen Ungarn.
Don all den Völkern, die auf unserer Seite gekämpft haben, ist das ungarische Volk am schwersten betroffen worden. Ihm ergeht cs noch schlimmer, als den Deutschen in Oesterreich, und diesen wiederum geht es noch schlimmer, als uns Reichsdeutscher'. .
Das Verhängnis der Ungarn war die kommunistische Zwischenregierung. Dadurch wurden im Innern Ruhe, Besitz und Volksversorgung zerstört und die Abwehr der äußeren Feinde vereitelt. Als man sich in Budapest nicht mehr zu retten und zu helfen wußte, nahmen Bela Khun und seine terroristischen Genojsen endlich Reißaus. Das Volk wollte ausatmen, aber es kam aus dem Regen in die Traufe. Die Runränen machten vor der neuen Regierung keineswegs Halt. Sie rückten in Budapest ein und besetzten das Land, sowe'tt nun ihre Truppenzahl reichte. Bela Khun hatte die Leute mit Ruten gezüchtigt, die rumänischen „Sieger" peitschten sie mit Skorpionen. Was bie kommunistischen Räuber übrig gelassen haben, wird von den Rumänen geplündert. Teils durch offene Gewalttaten der entfesselten Soldateska, teils unter dem Titel von „Requisitionen". Man hoffte durch den Verzicht auf Widerstand der Hungersnot in Budapest zu entgehen, aber jetzt wird diese Gefahr größer als je. Denn in der Umgebung von Budapest werden die Vorräte an Lebensmitteln und Vieh fchonungslos requiriert. Nicht bloß zum Gebrauch für die Befatzungs- truppen, sondern sogar zum Transport nach Rumänien. Diese habgierigen „Sieger" hatten in ihren Waffenstillstandsbedingungen den Ungarn Kontributionen an Vieh usw. zugedacht, die das zerrüttete Land noch weniger leisten könnte als Deutschland seine 150 00G Milchkühe. Davon nehmen sie jetzt schon vorweg, was sie fasten können, ohne Rücksicht auf die unvermeidliche Hungersnot.
Was macht die Entente angesichts der furchtbaren Geschicke dieses Landes? Sie verspricht Vermittlung, aber sie tut nichts Ernstes, um den Räubereien ihrer Freunde und dem Verderben des Volkes zu steuern.
Heber die Grausamkeit der Rumänen und die Fahrlössigkett der Entente muß sich jedes menschliche Gefiih< entrüsten. Aber man darf nicht übersehen, daß aus die russischen Bolschewisten und ihre gefügigen Gehilfen in Budapest die Hauptschuld an dem Unheil fällt. Wir sehen daraus, welch ein fürchterliches Geschick uns beschicken wäre, wenn dieser Kommunismus in Deutschland Boden gefaßt hätte ober noch fasten würde.
Bayern war sehr schwer bedroht; es hat noch rechtzeitig die spartakistische Mißwirtschaft in München stürzen können und ist jetzt auf dem Wege der Genesung. In Norddeutschland haben wir mehrfache Vorstöße der Kommunisten erlebt, und sie haben vielen Schaden angerichtet, namentlich durch die fortgesetzten Arbeitsstörungen. Aber es ist doch gelungen, die Umsturzgefahr zu brechen, und bas Hauptverdienst daran hat der energische Noske, der deshalb auch von den Kommunisten und ihren unabhängigen Bahn- brecherir mit dem denkbar größten Haß verfolgt wird.
Wie wäre es uns ergangen, wenn es nicht ge-
Sein Briefwechsel vom Monat Januar 1919 mit Marschall Fach über die Freilassung der Kriegsgefangenen während der Verhandlungen über die Verlängerung des Waffenstillstandes in Trier ist veröffentlicht worden und ist in dem Graubuch ter Waffenstillstandskommission abgedruckt. Seither hat der Minister keine G e. legenheit vorübergeh en lassen, um Marschall Foch, sei es direkt in Trier und in Spa, sei eS durch Vermittlung des französischen Generals Dupont in Berlin, fast täglich an das Schicksal der deutschen Kriegsgefangenen zu erinnern. Es ist dem Minister so schmerzlich wie nur irgendeinem Deuffchen, daß die Freilassung der Kriegsgefangenen nicht schon bei Abschluß des Waffenstillstandes turchgesetzt werden konnte. Wie bekannt, ist der Rücktransport unserer KriegS^e. fangenen in voller organisatorischer Durchführung oder Vorbereitung."
Eisners Fälschungen.
Wie sich vor kurzem herausgestellt hat, hat E i 8- n er seinerzeit, als er die bayerischen Gesandtschastr- berichte veröffentlichte, sie durch Weglassung entscheidender Stellen, die die Friedensliebe der deutschen Regierung bewiesen, tendenziös gefälscht. Dazu bet- öffeni licht nun die deutsche Biererkommission, bestehend auS den Professoren Hans Delbrück, Men- delSsohn-Bartholdy, Graf MonigelaS und Max Weber, die den Bericht über die Verantwortlichkeit am Kriegsausbruch verfaßt hat, folgende Erklärung:
.... Diese weggelossenen Stellen beweisen, daß die Reichsleitung den europäischen Krieg nicht g e. tvol.lt und betrieben, sondern von Anfang an auf die Lokalisierung des Konflikts zwischen Oesterreich und Serbien hingcarbeitet hat und ernstlich bestrebt war, alle Anlässe zu einem europäischen Kriege auszuschalten. Zur Begründung der außerordentlichen Ver. spätung dieser Aufklärung teilt Schoen mit, daß bei Nachforschung nach seinem Bericht sowohl das Konzept aus den Berliner Gesandtschaftsakten als auch das Original aus dem Archiv des Münchener Ministeriums des Aeußern v e r s ch w u n d en waren. Erst durch Haussuchung bei der Witwe Eisners und dem früheren Sekretär Eisners, Fcchenbach, tour, den sie wieder zu Tage gefördert. — Die Unterzeich- nefen ersuchen big Reichsregie rung. bei Neuausgabe des
Städten des Niederrheins Versammlungen eim Dar Voraeben derienigen, die die Gründung der R^ubl,. SS ruft natürlich die sozialdemokratiiche Parst. auf den Plan. Die „Rhemyche Artung erklärt b - reitS: „Die Stunde scheint nahe zu fern, wo wir d,e Werktätige Bevölkerung des Rhemlandes gegen, da» schmähliche Vorhaben dieser Kreise zu msschlosimen Willenskundgebungen aufrufen müssen. Das Karst der christlichen Gewerkschaften in Köln emo! einen Aufruf an seine Mitglieder, der sich dagegen wendet, in der Rheinsrage eine vorschnelle Entscheidung berbeizuführen und auffordert, die Sturmlauser gege>. die unter schweren Mühen geschaffene RerchSverfasfung zuruckzuwmstrk. $ 2lugust. Die heutige Versammlung be« Augustinus-Vereins war von etwa 9U Vertretern aus allen Teilen des Rheinlandes, rechls- und linksrheinisch, sowie auch der angrenzenden Bezirk- Hessen und Nassau besucht. Ein eingehendes, einem, halbstündiges Referat des Herrn Dr. Hoeber von der „Köln. Volkszeitung" stellte naturgemäß die Rhetn- [anbfrage in den Mittelpunkt der Verhandlung und gipfelte in dem Vorschlag einer Resolution, über welche sich eine lebhafte Erörterung entspann. Folgende Resolution wurde mit großer Mehrheit ange- nommem^ (ine territoriale Neuordnung unseres Vaterlande» gerichteten Bestrebungen müssen zum Endziel haben die Schaffung eines organischen deutschen Einheitsstaates, der aus möglichst gleichwertigen uns gkeichbe.echtigten Gliedstauten besteht, die nut möglichst weitgehender Selbstverwaltung auSzustatten sind.
2. Die von der preußischen Regierung vorgeschlagenc kleine' Erweiterung der Autonomie der Provinzen im Rahmen des bisherigen Preußen genu.it durchaus nicht den heutigen Bedürfnissen und berechtigten Auspruchen, besonders nicht der Rgemlande. Die zu gewahrende Autonomie im Rahmen deS Deutschen Reicher muß sich mindesten» auch erstrecken auf weitgehende Selbstvei- Wallung auf dem gesamten kulturellen Gebiet, aui f eie Besetzung der Beamtenstellen mit Mannern die daS Vertrauen des Volkes genießen und auf möglichst freie wirtschaftliche Betätigung. .
3. Der Augustinus-Verein ersucht seine Mitglieder in vorgenannter Richtung für Schaffung eines weif, deutschen Gliedstaates tätig zu sckn. Aus diest Weise werden auch die Bestrebungen zur Errrchtune eine» Rheinischen Gliedstaates im Rahmen deS Deut, scheu Reiches am ehesten ihre Erfüllung finden.
Demokratisierung der Eiseubahn-verwallung.
Eisenbahnminister Oes er hat in bem Wunsche, die Möglichkeit des Ausstiegs in höhere Stellen fui mittlere Beamte zu vermehren, in emem Erlaß erklärt, bei der Anstellung als Mitglied einer Elsen- dahndirektion, für die gemäß der Derwaltungsordmmo der Staatseisenbahnen der Regel nach die Ablegung der höheren Staatsprüfung erforderlich ist, hiervon künftig in geeigneten Fällen absehen zu wollen.
I,n dem Erlaß heißt es: Für die Beschimg von MitgliedSstellcn kommen in erster Linie tüchtige Beamte ter mittleren Laufbahn in Frage, die sich als Vorstände von Aemtern oder Nebenämtern gut bewahrt haben und von denen ich nach ihrer ganzen Persönlichkeit die Ueberzeugung haben kann, daß sie sich auch in ihrer neuen Stellung bewähren werden
Den Beamten der unteren Laufbahn war schon bisher in weitem Umfange die Möglichkeit des Aufstiegs in mittlere Stellen gegeben Einem vermehr- ten Ucbertritt solcher Beamten in mittlere Stellen stehen z It noch die Rechte der Militäranwärter ent gegen Mit dem bevorstehenden Rückgang der. der Militäranwärter wird es möglich werden tüchtige Beamten der unteren Laufbahn noch mehr als bisher in mittlere Stellen zu überführen.
Die ersten Beförderungen von mittleren Beamten zu Mitgliedern von Eisenbahnbirektionen sind inzwischen bereits erfolgt.
Größere Abholzungen.
Dem Vernehmen nach steht schon in allernächster Zeit ein Erlaß an die preußischen Staatsforst. Verwaltungen bevor, unter besonderer Berücksichtigung des Brennholzbedarfs einDrittelmehr als bisher abzuschlagen. Auf die Gemeinden und au: die sonstigen Waldbesitzer soll in ähnlichem Sinne eingenürft werden. Genügend Arbeiter seien vorhanden,' um das Abholzen durchzuführen. Schwierig bleibe die Transportfrage. Mit dem Abschlagen soll so schnell begonnen werden, daß das Holz möglichst noch auf bem Wasserwege abtransportiert werden kann.
Die handelspropagonba der (Entente.
In einer Versammlung des Vorstandes der britischen Handelskammern in Deutschland, die in Köln ftattfand, wurde mitgeteilt, daß regelmäßige Kurierdienste zwischen Köln und London eröffnet wurden und daß Militär- und Zivilbehörden die Anstrengungen der britischen GeschSsis- leute m der Rheinprovinz unterstützen. Amerika habe eine Deputation nach (Europa gesandt. Es feien von ihr Vorkehrungen getroffen, um m Deutschland Aufträge für Riesenbeträge in Empfang zu nehmen. Diese Waren würden sofg/t von Amerika geliefert aus Grundlage eine: dreijährigen Kredits, um so den Vereinigten Staaten den Löwenanteil des deutschen Jmporthandels zu sichern. Englische Handelskammern müßten ähnlich vorgehen.
* Der „Bund deutscher Frauen zur Befreiung oc. Gefangenen", bem bisher fast eine Million Mit- glitber beigetreten sind, erlaßt einen Aufruf an sämtliche deutschen Frauen gegen die willkürliche weitere Zurückhaliunq ihrer gefangenen Angehörigen Die Geschäfisadreffe ist Berlin, Zimmerstraßr 72-74.
Die Franzosen als Denkmalschänder. Sn dem pfälzischen Städtchen Haarbt ist bas Denkmal Kai ser Wilhelm I. in bet Nacht von französischen Soldaten beruntergemorfer und beschädigt worden. Eine Untersuchung ist eingeleitet.
Die britische ftritgsmebailk. Das englische Kriegsamt gibt bekannt, daß alle Angehörigen von Heer und Flotte fortan die britische Kriegsmedaille tragen dürfen. Für diese Massenauszeichnung werden 252 Meilen Ordensband nöit^ fein.
Ein Mordptan. Wiener Blätter melden die Verhaftung eines Mannes, der von einer anderen Person, deren Namen noch nicht bekannt ist, gedungen worden fein soll, um den österreichischen Präsidenten Seitz und den Staaiskanzler Renner zu ermorden. Bisher gelang es nicht, ein klares Bild von der Angelegenheit zu gewinnen.
Javanische (krtli .img zur Schanlungsrage. Dos Pressebüro Radio meldet aus Amerika: Ein aus Tokio über London eingetroffenes Telegramm besagt, daß der japanische Minister des Auswärtigen gestern eine Erklärung veröffentlichte, der zufolge Japan nicht die Absicht habe, irgendwelche, die territoriale Souvera-
fiärung:
„Aber abgesehen von diesen Ausnahmefällen ist Minister Erzberger unermüMid? für die Freilassung aller KriegS- eingctreten, seitdem er in Compiegne
Weißbuches 1919, die vorstehende Erklärung abdrucken zu lassen.
An dieser Mitteilung wird der Oeffentlichkett besonders interessieren, daß Kurt EiSner wichtige Aktenstücke, die der Reichsregierung hätten zur Entlastung dienen können, nicht nur unterdrückt, sondern auch zu beseitigen versucht hat.
Schleswig komme zurück an Dänemark, Elsaß-Lohrin. gcn werde Frankreich wiedergegeben und Polen wiederbergestellt. Auch Belgien erhalte alte Provinzen wieoerz außerdem eine absolut politische Freiheit, es könne Bündnisse schließen mit wem es wolle und sei in seinen Handlungen nicht mehr beschränkt. So schaffe der Vertrag einen Geist der Beruhigung. Der Bericht beschäftigt sich alsdann auch mit der Art der deutschen Kriegführung und wirft dem deutschen General- stab vor, er habe systematisch den Krieg in barbarischster Weise geführt durch Erschießen von iZvilpersonen, durch Tötung von Geiseln, durch Deportatton von Zivilgefangenen, durch Plünderungen, durch Abtransport von Frauen und Mädchen, dmch Beschießung von Spitälern und Lazaretten, durch Gebrauch von giftigen Gasen und schließlich durch den Unterseebootskrieg. Aus diesen Gründen müßten die Schuldigen gemäß Artikel 227 und 231 des Friedensvertrages bestraft werden.
Nach dem Mattn soll die Besprechung in der Vollversammlung nicht vor dem 2. oder 3. September beginnen.
Dieser von Sinfeitigfeiten, Uebertreibungen und Unwahrheiten strotzende Bericht, der offen enthültt, wofür Frankreich gekämpft hat, nämlich für die Vernichtung ber deutschen Einheit, wird also erst Anfang September vor die Vollversammlung der Kammer kommen. So verläuft eine Woche nach der anderen, ohne daß unsere Feind», sich bemühen, für schnellste Ratifikation durch drei Großmächte zu sorgen und damit dem Friedensoertrag Rechtskraft zu verlechen. Für uns ist dies aus vielen anderen Gründen auch deshalb so fchmerzlich, well erst dann die Heimfendung unserer Gefangenen einsetzen soll. Schon am 20. Mat hatte Clemenceau die größte Bereitwilligkeit der alliierten Stegterungen ausgesprochen, sofort nach Unterzeichnung des Friedens durch Deutschland Kommissionen zur Regelung der Heimfendung der Knegs- gefangenen zu ernennen. Bis heute ist keine Kommission zusammengetteten. Die deutsche Regierung sollte schärfsten Protest dagegen erheben, daß nicht einmal diese erste Zusage, die nach Unterzeichnung des Friedens von unseren Gegnern gegeben war, eingehalten worden ist.
Die Auffassung, daß die Heimsendung der Kriegsgefangenen abermals in die Ferne geschoben ist, bestätigte nach einer Meldung des „Journal" Pichon im Kammerausschuß, wo er erklärte, daß die Heim« beförberung ber deutschen Kriegsgefangenen frühestens Mitte September beginnen werde. Die englische Regierung hüllt sich über die Zukunft der Deutschen in England, deren Zahl neuerdings mtt 9000 angegeben wird, in Schweigen. Nach der letzten amtüchen Meldung hieß es, die Gefangenen würben zu Erntearbeiten gebraucht unb könnten einstweilen nicht entlassen werben. Damit dürfen wir uns nicht beruhigen, sonst heißt es schließlich, die Deutschen mußten auch noch die Neubestellung für das lom- menbe Lahr ausführen.
Sasserprozetz in London.
Im Unterhause erklärte Sonar Law, daß die Entente ihre Entscheidung im Kaiserprozeß nicht geändert habe. Der Prozeß solle in London statt- finden, aber es könnten vor Ratifizierung des Frie- bensoertrages keine Schritte unternommen werben.
Erzberger» Gefangenenbriefe.
Aus Weimar wirb von amtlicher Selle zu der Veröffentlichung des gestern erwähnten Brieses, den Erzberger zugunsten eines Gefangenen an Marschall Foch schrieb, eine längere Erklärung verbreitet. Darin wird die Unterstellung der „Tägl. Rdsch." zurückge- wiesen, Minister Erzberger habe Marschall Foch irgend- welche politische Dankbarkeit für die Bewilligung feiner Wtte in Aussicht gestellt. Sn Wahrheit habe es sich doch nur um einen Brief von Mensch zu Mensch gehandelt.
„Nicht einen solchen Brief, sondern Dutzende persönlicher Bitten um Freilassung von KriegSgefange- nen hat Minister Erzberger an Dkarsöball Foch gerichtet. Er tat das in solchen Fällen, wo der amtliche Weg eine zu späte Entscheidung gebracht hätte, also zmn Beispiel in Fällen schwerer Krankheiten, oder wenn Vater oder Mutter oder Frau auf dem Totenbette ihren kriegsgefangenen Angehörigen zum letzten Mal die Hand drücken wollten." Weiter sagt die amtliche Er-
Der frühere Reichskanzler Dr. Michaelis ver- Istntlicht in der „Soff. Ztg." in Fühlungnahme it Hindenburg, Ludendorff und Helfferich eine Erklä- iing, die die Haltlosigkeit des sogenannten englischen snedenssühlns beweisen soll. Dr. Michaelis legt dar, r sei mit dem Staatssekretär des Auswärtigen v. Kühl- enn der Meinung gewesen, daß aus dem vom Nunttus ägdeilfen Text der Mitteilung des Londoner Auswär- Igen Amtes an den britischen Gesandten beim Vatikan tznicht mit der für die Abgabe der gewünschten Er- fcimg über Belgien erforderlichen Sicherheit die Crnst- «ftigfeit der englischen Bereitschaft ergebe, auf einer für lvnMand hn übrigen annehmbaren Grundlage in Frie- moerhandlungen einzutreten. Deshalb habe er mit "hlmann vereinbart, daß zunächst durch einen von Kühl- mm vorgeschlagenen neutralen Diplomaten die englische tegierung auf ihre Bereitschaft ausgehorcht werden sollte. In dem Kronrat vom 11. September 1917 habe sich der W« völlig auf seine Seite gestellt und es sei ein leviraler Vertrauensmann beauftragt waren, den von England ausgestreckten Fühler weiterhin zu ^folgen. In dem Kronrat habe er die kaiserliche Er- »chtigung erbeten zu erklären, daß Deutschland zur Lederherstellung der territorialen Integrttät und Sou- eiänität Belgiens bereit sei. Der Chef des Admiral- Lbes habe sich dafür ausgesprochen, daß die flandrische M in deutscher Hand bleiben müsse. Die Vertreter er Obersten Heeresleitung hätten aus milltärischen Grünen die milttärische Kontrolle über die Festung Lüttich Ph Umgebung gewünscht. Bei den militärischen Wün- hen habe es sich ebenso wie bei den wirtschasllichen Wün- «n hinsichtlich Belgiens nicht um Vorbehalte, die gegen- wr England gemacht wurden, gehandelt, sondern um stele. die in den Verhandlungen mit Belgien selbst an« fftrebt werden sollten. Die Aktion des neutralen Ver- "nensmannes sei durch diese Dinge in keiner Weise ein» oder erschwert worden. Sie führte jedoch, so schließt * Erklärung des Dr. Michaelis, zu einem durchaus Dativen Ergebnis. Cs fteffie sich heraus, daß “ «r von der deuffchen polttffchen Leitung umschriebe-
StunMage, die durchaus der Reichstagsresolution vom *.?uli 1917 entsprach, bei der britischen Regierung kei-
Geneigtheit zu Friedensverhandlungen bestand. t®™5 »gab sich, daß der Kardinal-Staatssekretär und ^Apostolische Nuntius in München der Mitteilung des "™oner Auswärtigen Amtes und des britischen ®e- »roten beim Vatikan eine dieser Mitteilung nicht zu- «tmende Bedeutung beigelegt hatten.
„ »«fe Darlegung bringt keine befriedigende Auf« darüber, warum die deutsch« Regierung den
N über Rom nicht gegangen ist, der offen vor F ”6- Ihn zu beschreiten, hatte der Papst sie nicht
Grund eingeladen. Statt dessen ging die Re» den weniger sicheren Weg einer vertraulichen Oralen Vermittlung, auf dem sie ungerufen er« £*• Sie ging denn auch in die Irre. Daß die Ktt* Hrereilettung mit ihre« Ansprüchen auf , Mn eine, klaren Politik schwerste Hindernisse "kte, bleibt daneben richtig.
5,1 Erzbischof von Westminster über die | Pariser Konferenz.
S“töinaI Sour ne von Westminster hielt eine sehr Ansprache gelegentlich einer Preisoer- .Liverpool. Wörtlich sagte er u. a.: „Jetzt
T1 'N Paris jene wunderbare Konferenz, wie die l« noch nie gesehen. Große Staatsmänner sind . und die beste, menschenmögliche Gelegenhell . Nch. chnen zu einem gesunden Urteil zu kommen in kn _unö verwickelten Fragen, die da aufgetaucht ökse Konferenz anbelangt — viele Teilneh» j/irtMn sind christliche Männer, — so ist sie, von l*Ie ai)- an dem sie begann, bis jetzt — eine gott» t^onferenj gewesen! Der Gottesname ist nie -St «nsrooriltn- Die Weisheit Gottes ist nie ange« l* «otben um Erleuchtung, und amtlich geht die Kon« E? 9fhtOn' oIs ob es kein Gewissen, keine N, gK te, keine christliche Ueberlieferung gäbe und Mett Me ganz vom Angesichte der Erde verschwunden M bi, $ wissen, was das Ende sein wird. Bis setzt künden» Äerenz wenig geleistet und hat auch wenig ge- k 3utuntj/nIa& gegeben zu einer guten Hoffnung für i Erreich ratifiziert erst im September. 1^^^ TriedenZausschuß der französischen Kammer
Generalbericht les Abg. Barthou an, der ■ büß? wit 30 gegen 2 Stimmen genehmigt wurde.
also 28 Mitglieder des Ausschusses an der . weht teilgenommen.
mit einer Darstellung der W awu r" Ereignis^ vom Mord von Serajewo ag i,-r kn Krieg Kaiser Wilhelm ver. raiüt»,; , Was dem Friedensvertrag vor allem P41 en .setz sei, daß er das Werk Bismarcks M sii ’ r n ö r r p Im Gegenteil, die deutsche Em- Mi^ttest und durch den Vertrag formell aner« Ni $r,_tcL'en-. Uebergehend zu den Gebietsfragen sttb fest, daß der Vertrag auf diesem Ge« des Rechts und der Gettchtigleit sei.
infpeftor Welkenberg, der frühere Sekretär des Nglio- nalrats, Dr. Fritz, unb ber Sektionschef im Kriegs- minifterium, Scillery, unb forderten die eben zur Beratung versammelten Mini st er auf, abzuban- k e n mit ber Begründung, daß die Regierung nicht die Gesan theit ber Nation vertrete. Nach einer kurzen Beratung beschloß die Regierung, zuriickzutre- te n. Die Ententemission übertrug die oberste Gewalt dem Erzherzog Joseph, ber den gewesenen Sektionschef im Kriegsministerium, Stephan Fried» rich, zum Ministerpräfibenten ernannte. Die Missionen ber Ententemächte hielten am Abend eine gemeinsame Beratung ab; zu welcher Erzherzog Joseph unb ber Ministerpräsident Friedrich zugezogen waren.
Erzherzog Joseph, der neue provisorische Regierungschef in Budapest, hat schon seit Jahrzehnten feinen Aufenthalt in der ungarischen Hauptstadt. Er residierte in der Ofener Burg bis zum Kriegsausbruch als Stellvertreter Kaiser Franz Josephs und war. persönlich bei den Magyaren sehr beliebt. Die ungarische Sprache beherrscht er vollkommen und ist mit den Sitten unb Gewohnheiten des Landes vollständig vertraut. Unter der Herrschaft Dela Khuns ging es dem Erzherzog schlecht: nach einer kürzlich durch die Blätter gefangenen Nachricht habe er sogar Brot für sich unb feine Familie betteln müssen.
Wien, 7. August. Wie au8 Budapest gemeldet wird, weht von den Türmen der Burg zum erstenmal seit ber Novemberrevolution wieder die alte königliche Fahne. Alle Vorbereitungen der jetzigen Machthaber in Budapest lassen daraus schließen, daß das Ende der ungarischen Revolution unmittelbar bevorsteht, und daß die biermonatige Tauer der Räteregierung auch die Bevölkerung ber Wieder- auJrufung der Monarchie geneigt gemacht bat. — Die Anhänger des Bolschewismus sind harten Verfolgungen ausgesetzt. Zahlreiche Anhänger bet Regierung Kbun wurden verhaftet und werden vor Gericht gestellt.
Tie rheinische Repndlik.
DaS Aktionskomitee, das-die vorbereitenden Schritte zur Gründung deiner rheinischen Republik betreiben soll, hat sich, bereirs kanstttuiert und die Verteilung der Aemter vorgenommen. Es wurde beschlossen, eine großzügige 'Propaganda vormnehmen und sofort mit allen bestehenden Arbeitsausschüssen in Verbindung zu treten?"
Gleichzeitig hat Dr. Dorten eine Agitatrons» reife unternommen und beruft zunächst in einigen