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Maria sah, wie der Vater zitterte vor Aufregung. Eip tiefes Mttleid überkam sie. Eie öffnete den Mund, schon schwebte ihr die Zusage auf den Lippen, daß fie lieber Felix Ebbhardt heiraten werde, als mtt ansehen, daß der alte Vater fern Besitztum verkaufe, an dem er doch mtt tausend Fäden hing, an dem er so viele Freude hatte und wo er seine alten Tage in Ruhe und Frieden zu verbringen gehofft hatte. Der verkauf durste unter keinen Umständen stottfinden. Jetzt erschien ihr das Opfer, einen ungeliebten Mann zu heiraten, viel kleiner als bisher und ste wollte es mit Freuden bringen. War das nicht ihre einfache Pflicht? Felix Ebbhardt würde ihnen allen helfen.
„Nein, lieber Vater", rief ste bebend, „ich werde niemals zugeben, daß Du unser liebes Haus und den Gar- ten verkaufst. Du würdest Dich in der SttÄt nicht eingewöhnen können. Denke doch, wie schön wir hier woh. nett, es ist em Fleck, der uns gehört und den uns niemand nchmen kann. Du hast unser kleines Besitztum erst zu dem gebracht, was es ist, nein, nein, es darf nicht verkauft werden, ich dulde es nicht!"
Er hob den Kopf und sah sie hoffnungsvoll an. „So weißt Du einen anderen Weg, mein Kind? Du sichst doch wohl ein, daß hier etwas geschehen muß! Wovon sollen wir leben?"
Sie sah zu Boden. Noch zögerte sie, das Zugeständnis auszusprechen, denn ein Zurück gab es dann nicht mehr, das wußte sie. Und doch fühlte sie, daß sie dir Einzige war, die hier etwas tun konnte. Der Vater
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Aga zornig dazwischen fuhr und ste schweigen hieß, ^gtnen Augenblick lang hatte Maria überlegt, ob es jm dar beste wäre, wenn sie Felix Ebbhardt erhörte und lygä dem alten Mann eine sorgenlose Zukunft sicherte. jjtt Opfer erschien ihr gor zu schwer. Sie konnte es Mt bringen; denn in ihrem Herzen sprach keine Stimme £ Denjenigen, der sie so heiß begehrte. Das. Bild eines war zu fest eingegraben, und wenn sie auch nicht
Fünkchen Nahrung für die Hoffnung hatte, jemals -j, diesem anderen auch nur beachtet zu werden, so be- Mftigten sich doch ihre Gedanken ausschließlich mit ihm, gtä das durste nicht fein, wenn ste Felix Ebbhardt ihr Z---rt gab. Sber was nun? Wohin würde ihr Weg ft flhr-n?
' $er Later fuhr aus feinem dumpfen Brüten auf. *0 meint ihr, Kinder, was nun geschehen soll?" fragte
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Er kann hier in Ruhe studieren und mtt der elektrischen Dahn täglich hinetasahren, sei nur ruhig", fuhr fie mit erhöhter Stimme fort, als der junge Mann ihr ht die Rede fallen wollte, „das muß sein! Du kannst bei uns essen und wohnen, auf diese Weise wird viel Geld er. spart. Ich wollte das schon lange durchsetzen, stteß ober immer auf Widerstand. Sodann können wir tat Hause zwei, vielleicht sogar drei Zimmer zum Vermieten ein- richten, ich beziehe das kleine Kämmerchen, das bisher als Rumpelkammer benützt wurde, das genügt mir vollkom- men zum Schlafen. Wenn wir für ein Zimmer 25 Mark bekommen, und das denke ich schon herauszuschlagen, so macht es den Monat 75 Mark, ein ganz gutes Geschäft. Meter bekommen wir genug, da es in der Stadt eine Menge Leute gibt, die gerne die Ruhe hier draußen auf- suchon. Und dann denke ich", — ste machte eine Pause, als wollte sie sich besinnen, und fuhr rasch fort: „Ich werde vielleicht auch aus dem Garten etwas herausfchla» gen können, durch den Verkauf von Blumen und Gemüse und dergleichen. Aber Maria, hm, die mühte sich eben eine Stelle suchen, vielleicht als Stütze, vielleicht zur Er- ziehung und Beaufsichtigung kleinerer Kinder, sie kann sich auf diese Weise recht gut nützlich machen, da sie alles gelernt hat, was sie dazu braucht. Ich denke, 30 Mark im Monat wird ste leicht bekommen, em hübscher Zuschuß für die Wirtschaftskaffe, ganz abgesehen davon, daß man dann ihr Zimmer, das hübscheste im ganzen Hause, vielleicht auch noch vermieten kann. Die Arbeit will ich gerne übernehmen, und wenn ich für meine Mieter die Wäsche besorge, vielleicht auch für sie koche, dann bringe ich sicher so viel heraus, daß es reicht, zumal wenn der Vater eine kleine Pension bekommt und nebenbei einige Musikftunden gibt. Felix Ebbhardt nimmt auch noch Unterricht, wir werden also nicht verhungern — und jedes Glied der Familie kann sich betätigen. Was meint Ihr zu meinem Vorschlag?"
Im Zimmer war es ganz still. Maria hatte beide Hände vor dos Gesicht geschlagen und Träne auf Träne quoll zwischen den Fingern hervor. Der Alte starrte trüb vor sich hm.
„Ich soll fort von hier?" stammelte Maria endlich, — „worum gerade ich?" —
Linda zuckte die Achseln.
daran, Licht zu machen, alle waren zu sehr mit ihren Gedanken und Sorgen beschäftigt. — Ehe Maria dazu kam, weiter zu reden, begann Linda in ungewöhnlich weichem Ton: „Zu verzweifeln brauchen wir nicht, tmb unser liebes Heim soll auch nicht verkauft werden. Wir wollen uns einschränken und ich hoffe, daß wir durchkommen."
Mr blickten nettgierig auf die Sprecherin, die langsam fortfuhr: „Hört, was ich mir für einen Plan zurecht gelegt habe: Die erst« Bedingung ist, daß Hans seine Wohnung in der Stadt aufgibt und zu uns herauszieht.
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„3a, mit dem freien Leben, das Du bis jetzt führtest, wird es nun wohl vorbei sein! Du mußt eben auch etwas zum Unterhalt beitragen, da wir nun nicht auf goldenen Stühlen fitzen und die Hände in ten Schoß legen können. Man muß eben sehen, wie man sich durchschlägt. Wenn Du darüber ruhig nachdenkst, wirst Du' mir recht geben."
„Sic will Dich von hier fort haben", raunte Hans Maria ins Ohr, „wahrscheinlich hofft sie dann leichter den Felix Ebkchardi für sich zu gewinnen. Nimm Du ihn doch, Kleine!" Maria schüttelte energisch den Kopl Es dünkte ihr viel leichter, sich ihren Lebcusunlcrhalt unter fremden Menschen zu verdienen, als sich an einen ungeliebten Mann zu verkaufen. Obwohl sie wußte, daß ihr der Abschied von ihrem „kleinen Paradies" bitter schwer werden würde, zog sie doch dieses Los vor.
„Lindas Plan ist in der Tat nicht schlecht", sagte sie ruhig, „und wenn ich dazu beitragen kann, den Lebensabend des lieben Vaters sorgenfrei zu gestalten, so soll es gewiß gern geschehen. Gleich morgen werde ich den ersten Schritt tun zu dem neuen Leben!"
Der Vater zog sie liebevoll an sich.
„Mein gutes Kind", flüsterte er gerührt, „Du wirst mir recht fehlen, wenn Du nicht mehr hier bist, aber ich muß gestehen, auf diese Weise könnte es gehen. Mir fällt ein Stein vom Herzen, der Abschied von meinem lieben stillen Haus wäre mir doch gar zu schwer geworden." Maria kämpfte schon wieder mit den Tränen. Doch tapfer zwang sie dieselben zurück.
Linda ging ab und zu. Sie zündete die Lampe an, in deren Schein das einfache Zimmer noch traulicher erschien und sorgte für das Abendessen. Es wurde noch manches besprochen. Linda zeigte sich viel gesprächiger und heiterer als sonst. Recht bedrückt war Hans. Er nagte beständig an der Unterlippe. Seine Schweigfam- kett fiel aber nicht besonders auf, da jedes mit sich selbst beschäftigt war.
Als Maria an diesem Abend ihr Zimmer betrat, sau? sie schluchzend vor dem Bilde der Mutter nieder.
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